Ausgabe 
28.1.1900 Viertes Blatt
 
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1900

Aints- und Anzeigeblutt für den "Kreis Gieren

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i K. Zltziistk, burtstag.

Sonmag Jen 28. Januar

Uerngspreir vierteljährl. Mk. 2,26 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestelle« vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl mit Bestellgeld.

Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schukgraße Ar. 7.

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Ad reffe für Depeschen: Anzeiger Hieße».

Fernsprecher Nr. 51.

Gießen, den 26. Januar 1900. Betr.: Stempelabgabe für Paßberichte.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen ate Groffh. Polizeiamt Gießen und die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden deS Kreises.

Wir setzen Sie davon in Kenntnis, daß die durch das Ministerial Amtsblatt Nr. 48 vom 26. Juni 1833 vor­geschriebene Stempelgebühr von 20. Pf. für Paßberichte durch das Gesetz über den Urkundenstempel vom 12. August 1899 beseitigt worden ist.

v. Bechtold.

Ueberwachung verdient und nötig hat."

Nach einer Meldung des Bureau Dalziel aus Shang­hai hat die Nachricht von der Absetzung Kwangsu's einigen Alarm hervorgerufen, bei den fremden Gesandtschaften in Peking sei man aber geneigt, die Bedeutung des Vor­ganges zu verkleinern. Einige Gesandtschaften sollen sogar vorher um Rat gefragt worden sein, namentlich die russi­sche und die französische Gesandtschaft. Diese waren dem Kaiser Kwangsu ungünstig gesinnt, und seine Freund­schaft für England, Amerika und Japan habe ihm mächtige Feinde gemacht. Man habe den Eindruck, daß die eng­lische Gesandtschaft überrascht worden sei und die Absetzung des Kaisers erst erfahren habe, als sie eine voll­endete Thatsache swar. Man glaube, die russischen Truppen in Port Arthur und anderswo in der Mand­schurei würden die neue Regierung unterstützen. Es sei sogar gestern abend in ^Shanghai gemeldet worden, daß eine französische Marine-Abteilung nach Peking gelangt sei. Der neue Kaiser oder vielmehr sein Vater soll das Haupt der großen geheimen Gesellschaften sein, die als dasGroße Schwert" oder dieBoxer" be­kannt find und sich über Tschili, Schautung und Hunan ausdehnen und zu denen auch die Personen gehören, welche kürzlich den englischen Missionar Brookes ermordeten.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Glätter für hessische Volkskunde.__________________

Erscheint tägNch mit Ausnahme des

MontagS.

Dte Gießener yemifitnß fätttr werden dem Anzeiger hn Wechsel mitHess. Landwirt" u.Blätter für heff. BolkSkunde- wöchtt. 4 mal beigelegt.

Steilung, ba§ ee in-igst geliebtes

Kangyis kürzliche ausgedehnte Mission nach dem Jangtse und den südlichen Provinzen soll zu dem Zwecke unter­nommen worden sein, um die drei Vizekönige Changchitung, Liukunyi und Tangchungling wegen des Staatsstreiches zu sondieren. Man behaupte auch, daß Li Hung Tschang nach Kwangtung geschickt wurde, um das Programm der Kaiserin zu unterstützen und irgendwelche Feindselig­keit der Kantonesen zu unterdrücken. Die Hua- nesen und Kantonesen sollen die stärksten An­hänger von Kwangsu sein. Die Mandschus sollen über­haupt für den Wechsel sein, während die Chinesen mehr dagegen seien. Nach einer weiteren Meldung des Bureau Dalziel aus Shanghai enthält das Dekret, welches die Absetzung des Kaisers ankündigt, nur zwanzig Worte. Es lautet:Es wird bekannt gemacht, daß Huk- w e i, Sohn des Saichee, Prinz von Tun, hiermit zum Nachfolger des Kaisers Tungchi erklärt wird." Tungchi war der Vetter undVorgänger des Kaisers Kwangsu. Dieser wird im Edikte gar nicht erwähnt. Fünf Edikte sind im Ganzen gestern veröffentlicht worden. Eines davon trägt Kwangsus Unterschrift und besagt: Seine Regierung sei unglücklich gewesen, er habe sich darum entschlossen, dem Throne zu entsagen, und er hoffe, sein Nachfolger werde dem Reiche besseres Glück bringen. Ein anderes Edikt sagt, P u t s i n g werde am chinesischen N^jahrstag, dem 31. Januar die chinesischen Würdenträger und das diplomatische Korps empfangen; dann werde seine Regierung beginnen, und die Zeitrechnung werde darnach geändert. Es heißt, Kwangsu habe Selbstmord verübt, nachdem er die Ab­dankung unterzeichnet und der Kaiserin Witwe seinen Dank ausgesprochen hatte. Die fremden Gesandten haben noch keine Schritte unternommen.

Loudon, 26. Januar. Die Nachrichten vom Staats­streiche in China werden in einigen politischen Kreisen hier ebenso ungünstig gedeutet wie die heutige Nachricht aus Natal. Das Bureau Dalziel meldet aus Shanghai von heute: Die Kaiserin-Witlwe hat Tun glu, den Ober­kommandierenden der chinesischen Truppen, abgesetzt, weil

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Mitnahme von Anzeigen zu der nachmittags für den tilgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher.

Males und Vraoinsielles.

** Fernsprecher und Telegramm aufgab e. Vielen dürfte es unbekannt sein, daß der Besitz eines Fern­sprechanschlusses auch die Annehmlichkeit gewährt, Tele­gramme mittels des Fernsprechers anzunehmen, und auf demselben Wege bei der Orts-, Post- und Telegraphen­anstalt aufzuliefern. Wenn von dieser Einrichtung bisher wenig Gebrauch gemacht worden ist, so dürfte der Grund daran gelegen haben, daß für die Fernsprechanschlüsse zu hohe Gebühren erhoben wurden, und es daher nur für die außerhalb der Orte im Landbestellbezirk wohnenden Teilnehmer verlohnte, sich der Einrichtung zu bedienen. Neuerdings ist hierin durch eine wesentliche Herabsetzung der Gebühren Wandel eingetreten, wir glauben daher, daß die nachstehende Anführung der neuen Bedingungen weitere Kreise interessieren wird. Die Uebermittelung an­kommender Telegramme an die Inhaber von Fernsprech­anschlüssen ist bei der in Betracht kommenden Verkehrs­anstalt, hier bei dem Telegraphenamt, schriftlich zu bean­tragen. Die Gebühr für das Zusprechen betrügt ohne Rück­sicht auf die Wortzahl des Telegramms jedes Mal 10 Pfg. Eine schriftliche Ausfertigung des auf diese Weise über­mittelten Telegramms wird dem Empfänger in einem mit seiner Adresse versehenen verschlossenen Umschläge kosten­frei durch die Post übersandt. Der Gebührenbetrag für

das Zusprechen wird auf dem Umschläge vermerkt, und bei dessen Behändigung eingezogen. Falls Teilnehmer mittels des Fernsprechanschlusses bei der Vermittelungsstelle Te­legramme zur Weiterbeförderung ausliefern wollen, be­darf es vorher keines schriftlichen Antrages. Für das Niederschreiben des Telegramms bei der Vermittelnngs- stelle ist ein Pfennig für das Wort, mindestens aber der Betrag von 20 Pfg. zu entrichten. Außerdem kommen natürlich noch die bestimmungsmäßigen Telegramm-Ge­bühren zur Erhebung. Die Einziehung der fälligen Be­träge erfolgt gelegentlich, meist zu Anfang des nächsten Monats. __________

= Aus dem Großherzogtum Heffen, 26. Januar. Um die wachsende Not an landwirtschaftlichen Arbeits- krästen in Rheinhessen zu steuern, hat der landwirtschaft­liche Verein von Rheinhessen beschlossen, ländliche Arbeiter und Arbeiterinnen aus dem Norden und Osten von Deutsch­land kommen zu lassen. Im Februar sollen schon die ersten Arbeitskräfte für die landwirtschaftlichen Betriebe be­schafft werden und zwar männliche und weibliche. Der Jahreslohn für Knechte wurde auf 150 bis 300 Mark und für Mägde auf 180 bis 200 Mark festgesetzt. Die Reise­kosten und die Vermittelungsgebühren hat der landwirt­schaftliche Verein auf 4050 Mark für jede einzelne Person normiert.

§§ Grebenau, 25. Januar. Im Laufe der letzten Woche ist dahier ein neuer Kirchengesangverein gegründet worden, nachdem der seither dem Namen nach bestehende Gesangverein" sich aufgelöst hatte. Fast sämtliche Mit­glieder des alten Vereins sind dem neuen beigetreten, so­daß zuzüglich der neu eingetretenen weiblichen Mitglieder ein stattlicher Chor beisammen ist. Möge er seinen Zweck, den Kirchengefang zu pflegen und durch fleißige Mitwirkung im sonntäglichen Gottesdienst zu heben, recht erfüllen und möge das Vorgehen von Grebenau auch andere Gemeinden zur Gründung von Kirchengesangvereinen anregen. Sie sind, wenn sie richtig geleitet werden und in ihnen fleißig geübt wird, nicht nur von großem Vorteil für die Hebung des Kirchengefangs, sondern tragen auch zur Hebung des Kirchenbefuchs bei und sind somit ein bedeutender Faktor in der sittlich-religiösen Erziehung unseres Volkes. Auf eine weitere Verbesserung unserer ländlichen Verhältnisse zielt das Zirkulieren einer Liste in unserem Kirchspiel, auf der zum Einzeichnen von Beiträgen zur Anschaffung einer Kirchenheizung, ermuntert wird. Auch in dem nahen Uden­hausen ist bereits seit Anfang Dezember v. I. ein Kirchen­ofen aufgeftellt. Nur dürfte derselbe entweder eine Nummer größer sein oder er müßte etwas früher in Brand gesetzt werden, damit auch der untere Kirchenraum besser durch­wärmt wäre. Er ist von der Firma BuderuS-Hirzenhainer- hütte geliefert und soll nach Angabe der Firma 450 Kubik­meter Heizkraft besitzen, sodaß er für die kleine Kirche mit 430 Kubikm. Inhalt eigentlich ausreichen sollte. Die Kosten der Einrichtung der Kirchenheizung sind, wie wir hörten, durch freiwillige Spenden vieler Gemeindeglieder aufgebracht worden, was der notorisch gering bemittelten und obendrein durch hohe Kommunalsteuern belasteten Gemeinde hoch an­zurechnen ist. Der, wie neulich von hier gemeldet wurde, im SchutzbezirkUdenhausen durchNiederstürzen einer Fichte verunglückte Holzhauer befindet sich auf dem Wege der Besserung und dürfte derselbe in kurzer Zeit wieder vollkommen geheilt sein. Der hiesige Krieger­verein feiert Kaisers Geburtstag nächsten Sonntag durch einen Ball. ____________

A Treysa, 25. Januar. Eine arme, 79 jährige Frau warf sich dieser Tage kurz vor Passieren des Güterzuges Nr. 3439 zwischen Posen 43 und 44 der Strecke Kirchhain- Neustadt M.-W. B. auf die Schienen, in der Absicht, sich überfahren zu lassen. Durch Aufmerksamkeit des Lokomotiv­führers wurde der Zug rechtzeitig gestellt und ihr Vorhaben vereitelt. Die Frau wurde zwischen den Schienen entfernt, mit dem Zuge nach Neustadt genommen und dort der Polizei übergeben. Dieauf dem Büraberge bei Fritzlar, Pfarrei Ungedanken, stehende Kapelle ist dem Verfalle nahe. Schon längere Zeit ist darum zu einem Neubau gesammelt worden, und es sind jetzt etwa 1800 Mk. vorhanden. Dem Vernehmen nach denkt man nunmehr ernstlich an den Neubau. Dieser Bau hat nicht bloß em örtliches, sondern ein allgemeines Interesse, da Büraberg der erste Bischofssitz in Hessen (später nach Paderborn verlegt) und seine Kirche eine der ältesten Stätten des chrtstltchen Gottesdienstes im Chattenlande war.

"" I er den Staatsstreich mißbilligt haben soll. Viele andere * Die Absetzung des Kaisers von China. hohe Beamte sind auch abgesetzt, darunter Linkunzeh, Gestern meldete ein in Shanghai erscheinendes eng- Vizekönig von Nanking. Dieser wird ersetzt durch Luchn. CM... E hnfi her Gaiier von Cbina Kwangsu, anlin, eine Kreatur der Kaiserin, die während der letz,en LKhTnih ?in6nenniähnaet Knabe Namens Put Sing, Fremdenversolgungen Vizekönig von Szechuen war und für Sohn des Prinzen Tuav, auf den Thron erhoben worden seine Versolgungen aus Veranlassung der englischcn Regie üi und heute verzeichnet der Telegraph das Gerücht, daß rang abgesetzt wurde In den vizekomglichen Hauptstädten KwangsuSelbstmord" verübt habe, Daß der abgesetzte Wutchang, Nanking, Kanton und Peking hat man außer, N'-SSSÄÄÄ4ÄÄ SST*.nÄÄX.7,

chinesische Gesandte hatte gar keine Kenntnis davon und I der Kaiserin zu b^reien. Diese Chinesen bitten jetzt die kennt auch nicht einmal die Persönlichkeit des neuen Kaisers, englischen, japanischen und amerikanischen Gesandten zu uv

(cXkmhtirb" niebt der Reioranis Ausdruck daß bei tervemeren, damit Kwangsu wieder eingesetzt wird. In

bu jetzf en^Lage ÄWaÄÄ Japan hat bie»bantn

hnfren fhnnh» Die Dimes" ftireibt Auf dem Sensation erregt. Man drmgt dort sehr daraus, daß starke Gebote der auswärtigen Beziehungen kann der Re'gienmgs- Maßregeln ergriffen werden zumal man °llg°mein glaubt, wechsel ernste Folgen haben oder er braucht keine zu haben, daß Rußland bei dem Staatsstreiche die leitende Hand im Alles was man jetzt sagen kann, ist, daß derselbe sorgfältige 1 hatte. (Vg)

Bekanntmachung.

Betr.: Maul- und Klauenseuche in Grünberg.

ß?Jn Grün berg ist die Maul- und Klauenseuche er­loschen und Aufhebung der Sperrmaßregeln angeordnet worden.

Gießen, den 27. Januar 1900.

Großh. Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.___________

Gießen, den 27. Januar 1900.

Betr.: Das Ersatzgeschäft pro 1900.

Der Civiloorfitzende

der Großh. Ersatz-Kommission Gießen

an die Großh. Bürgermeistereien des KreiseS.

Ich erinnere Sie, soweit Sie noch im Rückstände sind, an sofortige sEinsendung der Stammrollen bei Meldung Abholung derselben durch Wartboten am 30. l. MtS.

Boeckmann.

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