Nr. 258
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Erstes Blatt.
151. Jahrgang.
Samstag 2. November 1901
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger w
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Icylgriffe.
Als vor einigen Tagen der greise Fürst Lichnowsky starb, da wurde aus dem Leben seines ernrordeten Bruders Felix eine Episode wieder in Erinnerung gebracht, die recht charakteristisch war: In den Märztagen des Rcvolu- tionsjahres schickte sich, als die Erbitterung am höchsten gestiegen war, in Berlin eine wütende Volksmenge an, bas Königliche Schloß zu erstürmen. Der junge Aristokrat, der zufällig hinzukam, suchte, indem er einen Prellstein bestieg, durch eine feurige Rede die Aufständischen von ihrem Beginnen zurückzuhalten, indem er ihnen die Bewilligung aller ihrer Forderungen verhieß. Aber die Stimmung blieb drohend. Da rief plötzlich eine Stimme aus dem Haufen: „Dürfen wir ooch roochen?" In den Tagen vor der Märzrevolutron war das Rauchen in den Straßen der preußischen Hauptstadt streng verboten und zahllose Konflikte mit der Polizei waren die Folge. „Jawohl, Sie dürfen rauchen", versicherte mit rascher Fassung der Prinz. „Dürfen wir ooch im Tiergarten vvochen?" erklang die Gegenfrage. „Auch im Tiergarten." „Na, denn wollen wir man nach Hause jeh'n, denn haben wir ja, was wir wollten" — mit solchen Rusen zerstreute fick die Menge und das Schloß war gerettet.
Diese kleine Geschichte ist sehr lehrreich Sie zeigt, daß oft genug nicht die großen politischen Probleme den tiefsten Grund der Mißstimmung bilden, sondern Heine, von jedem am eigenen Leibe empfundene Beschwerden, die namentlich dann eine starke Wirkung üben, wenn sie als Ehikanen empfunden werden. Eine kluge Regierung wird stets darauf sehen, daß selbst dort, wo sie mit Härte eingreifen muß, doch jener üble Nebengeschmack vermieden werde, sie wird auch dort, wo sie den Buchstaben für sich hat, dafür sorgen müssen, daß auch der Geist nicht fehle. Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig. Als man es den Bürgern von Berlin verbot, zu „roochen", da hat man in der letzten Konsequenz den Thron in Gefahr gebracht, und als ein kluger, psychologisch erkenntnisfähiger Mann aus eigener Macht das „Roochen" erlaubte, da wurde der König vor einer bitteren Stunde bewahrt. Vorher that man, als würde der Staat zusammenbrechen, wenn Einer mit dem Glimmstengel die Linden cntlangschlenderte; jetzt sind mehr als fünfzig Jahre Vorgängen, man „rvocht" immer ivoch und auch Preußen besteht noch immer.
Man hat neulich, wie wir meldeten, den sozialdemokratischen Redakteur Bredeubeck, der wegen Preßvergehens in Haft saß, von Herford nach Dortmund transportiert, um in einer Sache vernommen zu werden. Auf dem Rücktransport hat man ihn nicht nur wie einen schweren Verbrecher gefesselt, sondern auch durch die belebtesten Straßen und über volkreiche Plätze hinweggeführt. Man wird uns nicht nachsagen, mit den sozialoemokratischen Bestrebungen zu sympathisieren — um so ernster und eindringlicher müssen wir vor der Wiederholung solcher Mißgriffe warnen. Ist es an sich schon ungehörig, einen wegen politischer Vergehen verurteilten Mann, dessen Ehre doch in keiner Beziehung in Frage gestellt wurde, wie einen Ehrlosen, wie einen gemeinen Schuft zu behandeln, so durfte auch man sich über die Wirkung recht lebhaft täuschen, die mit solchen Maßregeln erzielt wird. Alle Faktoren des staatlichen Lebens müssen zusammen wirken, um die sozialistische Gefahr zu bekämpfen — hier schaltet sich einer der bedeutsamsten Faktoren, die Polizeigewalt, freiwillig aus, um geradezu das sozialistische Ackerfeld zu düngen. Oder glaubt wirklich jemand, dchß auch nur em Einzelner unter den Zeugen des schmählichen Schauspiels durch den ihm gewährten Anblick zur Freude am Staat
erzogen worden ist? Nein, man hat für den Mann, den man diskreditieren wollte, nur lebhafte Sympathien erweckt, und indem man ihn zum Märtyrer stempelte, wirkte man für die von ihm vertretene Sache. Wie sagte doch im Reichstag Herr Groeber: „Die Sozialdemokratie hat doch ein Schweineglück ’"
„Solche Mißgriffe sind auf kleine, abgelegene Plätze beschränkt, in denen naturgemäß das Personal der Polizei nicht so weitsehend sein kann, wie etwa in Berlin" — so wird man sägen. Mit Verlaub. Auch die Berliner Polizei ist keineswegs über allen Zweifel erhaben. Die Affairen Leckert und Lützow, Tausch und Sternberg haben ja wohl diese Ueberzeugung in die weitesten Kreise getragen. Auch die Unzulänglichkeit in der Entdeckung von Mördern hat schon mancherlei Stoff zu bösartigen Betrachtungen geboten. Aber vielleicht, so meinen die „L. N. N.", entstand gerade aus dem Bedürfnis, frühere Fehler durch neue Lorbeern zu verdecken, her Gedanke, dem deutsch- amerikanischen Journalisten, dessen bei dem Sturm auf die Takuforts bewiesener Heldenmut einst die allgemeinste Bewunderung fand, aus Preußen auszuweisen. Gewiß hat die Polizei das Recht, lästigen Persönlichkeiten ihre Macht zu beweisen, und wer dem Staatswohl gefährlich ist, der darf auf besondere Schonung nicht rechnen. Die Begründung aber, die dem Ausweisungsbefehl für Herr in gs beigefugt ist, besteht nur in dem kurzen Worte „seiner Vorbestrafung wegen". 9äm ist allerdings der als Knabe von den Seinen in die weite Welt geschickte und in den härtesten Kampf um das Dasein verstoßene Mann vor 16 Jahren in contumaciam zu einem Vtonat Gefängnis verurteilt worden, weil er, inzwischen amerikanischer Bürger geworden, sich nicht zum Heeresdienst gestellt hat, für den er, wie em Attest besagt, „vollständig untauglich" ist. Und auch diese Strafe ist durch eine Amnestie auf gehoben worden. Wenn nun auch sich darüber streiten läßt, ob die Polizei zu ihrem rigorosen Vorgehen eine hinreichende formale Begründung besitzt, so bestehen doch zwei Gesichtspunkte, die ihr Verhalten in den Schein der Kurzsichtigkeit stellen, Gesichtspunkte, die zugleich beweisen, daß es mit der Schablone im Staatsleben nicht gethan ist. Zunächst werden im deutschen Volke selbst gewisse Imponderabilien verletzt, die gerade der sorglichsten Schonung bedürfen. Der Name Herrings steht in den Büchern unserer Kriegsgeschichte, er ist auf einem deutschen Schiffe schwer verwundet worden, sodaß er schwerlich jemals wieder volle Genesung erlangt, er ist ein Held, auch wenn er feine Waffen trug. Denn im Kugelregen zu stehen, um einst der Mitwelt ein wahres Bild des Geschehens zu vermitteln, dazu gehört kälteres Blut noch, dazu gehören stärkere Nerven, als sie der Kämpfer besitzt. Und der andere Gesichtspunkt? Nun, wie glaubt man, wird sich die Haltung gestalten, die man in ganz Amerika diesem Vorgang gegenüber einnimmt? Am Dienstag schon hat das Kabel die Nachricht vom Atlantischen bis zum Stillen Ozean verbreitet — ob es wohl neben den Gehässigkeiten der Jingopresse auch an Glossen darüber fehlen wird, daß einer der eifrigsten Anhänger und Verteidiger Deutschlands, daß ein Mann, der stets nur die Feder ergriff, um für die Ehre seines alten Vaterlandes einzutreten, aus Berlin als ein Lästiger ausgewiesen wird? Ein Einzelner zählt ja nichts unter Millionen, und über fein Schicksal dürfen diese Millionen zur Tagesordnung übergehen. Aber es kann auch geschehen, daß Throne bedroht werden, weil man Unter den Linden nicht „roochen" darf, und durch die Ausweisung Herrings, wie durch die Behandlung Bredenbecks können Stimmungen erzeugt werden, von denen man wünschen möchte, daß sie niemals aufgetaucht wären.
Palitische Tagesschau.
Was Kriegsschiffe kosten.
Man schreibt uns:
Die Baukosten der deutschen Kriegsschiffe haben in den letzten Jahren eine erhebliche Steigerung erfahren. Das ist dem größeren Deplacement, der komplizierteren technischen Ausrüstung, den höheren Materialpreisen und Löhnen, und schließlich in der veränderten artilleristischen Armierung begründet. Jedes Schiff der Marine führt heute Schnellfeuergeschütze, und davon wieder verschiedene! Kaliber, die sich durchweg bewährten. Die Frage der Verbesserung der Armierung ist gleichwohl ständig im Fluß, denn das Bessere an die Stelle des Guten zu setzen, muß jede militärische Verwaltung bestrebt sein, wenn sie auf der Höhe der Zeit bleiben will. So sind jetzt auf Grund von Probeergebnissen wiederum zwei neue Typen von Schnellfeuerkanonen für die Einreihung in die Marine- Schiffsartillerie in Aussicht genommen, das 17 Zentimeter- und das 28 Zentimeter-Geschütz. Während das letztere ausschließlich für die Linienschiffe bestimmt ist, soll das erstere auch zur Verstärkung der Kreuzer-Armierung verwendet werden. Der finanzielle Effekt der Neuerung ist der, daß die Armierungskosten für jedes Linienschiff um zweieinhalb. Millionen, für jeden großen Kreuzer um eine Million Mark höher in Rechnung gestellt werden müssen. Das moderne Schlachtschiff repräsentiert ein Kapital von mindestens 25 Millionen Mark, während das noch vor einem Jahrzehnt stärkste Schiff der deutschen Marine, die Panzerfregatte „König Wilhelm", reichlich 25 Prozent weniger an per- stellungskosten erforderte. Man darf aber wohl sagen, daß seitdem keine andere Seemacht speziell die Vervollkommnung der Kriegsschiffsartillerie so angelegentlich betrieben hat, wie Deutschland. _______
Die Legende von Dewets Tode und die Geschäfte der Familie Chamberlain.
Man schreibt aus dem Haag: Ein Telegramm aus Durban vom 19. Oktober hat als Grund für den Umstand, daß man solange nichts von Dewet gehört habe, angegeben, daß der gefürchtete Burenführer krank oder verwundet oder gar tot sei. Diese Nachricht beruht auf einem, zwei Monate früher aus Pretoria eingetroffenen Brief, nach welchem ein hervorragender Bure, der sich den Engländern ergeben hat, von dem schrecklichen Tooeskampf Dewets gesprochen haben soll. Dieser fei dem Brand erlegen, welcher infolge; des schlechten Verbandes der Wunden hervorgetreten sei. Unterstützt wird die Nachricht durch die von einander vollständig unabhängigen, aber hinsichtlich der Todesart auseinanhergehenden Aussagen von fünf Buren, welche ebenfalls bekunden, daß Dewet nicht mehr am Leben sei. Wenn man jedoch das Datum, welches aus dem Reuter-Telegramnt hervorgeht, näher ins Auge faßt, müssen erhebliche Be-- denken über die Richtigkeit der Meldung aufsteigen, denn in einem Brief vom 27. August erklärt Dewet als Antwort auf die Proklamation Loro Kitcheners, daß er niemals kapitulieren werde. Außerdem steht fest, daß Dewet noch am 13. September zwei Missionare, welche ihn zur Nieder- legung der Waffen veranlassen wollten, in nicht gerade freundlicher Weise abfertigte. Somit ist es ganz sicher,, daß der angebliche Tod Dewets auf eine blanke Erfindung von englischer Seite zurückzuführen ist, um die Ungeduld des englischen Volkes zu beruhigen, welches mit Sehnsucht das Ende dieses so verhängnisvollen Krieges, erwartet.
Das Kriegsministerium hat systematisch so viele falsche Nachrichten verbreitet — man braucht hier nur an die Meldungen zu erinnern, daß Dewet wahnsinnig geworden
Gießener Tßeaterverein.
Die Hoffnung.
Ein Seestuck in 4 Akten von Herrn. HeyermanS jr.
Unseres eifrigen Theateroereins erste Vorstellung in dieser Spielzeit machte uns mit der dramatischen Dichtung eines jungen niederländischen Poeten bekannt. Hermann Heyermans war bisher in Deutschland nie genannt worden. Erst die erfolgreichen Aufführungen seines Dramas in verschiedenen deutschen Städten machten auf ihn aufmerksam, und dieser Tage ist bereits ein zweites Buch von ihm ins Deutsche übertragen worden und im Verlage von S. Fischer in Berlin erschienen. „Trinette" nennt sich diese Dichtung. Heyermans bezeichnet sie bescheiden als „Skizze". Es ist aber doch wohl mehr, eine Novelle, ja, mancher deutsche Schriftsteller würde diese umfangreiche Dichtung, rührte sie von ihm her, unbedenklich einen „Roman" nennen. Trinette ist ein junges hübsches Mädchen, das von seinem Hunger nach Leben und Lebensgenuß aus der dumpfen Stille des Heimatdoffes nach Brüssel — übrigens dem Wohnorte des Dichters — getrieben wird und in der schlimmen Stadt zu Grunde geht. In „Trinette" verbindet sich eine schaffe sozialkritische Tendenz mit einer ungewöhnlichen Stärke des dichterischen Gestaltungsvermögens. In kühnen, jähen Strichen sind die Zustände, die Stimmungen, die Menschen gezeichnet. Insbesondere ist die Figur der Heldin vorzüglich gelungen; und ohne daß sich je diese Absicht verriete, entzündet sich im Leser Mitgefühl und Liebe zu dem jungen, heißen, thörichten Blut. Das Buch ist von R. Ruben vortrefflich verdeutscht. Es stammt aus dem Jahre 1892 und ist, wie der Ueberseher hinzufügt, die erste größere Jugendarbeit des Dichters, die seine Eigenart feststellt.
Dieselben großen novellistischen Vorzüge wie „Trinette" hat das Heyermans'sche Drama, dessen niederländischer Titel verdeutscht eigentlich lautet: „Die Hoffnung auf Segen". Franzisca de ©raaff, von der die „einzig autorisierte Ueber- setzung" (im Verlage von K. F. Köhler in Leipzig) stammt, wählte den kürzeren und zugleich feineren, sinnvolleren Titel „Die Hoffnung". Heyermans vermeidet die Bezeichnung „Drama" oder „Schauspiel"; er nennt feine Dichtung „ein See stück". Damit stellt er sich uns sofort als ein Schüler der großen Maler seines Heimatlandes vor. Heber die Flächen seines Heimatlandes weht dumpfige Seeluft. Es ist das Land der melancholischen Dünen, der dämmernden Stuben, der großartigen Wolkenbildungen. Grane Dunstwolken bedecken den Himmel. Nirgends ist volles Licht, nirgends kristallene Klarheit. Wenig Farben sieht man, aber alles ist Farbe. Mit dieser Heimaterde zeigt sich Heyermans in seinem „Seestück" herzlich verbunden. Während die deutschen jungen Poeten zu nicht geringem Teile zu Heyermans' phantasievollem, ungemein sensitiven, subtilen Landsmann Maeterlinck in die Schule gehen, ward er ein Schüler des Deutschen Gerhard Hauptmann, des Russen Leo Tolstoi, und — wie gesagt — der großen niederländischen Maler. In den vier Akten seines Seestückes giebt er uns vier „Seestücke" ä la Josef Israels, dem größten und kräftigsten Maler des modernen Holland. Diese Bilder zeigen die ganze harte Ehrlichkeit unserer naturalistischen Maler, sie sind düster unter dem Einfluß der holländischen Atmosphäre, sie saugen ihre herbe Kraft aus dem heimatlichen Boden.
Heyermans führt unS in seiner „Hoffnung" in ein kleines Fischerdorf. Wir fühlen den Schmerz der Armen, wir empfinden das tragische Geschick darbender Fischerfamilien, deren Alltagsleben so überaus reich ist an Leid und so überaus arm an Freude. Wir sehen, wie das Leben dieser be- rammernswerten Leute ?o tief poetisch ist und an Stimmungen
so viel bietet als irgend ein großer historischer Stoff, wie dieser wackeren Seehelden kummervolles Los an das tragische Heroenschicksal wohl heranreicht. Heyermans hat seine Studien nach der Natur gemacht. Darum ergreift uns die Intimität der einfachen, in ewige Poesie getauchten Dinge. Er nahm beim künstlerischen Schaffen feinen Anstoß an der Rauhheit und Rohheit der Fischermanieren, wie's schon lange vor ihm Ostade, Temers, Brouwer, Steen u. a. niederländische Maler, allerdings mit mehr Humor, thaten. Es ist ein schwermütiges Drama aus dem leidoollen Leben und Sterben der Armen, ein Werk, das sich vielleicht wohl bemüht, tendenzloser lyrischer Mitleidskunst zu huldigen, das aber bisweilen doch grausam hart wird in der Darstellung des Elends und das nach einer Reihe packendster, stimmungsvollster, graustig- ster naturalistischer, manchmal auch leicht melodramatischer Szenen zum Schluß leider etwas theatralisch Schreiendes hat. Aber das Milieu, in dem sich seine Figuren bewegen, hat Heyermans mit eindringlichstem Fleiße studiert, es hat seine eigene Atmosphäre. Er ist ein tiefer Poet, ein naiver Dichter, groß in der Wiedergabe der kleinen Leute und der kleinen Dinge, ein Künstler, der den engen Kreis, in dem er sich hier bewegt, in feiner ganzen Intimität durchdringt, ein Mann, der fühlt, und der etwas Persönliches zu sagen weiß. Darum haben seine Gestalten eine so suggestive Kraft.
„Hoffnung" ist der Name eines seeuntüchtigen, hoff- nungs l o s dem Untergang geweihten Schiffes, das ein gewissenloser Rheder, nachdem er es mit Angehörigen fast sümlicher Familien des kleinen Fischerdorfes bemannt hat, nochmals zum Fischfang auf die hohe See schickt, um die auf dem Schiffe ruhende hohe Versicherungssumme einzuheimsen. Das Schiff geht mit Mann und Maus zu Grunde, der Rheder streicht fein Geld ein und sucht die Hinterbliebenen in ihrem namenlosen Jammer mit der Ermahnung zur Gottergeben heit und christlichen Denmt zu oertröften.


