Vermischtes.
I * Görlitz, 27. März. (Ein Tiger in Schlesien.) Eine Nachricht, die man für einen verfrühten Aprilscherz
I halten könnte, bringt der „Neue Görlitzer Anzeiger": Ein Raubtier schlimmster Art treibt schon ein Jahr sein Un, wesen in den angrenzenden Forsten, vertilgt viel Wild und vernichtet den ganzen Rehstand. Am 18. März wurde das Tier des Vormittags um 9 Uhr in Sabrodt auf 60 Meter von Gebäuden entfernt als Tiger erkannt; auch herbeigeholte Königliche Förster bezeichneten die Fährte als die eines Tigers. Im angrenzenden Revier Proschim hat der Flurschütze den Tiger gesehen, wie derselbe ein Reh zer- > rissen. Hier herrscht eine große Aufregung. Aus entlegenen Ansiedelungen gehen die Kinder nicht mehr zur Schule. Der „Spremberger Anzeiger" schreibt über dieselbe Angelegenheit folgendes: Der Waldhüter des Reviers Proschim ließ am Samstag die Jagdpächter des genannten Reviers durch eine Postkarte wissen, daß in der „Bore", einem bestimmten Teil des Reviers, sich ein Tiger aufhalte, der auf dem Blunower Revier schon 14 Rehe zerrissen und aufgefressen hätte. Selbstverständlich wurde diese Nachricht mit ungläubigem Lächeln seitens der Jagdbeteiligten ausgenommen. Heute liegen aber bestimmtere Nachrichten vor. In der angrenzenden Königlichen Hoyerswerdaer Forst sind die dort stationierten Förster in der vorigen Woche auf die eigentümliche im Schnee hinterlassene Fährte aufmerksam geworden, und heute meldet der Flurschütz von Sabrodt seinem hiesigen Jagdpächter, daß jene seltsame Bestie von Leuten, die durchaus zuverlässig, am Sonntag gesehen worden ist, und daß nach der genauen Beschreibung des Tieres es keinem Zweifelt unterliegt, daß ein irgendwo entkommener Tiger oder Jaguar sich hier aufhält.
* Folgendes Sittenbild aus der bayrischen Hauptstadt entwirft der „Fränkische Courier": Die Sal- vatorsaison in München hat bei Schneewetter am Sonntag begonnen. Trotzdem nahmen schon am Nachmittage dieses Sonntags etwa 10 000 Personen Eintrittskarten zu 30 Pfg., am Josephitage, Montag, waren es 13 000 Personen. Die Zahl der an beiden Tagen ausgeschenkten Hektoliter wird für den Salvatorkeller allein auf 700 angegeben, was bei einem Preise von 40 Pfg. das Liter 28 000 Mk. ausmacht. Dazu nur zwei Drittel des Kruges voll, außerdem noch Ausschank im Nokherberggarteu, in den Lokalen des Zacherl- kellers, bei Spöckmaier, und allen Münchener Wirtschaften, I die Zacherlbier führen. Kurz, man darf rechnen, daß 1000 Hektoliter — 100 000 Liter an zwei Tagen verzapft wurden, I wobei die Ausfuhr, die besonders nach Norddeutschland sehr I stark ist, nicht inbegriffen ist. Es bedurfte übrigens aller I Thatkraft der von der Brauerei aufgestellten 33 Brauknechte, I damit die Ordnung einigermaßen aufrecht erhalten blieb. I Ausschreitungen konnten trotzdem nicht ganz vermieden I werden; mancher und auch manche Dame, die den tückischen I Wirkungen des Salvators unterlagen, wurden zur SanitätS-, I aber auch zur Polizeiwache gebracht, die beide im Keller I errichtet waren. Betrunkene Frauenzimmer waren sehr viele I zu sehen; sie boten in ihrer Aufführung einen höchst ab- I stoßenden Eindruck.
richtung des neuen Verkehrsweges entgegenstellten. Die rechtsrheinische Arbeiterschaft wird niemals vergeffen, daß es ihr Großherzog Ernst Ludwig war, welcher ihr durch den Bau dieser Brücke den Weg zur nutzbringenden Arbeitsstelle zu jeder Jahreszeit und bei jeder Witterung, freigemacht hat. Wer die Bahnen zur Arbeit, dieser ersten Pflicht und edelsten Thätigkeit des Menschen, ebnet und lieb macht, spendet unendlichen Segen! In allerunter- thänigster Dankbarkeit und angestammter Hessentreue verharren die Abordnung der rechtsrheinischen Arbeiter der Lederwerke von Doerr & Reinhart in Worms." Nach Verlesung der Adresse durch ein Mitglied der Abordnung beauftragten Se. Königl. Hoheit dasselbe, seinen Mitarbeitern den landesherrlichen Dank zu übermitteln.
X Mainz, 29. März. Der nahezu vier Wochen anhaltende T ü n ch e r a u s st an d naht sich hier seinem Ende, und scheint derselbe aller Wahrscheinlichkeit nach mit einer Niederlage der Meister zu enden. Trotz einer bedingten hohen Konventionalstrafe von 500 Mark haben sich heute zwei der bedeutendsten Tüncher- und Maler- geschäfte, die große Bauten übernommen haben, genötigt gesehen, die Forderungen der Arbeiter zu bewilligen, was die übrigen Meister nötigt, wohl oder übel das Gleiche zu thun. — Die bevorstehende Gutenberg- feier bildete gestern bei der Beratung des städtischen Budgets Gegenstand eingehender Diskussion und auch teil- j weise abfälliger Kritik. Seitens der Sozialdemokraten wurde der von dem Finanzausschuß für das Fest beantragte Betrag von 50 000 Mark beanstandet, und zwar hauptsächlich um deswillen, weil man diesen Betrag nur als Einleitung zu weiteren größeren Anforderungen betrachten müsse, was sich aus den großen Dispositionen, welche für das Fest getroffen würden, befürchten lasse. Wenngleich sich auch Mitglieder anderer Fraktionen dieser Befürchtung der I Sozialdemokraten nicht ganz entschlagen konnten, so wurde I doch der Antrag des Finanzausschusses angenommen, je- I doch in der Fassung, daß der Betrag von 50 000 Mark nicht I überschritten werde. —In einer gestern hier abgehaltenen I Versammlung des hiesigen Gastwirteverbandes! I wurde beschlossen, wegen Abänderung des neuen Stempel- I gesetzes eine Petition an die erste und die zweite Kammer I zu richten. Nach der Ansicht der Petenten sind die Gast- I wirte und die Wirte im allgemeinen durch die neue I Stempelgesetzgebung am meisten benachteiligt. — Unter I dem Titel „Hessische Rechtsprechung" erscheint von I nächsten Monat an hier eine juristische Fachzeitschrift, die I von dem vor kurzem gegründeten hessischen Richterverein I herausgegeben wird. Das neue Blatt wird Entscheidungen der hessischen Gerichte, solche des Verwaltungsgerichtshofes, I der Justizverwaltung, über Kosten- und Gebuhrenwesen I und sonstige Abhandelungen juristischer Natur bringen. — I Sei Schießübungen, die heute morgen an einem I Außen fort hier stattgefunden haben, hat sich ein schwerer I Unglücksfall ereignet. Von der Bespannung eines Train- I wage^A des Fuß-Artillerie-Regiments Nr. 3 wurden zwei I junge Pferde scheu und gingen durch, dabei an den Seiten- I strängen einen Unteroffizier und zwei Soldaten mitreißend. I Der Unteroffizier erlitt einen Schenkelbruch, der eine I Doldat eine Gehirnerschütterung, und der zweite Soldat | trug schwere innere Verletzungen davon.
)( Aus dem Rheingau, 29. März. Die N i e d e r - I Waldbahn wird ihren Betrieb auf der Strecke Rüdes- I heim - Niederwald den 1. April und auf der Strecke Aß- I mannshausen-Niederwald mit dem ersten Ostertag eröffnen. I
D. Frankfurt a. M-, 28. März. Neue Tiere des I Zoologischen Gartens. Im Raubtierhaus sind gegen- I wärtig 6 Löwen, 4 Jaguare, 7 Panther und Leoparden, I 5 Hyänen und 4 Tiger ausgestellt. Zwei der letzteren, I die vorige Woche eingetroffen sind, gehören der seltenen I sibirischen Rasse an, welche den Königstiger an Größe I weit übertrifft, und haben wiewohl sie noch jung sind, I schon langes zottiges Haar. Im Vogelhaus werden über I 100 neue Käfige, ganz aus Metall und Glas kon- I struiert, gegenwärtig aufgestellt, und die zu ihrer Besetzung I ausersehenen Vögel sind zum Teil schon eingetroffen. Als I Geschenk wurden dem Garten von Herrn L. H. Reiß von der Insel LelebeS zwei Hammerhühner besorgt, von I denen leider eines durch den Frost zu Grunde ging. Die I Hammerhühner lassen bekanntlich ihre Eier vom heißen I Sande ausbrüten, die Jungen kommen flügge auf die Welt I und zerstreuen sich, ohne ihre Eltern zu kennen. — Das neue Säugetierhaus steht im Rohbau fertig und soll I über 100 Käfige aufnehme», so daß die Reichhaltigkeit der I Tiersammlung in übersichtlicher Weise sich gruppieren läßt. I Mit der Giraffe, die wie die Nachrichten aus dem Sudan I beweisen, auf lange Zeit hin das wertvollste Tier für die I Zoologischen Gärten bleiben wird, ist der Tierbestand des I Gartens auf eine hervorragende Stufe gestiegen. „Gerrhy", I wie das Tier mit seinem nubischen Namen heißt, ist mit I feiner Berliner Kollegin das einzige Exemplar seiner Art I in Deutschland und fast auch auf dem europäischen Kon- I tinent. Wie beabsichtigt wird, soll in diesem Sommer I Auch Kochsche SchmetterlingSsammlung zur I Ausstellung gelangen und zwar in einer ganz neuen er- I wetterten Form. Statt der früheren 3000 werden dieses- wal zirka 20 000 Schmetterlinge ausgestellt, und das I - ^ugewent damit vielleicht das Großartigste werden, was I in dieser Art jemals getroffen worden ist. — Am kommenden Sonntag ist der Eintritt des vormittags auf 20 Pfg. pro । Person ermäßigt; nachmittags kostet es 1 Mark, Kinder 50 Pfennig. I
m. Borken (Hessen), 29. März. Gestern nachmittag 1 fand im Gasthaus zum Schlößchen eine Genera lv er- I < sammlung des Landwirtschaftlichen Vereins I i für den Amtsgerichtsbezirk Borken und Nachbaraebiet statt Der Vorsitzende des Vereins, Herr Rittergutsbesitzer Hof- I mann senior (Borken), begrüßte zunächst die erschienenen I ■ Herren und brachte sodann einige eingegangene Schrift I ■ stücke zur Kenntnis. Hierauf hielt Herr Direktor Reinsch- I ■ Melsungen einen Vortrag über „die Anwendung von Kunst- I 1 dünger zur Frühjahrsbestellung". Die anschließende Dis- I kussion gestaltete sich zu einer recht lebhaften, namentlich I wurde über die erzielten Resultate bei Anwendung der be |
4’5 KW, Sr« BO
MS J dck.^neöüte U'
Sie», 27- W
Li bekannt geeerben j $ fnuS von fru L. kommen Klimts $’ V bie
J.r.fitn mißen, daß Ämben Pr°M«n Sri, ba säst alle M
ftaiimter der Pro
I* olt fjiben sich aber a jXr MnM Haushtt
firr aber bit Prosessoren flfefer in bei ümverM yrr ist; mb in ttrntm hruehenenrechtni rnM raMm'che
idpiiad txnyVMt
V-Mtt Drn;m1 p-.olestierenben tzEhe tribd? Hausherren ber Stan !m doch nicht M'b tbenfaM in M iiiü* fein W gtptont.
!e|srten Mitgliedes anxti
Zur Entlassung des Fürsten Bismarck.
(Schluß.)
Bismarcks unmittelbar hierauf folgendes Gespräch mit Windthorst am 14. März 1890 drehte sich bekanntlich ausschließlich um die Frage: wie sich im neuen Reichstag das Zentrum stellen werde und welche Ansprüche es erhebe. Windthorst,forderte die volle Herstellung des Zustandes der Gesetzgebung vor 1870, was Bismarck sofort als „exorbitant", als „unannehmbar" bezeichnete. Dieses harmlose Gespräch wurde dem Kaiser noch am nämlichen Tag mit der Abweichung von der Wahrheit hinterbracht: der Kanzler habe dem Zentrumsführer durch die Vermittelung des Herrn von Bleichrvder zu sich bitten lassen, um mit Windthorst über eine „Kooperation" zu unterhandeln, das heißt zu dem Zweck, in den Meinungsverschiedenheiten Bismarcks mit seinem kaiserlichen Herrn die Unterstützung des Zentrums zu gewinnen. Wenn der Kaiser nur gewartet hätte, bis am folgenden Tag die Zentrumsblätter in vollem Unmut das Gespräch Windthorsts mit Bismarck ausplauderten, so würde er erkannt haben, daß die Zwischenträger, die ihm diese Entstellungen hinterbracht, in gröblicher Weise ihn zu täuschen sich erfrecht hatten. Denn, wenn nicht Windthorst der vergeblich Fordernde gewesen, und ein Einverständnis zwischen ihm und Bismarck erzielt worden wäre, würde die Zentrumspresse natürlich weislich geschwiegen haben. In der begreiflichen Erregung über die falsche Nachricht aber handelte der Kaiser anders.
„Sofort nach Empfang jener Meldung", berichtete mir Bismarck, „sandte der Kaiser den Ehef seines Zivilkabinetts, Herrn (von) Lucanus, an mich ab mit dem Gebot: Seine Majestät fordere von mir, daß ich ihm zuvor Meldung mache, wenn ich mit Abgeordneten politische Gespräche führen wolle. s & entgegnete etwa: „Ich bitte. Seiner Majestät auszusprechen, oatz ich niemanden über meine Schwelle verfügen lasse."
xarüiiT erschien der Kaiser selbst am 15. März früh bei mir, aiS ich noch im Bett lag, und verlangte mich sofort zu
| sprechen. Ich klerdete mich rasch an und trat meinem I gegenüber. Erregt fragte er mich, was die Unterhandluna I, I Windthorst zu bedeuten habe. Ich entgegnete, daß iüd)t Unt?r I Handlungen', sondern vertraulich persönliche Aussprachen I gesunden hätten. Darauf betonte der Kaiser sein Recht
I zeitig von den Verhandlungen seines Kanzlers mit
I fuhrern in Kenntnis gesetzt zu werden. Diesen Anspruch
| lch mit der Erklärung zurück: „Ich lasse meinen ^erfehr J.
I Abgeordneten keiner Aufsicht unterwerfen und über m I L-chwelle niemanden gebieten."
„Auch nicht, wenn ich es Ihnen als Souverän befehl, >• I ries der Kaiser in großer Erregung.
„Auch dann nicht, Majestät", erwiderte ich. „Der Beieb I meines Kaisers endet am Salon meiner Frau." Dann I x?< hi"ru: »Rur infolge meines Versprechens Kaiser V,> I fcs m .'/inst Dessen Enkel zu, dienen, sei ich im Amt geblieben I /renn ich rndes Seiner Majestät unbequem werde, sei ich ÜPrn 1 bereit, mich zurückzuziehen." 1
. Die weiteren Mitteilungen der Fürstin Bismarck Aber die» I besprach, das sie unfreiwillig mit anhörte, an mich kann i* I wiedergeben. Sie machte mir in Parzin Ende Oktobe' I }°92, lote ihr Gemahl in Friedrickssruh am 29. April 1893 I w n tz/hl daraus, daß sie beide empfunden hätten, von diesem | an sei ein vollständiger Bruch zwischen dem Kaiser
I und Kanzler eingetreten. Bismarck aber bezwang in den (Btun I mSr $aienr'r bire. 'wch der erregten Morgenszene vom I t ^ar5c verflossen, seine Empfindung soweit, daß er nun dock I bloß an der vom König befohlenen Denkschrift über die Aui rechterhaltung der Kabinettsordre von 1852 arbeitete und da- I Geschehene in hingebender Vaterlandsliebe und Pslichterfüllunä I Atrug, ohne em Entlassungsgesuch einzureichen, das ihm du I Verantwortlichkeit für die dadurch geschädigten deutschen Jntn I essen aufgebürdet haben würde.
I Ganz in diesem Sinne beschied er auch den General von I vahnke, der am Frühmorgen des 17. März bei Bismarck mit dem Auftrag erschien: der Kaiser erwarte das Entlassungsgesuch I des Fürsten und sei bereit, denselben zu diesem Behuf nach. I mittags 2 Uhr zu empfangen. „Da der General den Austraa I n- /l? eÜien direkten, sondern nur unter Bezugnahme aus I eine Besprechung am Tage zuvor ausgerichtet hatte", berichte | wir Bismarck etwa, „so erwiderte ich, daß ich nach meinem I augenblicklichen Gesundheitszustand nicht ausgehen könne uno I bezüglich der schriftlichen Eingabe um Frist bitten müsse. Dann I fuhr ich etwa fort: „Ich halte es für eine Gewissenlosiak,,' I gegen Seine Majestät und das Vaterland, wenn ich unter den I jetzigen Umständen fahnenflüchtig würde. Ein von mir jetzt ein I gereichtes Entlassungsgesuch würde aber auch ein ganz falsches I geschichtliches Bild der Sachlage darbieten. Seine Majestät f)iv I K ?ie .^cht- mich jederzeit zu entlassen. Der Kaiser von I Österreich sagt auch, wenn er sich von einem Minister trenne I will: „Wir haben befunden", den ober jenen feiner Armin | SU entheben. Ich. aber kann meine politische Laufbahn nicht mit I CXenJ-Ät "bschlleßen, dessen Folgen ich .für Volk und Reich I als höchst verderblich erachte."
I Mrt diesem Bescheid ging General v. Hahnke von bannen, und I Ars.warck deutete mir die weiteren, seither bekannt gewordene, I Greignifse dieses Tages' an: wie er den Ministern in einer I letzten Beratung mit ihnen am Nachmittag des 17. März Kennt I Uis von den Ereignissen der jüngsten Tage mit dem Bemerken I gegeben, daß er seiner Meinung nach nicht mit der Rücksicht I behandelt werde, auf die fein Alter wohl Anspruch hätte; wie I sich die Minister sämtlich damit ebenso einverstanden erklärten, I wie mit Bismarcks Denkschrift über die Notwendigkeit des Fort" I bestehens der Kabinettsordre von 1852; wie sie dann noch am I nämlichen Abend bei Herrn von Bötticher, ohne den Fürsten, zu einer Beratung über einen etwa beim Kaiser und König zu unternehmenden Schritt zusammengetreten seien: wie aber der Kaiser, schon infolge der ihm merkwürdig schnell vermittelten Beschlüsse des Ministerrats vom Nachmittag in diese vertrauliche Abendversammlung einen Adjutanten entsendet habe mit der Aufforderung: „jede weitere Bemühung zu untcrlaffen: er bedürfe ihres Rates nicht mehr; seine Entschlüsse bezüglich des Fürsten Bismarck stünden fest."
. „Ja, noch am Abend des 17. März erschien der Kabinetts- ck>es Seiner Majestät wieder im Reichskanzlerpalais mit einem amtlichen Excitatorium wegen meines Abschiedsgesuches und mit dem Ausdruck der Verwunderung, daß dieselbe noch nicht äuge gangen sei. Der Kaiser erwarte es zu einer bestimmten Stunde."
Diesem bestimmten Befehl Seiner Majestät gegenüber hatte I ich das Gefühl wesentlicher Erleichterung und „schön heraus" M sein. Ich sträubte mich nur dagegen, die schriftliche ErNärung, die Seine Majestät von mir forderte, innerhalb weniger Stunden fertig zu stellen, und bemerkte hierüber Herrn Lucanus etwa folgendes: „Ich sei bereit, meine schlichte Absetzung sofort ui unterzeichnen; zu einem Abschiedsgesuch aber, welches das letzte amtliche Schriftstück eines um die Geschichte Deutschlands und Preußens einigermaßen verdienten Ministers darstelle, bebürie ich längerer Zeit. Das sei ich mir und der Geschichte schuldig, die einst wissen solle, warum ich meine Entlassung erhalten habe." Dieses eingehend begründete Schreiben setzte ich am 18. März auf, arbeitete daran aber noch mehrere Tage. Denn es war sehr umfänglich geworden und sollte meine letzte amtliche Handlung würdig vertreten.
Uebrigens entledigte sich Herr Lucanus noch eines anderen kaiserlichen Auftrages. Er teilte mir nämlich auch mit : Seine Majestät biete mir allergnädigst an, mich zum Herzog von Lauen bürg zu machen. Ich erwiderte darauf etwa: „Das hätte id- schon lange werden können, wenn mein Streben danach ge standen hätte." Darauf glaubte mir der Chef des kaiserlichen Civilkabinetts auch noch die weitere Versicherung geben zu fön nen: „Seine Majestät mache sich verbindlich dafür, daß mii zur Ermöglichung der standesgemäßen Führung des Herzog Titels und -Ranges eine Dotation bewilligt werde." Ich wics auch das bestimmt zurück, indem ich etwa äußerte: „Ich hätte doch eine solche Laufbahn hinter mir, daß man mir nicht zu- muten könne, dieselbe damit zu beschließen, daß ich einer Grati fikation, wie sie eifrigen Postbeamten zu Neujahr zu teil werde, nachlause".
„Durchlaucht" — bemerkte ich, als der Fürst hier eine Pause machte — „wäre es nicht möglich, daß ich in meinem Werk den Wortlaut jener Denkschrift, Ihres „Entlaffungsgesuckes mitteilte?"
„Nein, das geht nicht?" erwiderte er ernst und bestimmt, aber freundlich gegen mich, wie immer. „Denn es ist eine Staatsschrift. Sie muß von Berlin aus veröffentlicht werben. Durch mich darf es niemand thun. Sie wissen, wie oft id) sawn bei den Angriffen des „neuen Kurses" auf meine Politik uno Person, und namentlich bei Widerlegung der Legende, dah t® freiwillig gegangen sei, iba ich ja ein „Abschiedsgesuch" "N gereicht hätte, die Leiter dieses neuen Kurses stets vcrgeoua' um Veröffentlichung jener Denkschrift ersucht habe. Wenn mi ihre Veröffentlichung von mir aus für erlaubt hielte, so hone ich sie also schon längst abdrucken lassen. „
Sie dürfen also nur als „ziemlich bestimmte Vermutmrg aussprechen, daß ich in diesem meinen letzten amtlichen Schreiben die gesamte damalige politische Lage und die Gründe erörtert haben werde, die mir — wenn nicht der bestimmte entgegen gesetzte Befehl Seiner Majestät vorgelegen hätte — meinen Ruck tritt, trotz meiner Jahre und Gesundhcitsverhältnisse, nicht er laubt erscheinen ließen, weil dieser Rücktritt nach meiner lieber zeugung dem Staatsinteresse widerspreche. Denn namentlich m der auswärtigen Politik konnte mich niemand ersetzen: ntemano besaß meine Erfahrung, niemand das Vertrauen der answärtigen Mächte — das ich mir in langen Jahren mühsam erworben hatte
-
ZW-chuchl ktüliete i r. begegnen, gltii täi bar gthgla Ultr, lomit < uill) bi/onfat um $mn bttldhi 10a btm ja ddiet ist unb würbe bttl whltn. Di 7r<üm ihn 6ilftibuni MßWchm (MWi ma fif)t brttanUnM y.iöm worbm fob. D
'n btm Ittel
■ krRnligibuchhM •mä) nschtmtn unb ji H iüt jwtt ZucWin tnibtUtn Mm i
brrn stznViü Tchichhvß» etjoi Maurer-, j ö-cker.,Tchr^ biuberarbeiti den ’ ,, »oteitta« MStoMg« “"'»ii wta.
; JW. Mtiti liegen m t6 ,iur EiM -NMr*xrflreet
btx 28. Stabil
be« 28, bt« IW??? »ach 1611 ium
sprochenen Düngemittel verschiedentlich berichtet. Zu Punkt „Neuwahl des Vorstandes" stellte Rittergutspächter Lüttich (Niederurff) den Antrag, den seitherigen Gesamt- Vorstand durch Akklamation wiederzuwählen. Dieser Antrag wurde einstimmig «angenommen. Der Vorstand besteht aus folgenden Herren: Rittergutsbesitzer Hoftnann, Vorsitzender, Amtsrichter Dr. Schreiber, stellvertretender Vorsitzender, Stadtkämmerer Müller, Schriftführer und Kassierer, sämtlich aus Borken. Zur Festsetzung der Vereinsbeiträge pro 1900/1901 beschloß die Versammlung einstimmig, auf Antrag des Herrn Vorsitzenden, den seitherigen Jahresbeitrag von -1.50 Mk. bestehen zu lassen. Zu „Was giebts neues auf dem Gebiete der Landwirtschaft" stellte der Herr Vorsitzende den Antrag, betr. Fleischschau- Gesetz eine Petition an den Herrn Landwirtschaftsminister zu richten, in welcher die Bitte ausgesprochen werden soll, der Herr Minister wolle betreffs dieses Gesetzes dafür sorgen, daß ausländisches Vieh und Fleischwaren bei Einfuhr derselben Kontrolle unterworfen würden als das einheimische. Der Antrag fand einstimmige Annahme. Zum Schlüsse der Versammlung brachte Herr Lüttich (Niederurff) auf den Gesamtvorstand ein dreifaches Hoch aus..


