M. 203 Erstes Blatt.
Frettag dm 31. August
1900
Gießener Anzeiger
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General-Anzeiger
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Bekanntmachung.
Betr.: Die tierärztliche Ueberwachung der lanbtvirt» schaftlichen Landes Ausstellung zu Darmstadt vom 14.—17. September 1900.
Das nachstehend« Ausschreiben bringen wir zur Kenntnis
-der Interessenten.
Gießen, den 28. August 1900.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold,
Darmstadt, am 22. August 1900.
Zu Nr. M. d. I. 22848.
Das
Großh. Ministerium des Innern
an die Gr. Kreisämter.
Betreffend: Wie oben.
Auf Grund deS § 17 des Reichsgesetzes über die Ab« wehr und Unterdrückung von Viehseuchen haben wir an« geordnet, daß die bei Gelegenheit der landwirtschaftlichen LandeS-AuSstellung zusammeugebrachten Viehbestände durch beamtete Tierärzte beaufsichtigt werden.
Zur Verhütung der Einschleppung einer Seuche und der Verbreitung derselben auf fraglicher Ausstellung bestimmen wir ferner auf Grund des § 20 Abs. 2 oben« genannten Gesetzes, daß nur solche Tiere zur Ausstellung zugelassen werden dürfen, bezüglich deren der Nachweis erbracht ist, daß sie ans einer Gemarkung stammen, welche seit mindestens 6 Wochen frei von jeder Seuche ist.
Dieser Nachweis ist durch ein den Namen und Wohn« ort des Besitzers und das Signalement der Tiere enthaltendes Zeugnis der betreffeudeu Bürgermeisterei zu erbringen, welches mit der Bescheinigung des zuständigen KreisveteriuäramteS versehen sein muß, daß nach Lage der Verhältnisse und nach dem Stand der Seuchen überhaupt eine Verseuchung der betreffenden Gemarkung nicht angenommen werden kann. Wenn der KreiS- veterinärarzt die AuSftellrng dieser Bescheinigung verweigern zu müssen glaubt, ist er gehalten, eine Revision der betreffenden Viehbestände in den letzten drei Tagen vor dem Abgang der Tiere nach der Ausstellung vorzunehmen. Diesbezügliche Zeugnisse der Bürgermeisterei sind daher mindestens fünf Tage vor Abgang der Tiere dem Kreis« veterinäramt einzusenden und von letzterem entweder mit der oben erwähnten Bescheinigung oder mit dem Vermerk zu versehen, daß die vorgenommene Besichtigung der betreffenden Viehstände in dem Gehöfte oder der Gemarkung die völlige Seuchenfreiheit derselben ergeben hat, so frühzeitig an die Bürgermeistereien zurückzusenden, daß sie vor Abgang der Tiere dem Besitzer eingehändigt werden können.
Die Kosten, welche durch Ausstellung der Zeugnisie der Bürgermeistereien erwachsen, fallen den Besitzern zur Last.
Die Bescheinigungen und Besichtigungen, welche die KrelSveterinärärzte vorzunehmen haben, sind Pflichtgeschäst der letzteren. Die Tagegelder, welche ihnen durch die not- wendlg werdenden Besichtigungen von Viehbeständen erwachsen, find für die Polizeikasse in Rechnung zu bringen.
Rothe.
_____________Pfeiffer.
Bekanntmachung, betreffend Generalversammlung des landw. Bezirks-Vereins Gießen.
Am SamStag, 8. September d. I. nachmit- tags 3 Uhr wird eine Generalversammlung des landwirtschaftlichen Bezirksvereins im Lenz'scheu Saale (Felsenkeller) dahier mit folgender Tagesordnung stattfinden:
1. Prüfung der Rechnung 1899/1900;
2. Wahl zweier Mitglieder des Ausschuffes des landw. Provinzialvereins;
3. Mitteilungen;
4. VortragdesGroßh. Kreisveterinärarztes Herrn Prof. Dr. Winkler von hier über seine versuche zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche mit Fütterung von Milch seuchekranker Tiere und deren Ergebnisse.-
Ich lade hierzu die Mitglieder des Vereins und jeder« «ann, der sich für Gegenstände der Tagesordnung internsten freundlichst ein. Die Herren Bürgermeister des
Vereinsbezirks wollen dies gefälligst in ihren Gemeinden ortsüblich bekannt machen und auf einen zahlreichen Besuch hinwirken.
Gießen, den 27. August 1900.
Der Direktor des landw. Bezirksvereins.
v. Bechtold.
Bekanntmachung •
Betreffend: Die Besichtigung des Faselviehs.
Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 28. Juli d. I., in Nr. 187 deS Gießener Anzeigers, geben wir bekannt, daß daS durch Schreib- und Druckfehler entstellte Ergebnis bezügl. Langsdorf heißen muß:
Gesund-
Bullen Halter Rasie Farbe Alter Körper- Nähr- Haut- heitS- (Jahre) bau zustand pflege zustand
Jakob Bender Stmmenth. weiß 2«/< sehr gut s. gut s. gut s. gut Bastard
Ad. Roth ILI. Stmmenth. „ 2®/< w „ *
Retnzucht
3oh8. Lehrmund „ , 4 „
Eber
H. Fay IX. Westfäl. — «/< gut gut gut gut
Riffe
Jakob Fay IV. Bastard - l‘/4 w
Ziegenböcke
Ehr.Schmidt Landrasse scheckig l'/< gnügd. gnügd. genügd. gnügd.
H. Dörr Saaner „ „ gut gut gut gut
Gießen, den 28. August 1900.
Großherzogliches Kreis amt Gießen.
v. Bechtold.
Grotzh. Fachschule
für Slfkvliriilslhmhcrei und verwandte Gewerbe.
Kunstgewerök. Aachschute mit Lehrwerkstätten, zu Grbach i. C.
Beginn des Winterhalbjahres 1. Oktober 1900.
Unterrichtet wird von 4 Fachlehrern und 2 Hilfslehrern.
Gründliche fachmännische, praktische und theoretische Ausbildung von jungen Leuten in den gesamten Zeichen- und Modellierfächern, sowie in Werkstätten für Elfenbeinschnitzer, Holzbildhauer, Drechsler und Ziseleure.
Die Anstalt enthält eine Vorklasse, zwei Fachkurse und Lehrwerkstätten für Ziseleure, Schnitzer und Dreher in Elfenbein, Bein, Holz u. s. w.
Die Vor klasse hat einjährigen Lehrplan und umfaßt die elementaren Konstruktions- und Zeicheusächer.
Die Fachkurse haben je einjährigen Lehrplan: Figuren- und Ornamentenmodellieren, Figurenzeichnen, Aquarellmalen, Fachzeichnen und Entwerfen (in alten und modernen Stilen), Gewandstudien, Aktzeichnen, Perspektive.
Die Lehrwerkstätten nehmen nach schriftlichem Lehrvertrage Schüler vom 14. Lebensjahre auf; die Lehrzeit beträgt 3 Jahre. Nach erfolgreicher Vollendung der- selben erhalten die Schüler einen Lehrbrief ausgestellt (Gew.- Ord. § 129).
Borträge finden statt über Anatomie, ornamentale Formenlehre, Stilkunde, Materialienkunde, Technologie, Konftruktionslehre und Kostenvoranschläge.
Außerdem findet ein gewerblicher nnb kauf- männischer FortbilduvgSuuterricht in den Abendstunden statt.
Der Unterricht wird durch eine reiche Modell- und Borbildersammlung, sowie gut auSgestattete Werkstätten unterstützt.
Das Schulgeld beträgt 15 Mk. im Halbjahr.
Unbemittelten Schülern kann die Entrichtung des Schul- geldes nachgelaffen, auch kann im Großherzogtum Ansässigen der Besuch der Schule durch einen llnterstützungsbeitrag erleichtert werden. Bei Gesuchen um Gewährung der einen oder anderen Art dieser Erleichterungen werden neben der Vermögenslage des Schülers auch die BermögeuSverhältnisse der Heimatgemeinde oder das Vorhandensein geeigneter Stif- tungsmittel in Betracht gezogen.
Anmeldungen und Gesuche sind an den unterzeichneten Leiter der Anstalt zu richten, welcher weitere Auskunft erteilt.
Schulprogramm kostenlos.
Erbach i. O., im August 1900.
Der Vorsitzende des AufsichtSratS: Steg müll er, Bürgermeister.
Der Dirigent der Anstalt:
Klein, Großherzogl. Hauptlehrer.
Der Heldenkampf der letzten Bureuheere.
Unter diesem Titel veröffentlicht die „D. W." einen Bronkhorstfpruit, 23. Juni, datierten Brief des im beut> scheu Freikorps mitkämpfenden Dr. W. Schiele, der so viel Interessantes enthält, daß wir ihn unseren Lesern mitteilen wollen. Dr. Schiele schreibt:
Ganz England wird gejubelt haben bei der Nachricht der Einnahme von Johannesburg und Pretoria, in der Annahme, Haß der langwierige Krieg nun zu Ende sei, und daß man sich bald an das Einl-eimsen des SiegeS- $rei)es werde machen können. Lord Roberts hat sich in derselben Hoffnung gewiegt, denn er hat die fremden Militärattachees aufgefordert, bei ihren Regierungen um ihre Rückberufung einzukommen, da der Mieg so gut wie beendet sei; ein Teil der Truppen, so die Australier, hat bereits die Ordre zur Heimreise erhalten. Doch die Freude war verfrüht. Lord Roberts selbst hat die Befürchtung ausgesprochen, daß die Buren des Oranje-Freistaates es nicht aufrichtig meinten, denn statt der neuen und vorzüglichen M^sergewehre haben sie ihre alten Henry-Martini - und noch ältere Donnerbüchsen ausgeliefert, und jetzt haben sie auch vielfach wieder ihre versteckten Mauser hervorgesucht und sind von neuem dem unermüdlichen Rufer im Streite, dem Präsidenten Steijn, gegen den Erbfeind gefolgt. So ist es dem General Dewet gelungen, die Engländer von ihrer Verbindung mit der Dipkolonie abzuschneiden und ihnen große Transporte von Lebensmitteln, Bekleidungsgegenständen und Munition zwischen Kroonstad und Vereeniging abzunehmen. Die halb verödeten Städte Johannesburg und Pretoria können einer Armee nicht mehr viel bieten; gelingt es dem mit dieser Aufgabe betrauten Kitchener daher nicht bald, die Verbindung wiederherzustellen, so kannPretoriaden Engländern ein neues Moskau werdest und Lord Roberts Triumphzug ein trauriges Ende nehmen. Vielen abergläubischen Gemütern hat es einen großen Schreck bezw. eine große Freude verursacht, daß der a«uf dem Gouvernementsgebäude in Pretoria gehißte UnionIack nach kurzer Zeit vom Winde heruntergerissen wurde. Hoffentlich bewahrheitet sich das Vorzeichen!
Thatsache ist, daß der Zu st and der englischen Armee recht kläglich ist. Infolge der Gewaltmärsche und der kalten Nächte haben die Truppen eine Unmenge Kran ker und Maroder; am Tage die heiße Sonne, in der Nacht Reif, das verträgt nicht jedermann. Pferde, Ochsen und Maulesel liegen in großer Zahl verendet am Wege, den die englische Armee passiert, und das Gras ist gelb und dürr und zum größten Teile noch abgebrannt; Mais und anderes Futter ist im armen Laude aber nicht viel auszutreiben. Die ersten Fragen der englischen Soldaten auf den Farmen sind immer nach Brot und Kleidern. Wie bekannt, ist Tommy Atkins aber ein sehr verwöhnter Herr, der nicht lange ohne sein gutes Essen und seinen geliebten Whisky auszukommen vermag.
Der schwache Widerstand vor Pretoria mag die Engländer wohl zu dem Irrtum verleitet haben, daß alle Gegenwehr zu Ende sei. 9htr zu bald wurden sie aber auf die unangenehmste Weise eines Besseren belehrt. Die englische Armee folgte den auf Middelburg zurückgehenden Buren und wurde dabei bei Donkeshoek und Pinarspoort am 11. Juni angegriffen; erst nach zweitägigem harten Fechten und großen Verlusten gelang es den Engländern, sich Luft zu schaffen. Die Buren versuchten, die Engländer einzuschließen, und interessant war es, das ratlose Hin- und Herflüchten der englischen Kavallerie vor den mitten unter ihr einschlagenden Granaten zu beobachten. Der englischen Uebermacht gelang es schließlich aber doch, den bereits fast geschlossenen Meis der Buren zu durchbrechen, woraus diese sich weiter in der Richtung von Middelburg zurückzogen. Die Engländer folgten bis Elandsriver, Vortruppen gingen bis Bronck- horstspruit (Stationen an der Bahn Pretoria—Delagoa- bai), alle zogen sich aber plötzlich nach Pretoria zurück, nur kleinere Abteilungen bei Pinarspoort und Watersall zurücklassend; wahrscheinlich haben sie ihre Truppen gegen De Wet nötig.
Bei dem Gefecht am 11. Juni hatte auch das deutsche Johannesburger Korps Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Es ist eins der wenigen noch existierenden Fremdenkorps, die anderen sink-meist in Johannesburg und Pretoria auseinander gelaufen. Zehn Mann vom Korps gingen auf eine „Kopje" vor, die sie noch von Buren besetzt glaubten, um von dort die Engländer mit größerem Erfolge beschießen zu können. Als wir uns dem dem Feinde zunächst gelegenen Rande des Berges näl^r- ten, erhielten wir Feuer; wir warfen uns hin und riefen den auf uns schießenden Leuten zu, wir seien Freunde, schwenkten unsere Hüte usw., immer in der Annahme, es seien Buren. Plötzlich tauchten auf 30—40 Schritt vor uns Engländer auf, die in dem Grase mit ihren großen Tropen-


