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Aus obiger Stiftung, welche bezweckt, daß aus den Kapitalzinsen drei junge Leute, und zwar aus jeder der drei Provinzen einer, eine gleichmäßige Subvention zu den Kosten ihrer Aus bildung auf einer höheren Bildungsanstalt erhalten sollen, sind für das Jahr 1901 drei Stipendien zu vergeben. Da« Stipendium kann auf drei Jahre ausgedehnt werden; es können jedoch nur Angehörige solcher Gemeinden berücksichtigt werden, welche Beiträge zu dieser Stistuna geleistet haben.
Hiernach berechtigte und qualifizierte junge Männer, welche zum Zwecke ihrer Ausbildung eine höhere Bildungsanstalt besuchen oder besuchen wollen und sich um das Stipendium zu bewerben beabstchtigen, sind eingeladen, ihre Gesuche, mit den nötigen Zeugnissen belegt, durch ihre betr. Bürgermeisterei an die Bürgermeisterei der Hauptstadt ihrer Provinz, also aus Orten der Provinz Starkenburg an die Bürgermeisterei Darmstadt, aus Rheinhessen an die Bürgermeisterei Mainz, aus Oberhessen an die Bürgermeisterei Gießen bis längstens zu» i. Mai d. I. gelangen zu lassen. 2622
Darmstadt, Mainz, Gießen, dm 2. April 1901.
Das Kuratorin«:
Morneweg, Dr. Gaßner, Mecum, Oberbürgermeister Oberbürgermeister Bürgermeister von Darmstadt. von Mainz._______von Gießen.
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Furienhafte aus ihrem Bilde zu tilgen. Schon eine erzählt uns in seiner allzu feuilletonistischen
Darstellung von Shakespeares Frauen und Mädchen, wie Frantz Horn als erster Mohrenwäsche an der Lady versucht und Ludwig Tieck seine Meinung unterstützt habe, „und es dauerte nicht lange, so sahen mir Madame Stich auf der königlichen Hofbühne in der Rolle der Lady Macbeth so gefühlvoll girren und turteltäubeln, daß kein Herz in Berlin vor solchen Zärtlichkeitstönen ungerührt blieb, und manches schöne Auge von Thränen überfloß beim Anblick der juten Macbeth". Othello wird von Vischer als der zu sich gekommene gerechte Richter aufgefaßt, der in sich selbst den ungerechten tötet. Jago, dessen Bösewichtnatur alle menschliche Verruchtheit überschreitet, wird in Beziehung gesetzt zu den römischen Zäsaren oder doch zu den Höflingen aus ihrer Umgebung und einem Tiegellius, einem Sejan verwandt genannt. Lear ist der für einen „Hauptunsinn" übermäßig hart Bestrafte: „wie in den meisten Tragödien, so waltet hier zwischen Schuld und Strafe ein schweres Mißverhältnis, und eben dies ist das Tragische". Lear selbst spricht es in den Worten aus: „Ich bin ein Mann, au dem man schwerrer sündigt, als er gesündigt". (More sinn'd against than sinning.)
Besonders ans Herz gewachsen sind unserm Erklärer die weiblichen Gestalten. Hier äußert sich^ sein Lob in geradezu überschwenglicher Begeisterung. Sogar die me- gärenhafte Ladv Macbeth wird izoch ans Ritterlichkeit ein tveniß retouchiert. Ophelia ist ihm ganz engelreine Unschuld, und er kann dem Dichter nun auch nimmer die Flecken auf dem Bilde der Holden verzeihen. Darum begeht er die unglaubliche Geschmacklosigkeit — so gut sie aucu gemeint ist —, die an sie gerichteten Zweideutigkeiten ™-c.?C1s! Hamlet's ausznmerzen, und er kann sich
Nicht den Schmerz anthun, die beillosen und verächtlicku'n Zoten, die Shakespeare für das Bild der Umnachteten benötigte, iviederzugeben. An Julia wird die unversieg- liche Treue und der Heldenmut gerühmt. Im Anblick der rührenden Cordelia, dieser „unbewußten Seelenschönheit", dieser so tiefen, schamhaft wortlosen Natur, daß sie Heine die moderne Antigone nannte, die an Innigkeit die antike Schwester noch übertreffe, ruft Friedrich Vischer gerührt aus: „Du bist es wert, das Martvrium der Liebe zu erleiden". Desdemona endlich, „dieses ideale Kind",
das etwas „Jesusartiges" in seinem Charakter hat, gilt ihm als eine Frauengestalt, die in aller Geschichte einzig dasteht.
Seine Liebe für diese weiblichen Geschöpfe hat ihm aber einen bösen Streich gespielt, indem er, wie schon angedeutet, dem Dichter gegenüber den Sittenrichter spielt. Er wirft ihm ernstlich eine Lust an der Zote vor. Dabei wird übersehen, daß dieser Mangel an Dezenz nicht so ehr auf das Privatkonto Shakespeares gehört, als vielmehr dem Zeitalter in die Schuhe zu schieben ist. Erich Schmidt hat kürzlich die Aeußerung gethan, er möchte, trotzdem unser Geschmack nicht mehr alles gutzuheißen vermöge, keine von Shakespeares Zoten missen. Sie gehören überdies zu seinem Stil wie die drapierte Leidenschaft zu dem des Victor Hugo. Daneben haben es Vischer die sog. Concetti d. s. blumige Redezierrate (so wenn Romeo die Thränen durchsichtige Ketzer nennt) angethan. Auch sie wollen als ein Teil des Euphuismus, jener litterarischen Modekrankheiit, die damals in ganz Europa herrschte, verstanden fein. Gewiß sträubt sich unser verfeinertes, durch den Realismus erzogenes Gefühl, wenn in Momenten höchster Leidenschaft und der tiefsten Tragik plötzlich ein solcher Tropus hineinplatzt. Am elften sind sie noch in der Komödie zu ertragen. Aber eben wenn wir diese Eigenart des Shakespeare'schen Zeitgeschmacks kennen, werden wir nicht wie Bischer unserem Unmut Luft machen mit Ausdrücken wie: „da möchte man an den Wänden hinauf". Auch hier heißt alles verstehen viel verzeihen. Diese „gräulicheii Geschmacklosigkeiten" aber einfach wegzulassen, ist aufs schärfste zu verurteilen. Zum Glück ist der dritte Band der Vorträge von diesen sittlichen und stilistischen Bedenken frei oder doch gesäubert. Vielleicht hat der Herausgeber eingesehen, daß sein Vater hierin entschieden zu weit gegangen ist. Ja, wir haben die Genugtuung, hier einen Satz wie den folgenden zu begegnen: „Eine Tragödie, ein Werk der Kunst überhaupt ist nicht dazu da, daß man einen sittlichen Gewinn daraus entnehme, sondern daß man ästhetisch erhoben werde". Vielleicht ist dieser Satz in dieser schroffen Formulierung sogar anfechtbar; die moralische Tendenz darf nur nicht aufgekleistert, sondern rnuß dem Kunstwerk immanent sein. Hätte Friedrich Bischer das von Anfang an bedacht, so hätte er gewiß seine Höheretöchterschulen-Bedeiiken eingedämmt.
Der greifbare Wert seiner Vortrüge liegt darin, daß er uns mit einer neuen Uebersetzung der Dramen be- chenkt hat. Kein Volk besitzt einen solchen Sck)atz vortrefflicher Uebersetzungswerke wie wir. Die sogen. Schlegel- Tieck'sche Uebersetzung war für ihre Zeit eine außerordentliche Leistung und ist, was man neuerdings im einzelnen auch gegen sie eingewandt hat, als Gesamtwerk nie erreicht worden. Allerdings die Nachfolger und Fortsetzer Wilhelm Schlegels sind beträchtlich hinter dem Meister zurückgeblieben^ aber Ludwig Tieck hat wenigstens dafür gesorgt, daß der Graf Baiidissin in Schlegels Geist das Werk zu Ende führte. Für den Hamlet hat Friedrich Vischer vielfach die Uebersetzung von Seeger herangezogen. Mit dem Macbeth ist er weit über Dorothea Tieck hinausge- wachsen. Gerade bei dieser gewaltigen Tragödie waren wir bis jetzt übel daran; doch wenn demnächst die Vischer'schc Uebersetzung in einer separaten Ausgabe erscheint, ist zu hoffen, daß sie sich einbürgert und Dorothea Tieck von unseren Bühnen verschwindet. Auch der Graf Baudissin genügte seinen hohen Ansprüchen nicht in allen Stücken Sein Urteil über ihn ist etwas schwankend; vom „Othello" heißt es: „die Baudissin'sche Uebersetzung ist gar nicht schlecht und entschieden besser als die verflack>ende Badenstedts"; an einer anderen Stelle jedoch wird behauptet, dem Grafen Baudissin fehlte „das feine Ohr für Härten unserer Sprache". Man darf Wohl sagen, daß auch „Othello" und „König Lear" durch die Vischer'sck^e Verdolmetschung gewonnen haben. Zum Schluß sei hier als kurze Probe der mächtige Monolog des Lear aus des dritten Aktes zweiter Szene wiedergegeben:
„Blast, Winde, sprengt die Backen? Wütet? Blast! — Ihr Wolkenbrüche, Hagelstürze, speit.
Bis ihr die Türm' ersäuft, die Höhn' ertränkt!
Ihr schweflichten, gedankenschnellen Blitze, Vortrab dem Donnerkeil, der Eichen spaltet. Versengt mein weißes Haupt! Und du, o Donner, Allschüttler du, schlag flach das pralle Rund Der Welt, die Formen der Natur vernichte, Mit einem Streich vertilge alle Keime
Des undankbaren menschlichen Geschlechts!" xY-
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