Nr. 261
Zweites Blatt.
151. Jahrgang.
Mittwoch 6. November 1901
Erscheint täglich mit Ausnahme des
Montags.
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Politische Tagesschau.
Die astronomischen Instrumente.
D»' Fortführung der astronomischen Instrumente aus Peking hat geraume Zeit der öffentlichen Diskussion Stoff gegeben. Man kann nicht gerade sagen, daß durch den verblüffenden Abschluß, den die Sache fand, die Erörterung zum Schweigen, gebracht wurde, indem die chinesische Regierung die Zurücknahme der Instrumente, wegen angeblicher Transportschwierigleiten, ablehnte und dadurch in der Rolle eines gütigen Geschenkgebers Deutschland gegenüber auftrat. China war also in der Lage, den Trumpf auszuspieleu. Die Aussagen des Generals o. Lessel in dem Stuttgarter Prozeß wegen Veröffentlichung von „Hunnenbriefen" müssen den ungünstigen Eindruck dieser China-Aktion verstärken. Offiziell ist stets daran festgehallen worden, daß wir uns nicht im Zustande des Krieges mrt China befänden. Herr v. Leffel aber sagte vor Gericht öffentlich folgendes aus:
„In zehn bis zwölf Fällen sind Ausschreitungen voraekommen. Die Betreffenden wurden aber sofort kriegsgerichtlich aufs schärfste bestraft und verbiißten chre Strafe in dem Festungsgefängnis zu Köln. Die astronomischen Instrumente auf der Mauer zu Pekinc mürben allerdings als Kriegsbeute beschlagnahmt, und zwar eüuna wegen ihres Kunstwertes und andererseits wegen ihres materiellen Wertes. Wir hatten den Befehl, öffentliche Wertgegenstände zu be-- fchlagnahmen, um dieKriegskosteu zu decken."
Selbst die konservative „Kreuzzeitung" knüpft eine abfällige Kritik nicht auf den Befehl selbst, gegen den sich nicht viel einwenden lasie, dagegen an die „umso bedenklicher erscheinende" Art der Ausführung dieses Befehls. Aus der Beschlagnahme habe sich nicht die Notwendigk^t ergeben, die ^ntrumente nach Europa überführen zu lassen. Wenigstens aüer hüllen sie, nachdem man erkannt hatte, daß für ihre Zurückhaltung keine rechlliche Grundlage vorhanden sei, auf jkosten des Reiches nach China zurückgesandt werden sollen. Stall dessen hat man sie lediglich der chinesischen Regierung zur Verfügung gestellt. — Der Standpunkt, den die „Kreuz- Ztg." hier einnimmt, ist immerhin noch milde. Es überwieg wohl die Auffaffung, daß auch der Befehl der Beschlagnahme an sich mit dem Völkerrecht, und zmnal nach den Vereinbarungen des Haager Kongresses, nicht in Einklang zu bringen ist. Eine Auslaffuug darüber, wie es sich mit diesem Befehl verhält, von wem er erteilt wurde, hat die „Nordd. Allg. Ztg." vieles nicht gebracht. Im Reichstag dürste auch diese Frage zur Debatte stehen. Das Beste wäre gewesen, von vornherein der Oeffenllichkell die Dinge darzulegen, wie sie sind. Vleberall kann einmal ein Fehler gemacht werden. Mer dieser Fehler war zu korrigieren. Ww sllmmen der „Kreuz-Ztg.^ zu, wenn sie bedauert, daß nicht nachträglich eine Ablehnung des Geschenkes und seine Rücksendung auf Kosten des Reiches erfolgt ist.
Graf Törchoff.Friedrichsteiu über die Handelsverträge.
Ein Mitarbeiter eines Berliner Blattes hatte mit dem Grafen August Dönhoff-Friedrichstein, von dem kürzlich das Gerücht in Umlauf war, er sei bestimmt, des Reiches fünfter Kanzler zu werden, eine Unterredung. Der Besucher hatte ihn um eine Aeußerung zu der Frage der Handelsverträge und der Getreidezölle gebeten.
„Ich glaube nicht", so erklärte Graf Dönhoff-Friedrich- stein, „daß es einen Zweck hat, wenn ein Einzelner wie ich seine Ansicht schon jetzt bekannt giebt. Was bedeutet es, wenn jemand heute sagt, er Halle fünf oder sechD oder sieben Mark Zoll für das Richtige und das unumgänglich Notwendige? Ein absolutes „Richtig" giebt es in wirtschaftspolitischen Dingen nickt, und wie viel nach Lage der Sache zweckmäßig und erreichbar ist, läßt sich heute noch nicht beurteilen. Eine besttmmte, zahlenmäßige Angabe über die Höhe des Zolles, den ich beanspruchen würde, kann ich zur Zeit daher nicht machen. Man erinnert an meine Abstimmung von 1894 bei den Verhandlungen über den russischen Handelsvertrag. Wenn ich mich damals im Einzelfall und ohne den gemeinsamen konservativen Boden zu verlassen, von meinen politischen Freunden getrennt habe, so ist dies geschehen, weil ich in der Polittk eine zu ernste Sache sehe, als daß ich sie wie einen Sport zu betteiben midji entschließen könnte. Die Abstimmung von 1894 war in internationaler Beziehung von besonderer Tragweite. Beim Vertrage mit Oesterreich hatte ich mich der Abstimmung enthalten. Als der Verttag mit Rußland zur Absttmmung kam, sagte ich mir, daß wir Rußland unter keinen Umständen das, was wir an Oesterreich bewilligt hatten, würden versagen können. In diesem Augenblicke habe ich mich damals entschieden, für den Vertrag zu stimmen. An Aenderungen in der Besetzung hoher Reichs- und Staatsämter glaubt der Graf ganz und gar nicht. Graf Bülow ist der beste Mann, den wir haben, die Sache durchzufechten. Miquels Heimgang bedauern wir alle; ein Ersatz für ihn ist noch nicht gefunden, wird auch nur schwer zu finden sein. Es war ein Mann von ganz einzig dastehener „plau- sibility", wie man in England es nennen würde, ein Mann, der auch die verwickeltsten Dinge dem Volke klar und überzeugend darzulegen verstand. Wenn man ihm so gegenübersaß und ihn reden hörte, man glaubte schließlich, er hätte recht, auch wenn man im Grunde ganz entgegengesetzter Ansicht war wie er."
Der ftanzöfisch.türkische Konflikt.
In der französischen Kammer verlangte am Montag der Sozialist. Sembat die sofortige Beratung seiner Jnterpella- 5m über den französisch-türkischen Konflikt, die aus den ö. November festgesetzt wäre, und der Minister Delcasse oob sofort folgende Erklärung ab:
Er sei bemüht gewesen, fürFrankreichimOrient das zu beanspruchen, was ihm aus jahrhundertelanger Tradition zukomme. Von dem diplomatischen Zwischenfall sei nicht einmal die Thatsache der Entsendung des Geschwaders geheimgehalten, nur welches der Besttmmungsort desselben sei. Was man wolle, sei, der Beugung des Rechts und den Winkelzügen ein Ende zu machen. Die man Frankreich gegenüber zur Anwendung gebracht habe. Frankreich habe Geduld gehabt und wenn sie diese so lange bewiesen habe, so sei dies geschehen, um desto besser zu zeigen, daß ihm andere Mittel zu Gebote stehen. (Bewegung.) Der Minister legt sodann dar, worin die Beschwerden Frantteichs bestehen und erllärt, man habe niemals die Türkei zum Rückkauf der Quais in Kon- stmllinopel zwingen wollen, er habe im Gegenteil dem Botschafter in Konstantinopel gegenüber betont, er fürchte, daß ein solcher Rückkauf den Einfluß Frantteichs für die Zukunft schaden könne. Die Regierung wolle, indem sie in diesen verschiedenen Fällen für die französischen Staatsangehörigen eintrete, gleichzeitigauchdieanderen Interessen Frankreichs verteidigen. Lorando und Turbini seien geborene und nicht naturalisierte Franzosen. Es liege nur an dem bösen Willen der Pforte, daß die diplomatischen Beziehungen unterbrochen seien. Die Regierung werde alles mögliche thun, um in Armenien und sonst die Ruhe wiederherzustellen, aber Frankreich sei nicht der einzige Staat, der durch den Berliner Verttag in der Angelegenhell engagiert sei.
Hierauf wird über die Priorität der Tagesordnung Sembat abgestimmt, welche lautet: „Die Kammer ist, in der Ueberzeugung, daß Frantteich einen Mangel an Pflichtgefühl zeigen werde, wenn es nicht in wirksamer Weise den Schutz der Armenier ausüben würde, entschlossen, die Herbeiführung dieses Schutzes durchs ein Zusammengehen mit den Mächten zu erleichtern." Me Priorität dieser Tagesordnung wird mit 227 gegen 212 Stimmen an genommen. Ministerpräsident Waldeck-Rousseau erklärt hierauf, die Regierung weise die Tagesordnung Sembat zurück, weil sie nicht das Vertrauen der Kammer zum Ausdruck bringe, das die Regierung zur Erfüllung chrer schiwierigen Aufgabe nötig habe. (Beifall.) Ribvt sagt, er werde nicht für ein Vertrauensvotum der Regierung gegenüber sllmmen, weil erzurallgemeinen Politik der Regierung kein Vertrauen habe. Brisson erklärt, unter den obwaltenden Umständen der Regierung ein Vertrauensvotum verweigern, heiße, das Ansehen Frantteichs herabzumindern. Er fordere alle Republikaner auf, sich zu vereinigen, um der Regierung ihr Vertrauen auszudrücken. Schließlich wird die Tagesordnung Sembat mll 314 gegen 75 Sllmmen ver-worfen und die Tagesordnung Chartertet, die von der Regierung angenommen wird und die folgendermaßen lautet: „JmVertrauendar- auf, daß die Regierung den Interessen und der Ehre Frankreichs Achtung verschaffen wird, geht die Kammer zur Tagesordnung über", angenommen.
So hat beim also das Ministerium Waldeck-Rousseau einen neuen Sieg davon getragen, und der Konflikt mll der Türkei nimmt seinen Fortgang. Aus der Türkei eingelaufene Meldungen lassen freilich darauf schließen, daß der Sultan gewillt ist, Frankreich in allen Punkten nachzugeben, da er den Ausbruch einer Revolution in der Türkei befürchtet, die durch die unter den Staatsbeamten und dem Mllitär wegen der rmckständigen Gehälter herrschenden Unzufriedenheit hervorgerufen werden könnte. Aber ob die Wünsche der Franzosen dem bedrängten Herrscher der Gläubigen nicht schließliche doch allzu well gehen werden! Trotz aller gegenteiligen Behauptungen steht Frankreich rm Begriff, die orientalische Frage aufzurollen. Das formte einen neuen Schrecken ohne Ende geben, wie der Transvaalkrieg. Die griechische Bevölkerung Kretas und neuerdings auch die unter einem eigenen Fürsten stehende, der Pforte tributpflichlige Insel Samos erstreben eine An- glrederimg an Griechenland. Außerdem glimmt es beständig auf dem Brandherde Makedonien, wo das makedonische Komitee, unbeschadet der nur angeblichen gegensätzlichen Stellungnahme der bulgarischen Regierung, nach wie vor eine Thätigkeit entfallet, die auf die Lostrennung dieses unter türkischer Herrschaft stehenden Landes hinzielt. Der Sultan ist in größten 9iöten. Er erkennt natürlich, den Ernst der Lage, ist aber außer stände, irgend einen energischen Schritt zu thun. Er hat freilich eine erhebliche Verstärkung der an der bulgarischen Grenze befindlichen Garnisonen vornehmen lassen, auck für die Belvaffnung der in Makedonien lebenden Türken gesorgt, was der Einrich-t- ung einer Art türllscher Landmiliz für den Fall einer bulgarischen Erhebung gleichkommt. Aber mit allem dem ist sehr wenig gethau, und namentlich nichts Frankreich gegenüber. Frankreich will, da nun einmal die Demonstration im Gange ist, sie dazu ausnutzen, sich, am goldenen Horn, wo es seit langer Zeit etwas ins Hintertreffen geraten ist, wieder erne angemessene Position zu sichern, gegen die der Sultan sich in keiner Weise wird helfen können. Von der weiteren Entwickelung der Verhältnisse wird es jedenfalls abhängen, welche Stellung die übrigen Staaten zu dem Kon- litte einnehm er:. Wenn ein Pariser Blatt, wie wir gestern bereits meldeten, behauptete, alle im Orient interessierten Mächte hätten die Absicht kundgegeben, sich in dem fran- zösisch-türllschen Konflikt absolut neutral zu verhalten, so wird das in Berlin an unterrichteter Stelle als unrichtig bezeichnet. Doch sind nähere Erklärungen darüber vor der Hand natürlich nicht zu erwarten.
Ueber die Ankunft des französischen Geschwaders in den türkischen Gewässern ist in Paris bisher noch keine Meldung eingegangen. Die türkische Flotte liegt bei Beirut vor Anker. Das französische Geschwaber ist ebenfalls nach Beirut abgegangen. In Toulon haben sämtliche Sckiffe des
Mittelmeergeschwaders Proviant eingenommen und werden auf das erste Signal hin nach der Levante abgehen.
Vom „Weltbankier".
Me transatlantische Republik ist zur Zeit stark umworben. Mcht politischer Zwecke wegen, sondern in der Eigenschaft als „Weltbanller". Die Amerikaner haben sich diesen hochtönenden Tllel eigenmächtig zügelest. Ihn zu verdienen und dementsprechend mit Recht zu führen, wird ihnen jetzt Gelegenheit geboten. Ein angesehener japanischer Staatsmann, Marquis Ito, konferierte jüngst wiederholt mit den Dollarfürsten von Wallstreet, um sie der Emission einer japanischen Staatsanleihe an der Newyorker Börse geneigt zu sllmmen. Tas Gleiche erstteben die Agenten des russischen Finanzministers, natürlich in Bezug auf die Unterbringung einer Rubel-Anleihe. Wenn die Newyorker Finanziers sich nicht „erweich^r" lassen, droht dem Minister-- schisse des Herrn Witte unrühmliche Sttandung. Als Dritter im Bunde wird demnächst der unternehmende König der Belgier bei den transatlantischen Milliardären vorstellig werden. König Leopold will, wie wir schon mitteilten, für seine Person Gelder aufnehmen, zur Durchs führung überseeischer Kolonisationsprojekte, zunächst im Kongostaat. Der Regent als Träger kühner Ideen dürfte in New York das Ziel am ehester! erreichen. Für derartige Unternehmungen hat der „Weltbanller" bei weitem mehr Verständnis als für die Finanznöte von Staaten.
Ein Chamberlain am Kaiserhofe.
Houston Stewart Chamberlain, der Verfasser des Werkes: „Die Grundlagen des 19. IahrHunde r t s" (Verlag von F. Brückmann in München) ist dieser Tage vom Kaiser zur Wendtafel gezogen worden. Der hochkonservallve „Reichsbote" bemerkt hierzu:
„Es fälll auf, daß der englische Autor, der gewiß davon unterrichtet ist, welche Bewunderung und persönlich eVorliebe der Kaiser für seinBuch hegt, gerade jetzt wieder hier weilt; ob das auf eigenem Entschluß oder auf einer Einladung beruht, ist unbekannt. Mit der Stimmung der Nation, die augenblicklich durch die Beschimpfungen, welche Joe Chamberlain dem deutschen Volke und Heere durch seine beleidigenden Unterstelb- ungen angeblicher Greuelthaten 1870—71 zugefügt hat, auf das Tiefste erregt und erbittert ist, steht es im schroffsten Widerspruch, einen Träger des Namens Chamberlain am deutschen Kaiserhofe ausgezeichnet zu sehen. Man ist außerdem in weiteren Kreisen hinreichend davon unterrichtet, daß das genannte Geschichtswerk auf die derzeitige persönliche Auffassung der Zeitereignisse und Politik seitens des Kaisers einen bedenklichen, romantischen Einfluß geübt hat."
Der Empfang H. St. Chamberlains, der in Wien seit vielen Jahren lebt und seinem britischen Vaterlande längst untteu geworden ist, kann doch nur gewaltsam mit der heftigen Antipathie des deutschen Volkes gegen seinen Namensvetter auf dem britischen Ministersessel in Beziehung gebracht werden. Wir stimmen der „Köln. Ztg." durchaus bei, die in ihrem „Privatäußerungen des Kaisers" überschriebenen Leitartikel in Bezug hieraus sagt:
Soweit also schon geht die Kritik, daß sie dem Kaiser vor- schreiben will, mit wem er verkehren und was er lesen soll. Herr Chamberlain hat nicht das geringste mit dem englischen Kolonial- mmtster zu thun und ist nicht mit ihm verwandt, teilt nicht einmal seine Gesinnung. Wegen der Zufälligkeit des Namens sott der geistreiche Schriftsteller, der es verstanden hat, mit seinem großen Werke weiteste Kreise anzuregen und zu fesseln, nach dem Wunsche des frommen konservativen Blattes keinen Zutritt zum kaiserlichen Hofe haben. Noch unglaublicher aber ist die jämmerliche Klage, daß lenes Geschichtswert auf die persönliche Auffassung des Kaisers, betr. die Zeitereignisse und Politik, einen bedenklichen romantischen Einfluß ausüben soll. Me böswillige und so kleinlich denkende Kritik aber, so schließt die ,Iöln. Ztg.", arbeitet mit der Lupe, die seziert und spezialisiert, wo das Ganze und der Gesamteindruck in den Vordergruird gestellt werden sollten.
Der Schriftsteller Chamberlain ist der begeisterte Verfechter der „pangermanischen" Idee, Er entwirft eine politische Konstruktion der Zukunft, worin beide Nationen, die angelsächsische und die deutsche, die Führung haben. Dabei läuft manches Schmeichelhafte für Deutschland mit unter. Deutschland hat die religiöse und wffsenschaftliche Freiheit er- ftritten, England den Gedanken eines nationalen Staates zur Geltuug gebracht.
Deutsches R^ich.
Berlin, 4. Nov. Heute hörte der Kaiser die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts Wirkt. Geh. Rats Dr. v. Lueanus und des Ministers v. Thielen. Zur Frühstückstafel war Reichskanzler Graf v. Bülow geladen-
— Denc Kommandeur der 1. vstasiatischen Jnfanterie- brigade, Generalmajor v. Trotha, ist der Rote Wler- orden 2. Kl- mit Eichenlaub und Schwertern verliehen worden.
— Aus Buchverlagskreisen sind neuerdings verschiedene Anfragen laut geworden, wann die neue d e u t s ch e e in - heitliche Rechtschreibung in den Schulen ein- aeführt werde, und wie lange Schulbücher, die in der bisherigen Rechtschreibung aedruckt sind, in unseren Schulen noch zugelassen werden dürften. Nach den von der „Köln. Ztg." eingezogenen Erkundigungen dürfte die Einführung der neuen Rechtschreibung immerhin noch etwas auf sich warten lassen, da noch nicht alle beteiligten Regierungen ihre, förmliche Zustümnung zur Einführung gegeben haben. Erst wenn diese Zusttmmimgen ämtlich vorliegen, kann das in Aussicht genommene Regel- mch veröffentlicht werden. Wer auch nach dem Erscheinen dieses Regelbuchs wird noch in einer ausgiebigen lieber-- gangsfrist kein einaeführtes Schulbuch um deswillen zu-'


