Ausgabe 
30.12.1900 Erstes Blatt
 
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1904

150. Jahrgang

Sonntag den 30. Dezember

srr. 305 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- tinb Anzeigeblatt für den Ttreis «Aietzen

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0. Dezember 1900, ds 8 Ur:

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Die Gießener |e*tr«eiritt<r »eben dem Anzeiger b lHechftl mitHess. iwbDMrt" *. Mütter M. »»lkrkundc" H*t(. 4 m«l beigelegt.

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be vebst Familien sind hin

Der $r

GratisbeitagM: Gießener Familienblistter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde.

Bryburg die Bahnlinie überschritten. Beide ziehen nach Westen. Man glaubt, daß sie nach Damaraland treffen.

die Afrikander würden revoltieren.

Eine Abteilung Buren, die 150 Wagen mit führte, hat südlich von Bryburg, eine andere, die Mann zählte und ein Geschütz mitführte, nördlich

Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In« und AuSlandtV nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgcgea, Heilenpreis: lokal 12 Pfg., au-wärt- 20 Pfg.

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Die Buren.

In Rom ist der Buren-Kommandant Grover Botha, Bruder des Generals Botha, eingetroffen. Er befindet sich auf der Reise nach dem Haag, um Krüger wichtige Rapporte zu bringen. Einem Interviewer teilte er mit, der^Krieg werde Jahre dauern. Die Engländer würden niemals den Nationalgeist der Buren bändigen und niemals in d.en Bergdiftrikt Zoutpansberg im Norden eindringen, wo die Buren sich festgesetzt hätten. Der Einbruch in die Kap- kolonie sei von dem Präsidenten Steijn längst vor-

bereitet. Botha beflagte, daß Kitchener Tausende von Negern bewaffnete, mit hohem Sold bis 10 Pfund monatlich, und sie am Kampfe teilnehmen lasse, ferner, daß alle Frauen, die in Bachetow zurückgelassen worden waren, als Kriegs­gefangene nach Natal geschickt wurden. Botha ist auch entrüstet, daß die gefangenen Buren auf Ceylon und Helena zu schweren Arbeiten gezwungen seien. Schließlich glaubt er, die englischen Soldaten seien kriegsmüde

Hsianghohsien. Die am 22. Dezember von den Franzosen geschlagenen Truppen scheinen in südlicher Richtung geflohen zu sein.

* *

Telegramme des Gießener Anzeigers.

Loudon, 29 Dezember. Aus Pefing wird gemeldet: Der chinesische Hof füudigte den Empfang der Kolleftiv- note der verbündeten Mächte an und stellte hierzu folgende fünf Fragen: 1. Könnten die Befefiigungswerke nicht verschont bleiben? 2. Müssen die Prinzen gleich den üb­rigen Schuldigen geköpft werden? 3. Werden die Mächte ihre Truppensendungen einstellen, wenn ihre Forderungen bewilligt sind? 4. Welche Plätze gedenken die Verbündeten zu besetzen? 5. Wie lange wird diese Besetzung dauern?

London, 29. Dezember.Zentral News" meldet aus Shanghai, daß die Friedensbedingungen vom chinesischen Kaiser im Prinzip angenommen seien.

Wie«, 29. Dezember. In Pariser politischen Kreisen ist man nach einer Meldung derPolit. Korresp." zwar sehr erfreut, daß bezüglich der Friedensbedingungen ein Einvernehmen erzielt ist, es liege aber doch durchaus kein Grund vor, zu glauben, die endgiltige Lösung der chinesischen Schwierigkeiten sei schon in greifbare Nähe gerückt. Der Hof werde schwerlich den wichtigsten Forderungen eine entschiedene Ablehnung entgegen setzen, aber zu Ver­schleppungen und Winkelzügen seine Zuflucht nehmen. In Schensi fühlte sich der Hof vollkommen sicher und werde sich nicht beeilen, seine Lage zu verändern. Die Haltung der Amerikaner, wiewohl sie der gemeinsamen Note ihre Unterschrift nicht verweigerten, um die Verantwortung des Scheiterns der Verhandlungen nicht uuf sich zu laden, sei dennoch nicht geeignet, Li-Hung TschangS diplomatische Kunststücke abzuwehren.

Ausland.

Stockholm, 28. Dezember. Im Staatsrate brachte Finanzminister. Wachtmeister den von ihm ausgearbeiteten Entwurf zur neuen He er esvorlage ein, der eine jähr­liche Mehrausgabe von 22,350,000 Kronen verursacht. Zur Deckung schlägt dep Minister die Erhöhung der Steuer auf Grundeigentum um 100 Prozent, sowie die Erhöhung der Einkommensteuer vor, doch sollen Jahreseinkommen bis zur Höhe von 1800 Kr. ganz oder teilweise von der Steuer befreit sein. Die hierdurch erzielte Mehreinnahme wird aus jährlich 6,300,000 Kronen veranschlagt.

Kopenhagen, 28. Dezember. Der hiesige amerikanische Gesandte hat der dänischen Regierung mitgeteilt, Amerika wünsche die westindischen Inseln zu kaufen, wenn Dänemark dieselben für zwölf Millionen Kronen verkaufen wolle; mehr werde Amerika in keinem Falle geben.

London, 28. Dezember. Nach einem Telegramm des Standard" aus Kapstadt sagte auf einer Versammlung der Aktionäre der in Damaraland belegenen Copper- Mine der Vorsitzende, englisches Kapital und eng

Amtlicher Heil.

^Bekanntmachung.

In der Zeit vom 22. bis 29. Dezember 1900 find in hiefüger Stadt:

gefunden worden:

1 gelber Damenschuh, mehrere Stempelmarken und

1 Brille.

verloren worden:

1 Rad von einem Mantel, 1 Zehnmarkstück.

Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände beliclben ihre Ansprüche alsbald hier geltend zu machen.

Gießen, den 29. Dezember 1900.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Hechler.

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China.

Das sehr unzuverlässige amerikanische Bureau Laffan metieete aus Peking, dafi zwischen dem Grafen Walder- fee und dem deutschen Gesandten Mumm von Kch'warzeü stein Differenzen entstanden sein sollen. Dazu schreibt man aus Berlin: An hiesiger unter» xichbeter Stelle ist nur bekannt, daß zwischen den beiden denen ununterbrochen gute Beziehungen bestehen. Auch liegen weder unmittelbar noch mittelbar Anzeichen vor, aus denen geschlossen werden könnte, daß wegen des ^Vorrangs oder aus einem anderen Anlaß zwischen deut deutschen Gesandten in Peking und dem General- Feldnnarschall Meinungsverschiedenheiten bestehen.

'Nach einer Depesche aus London ist, wie aus Shang­hai gemeldet wird, der neue deutsche Dampfer Lsuischang auf der Fahrt von Jtfchang nach Tsung- Mg gescheitert. Mit Ausnahmede sKapitäns flinb alle an Bord befindlichen Personen gerettet. Mk Schaden ist durch Versicherung gedeckt.

Die ch i n e s i s ch e n T r u p p e n, die sich noch immer «hl aus dem Besatzungsgebiet südlich von Peking zurück- £ logen haben, sind, wie es scheint, die 6000 Mann des iiürals Fang, der bis zum 18. Oktober die Stadt Pat- jdjo u (Halbwegs zwischen Paotingfu und Tientsin) besetzt fielt An diesem Tage wurde er durch die Kolonne LKetteler (Kommandeur der 2. ostasiatischen Jnfan- ttrie Brigade) zum Abmarsch aus Patschou gezwungen, toer jedoch nicht, wie verabredet, in südwestlicher, sondern nörblidjer Richtung auf Wngtsing stattfand. Die Chi- fiiqen hatten sich bei dem Abmarsche so beeilt, daß mm sie nicht mehr einholte. Nur dem Leutnant Düster- biü; vom 3. ostasiatischen Regiment gelang es, nach dem Jjtnfiat. Lloyd", mit einigen Reitern und einem Jta- Kiiner der italienischen Gebirgsbatterie vier Wagen zu Mhmen, in denen man außer 50 wollenen Decken Silber rin Wert von 60 000 Mark vorfand. V

Am Schluß des Jahres 1900 verteilt sich die deutsche Kriegsflotte in Ostasien wie folgt: Es liegen in Achifu der große Kreuzer Hertha und das Kanonen- vM Tiger; in Tsingtau unter dem Befehle des Vize- aLnirals Bendemann und des Kontreadmirals Kirchhoff idc: Flottenflaggschiff Fürst Bismarck, das Linienschiff 'Wrt'h, der große Kreuzer Hansa, die kleinen Kreuzer 'Wo-n und Bussard, sowie die Torpedoboote Haitschiug, EOQ und S 92; in W n s u n g bezw. Shanghai unter Wi Befehl des Kontreadmirals Geißler die Linienschiffe Mfrirst Friedrich Wilhelm und Brandenburg, der kleine iftenger Geier und das Kanonenboot Jaguar; in Ljchirigkiang der kleine Kreuzer Hela; in Schia - Sloan der kleine Kreuzer Schwalbe; in Hankau das «ffono nenbont Iltis; in Hongkong bezw. Kanton das ' Wemschiff Weißenburg, der große Kreuzer Kaiserin Augusta, der kleine Kreuzer Seeadler, das Kanonenboot hth^ unb das Torpedoboot S 91; endlich in Naga - 1 piti der kleine Kreuzer Irene.

Die Kosten für die in China verwendeten japa- inictzen Truppen belaufen sich auf nahezu EM Millionen 9)en.

Graf Walderffee meldet aus Peking: Nach dem C iintretffen sämtlicher Bataillone der ersten Brigade habe i tfr biüefer die von dem Kaiser verliehenen Fahnen über» geben.. Im Anschlüsse fand eine ausgezeichnet verlaufene jkraboe der deutschen Garnison statt in Anwesenheit der (Heuer :ile Lenewitsch, ?)amagutschi, Chaffee, der Führer ixiei Italiener und Oesterreicher. Die Generäle Gaselee W Woyron ließen sich durch Offiziere vertreten. Die ?eriitaner, Oesterreicher, Italiener und Russen hatten ^ovyenabordnungen entsandt. Zur Kooperation mit L ei ai.m 21. Dezember gemeldeten Expedition Grüber, ß ine aim 19. Dezember von Tientsin auf Nuetienhsien auf»

9ebt morgen ein gemischtes Detachement unter SGi°ni ® ab a i, Kommandeur des ersten Seebataillons, ile2c. Richtung auf Sanhohsien vor, ferner ein «nemrka nisches Detach emen t von Peking über

Deutsches Reich.

Berlin, 28. Dezember. Heute fand in der Gar­nisonkirche in Gegenwart des Kaisers, der Kaiserin, sämtlicher Prinzen des königlichen Hauses, der übrigen hier anwesenden Fürstlichkeiten, , der Generalität und zahl­reicher anderer Offiziere, der Minister, der fremden Mi­litär- und Marine - Attachees die Einsegnung der Leiche des General-Feldmarschalls Grafen Blumen- t h al statt. Während unter dem Präsentieren der Ehren- Kompagnie, der Sarg nach Beendigung der Feier auf den Hof-Leichenwagen gehoben wurde, feuerte die Batterie im Lustgarten 36 Kanonenschüsse ab. Unmittel­bar darauf setzte sich unter Glockengeläut der Zug in Bewegung, an der Spitze die Leichen-Parade, die im Lustgarten Aufstellung genommen hatte. Die letztere be­stand aus Infanterie, Kavallerie und Artillerie und wurde von Generalmajor Grafen Klinckowström komman­diert. Dem Leichenwagen, zu dessen beiden Seiten Unter­offiziere des Garde-Füsilier-Regiments schritten, folgte zu Fuß der Kaiser, der große Generals-Uniform angelegt hatte, mit Sohn und Schwiegersohn des Verstorbenen, hierauf die kaiserlichen Prinzen sowie die übrigen Fürst­lichkeiten, ferner eine große Anzahl Offiziere und mehrere Privat-Personen, ebenso Abordnungen mit ihren Fahnen. Den Schluß des Zuges bildete ein kaiserlicher Galawagen sowie ein Wagen mit Kränzen. Wege und

Straßen, die der Leichnam passierte, waren von Spalier i bildenden Truppen eingesäumt. Außerdem hatte eine« große Menschenmenge Aufstellung genommen. i

Der Urenkel des mit der Schwester der Königin Luise von Preußen, der späteren Königin von Hannover vermählt' gewesenen Prinzen Friedrich Wilhelm von . Solms-Braunfels, Prinz Ludwig, der auf. die Zugehörigkeit zum Hause Solms und die Rechte des hohen Adels 1895 verzichtens, den Titel Freiherr von Hungen für sich, seine Gemahlin und Kinder annahm, ist 53 Jahre alt, gestorben. Seine Gattin, Karoline Diem, I hatte ihm drei Töchter und einen Sohn geschenkt, die;! im Alter von 15 bis 22 Jahren stehen. Prinz Solms lebte | mit den Seinen in Pennsylvanien. Seine Schwester ist | mit dem Prinzen Ligne, sein Bruder mit einem Fräuleini v. Erlanger, Tochter des Herrn v. Erlanger, zu Frank-1 furt a. M., vermählt. Die Kinder des letzteren tragen den Fürstentitel.

Die Prinzessin Elisabeth, die Gemahlin | des Prinzen Albert von Belgien, Tochter des Herzogs j Karl Theodor in Bayern, sieht einem freudigen Ereignis j entgegen.

Eine bemerkenswerte Abschiedsbewilligung , meldet die letzte 9hl mm er desMilitär-Wochenblattes". 1 Nach diesem ist nämliche dem Prinzen zu Isenburg , und Büdingen-Birstein, Oberleutnant der Reserve , des Infanterie-Regiments Herzog Friedrich Wilhelm von ! Braunschweig Nr. 78, nach 15 ein halbjähriger Dienstzeit der schlichte Abschied bewilligt worden. Wie erinnerlich sein dürfte, ist der Verabschiedete jener ei devant Erbprinz 1 Leopold zu Jsenburg-Birftein, der infolge Erbverzichtes. vom 2. Februar 1878 nicht in die Stammgüter seines | Hauses, der Linie Jsenburg-Offenbach-Birftein, fuccebierte. | Daß der Prinz nicht wie seine jüngeren Brüder a la suite der Armee gestellt wurde, und oaß ihm der Kai s e r nicht das Tragen der Regimentsuniform gestattet hat, ist auf- I fallend.

DasB. T." meldet aus Rom: Ein italienisches r Sch tNgesch wader begiebt sich Nm Mitte März nach | den deutschen Gewässern.

Kriminalschutzmann Stier st ädter ist , wieder in regulären Dienst eingetreten.

Oldenburg, 28. Dezember. Der Groß Herzog von Oldenburg leidet, wie amtlich gemeldet wird, infolge Ueberanstrengung an H.e r z a f f e k t i o n, die eine I längere Kur int Auslande notwendig macht.

Weimar, 28. Dezember. Das Bulletin vom 28. früh j betr. das Befinden des Großherzogs besagt: Zu der Influenza sind zwei umschriebene Entzündungs­herde in der Lunge hinzugetreten. Gestern abendi i betrug die Temperatur 38,9, Puls 92, regelmäßig bei 1 leidlichem Allgemeinbefinden. Atemzug gleichmäßig 30. | Tags viel Schlaf, der nachts durch Husten oft gestört wird. Die Nahrungsaufnahme und der Kräftezustand sind be­friedigend.

C r o n b e r g, 28. Dezember. Während der Weihnachts- Feiertage weilten Prinz und Prinzessin Friedrich j KarlvonHessen mit den Kindern bei der Kaiserin | Friedri ch auf Schloß Friedrichshof.

München, 28. Dezember. Hier starb an einem Herzleiden Gras Wilhelm zu Y s e n b u r g-P h i- lippseich, Sohn des kal. bayrische^ Generalleutnants Grafen Ludwig zu Y.-Ph. Der Verstorbene war am 14. April 1856 geboren und vermählt seit Januar 1890 mit Freiin Adelheid von Schleitheirn, Tochter des bayer­ischen Generals der Infanterie Keller Frhr. v. Schleit- I Herrn. Er war kgl. bayerischer Major a. D., zuletzt beim Stabe des in Bamberg garnifonierenben 1. Ulanen-Re- giments.

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