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25.2.1900 Viertes Blatt
 
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M?» 47 Viertes Bürtt Somna- re« 25. Februar

1900

Gießener Anzeiger

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Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Hrtr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Setten» hause.n, Kreis Gießen.

Nachdem sich in dem AbstimmungS - Termin vom 2 ). November vor. IS. 68 Grundeigentümer, welche mit 8'6,8220 Hektar Fläche beteiligt sind, gegen die Feld- b'iUtinigung der Gemarkung Bettenhausen erklärt haben, -ährend im ganzen 229 Grundeigentümer mit 416,1113 Hektar Fläche an dem Unternehmen beteiligt sind, hiernach aifo mehr als die nach Art. 6 des Feldbereinigungsgesetzes i chrderliche Mehrheit für die rubr. Feldbereinigung vor- bcinbcn ist, und nachdem innerhalb der gesetzlichen Frist ' «ve Einwendungen gegen die Zulässigkeit, bezw. Rechts- bnifdnbigteit des Abstimmungsergebnisses erhoben worden ftunb, hat die Großherzogliche Obere landwirtschaftliche Be- hchtde den Beginn der Feldbereinigungsarbeiten angeordnet nab den Unterzeichneten zum Bereinigungskommissär ernannt.

Indem ich dies zur öffentlichen Kenntnis bringe, lade io- in Gemäßheit des Art. 16 des Gesetzes vom 28. Sep- twtaiber 1887 die sämtlichen beteiligten Grundbesitzer zu e in« am

Dienstag dem 20. März 1900, vormittags 11 Uhr,

iikr Gemeindehause zu Bettenhausen stattfindenden Versammlung ein.

Diese Versammlung hat:

1. darüber zu beschließen, ob die im Grund-(Flur-) Buch enthaltenen Größenangaben, oder ob die durch eine Vermessung zu ermittelnden Flächen« gehalte der Bereinigung zu Grunde zu legen find;

2. zu bestimmen, wie die Bereinigungskosten auf­gebracht werden sollen, ob durch Ausschlag auf den Flächengehalt, oder den Abschätzungswert der Grund« stücke, oder durch Bildung und Verkauf von Massen­grundstücken, sowie ferner, ob die Beiträge nach Bedürfnis erhoben, oder ob die Kosten durch Kapital­aufnahme aufgebracht werden sollen;

3. die zur Vollzugskommission zu berufenden Sach­verständigen und deren Stellvertreter, sowie ein Mitglied des Schiedsgerichts und dessen Stell­vertreter zu wählen.

Außerdem können Wünsche und Anträge seitens der Mttriligten vorgebracht und beraten werden.

In dieser Versammlung hat ein jeder anwesende, be­te kligte Grundeigentümer eine Stimme; die Beschlüsse er- foiritin zu ihrer Gütigkeit eine Mehrheit von Zweidritt- te-tltn der Anwesenden, und sind unter dieser Voraussetzung atidi für bie. nichterschienenen Beteiligten verbindlich.

Kommen gütige Beschlüsse nicht zu stände, so hat yi 1. durch Vermessung der Grundstücke die Ermittelung des Flächengehaltes derselben zu erfolgen,

z« 2. die Vollzugskommission die erforderlichen Beschlüsse zu fassen,

}U 3. die Großherzogliche Obere landwirtschaftliche Be­hörde die Sachverständigen und Schiedsrichter zu ernennen.

Friedberg, 17. Februar 1900.

Der Großherzogliche Bereinigungskommissär: S ü f f e rt, Negierungsrat.

Kolrales und Nrsviryielles.

Anonyme Einsendungen, gleichviel welchen Inhaltes, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)

Gießen, den 22. Februar 1900.

* GeschichtSkalender. (Nachdruck verboten.) Bor 266 Jahren, ett 25. Februar 1634, wurde zu Eger der Felomarfchall und Gene- ravisfimus der Kaiserlichen Hecre, Eusebius von Wallenstein, wi btm Irländer Buttler und einigen Mitoerschworenen ermordet. DB zu seiner Ermordung wirklicher Verrat gegen seinen Herrn und Karl« Anlaß gegeben, bleibt auch nach den neuesten Forschungen ein» off.ne Flage. Er wurde am 14. September 1583 zu Hermanic iu Löhmen geboren. , _ ,

- Vor 98 Jahren, am 26. Februar 1802, wurde zu Besanron de» hervorragende französische Dichter Viktor Hugo geboren, das H«cht der französischen Romanttler. Er wird von fernen LandS- km:tn al8 der größte und universellste Dichter Frankreichs angesehen, unti vnstnnltcht die vollkommenste Form deS Franzosen deS 19 Jahr- humimtS. Viktor Hugo starb in Parts am 22. Mat 1885.

. " Prüfung««Resultats Sei" der Prüfung für Eünjährig - Freiwillige zu Darmstadt haben die Sortier aus dem Institut deS Herrn Dr. Kübel dahier

bestanden. Es verdient auch bemerkt zn werden, daß das Institut seit vielen Jahren ununterbrochen junge Leute für MaturitätS-Prüsungen des In- und Auslandes vor­bereitet. Bis jetzt war kein einziges ungünstiges Resultat zu verzeichnen.

x x Grebenau, 22. Februar. Auch in der hiesigen Oberförsterei wurden bei der am 14. d. Mts. bei Reimen­rod abgehaltenen Stammholzversteigerung die höchsten Preise erzielt. Der Festmeter kam auf 25 bis 30 Mark. Auswärtige Holzhändler, die sich hier immer zahlreich einzu­finden pflegen, trieben die Preise in die Höhe. Die Sammlung für die hiesige Kirchenheizung soll, wie wir hören, den Betrag von 200 Mark nahezu erreicht haben. Hoffentlich finden sich in unserer recht kirchlichen Pfarrei, zu der außer Grebenau noch fünf Filiale gehören, noch recht viele fröhliche Geber auch größere Geldspenden werden gern angenommen damit wir schon im nächsten Winter die Wohlthat einer geheizten Kirche genießen können. Der Reinertrag der hiesigen Molkerei belief sich im Jahre 1899 auf ungefähr 5000 Mark.

0 Frankenberg (Hessen), 22. Februar. Leider hat der nun bald zu Ende gehende Bahnbau noch ein Menschenleben gefordert. Der als tüchtiger Arbeiter geachtete Johs. Zarges aus Geismar war am Goßberg mit dem Brechen von Steinen beschäftigt, welche zum Ausfüllen des Schienen- gelags dienen sollen, als sich unerwartet eine Felswand löste und den Mann mit in die Tiefe zog. Hierbei erhielt derselbe am Körper sehr schwere Verletzungen, daß er als­bald denselben erlag. Die Leiche wurde gestern abend noch nach Geismar übergeführt. Der Verunglückte ist noch nicht 40 Jahre alt, und hinterläßt eine Frau mit vier unmün­digen Kindern. Ein Trost für die unglückliche Familie ist die Wirkung des Unfallversicherungsgesetzes, wonach dieselbe eine recht beträchtliche Unterstützung erhält.

Darmstadt, 23. Februar. Seine Königl. Hoheit der Großherzog, welcher bekanntlich seit einigen Wochen mit seiner Familie auf der Insel Capri (Italien) weilt und daselbst auf drei Monate eine Wohnung gemietet hat, wird seinen Aufenthalt daselbst unterbrechen und am 23. März auf kurze Zeit hierher zurückkehren, um wichtige Regierungs­geschäfte zu erledigen; u. a. wird er bestimmt an der Ein­weihungsfeier der Wormser Brücke teilnehmen; Se. Königl. Hoheit wird anfangs April wieder nach Capri zu seiner Familie bis zur gemeinsamen Rückreise (Mitte April) zurück­kehren. Wie bestimmt verlautet, war vor der Abreise bet Großherzogl. Familie noch eine Zusammenkunft mit bem von seiner Weltreise zurückkehrenben kaiserlichen Schwager, bem Prinzen Heinrich von Preußen beabsichtigt, doch waren die gegenseitigen Reisedispositionen so definitiv festgelegt, daß die darüber wiederholt gepflogenen tele­graphischen Verhandlungen zu keinem Resultate führten. Die Zusammenkunft^soll nun noch vor Ostern, bald nach der Rückkehr der Großherzoglichen Familie aus Italien, stattfinden.

8. Darmstadt, 22. Februar. Gardist Gölz von der 6. Kompagnie des 1. Großh. Hess. Infanterie (Leibgarde-) Regiments Nr. 115, gebürtig aus Ginsheim a. Rh., welcher sich schon am 20. ds. Mts. von seiner Kompagnie heimlich entfernt hatte, wurde heute nachmittag im Woog als Leiche gelänget. Anscheinend hat Furcht vor Strafe den­selben in den Tod getrieben. Bereits wiederholt wegen Diebstahls vorbestraft, sah er abermals wegen des gleichen Deliktes einer Bestrafung entgegen, und da er von Hause aus gut situiert ist, gewinnt es den Anschein, daß er an Kleptomanie gelitten hat.

Vermischtes.

Stettin, 22. Februar. Eine Ballonfahrt über das Stettiner Haff. Am Montag um 10 Uhr vormittags war vom Uebungsplatze der Milttärluftschiffer- Abteilung in Schöneberg aus ein Ballon des deutschen Vereins zur Förderung der Luflschiffahrt bei anhaltendem Regenwetter aufgelaffen worden. Die Stadt wurde in der Richtung über Den Leipziger Platz und das Königliche Schloß in etwa 200 Meter Höhe überflogen. Gegen 11 Uhr wurde der Finowkanal erblickt, dann ging in den Wolken bie Sicht ber Erbe wieder verloren. Um 121/i Uhr kam bie Erde wieder in Sicht und zwar Ückermünde und bas Stettiner Haff. Bei dem noch großen Ballastvorrat stand bem Ueberfliegen beö Haffs kein Bedenken entgegen. Während beS Falles ging die nördliche Fahrtrichtung in eine nordöstliche über. DaS Ueberfliegen des HaffS erfolgte

am Schleppseile, meist dicht bis auf 20 Meter über dem Eise. Die glatte Landung erfolgte, wie beasichtigt, auf der Insel Kaseburg zwischen Usedom und Wollin. Die Fahrtgeschwindigkeit betrug 70 bis 80 Kilometer in der Stunde. Die Temperaturänderungen in der Höhe waren nur sehr gering. Die Wolken waren anfangs Schneewolken und nahezu 2000 Meter dick. Der Ballon schwamm meist in der Wolkendecke und wurde durch den Einfluß der Sonne völlig getrocknet.

London, 22. Februar. Das eigenwillige Millionärstöchterlein. Wie vor einiger Zeit schon mitgeteilt wurde, hatte sich die bereits lange in England lebende New Aorker Millionenerbin May Goelet in einen flotten, aber mittellosen Offizier verliebt und dem jungen Mann, der sich der vielbegehrten Amerikanerin garnicht zu nähern wagte, ihre Neigung auch deutlich zu erkennen ge­geben. Den Vorstellungen ihrer Mutter und dem leisen Spott ihren vornehmen Bekannten trotzend, erklärte die Schöne, daß für sie nur dieser eine existiere, und wenn sie den nicht bekomme, würde sie überhaupt nicht heiraten. Mrs. Ogdan Goelet gab, als sie erkannte, daß gegen den Starrsinn ihrer Tochter nichts auszurichten war, endlich nach, hoffte im stillen aber immer, May würde mit der Zeit zur Vernunft kommen und einen ihren Reichtum wenigstens mit einer Earlkrone aufwiegenden Freier bevor­zugen. Der junge Offizier, Kapitän Keith Fraser, mußte dann in den Krieg und die Mutter sowie die Schar der neiderfüllten unbegünstigten Bewerber atmeten erleichtert auf. Inzwischen näherte sich ber bezauberten Erbin eine Anzahl ber bekanntesten britischen Aristokraten, barunter einemon dit zufolge Fürst Francois of Teck, Earl von Shaftesbury, Herzog von Roxburghe, Herzog v. Manchester, Lorb Crichton unb Kapitän Oswalb AmeS, ber größte und schönste Offizier ber englischen Armee. Alle erhielten einen Korb, unb bem jungen Crichton, der sich garnicht abweisen laffen wollte, sagte Miß Goelet, er solle nach Südafrika gehen und sich das Viktoriakreuz holen, bann würbe sie ihn heiraten. Der eble Lorb that, wie ihm geheißen und sitzt jetzt in Labysmith eingeschloffen. Vor kurzem kehrte nun Kapitän Fraser als Rekonvalescent nach einer schweren Verwunbung heim unb würbe von ber treuen Ge­liebten mit offenen Armen empfangen. Mutter unb Tochter haben sich biefer Tage in Begleitung bes tapferen Kriegers nach Paris begeben, wo bas stattliche Brautpaar ben Gegenstand bes allgemeinen Interesses bilbet. Miß Goelet hat bas beneibenswerte Einkommen von fünf Millionen Dollars (20,000,000 Mk.) jährlich unb empfängt bei ihrer Verheiratung bas ihr vom Vater hinterlassene Vermögen von 20 Millionen Dollars. Mrs. Goelet wirb, sobalb ihre Tochter ben eigenen Hansstanb gegründet hat, eine zweite Ehe mit Oberst Douglas Lawson eingehen.

Aus dem Geschäftsleven.

Ein bedeutender und raffinierter Eiubruchsdiebstahl wurde in der Nacht vom Sonntag dem 18. aus Montag den 19. d.^M. bei der Firma Feibusch & Preuß, Manufaktur« und Seidenwarengeschäft, Leipzigerstraße 90, Ecke Margrasenstraße zu Berlin verübt. Die Ftrmen- inhaber schätzen den ihnen durch diesen schweren Die"stahl zugefügten Schaden auf über Mk. 2000-; in Seidenwaren, welche die Diebe mit großer Sachkenntnis auszuwählen verstanden. Mit welchem Raffinement die Diebe zu Werke gingen, beweist nachstehender Vorgang: Zu den Kellereien führt vom Flur aus eine unter der Treppe liegende Ein- gangsthur, welche mit einem gewöhnlichen Schloß versehen ist. Nachdem die Diebe diese Thür mit Nachschlüssel geöffnet hatten, drangen sic in einen unter den Geschäftsräumlichleiten der Firma liegenden Privat­keller und sind von dort durch die Decke in den Laden gedrungen. Zu diesem Zwecke haben die Diebe in dem nicht ganz mannshohen Keller die zwischen den Balken liegenden Holzbefestigungen ausgeschnitten, die zwischen diesen Befestigungen und den Ladendielen bestehende Zwischen­lage von Mörtel und Schutt beseitigt und sodann von den Ladendielen soviel Holz herausgemeiselt, um eine Oeffnung zu erhalten, durch welche ein schlanker Mensch bequem durchschlüpsen und in den Laden gelangen konnte. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist nun einer der Diebe durch diese Oeffnung in den Laden gestiegen und hat dem oder den im Keller befindlichen Komplizen die Kuponstücke der vorhandenen Seideuwaren heruntergereicht Das große Regal, welches bie Seidenstoffe enthält, ist zu dreiviertel von den Dieben ausgeraubt worden und haben die­selben mit richtiger Sachkenntnis die schwersten Seidenstoffe entwendet unb bie leichten unb billigen Stoffe zurückgelassen. Einem Bäckergesellen, welcher morgens 7 Uhr Backwaren in bas Haus abzuliefern hatte, be­gegneten zwei Männer im Hausflur unb sah betreibe, wie biefe einen Handwagen herbeifuhren unb ihn mit einer Kiste unb zwei Säcken be- luben. Mißtrauisch gemacht benachrichtigte berselbe einen in einer nahe gelegenen Straße postierten Schutzmann, welcher bie Verfolgung ber Diebe sofort aufnahm, leiber aber ohne Erfolg, da bie Diebe inzwischen spurlos verschwunden waren. Die geschäbigte Firma ist bei ber Frankfurter Transport«, Unfall- unb Glasverstcherungs-Aktien-Gesell- schaft in Frankfurt a. M." versichert unb erhält ben entftanbenen Schaben voll vergütet.