*
*
Redaktion, Expedition und Druckerei:
Schrrtstraße Ar. 7.
Gratisbeilagen: Gießener Familicnblätter, Der hessische Landwirt _________________Matter für hessische Uatbslrunde.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.
Fernsprecher Nr. 51.
*
Telegramme des Gietzeuer Anzeigers.
London, 25. September. „Daily Mail" meldet aus Lourenzo Marques: Aus zuverlässiger Quelle wird versichert, daß die Buren noch 7000 bis 9000 Mann unter d e n W a f f e n baden, die von S t e j i n und Reitz befehligt werden. Dieselben haben beschlossen, die englischen Verbindungslinien zu zerstören und sich von Zeit zu Zeit nach Norden zu flüchten, wo genügend Futter für ihre Pferde vorhanden ist.
Paris, 25. (Äptember. Die Ueberfahrt des Präsidenten Krüger auf einem holländischen Kriegsschiffe erfolgte, wie es hieß, deshalb, weil Beweise vorhanden sein sollen, daß englische Kriegsschiffe den Befehl erhalten hätten, bett österreichischenLloyddampfer „Styria", auf welchem bereits Plätze bestellt waren, auf hoher See an zu halten, zu durchsuchen und sich ev. Krügers nebst dem bei ihm befindlichen Staats- Archiv zu bemächtigen.
Deutsches Reich.
Berlin, 24. September. Der Kaiser, in deffen Be- gleitung sich Oberhofmarschall Graf Eulenburg, zwei Ad- lutanten, Oberstabsarzt Dr. Jlberg, und als Vertreter des Auswärtigen Amts Botschafter Fürst Eulenburg befinden, wohnte gestern vormittag in R ominten dem Gottesdienste der und unternahm am Nachmittag eine Spazierfahrt nach dem Aussichtsturm auf der Königshöhe.
Ausland.
24. September. Die heutige von Singer präsidierte Morgensrtzung des internationalem ^ozra-listen-Kongresses verlief ebenfalls in unbefriedigenden Streitereien um die Zusammensetzung deI Bureaus. Auf einen französischen Antrag hin wurde erst 5,s definitive Bureau ernannt und die Franzosen stritten sich tn einer Sondersitzung ihrer Sektion heftig uur die Wahl ihrer Bureaumitglieder, die nunmehr gleichmäßig aus allen Fraktionen genommen sind.
— Die sozialistischen Maires haben gestern abend em großes Bankett abgehalten, zu dem Mch die zum internationalen Kongreß anivesenden fremden Dele- gierten eingeladen wurden. Singer hielt eine kurze Rede in Deutsch, in der er die kommeiide Aktion der Sozialisten in Deutschland schilderte.
5. N5, französischen Soldaten, die bei Repaix in der Nahe von Nancy einen deutschen Grenzpfabk b eschm uüt hatten, wurden auf Antrag der hiesigen deuL schen Botschaft mit 60 Tagen strengem Arrest bestraft.
Belgrad, 24. September. Heute erfoigte die Be^ L0Un9^HerA™ Attentatsprozeß verurteil- tert Personen bis auf die des Hauptdenunzianten K'rezorit.
den chinesischen Unterhändlern die Auslieferung der ersten Anstifter der Pekinger Verbrechen erfolgen müsse. Die etwaige Ablehnung dieser Forderung könnte eine weitere Erschwerung der chinesischen Frage zur Folge haben.
Kiel, 25. September. Der Seesoldat Heinrich Theuer- kauf ist m Peking am Typhus gestorben.
London, 25. September. „Morning Post" meldet aus Shanghai: Rußland hat eine Expedition gegen die Stadt Mukden organisiert. Die in Sidsang ein- getroffeneii Truppen Jinb auf Widerstand gestoßen. In den südlichen Provinzen wird infolge Ernennung fremdenfeindlicher Beamten ein allgemeiner Aufruhr befürchtet.
London, 25. September. „Daily Expreß" meldet aus Berlin: Die deutsche Regierung habe unter Zustimmung sämtlicher Großmächte, ausgenommen die Vereinigten Staaten, beschlossen, einen internationalenGe- rrchtshof $ur Aburteilung der schuldigen Ehinesen zu bilden. Dieser Gerichtshof wird über die Hinrichtungen zu bestimmen haben.
Washington, 25. September. Die amerikanische Regierung hat beschlossen, nur 1500 Mann in Peking zu belassen, die zum Schutze der amerikanischen Interessen als ausreichend erachtet werden. Die Amerikaner werden sich nicht unter den Oberbefehl Waldersees stellen. Ferner beschloß die Regierung, die in den chinesischen Gewässern befindliche Fto tte zu v erstarken, um damit den Mächten zu zeigen, daß die Vereinigten Staaten entschlossen sind, seine Interessen im äußersten Osten zu wahren.
Der Krieg in Südafrika.
. Eine Depesche des Feldmarschalls Roberts aus Pretoria vom 24. meldet, daß Pole-Carew am 24. früh Komatipoort besetzt und eine große Menge Eisen- ! bahnwagen und Lokomotiven erbeutet hat. Roberts be- । ächtet weiter, daß am 23. September ein Buren-Kommando unter Erasmus die Bahnstation Elandsriver angriff, aber zur ückg e schla g e n wurde, und daß in der Zwischenzeit General Paget das Lager der Buren nahm und 2500 Rinder und 6000 Schafe erbeutete. Elandsriver ist die vierte Station östlich von Pretoria.
Eine Petersburger Zuschrift der „Pol. Corr." führt aus, daß ungeachtet der Sympathien der Russen für die -Buren doch Rußlands Politik von dem Grundsatz beherrscht bleibe, das Einvernehmen zwischen den Großmächten ausrechtzuerhalten, zumal da dieses jetzt in China notwendiger sei als je zuvor.
Tie Delegierten von 40 Antwerpener Gesellschaften und politischen Vereinen beschlossen die Veram staltung einer öffentlichen Kundgebung gegen die Einverleibung dersüdafrikanischenRe- publiken durch England. Diese Kundgebung soll am Tage der Ankunft Krügers in Europa stattfinden. Ein Zug wird sich durch die Straßen Antwerpens bewegen, und vor dem englischen Konsulate wird dem Vertreter Mrglands eine Protestnote überreicht werden. Die Veranstalter erklären indes, sie hegten nicht den geringsten Haß gegen] I das englische Volk; die Sozialisten werden sich an der Kundgebung nicht beteiligen. Man vermutet, ‘ daß die belgische Regierung sie untersagen wird, um diplomatische Verwicklungen zu vermeiden.
-x. Gießen, 24. September
Anklage g'egen Eduard t; ^aZmrmerster Lauterbach, wegen Ver
brechens gegen die Sittlichkeit zur Verhandlung. 'Als Bei- fitzer fungierten dw Landgerichtsräte Müller und Dr. aI§ Protokollführer Gerichtsassessor Cramer, dre Anklage vertrat Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich, Verteidiger war Rechtsanwalt Dr. I u n g. Ms Geschworene tu™?8«? ^Wilhelm Völzing IV., Landwirt zu
Groß^Felda 2) Heinrich Reuter V. zu Wieseck, 3) Dr. Franz Kubel zu Gießen, 4) Wilhelm P rösch er IV., Rentner zu Ctk ,r>) Johann Foucar, Postmeister zu Bad Nauheim, b).Fr. Karl Henzerling, Kaufmann zu Gießen, 7) Ernst Windecker, Bierbrauer zu Friedberg, 8) Karl Repp zu Grün- berg, 9) Heinrich Schmidt VI., Rentner in Romrod,
I . — D-r „Post" zufolge wird der Kaiser gelegentlich
des Besucher aus Schloß Friedrichshos bei der Kaiserin Friedrich am 10. Oktober und folgende Tag- von der Kaiserin begleitet sein.
- Wie die „Post" meldet, ist an hiesiger unterrich- teter Stelle Nichts davon bekannt, daß der bulgarisch- rumänische Konflikt dem Schiedssprüche Kaiser
| Wilhelms unterbreitet werden soll.
i — Das preußische Herrenhausmitglied Graf Conrad Kleist ist m Schmenzin im Kreise Belgard gestern gestorben. . _ Das „B. T." erfährt aus zuverlässiger Quelle, daß die Vorarbeiten für das Gesetz betreffend die Besteuerung des inländischen Schaumweins vollständig beendet find. Nachdem eine erhebliche Erhöhung des Zolles auf ausländische Schaumweine vorgesehen ist, kann nach der Meinung maßgebender Kreise auch auf die Produktion des inländischen Schaumweins eine mäßige inländische Steuer gelegt werden. Es wird angenommen, daß der Gesetzentwurf bereits in der Ausarbeitung begriffen ift und schon im November den dann einzuberufenden Reichstag beschäftigen wird.
Hannover, 24. September. An einer ZeitungS- verlegerversammlung nahmen ca. 60 Verleger aus Braunschweig, Bremen, Hannover, Oldenburg und Westfalen teil. Aus der Tagesordnung stand die Besprechung der gegenwärtigen Lage des ZeitungSgewerbeS mit Rücksicht auf die unverhältnismäßige Erhöhung der Papierpreise und des Pvstzeitungstarifs. Am Schluffe der Versammlung gelangte folgende Resolution zur Annahme:
M . DteheutigeZeitungsverlegerversammlungempfiehlt denZritunaS- verlegern, tn Nordwestdeutschland überall die Gründung von Bczirks- vereinen ins Werk zu setzen. Sie regt ferner an, daraus später eine große allgemeine Vereinigung ernstlich ins Auge zu fassen.
Breslau, 24. September. Hauptmann von Besser hat, wie der „Brest. Gen.-Anz." erfährt, im Jahre 1897 einige Wochen hindurch die zweite Kompagnie des Füsilier- Regiments Graf Moltke, schlesisches Nr. 38, geführt. Er 9at aber in unglaublich kurzer Zeit unverhältnismäßig viele semer Leute mit Arrest bestraft, sodaß ihm das BestrafungS- recht entzogen wurde. Hauptmann Beffer war damals erst zurückge?chickt^°^"^ unb wurde schleunigst wieder dahin
Die Wirren in China.
^Wie Oesterreich-Ungarn und Italien, so hat auch Frankreich dem in der Note des Grafen von Bülow gemachten Vorschläge ohnejedenVorbehalt Hu g e sti m m t, da sie schon vor dem Erlaß per deutschen ^cote den in dieser vertretenen Standpunkt gleichfalls pls den einzig richtigen erkannt habe. Die Antworten Englands und Japans find bereits avisiert und Lautert dem deutschen Vorschläge auch durchaus zustimmend. Da auch die russische Antwort inzwischen in Berlin jüber- rerchf ist, steht es außer Frage, daß Amerika mit seiner ablehnenden Haltung isoliert bleiben wird. Man glaubt rn Berliner politischen Kreisen noch, immer nicht daran, daß Rußland Peking räumen wird. Selbst die Meldung von der Übersiedelung der russischen Gesandtschaft nach Trentsm begegnet Zweifeln
Wolffs Bureau meldet aus P e k i n g vom 19. Septbr.: sandtschaften sind sämtlich noch hier. — Nach Z." ist die Frage, ob die deutsche Gesandtschaft in Peking bleibt, oder nach Tientsin kommt, noch ent- Meden, Shanghai ist aber jedenfalls noch nicht $in Aus- hw genommen. — Ein Berliner Telegramm der ^,Köln. Ztg." betont, das Bestreben Amerikas, in der Frage der Bestrafung der chinesischen Rädelsführer einer nachsichtigeren Behandlung der chinesischen Regierung zur Annahme ^er9e^en/ sM bedingt durch die ungünstige /Ber- schiebung der Lage, die auf den Philippinen Rach Abtrennung der chinesischen Operationstruppen fühlbar geworden sei. Für die Auseinandersetzung der Mächte frmt ii?ma mache es keinen Unterschied, ob Amerika ferner mit- twer nichst. Für alle Fülle bleiben Kräfte genug verfügbar, um die von der civilisierten Welt erheischte Sühne zu erreichen. — Eine offiziöse Meldung besagt, Deutschland sei weit davon entfernt, zu verlangen, baß auf die Angaben der Gesandten die Schuldigen hingerichtet wurderr Die Gesandten sollten die öffentlichen Ankläger
^ten, und ein internationaler Gerichtshof würde dann die Schuldfrage beantworten und die Strafen aussprechen. Die Hauptsache bleibe, daß die Verurteilung nityt durch Chinesen, sondern durch, die Mächte erfolge. Eine chinesische gegen die Rädelsführer gerichtete Gerichtsverhandlung würde eine gerichtliche Farce sein. Einem derartigen von : Amerika verlangten .Hohne ruhig zuzuschnuen, würde den Wiederbeginn neuer Metzeleien bedeuten. Die von China zu verlangenden Bürgschaften dürften auch Amerika zu gute kommen; indessen bleibe die Thatsache bestehen, daß die amerikanisch^ Kraft bei dem ersten Versuche, Hei einem großen internationalen Unternehmen als Weltmacht neben Len anderen Großmächten sich zu stellen, in überraschender Weise versagte.
Ueber die Einnahme der Forts von Peitang werden folgende Einzelheiten aus Tokio gemeldet: Der Angriff begann am 19. September 10 Uhr nachts und wurde elf Stunden lang fortgesetzt. Am folgenden Tage um 8 Uhr morgens wurden die Forts von den deutschen, I russischen und französischen Truppen besetzt. Die Verluste I auf deutscher Seite an Toten und Verwundeten be- I tragen 38 Mann, auf russischer Seite 60 Mann. Ueber die I Verluste der Franzosen ist noch nichts Näheres bekannt.
Aus Shanghai wird telegraphiert: Alle Küsten-Be- I Tätigungen sowie die Hafen- und Pangtseforts werden I von^er internationalen Flotte scharf bewacht. Die „Ge- I E™ ^Qwg nach Futschau ab, um dort die Ausschiffung I Munition zu verhindern. Die deutschen I auf ber Pangtsemündung, um diese ^bn«^^^^^^buzer zu schützen. — Wie weiter aus Shanghai gemeldet wird, haben die Russen bei I Ä W eine Minen- I
~ Nach einer Meldung Ä "der Li-Hung-Tschangs, also zuni Vizekönig von Liangkwang I ernannt toorben. Loh rst Mandschn unb frentbenfeinMiA - DerEisenbahnmanbarin Schien g soll, toeUer rS srennblich rst, abgesetzt und zum provisorischen Richter für d-e Provinz Kwangsi ernannt toorben fein. Diese Deara- I dation ist der Vorläufer zu seiner Hinrichtung sobald er seinen neuen Bestimmungsort erreicht hat. I
Feldmarschall Graf Watdersee ist von Shanäbai I nach Taka abgereist. ’ I
Nach einer Meldung aus Kiel sind die Ersatzmann- I schäften für (brte gefallenen und verwundeten Seesoldaten I heute vormittag nach Cbina abgegangen.
• . •
Telegramme de- Gietzeuer Anzeiger-.
Berlin, 25. September. Me Antwort der fr an- | Kösischen Regierung auf die deutsche Zirkularnote I ist von aufrichtigem Entgegenkommen erfüllt. Die I französische Regierung konnte jedoch nicht umhin zu I erklären, daß sie sich) geioisser Bedenken nickst erwehren I ‘tonne bezüglich der Zweckmäßigkeit der Forderung, daß | unbedingt vor Eröffnung der Auseinandersetzungen mit |
Rr 225 Kweit-s Blatt. Mittwoch de« 26. September 150. Jahraaaa 1900 Erscheint täglich -------------------------------------22----L.
W Kreßewr AnzergerU
Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den C
folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. 1 J |P |T (T I Ä TT(XAlle Anzeigen-Bermittlungsstellen des In- und Ausländer
Abbestellungen spätestens abends vorher. vfLvTlTT V 1L 1V Lil V L nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.
V—Z £ 0 Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.
Aints- und Anzeigeblatt für den Aweis Giessen.


