Ausgabe 
12.2.1901 Erstes Blatt
 
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können. Eine allzu weitgehende Kontrolle, die sich auf die Wirte, Delikateß-Eeschäfte, Droguenhandlungen und Apo­theken erstreckte, würde einen ganz ungeheueren Beamten- Apparat erfordern und ungeheueres Geld kosten. So etwas sei undurchführbar. Positive Bestimmungen über die zu­lässigen Zusätze empfehlen sich bei der Entwickelung der Chemie nicht. Reine Raturweine könnten immer durch die Etikettierung als solche bezeichnet werden.

Wg. Heyl zu Herrnsheim (ntl.) legt dar, an Zusätzen müsse alles verboten sein, was nicht in diesem Gesetz ausdrücklich erlaubt ist. Im Interesse seiner Wähler müsse er sich gegen die Kellerkontrolle aussprechen. Er müsse sich wundern, daß so viele Abgeordnete, welche Wein­gegenden mit kleinen Winzern vertreten, geneigt scheinen, einer solchen Kontrolle zuzustimmen.

Abg. Lurz (Zentr.) meint, zur wirksamen Durchführung der Bestimmung betreffend das Verbot des Kunstweins werde es notwendig sein, an der Spitze des Gesetzes eine strikte Definition des BegriffesWein" zu geben. (£r billigt den Standpunkt der Notwendigkeit der Kontrolle, der von den meisten Rednern betont worden sei. Die Strafbestimm­ungen halte er für zu gering.

Abg. Schmitt-Mainz (Zentr.) führt aus: Wenn wir nicht mit Luxemburg zu einem Abkommen gelangen, nützt das Gesetz sehr wenig. Dann haben die Winzer nicht nur einen weiteren Schaden, sondern die Luxemburger haben doppelten Gewinn. Er hoffe indessen, in der Kommission noch zu einer Einigung mit der Regierung zu kommen.

Abg. Preiß (Els.) wünscht, daß das Reich zurückkehre zum allgemeinen Recht und den Verkehr mit Wein unter bas Nahrungsmittelgesetz vom Jahre 1879 stellt.

Abg. Schnrid - Jmmenstadt (Zentr.) hofft, daß die oberfränkischen Winzer gegen den unlauteren Wettbewerb geschützt werden.

Schließlich geht das Weingesetz an dieselbe Kommission wie die Schaumweinsteuervorlage.

Montag 1 Uhr Justizetat.

Schluß halb sechs Uhr.

Preußisches Abgeordnetenhaus.

Fortsetzung der Beratung des Justizetats. Abgeord­neter Richter (frs. Vp.) führt aus, die Praxis des I u ft i z m i n i st e r s stehe nicht im Einklang mitder Verfassung: seine Freunde würden eine Erklärung im Namen des Gesamtministeriums verlangen. Justizminister Schönstedt erwidert, wenn wir die Ansicht der Abgg. Dr. Barth und Richter zu Grunde legten, dann kämen wir zu einer mechanischen Auslegung der Verfassung; es gäbe aber im öffentlichen Leben Imponderabilien, die kein Staats­mann unbeachtet lassen könne, und die auch ein Politiker nicht ohne Gefahr außer Acht lasse. Die Abgg. Dr. Jrmer (kons.) und Frhr. v. Zedlitz (frk.) beantragen, das HauH möge zu dem vom Justizminister dargelegten Grundsätze, daß bei der Erü e n nu n g v on N otaren auf das Bdürfnis der christlichen Bevölkerung in an­gemessener Weise Rücksicht genommen werden soll, seine Zustimmung auszusprechen. Abg. Dr. Wiemer (frs. Vp.) begründet einen von den Freisinnigen eingebrachten Antrag, dem bei Anstellung von Notaren die Interessen der Gesamtbevölkerung nach Maßgabe der Verfassung zu wahren sind. Die Abgg. Dr. Jrmer und Frhr. v. Zed­litz beantragen, in dem Antrag der Freisinnigen die Worte wie bisher" einzufügen. Nach weiterer Debatte wird der, Antrag der Freisinnigen mit dem Zusatzantrage der Kon­servativen gegen die Stimmen der Freisinnigen und Polen angenommen, desgleichen mit demselben Stimmenverhältnis der Antrag Jrmer-Zedlitz betr. Zustimmung zu den Grund­sätzen des Justizministers. Das Ministergehalt wird be­willigt. Weiterberatung Montag 11 Uhr.

Politische Wochenschau.

Graf Bülow versprach den Landwirten eine aus­reichende Getreidezollerhöhung; aber diese reagierten nicht bei der Beratung der Kanalvorlage. Im Gegenteil, der konservative Wortführer Graf Limburg - Stirum erklärte klipp und klar: Den Mittelland-Kanal werden wir niemals bauen! Der Herr Reichskanzler hielt es nun für rötlich, einen Schritt weiter zu gehen. Im deutschen Land­wirtschaftsrat stellte er den Herren Agrariern nicht bloß pflichtgemäßen Schutz ihrer Interessen in Aussicht, sondern erlegte ihnen auch in aller Form seinHerz" zu Füßen! Was kaufen wir uns dafür? werden sie wohl gedacht haben. Die Landwirte wollen ja keine Sympathien, keine verbindliche Redensarten, sie wollen reales Geld in den Beutel! Sie wollen bedeutend erhöhte Getreidezölle und zugleich einen Doppeltarif, der nachträglichen Zoll­minderungen mittels der Handelsverträge von vornherein vorbeugt. Gegenleistungen gedenken sie der Regierung nicht zu bieten. Sie verfügen ja im Reichstag über eine kompakte Mehrheit. Und den Widerstand der gewerbe- thätigen Bevölkerung brauchen sie vorläufig nicht zu fürchten. Solange sich sogar die städtisck)en Kollegien großer Handels- und Jndustriemetropolen durch Kompetenz- Bedenken von dem Auftreten gegen die agrarischen Wünsche zurückhalten lassen, solange können die Ostelbier auf die Bemühungen ihrer Gegner pfeifen.

Die Königin von Holland hat sich dieser Tage mit einem deutschen Prinzen vermählt. Natürlich gedachte man bei solchem Anlaß auch der Stummverwandtschaft und der Interessengemeinschaft der beiden Völker. Die geschichtlichen Ereignisse der letzten Jahrzehnte haben die Niederländer belehrt, daß sie von dem mächtigen deutschen Reiche nichts zu fürchten, dagegen manches zu hoffen haben. Leider ist gerade in der jüngsten Zeit in Deutschland Einiges geschehen, was die Sympathien unsres Nachbar- Volkev wesentlich abkühlen mußte. Man hat den ehrwürdi- gena j ibenten Krüger unfreundlich behandelt, und dem Lord Roberts den Schwarzen Adlerorden verliehen. Hof lent£Ä Hollander nicht außer Acht, daß im

deutschen Volke beide Vorgänge nicht gebilligt, sondern in den weitesten Zersen mit Mißbehagen und Bedauern aufgenommen würben.

In Italien sah sich das Kabinett Sara eco zum Rücktritt genötigt. Schon lange stand es auf schwachen Füßen, da eine ganze Reihe einflußreicher Parlamentarier auf seinen Sturz und seine Erbschaft spekulierten. Be­sondere Schwierigkeiten bot die Steuerreform. Man möchte die untern Schichten gerne etwas erleichtern; niemand will sich aber dem Odium aussetzen, den Ausfall anderen Schultern aufzubürden. Dazu kam der fatale Genueser Streik und neuerdings das von der Regierung aus

gearbeitete Anarchistengesetz. Die Folae war eine mehrtägige heftige Kammerdebatte und schließlich ein schroffes Tadels­votum. Welcher der strebsamen Ministerftürzer den Lohn seiner Jntriguen ernten wird, steht noch nicht fest. Die Volksvertretung bildet in Italien ein Chaos kleiner Inter­essenten-Cliquen. Um eine Mehrheit zusammen zu be­kommen, muß man fast ein Dutzend ihrer Führer mit Porte­feuilles und mehrere Dutzend ihrer Parteioffiziere mit anderen Aemtern abspeisen, und das bereitet natürlich einige Schwierigkeiten. Daß das Parlament aber eigentlich nicht zur Befriedigung persönlichen Ehrgeizes, sondern zur Förderung der Volksinteressen vorhanden sein sollte, das scheint im Lande der Zitronen völlig in Vergessenheit ge­raten zu sein.

Ter Buren krieg soll nach dem Wunsche der eng­lischen Regierung mit erneuter Thatkraft fortgeführt wer­den. Hierzu will man weitere 30 000 Mann Verstärkungen nach Südafrika senden. Sie werden aber in erster Linie wohl nötig sein, um die Lücken einigermaßen auszufüllen, die unausgesetzt der Hunger und die Pest in die britischen Scharen reißen. Die Buren sind inzwischen zur Abwechsel­ung in portugiesisches Gebiet eingefallen und haben die Eisenbahn zwischen Komatipoort und der Telagoabai unter­brochen. In Ostasien nützen die Russen die Gunst der Situation mit einer rücksichtslosen Gründlichkeit aus. Neuer­dings haben sie sich von China die Blonde- und Eliot- Inseln abtreten lassen, und beherrschen nunmehr den Golf von Petschili. England muß natürlich auch hier wieder gute Miene zum bösen Spiel machen. Das bischen Transvaal wird immer kostspieliger!

Politische Tagesschau.

Neber die Ergebnisse der Einkommensteuer­veranlagung für 1900 in den selbständigen Stadt­kreisen Preußens entnehmen wir der amtlichen Sta­tistik folgende Angaben: In den 76 Stadtgemeinden der preußischen Monarchie waren bei der Personenstandsauf­nahme 8075 216 (im Jahre 1899 7 725 842) Einwohner vor­handen, unter denen sich 1364 489 (1214471) einkommen- steuerpflichtige Zensiten befanden. Der Anteil der Zensiten an der Gesamtbevölkerung ist hiernach im letzten Steuer­jahr sehr erheblich gestiegen; er beträgt 16,90'gegen 15,72 im Jahre 1899. Am größten ist der Anteil der Zensiten in Dortmund mit 26,50 v. H. der Gesamtbevölkerung, in Bochum mit 26,05, in Essen mit 22,81, in Berlin mit 22,38 und in Schöneberg mit 21,01 v. H. Das gesamte Veranlag­ungssoll betrug 100 557 202 Mk. gegen 91246 728 Mark im voraufgeganaenen Jahre, in dem allerdings Thorn und Graudenz, die damals noch nicht selbständige Stadtkreise waren, nicht mitberücksichtigt worden sind. Von dem Ver­anlagungssoll entfallen allein 29 715176 Mark auf Berlin; dann folgen Frankfurt a. M. mit 8,07 Mill. Mark, Köln mit 5,20, Breslau mit 4,26, Charlottenburg mit 4,07 Mill. Mk. Im Vergleich zum Jahre 1899 ist das Veranlag­ungssoll verhältnismäßig am meisten gestiegen in Bochum um 48,66 v. H., in Essen um 32,05, in Rixdorf um 24,94, in Witten um 23,46 und in Gleiwitz um 20,42 v. H. Am größten ist das Durchschnittseinkommen, wie bisher in Frankfurt a. M., wo es 5368 Mk. beträgt gegen 5405 im Vorjahr; dann folgen Wiesbaden mit 4876 (4819), Bonn mit 4763 (4832), Charlottenburg mit 4382 (3931), Aachen mit 3716 (3824), Koblenz mit 3571 (3517), Posen mit 3500 (3445), Kassel mit 3499 (3690) und Potsdam mit 3428 (3415) Mark. Die Veränderungen gegenüber dem Jahre 1899 sind also zum Teil sehr erheblich; auffällig ist besonders Die starke Zunahme des Durchschnittseinkommens in Charlottenburg und der erhebliche Rückgang in Kassel.

Aus Stadl und Sand.

Gießen, 10. Februar 1901.

gedenket der hungernden Vögel!,

** Audienzen. Der Großherzog empfing am 9. Februar deUf, Generalleutnant v. Perbandt, Kommandeur der Großh. (25.) Division, den Generalmajor v. Ploetz, Kommandeur der 49. Infanterie-Brigade, den General­major v. Daum, Kommandanten der Stadt Darmstadt, den Oberstleutnant v. Werder, Kommandeur - des 1. Großh. Dra­goner-Regiments (Garde-Dragoner-Regiments) Nr. 23, den Major und Eskadronchef Frhrn. Thumb v. Neuburg, sowie die Leutnants Graf v. Hardenberg und Frhrn. v. Preuschen von demselben Regiment, den Major z. D. Bender, Bezirks­offizier beim Landwehrbezirk II Darmstadt, den Haupt­mann v. Hofmann vom 1. Großh. Infanterie- (Leibgarde-) Regiment Nr. 115, den Hauptmann v. Haxthausen vom Generalstabe der Großh. (25.) Division, den Wirkl. Geheim­rat Knorr v. Rosenroth, den Hoftheater-Hauptkassier Wam- bold, den Kaiser!. Bankdirektor K^nothe von Fulda, die Eisenbahn-Betriebs-Jngenieure Büchner, Engau, Granato- wicz, Appel, die beiden letzteren von Mainz, den Pfand­meister Stellweg von Offenbach, den Geh. Justizrat Dr. Weber, den Präsidenten Nicola Racke und den Garten­direktor und Sekretär Schröder vom Mainzer Gartenbaw- Verein, den Geh. Hofrat Professor Oncken von Gießen; zum Vortrag den Staatsminister Rothe, den Justizminister Dr. Dittmar, den Präsidenten des Ministeriums der Fi­nanzen Gnauth, den Präsidenten des Oberkonsistoriums Buck)ner, den Hofjägermeister Frhrn. van der Hoop, den Kabinettsrat Römheld.

Wie bereits gemeldet, wird der Großherzog am Dienstag, 12. Februar, zur gewohnten Stunde im Residenzschloß Audienzen erteilen, sowie Meldungen und Vorträge entgegennehmen.

** Ordensverleihungen. Der Großherzog ver­lieh dem Hauptmann Frhr. v. Preuschen im 5. West­fälischen Infanterie-Regiment Nr. 53, seither im Leibgarde- Regiment Nr. 115, das Ritterkreuz II. Klasse des Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen, und dem Gefreiten Georg Rehberger aus Dasberg, dem Seesoldaten Philipp I o st aus Offenthal, dem Seesoldaten Jean Müller VII. aus Birklar, dem Seesoldaten Heinrich Roth II. aus Eichen­rodt, dem Seesoldaten Peter Delp aus Eberstadt (Darm­stadt) und dem Seesoldaten Gustav Brand aus Offenbach das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür Tapfer­keit". <

** Personal-Nachrichten. Der Großherzog iiat^am 2. Februar den Oberlandesgerichtsrat Dr. Hangen in Darmstadt zum Mitglied der Prüfungskommission für

das Justiz- und Verwaltungsfach und am 9. Februar bett Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gernsheim Eugen Funk zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Groß-Gerau und den Gerichtsassessor Friedrich Schulz aus Darmstadt zum Amtsrichter^ bei dem Amtsgericht Gernsheim mit Wirkung vom 15. Februar 1901 ernannt. Der Großherzog hat am 7. iFebruar den ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule August N o a ck auf Nachsuchen unter Anerkennung seiner mit Treue und Eifer geleisteten ersprießlichen Dienste mit Wirkung vorn 1. April 1901 in den Ruhestand versetzt und am 2. Februar dem Pfarrer Otto Walther zu Offen­thal, Dekanat Offenbach, die evangelische Pfarrstelle daselbst übertragen, ferner am 9. Februar den Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht in Bingen Heinrich Martin Klein auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 10. Februar 1901 in Den Ruhestand versetzt und ihm das Ritterkreuz II. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüttgen verliehen. Der Großherzog hat am 9. ds. Mts. den Steuerkommissa- riats-Assistenten bei dem Steuerkommissariat Gießen, Regierungsassessor Wilhelm Krug in gleicher Diensteigen­schaft an das Steuerkommissariat Darmstadt I versetzt und den Steuerkontrolleur Regierungsassessor Hermann Schreiber zu Darmstadt zum Steuerkommissariatsassistenten bei dem Steuerkommissariat Gießen ernannt.

* Aus dem Theaterbureau. Heute (Montag) gastiert hier, wie bekannt, Herr Oskar Bohnse, der 1. Held und Liebhaber des Kölner Stadtlheaters, als Graf Traft in SudermannsEhre-. Am Dienstag wird als 11. Bolks- vorstellung das vieraktige LustspielMauerblümchen- von Blumenthal und Kadelburg gegeben.

** Kruse u. Helm. Wie man uns mitteilt, hat Herr Direktor Helm vom hiesigen Stadttheater für nächsten Sommer dasTivoli-Theater" in Nordhausen über­nommen. Die Direktion des Kurtheaters in Bad Neuen­ahr ist für die kommende Sommersaison in die Hände des Herrn Direktor Kruse von hier übergegangen.

** Haare. Jeder Mensch weiß, daß unser Haupthaar auch dann, wenn der Körper seine ausgewachsene Größe er­reicht hat, immer noch weiterwächst, aber merkwürdigerweise wissen eigentlich nur wenige Menschen, wie schnell das Haupt­haar wächst. Noch im Jahre 1856 war ein verdienter Forscher der Ansicht, die Haare wüchsen an ihrem freien Ende durch Knospung fort, und dieses Fortwachsen dauere auch nach dem Tode noch eine Zeit lang an, und auch in neuerer Zeit waren die Spezialärzte für Haarkrankheiten der Meinung gewesen, daß das Haupthaar in einem Monat fast 33 Millimeter wachse. Ein Spezialist auf dem Gebiete der Haarkunde, I. Pohl, hat aber durch genaue Meffungen festgestellt, daß sein eigenes Haupthaar im Beginn der zwanziger Lebensjahre monatlich um 15 Millimeter au Länge zunahm, während im sechzigsten Lebensjahre eine beträcht­liche Abnahme der Wachstumsgeschwindigkeit eingetreten war, sodaß sie nur noch 11 Millimeter im Monat betrug. Auch die sehr weit verbreitete Ansicht, häufiges Haarschneiden be­fördere den Haarwuchs, hat sich bei dieser Gelegenheit als falsch erwiesen. Wenn man sich die Haare hat schneiden lassen, wachsen dieselben eine Zeit lang langsamer als vorher, und erst sehr allmählich wird der monatliche Durchschnitt wieder erreicht. Merkwürdig ist auch, daß immer zwei bis vier benachbarte Haare in einer besonderen Wachstumsab­hängigkeit von einander stehen; eine Zeit lang wächst eins aus einer solchen Gruppe über, und so geht es in dauerndem Wechsel weiter. Von einer solchen Gruppe fallen auch nie alle Haare zusammen aus, sondern immer nur eines, die anderen scheinen dann um so widerstandsfähiger geworden zu sein, und hierdurch wird das Entstehen kleiner kahler Flecke vermieden.

** In Amerika verstorbene Heffeu. Quincy Jll.: Andreas Göbel aus Felda, 82 Jahre alt. Gillman, Jll.: Elisa- ;ethe Kraft, geb. Becker aus Londorf. Akron, Ohio: John H. Diefenbach aus Rodheim, 87 Jahre alt. Wichta, Kansas: Marie Katharine Gläser aus Wohnbach, 85 Jahre alt.- Wheeling, W. Va.: Eleonore Kaltenbach geb. Kraft aus SelterS, 82 Jahre alt.

Ridda, 10. Febr. Am Freitag wurde unter großer Be­teiligung die langjährige Präsidentin des Gustav Adolf-FrauenvereinS Nidda, Frau Rentner Jost Witwe zur letzten Ruhe bestattet. Sie war eine Pfarrerstochter, geboren zu Stumpertenrod, sie hat stets reges Jntereffe für ote leidenden Glaubensgenossen in der Zerstreuung gezeigt und war auch ein thätigeS Mitglied des Vorstandes der Kleinkinderschule, der einen prachtvollen Kranz am Grabe niederlegen ließ.

Darmstadt, 9. Febr. Der König von England hat dem Prinzen Ludwig von Battenberg das Groß­kreuz des König!. Biktoria-Ordens verliehen.

Darmstadt, 9. Febr. Gestern abend wurde der Oberkellner eines hiesigen ersten Hotels festgenommeu, da er seinen Prinzipal um eine größere Summe beschwindelt lat. Lin seit November vorigen Jahres daselbst wohnender tefferer Reisender hatte wöchentlich seine Rechnung erhalten, aber zum Erstaunen des Hotelbesitzers nicht reguliert. Auf die im Januar erfolgte Ueberreichung der Gesamtnota hatte er den Kopf geschüttelt; als nun gestern der Besitzer, dem die Sache auffiel, den Fremden selbst interpellierte, stellte ich die Dieberei des Oberkellners heraus, der ben Betrag wöchentlich empfangen, aber für fich verbraucht hatte. Es handelt fich um etwa 4000 Mark.

Darmstadt, 9. Febr. Wie dieN. H. Volksbl." von absolut zuverlässiger Seite erfahren, ist die Uebersührung der Main-Neck ar-Bahn in die preußisch.hesfische Ge­meinschaftsverwaltung in den nächsten zwei Jahren gänzlich ausgeschloffen.

Mainz, 9. Febr. Zwischen dem Gauthor und dem Linsen­berg, gegenüber dem Pulvermagazin, finden größere Aus­grabungen statt. Beim Legen der Wasserleitung stieß mau ungefähr N/r Meter unter der Bodenfläche auf Mauerreste, die jedenfalls aus der Römerzeit herrühren. Der Altertums­verein läßt nun diese in ihrer ganzen Ausdehnung freilegen; es sind starke, glatt behauene Mauern, die mit verschiedene« Absetzungen stellenweise bis zu 4 Meter Tiefe gehen. Ver­bunden sind sie mit einem sehr starken Mörtel, an einer