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3.4.1901 Erstes Blatt
 
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(angeblich über das dienstliche Verhalten des Angeklagten) die Oeffentlichkeit auszuschließen sei. Ich fordere deshalb das Publikum auf, sich zu entfernen. Nach einigen Minuten wird die Oeffentlichkeit wieder hergestellt und der Präsident erklärt: Der Gerichtshof hat beschlossen, während der Ver­nehmung der drei genannten Zeugen die Oeffentlich- ke i t auszu schließ en, da durch die Oeffentlichkeit das militärische Dicnstinteresse gefährdet erscheint. Der Gerichts­hof hat außerdem beschlossen, den anwesenden Prozeßbetei­ligten über die Vernehmung der genannten Zeugen Schweigebefehl aufzuerlegen. Tas Publikum und die Journalisten verlassen hierauf den Saal. Nach Wieder­herstellung der Oeffentlichkeit bekundet Oberleutnant Henning : Ich war mit dem Angeklagten auf der Lichter­felder Kadettenanstalt. Der Angeklagte war sehr jähzornig und erregt. Zeuge Leutnant Schm oller : Der Ange­klagte war gutmütig, bescheiden und zurückhaltend. Zeuge Feldwebel Zeller : Der Herr Oberleutnant war im Dienst sehr ruhig und sehr gutmütig zu den Soldaten. Zeuge Unteroffizier B a l ck e bekundet dasselbe. Zeuae Staats­anwalt Voigt vom Oberlandesgericht Kolmar: Ein Bruder des Angeklagten hat als Sekundaner eine Schlägerei gehabt. Ta er deshalb aus dem Gymnasium entfernt werden sollte.

hat er sich auf dem Abort mit dem Revolver erschossen. | Ter Angeklagte hatte sich bei einer Uebung im Hochsommer so angestrengt, daß er einen Schwindelanfall bekam und sich deshalb am Sattel meines Pferdes festhalten mußte. Zeuge: Oberstabsarzt Rüger, der Bruder des Ange­klagten, bekundet noch: Herr Hauptmann Dorries l)at meiner Mutter derartige Mitteilungen über meinen Bruder, na­mentlich über sein starkes Trinken, gemacht, daß sie für seinen Geisteszustand fürchtete. Zeuge Hauptmann Dor­ries bestätigt die Angaben des Vorzeugen. Er habe der Mutter des Angeklagten verschiedene alkoholische Exzesse desselben mitgeteilt. Kantonalarzt Groenig bekundet, er habe bei dem Angeklagten wiederholt einen trunkenheits­ähnlichen, krankhaften Geisteszustand und wiederholte Angst­zustande wahrgenommen.

Tas mitgeteilte Urteil wurde vom Präsidenten in fol­gender Weise begründet: Tas Oberkriegsgericht hat, unter Aufhebung des Urteils erster Instanz, gegen den Angeklagten auf Grund des § 97 des Militärstrafgesetzbuches:Angriff auf einen Vorgesetzten mit der Waffe, wodurch der Tod er­folgte", auf eine Strafe von sechs Jahren Zuchthaus unter Abrechnung von sechs Wochen Untersuchungshaft, Ausstoßung aus dem Heere und Einziehung des Revolvers erkannt.

Ter Gerichtshof hat die Ueberzeugung erlangt, daß der An-, geklagte nicht bewußtlos, sondern mit freier Willens­bestimmung gehandelt hat. Es war der Ausbruch feiner gewaltthätigen Natur. Es genügt zur Anwendung des §97, oaß der Angeklagte das Bewußtsein hatte, einen Vorgesetzten angegriffen zu haben. Ter Gerichtshof hat auch die Be­rufung des obersten Gerichtsherrn geprüft. Er hat aber nicht zu der Ansicht gelangen können, daß der Angeklagte mit Ueberlegung gehandelt ljabe. Ter Gerichtshof hat auch nicht angenommen, daß d,er Angeklagte den Vorsatz hatte, zu töten. Als strafmildernd kam in Betracht, daß der An­geklagte aus Bruderliebe und unter dem Einflüsse des Alko­hols gehandelt hat. Strafverschärfend war dagegen, daß sich der Angeklagte durch Täuschung Eingang in die Wohn­ung verschafft und hinterlistig einen Vorgesetzten, der sich seinem Bruder stellen wollte, unter Außerachtlassung der Standesrücksichten niedergeschossen hat. Ein vLotstand nxir nicht vorhanden, da es nicht unmöglich war, daß das Duell noch vermieden werden konnte und auch nicht unmittelbar bevorstand, llebrigens hatte der Bruder auch die Forderung erlassen.

1901

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Holz - Versteigerung

im Hießener Stadtwald.

Donnerstag den 11. April 1901, vormittags 9/a Uhr beginnend, sollen im Gießener Stadtwald im Distrikt Feruewold versteigert werden:

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1576

210

1

4

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1670

5340

870

7620

Eichen-Stämrne mit 1,18 fm (für Wagner geeignet),

Fichten-Skämme mit 40,70 fm,

Fichten-Derbstangen mit 91,29 fm

Fichten-Reisstangen mit 3,84 fm

zu Weißbinderstaugen, Sparren und Spalier­latten geeignet,

rm Buchen-Scheitholz,

H Birken-Scheitholz (darunter 2 rm Rundscheit),

Eichen-Scheitholz,

h Radel-Scheitholi,

N Buchen Knüppelholz,

Buken-Kuüppecholz,

Erchen-Knüppelholz (Stammknüppel, darunter 20 rm 4 m lange, zu Pfosten und Wagncrholz geeignet),

Radel-Knüppelholz, n EichewStockholz, Nadel-Stockholz, Wellen Buchen-Reisig

H Eichen-Reisig N ASpm Reisig Nadel-Reisig

meist Durchforstung.

Die Zusammenkunft ist an der Strangswiesebeirn Pflanzgarten.

2512

Gießen, den 80. März 1901.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum.

Bekanntmachung.

Als Stadtkasirdiener wird eine zuoerläffige, ortskundige, rüstige Person gesucht, welche im Rechnen und Schreiben ge- übt ist. Mit der Stelle, welche zunächst probeweise auf die Dauer eines Jahres besetzt werden soll, ist ein Jahrergehalt von 1300 Mk. verbunden. Es wird aber beabsichtigt, nach Ablauf d-s Probejahres die Stelle de» Kaffendieners in bie IX. Klaffe der Besmdungsübersicht der Gemeindebeamten der Stadt Gießen mit einem Mindestgehalt von 1320 Mk., steigend mit 16 jährlichen Zulagen von 30 Mk. bis zum Höchstbetrage von 1800 Mk., aufzunehmen, so daß später mit der Stelle Anspruch auf Pension, Witwen- und Waisengeld verbunden ist

Geeignete Bewerber wollen ihre Meldungen, denen Zeug- uiffe über ihre Befähigung, die seitherige Beschäftigung, Führung Md Gesundheit beizulegen sind, spätesten» bis zum 10. April l. I. bei uns einreichen.

Gießen, am 30. März 1901. 2478

Geoßherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

I. V.: Wolff.

Wareti-Versttiflenmij.

Mittwoch de« 3. April, nachmittags von 2 Ahr a«, versteigere ich dahier im Aiekersche« Saale, Aeslladt 55, eine größere Anzahl Regen- und Souueu schirme, Spazierstöcke, AlbumS, goldene n. silberne Broschen, Manschettenkvöpfe, Vorsteckuadelu, Uhr- ketteu, Armbänder, Ohrringe, Meerfchanmpfeifeu aud Cigarrenspitzen, lange und kurze Tabakpfeifen, Bierkrüge und »Gläser, Zinubecher, Rippfacheu, Cigarrenetuis, Portemonnaies und viele- Andere, .gegen Barzahlung. Die Versteigerung findet bestimmt statt.

Gießen, den 30. März 1901.

1.2475 Seipel, Gerichtsvollzieher.

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Mittwoch i>ea 3. April 1.1., nachmittags 2 Uhr, werden im Bieker'fchen Saale ver­steigert: Sofas, Kommoden, Kleider­schränke, 1 Vertikow, 1 Sekretär, Tische, 1 Nähmaschine, 1 vollüänd. Bett, 1 Ladenschrank mit Glas- thüren, 1 Palme mit Ständer, 2 schwere Zugpferde u. a. m. 2495

Geisler, Gerichtsvollzieher.

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