Einige
1900
Sonntag den 29. April
Amts- und Airzeigeblatt für den Tkreis <6ieszen.
Der Krieg in Südafrika.
Die Buren leisteten
und Smith-Dorrien vereinigt.
Robert telegraphiert aus Uhr nachmittags: General Tab an du mit Kavallerie den Brigaden Hamilton
um seinen Rücken zu decken.
London, 28. April. Lord Bloemfontein vom 27. April 2 French ist heute Morgen in eingetroffen und hat sich mit
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Rtbeftion, Expedition und Druckerei: zch.kßraße Ar. 7.
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sei noch unbestimmt.
In St. Helena ist der zweite Trupp gefangener Buren eingetroffen. Gegenwärtig befinden sich 20 Gefangene im Hospital. 9 derselben hatten Masern. 2 sind am Montag an Lungenentzündung bezw. Typhus gestorben und am Dienstag mit militärischen Ehren begraben worden.
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M UuSnabme deS Montags.
Die Gießener kälter wkiMi dem Anzeiger krchsel mit „Hess. eHmüDtct" ». „Blätter ft in ;if. BolkSlundr" ■ Hkd 4 mal dkigelegt.
"'Der Korrespondent der „Daily Mail", Story, meldet aus Prätoria, er habe Einsicht in die bei Sonnaspost erbeuteten Dokumente und Karten des britischen Nachrichtenbureaus gehabt, die thatsächlich erkennen lassen, daß die Engländer seit 1897 denKrieg gegen dieBuren planten. „Daily Mail" protestiert zwar in einem Leitartikel gegen die Auffassung ihres Korrespondenten, druckt aber loyal die Depesche ab.
Nach einer soeben veröffentlichten amtlichen Zusammenstellung betrugen die B e r l u st e der Engländer bis zum 21 April 18383. Getötet sind 2228, an ihren Wunden gestorben 533 von ^insgesamt 10192 Verwundeten. An Krankheiten sind 919 gestorben, doch ist diese Ziffer Nicht genau, da die Todesfälle unter den Gefangenen in Prätoria nicht mitgeteilt sind. Gefangen sind und vermißt werden 3958.
Gegenüber hämischen Bemerkungen englischer Blätter, daß die Burendelegation im Haag festsitze und auf eine Anfrage von Berlin eine Abweisung erhalten habe, teilt die Transvaalgesandschaft in Brüssel mit, daß weder nach Berlin noch nach Petersburg bisher Anfragen oder Anmeldungen ergangen seien, da weder der Kaiser noch der Zar am Sitz ihrer Regierung gegenwärtig anwesend wären. Ob die Gesandschaft zuerst nach Paris j und Washington, dann nach Berlin und Petersburg reise,
M. 99 Erstes Blatt.
Telegramme des Gießener Anzeigers.
Loudon, 28. April. Der „Manchester Guardian" berichtet: Die Meinung in militärischen Kreisen über die Kriegs-Operationen Lord Roberts geht dahin, daß sie als gescheitert betrachtet werden und daß die Buren Roberts im Südosten entschlüpft sind. Das Resultat der sechswöchentlichen Operationen Lord Roberts ist somit gleich Null. Wenn Roberts seinen Vormarsch gegen Prätoria fortzusetzen gedenkt, was wahrscheinlich ist, so muß er mindesteos 50 000 Mann zurücklaffen,
den. Tie Burenmacht, die vor Wepener stand und den Rücken der Burenarmee rechts deckte, ging sofort zurück, als sie die Rückzugslinie bedroht sah, und entzog sich rechtzeitig dem Netz, das bis an die Basutogrenze gezogen war. Lord Roberts wird nach dem mißlungenen Schachzug seine Divisionen wieder in das richtige Verhältnis — Front nach 9!orden — zu setzen haben. Dann kann das gefährliche Spiel in seiner rechten Flanke allenfalls — von neuem beginnen.
Nach Meldungen aus London waren die Verluste der Engländer bei dem Renkontre mit den Buren bei Israels Poort nur gering.
Nach einer Meldung aus Prätoria vom 25. ist in Fourteensstream alles ruhig. Das Lager wird mit Ge- schützgeschoffen überschüttet.
Aus Kapstadt wird gemeldet, daß die Verwaltung von Johannesburg ausschließlich vonDeutschen geleitet wird. Die wenigen Engländer, die noch in der Stadt zurückgeblieben sind, sind Gegenstand der strengsten Ueberwachung.
Ueber die Explosion im Begbies Arsenal in Johannesburg wird aus London telegraphiert, daß 13 Menschen getötet und 70 verletzt wurden. Die Untersuchung hat ergeben, daß es sich um ein Attentat handelt, das man englischer Anstiftung zuschreibt. Die Explosion fand in einem von dem Arsenal getrennt liegen«
hn 16$riga junge M. ngflai bei man iiiitigen 5MuMel eien obet in einet fMM eite zu treten, fttrailitnir [6t. - Test. Cfitrltn . fier 3002" an die 4s. glatteS erbeten.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Bit dem Namen Wepeuer wird die Geschuhte des s,^konischen Krieges 1899/1900 ein Zwischenspiel. be- !än, das die Eigenart jenes Krieges klar zum Ausdruck
l ick> ist An ^der Zentralstellung des siegreichen I und von diesen drei Brigaden demonstrierte obendrein auch Ä(40-i« SOOOO Mann) stoßen 8-bis 10000 Buren &n aewaltraes Aufgebot
CM Cime Entfernung von nur ein paar Tagemarschen vor- I biet gelangen unter glücklichen Schlägen bis wett in dessen I ''l’ üdeti, fouragieren das Land aus, veranlassen die bereits I Minderten" Stammesgenossen zu neuer Waffenergreis- I
11 na und bedrohen die rückwärtige Verbindung des femd- I Hl. in Hauptheeres. Welches von den genannten Zielen (innen als das wesentlichste galt, mag dahingestellt bleiben. I iüej di«eser Unternehmung gelingt es den Buren, in oder I i lei Denn Orte Wepener ein paar ta us e n d En glan d er I e, inzuschließen. Daß in den Buren der heiße Wunsch oiMog, jene als Gefangene nach Pretoria zu senden, ist 1 - egrcMich. Wollten sie nun aber im Rahmen des „kleinen 3(*ricgt4" bleiben, der allein ihnen noch Erfolg bringen 8hin, sio mußten sie den Versuch machen, sich des Gegners tnurd) einen raschen, sei es auch verhältnismäßig opser- iitidKin Handstreich zu bemächtigen. Mißlang er, so hatten j jiie nach Sicherstellung des Abzuges ihrer Verpflegungs- ilttin^orte, andern Zielen und zwar vornehmlich der Zer- rijrunö der Eisenbahn Bloemfontein-Springsontein zuzu- rtDtnbein. Statt dessen sehen wir sie sich bei Wepener form- I l itb st stbeißen; ein Kommando nach dem andern wird | ; MrbcMesogen, Geschütz herangebrackst. Ist der Grund für ; । ielc miffallende Handlungsweise lediglich in dem Mangel (tu nmlitärischer EinsichL zu sichen? oder in der schon t Iikderholt zutage getretenen Neigung d e r B u r e n ^uoerschleppenber Kriegführung, nachdem sie tun, zuvor eine bemerkenswerte Energie an den Tag ge- ; (Ml? Bei Wepener dürfte noch ein besonderer Grund be- ibimm«nd gewesen sein: der bittere Haß gegen die auf i Hm Boden der Kapkolonie errichteten Freikorps,, der bereits i smher in der Thatsache sich gezeigt Hat, daß die Duren ge- i pnßeme Kapfreiwillige um vieles schlechter behandelten, c il$ die gefangenen Regulären. Die Besatzung Wepeners Bleftanfo nun aus solchen, zur Reiterschar Brabants ge- lilängt n Leuten, und diese wußten sehr genau, was ih ksirnrin wenn sie in die Hände der Buren sielen. Daher 8 tik überaus zähe Verteidigung. Die ersehnte Beute ist den «fmmanbos Oliviers und De Wets entgangen. Trotzdem rwTbcr Erfolg der Buren groß: sie haben der ellkn mühsam in Ordnung gebrachten eng- l iidien Heeresmaschine eine empfindliche aiäcung beigebracht, indem sievonRobertseinen iaSlliqeii Frontwechsel erzwangen, dem nun i nebeic eine umständliche Einlenkung folgen muß. Man iitaititt viel vom strategischen Schachbrett: lebendige Divi- । Hinein und Brigaden sind aber keine Sck)achftguren, die IM» leichter Hand hin- und herschieben kann. Ein Front- tMchstl wie der der Engländer im Freistaat, verzehrt »Bäfte des Heereskörpers, und sollte dieser Kräfteverbrauch Eck mir ii-nerheblich fein, so haben die Buren doch un- 1 beeü.rait einen A ufschub des Vormarsches des en g- llüid)en Hauptheeres nach Norden erreicht, e.toinn aber hat der Zwischenfall Wepener die Unbehilflich- U wenn nicht Hilfslosigkeit der englischen Sd'iere s m a s ch i n e vor allerWelt dargethan. tz Dit dem 9. April hielten die Buren Wepener eingeschlossen.
Ort liegt 3—4 Tagemärsche von der nächsten Bahn- f toit (Bethanie) und ebensoweit von zwei Truppenmittel- Ulten (Bloemfontein und Alival North) entfernt; 8- ÜLl" 000 Buren - vielleicht waren es nur die yalfte - iimiiTigeln ihn und müssen zugleich an die Abwehr der iiamncücfenben Entsatzabteilungen denken: von Süden Itotiiren ein paar Tausend Brabantscher Retter und die von Natal angelangte Jnfanteriebrigade Hart; trotz Lenkender Depeschen, in denen Brabant besonders groß i^iverden sie von den Buren in achtungsvoller Entfernung cutten- von Westen nahen die 3. und 8. Division; zu Stern Marsche von Bethanie über Reddersburg bis etwa ITOIometer südwestlich von De Wets Dorp (65 Kilometer ifflbeir Luftlinie) gebrauchen sie die Tage vom 13. bis 19 } M; dann können sie nicht weiter, sodaß Lord Roberts cm2-2. noch die 11. Division und zwei Kavalleriebrigaden wartet French von Bloemfontein zur Unterstußimg jener
De Wets Dorp entsendet. Sie mußte erst Buren-Dor- mpen bei Kareefontein und am Leeuwkop - wie konnte 2hti> Roberts sie dort, gleichsam vor den Thoren Bloem- |bntdin§, so lange dulden? - vertreiben, ehe fte sich .Mit 8 >213_ und 8. Division, und zwar auch nur heliographisch, fin^binbung setzen konnten. In der Nacht vom 24. zum Oril aabett die Buren dann De Wets Dorp und iM
Ls 25 Werner auf. Etwa unter dem Druck der ü Äerffcarten, langsam sich üahernden Enffatztruppen? Kaum. Itomiehr aus Besorgnis für ihre Ruckzugslime Am 23. Ihrif lieft Lord Roberts durch das Korps berittener Jn- | Sterne (Hamilton; Gesamtstärke etwa 10000 Mann) die
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noch eine in östlicher Richtung. Ein gewaltiges Stufgebot I tut Erringung eines verhältnismäßig beschetdenen Zieles, 1 wobei die klimatischen Unbilden der letzten Wochen keine befriebigenbe Erklärung bieten! Wollte Roberts nicht die I ium Entsatz von Wepener bestimmten Truppen mit eisernen I Rationen für drei bis vier Tage versehen (der bequeme I englische Soldat trägt für gewöhnlich nur eine folcbe für I eineinhalb Tage und läßt sich nur widerstrebend belasten) und rücksichtsws durchstoßen lassen, so hätte er bie am' 23. April angeorbnete Vorbewegung in östlicher Richtung längst schon anordnen sollen; sie würde ihren Zweck nicht I verfehlt haben. Seit Ende März griffen die Buren bereits östlich um Bloemfontein herum! Und 16 Tage konnte Wepener eingekreist bleiben, bevor der befreiende ^achzug unternommen wurde oder — werden konnte. Englische Blätter haben durchblicken lassen, daß der Versuch, die Buren im südöstlichen Freistaat durch emen kräftigen Vorstoß nach Osten in eine gefährliche Lage zu bringen, unterblieben sei, weil Lord Roberts Scheu trug, die eben neu- remontierte Kavallerie den Strapazen eines Zuges nach Ladvbrand, denn bis hierhin hätte er unbedingt reiche müssen, auszusetzen. Er wollte fte für den Vormarsch auf Pretoria in guter Verfassung erhalten, «jft das zutreffend, so (beweist es umsomehr, wie sehr die Buren durch die Bedrängung von Wepener die Pläne der englischen Heeres leituna durchkreuzt haben. Vorausgesetzt ist dabei, daß sie nicht selbst in eine Falle geraten sind, wie man m England stark erwartete, als von geheimnisvollen Bewegungen der Roberts'schen Truppen berichtet wurde. E^
, klingt etwas unverständlich, wenn Roberts in einer Depesche vom 25. April sagt, daß General French entsprechend seinem Befehle auf der Rückzugslinie der Buren Stellung zu nehmen habe. Dann hätte aber French nicht auf De Wets Dorp, sondern über Thabanchu auf Ladybrand vorgesandt werden müssen. Dorthin, längs des Caledon, weist der Rückzug der Buren und nicht etwa über Sannas Post auf Brandfort. Von Wepener bis Ladybrand ist der Weg nicht länger als von Sannas Post, wo zurzeit des Wzuges der Buren von De Wets Dorp und Wepener die vordersten! Abteilungen Hamiltons gestanden haben dürften, bis Lady-
I brand, iupd obendrein führt dieser Weg von Thabanchu aus I burch ein schwieriges Gelände, in dem es kleinen Buren- haufen möglich ist, stärkere englische Truppen längere Zeit
I aufzuhalten. Lag es wirklich im Plane des englischen I Oberkommandos, den Buren den Rückzug zu verlegen und I nicht bloß damit zu drohen, so mußte die Vorschiebung I von Truppen von Osten um zwei Tage früher erfolgens I und die sogenannten Entsatztruppen waren anzuweisen, den I Gegner durch Gefechte festzuhalten.
Letzteres ist nicht geschehen, und die Buren konnten, I nach einer aus Bloemfontein in London eingetroffenen I Depesche, um Wepener und Dewetsdorp der I englischen Bewegung entgehen, durch die sie I eingeschlossen werden sollten. Sie sind unter dem Befehl I des Generals Botha im vollen Rückzug gegen Nor-,
I Wasserwerke östlich von Bloemfontein besetzen und ihm I den Hause statt und muß ^0 Pfund NitroglycertN 1 " " ----- n c-'r— 1 erfordert haben, während in der Fabrik nur 2UU Pfuno
vorhanden waren. — „Daily Mail" will wiffen, die Ex-
°°° «"-'iS-- b« für toi
• «Mibrnlafl erscheinender. Nummer bt5 Derrn. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abtnbS vorher.
bann die 9. Division sowie eine Brigade der 7. folgen.
So war denn fast Hie ganze Armee Roberts' — etwa .......... —......- z ... - .
45 000 Mann — gegen die Buren im südöstlichen Freistaat I p(o«on |ci mit Hilfe eines von dem gegenüberliegenden in Bewegung gesetzt; in der Nordfront (zwischen Brand- I £auce na* der Fabrik gegrabenen Tunnels bewirtt fort und Glen) verblieben nur die 6 und die 7 Division I morden. Die Opfer sind meist Italiener.
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Widerstand im Osten der Stadt. Die Brigaden French und Hamilton vertreiben sie jedoch aus ihren Stellungen. Die Division des Generals Run die befand sich gestern Abend 8 Meilen südlich von der Stadt. Aus englischer Seite waren zwei Offiziere verwundet, darunter einer schwer. Eine Patrouille, die aus Pothulie kam, sah den Feind auf dem Wege nach Smithfield. Von der Pattouille wurde ein Mann getötet und zwei gefangen genommen. — Das Aeomanry-Regiment ist heute aus Dewetsdorp zurückgekehrt.
Loudon, 28. April. Aus Bethulie wird gemeldet: Die Eiseubahnbrücke ist fertig gestellt, und wird morgen bereits von den Zügen passirt werden.
Haag, 28. April. Der Führer der Burenmission, Dr. Fischer, hatte gestern eine längere Besprechung mit dem holländischen Minister des Auswärtigen. Heute wird sich derselbe nach Amsterdam begeben, und dann Holland verlassen.
Politische Tagesschau.
Der »attoualsoziale Verein für den Wahlkreis Gieße« schreibt uns, daß unser in Nr. 97 unter „politische Tages- schau" gebrachte Bericht über die Delegiertenversammlung des Gesamtverbandes (nicht G- samtvorstandes) der evangelischen Arbeitervereine „verschiedene Unrichtigkeiten- -nchLIt. Die m*‘9cte,I£ Resolution war, so heißt es m deren Zuschrift, von dem Korreferenten, Fabrikant Franken vorgeschlagen. Dieselbe
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