Ausgabe 
11.6.1901 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

In beiden Fällen waren die Mißhandlungen geringfügiger Natur und hatten Schädigungen an der Gesundheit der Untergebenen nicht zur Folge.

Damit ist also die schwerste Anschuldigung gegen Krosigk aus der Welt geschafft, und die lebhafte Beunruhig­ung im wesentlichen beseitigt. Immerhin aber muß man sich sagen, daß bei der Wiederaufnahme des Prozesses jede Beschränkung der Oeffentlichkeit von Nachteil für die Mili­tärverwaltung und die Disziplin sein würde, nachdem ein­mal Beschuldigungen in die Presse gekommen sind, die durch die obige offizielle Erklärung noch nicht sämtlich widerlegt sind. Tie Berufungsinstanz wird der Oefsentlich,- leit zu beweisen haben, daß den Militärbehörden der Schluß der Untergebenen genau so am Herzen liegt wie der Ge­horsam gegen die Vorgesetzten. Taß ähnliche Strafen wie die von Krosigk gegenüber Marten nach der obigen Tar- stellung angewendeten, vorkommen, svurde uns erst dieser Tage von einem Herrn bestätigt, derchor Jahren in einem Tarmstadter Regiment sein Jahr abdiente. Dieser Herr wurde von einem ihm im Alter nicht unwesentlich nach­stehenden Offizier gezwungen, aus ganz geringfügigem An­laß einen kurzen Satz 100 mal abzuschreiben! Jener Offizier, ein Herr von hohem ?ldel, soll bald darauf wegen ungebühr­licher Behandlung seiner Untergebenen erhebliche gemaß­regelt worden sein. Und das von Rechts wegen.

Eine Aufforderung des anarchistischen Komitees, für die Familien der in Barcelona verhafteten Anarchisten Gelder zu sammeln, scheint bis jetzt wenig Erfolg gehabt zu haben. Die Berliner Agitations-Kommission erläßt einen neuen Auf­ruf:Genossen, gedenket der in der Folterkammer von Barce­lona aufs neue eingekerkerten spanischen Brüder." Die anarchistische Klubbildung macht in Berlin Fortschritte, so soll für den Norden ein Diskutier-Klub gegründet werden. Bei uns zu Lande ist die Polizei jetzt auch eingeschritten. Der Agitator Moritz Likier, der aus Preußen und Württem­berg ausgewiesen ist, ist jetzt aufgefordert worden, bei An­drohung zwangsweiser Abschiebung sofort das hessische Staatsgebiet (Mainz) zu verlassen. Likier ist Oester­reicher. Neben den anarchistischen Broschüren werden jetzt zu Agitationszwecken die Porträts bekannter Anarchisten in großen Mengen verbreitet, so namentlich das von Peter Krapotkin. Trotz des chronischen Geldmangels entwickeln überall (Rußland, Oesterreich, Spanien, Frankreich, Belgien, Deutschland) die Anarchisten eine außerordentliche Rührigkeit. Die Hauptagitatoren sind unausgesetzt in Bewegung, spielen eine große Rolle auch bei den Gewerkschaftskongressen (Paw- lowitsch und Wiesenthal bei denen der Metallarbeiter).

Aus Stadt und Zand.

lDer Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist »Ur unter genauer Quellenangabe:Gietz. Anz." gestattet.)

** Ehreubürgerbrief. Der für unseren früheren Ober­bürgermeister, Präsident Gnauth, bestimmte Ehrenbürger­brief, der von Professor Schurig in Offenbach a. M. ge­fertigt ist, kann Dienstag und Mittwoch vormittags von 9 bis 12 Uhr im SitzuugSsaale der Stadtverordneten besichtigt werden.

Der Kaffee und die Hausfrauen. Unsere Hausfrauen können froh fein; vorläufig ist an eine Erhöhung der Kaffee­preise nicht zu denken. Der kaiserliche Konsul in Rio de Janeiro Mahler, hat sich über den Kaffeehandel 1900 und kommende Jahre in einem dem Reichsamt des Innern er­statteten Bericht wie folgt ausgelassen: Die letzten Berichte der mit der Ernteschätzung beauftragten Kommission bestärken die Ansicht, daß das Ergebnis des Jahres 1900/1901 für Rio de Janeiro und Santos mehr als 9800000 Sack be­tragen wird. Da die Aussichten für 1901/1902 nach wie üor noch günstiger find die vorläufigen Schätzungen gehen für Rio und Santos bis zu 11 Millionen Sack so ist in sachverständigen Kreisen die Ansicht laut geworden, daß zwei aufeinander folgende Ernten solchen Umfanges infolge Schwächung der Bäume den Ertrag für 1902/1903 ungünstig beeinflussen müßten. Indessen sind wohl bis 1898 immer "och Neupflanzungeu erfolgt, sodaß angenommen werden kann, die Ernten werden trotz Eingehens so mancher Anlage bis 1901 mindestens das Ergebnis der diesjährigen erreichen, ob bei dieser Aussicht und bei den vorbezeichneten außer­ordentlichen Vorräten aus früheren Jahren auf eine dauernde Besserung der Preise gerechnet werden kann, erscheint zweifelhaft.

** Die Zeit der Kirschenernte ist wieder ge­kommen und es ist daher am Platze von der leider immer noch vielfach geübten Unsitte, die Kirschkerne mit zu ver­schlucken, eindringlich zu warnen, denn alljährlich liest man in H>en Zeitungen Fälle verzeichnet, daß infolge der er­wähnten Unsitte Menschenleben zu Grunde gingen. Braucht man sich auch! nicht sofort zu ängstigen, wenn einmal ein Kirschkern mit verschluckt Wirtz, so kann doch beim Ver­schlucken einer größeren Anzahl von Kernen leicht schwere Gefahren für Leib und Gesundheit entstehen.

Bad-Nauheim, 9. Juni. Un t erh altun g en vom 10. bis 15. Juni. Frühkonzert der Knrkapelle täglich von .7 bis 8 Uhr vormittags am Kurbrunnen. Montag 10. Juni, nachmittags von 4 bis halb 7 Uhr und abends von 8 bis 10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung:Pension Schüller". Schwank in drei Akten von Carl Laufs. Dienstag 11. Juni, nachmittags 1)011 4 bis halb 7 und abends von 8 bis 10 auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr im Saale Konzert von Frau Tarlays, Opernsängerin der Konzerte Lamoureux aus Paris. Mittwoch 12. Juni, nachmittags von 4 bis halb £ abends von 8 bis 10 auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Wagner-Konzert. Abends 8 Uhr Theatervorstellung:Im weißen Rößl." Lustspiel in drei Akten von Blumenthal und G. Kadelburg. Donnerstag . x>um, auf der Terrasse nachmittags von 4 bis halb 7 ^zert der Kapelle des Hessischen Jager-Bataillons Nr. 11 ons Marburg. Abends von 8 bis 10 der Kurkapelle oder der Jager-Kapelle (un letzteren Falle im Saale Konzert der Kurkapelle: Srnfonre H-moll - Franz Schubert). Eintritt wie Sonntag. Bei gutem Wetter am Teiche abends von 8 bis 10 Lampronsbeleuchtuny und Konzert der Jäger- Kapelle. Eintritt frei. Tie mittlere Terrasse ist nur gegen Vorzeigen großer Kurkarten zugängig. Freitag 14. Juni, nachmittags von 4 bis halb 7 und abends von 8 bis 10

auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle:Die Fledermaus". Operette in drei Akten von Joh. Strauß. Samstag 15. Juni, nachmittags von 4 bis halb 7 und abends von 8 bis 10 «auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung:Ter Ausflug ins Sittliche." Komödie in 4 Akten von Georg Engel.

Mainz, 9. Juni. Wie derGieß. Anz." bereits in der letzten Nummer telegraphisch melden konnte, brannte in der Nacht von Freitag auf Samstag die vor c. 16 Jahren erbaute Dampf müh le des Herrn I. Schmitt voll­ständig nieder. Tas große Etablissement bildete die Ecke Gärtnergasse-Mittlere Bleiche und zwar lag nach dieser Straße zu das eigentliche Mühlengebäude, während sich im Hause nach der Gärtnergasse das Verkaufslokal und die Wohnung des Besitzers befanden. Gäste einer gegenüber­gelegenen Weinwirtschaft verließen das Lokal gegen 1 Uhr 20 Min. früh und diese bemerkten zuerst in dem Mühlen­gebäude, in dem Raum, in dem die fünf schweren, eisernen Silo's standen und die vielen Transmissionen liefen, einen Feuerschein. Sie weckten sofort Herrn Schmitt und dann eilte dieser auf den Polizeibezirk, den Ausbruch eines Groß­feuers anzuzeigen. Beim Zurückkommen loderten die Flammen schon turmhoch aus dem Gebäude, die ganze Umgegend taghell erleuchtend. Oas Feuer, ver­stärkt durch den gefährlichen, überall festlagernden Mehl­staub, teilte sich zuerst dem Getreidereinigungsraum und dann der Mühle mit. Von da sprang das Feuer über auf das Tach des Wohnhauses. Die Freiwillige Feuerwehr und die Militärfeuerwehr trafen alsbald an der Brand­stelle vollzählig ein, sie hatten eine ungeheure Ar­beit nicht allein mit dem Löschen des Brandes, sondern auch damit, die zunächst gelegenen Häuser zu schützen. Eine furchtbare Gefahr für die Umgebung bildeten die zahllosen brennenden Getreidefunken, die in die Höbe flogen. Die herrschende Windstille verhinderte ein Wetterfliegen der Funken. Gegen halb 3 Uhr stürzte ein Teil des Straßen­giebels des Mühlengebäudes ein. In die gelben Flammen des verheerenden Feuers mischten sich öfters weiß-bläuliche Flämmchen, die von den zerstörten Leitungen des elek­trischen Lichtes herrührten und in Verbindung mit dem Getreidefunkenregen einen schauerlich- farbenpräch­tig en Anblick boten. Mit drei großen ausziehbaren Leitern und ca. 810 Schllauchteitungen griff die Feuer­wehr den Brand an. Die ganze Nacht wütete das Feuer. Erst gegen 6 Uhr war, so berichtet derMainz. Anz.", der Hauptbrand bewältigt, doch glimmte das Feuer in den Balken und den Trümmern weiter. Das Mühlenge­bäude ist bis «auf den Grund zerstört, nur der hohe Fabrikschlvt steht noch als ein trostloses Wahrzeichen auf dem Trümmerfeld. Ein großes Glück ist es, daß der Schlot nicht eingestürzt ist. Von dem Wohnhause ist 5)er Tachistuhl total abgebrannt; die Wohnung ist zwar durch )ie bewundernswerten Anstrengungen der Feuerwehr vom Feuer verschont geblieben, allein der durch die Wasser­mengen darin angerichtete Schäden ist sehr bedeutend. Stetig müssen noch!Wassermassen auf die heißen, dampfenden und schwelenden Trümmerhaufen geworfen werden. Ueber die Entstehung des Brandes ist etwas Bestimmtes noch nicht zu sagen. Teils heißt es, er sei durch Kurzschluß der elek­trischen Lichtanlage entstanden, teils daß ein Achslager einer Transmissionswelle im Siloraume warm gelaufen und in Brand geraten sei, wodurch dann das Feuer sofort größere Ausdehnung genommen hätte. Mag die Ursache nun sein, welche sie will, die Wirkung war eine furchtbare. Eine große Anzahl von Personen ist beschäftigungslos geworden. Im übrigen sind auch einige Nachbarhäuser beschädigt wor­den. Ter gesamte angerichtete Schaden beläuft sich auf ast d r e i v i e r t e l Millionen Mark.

Worms, 9. Juni. Um den durch die Vergrößerung der Stadt und die fortschreitende Entwickelung hervortreten­den erhöhten Bedürfnissen zu genügen, hat die Stadt­verordnetenversammlung beschlossen, ein vierprozentiges An le heu in der Höhe von dreiein­halb Millionen Mark aufzunehmen. Tas Anlehen oll zur Konkurrenz öffentlich ausgeschrieben werden.

Frankfurt a. M., 8. Juni. Heute wurden auf dem Friedhof der Polizeikommissar Mühl und die Opfer der Ehrmann'schen Familien-Katastrophe bestattet. Die Tragik des Schicksals schafft einen eigentümlichen Zusammenhang zwischen den Toten. War doch die letzte größere Amts- wndlung, die den Überaus beliebten Kommissar Mühl zu der elbst gemordeten Familie Ehrmann führte, deren Ableben :r behördlich konstatierte. Vor den Ehrmanns sank der irave Beamte ins Grab. Die Bestattung der Ehrmann'schen Familie in groben Holzsärgen ohne priesterliches Geleit machte einen erschütternden Eindruck. Die von Berlin herben geeilte Tochter stand einsam am Grabe^ ihrer Familie.

Frankfurt a. M, 9. Juni. Der "König von Däne mark stattete heute nachmittag der Landgräfin von Hessen einen Besuch ab und kehrte um 5 Uhr nach Wies aden zurück. Beim heutigen Rennen gewann den großen Preis von Frankfurt (10000 Mark und Ehrenpreis des Großherzogs von Hessen und bei Rhein) Rittmeister Graf Stauffenberg vom 20. Ulanen Regt, in Ludwigs bürg aufBootfield". Zweiter wurde Leutnant Suermondt (24. Dragoner-Regt.) aufGolden Elf".

Vermischter.

* Bochum, 9. Juni. Zwei Ingenieuren in Herue ist eS gelungen, ein hochwichtiges Verfahren der Gold, gewinnungstechnik zu entdecken. Hervorragende Firmen >eS Inlandes und Auslandes wollen die Erfindung auf. äufen. Nach der neuen Erfindung ist möglich, auS gold- ührendem Sand oder Gestein bis 98 Prozent Goldgehalt lerauSzubringen. Der neue GewinnuugSprozeß erfordert ein Geringes an Waffermengen.

* Hamburg, 8. Juni. Mit dem Lloyd-Dampfer Prinzeß Irene" ist der von China hergebrachte Leichnam des Hauptmanns Bartsch heute mittag am Petersevqnai gelandet und unverzüglich mit der Eisenbahn nach Striegau weiterbefördert worden, wo die feierliche Beisetzung in der Familiengruft erfolgt.

* Paris, 9. Juni. In einem Pistolen. Duell zwischen demTempS"-Redakteur Lautier und dem südameri konischen Korrespondenten de Blest Gcma traf eine Kugel deS Gegners Lantier am Schenkel, eigentlich eine Kupfermünze,

die er in der Hosentasche hatte, und verursachte eine starke, tiefe Quetschung, die empfindlicher sein soll als eine Schußwunde.

* Paris, 8. Juni. Das Duell zwischen Max Regis und LaberdeSqae, das durch seine lange Dauer ein größeres sportliches als politisches Jutereffe erhalten hatte, endete heute vorläufig mit einer leichten Verwundung, welche RegiS am Vorderarme erhielt.

* Nancy, 9. Juni. Der Apotheker Four erschoß den Direktor der Pharmazieschule, Bleicher, weil letzterer von Four verkauftes Chinin der Staatsanwaltschaft übergeben hatte. Four verübte sodann Selbstmord.

* Marseille, 8. Juni. Gestern abend explodierte eine Puloerkiste, die auf einem Artilleriewagen vom Fort St. Nicolas nach dem Arsenal transportiert wurde; fünf Per­sonen wurden schwer verletzt.

* Toulon, 8. Juni. Die Polizei belegte einen Wagen mit Beschlag, auf dem sich Bronze-Bestandteile von sechzehn Kanonenlaffetten im Gewicht von 1500 Silogr. befanden, die aus dem Arsenal gestohlen waren. Ein Händler namens Sarrafin, der angab, die Bronzestücke von unbekannten Leuten gekauft zu haben, wurde verhaftet.

* Madrid, 9. Juni. Das Tagesgespräch von Madrid bildet die Verhaftung des 31jährigen mexikanischen Kaplans Jesus Esparza, der mit den Fonds der erzbischöflichen Kaffe und in Begleitung eines hübschen Mädchens, Maria Padilla, eine Vergnügungsreise nach Europa angetreten hatte. Die Fonds hatte er zum Teil in Wechsel verwandelt, und das wurde ihm zum Verhängnis, denn um einen solchen hier ein* zulösen, bedarf der Beglaubigung der Unterschrift. Unser Kaplan hatte die Unverfrorenheit, sich mit Diesem Anliegen an den hiesigen mexikanischen Gesandten zu wenden. Dieser selbstverständlich längst von seiner Regierung über den Vor- fall unterrichtet, ging scheinbar darauf ein, verständigte aber gleichzeitig die Polizei, die daS Pärchen imHotel Oriente" unliebsam auS seinen Liebesträumen aufschreckte und grausam ins Gefängnis warf. Man fand in den Koffern nicht weniger als 350,000 Pesetas in Banknoten und Gold.

* Budapest, 8. Juni. In der Strafanstalt in Weizen brach heute vormittag Feuer aus. Die Feuer­wehr und die Sträflinge arbeiten unausgesetzt, um den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Ein Feuerwehrmann kam bei den Löscharbeiten ums Leben.

* Tie sanitären Verhältnisse auf den Rieselgütern bei Berlin. Ueber den Gesundheits­zustand der Bevölkerung auf den Rieselgütern bei Berlin während des Jahres 1899 liegt jetzt ein eingehender Ver­waltungsbericht vor, welcher ein erneutes Zeugnis ablegt für die Gründlichkeit und (Sorgfalt, mit welcher auch die anitäre Seite jenes großartig ^angelegten, in seiner Art ünzigen Kanalisationswerkes studiert wird. Nach den in derBerliner klinischen Wocyenschrift" mitgeteilten Beob­achtungen kamen bei einer Bevölkerung von ca. 40 000 Köpfen nur 34 Todesfälle vor, hierbei ist irgend eine Be­ziehung der Todesfälle zu den lokalen Verhältnissen der Rieselfelder nicht hervorgetteten. Die Erkrankungsziffer betrug nur 3,2 pro Tausend. Von Infektionskrankheiten ist der hauptsächlich interessierende Typhus nicht beobachtet worden, ebensowenig, obwohl eine ausgesprochen sumpfige Gegend vorhanden ist, malariaartige Erkrankungen. Die ehr eingehenden Analysen der Wasserverhältnisse (Brunnen, Grubenwässer) haben ein alsim allgemeinen günstig" be­zeichnetes Resultat ergeben, pathogene Bakterien sind nirgends nachgewiesen, während freilich der Gehalt der Wässer Mikroorganismen au verschiedenen Stellen erheb­liche Schwankungen erkennen läßt. Besondere Aufmerksam­keit ist der Frage zugewendet worden, ob der Salzgehalt >er Abwässer einen Einfluß auf die Vegetation der Riesel- eltzer ausübt, namentlich auch wo die sehr kochsalzhaltigen Abwässer der anliegenden Anilinfabriken auf die Boden­beschaffenheit der Rieselfelder nachteilig wirken. Es hat ich jedoch eine Schädigung des Bodens sowie der darauf geernteten Feldfrüchte durch das Kochsalz bisher nicht nadj* weisen lassen; der zulässige Höchstbetrag an Kochsalz ist auch noch nicht erreicht, sodaß vor der Hand der Riesel- kultur von hier aus keine Gefahr droht.

Spielplatt der vneinigterr Frankfurter Stadllheater.

Opernhaus. Dienstag den 11. Juni*):Mignon". Mitt­woch den 12. Juni geschloffen Donnerstag den 13. Juni:Die Eat- ührung aus dem Serail". Freitag den 14. Juni, abcnbfl halb 8 Uhr: Die GeiSha". SamStag den 15 Juni:Undine". Sonntag dm 16. Juni:Martha". Montag den 17. Juni:Der Zigeunerbaron". Dienstag den 18. Juni:Carmen". SchaufpielauS: DtmStng den 11. Juni*):Emilia Galottt". Mittwoch den 12. Juni:Der Verschwender". Donnerstag den 13. Juni:JobanniSfmer". Freitag den 14. Juni:Liebelei"; vorher:Sittliche Forderung". SamStag dm 15. Juni: Gesamtgastsptrl deSBuntm TheaterS" (UeberbreM) >uS Berlin unter Leitung von Ernst o. Wolzogen. Sonntag dm 16. Juni: Vorletztes Gesamtgastspiel deSBunten TheaterS" (Ueber« brettl) auS Berlin unter Leitung von Ernst v. Wolzogm. Montag dm 17. Juui: LchteS Gesamtgastspiel deSBunten TheaterS" (Ueber- bretti") auS Berlin unter Leitung von Ernst v. Wolzogm.

*) Anfang, wmn nicht anders bemerkt, um 7 Uhr.

Gerichtssaal.

Mai«), 8. Juni. Der Bahnhofwirt und Weinhändler Heinrich Frank in Bingen hatte sich wegen betrügerischen Bankerotts vor dem Schwurgericht zu verantwortm. Der Angeklagte ergriff im Dezember die Flucht. Die Bahnhofwirtschaft und die Weinhandlung von Schnabel und Frank, deren Teilhaber er war, gerieten in Konkurs. Frank gtxg nach Wien, kam zehn Tage später nach Frankfurt zurück und wurde ver­haftet. Nach der Anklage hat er aus der Geschäftskaffe der Weinhandlung zu ferner Flucht 3200 Mk. und aus der Wirtschaftskaffe 400 Mk. ent­nommen. Auch soll das Hauptbuch der Weinfirma im letzten Jahre gar nicht geführt und die Bilanz von drei Jahren vernichtet worden sein. Der Angeklagte erklärt, seinem Sozius Schnabel habe allein die Buch- ührung obgelegen. Schnabel habe Wechselreiterei getrieben und dem Geschäfte faule Kunden zugeführt. Die Ueberschüffe, die er (Frank« in der Bahnhofswirtschaft erzielt habe, seien sämtlich in das bodenlose Faß des Schnabel'schen Weinhandels gefloffen. Der Konkursverwalter Dr. Marx teilte mit, daß die angemeldetm Forderungen sich auf 228 000 Mk. beliefen, denen bis jetzt 26 000 Mk. baar gegenüberstehen. Bon de« Zeugen wurde der Angeklagte alS ein thätiger und strebsamer Mann ge- childert. Direktor Weinrets von der Kreuznacher Volksbank deponiert, > in den letzten drei Jahren der Wechseloerkehr der Weinhandlung mit einer Bank 365 000 Mk. betragen habe, was einem durchschnittliche« Diskont von 2600 Mk. jährlich gleichkomme. Der vereidigte Bücherrevisor Kreyes teilte mit, daß die Bilanzm der früheren Jahre von dem Wein- geschälte zu günstig gehalten waren. Uneinbringliche Forderunßkn seien