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Me. 110 Zweites Blatt.
1S1. Jahrgang.
Samstag 11. Mai 1001
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triebe» würbe, die sich infolge mißglückter Spekulationen im Verlust befanden, und mittels des Einwandes auf ein fache Weise sich ihren Verbindlichkeiten entzogen. Soviele Fälle dieser Art auch zur öffentlichen Kenntnis gelangten, mag die Zahl der von den Bankhäusern in aller Stille erledigten — um unliebsames Aufsehen zu vermeiden — Legion sein. Scbließlicb kam es gar dahin, daß selbst eine Bantfirma des Svieleinwandes sich bediente. Das schlug dem Faß den Boden aus. Auch in denjenigen Parteien, die von einer starken Abneigung gegen die Börse erfüllt sind, erkannte man an, daß es so nicht weiter gehen könne mit der Benutzung gesetzlicher Bestimmungen und höchstgerichtlicher Entscheidungen zu Zwecken, die der gewollten Absicht des Börsengesetzes schnurstracks zuwiderlaufen. Es wird sich daher für eine entsprechende Abänderung dieses Gesetzes umso gewisser eine Mehrheit im Reichstag finden, als im übriaen die Bestimmungen aufrecht erhalten bleiben. Weitergehende Vorschläge und Forderungen, wie sie häufig aus Börsenkreisen gekommen find, z. B. auf Wieder - Einführung des Zeitgeschäfts in Industrieaktien, müssen daher aussichtslos erscheinen, und sie könnten sogar die unerwünschte Wirkung haben, daß selbst die Revision in dem beschränkten Rahmen nicht zu stände käme.
Der Ausruhr in Katalonien.
Ta$ liberale Ministerium Sagasta in Spanien ist feit Anfang März im Amte. Bon ben vielen schönen Plänen und Versprechungen, mit denen es sich in Szene gesetzt hat, ist vorläufig nichts zur That geworden. Der 74jährige Sagafta ist von dem leicht begreiflichen Wunsche beseelt, am Abende seines Lebens noch möglichst viel Gutes zu leisten, uni in seinem Volke eine dankbare Erinnerung zu hinter- laffen Doch mit dem bloßen Willen ist's nicht gethan. Die T-ingc in Spanien gehen leider den alten Gang^ weiter, '"des sich die Regierung offenbar nur mit den Wahlvor- .^r tu "gen beschäftigt. Es find bisher nicht mehr als zwei kvtmtige Verfügungen des neuen Ministeriums bekannt geworden. Tie eine betraf die Wiederherstellung der von der vorangegangenen Regierung Azcarragas aufgehoben gewesenen Verfassungsbürgschaften, mit der anderen wuroen diese Bürgschaften, vorläufig für Barcelona und Katalonien, von neuem außer Kraft gesetzt. Was dazwischen liegt, sind Arbeiterausstände, Brotkrawalle, blutige Schlägereien. Man hat sich im Auslande schon so sehr an das unerquickliche Bild, das Spanien bietet, gewöhnt, daß derlei Vorfälle keine Aufmerksamkeit mehr erregen. Eher würde man sich wundern, wenn das lärmende Werk nur wenige Wochen hindurch stillstehen würde. Hin und wieder aber wird man trotzdem Rum Äufhorchen genötigt und zwar immer dann, wenn aus dem spanischen Gewirr die katalanische Frage sich in den Vordergrund schiebt. Diese ist wohl von allen Gefahren, die Spanien bedrohen, die bösartigste. Katalonien ist die Pflanzstätte des spanischen Anarchismus, von Katalonien aus wird eifrig nicht nur gegen die jetzige spanische Regierungsform, sondern direkt gegen den Bestand des spanischen Staates geschürt. Je weiter der unaufhaltsame wirtschaftliche Niedergang des Landes fortschreitet, desto häufiger unb heftiger werden die leidenschaftlichen Ausbrüche der SU Gewaltthaten stets geneigten katatonischen Bevölkerung. Die letzten Nachrichten lauten sehr trübe. An dem Aufruhr, der die Straßen von Barcelona durchlobt, beteiligen sich nicht bloß die beschäftigungslosen Arbeiter, sondern die ganze Arbeiterschaft, die eigens zu diesem Zwecke vie Fabriken verlassen hat, ferner die Studenten und die Arbeiterfrauen. Die Staatsgewalt findet von keiner ein» Sn Bevölkerungsktasse moralische oder materielle Unter» ung. Tie Militär- und Verwaltungsbehörden, die die e herzustellen suchen, befinden sich in Barcelona wie in Feindesland. Das Standrecht ist verkündet worden. Der Aufruhr, man kann beinahe schon sagen, die Revolution droht, sich auszubreiten und sich zu einer allgemeinen staatlichen Krise zuzuspitzen. Spanien hat viel schwere Zeiten vurchgemacht und manche tiefgreifende Erschütterung überwunden ; aber der Organismus ist doch schon so geschwächt, daß die jetzigen katatonischen Ereignisse zu den ernstesten Besorgnissen Anlaß geben. Heute wird gemeldet: Barcelona ist militärisch besetzt. Die dortigen Truppen bestehen aus zehn Bataillonen, zehn Schwadronen, acht Batterien, zusammen sechstausend Mann. Ein Teil der Besatzungen von Gerona und Lerida wurde herangezogen. Die Streitkräfte sind in drei Truppenkörper verteilt unter Befehl der Generale Soler, Borbon und Lopez. Zur raschen Verbindung mit dem Generalkapitän von Barcelona will Kriegsminister Weyler einen direkten Draht zwischen seinem Ministerium unb dem Barcelonaer Kapitanat spannen lassen. Die Aufrührer sollen standrechtlich gerichtet werden. Alle ausländischen Anarchisten werden über die Grenze geschafft. So viel man vernimmt, sind viele To te und Verwundete bei den letzten Zusammenstößen auf dem Platze geblieben, lieber fünfhundert Personen wurden verhaftet, etwa dreißig wurden auf das Panzerschiff „Pelayo" geschafft. In den Straßen Barcelonas erschallt vielfach der Ruf „Nieder mit Spanien?" Die Regierung ist entschlossen, diesen separatistischen Anlauf mit aller Energie lahmzulegen. Tie Drahtverbindung mit Katalonien ist ganz unterbrochen, was zu den unheimlichsten Gerüchten Anlaß giebt Die Gendarmen wurden von Studenten ausgepfiffen. Die Chargierten der Studenten wurden mit Säbelhieben verfolgt und mußten sich in das Universitätsgebäude flüchten. Eine Menge von über 4000 Personen erstürmte das Polizeiamt in der Conde Asaltostraße, verbrannte die Schriftstücke und Möbel «und brachte einem Schutzmann schwere Verwundungen bei. Weiberscharen bewarfen Soldatenabteilungen mit Steinen. Ein französischer Geistlicher wurde furchtbar mißhandelt. In einer Vorstadt wurden die Maschinen und das Warenhaus einer Fabrik zerstört. In San Martin verwüsteten 200 wütende Frauen viele Fabriken und äscherten eine Wartehalle der Straßenbahn und ein Steuereinnehmer- Häuschen ein.
Uolitische Tagesschau.
Mit der Reform der Börsenreform soll Ernst gemacht werden. Die Börse, die schon fast die Hoffnung aufgegeben hatte, wird darüber recht erfreut sein. Nach der „Nordd. Allg. Ztg." beabsichtigt der Staatssekretär des Innern binnen kurzem den Börsen-Ausschuß einzuberufen. Aber die offiziöse Notiz gießt gleich Wasser in den Wein |ii großer Erwartungen: bei der Abänderung des Börsengesetzes sollen dessen Grundlagen unangetastet bleiben, und nur die Frage in Betracht kommen nach Beseitigung einiger tu der Öffentlichkeit vielfach erörterten nachteiligen Wirkungen des Gesetzes. „Vielfach erörtert" worden ist vor allem der grobe Unfug, der mit der Erhebung des Spiel- eimwandes den Banken gegenüber von solchen Kunden ge-
Während die Eröffnung des hessischen Landtages in nächster Aussicht steht, ist die Reichs-Negierung parlamentsmüde. Entgegen dem vor einigen Tagen im Senioren-Kon-- bent des Reichstags gefaßten Beschluß, vom 14. Mai bis 4. Juni die Pfingstferien anzuberaumen, alsdann die noch rückständigen Vorlagen aufzuarbeiten, und die Session zu schließen, verfügt eine am Donnerstag dem Seniorenkonvent zugegangene kaiserliche Verordnung die Vertagung der Reichstags-Session vom 14. Mai bis 26. November. Tas Ruhebedürfnis ist also auf Seiten der Regierung größer als auf Seiten des gewiß nicht arbeitswütigen Parlaments. Graf Bülow — er ist hier ohne Zweifel der spiritus rector — hat die Gesetzgebungshallen in Preußen unerwartet früh geschlossen und wünscht, daß die guten Bürger auch von Reichswegen baldigst zu dem Genuß wohlverdienter politischer Sommerruhe kommen. Die Stimmen der inneren Reichspolitik sollen schweigen, der Kanzler ist kein Freund erregter Zeiten. Wer an der Tagesgeschichte Anteil nimmt, kommt im Sommer durch Beobachtung und Kritik der Auslandspolitik auf feine Rechnung. Tarin liegt gewiß etwas Wahres, und in Reichstagstreisen besteht zum Teil lebhafte Meinung für die Vertagung der Session von Pfingsten bis zum Herbst. Tas hat u. a. d e n Vorzug, daß die seitens der Kommissionen an die Gesetzentwürfe gewendete Arbeit nicht verloren geht, andern im Herbst an der Stelle wieder ausgenommen werden kann, wo sie abgebrochen wurde. Für die Verabschiedung der Seemannsordnung beispielsweise ist das von erheblicher Bedeutung. Auf Erledigung vor Pfingsten haben derart wohl nur noch Aussicht das Schaumweinteuergesetz, das Süßstoffgesetz und die Branntweinsteuernovelle. Gespannt darf man fein, ob die Agrarier bei dieser Wendung der Dinge Anlaß nehmen werden, den Reichskanzler in Sachen Zolltarif zu interpellieren. Tie Absicht besteht seit geraumer Zeit, und Abg. Tr. Dertel (ton).) verkündete in der agrarischen „Deutschen Tageszeitung", daß die Interpellation in den in Betracht kommenden Reichstagskreisen nirgends auf Widerspruch stoße. Nun also! Doch bann müssen sich die Interpellanten beeilen.
Eugläuder urrd Buren.
Aus Südafrika liegen heute ein paar der üblichen englischen „Sieges"-Depeschen vor. Danach kam eS am 8. d. M. am Baviaansloof-Fluß (in der Kapkolonie) zu einem Kampf zwischen dem Burenwrnmando unter Scheepers und Kolonial truppen. Ersteres, so heißt es, wurde wieder in» zurückgeworfen. — Ter Eisenbahnlelegraph ist bei Mortimer aufs neue durchgeschnitten worden und zwar nahe derselben Stelle wie kürzlich. — Tas Lager des Generals Beatsou wurde von Viljoen mit 500 Buren angegriffen. Als diese in Schußweite herangekommen waren, wurde» sie durch englische Pompom- und Maximgeschütze gezwungen, sich zurückzuziehen, wobei sie 6 Tote verloren. Die Engländer nahmen die Verfolgung auf und zwangen die Buren, ihren ganzen Troß im Stiche zu. lassen, der bar auf erbeutet wurde. Tas Fort Klipdam, der Wohnplatz des Einaeborenen-Kommissars Kapitän Tahl, wurde vom Oberst Grenfell angegriffen und nach hartem Kampfe, wobei 9 Buren fielen, eingenommen. Tie Engländer machten 45 Gefangene und erbeuteten Munition.
Ein Ladeninhaber in Pearston, der angeklagt war, wüh rend der Besetzung Pearslons durch Kruitzüiger Streitkräfte für die Buren geworben zu haben, wurde vom Kriegsgericht zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt.
Jämmerliche Zustände unter den englischen Truppen in Südafrika enthüllt der Brief eines englischen Arztes. Tiefer, ein Angehöriger des australischen Kontingentes, gehört zu der Rundleschen Division. Er schreibt an die „Taily Mail" über seine Erfahrungen einen interessanten längeren Brief, dem wir folgende Einzelheiten entnehmen:
„Unser täglicher Marsch beginnt, wenn die Sterne und der weiße Mond noch am Himmel stehen; unsere kleinen zerlumpten Infanteristen haben es sich längst abgewöhnt, den Kopf hoch zu tragen; sie sind immer müde und schleppen sich langsamen Schrittes mit wunden Füßen über das endlose, staubige Veldt, sodaß es oft ober meistens den Anschein hat, als wenn wir ein großes Leichenbegängnis- darstellten. Kein Gesang ertönt in den Reihen, und die Leckte reden kaum miteinander; jeder ist nichts als eine Maschine, ein armes, ausgemergeltes, niedergebrochenes Ding, aber unser Pensum, zwei englische Meilen (drei Kilometer) in der Stunde kriechen wir dahin und hoffen, de Wet zu fangen. Jüngst marschierte ich mit dem Manchester- Regiment. Dutzende von den Leuten hatten überhaupt keine Schuhe oder Stiefel und hinkten barfüßig oder mit einigen Tuchlappen um die Füße über den steinigen, staubigen Boden. Und erst ihre Uniformen! Einige Leute haben Fragmente von Hosen an, die als solche kaum noch zu erkennen sind; ein paar Tommies sah ich zu meiner Heber- raschung gekleidet in ihre dicken Mäntel, in denen sie bei der fürchterlichen Hitze fast zusammenbrachen. Sie hatten überhaupt keine Hosen mehr, nicht einmal mehr einige Fetzen, um ihre Blöße zu bedecken, auch nicht einmal ein Stück Sackleinwand, wie es einige andere Kameraden, ebenfalls Sansculottes, um die Hüfte gebunden haben. Mit blutenden Füßen, hohlwangig und unrasiert marschieren diese armen Burschen hinter be Wet her und find gekleidet wie die Affen der armen italienischen Orgel» oreher. O, du liebes, frommes, zivilisiertes englisches Pu^ blitum, kannst du dir es wohl vorstellen, wie es deinen Söhnen auf dem südafrikanischen Veldt zuweilen ergeht?? Tie Hitze ist groß, und seit sechs Stunden haben die Leute keinen Tropfen Wasser gehabt. Nicht etwa, weil keins zu haben gewesen wäre, o nein, noch vor zwei Stunden kreuzten wir einen kleinen, kristallklaren Fluß, aber — der kommandierende Offizier mit einem guten Frühstück im Magen hielt es nicht für notwendig, halten und trinken zu lassen; er hatte ja außerdem selbst eine recht schöne Mischung von Whisky und Wasser in seiner großen Feldflasche am Sattel. Was macht es auch aus, daß die Zungen der gemeinen Soldaten trocken und geschwollen, daß ihre Lippen geborsten sind und daß ihre Lungen kaum noch arbeiten können Der Marsch geht weiter, wenn auch, ab und zu ein paar Leute umfallen. Wir sollen ja De Wet fangen u nd außerdem hat sich „Tommy Atkins" (der Soldat) längst eine Himmelsgeduld und eine geradezu fabelhafte Ausdauer angewöhnt. Nach, sechs Stunden wird endlich Halt gemacht und die Leute fallen nieder, wo sie stehen. Jetzt giebts auch „Erfrischungen": trockene, steinharte Biskuits und sumpfiges, lauwarmes Wasser, gerade genug, um die ausgetrockneten Magen der Soldaten erst recht revoltieren zu machen. Das ist das Mittagsmahl der De Wet» Jäger, — und nun, nach einer Rast von 15 Minuten geht es wieder weiter, immer zwei englische Meilen in der Stunde. Es wäre interessant, zu wissen, was die Gedanken De Wels sind, wenn er aus der Ferne von einem sicheren Kopje aus mit einem guten Fernglase zusieht, wie unsere Kolonne langsam wie eine riesige Schildkröte über das Veldt dahinschleicht und ihm Zeit genug läßt, seine Mannschaften und Pferde genügend ausruhen zu lassen, damit sie wieder risch sind, trenn er einen weiteren kühnen Schachzug ausführen will. Te Wet wird lächeln und er wird sich freuen, daß unsere Soldaten in so elender Verfassung sind und jämmerlich mit den allernotwendigsten Dingen vom Kommissariat versehen werden. Wir werden ihn nicht fangen, aber er wird sein Bestes thun, um unseren armen zerlumpten Infanteristen das Leben noch weiter schwer zu machen, gerade so wie Großbritannien dafür, )orgt, v n. eine Söhne hier draußen halb verhungern
Keine angenehme Perspektive hat Reichsschatzsekretär Frhr. v. Thielmann durch die Ankündigung in der Reichstagskommission für das Schaumweinfteuergesetz entrollt, daß im nächsten Etatsjahr ein Fehlbetrag von mindestens 70 bis 80 Millionen Mark sich ergeben werde. Tas ist eine Vorbereitung in aller Form auf neue Reichssteuern. Es wäre ein holder Wahn, daß diese Steuern gerade nur die fehlenden 70 bis 80 Millionen aufzubringen hätten — obwohl man schon dafür die unerträgliche Belastung von Bier oder gar von Tabak, herauszuziehen die böse Absicht hat. Jetzt wird man vielleicht nach der beliebten Praxis verfahren, die Bedarfsfumrne „nach oben abzurunden", d^ h. der Kürze halber Steuerquellen erschließen, die hundert Millionen zu spenden im flanbe sind. Da kann in diesem Sommer wieder das fröhliche Steuer-Projektieren anheben! Bereits jetzt beeilen sich Blätter der äußersten Linken, der Regierung mit dem Vorschlag einer Reichseinkommen- und Reichs-Vermögenssteuer zur Hilfe zu kommen. Eine sonderbare Geschäftigkeit bei Politikern, die „im Prinzip" jegliche neue Steuerbelastung auf das entschiedenste bekämpfen. Nur weiter so! Das kann den verblüffenden Effekt haben, daß die Regierung diese und ähnliche Steuervorschläge dankend zur Kenntnis nimmt, um sie bei Gelegenheit zusammen mit ihren Original-Entwürfen zu benutzen. Tas giebt ein Steuerbouquet von doppelter Stärke. Tie Opposition ist doch sehr liebenswürdig, sich den Kopf der Regierungs- männer zu zerbrechen, und „Steuern gefällig?" auszurufen. Vielleicht empfiehlt man die Reichseinkommen- und Vermögenssteuer mit dem Hintergedanken, daß sie vorläufig doch nicht von der Regierung acceptiert werden. Aber manchmal tritt unerwartet ein Umschwung der Meinungen ein, das Undiskutierbare wird für erwägungswert gehalten — und dann mag sich der „Steuerzahler" bei den „freiwilligen Regierungskommissaren" bedanken für die neue Bürde, die ihm aufgepackt wird.


