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Samstag den 26. Mm
Drittes Blatt
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Fernsprecher Nr. 51.
Lnisxheu Grenzgebietes nach Südwesten ist diese Gefahr siir Marokko noch, erhöht worden. Beide Mächte haben
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Nachdem England vor etwa sechs Jahren fernen g-'scrndten Sir Ewan Smith, der bei seiner Anwesenheit am Sultanshofe in Fez in ernste Difsevenzen mit der mrokkanischen Regierung gekommen war, fallen gelassen ■int, zurückberufen hatte, ist der englische Einfluß rn Ma- - -----—l. England hat seitdem rn>
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Marokkos Widerstandskraft und die Mächte.
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Universität und Hochschule.
— Eine vielversprechende Einrichtung für die Studierenden der Technischen Hochschule in Charlottenburg hat die Wildenschaft ins Leben gerufen: eine AbteUung zur Förderung des Studiums. Dieselbe soll durch Sammlung von Zeichnungen und Plänen, durch Schaffung einer Bibliothek und einer Auskunftstelle, durch Ausleihung teurer Instrumente, durch Nachweis von Speziolltteratur das Studium erleichtern, indem fie nicht etwa eine sogen. „Eselsbrücke" für träge und unfähige Studierende schaffen, sondern das lediglich zeitraubende Aufsuchen von Material überflüssig machen und dm „Schnellbetrieb" auch für die Studierenden einführen will. Die Kommilitonm sollen dadurch Zeit gewinnen, sich mit allgemeinen Wiffenschastm (Nationalökonomie, Sprachen rc.) zu beschäftigen.
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Gerichtssaal.
— Ein sächsischer Gtandesherr wegen Widerstandes verurteilt. Aus Leipzig wird geschrieben: Am 31. Oktober v I. war der 27 Jahre alte Joachim Maria Joseph Franz Anton Alphony Graf von Schönburg-Vorderglauchau, Rittergutsbesitzer und erbliches Mitglied der sächsischen Ständekammer, nach Leipzig gekommen, um sich nach dem Besuch des Theaters inter poonla gütlich zu thun. Andern morgens früh 4 Uhr langte der Graf auf dem bayrischen Bahn- ßof an, wo er mit einem Schutzmann in Differenzen geriet. Er nannte ihn einen Flegel und belegte ihn mit noch anderen hier nicht wiederzugebenden Schimpfwortm. worauf der Schutzmann nach seinem Ramm fragte. Als der Graf ihm die Auskunft verweigerte, forderte er ihn auf, ihm nach der Revierwache zu folgen. Der anscheinend stark Angezechte ging auch ein Stück mit, blieb aber dann plötzlich stehen und schlug dem Schutzmann mit der Faust sehr heftig unter das Kinn. Nun zog der Schutzmann das Seitengewehr und machte den Exzedenten darauf aufmerksam, daß er eventuell davon Gebrauch machen würde. Endlich gelang es mit Hilfe eines Droschkenkuffchers, den Widerspenstigen nach der Wache zu bringen, wo er sich nach längerem Weigern schließlich legitimierte. Nach Hinterlegung einer Kaution von 30 Mk. konnte er vorläufig gehen, hatte sich aber am Samstag wegen Widerstands gegm die Staatsgewalt vor dem Landgericht zu verantworten, das ihn zu drei Wochen Gefängnis verurteilte. Mildernde Umstände wurden nicht zuerkannt, dagegen als straferschwerend in Betracht gezogen, daß der Widerstand erheblich war und einen thätlichen Angriff enthielt sowie daß der Bildungsgrad, das Alter und die soziale Stellung den Grafm verpflichteten, sich nicht in solcher Weise zu vergessen. Deshalb konnte nicht auf Geldstrafe erkannt werden. Der Graf erklärte, ihm sei jede wesentliche Erinnerung an jenen Vorgang entschwunden.
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Aus Stadt und Kand.
Laubach, 23. Mai. Zum 25jährigen Jubiläum des hiesigen Gymnasiums ist für den 2. August, abends, ein Fackelzug zu Ehren des Grafen mit nachträglicher geselliger Vereinigung vorgesehen. Das Programm für den eigentlichen Festtag, 3. August, lautet: Morgens Uhr Schulfeier im Gymnasium, offizielle Begrüßungen, Enthüllung eines von der Stadt Laubach gestifteten Gedenkbildes, nachmittags 7,2 Uhr Festtafel, Va5 Uhr Waldfest auf dem RamS- berg mit Aufführungen von Spielen seitens der Gymnasialschüler; abends 9 Uhr großer Kommers. Statt der geplanten Illumination ist das Abbrennen eines größeren Feuerwerks in Aussicht genommen. Samstag 4. August, vormittags, Ausflug in die Umgegend Laubachs. Das Erscheinen einer besonderen Festschrift ist vorgesehen, ebenso die Herstellung besonderer Festpostkarten.
Vermischtes.
* Der Ursprung des Ku s s e s. Der Kuß als Liebesäußerung ist eine verhältnismäßig; neue „Erfindung". Weder Homer noch Hesiod nennen den Kuß in unserem Sinne. Hektor küßt seine Andromache nicht, als er sich „ewig von[ ihr wenden will", Paris seine Helena nicht; Odysseus, der Vielgereiste und Vielgeliebte, hat weder bei der schönen Atlantide Kalypso noch bei der Zauberin Circe den Kuß gelernt, und bei seiner Heimkehr begrüßt er seine Gattin Penelope nur mit einer Umarmung ohne Kuß. Das Sanskrit und die Hieroglyphen haben keine Bezeichnung für den Kuß. Daß bei den Japanern der Kuß noch nicht üblich ist, ist bekannt. Cesare Lombroso, der Turiner Physiologe, führt das Küssen auf die Feuerländer zurück, bei denen es eine Art mütterlicher Sorgfalt für die junge' Braut war. Die Feuerländer kennen nicht den Gebrauch von Trinkgefäßen, sie legen sich zu dem Quell nieder und verschaffen sich den erfrischenden Trank, wenn sie ihn nicht Mit den Lippen erreichen können, mittels eines hohlen Halms, eines Rohrs, durch das sie das Wasser aufsaugen. Bei dieser Methode, Wasser zu schöpfen, müßten aber die kleinen Feuerländer, die noch im hilflosesten Kindesalter find, verdursten. Also nehmen die feuerländischen Mütter das Wasser in den Mund, und indem sie ihn auf das Mündchen ihrer Pfleglinge pressen, flößen sie ihnen den Trank ein. Das' ist ganz das Verfahren der Vögel, die ihren Kleinen in die aufgesperrten Schnäbel das Wasser gießen, das sie selbst mit ihren Schnäbeln aufgeschöpft haben. Aus diesem mütterlichen „Mund an Mund" hat sich die Uebung des Küssens entwickelt, die also eigentlich, nach Lombroso, ein Atavismus ist, eine Erinnerung an jene Urzeit der menschlichen Entwickelung, da „noch nicht das Weib über die Mutter, die Liebe über die Mutterschaft triumphiert hatte". Lombroso ist meist etwas kühn in seinen Schlüssen, aber diese Hypothese hat viel für sich. Die alten Römer erklärten freilich die Entstehung des Kusses anders. Sie meinten, der Kuß sei von Ehemännern erfunden worden, die sich durch die Berührung, der Lippen überzeugen wollten, ob die Frauen in der Abwesenheit ihrer Männer Wein getrunken hätten.
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Mteratur.
Das Verlagshaus „Vita", Berlin 50, veröffentlicht den ersten Band einer Eine Mark-Bibliothek, dessen erste und größte Erzählung, „Wilhelm der Eroberer" betitelt, eine rührende Liebesgeschichte ohne eine Spur von Sentimentalität bildet. Der lebensvoll geschilderte Schauplatz ist das völkerwimmelnde, sonnenverbrannte, von der Hungersnot und ihren Begleitern, der Cholera und Pest, gegeißelte Indien, für roelches das spontane Vorgehen unseres Kaisers gerade jetzt die höchste Teilnahme erweckt. Kipling ist als in Indien geborener und <auf- gewachsener Engländer Wohl der berufenste Schilderer der dortigen Zustände, der in der gesamten Schriftstellerwelt der Gegenwart zu finden wäre. Es ist ein glücklicher Gedanke, ein solches Buch gerade in diesem Augenblick und zu so billigem Preise in die Hände des Publikums zu legen.
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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neben ihren offiziellen Agenten Persönlichkeiten am Sultanshofe plaziert, die ihren Interessen dienen. Der Instrukteur der Sultanstruppen Kaid Maclean dient englischen Interessen, ein Franzose, der gleichzeitig diplomatischer Agent seiner Regierung ist, ist Leibarzt beim Sultan.
Welche Absichten Frankreich in Marokko hat, läßt sich vielleicht auch daraus erkennen, daß es den seitherigen stellvertretenden Genieral-Residenten von Tunis, also einen Kolonialbeamten, Revoil, zum Gesandten in Tanger ernannt hat. Revoil ist bereits Mitte April an Boro eines französischen .Kriegsschiffes in Tanger eingetroffen. Auch oer erste Sekretär der französischen Gesandtschaft, de la Martiniere, der bekannte Marokko-Forscher, war ftüher Kolonialbeamter in Algier.
-W Die französische Diplomatie hat in den letzten Beßren vielleicht den meisten Einfluß am Sultanshose ge- ™ weil fie verstanden hat, die maroNanische Regierung ii en fortlaufender, meist übertriebener Streitigkeiten der ItoWen längs 61« algerischen Grenze in beständiger Un- st-M halten. Durch die^uZlicht AusdehiNing bgri.
Auch sein weiterer Inhalt verdient alles Lob, denn^ während in der ersten Erzählung auf dem düsteren Hintergründe ein gesunde, herzensreine, sich im Opferdienst für die leidende Menschheit stärkende Liebe zum Siege gelangt, zeigt die zweite Erzählung „Mein Sonntag daheim" Kipling als von indischer Weltweisheit durchdrungenen, aber, wie Demokrit, lachenden Philosophen, der.trotzdem hier, wie in allen seinen Schriften, der Theorie der That huldigt. Die groteske, erschütternde Komik des Stoffes vereinigt sich mit der unvergleichlichen Stimmungspoesie des englischen Sommernachmittags zu einem Meisterwerk novellistischer Erzählungskunst, und die dritte Erzählung „Wie das Schiff sich selbst fand" könnte man wiederum als gerade für Deutschland von aktuellstem Interesse bezeichnen; gewissermaßen die Probe einer neuen Dichtungsart, des technischen Märchens. Das neuerbaute Schiff wird hier als ein Organismus empfunden, der, wie; ein lebendes Geschöpf nach der Geburt, erst die Herrschaft über seine einzelnen Organe durch die Uebung, hier in der Feuerprobe des Sturmes auf See, erwerben muß. Ein in unserer Marine wohlbekannter Fachmann bezeichnet diese Erzählung als der Wirklichkeit ausgezeichnet abgelauscht und hält derartige Erzählungen für wohl geeignet, um die Teilnahme des deutschen Volkes an der Schiffahrt zu heben. ____________
„Das Postbuch, Ratgeber für den Post- und Telegraphenverkehr" ist aus Anlaß der vielen Aenderungen in der Postordnung, den Tarifen usw. soeben unter Berück-- sichtigung der neuesten Bestimmungen neu herausgegeben worden. Das Merkchen, das in manchen Punkten eine Erweiterung erfahren hat, enthält u. a.: Versendungs- und Zoll-Vorschriften, Auszüge aus der Post-Ordnung, dem Post-Gesetz und dem Weltpost-Vertrag, Tarife aller Art für den In- und Auslands-Verkehr, Umrechnungstabellen für den ausländischen Poftanweisunasverkehr, Verzeichnis sämtlicher Reichspostanstalten, der deutschen Post- orte im Auslande, der wichtigeren Postorte in Baiern, Württemberg und Oesterreich-Ungarn (14000 Postorte) nebst einer Zonentabelle zur Berechnung des Packet- uns Geld-Brief-Portos nach jedem beliebigen Postorte; Telegraphen- und Fernsprechverkehr. Das Merkchen, das sich als zuverlässiger Ratgeber in den einschlägigen Fragen bestens bewährt hat, und dessen sorgsame Bearbeitung an» zuerken.nen ist, ist zu dem Preise von 90 Pf. an den Postschaltern erhältlich.
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Aus Fez, 6. Mai, wird der „Welt-Corr." geschrieben: Heute hier auf dem Landwege eingetroffeuen Nach-- richten zufolge dringen die Franzosen weiter gegen Marokko von Süden aus vor. Sie marschierten von Jnsalah aus in nordwestlicher Richtung unter Umgehüng des eigentlichen Tuat nach der marokkanischen Provinz Tafilat zu und sollen sich bereits drei Tagemärsche von Tafilat entfernt befinden. Die Stämme des Tafilat hüben sich ver-, eint, um den Franzosen bei weiterem Vordringen Wider- ftaitb zu leisten. Die dadurch geschaffene, für die Existenz Mo rokkos kritische Situation rechtfertigt es wohl, das Ver-, hältnis der gegenwärtigen marokkanischen Regierung zu; Len Mächten zu betrachten.
Der gegenwärtige Sultan Mulai Abdelazis folgte, ca. 17 Jahre alt, 1894 seinem Vater Mulai Hassan 'm der Regierung. Die Zügel der Regierung ergriff der Premierminister AchmedbenMusa, Bachmed genannt, her auch heute noch die Regierutztgsgewalt in Händen hat, uni) den Sultan Mulai Wbdelazis vollständig beherrscht. Bachmed ist rücksichtslos und geldgierig. In den letzten! Zähren hat er verschiedene Provinzen, in denen die Bewohner sich gegen oen Sultan erhoben hatten, vollständig zu Grunde gerichtet. Tausende von den unterjochten Revolutionären hüt er in die Gefangenschaft geschickt, wo dis meisten wegen Nahrungsmangel nach wenigen Monaten zu (grünte gingen. Die Kinder hat er als Sklaven verlausen lassen, und zwar auch weiße Araberkinder, die früher nie zu Sklaven gemacht wurden. Der Minister Bachmed bringt seine Rücksichtslosigkeit oft auch in den Beziehungen zu b-en beim Sultan beglaubigten diplomatischen Vertretern zum Ausdruck. Die Regierung des früheren Sultans Mulai Hassan war nach der allgemein heute herrschenden Ansicht in jeder Beziehung sympathischer.
Bachmeo hat sonach erreicht, daß er von den meisten Unterthanen gehaßt wird und wohl schwerlich die Sympathie eines Mitgliedes des diplomatischen Korps genießt.
So lähmt die innere Unzufriedenheit die Widerstandskraft des Landes. Dazu kommt, daß die Sultans-Armee sich nach deutschen Begriffen in einem bejammerns- werüen Zustande befindet. Ein stehendes Heer, das auf die verschiedenen Provinzen verteilt wäre, gießt es nicht. Zm Gefolge des Sultans sind beständig 10- bis 20 000 Lolidaten, denen sich auf Kriegszügen bis 20 000 Manst- beroaffneten Volkes anzuschließen pflegen. Die Truppen, i sind wenig diszipliniert und meist schlecht bewaffnet, feenri Martini- und Comblain-Gewehre alten Systems.) Eine einheitliche Uniform existiert nicht. Sechzigjährige Hamner marschieren neben fünfzehnjährigen Neulingen der L Mnz, der eine ist groß, der andere klein, der eine weiß, her -andere kaffeebraun oder schwarz. Das Bajonett pflegen . fie oben am Halse zwischen Macken und Jacke hineinzu- 1 [tecfen, weil sie kein Kvppelzeug haben, um das Bajonett mzuschuallen. Die Artillerie besteht aus dreißig bis trtn u. p-■ ■;_. vierzig teils veralteten, auf Maultieren transportablen ^eß;ir getanen en. Einige Kanonen größeren Kalibers sind IweflJL----— nur in den Hafenbatterien von Tanger und Rabet. Die
attiftt Flotte des Sultans besteht aus einem kleinen, ungeschützten
. “ Trotz der inneren Unzufriedenheit, der Unbotmäßigkeit
tiefer Stämme und des elenpen Zustandes des Heeres ij: Marokko doch nicht im Handumdrehen zu überwältigen. Zn einem Kriegsfälle mit einer europäischen Macht wurde Hütürlid) der religiöse Fanatismus entfacht, und mm nimmt an, daß daun die meisten Eingeborenen die Kissen ergreifen würden. Die bewaffnete Macht könnte m dieser Weise leicht auf über 100 000 Mann gebracht wer- &n, und die Nation, welche die Eroberung Marokkos be^ st’fdt, hätte schwere Opfer an Menschenleben und Geld W dringen, Ähnlich wie d's den Franzosen bei der Eroberung d^Wie ^steht ^es' nun mit den Verhältnissen der Mächte
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