Ausgabe 
30.1.1900 Drittes Blatt
 
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Dienstag den 30. Januar

1900

Drittes Blatt

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Aintr- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren

152

rektor

41.80

141.50

* Charaktererteilung. Seine Königliche Hoheit

der

hat am

Bezugspreis viertcljährl. Mk 2,26 monatlich 75 Pfg. mit Bringcrlohn; durch die Abholestellev vierteljährl. Mk. 1,96 monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 viertcljährl. mit Bestellgeld.

außerdem viele Balladen und Romanzen verfaßt und starb 21. August 1838 in Berlin.

ReUhien, Expedition und Druckerei:

Achulstraße Mr. 7.

** Die Abrechnung mit England. Bon Dr. Karl Eisen­hart. München, Verlag von I. F. Lehmann. 1900. Preis Mk. 1.. Es ist ein merkwürdiges Buch, merk­würdig schon in seinem äußern, das uns auf blutrotem Grunde den kraftvoll die Flügel ausbreitenden Reichsadler zeigt, noch merkwürdiger durch seinen Inhalt. Der Ver­fasser, der, wie so viele, eine Abrechnung mit England herbeisehnt, erzählt uns einen Traum, den er durchlebt und in dem seine Sehnsucht zum Ereignisse geworden. An­schließend an die politischen Ereignisse der allcrjüngften Zeit entwickelt er in fesselnder, und niemals den realen Boden der Wahrscheinlichkeit verlierenden Darstellung den Fort­gang der auswärtigen Politik bis zu jener Stelle, da das lange zögernde Reich sich die Anmaßung der britischen Regierung nicht länger bieten lassen konnte und den Krieg erklärte. Ein Meisterstück packender Erzählungskunst, die Schilderung der ersten Seeschlacht an der Küste der Bretagne folgt und nun rollt sich das ganze wechselreiche, aufregende Bild jenes Weltkrieges vor uns ab, dessen Höhepunkt die Seeschlacht vor Scharhörn ein Sedan für die Flotte der Engländer wird, und dessen Erfolg die volle Weltmachtent- faltung des deutschen Reiches sichert. Auch das Eingreifen der übrigen Mächte in den Gang der Ereignisse ist mit ge­schickter Beobachtungsgabe begründet und dargestellt. Man hat den genialen Romancier Karl Bleibtreu als den ersten Meister der Schlachtenschilderung gerühmt und in der That sind seinSedan", feinWörth" undGravelotte" Muster packender Schilderungskunst. In Karl Eisenhart ist ihm ein mächtiger Rivale entstanden, wir kennen keinen Dichter, welcher bisher Seeschlachten mit so zündender Wirkung geschildert hätte, wie Karl Eisenhart, oder jener eisenharte patriotische Politiker, welcher sich unter diesem Pseudonym verbirgt.

Abg. Gamp (RP.) bekämpft lebhaft die Stöckerschen Ausführungen. Wenn Herr Stöcker von der Vergiftung der Kinder sprach, dann hätte er eigentlich fortfahren

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Fulda, 27. Januar. Die Domäne Ziehers bei Fulda, welche Johanni 1901 pachtfrei wird, ist von der König!. Regierung zu Kasse! an den seitherigen Pächter Herrn Oberamtmann Suntheim mit Rücksicht auf dessen vorzügliche Wirtschaftsführung und in Anbetracht größerer Bauausführungen auf 16 Jahre weiter verpachtet, also die Pachtzeit ohne öffentliche Ausschreibung verlängert worden.

Gersfeld, 27. Januar. Wie wir aus der statistischen Aufstellung der Molkereigenossenschaft Fulda-Lauterbach- Gersfeld ersehen, kamen in unserer Molkerei Gersfeld für Milch im Jahre 1899 86 739.32 Mk. zur Auszahlung. Diese bedeutende Summe beschränkt sich lediglich auf den engeren Bezirk Gersfeld. Solche Zahlen sprechen genügend für sich selber.

Adrcffc für Depeschen: Anzeiger Hietze».

Fernsprecher Nr. 51.

G roßh erzog haben AUergnädigst geruht, am 13. Januar dem Bijouteriefabrikanten Martin Mayer zu Mainz den Charakter als Kommerzienrat zu erteilen.

Ernannt wurde am 20. Januar l. I. der Militär­anwärter Sergeant Karl Siebert aus Groß-Wanzleben mit Wirkung vom 1. Februar 1900 an zum Steuer­aufseher.

lontanus Nachfl., V & M. Imheuser, i, Marktplatz 9-10.

143.90(1«^ lnü|fen; Mfo ist Kasernierung das Richtigste! (Rufe: Sehr 8^-^'joo richtig!) Und zweifellos sei doch das Uebel viel schlimmer,

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Lokales und Provinzielles.

(Anonyme Einsendungen, gleichviel welchen Inhaltes, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)

Gießen, 29. Januar 1900.

lsiiNvenn die Dirnen nur heimlich Wohnung finden könnten. 41 Gerade dann fielen sie Ausbeutern in die Hände.

134.' Abg. v. Salisch (kons.) hält die Annahme der Re- lil.'gierungsvorlage für durchaus zweckmäßig, und zwar Haupt- 128 sächlich für großstädtische Verhältnisse. Für kleinstädtische Verhältnisse aber liege die Sache anders. Als Vertreter

Gratisbeilagen: Gießener Familienblatter, Der hessische Landwirt, Plätter für hessische Volkskunde. _______________

Rheinische, 48 likum Bingen toiiiiiiHltWiM .gramme kostenlos.

auf den

Gießener Anzeiger fürdie Monate Februar und März werden von allen Postanstalten, Zeitungsträgern und der Expedition, Schulstraße 7, sowie denZweig-und Abholestellen, jederzeit entgegengenommen. Neuein­tretende Abonnenten erhalten die Zeitung bis 1. Februar kostenfrei.

O Nidda, 27. Januar. Der Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers wurde gestern durch eine Vor­feier in der hiesigen höheren Bürgerschule gefeiert, wobei Herr Lehramtsassessor Hirsch eine Ansprache hielt, in der er der Wandlung in den Geschicken des Deutschen Reiches seit 1800 und der Bewahrung und Mehrung des Reiches durch Kaiser Wilhelm II. gedachte, und zur Treue gegen Kaiser und Reich mahnte. Ein Hoch auf den Kaiser schloß die Feier. Deklamation und Gesang wechselten miteinander ab. Eine allgemeine Feier der Bürgerschaft findet nicht statt, dagegen hält der Kriegerverein einen Ball im Gasthof zur Traube" ab.

Büdingen, 27. Januar. Zur Kaisers Geburts­tagfeier fand gestern abend in der Aula des Gymnasiums ein Aktus statt, dem zahlreiche Einwohner der Stadt an­wohnten. Sehr Präzis vorgetragene Chor- und Quartett- gesänge der Schüler des Gymnasiums wechselten mit patriotischen Gedichten ab. Das Anfangslied war das bekannte:Wir treten mit Beten rc." Den Höhepunkt der Feier bildete die Festrede des Herrn Direktors Mohr, welche von der Hansa ausgehend, zeigte, wie nötig Deutsch­land eine Flotte sei, die es den anderen Staaten auf der See ebenbürtig mache. Auch Se. Durchlaucht der Fürst von Büdingen wohnte der Feier an, die auf alle einen erhebenden Eindruck machte. Für heute abend ist ein allgemeiner Kommers im Rathaus vorgesehen.

Darmstadt, 27. Januar. Ein ergötzlicher Vorfall ereignete sich bei dem am Donnerstag herrschenden Sturm im Soderviertel: Bewohner genannten Stadtteils bemerkten hoch in der Lust treibend einen aufgeblähten weißen Gegen­stand, welcher allgemein für einen Ballon angesehen wurde. Nachdem er sich in großen Windungen im Schilf des WoogS niedergelassen hatte, wurde er von der nacheilenden Jugend als eine Damen-Unterhose erkannt.

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ein.

Abg. Höffel (Rp.) ist gegen Wiederherstellung des! Paragraphen, weil derselbe die bedenklichsten Konsequenzen haben würde, vielleicht weniger für Berlin, als für die großen und kleineren Städte in den Provinzen.

Geh. Rat o. Lenthe bestreitet, daß die Regierung die Prostitution als einnotwendiges Uebel" bezeichnet habe, sowie daß § 181 b die Lokalisierung und Kasernierung zur Folge haben werde. Das Bedauern des Abg. Stöcker über , die bestehenden Zustände teile er, mache aber darauf auf- merksam, daß diese Zustäude schon eingetreten seien, be­vor die Regierung den § 181 b vorgeschlagen habe. Dieser reN» Paragraph solle eben die Zustände bessern.

Abg. Himburg (kons.) stimmt mit einem Teil seiner

* GeschtchtSkalenVer. (Nachdruck verboten.) Vor 119 Jahren, am 30 Januar 1781, wurde auf Schloß Borcomt (Champagne) der Dichter Adalbert von Chamtsso geboren. Er ist entschieden einer der bedeutendsten Lyriker und der Verfasser des weltberühmten MärchensPeter Schlemthl", worin er das eigene Weh des aus dem Vaürl-nde gefloßenen Verbannten schildert Chamtsso

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1BnOwe van Anzeigen zu der nachmittag- für den fetafflbfn Lag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätesten- abend- vorher.

fen Arnstadt

Deutscher Reichstag.

186. Sitzung vom 26. Januar. 1 Uhr.

Präsident Graf Ballestrem macht vor Eintritt in die Tagesordnung dem Hause Mitteilung von dem Ableben der Herzogin Friedrich von Schleswig-Holstein und erbittet Du in Hause den Auftrag zu den erforderlichen Schritten, um dem Kaiserpaare der innigen Teilnahme, die das Haus beseelt, Ausdruck zu geben. Das Haus körte diese Worte des Präsidenten stehend an. Der Präsident Gras Balle- slrem macht sodann noch Mitteilung von dem Eingänge der Flottenvorlage. Nunmehr setzt das Haus bte Be­ratung der lex Heinze bei dem von der Kommission ge­strichenen § 181 b fort, welcher das Vermieten an Prosti­tuierte straffrei lassen will, sofern damit keine Ausbeutung des unsittlichen Erwerbes der Mieterin verbunden fei.

Abg. Esche (nl.) erklärt sich für seine Person gegen die Anträge Beckh und Albrecht auf Wiederherstellung des Paragraphen.

Geh. Rat von Tisch en dorf führt Reichsgerichts- entscheidungen an, wonach schon das Vermieten an Prosti­tuierte an sich als Vorschubleistung (der Prostitution) an­zusehen ist. Und das sei ein unhaltbarer Zustand.

Abg. Stöcker (wild kons.) kann nicht glauben, daß schon das bloße Vermieten an sich straffällig sein solle. Nehme man aber einen solchen ausdrücklichen Paragraphen au, dann würden die Zustände noch schlimmer. Werde dieser Paragraph angenommen, dann sei es ihm sehr zweifelhaft, ob er das ganze Gesetz annehmen könne.

Abg. Gaulle (frs. Vg.) tritt für den Antrag Beckh

Abg. Beckh (frs. Vp.) befürwortet seinen Antrag, den 2*2 dahin modifiziert hat, unter Verzicht auf einen beson- aii gieren § 181a gleich dem ersten Kuppelei-Parflgraphen 180 einen Absatz hinzuzufügen des Inhalts: Die Vermietung

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an Frauenspersonen, -welche gewerbsmäßig Unzucht treiben, ist nicht als Vorschubleistung anzusehen, sofern damit nicht eine Ausbeutung des unsittlichen Erwerbes der Mieterin ' verbunden ist. Eventuell beantragt Redner noch, die Schlußworte zu fassen: sofern der Mietszins oder die Vergütung für sonstige Beschaffungen das Maß des Ge­meinüblichen nicht überschreiten.

Ferner ist ein Antrag Albrecht (Soz.) eingegangen: Durch einen Zusatz zum § 361 Nr. 6 des Strafgesetzbuches die Lokalisieruug bezw. Kasernierung der gewerbsmäßigen Unzucht für unzulässig zu erklären.

Abg. Sch rem Pf (kons.) befürwortet den Kom­missionsbeschluß und bemerkt weiter, wenn in Berlin ein Pest- oder Cholerafall vorkomme, dann solle man sehen, was die Polizei thue. Wenn aber ein Mann abends nach Hause gehe, und er werde auf der Straße von mehreren Dirnen angesprochen (schallende Heiterk.), dann geschehe nichts, obwohl das ebenso gefährlich sei. (Gelächter.)

Abg. Bebel (Soz.) entgegnet dem Vorredner, der­selbe scheine während seines Aufenthaltes in Berlin man­chen Versuchungen ausgesetzt zu sein. (Heiterk.) Wenn er ferner sage, ihm werde von alledem so dumm, als ginge ihm ein Mühlrad im Kops herum, dann wolle er, Redner, Herrn Schrempf raten, sich an der Abstimmung mcht zu beteiligen. (Heiterk.)

Abg. Schrempf (kons.) entgegnet dem Abg. Bebel, derselbe habe sich erlaubt, einen billigen Witz zu machen. Wenn er das außerhalb des Hauses gethan haben würde, dann würde er, Redner, es als eine Frechheit bezeichnet haben. _ t

Nunmehr wird § 181 b in der Fassung der Regierungs­vorlage angenommen. Für den Paragraphen stimmten die gesamten Linken mit Ausnahme von Rickert, Gaulke, Esche, ferner die große Mehrheit der Konservativen und ein klei­ner Teil der Reichspartei, sowie einzelne Antisemiten.

Es folgt § 182. Auf Antrag des Abg. Prinz A r e n - berg hat hier die Kommission beschlossen, daß die Ver­führung eines unbescholtenen Mädchens im Alter bis zu 18 Jahren (bisher nur im Alter bis zu 16 Jahren) straf­bar sein soll. . . . .

Abg. Bargmann (frs. Vp.) beantragt, es bei dem bestehenden Gesetz zu belassen.

Staatssekretär Rieb er ding schließt sich dem an. Dem Verführer sei schwer nachzuweisen, ob er über das Alter der Verführten informiert war. Oft werde es aber auch fraglich sein, wen er verführt habe und wer verführt worden sei. .

Abg. Roeren (Zentr.) und Abg. Stocker (b. k. F.) plaidieren für Erhöhung des Schutzalters.

Abg. Heine (Soz.) stimmt dagegen. Er betont, schon jetzt seien Anklagen auf Grund des § 182 sehr selten, weil nicht immer Anträge von den Beteiligten gestellt werden. Die Sozialdemokraten stimmten aber auch gegen den Kom- missionsbeschluß, weil in den sogen, höheren Standen die sogen, höhere Tochter noch mit 18 Jahren womöglich die Schulmappe trägt, in Arbeiterkreisen dagegen die Mädchen weit früher ins Leben treten, und reifer sind und Nicht so schutzbedürftig. , t _ .... 3

Abg. Hoeffel (Rp.) spricht für den Komnnsswnv- ^^Abg. Beckh (frs. Vp.) für Beibehaltung des bisherigen Schutzalters.

Es folgt nun die Abstimmung. Dieselbe ergtebt An­nahme des Kommissions-Beschlusses auf Erhöhung des Schutzalters. Dagegen stimmen die Sozialdemokraten, Freisinnigen, die ungefähre Hälfte der Natwnalliberalen und ein großer Teil der Deutschkonservativen. Hieraus vertagt sich das Haus auf Montag 1 Uhr. Tages-Ordnung: Beratung des Postetats. Schluß 6 Uhr.

(Gießener Anzeiger

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Nr. 24

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Abg. Roeren (Zentr.) bemerkt, in der Kommission j 5o 42.W h abe ein Regierungsvertreter ausdrücklich erklärt, der Pa- zreo! ^r.agraph solle und müsse zur Lokalisierung führen, izzsbl^ Staatssekretär Nie b erd in g widerspricht dem nach-

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. ne- Freunde für den Paragraphen. Werde derselbe angenom- giggjgb. 136-75 men, so erreiche man damit eine bessere Kontrolle. Bleibe Südbahn ^'2u>60das bloße Vermieten strafbar, so werde die Gewohnheit der im tfßab* l4'y - - Mlänner, bie Dirnen mit in ihre eigene Wohnung zu

99.55 2°« Verhältnisse aber liege die Sache anders. Als Vertret 122'60 1 bes platten Landes stimme er gegen den Paragraphen.

iürf. f18' | Abg. Roeren (Zentr.) bemerkt, in der Kommissii

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