Ausgabe 
6.1.1901 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Hflte»

Section

'-L

151» Jahrgang

£1901

Gießener Anzeig er

** geliebte

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren

Sonntag den 6. Januar

Äffe Anzeigcn-Vermlttlungsftellen des In- und AuS- ronbeS nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf., auswärts 20 Pf.

ZSeznqsprei» vierteliährl. Mk. MO monatlich 75 PiH. mit Bringerlohn; durch die Abholesteäe» »ierteljährl. Mk. 1.9V monatlich 65 Psg.

Bei Postbezug Mk. 2. vierteljährl. ohne Bestellgeld.

Erscheint täglich mit Ausnahme de»

Montags.

Die Gießener K^mikienb kälter Wecbtn dem Anzeiger iM Wechsel mitHrff. ämbroirt" u.Blätter Htf Hess. Volkskunde" wvchtl. 4 mal beigelrgt.

I* Üllt eich

TLftahme von Anzeige« zu der nachmittags ftc beit folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» vor». 10 «hr. Abbestellungen spätestens abends vorhev»

Drittes Blatt.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde.

Vkebakttoa, Expedition und Druckerei:

Schulftrahe Nr. 7.

:str°tze 47.

MW M \M S^tligg:

d abends 8 Uhr.

schs,ladkS »®5

ttt

Wagen

Kerliner Krief.

(Plaudereien aus der Saiserstadt.) (Nachdruck verboten.)

Ptzlvestrrstimmung in Berlin. Die Herren Gratulanten. Der ersehnte 10 Pfennig-Tarif. Wirkungen auf die Stadt­bahn. DaS neue Wahrzeichen Spree-Athens.

Man kann nicht behaupten, daß die Knister- und Krachgeräusche der letzten Börsenwochen sich durch irgend­welche trübe Stimmungen zum Jahresschluß fühlbar ge­macht hätten: Berlin war so fidel, tote es immer war mr diesem Zylinder-gefährlichen Tage! Möglich, daß hier und da einer still in seinem Kämmerlein gesessen und voll Ingrimm an die sauberen Herren Bankdirektoren ge­wicht hat, die die Jahreswende anstatt in den Marmor- Wänden einer schönen Billa hinter den Backstein-Mauern fee» bekannten Moabiter Staatspalastes verbringen. Das der Berliner war indessen flott auf den Beinen und Keß seiner angeborenen Neigung zum Ulk und Radau fröh- Kch die Zügel schießen. Die Lindenkafes waren der im­mensen Menschenfluten wegen polizeilich geschlossen und Ae Wirtschaften in der Nähe mußten um 12 Uhr den Aderrschlüssel drehen, in allen übrigen Lokalen aber, vom Wintergarten bis zur kleinsten Brettlbühne ic. wurde kräftig «feiert, gesungen, geredet, Punsch getrunken und in Pfannkuchen geschwelgt. Unter den Linden war um Mitter­nacht, da das klare Frostwetter wie dazu geschaffen schien, «rande Promenade der buntesten Gesellschaft der Welt. Und Dlange die Späße bei diesem Geisterstundenkorso in den Wxenzen des bloßen Lärmens blieben, ließ sich keine der respektierten Pickelhauben sehen. Erst wenn ein reichlich mit Flüssigkeiten gesättigter Festbrüder zur Llbwechselung vine Keine Rempelei beginnen oder sich eine Meute unter­nehmungslustiger Bassermänner auf einen lockend blinken­den und blitzenden funkelnagelneuen Zylinder stürzen wollte, ^schienen Plötzlich wie aus der Erde gestampft die Ver­treter der heiligen Hermandad, um allen böswilligen Mörungen der Sylvesterfreude ein rasches Ende zu machen. #ttb fo ist es den lieben, blankenTintenproppen",Angst-

'iSiiSÄ

w- ®*"K

Ein Dierteljahrhundert Reichsbauk.

Von Dr. jur. Arthur Eichmann.

Am 1. Januar 1901 waren es 25 Jahre, daß die nach dem Bankgesetz vom 14. März 1875 errichtete Reichsbank ins Leben getreten ist. Das Jubiläum dec Reichsbauk hat da­durch ein besonderes Interesse, daß die Wirksamkeit und Äntwickelung der Bank seit ihrem Bestehen auf das innigste mit dem staunenerregenden Aufschwünge unseres nationalen Wirtschaftslebens verknüpft ist. Gewiß wird man beute die übertriebenen Vorstellungen vergangener Jahrhunderte be­ilächeln, wonach man in den Zettel- oder Notenbanken ein Mittel für die Erwerbung fabelhafter nationaler Reichtümer sah, immerhin bleibt es aber klar, daß eine wirtschaftliche Mtwickelung nicht aufsteigend fein kann, die der sicheren, oefahrverhütenden Grundlage eines geordneten Geldwesens entbehrt, und ein geistvoller italienischer Beurteiler sah wohl Gründe genug, wenn er unter den Vorzügen des Deut­schen Reiches an erster Stelle dessen Bank pries.

Um den Wendepunkt, der mit dem Inkrafttreten des Bankgesetzes und seiner neuen Schöpfung, der Reichsbank, in der deutschen Geldwirtschaft eintrat, genügend würdigen zu können, wird man sich der Zustände kurz vorher erinnern müssen. Zwar waren die bemitleidenswerten Verhältnisse, in oenen sieben deutsche Münzfüße um die Palme rangen, durch die deutsche Münzreform auf Grund der Goldwährung und der Münzeinheit von einer Mark überwunden. Doch waren auf dem Gebiete des Papiergeldwesens Staats­papiergeld .und Banknoten die Zustände heillos genug. Um Jahre 1873 waren nicht weniger als 140 Arten papierner Wertzeichen im Reichsgebiete in Umlauf darunter die heißgeliebten, zerfetzten Thalerscheine. Die hierdurch hervor- «rufenen Schwierigkeiten in der Technik des Geldverkebrs waren noch das kleinste Uebel. Viel unheilvoller war 6er Umstand, daß sich unter den Geldpapieren Banknoten be­fanden, die, von kleinsten Instituten auf ungesunder Grund­lage in großen Mengen ausgegeben, zur Ueberspekulation Lihrten und einen ständigen Herd wirtschaftlicher Gefahren bildeten. Das ehedem so zersplitterte Deutschland konnte «ruf allen Gebieten, mochten sie rechtlich, politisch ober wirt­schaftlich heißen, mit imponierenden Zahlen auftreten. Auf Vorlieaendes bezogen sorgten damals außer den meisten Einzelstaaten noch 33 Notenbanken dafür, daß dem deutschen Volke das notwendige Papiergeld nicht vorenthalten wurde. Während es nun geschehen konnte, daß das Papiergeld der Einzelstaaten abgeschafft und durch die Ausgabe von Reichs- Gassenscheinen (zu 25, 20 und 5 Mark) abgelöst wurde, war eine gleiche einheitliche Regelung auf dem Gebiete des Bank- «otenwesens freilich nicht möglich, dem standen die wohl­erworbenen Rechte seiner 33 Notenbanken entgegen. Doch griff das Gesetz mit kraftvoller Hand reformierend ein, so weit eS konnte, und es erreichte, daß die größte Zahl der

Notenbanken auf ihr Recht der Notenausgabe, das nicht mehr rentabel war, verzichtete. Bei anderen Banken ist dies Recht durch Zeitablauf erloschen, sodaß von den ursprünglich 33 heute noch 7 Privatnotenbanken neben der Reichsbank be­stehen. In der Reichsbank selbst wurde eine Bank des Reiches geschaffen, die, mit umfassenden Vorrechten ausge­stattet, bei rechter Leitung die Kraft besaß, eine alle anderen riesenhaft überragende Zentralnotenbank zu werden. Ihr wesentlicher wirtschaftlicher Unterschied von den Privatnoten- banken besteht außer der riesigen Größe vor allem dann, daß sie allein den Geldverkehr unabhängig und aus eigener Kraft regelt, den Gesetzen von Angebot und Nachfrage folgend. In dieser Hinsicht dient die Reichsbauk den Privatnoten­banken selbst als Stütze, indem diese bei Bedarf auf sie zurückgreifen und bei ihr ihre Wechsel diskontieren. Sie selbst giebt ihre Jnlandswechsel unter keinen Umständen weiter, sie ist und bleibt für den deutschen Geldmarkt die unabhängige letzte Instanz. , .

Die Reichsbank ist eine aus der ehemaligen Königlich Preußischen Bank hervorgegangene, unter Aufsicht und Leit­ung des Reiches stehende Bank, deren Geschäfte von Kaiser­lichen Beamten geführt werden, dagegen gehört ihr Grund­kapital am 1. Januar 1901 betrug es 150 Millionen Mark privaten Anteilseignern, und sie ist, obwohl Reichs­bank-Behörde, vermögensrechtlich vom Reichsfiskus getrennt. Hierdurch wird eine gerade für sie als Bank so wesentliche Unabhängigkeit sowohl von politischen Einflüssen wie von privaten Sonderinteressen erzielt. Ferner haben ihre Be­triebsfonds dadurch für den Fall eines Krieges den Charakter von Privateigentum.

Für ihre Wirksamkeit sind nicht Rücksichten des Er­werbes, sondern volkswirtschaftliche Interessen maßgebend. In der rechten Würdigung der Vorbedingungen eines auf- steigenden Wirtschaftslebens ist ihr in 8 12 des Bankgesetzes an erster Stelle die Aufgabe zugewiesen, den Geldumlauf im gesamten Reichsgebiete zu regeln. Das heißt: dieReichs- bank hat vor allein dafür zu sorgen, daß den Bedürfnissen der Volkswirtschaft Geldmittel stets, überall und in genügen­der Menge zur Verfügung stehen. Die Bedingungen, unter denen sie zur Verfügung stehen, ergeben sich aus dem Be­stände und den Verhältnissen der Geldmittel und aus der Art und Größe ihres Bedarfs. Das Interesse an der Sicherheit der Geldmittel hat dem an billigem Kredit durchaus voran­zugehen, will die Bank der feste Rückhalt für die Entfaltung Der wirtschaftlichen Kräfte der Nation sein. Die Reichsbank hat ihre Aufgabe in der Regelung des Geldumlaufs geradezu meisterhaft gelöst, indem sie eine weitere Aufgabe, die Er­leichterung der Zahlungsausgleichungen, in den Dienst der ersteren stellte. Um innerhalb der ihr vom Gesetze gezogenen Schranken ihre Mission erst erfüllen zu können, mußte fie auf eine möglichst große Ausdehnungsfähigkeit des Umlaufs der Noten Bedacht nehmen, und dazu gehörten Baarfonds.

röhren",Ohm Krüger-Helmen" und wie die schwarzen Schornsteine sonst noch benamst werden, diesmal ganz erträglich gegangen, zum Teil viel, viel besser, als den illuminierten Schädeln unter ihnen, die am Neujahrs­morgen den glückwünschenden Herren Vertretern der Ge­sellschaften für Müllabfuhr, Kaminreinigung, Straßen-Be- lenchtung, nächtliche Sicherheit und Hausthüröffnung, so­wie dem vielgeplagten Briefträger und der unermüdlichen und immer pünktlichen Zeitungsfrau mit sehr blöden und übernächtigen Augen entgegenftierten und gar nicht so aussahen, als ob sie noch besonders große Freude an ihrer Existenz in DiesemJammer"-Thal hätten.

Ein unverkennbar vergnügteres Antlitz zeigen un neuen Jahre die Kondukteure der Straßenbahnen. Ist doch endlich mit dem Beginn des Januar der so heiß ersehnte Zehnpfennig-Tarif auf allen Strecken zur Ein­führung gelangt, was nicht nur als eine besondere Er­leichterung für den Fahrschein-Verkauf und die Kontrolle erscheint, sondern auch manchen Extranickel in ihre Kasse fließen läßt. Denn mancher grollende Berliner, der bisher für seine Tour 20 Pfennig blechen mußte und sich jetzt für die Hälfte befördert sieht, opfert dem knapp gestellten, aber reichlich beschäftigtenStraßenbahner" dafür die Hälfte der Ersparnis. Wer will ihnen da das Schmunzeln ver­denken? Lange genug hat sich übrigens die wegen ihrer Zähigkeit berüchtigteGroße Berliner" nötigen lassen, diese der Weltstadt würdige Tarif-Veränderung endlich vor­zunehmen; sogar die Omnibus-Gesellschaften, die zum Teil längere Strecken z. B. von Bahnhof Großgörschenstraße bis Frankfurter Allee oder vom Rathaus in Schöneberg bis zur Brunnenstraße (Berlin N.) in der Dauer von beinah einer Stunde fahren, sind ihr darin vorangegangen und berechnen für die ganze Strecke nur noch einen ganzen, für Teilstrecken sogar nur einen halben Nickel. Zweifellos werden diese Verbilligungen für die Stadtbahn alsbald fühlbar werden. Etliche Vorortzüge sind wegen mangelnder Benützung schon von der Verwaltung gestrichen; wenn der Eisenbahnminister, der bekanntlich für Herabsetzungen nicht schwärmt, so fortfährt, neue Stationen auf der Ring­bahn einzuschieben, ohne dabei von der Einrichtung der Füns-StationenbilletE für 10 Ps. abzugehen und dadurch

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gtetz«.

Fernsprecher Nr. 51.

das Publikum für feinen Groschen immer schlechter bedient, so wird die Wirkung nicht ausbleiben. Der Berliner be­fördert allein fahrende Frauen oder Mädchen sowieso schon lieber in der Straßenbahn, weil die ganz und gar mangelnde Aufsicht in den Stadtbahnwagen schon ver­schiedentlich Exzesse und Attentate bedenklicher Art gezeitigt hat, während man bei der Straßenbahn im Kondukteur doch eine direkte Adresse besitzt, an die man sich in Not­fällen wenden kann. Freilich, dickfellig genug sind diese dem Großstadtverkehr oft nicht gewachsenen guten Leutchen auch meist, und ich habe es oft genug beobachtet, daß )te Fremden gegenüber nicht in der Lage waren, ihnen Aus­kunft über eine Straße zu geben, die sich ganz m der Nahe ihrer Linie befand, von falschen Erklärungen über Platze oder Gebäude ic. ganz zu schweigen. D^ Gesell^aft hat jetzt eine neue Gattung von Beamten geschaffen, Revisoren in Zivil, die weder von Fahrer noch Schaffner gekannt sind und ihre Thätigkeit, die sich auch auf das Verhalten bet Beamten gegen das Publikum zu kontrollieren, als Zun gesetzt hat, ohne jedes Aufsehen ausüben; vielleicht toirfl auf diesem Wege manch Heinern Uebelstande abgeholfen-!

Berlins neuestes Verkehrsmittel, die elektrische Hoch­bahn, wird wahrscheinlich noch im Laufe dieses Jahre» dem Verkehr übergeben werden können. Schon ragt der gewaltige Schornstein, der höchste Berlins, wie ein gigan­tischer Zeigefinger aus dem Häusergewirr der Weltstadt gen Himmel empor und bildet ein neues Wahrzeichen be» alten Berlins, der Tunnel am Potsbamer Bahnhof geht mehr und mehr seiner Vollenbung entgegen, bas Hau» in der Bülowstraße, burch bas bie Bahn ihren Weg nehme» wird, ist durchschlitzt, bie Potsdamerstraße ist überbrückt, bie netten kleinen Bahnhöfe finb zum Teil fertig: es totrV nicht lange mehr währen, und bie Geschichte gebt uw. Ohne Zweifel wird auch diese Bahn brillante Geschäfte machen. Wer gesehen hat, wie sich zuweilen fünfzehn bw zwanzig Leute auf einen schon beinah vollen Straßenbahn­wagen stürzen und bis auf zwei, drei Glückliche zurückg wiesen werden, ohne bxi dem nächsten und übernächste» mehr Glück zu haben, der wird mir ohne weiteres zustiminen-

Diese zckg sie durch alle Mittel einer verfeinerten Bautechnik an sich. Den Weg sand sie in der großartigen Ausgestaltunx; bes Giroverkehrs unb seiner Ausbehnung auf ihr gewaltiges Filialennetz, mit bem sie ganz Deutschlanb bebeckt. Durch bieses Verfahren werben täglich Hunberte von Millionen im Reiche statt burch Barübertragungen durch Zu- unb Ab­schreiben in ben Büchern ber Bank umgesetzt, die gewaltigsten Posten toanbern von Buch zu Buch im ganzen Lanbe, überall unb jederzeit mittelst weißer Checks in Bargeld realisierbar, ein Zahlungsausgleich durchBuchgeld", wie er idealer kaum gedacht werden kann. Eine ausgedehnte Ersparung an Bar­geld für den Verkehr erzielt die Bank noch dadurch, datz sie nicht nur für bare Einzahlungen, sondern auch für Wechseldiskontierungen und gewährte Lombarddarlehne Gut­schrift erteilt und sie so in Buchgeld umwandelt, desgleichen durch die Angliederung eines vollendeten Abrechnungs­verkehrs auf 10 Hauptplätzen an den Giroverkehr. An letz­terem nehmen seit den letzten Jahren auch bie Postämter unb bie preußischen, sowie viele anbere Staatskassen teil. Die Umsätze im Giroverkehr finb von 16,7 Milliarben Mark im Jahre 1876 auf 131,5 Milliarben in 1899 gestiegen. Die Vorzüge des insbesondere von dem jetzigen Bankpräsidenten Dr. Koch mit Vorliebe behandelten Verfahrens und seine segensreichen Wirkungen im einzelnen zu behandeln, würde hier zu weit führen. Jedenfalls ermöglicht der Giroverkehr der Bank die Haltung eines hohen Barvorrats und etne große Elastizität in der Notenausgabe. Letztere betrug im Durchschnitt des Jahres 1899 täglich 1,14 Milliarden Mark, und die Reichsbank konnte in der Ausgabe von Noten, soweit ihnen nicht Bargeld, sondern ihr erstklassiges Wechselporte­feuille als Deckung diente, Spannungen von über einer halben Milliarde Mark jährlich erleben, ohne auch nur im entferntesten an die gesetzlich gestattete Bardritteldeckung heranzukommen. Der den Noten zur Deckung dienende, im Den Tresors ber sämtlichen Bankanstalten ruhende Metall­gelbvorrat (einschließlich Barrengolb) betrug im Durch­schnitt bes Jahres 1899 täglich über 825 Millionen Mark, sodaß von ben umlaufenben Noten selbst in jenem schwierigen Jahre 72,30 durch Metall gedeckt waren. Die Reichsbauk Darf hiernach mit Recht als die sichere Grundlage für de« Aufbau der Kreditorganisation des ganzen Landes anbesehen werden, in dessen Wirtschaftsleben sie auch durch die ord­nungsgemäße Regulierung der Zinssätze tief eingreift.

Ganz besondere Aufgaben waren der Reichsbank auf währungspolitischem Gebiete gestellt, und sie hat auf diesem Gebiete anerkanntermaßen mehr geleistet, als man von ihr erwarten konnte. Bei Beginn ihrer Thätigkeit war die Gold­währung wohl auf dem Papier, nicht aber in Wirklichkeit durchgeführt. Die Reichsbank hat bie schwierigen Verhält­nisse, bie namentlich zu Anfang ber achtziger Jahre unsere Goldwährung ernstlich in Frage stellten, durch eifrige, sich immer mehrende Goldankäufe überwunden, indem sie die

tlcuine