Ausgabe 
6.11.1901 Zweites Blatt
 
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durch volkstümliche Theatervorstellungen und Konzerte, Mufeums- führungen, Vortragscyklen usiv. Eine besonders lebhafte und tief­greifende Debatte entspann sich bei dem Punkt der Tagesordnung: Tie gegenwärtige Lage des Schutzes des geistigen Eigentums und die Parsisal-Frage". Hier griffen, nach einem einleitenden Referat des Redakteurs Friedrich Dernburg, die als Ehrengäste anwesenden Hoskapellmeister Richard Strauß, Professor S t e r n f e l d und Tr. Rösch, Generalsekretär des Ver­bandes deutscher Komponisten, bedeutsam ein. Jedoch wurde von einer definitiven Beschlußfassung in dieser Angelegenheit vorläufig noch abgesehen. ZumVorort" des nächsten Jahres, nachdem München die Wahl abgelehnr hatte, wurde wieder Berlin bestimmt. In seinem Schlußwort hob Dr. Fulda unter allgemeiner Zustimmung hervor: so Ersprießliches die einzelnen Organisationen in positiver Thätigkeil auch geleistet hätten, so sei doch nicht zu vergessen, daß der Goethebund in erster Linie als Abwehrbund gegründet sei gegenüber den Gefahren, die Kunst und Wissenschaft bedrohen föimtciL falsch wäre es, wenn der Goethebund bei jeder Kleinigkeit sofort lärmend auf den Plan treten würde. In Stuirden wirtlicher Ge­fahr aber werde man wahrnehmen, daß er einzugreifen wisse. Schon seine Existenz übrigens sei wohl geeignet, gewissen Angriffen vor­zubeugen.

Wie man aus Rom meldet, wird der Herzog der Abruzzen Mitte Februar einen neuen Versuch zur Ent- deckung des Nordpols von Alaska aus inachen.

Universitäts-Nachrichten.

Rom, 4. Nov. Von kompetenter Seite wird die Meldung, der Vatikan habe die deutsche Regierung ersucht, die Ernennung des Proseßors Dr. Spahn an der Universität Straßburg rückgängig zu machen, als erfunden bezeichnet. DieVoee della Verita" er­hielt die Weisung, jedwede Erörterung wegen der Ernennung Spahns zu unterlassen.

Innsbruck, 4. Nov. Italienische Studenten durch­zogen abends die Museumstraße unter den Rufen:Nieder mit dem Statthalter, hoch Trentino!" und zogen gegen die Burg, worauf die Polizei sie zerstreute. Mllitär sperrte den Zugang zur Burg ab. Mehrere wurden verhaftet.

Landwirtschaft.

Darmstadt, 4. 9tov. Wie man schreibt, hat Oekonomierat Dettweiler, Mitglied des Hessischen Landwirtfchaftsrats, in An­betracht der gegenwärtig in Hessen sehr stark austretenden Maul- und Klauenseuche bei Ministerialrat Braun, als Vertreter der Ministerialabteilung für Landwirtschaft re., die Anregung gegeben, Mittel zur Disposition au stellen, um zur Bekämpfmig der Maul- und Klauenseuche das Baecelli'sche Mittel in Anwendung zu bringen. Auf Veranlassung des Ministerialrats Braun hat nun­mehr soeben auf einem von der Seuche stark heimgesuchten Gut ein Versuch mit dem Baeeelli'schen Mittel stattgefunden, und zwar in Gegenwart^ des Medizinalrats Dr. Lorenz von Darmstadt. Eine Anzahl Tiere wurde mit dem Mittel geiinpst; schon am Abend desselben Tages konnte ein befriedigender Zustand der geimpften Tiere konstatiert werden; am folgenden Tage konnte schon in dem Befinden der geimpften Tiere eine Besserung festgestellt werden, die sich in Freßlust und anderen günftigen Symptomen äußerte. Die Versuche werden fortgesetzt.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Tabak.

Im Lause der Berichtswoche wurden uns Umsätze in allen Tabaken nicht bekannt. Lose pfäher Blätter wurden ca. 150 Zentner in der Preislage gegen Ende 20 Mark umgesetzt. In neuen Tabaken wurde der noch unverkaufte Rest in Friedrichsthal zu 32 Mark bis 34 Mark gekauft, in Spöck eine Kleinigkeit zu 30 bis 31 Mark, in Graben ca. 100 Zentner von einem Händler kommissionsweise zu 30 Mark, alles am Dache. In Rußbeim (Nebenhaardt) wurde die Kreseens Auin Preise von 23 bis 24,Mark am Dache von Händlern und Maklern aufgekauft. Hier wurde von einem maßgebenden Mannheimer Hause die Unsitte der Makler ohne Auftrag zu kaufen, wieder einmal gut beleuchtet, da die gekaufte Ware einfach zurück- gewiesen wurde. Auch in St. Leon hegt derselbe Fall vor, es soll, wie uns berichtet wird, von einem Fabrikanten und einigen Händ­lern ca. 500 Zentner, die von den Maklern ohne Austrag am Dache gekauft wurden, bis jetzt nicht accepttert worden sein, was nur zu loben ist. Zu Beginn der diesjährigen Einkaufskampagne nahmen wir wiederholt Veranlassung, die reservierte Zurückhaltung beim Einkauf zu erwähnen und zu raten, daß man abwarten nröchte, bis die Tabake abgehängt sind. In lobenswerter Weise haben sich eine große Anzahl Firmen dazu bereit gefunden, und wir waren thatsächlich der Meinung, daß das Einkaufsgeschäft wieder in die allen und soliden Bahnen zurückgeführt wird. Leider hielt diese Reserve nicht lange Stand, und dasselbe Resultat wie im Vorjahre wird wohl die Käufer eines anderen belehren müssen, denn nur durch Schaden werden dieselben klug werben. Die voriger Woche in Heddesheim und Lampertheim gekauften Tabake sind ab- gehängt. Dieselben zeigen sich zum Teil feucht und naß, was zu vermeiden gewesen wäre, roemi man den Produzenten hätte erst ruhig abhängen lassen, denn dieselben mären dann jedenfalls vor­sichtiger hierbei verfahren, und man hätte auch gute Ware in Empfang nehmen können. In Großsachsen wurden von einer Bruchsaler Firma 200 Ztr. am Dach zu 2021 Mk. gekauft. Leuters­hausen, Schriesheim zu 1718 Mk. am Dach ausverkauft. Laden­burg zu 1718 Mk. angefangen, in Rohrbach b. Sinsheim wurden von einem Kommissionär für einen Fabrikanten ca. 100 Ztr. am Dach zu 2022 Mk. gekauft. In losen pfälzer Rippen geschäftslos, lose feine 89 Mk., gebündelte feine 1011 Mk.

Gerichtssaal.

Kiel, 4. Nov. Die beiden Obermatrosen G e n z und S ch ü l t von dem kleinen KreuzerG a z e l l e" wurden vom Geschwader- Kriegsgericht von der Anklage des meuterischen Aufruhrs und Achtungsverletzung, begangen durch ihr Verhalten in Euxhaven am 20. Juli, freigesprochen. Beantragt waren 5 Jahre und 28 Tage Zuchthaus. (Kapitän Neitzke ist bekanntlich auch freigesprochen worden.)

Gingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 5. November.

Zu den Stadtverordnetcnwahleu.

Während der Termin der hiesigen Stadwerordnetenwahlen immer naher rückt, beginnen die Gemüter der Wähler allmählich sich mit den einzelnen Kandidaturen zu beschäftigen, sich wohl auch über die eine oder die andere aufzuregen. Dabei treten nun, wie ja bas bei dergleichen Gelegenheiten stets der Fall ist, vielfach irrige Anschauungen zu Tage. So ist offenbar bei einem großen Teile ber hiesigen Wählerschaft die Meinung verbreitet, es fei einer der bereits genannten Kandidaten, Herr Reallehrer Jann, nicht wähl­bar da er in die Kategorie der Vollsschullehrer zählt. Das ist ein'Irrtum, beim bie Vollsschullehrer werben für Gemeinde­ämter wohl wählbar, sobald sie nicht mehr an einer Volksschule ober einer anberen städtischen Schule angestellt sind. Herr Jann ist nun an einer Staatsanstalt, dem Realgymnasium und der Realschule angestellt, und es fallen daher für ihn bie für Vollsschullehrer geltenben gesetzlichen, bas Wahlrecht beschränkenben Besttmniungen weg. Ein Blick auf bie Verhältnisse unserer Haupt- unb Resibenzstadt Darmstabt bestätigt uns dies. Dort sitzt Real­lehrer Kaßlick, ber also in gleicher Stellung sich befindet wie Herr Jann bereits seit Jahren im Stad trat und wird, wie wir sicher wissen, als reges und thättges Mitglied dieser Körperschaft geschätzt und geehrt. Was nun in ber Hauptstadt des Landes möglich ist, ist wohl auch für unsere liebe Stadt Gießen angängig. Darum lasse man sich nicht irre machen; gebe man ruhig ferne Stimme

Herrn Jann, dessen Eharakter dafür bürgt, daß er stets seine ganze Kraft einfetzt, wenn es gilt, das Wohl der Gesamcheit zu för­

dern. -1~

Krieskasten der Redaktion.

(Anonyme Nnfragerr bleiben unberücksichtigt.)

Eberstadt. Freundlichen Dank für Ihre Mitteilungen. Aber warum nennen Sie sich nicht? Es liegt uns nicht nur daran, zu wissen, wem wir schätzenswerte Nachrichten verdanken, sondern wir müssen in jedem Fall eine Handhabe haben, um unserer Kor­respondenzen sicher zu sein und für ihre Richtigkeit bürgen zu können. Anonyme Zuschriften zu berücksichtigen, ist für Redaktionen immer sehr riskant. Nachrichten mit Namensnennung hono­rieren wir auch gern.

Vermischtes.

* Die Berliner Hochbahn eröffnet am 15. Dezember den Betrieb auf einer Teilstrecke. Zum 1. Januar wird wahr­scheinlich die Strecke Warschauer BrückeZoologischer Garten in Betrieb gesetzt.

* Bremen, 4. Nov. Kurz vor dem Passieren des Oldenburger Schnellzuges wurden von unbekannten Thätern auf die Schienen des Oldenburger Bahngleises ge­wälzte Sandsteinblöcke und Eisenbahnschwellen rechtzeitig endeckt.

* Köln, 4. Nov. Der Schriftsteller Lenzer aus München, der wegen Wechsel- und Urkundenfälschung im Be­trage von 50000 Mark, sowie wegen Unterschlagung von 1000 Mark Buren gelb ern steckbrieflich verfolgt wurde, ist hier verhaftet worden. Lenzer trieb sich feit April unter dem Namen Rolf umher.

* Der Zar hat alle Artikel, Illustrationen, Bilder und Lieder, die anläßlich seiner zweiten Reife nach Frankreich in ganz Europa und Amerika veröffentlicht wurden, durch das BureauArgus de la Presse" in Paris sammeln lassen, um siezur ewigen Erinnerung" aufzu­bewahren. Die Zeitungsartikel allein füllen drei prächtige Albums, von denen jedes mehr als 600 Seiten Text enthält.

* Die S chnerder in nen-Mission der Köni- ginDraga. Um sich und ihre Hofdamen von den teuren Pariser Schneidern unabhängig zu machen, hat Königin Draga von Serbien zwei ihrer Schneiderinnen nach Prag gesandt, die in einem dortigen Modesalon Unterricht in der höheren Schneiderei nehmen. Die beiden Damen, welche außer einem Staatsstipendium Subventionen aus der Pri­vatschatulle der Königin beziehen, werden ein Jahr in Prag verweilen, und dann ihre Studien in Wien fortsetzen, um hierauf in Belgrad ihre Kunst zu bethätigen. Hoffent­lich haben die Damen dann genügend gelernt, und fer­tigen wahre Kunstwerke an, damit die sparsame Königin nicht ihr Geld zum Fenster hinausgeworfen hat und schließ­lich doch noch) nach London, Berlin oder Paris schreiben muß.

Telephonischer Kursbericht.

Jb'rankfart a. M., 5. November.

3 72% Reioheanleihe . . 100.50 3% do. ... 89.30 37,% Konsole .... 100.50 3% do. .... . 89.35 37,0/g Hessen .... 98.10 5O/o Italien. Rente . . . 98.80 4 /o Griech. Monopq.l-Anl. 41.40 8% Portugiesen .... 25.50 8% Mexikaner .... 25.50 4%% Chinesen .... 84.00 Tendenz:

Kreditaktien.....194.30

Diskonto-Kommandit . . 170.70 Darmstädter Bank . . . 117.50 Dresdener Bank .... 117.90 Berliner Handelsges. . . 130.00 Oesterr. Staatsbahn . . . 133.40 Gotthardbahn ..... 155.00 Laurahütte ...... 176.50 Bochum.......159.30

Harpener ...... 154.50 schwach.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

November

Z

2«

925

7

756,8

758,1

759,1

4- 3,8

0,3

3,4

4,9

4,5

3,5

82 N.

100 NE.

99 NW.

Wetter

Sonnenschein sternh. Himmel Nebel

Höchste Temperatur am 3. bis 4. Nov. + 5,2° C.

Niedrigste 3. 4. 3,2° C.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Stuttgart, 5. Nov. Die Verhandlungen zwischen der Reichspostverwaltung und der Württembergischen Postverwaltung über die Einführung einheitlicher Postwertzeichen find abgeschlofien worden.

München, 5. Nov. Gras Crailsheim erklärte auf eine Anfrage im Finanzausschuß des Landtages, das Befinden des Königs Otto sei unverändert.

Paris, 5. Nov. Der Lustschiffer Santos Dumont trat aus dem Aeroklub aus, weil viele Mitglieder der Preiskommisfion erklärt hatten, daß sein Lustschiss das Problem der Lenk­barkeit in keiner Weise der Lösung näher gebracht habe. Der Industrielle Deutsch kündigt au, daß er einen neuen Preis mit strengeren Bedingungen errichten werde.

London, 5. Nov. DerTimes" zufolge wird der Direktor der Schiffsbauteu, White, aus Gesundheilsrückfichten fein Amt aufgeben.

Bristol, 5. Nov. Der Schahkanzler Hicks Beach hielt gestern hier eine Rede, in der er erklärte, er habe bereitwillig Geld für den Krieg hergegeben in der Hoffnung auf eine bal­dige Beendigung desselben. Die außerordentlich große Anleihe, die ausgenommen worden sei, habe die Nation weniger schwer belastet als die früheren Anleihen. Ter Geldmarkt sei nicht beunruhigt. Die Zuckersteuer und die anderen Steuern seien nicht allzu drückend. Die Einkommensteuer sei jetzt höher als fie während des Krimkrieges war, aber nichts desto weniger werden die Steuern gern gezahlt. (?Das kommt nirgends vor. D. Red.) Er bedaure, nicht erklären zu können, daß der schreck­liche Krieg beendigt sei, und die Steuern abgeschafft werden könnten. Es sei sogar möglich, daß in der nächsten Parlaments- sesfion die Steuern vermehrt werden müßten. Er wirs sodann darauf hin, daß zwei Kavallerieregimenter am 19. Nov. nach Südafrika zur Verstärkung abführen. Zu diesem Monat würden weitere 1200 berittene Mannschaften abgesandt, um andere ab­zulösen. Wenn 12 000 Mann erforderlich würden, könnten 12 000 abgesandt werden, aber die Regierung habe vor allem den Forde­rungen des Generals, dem sie vertraue, sofort uachzukonunen.

Das geschehe auch. Was die Konzentrationslager be­treffe, so könne er nicht verstehen, wie die Handlungsweise, mit der so großeHnmanitätszwecke (!.') verfolgt würden, so falsch gedeutet werden könne. Die Regierung bedauere die große durch Krankheit in den Lagern hervorgerufene Sterblichkeit so sehr wie einer und stehe gerade jetzt mit den Behörden in Süd- asrika in Verbindung, um eine Besserung (wirklich?) in der Lage der Uittergebrachten herbeiznsiihren und um der großen Sterblichkeit Einhalt zu thun. Die Regierung sei auch, wie chon früher, immer bereit, Frieden zu schließen, aber ie würde auf einem ernsthaften, vernünftigen Frieden bestehen (der die Buren zu britischen Sklaven machen will! T. Red.) und, um diesen zu erreichen, vor keinem Opfer^ zurück- chrecken. Er gebe sich der festen Hoffnung hin, daß Südafrika ür das Reich ein ebenso stärkender Faktor werden wurde, wie es Australien und Kanada seien.

Madrid, 5. Nov. In der gestrigen Sitzung der Depn- tiertenkammer erklärte Marineoffizier Mareneo, das ungeschickte Vorgehen der Regierung könne die Marinetrnppen zum Aeußersten treiben. Der Ministerpräsident erhob gegen die Angriffe Einspruch.

Berlin, 5. Nov- Die Letzlinger Hofjagd wird, wie nunmehr seststeht, am 15. und 16. November statt- indem Schon am Nachmittage des 14. wird sich der Kaiser mit dem Kronprinzen und einem großen Ge­folge nach Letzlingen begeben.

Posen, 5. Nov- Der Bischof von Paderborn veri weigerte einem katholischen Theologen, der in dem Thorn er Geh eimbund-Prozeß^verurteilt worden war, den Eintritt ins Priester-Seminar.

Hamburg, 5. Nov- Der anhaltend dichte Nebel behindert seit Samstag die Schiffahrt ans der Elbe aufs schwerste. Zahlreiche Dampfer liefen bei der Ebbezeit fest, kamen jedoch bei eintretender Flut wieder los. Eine schwere Kollision ereignete sich bei Brokdorf an der llnterelbe, wo der englische DampferTreasure" den Hamburger DampferVirgo" im Nebel anrannte. DerVirgo" er-> hielt ein großes Leck am Bug, sodaß das Vorderschiff voll lief. Mehrere Schleppdampfer brachten Hilfe und mußten das Schiff bei Bielenberg aus den Strand setzen, um seinen Untergang zu verhindern. Der von Stade abgegangene DampferBlankenese" mußte vom Nebel über­rascht, die ganze Nacht auf der Elbe zubringen, und konnte erst gestern vormittag seine Fahrgäste in Hamburg landen.

Frankfurt a. M., 5. Nov. Die Meldung, daß der L a n d g r a f v 0 n H e s s e n auf dem Bahnhof Lüttgenburg einen, Wagen-Unfall erlttten habe, ist nicht richtig. In dem betreffenden Wagen befand sich, wie baS Host marschallamt mitteilt, der Landgraf überhaupt nicht. Der Wagen fuhr leer und nur der Kutscher und ein Diener erlitten Verletzungen.

Straßburg i. E., 5. Nov. Am 7. d. M. findet eine internationale wissenschaftliche Ballon­fahrt statt. Es steigen Ballons auf in: Trappes, Paris, Straßburg, München, Wien, Krakau, Bath, Berlin, St. Petersburg, Moskau. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der jedem Ballon beigegebenen Instruktion gemäß den Ballon und die In­strumente sorgfältig birgt und an die angegebene Adresse sofort telegraphisch Nachricht sendet. Für Hilfeleistungen beim Landen eines bemannten Ballons werden besondere Vergütungen bezahlt.

London, 5. Nov. Die tägliche Verlustliste der englischen Truppen in Südafrika beziffert sich für gestern auf 9 Tote, 20 Verwundete, 3 Gefangene und 22 an Krankheit Verstorbene. In einer Rede in Forfar pro» testierte Morley vor seinen Wählern gegen den Krieg. Die durch denselben eingettetene Finanzlage würde einen schweren Rückschlag auf die englisch,en Staats- Finanzen ausüben. Der seit Samstag herrschende Nebel hat eine allgemeine Störung des Verkehrs in London und der Provinz nach sich gezogen. Alle Eisen» bähnzüge treffen mit bedeutenden Verspätungen ein. Die Schiffahrt auf der Themse ist eingestellt. Viele Fabriken mußten schließen. Der Schaden der Verkehrs-Institute wie auch besonders der der Theater ist bedeutend. Bei den letzteren wird er auf eine halbe Million Pfund Sterling geschätzt. Bis jetzt sind 186 Un glücks fälle zu ver­zeichnen, die sich infolge des Nebels zugetragen haben. Die Zahl der Verirrten beläuft sich aus Tausende.

Brüssel, 5. Nov. Der Papst hat dem neu ge­borenen Prinzen von Belgien telegraphisch seinen Segen und den Eltern seine Glückwünsche gesandt. Heute begab sich eine Deputation von Mitgliedern beider Kam­mern zum Könige, um ihn zu beglückwünschen. Eine Amnestie wird nicht erlassen, dagegen sollen Begnadig­ungen einzelner Personen stattfinden.

Paris, 5. Nov. DerPetit Parisien" glaubt, das Geschwader Eaillard werde heute an seinem Bestimm­ungsorte eintreffen. Dem Figaro zufolge befindet sich das Geschwader heute im ägäischen Meere. DerEclaitt glaubt, der Konflikt sei im stände, ernste Nach wirk< nngen in denjenigen Kolonien hervorzurufen, welche eine überwiegend muselmanische Bevölkerung besitzen. Dre Regierung hat umfassende Maßregeln getroffen, um allen Eventualitäten vorzubeugen.

Genua, 5. Nov. Die hiesigen Hafenarveiter haben sich mit dem Boykott der englischen Schiffe einver­standen erklärt.

Wien, 5. Mv. Abgeordnetenhaus. Der Abg. Herold tritt den Angriffen des Abg. Wolf gegen das Tschechenvolk entgegen, wirft der Regierung Neu- tralitätsbruch vor, und erklärt, die Tschechen ver­langten von der Regierung nichts Ungerechtes. Sie könnten ihr aber auf dem Gebiete der Wirtschaftspolitik nur folgen, wenn die slavischen Völker zufriedengestellt seien. Das Tschechenvolk wehre energisch jeden neuen Angriff ab. Hierauf wurde die erste Lesung des Budgets beendiat- Das Budget wurde dem Budgetausschusse überwiesen.

Bukarest, 5. Nov- Der König begab sich gestern abend in Begleitung des Ministerpräsidenten, des Ministers der öffentlichen Arbeiten und des Ministers des Innern nach Eonstantza, um die dortigen Hasenarbeiteu zu be- sichtigen.

Petersburg, 5. Nov- Unweit Schirjajews Der» brannte der große DampferPriroda". 7 Menschen verloren ihr Leben.

Pretoria, 5. Nov- Die Buren haben beide Ka« noneu, welche zur Nachhut Oberst Bensons gehören, mit sich weg geführt.

Halifax (Neuschottland), 5. Nov- 300 Mann der königlichen Artillerie mit 6 Maximge schützen, gehen diesen Monat von hier nach Südafrika ab. Sie wer­den durch eine Abteilung von Bermuda ersetzt.