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31.1.1900 Erstes Blatt
 
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25 Gastes Blatt.

Mittwoch den 81. Januar

1900

Weßener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

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Rr. 1 8o «n. > m »r. 8,40, «»vi coladen

Hmllicher Feil.

Gießen, den 23. Januar 1900.

Betr.: Festsetzung der ortsüblichen Tagelöhne gewöhnlicher Tagearbeiter, sowie der Durchschnittswerte der Na­turalbezüge.

MS Grohherzoqliche Kreisamt Gießen <e 9k Hßrotzh. Vürgermeiftereieu beS Streifes.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 28. Dezember 1899 (Gießener Anzeiger Nr. 1 von 1900) noch nicht entsprochen haben, werden an deren Erledigung erinnert.

v. Bechtold.-

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Nassauer, Neuenweg 15. 65.

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* Unser Kaiser und England.

Gießen, 30. Januar.

Der Sinn des Kaisers war diesmal ernst gestimmt zu seinem Geburtstage. Trauer in der eigenen Familie und auf der Bühne der Welt spielt sich ein blutiges Drama ab, das wohl geeignet ist, des Kaisers vollste Teilnahme zu be­anspruchen. Auf der einen Seite eine Großmacht, mit deren Herrscherin den Kaiser enge Bande des Blutes verbinden; eine Macht, die allen Völkern der Erde vorangeht in der Ausdehnung des Handels und in der Beherrschung der Meere, der deshalb des thatenfrohen Monarchen Sympathie in hohem Maße sich zuwandte. Auf der anderen Seite ein Volk germanischen Stammes, von strengen Sitten, treuem Fleiß, tiefer Frömmigkeit, aber auch gewandt in der Waffen Gebrauch, ein Volk, dem der Kaiser erst vor wenigen Jahren jenem andern Volke zum Trotz seinen 'herzlichen Glückwunscy entbot. Der Kaiser ist durch Rücksichten der hohen Politik zur Beobachtung strenger Neutralität bestimmt worden. Außerdem aber ist es kein Geheimnis, daß die Großmacht, von der wir zuerst sprachen, daß Großbritannien alle Hebel angesetzt hat, um Deutschlands Kaiser auf seine Seite zu ziehen, um ihn womöglich zur Bethätigung seiner englischen Neigungen zu veranlassen. Das Ergebnis dieser Be­mühungen war die englische Reise. Ter Kaiser unternahm sie, wohl wissend, wie das deutsche Volk darüber dachte; er unternahm sie in der Hoffnung, daß das schwere Opfer sei­nem Reiche Vorteile eintragen würde, die ihm auf andere Weise nicht zu Teil werden könnten.

Es mag sein, daß dem Kaiser die Beurteilung, die sein Thun damals erfahren hat, schmerzlich gewesen ist. Aber eine härtere Erfahrung für ihn lag unzweifelhaft darin, baß das Vertrauen, das er aller früheren Vorkommnisse ungeachtet England entgegengebracht hatte, so schwer ge­täuscht wurde in der Behandlung, die England gerade deut­schen Schiffen widerfahren ließ. Das ist gewiß, daß der Kaiser dadurch tief verletzt worden ist. Dazu kam dann noch eine weitere Erfahrung. Das Volk, das seit hundert und mehr Jahren so anspruchsvoll in der Welt aufgetreten war, als wäre keine irdische Macht im stände, sich ihm entgegen zu stellen, legte eine geradezu beschämende Ohnmacht seines Kriegsheeres, eine verblüffende Unfähigkeit seiner Truppen- führer, einen kläglichen Mangel an Ordnung und Schlagfer­tigkeit und eine Disziplinlosigkeit und sittliche Rohheit der Mannschaften an den Tag, die zum Himmel schreit. Wer könnte sich wohl dem Wahne hingeben, das alles hätte des Kaisers Gemüt nicht aufs Allertiefste bewegt, das Gemüt ides Mannes, dem Pflichttreue, Ordnung, Zucht und Sittenstrenge so hoch stehen? Und daS Alles muß er sehen an einem Volke, dem er Vertrauen und Freundschaft ge­schenkt hat. Wahrlich kein Anlaß zu froher Festesstimmung. . der anderen Seite das kleine Burenvolk in Afrikas südlichen Gefilden: aus Habgier angegriffen, für Haus und Herd, für Weib und Kind, für das aus eigener Kraft geschaffene Vaterland und für die stets als höchstes Gut geschätzte Freiheit kämpfend, mit der Ruhe des guten Ge­wissens, mit der Tapferkeit germanischer Art, mit der Menschlichkeit wahren Christentums, und so von Sieg zu Sieg schreitend, ohne Prahlen, nur in stiller, treuer Pflicht­erfüllung eine Schar von Helden, denen das Herz des Kaisers gewiß in heller Begeisterung entgegenschlägt, dafür bürgt sein hoher, edler, auch der Romantik etwas zuge­wandter Sinn. Aber er kann, er darf nicht helfen, weder mit der That, noch mit dem Work, die Rücksichten der hohen Politik verbieten es ihm, die Schwäche seiner Flotte hindert >hn daran. Wahrlich, eine verzweifelte Lage für einen, wer wollte es leugnen, die kaiserliche Gewalt und Autorität gern^bckundenden Herrscher.

Dennoch aber hat des Kaisers Politik einen wenn auch iurr bescheidenen Erfolg in der Richtung errungen, die ^!"bm Gefühle entspricht, durch die Erklärungen, die der tqs tär des Auswärtigen, Graf Bülow, am ruiri- 9e9en England im Reichstage abgegeben hat. Äc» Beurteilung dieser Erklärungen giebt es, wie bei E.en Dmgen, verschiedene Gesichtspunkte. Wenn wir uns fitnns E des Staatssekretärs nicht durchweg einver- 1! noen erklärten, wenn wir mancherlei vermißten, anderes

zu zahm, zu zart, zu schonend fanden, so leitete uns dabei der berechtigte tiefe Unwille unserer Leser und des ganzen Volkes über die Schmach, die englischer Uebermut uns an- gethan hatte, und die einzugestehen und zu verurteilen und nach Möglichkeit wieder gut zu machen, die groß­britannische Regierung Tag um Tag, Woche um Woche ungenützt verstreichen ließ. Auch heute noch halten wir daran fest, daß solch unwürdigem Gebaren gegenüber eine festere, temperamentvollere Sprache mindestens nicht ge­schadet hätte, denn die englische Außenseite ist so beschaffen, daß es sehr schwer hält, bis etwas durchkommt. Diesen Standpunkt halten wir also fest.

Dies hindert uns aber nicht daran, uns der Aner­kennung, die des Grafen Bülow Auftreten im Reichs­tage bei dem gesamten Aus lande gefunden hat, aufrichtig zu freuen. Besonders wertvoll waren in dieser Beziehung die Aeußerungen der russischen Presse. Sprach doch die Rossija" ganz offen von einem Siege Deutschlands, dessen sich Europa freuen könne. Die deutsche Diplomatie habe sich auf der Höhe ihrer Aufgabe gezeigt; wenn die Diplo­maten des übrigen Europa auch so energisch wären, würde manches anders sein. Umgekehrt erklärte dieNowoje Wremja", daß die englische Regierung unbestritten eine volle diplomatische Niederlage erlitten habe. Und derNew- Aork World", ein tonangebendes Blatt der Bereinigten Staaten von Nordamerika, stimmte bei, indem es Bülows Rede als einenTriumph friedlicher Mittel über englische Gesetzlosigkeit" feierte. Selbst Frankreich stand nicht zurück; so las man imJournal des Debats", die deutsche Re­gierung habe einen Erfolg errungen, den ihr niemand neiden werde, denn sie habe die Interessen aller neutralen Mächte im Kriegsfälle verteidigt; und dieRepublique franyaise" erklärte:Deutschland hat allen neutralen Mächten einen wahren Dienst erwiesen."

Zweierlei dürfen wir freilich bei allen diesen Aeuße­rungen nicht übersehen: erstens die allgemeine Abneigung gegen England, die gelegentlich des Transvaalkrieges sogar in Nordamerika immer mehr an Ausdehnung gewinnt. Ferner aber müssen wir uns immer bewußt bleiben, daß auch heute noch die Zahl von Deutschlands Neidern größer ist, als die seiner ehrlichen Freunde, und müssen deshalb alles Lob etwas mißtrauisch betrachten. Hier aber ist das Mißtrauen nicht am Platze, das zeigen uns dieTimes" die beste Dolmetscherin aller chauvinistischen Gesinnungen und Regungen in England; nach ihnen kann ja des Grafen Bülow Rede nurein aus Erstaunen und Bedauern ge­mischtes Gefühl Hervorrufen"; ja sie cntblöden sich nicht, zu bemerken, daß es nicht weise sei, die Praktik allzuweit zu treiben, und internationale Fragen auszubeuten,selbst für die Förderung einer Flottenvorlage." Diese giftige Auslassung ist ein sicherer Beweis dafür, daß Graf Bülow den englischen Hochmut wirklich an einer empsindlichen Stelle getroffen hat. England war eben verwöhnt: die Presse der anderen Länder war ja offen genug gegen die englische Willkür und Rücksichtslosigkeit aufgetreten; aber von so offiziöser Seite, wie von dem Vertreter des deutschen aus­wärtigen Amtes war bisher an den neuen Uebelthaten der großbritannischen Regierung noch keine Kritik geübt worden. Wie gesagt, wir freuen uns, daß das Ausland dieser Kritik einhellig zustimmt.

Eine andere Kritik an Englands politischen Maß­nahmen, einschlagende Kritik über die Ereignisse selbst. Es war eine bewegte Woche, die hinter uns liegt: täglich wurde die Entscheidung erwartet. In England hoffte man klopfenden Herzens auf die endliche Entsetzung von Lady­smith, in den anderen Ländern lauschte man auf die Nach­richten vom Kriegsschauplätze nicht ohne bange Sorge, ob es den tapferen Buren und ihren heldenhaften Führern ge­lingen würde, dem Anstürme der englischen Uebermacht Stand zu halten. Nun, im wesentlichen ist die Entscheidung gefallen. Die Buren haben das auf sie gesetzte Vertrauen nicht getäuscht: alle Angriffe der englischen Truppen sind unter sehr harten Verlusten für diese zurückgeschlagen worden. Die Situation der englischen Regierung ist äußerst mißlich: in den nächsten Tagen tritt das Parlament zu- sammen und das Kabinett Salisbury kann nur verlorene Kämpfe, nur große Verlustlisten und noch viel größere Rechnungen aufweisen, lauter Debet, dem gar kein Kredit gegenübersteht. Gerade das ist aber in englischen Augen das Schlimmste, was sich ereignen kann.

Deutscher Reichstag.

187. Sitzung vom 29. Januar. 1 Uhr.

Präsident Graf B a l l e st r e m verließt ein Dank-Te­legramm der Kaiserin für die ihr aus Anlaß des Ablebens

der Herzogin Friedrich von Schleswig-Holstein aus­gesprochene Anteilnahme des Reichstages und fügt hinzu, der Kaiser habe bcn Ausdruck der Teilnahme des Hauses mit besonderer Befriedigung entgegengenommen.

Tages-Ordnung: Etat für'die Einführung des Check­verkehrs.

Abg. Roes icke-Kaiserslautern (Bd. d. L.) giebt zu erwägen, daß der Checkverkehr eine noch größere Konzen­tration der Mittel aus dem Kleinverkehr bei der Reichs­bank zur Folge habeu werde. Durch den hohen Diskont, wie er jetzt bei der Reichsbank bestehe, könne man deutlich sehen, ein wie teurer Spaß das für den Mittelstand werden müsse. Die Gelder, die im Postcheckverkehr flüssig werden, müßten deshalb nicht an die Reichsbank abgeführt werden, sondern an lokale Kassen, Kommunalsparkassen ?e. Redner hält Ueberweisung an eine besondere Kommission für nötig.

Staatssekretär v. Podbielski meint, der Vorredner sehe zu schwarz. Er, Redner, sei der Vater dieses Kindes. Wenn mau bedenke, daß der Geldverkehr bei der Post im Jahre 7 bis 8 Milliarden betrage, und daß sich täglich in den Brieftaschen der Briefträger 40 bis 50 Millionen Her­umtreiben, so sehe man doch^ welche Unsummen des Na­tionalvermögens zinslos liegen. Gerade dem solle der Checkverkehr abhelfen. Es handele sich also um eine Ver­edelung des Geldverkehrs, und zwar um einen Versuch.

Abg. Gamp (Rp.) hält dieses Vorgehen der Postver- waltung für taktisch und praktisch richtig. Der Checkverkehr werde hauptsächlich den Kaufleuten und Gewerbetreibenden zu gute kommen, der Landwirtschaft aber indirekt insofern, als sie Gelder bequemer zahlen und empfangen könne. Dem Kleinverkehr werde das Checkwesen gar nicht zu gute kom­men. Redner meint, die Gebühren für den Checkverkehr könnten am besten ganz wegfallen, etwa in Verbindung mit anderweiter Regulierung des Zinssatzes.

Staatssekretär v. Podbielski hält es für empfeh­lenswert, erst Erfahrungen zu sammeln, um später ev. die Gebühren herabzusetzen.

Abg. Singer (Soz.) findet die Gebühren entschieden zu hoch. Wenn man kleine Leute heranziehen wolle, müsse .man billigere Bedingungen stellen.

Staatssekretär v. Podbielski bemerkt, die öster­reichische Postverwaltung zahle allerdings 2 pCt. Aber die Vertreter der Handelskammern hätten gesagt, die Re­gierung solle nicht so hoch gehen. Herr Singer habe die Mitwirkung des Reichstages gewünscht. Aber hier handele es sich eben. |wm eine Sache, über die man noch keine Er­fahrungen habe. Deshalb handele es sich jetzt um einen Versuch.

Schluß folgt.

* Vom Kriegsschauplatz.

Es unterliegt nun auch nicht dem leisesten Zweifel mehr, daß die Engländer eine

furchtbare Niederlage am Tugela erlitten haben. Bullers offizielles Telegramm an das Kriegsamt in London, das wir bereits mitteilten, macht zwar keinerlei Angaben über die englischen Ver­luste, aber offenbar mit Erlaubnis des Kriegsamts ver­öffentlicht dasReuter'sche Bureau" folgende, die ganze Schwere des Schlages für die Buller'sche Aktion am Tugela, wie in Natal überhaupt kennzeichnende (inhaltlich tettweise bereits wiedergegebene) Meldungen:

London, 29. Januar. DasReuter'sche Bureau" berichtet unterm 24. d. M. aus deür Burenlager am Modderspruit: Nach Berichten der Buren Über die Einnahme von Spionskop durch die Engländer wurden die Buren überrascht. (?) Diese wurden verstärkt und besetzten zwei in der Nähe liegende Hügel. Die Eng­länder machten unter dem Schutze der Artillerie einen Bajonettangriff und besetzen die Ausläufer eines Bergrückens, sie wurden jedoch alsdann niedergemäht. Mittlerweile stürmten die Buren den Haupt- Kopje. In der ersten Verschanzung ergaben sich 150 Engländer; in anderen Verschanzungen leisteten sie erbitterten Widerstand, wurden aber schließlich ver­trieben. Viele Lyddit-Geschosse krepierten nicht. Die Engländer ließen 1500 Tote auf demSchlacht- felde zurück. Auch die Buren hatten bedeutende Ver­luste. Der Präsident Steijn reiste nach seinem Besuche des Burenlagers am Modderspruit wieder ab.

Loureutzo Marques, 29. Januar. (Meldung des Reuter'schen Bureaus".) Eine Buren-Depesche, datiert vom Tugela, 24. Januar, die sich auf den Kampf der Buren um die Wiedergewinnung des Sprons- kop beziehen dürfte, berichtet: Heute, Mittwoch, geht ein hartnäckiger Kampf vor sich. Die Abteilungen der Buren rücken Schritt für Schritt vor. 150 Engländ er in den ersten Verschanzungen ergaben sich; Die