und daß, es im übrigen Aufgabe der Marine fei, für die deutschen Interessen im Auslande einzutreten.
So gehen in dieser Angelegenheit die Meinungen selbst in militärischen Kreisen auseinander. Ter Hinweis v. Wiy- manns auf die Kolonialarmeen Englands und Frankreichs ermangelt wohl einigermaßen der inneren Bedeutung, denn diese Mächte haben mit anderen Verhältnissen zu rechnen als Deutschland, z. B. mit der Möglichkeit gegenseitiger Konflikte in Afrika und Asien, die Deutschland völlig fern liegen. Die Verwickelung in China war ein ausnahmsweises Ereignis, das alle Mächte gleichmäßig berührte. Wo sonst, auf dem Erdball deutsche Truppen einzugreifen Hütten, ist nicht zu ersehen. Es fragt sich sogar, ob die ostasiatische Besatzungsbrigade nochmals in Aktion treten wird. Gesichert sind die Zustände in China freilich noch nicht, aber das werden sie kaum jemals sein. Teutschland hat doch nur ein Interesse daran, daß sein Gesandtschaftspersonal in Peking geschützt ist, und daß in Kiautschou geordnete und friedliche Verhältnisse bestehen. 5400 Mann Landtruppen und 3200 Mann von der Marine zu diesem Zweck dauernd in China zu belassen, wäre eine Maßregel, deren Unumgänglichkeit wohl erst bewiesen werden müßte.
So weit unser Berliner R.-Korrespondent. Wir möchten der soeben eintreffenden Berliner Machricht Glauben schenken, derzufvlge die Meldung von der beabsichtigten Bildung einer ständigen Kolonialarmee von unterrichteter Stelle in Abrede gestellt wird.
Volitische Tagesscha»v
Graf Waldersee trifft heute in Hamburg ein. Von den ihm zu Ehren in Aussicht genommenen glänzenden Festlichkeiten ist aus Anlaß des Ablebens der Kaiserin Friedrich selbstverständlich Abstand genommen worden. Gestern ankerte die „Gera" bei Helgoland. Ihr wurde dort sogleich bei ihrem Eintreffen von der Signalstation der Tod der Kaiserin Friedrich signalifiert, den ihr die Halbstocks gehißten Flaggen schon von weitem verkündet hatten. Die Freude des Wiedersehens der Heimat wurde so in Trauer verwandelt. Feldmarschall Graf Waldersee gab Befehl zur Abhaltung eines Trauergottesdienstes. — In den Jnnenhafen von Cuxhaven lief nach Beendigung des Dankgottesdienstes unter dem Liede „Nun danket alle Gott" die „Gera" um 6 Uhr nachmittags ein, wo trotz strömenden Regens eine zahlreiche Menge dem Feldmarschall einen begeisterten Empfang bereitete. Waldersee hielt im Anschluß an die Predigt eine Ansprache, in der er auf die Leistungen und Gefahren des verflossenen Jahres hinwies und seinen Dank für die gute Haltung der Soldaten aussprach. Am Abend fand ein stilles Abschieds- effen an Bord statt.
Heute früh schiffte die „Gera" zunächst 300 an Bord befindliche Rekonvaleszenten aus, die mit einem Dampfer direkt nach dem Marine-Lazareth in Bremerhaven trans portiert werden; dann ging sie elbaufwärts und ankerte zwischen 10 und 11 Uhr bei Brunshausen. Heute morgen begab sich die Gräfin Waldersee auf dem Dampfer „Will kommen" zur Begrüßung ihres Gemahls nach Brunshausen. — In Hamburg trafen General Wittich in Begleitung des Generalmajors Linsingen, Kriegsminister v. Goßler, Generalleutnant Freiherr v. Bisfing aus Münster, Graf Zeppelin, Freiherr v. Falckenhausen au» Stuttgart, Graf Waldersee, ein Verwandter des Feldmarschalls, aus Hannover, und die Schwester der Gräfin Waldersee, Baronin Wächter, ein. — Zum Hamburger Empfange hat der Kaiser an Stelle des Kronprinzen den General-Adjutanten und kommandierenden General des 11. Armeekorps General der Infanterie v. Wittich mit seiner Vertretung beauftragt. Der Empfang an der St. Pauli-LaudungSbrücke wird ein rein militärischer sein. Der Empfang deS Grafen durch den Senat sollte heute um 1 Uhr im Rathause erfolgen. DaS vorgesehene Festmahl findet nicht statt.
DaS „Mil. Wochenbl." veröffentlicht einen Begrüßung«' artittl und schreibt u. a.:
Wie wir stolz darauf waren, da ßnach, Ereignissen in China, die unsere Herzen in patriotische Erregung versetzten, gerade Deutschen Händen das Oberkommando anvertraut wurde, so sind wir auch stolz auf die Art wie dieses seine Aufgabe gelöst hat. Freilich lag sie bei der eigenartigen Gestaltung der chinesischen Wirren nur zum Teil auf rein militärischem und operativem Gebiete. Biel schwieriger wohl war der andere Teil: die auseinandergehenden Interessen so vieler verbündeter Nationen zu vereinen, Reibungen zwischen den verschiedenen Truppen und Führern zu verhindern. Wie schwer das oft gewesen sein mag, welche Anforderungen an nie versagendem Takt und unermüdliche Arbeitskraft dort gestellt wurden, das wird im einzelnen erst eine spätere Generation erfahren, wenn einmal die diplomatische und militärische Geschichte jener merkwürdigen Zeit geschrieben sein wird. Wir alle aber wissen schon jetzt, daß thatsächlich die nach Lage der Dünge gesteckten Ziele erreicht wurden, daß sich daneben ein freundliches und kameradschaftliches Verhältnis selbst mit solchen Truppen herausgebildet hat, die uns anfänglich wohl mit Mißtrauen und Abneigung gegenüberstanden. Das dankt mit dem Allerhöchsten Kriegsherrn und mit den fremden Staatsoberhäuptern auch unsere Armee dem Feldmarschall, der in soldatischer Frische und Rüstigkeit zurückkehrt, wie er hinauszog, um trotz vorgerückten Lebensalters freudig dem Rufe des Kaisers und feiner hohen Verbündeten zu schwerer, verantwortungsvoller Thätigkeit zu folgen. So begrüßen wir in Ehrerbietung den Feldherrn, in kameradschaftlicher Herzlichkeit seine Begleiter wieder in der Heimat, die sie leider in tiefer Trauer finden. In Wehmut gedenken wir derer, die nicht mehr unter ihnen sind, die ihr Leben ließen im Dienste des Vaterlandes, mit freudiger Anerkennung aber aller der anderen, die in schwierigen und oft undenkbaren Verhältnissen ihre Pflicht gethan, wie unser Kaiser und Herr es von ihnen erwartet hatte.
In einer Veröffentlichung des Fürsten zu Löwenstein an die zahlreichen Unterzeichner der Erklärung! gegen das Duell teilt derselbe mit, daß alle bei dieser Gelegenheit abgegebenen Ratschläge, Wünsche und Bedenken in einer Versammlung erörtert werden sollen, zu der er in einigen Wochen alle Unterzeichner der Erklärung einladen roerbe. In dieser Versammlung soll ein Komitee gewählt werden, das die Beschlüsse der Versammlung aus- sühren und alle ferneren Schritte zur Förderung jenes Zweckes erwägen und eventuell thun soll. Weiter heißt es:
„Nun wende ich mich auch an alle den gebildeten Kreisen angehörenden Gesinnungsgenossen bezüglich der Tuellfrage, welche bisher die Erklärung noch nicht unter
schrieben haben, aber mit derselben einverstanden' sind, und bitte, sie möchten nunmehr ihre Zustimmung kundgeben und dann womöglich auch der Versammlung beiwohnen. Diese Bitte richte ich hiermit insbesondere ein alle Universitäts-Professoren und an alle Parlamentarier des Reichstags und der deutschen Landtage, da sie in besonderer Weise berufen sein werden, unseren Wünschen und Bestrebungen Erfolg zu verschaffen. Ich richte diese Bitte nicht nur an katholische Abgeordnete und Professoren, sondern an alle diejenigen, welche aus christlicher und humaner Gesinnung Gegner der Duelle ^Bisher haben die Erklärung unterzeichnet 111 Adelige und 536 andere, fast ausschließlich den akademisch gebildeten Ständen Angehörige. In Oesterreich tverden in einiger Zeit ähnliche Kundgebungen erfolgen und in Frankreich haben viele hochgestellte Militärs die Erklärung unterzeichnet und sind dem für Frankreich gebildeten Komitee beigetreten.
Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Der Kaiser hat dem Staats sekretärsür Elsaß-Lothringen v. Putt- kamer den erbetenen Abschied unter Verleihung des Roten Adlerordens 1. Klasse zu bewilligen und den Ober- präsidenten der Provinz Schleswig-Holstein v. Köller zum Staatssekretär für Elsaß-Lothringen zu ernennen geruht. Als Nachfolger des Herrn v. Köller in Schleswig-Holstein ist der bisherige Chef der Reichskanzlei, Wirk!. Geh. Ober-Regierungsrat Freiherr v- Wilmowski in Aussicht genommen.
So ist also Herr v. Köller doch zum Staatssekretär für Elsaß-Lothringen ernannt worden. In den letzten Tagen chien die Ernennung zweifelhaft geworden zu fein; Herr v. Köller selbst glaubte, nach seiner Aeußerung auf die Anfrage einer Zeitung zu schließen, selbst nicht recht an die Versetzung aus seinem jetzigen Amte. Man wird sich nun in Elsaß-Lothringen mit Herrn v. Köller „abzufinden" und zu prüfen haben, ob nicht die Exzellenz, der man von dem Zeitpunkte an, da von ihrer Wiederkehr verlautete, keineswegs einen „Triumphzug" in Aussicht stellte, die Besorgnisse angenehm enttäuscht und mit Milde und Rück- ichtnahme des Amtes waltet. Nach der „Voss. Ztg." ist der ünftige Statthalter in Straßburg, an Stelle des Fürsten Hohenlohe, vermutlich Prinz Adolf zu Schaumburg-Lippe, der Schwager des Kaisers. Graf Waldersee ist jedenfalls nicht für diesen Posten in Aussicht genommen. Frhr. v. Wilmowski hat den Ruf der Umgänglichkeit und freundlichen Entgegenkommens. Er genießt unter den Parlamentariern Ansehen und Sym- .'athien.
Deutsches Keich.
Berlin, 6. Aug. Aus Homburg wird gemeldet: Der Kaiser hörte heute den Vortrag des Chefs des Militär - kabinetS. — Das Kaiserpaar und der Kronprinz begaben ich heute nachmittag nach Schloß Friedrichshof und kehrten abends hierher zurück. Um 8 Uhr fand im Schlöffe Abend täfel statt.
— Betreffs der 45-tägigen Rückfahrkarten ist )ie allgemeine Lage nunmehr soweit geklärt, daß die auf Preußischen Staatsbahnen — nicht aber Privatbahnen, wie z. B. der BreSlaU'Warschauer — zur Ausgabe gelangenden Rückfahrkarten durchweg 45-tägige Giltigteitsdauer besitzen mit alleiniger Ausnahme der nach Stationen der böhmischen Nordbahn und der nach Paris lautenden Karten.
— Wie der „Deutsche Schlachtviehverkehr" vernimmt, ollen die Ausführungsbestimmungen zum Fleischschau- zesetze alles mit Borsäure, Schwefelsäure und unterschweflig- auren Salzen, ebenso wie das mit Farbstoff irgendwelcher Art behandelte Fleisch für den Genuß untauglich erklären, )amit wäre die so vielumstrittene Verwendung von Meat Präservesalz und das Färben von Wurst unbedingt verboten.
Emden, 6. Aug. Der Hafen von Emden gilt als eröffnet. Die Feierlichkeit der Eröffnung ist auf unbe- timmte Zeit verschoben.
Bremerhaven, 6. Aug. Der Dampfer „Arcadia" ist mit 23 Offizieren und 607 Rekonvaleszenten von der Marine und dem ostasiatischen Expeditionskorps hier eingetroffen. Nachdem die Mannschaften bewirtet waren, erfolgte die Weiterfahrt nach Münster bezw. Kiel und Wilhelmshaven. 70 Kranke sind im hiesigen Barackenlazareth geblieben.
Dresden, 6. Aug. Der Handelsgärtnertag nahm Resolutionen gegen den Zolltarif an, der als ein Schlag ins Gesicht deutscher Handelsgärtnerei bezeichnet wird.
Niederstetten (Württemberg), 6. Aug. Die Fürstin Henriette Hohenloh e.Bartenstein ist heute auf Schloß Haltenbergstetten gestorben. (Die verw. Fürstin zu Hohen lohe-BarteusteiN'Bartensteiu, geb. Prinzessin von Auersperg ist am 23. Juni 1815 geboren. Sie vermählte sich am 11. Januar 1835 in Prag mit Ludwig Fürsten zu Hohen- lohe-Bartevstein-Bartenstein und Jagstberg, ist also die Groß mutter des jetzt regierenden Fürsten Johannes. D. Red.)
Ausland.
B r ü s s e l, 6. Aug. Der Senat genehmigte die Kongo- Konvention.
Paris, 6. Aug. Einer Meldung des „Journal" zufolge hat der Graf von Turin den Prinzen Heinrich von Preußen für Oktober zu einer gemeinsamen Reise nach dem Sudan eingeladen. Prinz Heinrich habe die Einladung angenommen.
Budapest, 6. Aug. Gestern abend kam es in Klausenburg zu einem förmlichen Aufstand der Bevölkerung gegen die Polizei. Vorgestern nacht haben ztvei Polizisten in betrunkenem Zustande einen Honved-L eut- nant, mit dem sie Händel anfingen, erstochen und einen anderen Mann schwer verletzt. Gestern kam es zwischen einem Polizisten und einem Einwohner zu einem Wortwechsel auf der Straße; sofort sammelte sich eine große Menge an, die den Polizisten lynchen wollte. Zwei andere Polizisten tarnen zur Hilfe, zogen die Säbel und verwundeten eine Person. Die Polizisten flüchteten hierauf vor der Wut der Menge.
Einweihung des Neubaues der Augustinerschule in Friedberg.
(Bon unserem Korrespondenten.)
e. Friedberg, 6. Aug.
Unter regster Beteiligung der Bewohner der Wetterau erfolgte heute die feierliche Einweihung des Neubaues der Großh. Augustin er schule (Gymnasium und Realschule). Schon gestern hatte eine Vorfeier im Saalbau stattgefunden, bei
der von Schülern des Gymnasiums Goethes „Iphigenie" aufgeführt wurde. Vor dem Abmarsch des Zuges, der sich heute früh 10 Uhr am alten Schulhaus auf stellte, hielt der Direktor der Augusttnerschule, Tr. Löbell, eine Rede, an der er von dem alten Gebäude, das zwei Jahrhunderte der Menschheit gedient hatte, Abschied nahm. Dann bewegte sich der stattlich^ Festzug nach dem Neubau der Schule, wegen des Ablebens der Kaiserin Friedrich ohne Musik. Die Straßen waren festlich geschmückt, von allen Häusern wehten Fahnen, und viele Hunderte von Menschen standen Spalier. Am Westportale des neuen, stolzen Hauses überreichte der Erbauer, Architekt Franz T h y r i o t aus Köln dem Vertreter der Stadt Friedberg, Beigeordneten Hieronimus, mit einer Ansprache den Schlüssel. Dieser legte ihn in die Hände des als Vertreter der hessischen Regierung, erschienenen Ministerialrats Dr. Eisen h u t h , der den Schlüssel dem Direktor der Schule, Dr. Löbell, übergab. Dieser öffnete nun die Pforte mit den Worten: „Alles Gute zieh' in's Haus, alles Bose bleibe drauß'." Der Festaktus fand in der Turn- und Festhalle statt. Das Schülerorchester stellte die Musik, ein Schüler cho r sang, und mehrere Schüler trugen ein für diesen Tag von Prof. Th. Wiesenhahn gedichtetes längeres Gedicht vor, dem ich andere Vorträge anreihten. Die Reihe der Festredner eröffnete Beigeordneter Hieronimus. Er dantte der hessi- chen Regierung und den Landständen für das Interesse, das sie Friedberg und seinen Bildungsanstalten entgegen brächten, und gab dann einen geschichtlichen Rückblick auf die Entstehung der nunmehr 358 Jahre alten Augusttner- chule.
Sie ist eine der ältesten Lehranstalten Deutschlands. Als Lateinschule wurde sie 1543 gegründet. Als Friedberg 1803 aufhörte, eine freie Reichsstadt zu sein, und an Hessen- Darmstadt kam, wurde öü alte Barsüßerschule dem Kirch- und Schulrat zu Gießen unterstellt, der manches für sie that. Doch erst 1850 kam eine vollständige Reform zu stände. Unter Direktor Prof. Dr. Philipp Dieffen- bach blühte die Anstalt von da an als Realschule auf. Später entwickelte sie sich zu einer mit einem Progym- nasium verbundenen Realschule. Als man im Jahre 1893 das 350 jährige Jubiläum der Lateinschule feierte, hatte sie 19 Lehrer und 300 Schüler, während sie jetzt 22 Lehrer und 460 Schüler zählt.
Ministerialrat Dr. Eisenhuth sprach im Namen der obersten Schulbehörde Hessens der Stadt den Dank aus für das kostbare Geschenk, welches sie durchs die Erbauung des Schulhauses der Augustinerschule gemacht habe. Die Stadt habe der Schule ein Heim gegeben, wie es keine andere Stadt des Landes in gleicher Vollendung und Schönheit besitze. Gymnasialdirektor Löbell feierte den heutigen Tag, und dantte Friedberg für das herrliche Haus und der hessischen Regierung für die Förderung des Werkes. Mit dem heutigen Tage sei erreicht, was man in früheren Jahrhunderten nicht erlangen konnte. Möge aus diesem Hause stets ein Geschlecht hervorgehen, tüchtig, dem Vaterlande und der Welt zu bienen! Mit einem Hoch auf beit Großherzog schloß er feine Rede. Pros.Dr. Weissen- bad), Direktor des Predigerseminars, überbrachte die Grüße und Glückwünsche der anderen Friedberger Bild- uiigsanstalten. Er feierte die drei Wahrzeichen Friedbergs, die weit in die Lande schauen: die wieder herge- tellte Stadtkirche, den Adolssturm in der Burg, das Zeichen deutscher Manneskraft und den Neubau der Augusttnerschule. Direktor Löbell dankte hierauf mit herzlichen Worten.
Es folgte danach eine Besichtigung des großen Hauses mit seinen hellen, luftigen Räumen. Das Haus zeigt den Stil der deutschen Früh-Renaissance, der aus der Gotik hervorging; deshalb weist das Haus auch an der Architektur manche interessante Anklänge an die Gotik auf. Das Gebäude ist 70 Meter lang, und 55 Meter breit, bei 1700 Quadrat-Metern Grundfläche. Die Schule besitzt 9 Lehrsäle für Gymnasial klassen, 9 für Real klassen, und 4 Lehrsäle für die Vorschule. Dazu kommen die verschiedenen Säle für Physik, Zeichnen, Gesang, usw. sowie die Räumlichkeiten für die Direktion, die Lehrer usw. Sehr schön und geräumig ist die Turnhalle (200 Quadratmeter). Das Haus ist für 730 Schüler eingerichtet, und kostet 330 000 Mark, die die Stadt Friedberg zahlt, während der hessische Staat die innere Einrichtung der Räume übernahm. Besonders chön und hell sind die Treppen und die gewölbten Gänge, auch die Schulsäle sind völlig der Neuzeit entsprechend ausgestattet. Auch die A l t e r tu m s s a m m lu n g der Stadt Friedberg, welche in dem Schulhaus untergebracht ist, wurde mit großem Interesse besichtigt. Diese ent- hält manches wertvolle Stück, besonders Ausgrabungen aus der Römerzeit, die in Friedberg und der traten Capers- burq gesunden wurden.
"Um 2 Uhr nach,mittags begann das Festessen int „Hotel Trap p". Es wurden zahlreiche Reden gehalten und mandx Erinnerung an die vergangene Schulzeit von nun ergrauten Männern wachgerufen.
Jubelfeier des Gymnasiums in Büdingen.
(Originalbericht de« „Gieß. Anz.')
III.
Dr. K. Gießen, 7. August.
Schon nach 9 Uhr vormittags waren gestern die Fest- teilnehmer wieder vollzählig zum Wald fest im Tiergarten erschienen. Das etwas zweifelhafte Wetter hellte sich bald auf, und so zog um V210 Uhr ein langer Zug alter Herren, das rote Pennälerkäppchen auf blondem, schwarzem oder grauem Scheitel, die in helle Farben gekleideten Damen zur Seite, zum Schloßhof und von da über den Wilden Stein zum Tiergarten. Am WaldeSrand bot den Gästen folgender Spruch in grüner Pforte einen Willkommengruß:
„Und kommst du wieder, Altgeselle,
Aus stürm'schem Most wird firner Wein — „Du findest mich an alter Stelle, „Sollst mir wie einst willkommen sein.
Der Büdinger Wald.
Nun ging es mit Musik hinab an das Ufer deS allen lieben und bekannten Tiergartenweihers. Dort erwartete die fürstliche Familie die Gäste, die diesmal Gäste im engeren Sinne waren. Die freundliche Fürsorge deS hohen HauseS hatte große Mengen kalter Speisen in der Buffethalle auf* stellen lassen, dazu gab eS köstliches Bier; man konnte zugreifen nach Herzenslust. Die Stimmung wurde sehr lebhaft, besonders als auf Zitierung des Fürsten der „Waldgeist" m grünem Mantel und langem grauen Barte erschien und in poetischer Sprache feine alten Freunde ans früheren Jahrttt herzlich willkommen hieß. Forstmeister Müller hatte diese Ueberraschung auSgedacht und auch die Berse verfaßt. D»e heitere Ungezwungenheit der nnn folgenden Stunden wird


