Ausgabe 
25.1.1900 Zweites Blatt
 
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von Mainz findet, wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse eintreten, am 19. März am JosephStag statt.

Im Anschluß an die Nachricht von der beabsichtigten Niederlegung der nordwestlichen Umwallung der hiesigen Festung wird neuerdings in hiesigen Blättern mitqeteilt daß das Kriegsministerium in Berlin bereit sei, auch die ganze übrige Umwallung fallen zu lassen und der Stadt auf deren Wunsch das freiwerdende Terrain zu ver­kaufen. Obwohl letztere Nachricht noch sehr der Bestätig­ung bedarf, werden jetzt schon Stimmen laut, die entschieden davon abraten, daß sich die Stadt auf weitere große Ter­rainkäufe einlasse. Neben finanziellen Gründen wird die Entwertung des Grundbesitzes in der Altstadt gegen den Ankauf des gesamten Festungsterrains geltend gemacht. In dem nahen Oberolmer Wald wurde verflossene Nacht der begüterte Weinhändler Schnorrenberger von Essen­heim von einem Jagdhüter erschossen. Schnorrenberger wurde mit zwei Genossen bei dem Wildern getroffen und gab einen fehlgegangenen Schuß nach dem Jagdhüter ab, welchen der letztere mit der rötlichen Kugel erwiderte.

Wiesbaden, 23. Januar. Der König der Belgier war heute einige Stunden hier, um den Professor Pagenstcher zu konsultieren.

Oberems, 24. Januar. Der in Bockenheim in Garnison stehende Husar Martin von hier war am 7. d. M. deser­tiert. Derselbe hat sich vor einigen Tagen dem Bezirks­kommando in Dietenhofen gestellt. Martin war von einem englischen Werber in Mainz angeworben worden, um gegen die Buren zu kämpfen. Auf einer Station im Großherzogtum Luxemburg kam ihnen die Polizei auf den Nacken und der Engländer ließ Martin einfach sitzen. Aller Barmittel entblößt, wandte sich nun M. wieder über die Grenze zurück und stellte sich den Behörden. Er wurde gestern nach Frankfurt transportiert und sieht nun seiner Bestrafung entgegen.

Köln, 23. Januar. Gestern wurde ein Offizier des 65. Infanterieregiments erschossen in seiner in Mül­heim a. Rh. befindlichen Wohnung aufgefunden. Der Grund des Selbstmordes ist unbekannt. ,

Aus -em Geschäftsleben.

nn. Darmstadt, 23. Januar. Vor der hiesigen Strafkammer wurde heute unter großem Andrang des Publikums über den im No­vember v. I. stattgefundenen Einbruch in das Gebäude der früheren Münze, in dem sich eben das Steuer-Erhebungsamt und das Steuer-Kommissariat befindet, verhandelt. Der That angeklagt ist der 35jährige seither unbescholtene Schlosser und Techniker Ludwig Müller von Darmstadt, der Sohn achtbarer Eltern. Die Sache war im Publikum damals etwas aufgebauscht worden, denn nach der heutigen Verhandlung erscheint sie in einem etwas milderen Lichte. Nach seinem eigenen Geständnis wollte Müller an dem fraglichen Nachmittage einen Wechsel von seinem Vater bei Bankier Neustadt diskontieren, was von diesem aber abgelehnt wurde. Nun erwachte die Wut in ihm und er begab sich in eine Anzahl Wirtschaften, wo er sich einen Rausch an­trank. Nachts nach 12 Uhr führte ihn sein Weg an der Münze vorüber und er beschloß dem Steuer-Kommissariat einen Besuch zu machen. Er

stieg über die Gartenmauer, kletterte auf eine Gartenhütte und brach dort die Wetterfahne ab. Sodann drang er durch Eindrücken eines Fensters in die Bureauräume des Steuer-Kommissärs und begann dort eine wahre Zerstörung an den daselbst befindlichen Akten und Urkunden. Zunächst nahni er sämtliche Tintenfässer und goß die Tinte in die Grund- Bücher und Steuerlisten und nahm die Behälter der vorhandenen acht Petroleumlampen und schüttete es in die Akten, die er auch teilweise zerriß. Auch den Schreibpulten ließ er eine Portion Wasser zukommen. Nach den Feststellungen des Herrn Steuerrat Kritzler ist der Schaden für den Staat ein ganz bedeutender. Geld, oder Geldesmert wurde von Müller nicht genommen. Als er Lärm hörte, ging er flüchtig, wurde aber von zwei Beamten des Steuer-Kommissariats, die nebenan schli-fen, verfolgt und festgenommen. Reumütig gesteht der Angeklagte seine That zu. Er will sich unter derselben nur einen Studentenstreich gedacht haben. Das Gericht hatte den Angeklagten auf seinen Geisteszustand prüfen lassen und der Kreisarzt Dr. Rebel konnte denselben als normal bezeichnen. Staatsanwalt Müller beantragte wegen Sachbeschädigung eine Gefängniästrase von 7 Monaten. Nach kurzer Beratung des Ge­richtshofs erkannte derselbe auf 6 Monate Gefängnis unter Aufrechnung von 3 Monat Untersuchungshaft und Tragung sämtlicher Kosten. Der Verhaftbef.hl wurde aufgehoben und Müller sofort in Freiheit gesetzt.

Wetterbericht. Die ganze Nordhälfte des Erd­teils ist von einer ausgedehnten Depression bedeckt, welche ein sehr tiefes Zentrum an der mittleren Westküste Skan­dinaviens aufweist. Vou demselben aus erstreckt sich nie­derer Druck furchenartig südwärts bis zum Mittelmeer­gebiete, über dessen östlichen Teile sich ein sekundäres Minimum befindet. Vou Südwesten ragt ein barometrisches Maximum nach dem Kontinent herein und zieht sich von ihm aus ein schmaler Keil den Nordrand der Alpen entlang bis gegen den Bodensee. Ebenso ist über den unteren Donauländern-der Rand eines zweiten .Hochdruckgebietes er­kennbar. Das Wetter ist in Süddeutschland trüb und meistenorts regnerisch, aber für die Jahreszeit sehr mild.

Voraussichtliche Witterung: Fortdauernd unbeständiges Wetter mit zeitweisen Niederschlägen.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Frankfurter Börse vom 83. Januar.

Wechsel auf New-York zu 4,21-22.

Prämien auf Kredit per ult. Januar 0.80%, do. per ult. Februar 2.%, Diskonto Kommandit per ult. Jan. 0.75%, do. per. ult. Februar 1.96%, Lombarden per ult. Jan. 0.45/v, do. per ult. Febr. 0,80%.

Notierungen: Kreditaktien 234 00-00, Diskonto-Komman- dit 103.70-194, Staatsbahn 136.80, Gotthard 141.60, Lombarden 27.80-00-00, Ungar. Goldrente 99.40. Italiener 94.10, 3proz. Mexi­kaner 2 6.40-00, Oesterr. Coupons 84%, Amerik. Coupons 4.19%, Privat-Diskont 4*/i«°/o Ö.

1% bis 2% Uhr: Kredit 234.00, Diskonto 194 00-193.80. Staatsbahn 136.80, Lombarden 27 80.

Schisssnachrichten.

Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agent-rr -Lerl L00S und I. M. Schulhof.

Bremen, 22. Januar. sPer transatlantischen Telegraph. Der Postdampfer Gera, Kapitän O. Volger, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist vorgestern 4 Uhr nachmittags wohlbehalten in New-York angekommen.

Für die Duren sind bei der ttnUt3eldmdtn LrtSpruppe weiter eingegangeur Von derBurenkolonie Gießen" <Hotel Schütz) 61 Mk.; vom Männer Gesang-VereinEintracht", Groß.n-Buseck, bei dessen Stiftungsfiste gesammelte 31,42 Mk. Zusammen 985,04 Mk.

Die Ortsgruppe Gießen des Alldeutschen Verbandes.

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Ueber den Kohlenverbrauch der großen transatlandischen Dampfer gehen die Ansichten ost weit auseinander. Es wird daher für unsere Leser interesiant sein, einige zuverlässige Angaben über diese Frage zu erhalten. Ein gewöhnlicher Frachtdampfer von etwa 3000 Register- Tonnen Größe gebraucht in der Regel etwa ca. 20 Tonnen innerhalb 24 Stunden, ganz anders stellt sich dagegen der Kohlenverbrauch der modernen transatlantischen Schnelldampfer, da dieser mit der höheren Maschinenstärke in außerordentlichem Maße zunimmt. Der Schnell» dampfir des Norddeutschen LloydKaiser Wilh'lm der Große", ein Dampfer von 28,000 Pferdekräften, hat einen täglichen Kohlenverbrauch von 500 Tonnen ä 20 Centner 10,000 Centner.

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Bei Todesfällen

übernimmt die Buchdruckerei des Giessener Anzeigers, Schulstrasse 7, die schnellste Anfertigung von Trauer­briefen und Danksagungskarten, welche auf Wunsch couvertirt geliefert werden.

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übertrifft trotz billigeren Preises an Nlhrkraft und Wohlgeschmack die Liebigsohen Extracte und ist in allen besseren Drogen-, Delicatessen- und Colonialwaaren-Handlungen zu haben.

Bekanntmachung,

bett.: die Heichelheim'sche Stiftung.

Aus obiger Stiftung sind am 27. April d. I. die halbiährigen Zinsen mit 525 Mk. an eir.e in Gießen wohnhafte würdige und bedürftige christliche Familie oder Person zu vergeben. Anmrldungen werden von heute an bis 20. Februar d. I. auf dem Bureau de» Armenamtes Zimmer Nr. 2 entgegengenommen.

Gießen, den 20. Januar 1900.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

_______________________I. V.: Wolff.______________________619

Submisfiliug-Dttkiiuf bereits gefällte« Hohes.

Das nachstehende, im laufenden Winter gefällte Bau- und Nutzholz soll auf dem Wege der Submission verkauft werden und sind Gebote in verschloffenen und portofreien Schreiben mit der AufschriftHolzsubmission" bis spätestens den 5. Februar 1900 bei der unterzeichneten Großh. Bürger« meisteret Lich einzureichen. Später eingereichte Gebote bleiben unberücksichtigt.

Die Eröffnung der emgelaufenen Schreiben erfolgt am folgenden Tage, d. h. am 6. Februar 1900, vormittags 10 Vs Uhr, auf dem Bürger- meisterei-Bürcau in Lich in Gegenwart der etwa erschienenen Bieter.

Die Gebote sind getrennt nach Waldeigentümer, Holzart und Sorti­ment pro Raummeter und Fesimeter emzureichen und zwar ohne jeden Vorbehalt. Die allgemeinen Verkaufsbedingungen, denen sich die Käufer stillschweigend zu unterwerfen haben, sind bei den betreffenden Waldeigen- tümern einzusehen oder gegen 70 Pfg. in Briefmarken bei uns zu beziehen.

Das Holz wird auf Wunsch im Walde vorgezeigt nach vorheriger Anmeldung bei den unter Ord.-Nr. 1 bi» 5 angeführten gleichnamigen Großh. Bürgermeistereien.

1 Ord.-Nr. 1

Waldeigentümer

Eichen-

Fickten-

Kiefern-

yumuuwvu

Hambuch. Rollen

| Buchenstämme I

Birkenstämme

Linden

I Elsbeer

Schnittholz

Schwellenholz

Grubenholz

o S" E e ID

Bauholz

Schnittholz

Bauholz

Grubenholz

1.

Gemeinde Lick

a) Bezirk Vorderwald

150

1301130

Fe

85

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ii e t

er.

15

0 24

.

_

b) Hinterwald

5

60,250

100

150

40

160

8

3

2

2

c) Großhäuserberg

40

30 100

8

2

9

Gemeinde Langsdorf

5

212

80

40 1

0

3

, Birklar

18

8

3 -

4

Muschenheim

10

80

25-

5

Nieder-Bessingen

16

100

4

.Auf das unter 1 a b unb c verzeichnete Gehölz kann getrennt für jeden

Bezirk emgereicht werden. 606

Lich, den 20. Januar 1800.

I. A.:

Großherzogliche Bürgermeisterei Lich.

Heller.

Städtischer Arbeitsnachweis Gießen

Garteuftrahe 2.

«»gebot der Urbeitnehmrrr 1 Maschinist, geprüfter Heizer, 1 Bau- schlofser, 1 Wagner, 1 Schuhmacher, 1 landwirtschaftlicher Arbeiter, 1 Taglöhner, 1 jüngerer Kellner, 1 Hausbmsche, 1 Schreibgehilfe.

Nachfrage der Arbeitgeber r 1 Messerschmied, 1 Wagner, einige Bau­schlosser, 2 Schuhmacher, 1 Bauschreiner, 2 Hausburschen, 1 Fuhr knecht für Land- wirlschaft und Müllerei, 1 Sattler, 2 Schreiner-, 1 Schirmmacher-Lehrling, sämtlich gegen Bezahlung, 6 Dienstmädchen für Kücke und Hausarbeit.

Zur Verdingung der Lieferungen von 62 cbm Holz, 16000 kg russischen oder amerikanischen Petroleums, Dochtbandes, Haar- und Piaffavabesen, Schrubbern, Borstwischen, Soda, Seife, der Geschirre von Steingut, Fayence und Glas und der Steinkohlen-Anfuhr für das Rech­nungsjahr 1900 findet Donnerstag den 1. Februar d. IS, vormittags 10 Uhr, im Geschäftszimmer der unterzeichneten Verwaltung ein öffentlicher Termin statt. Die Bedingungen liegen an der bezeich­neten Stelle zur Einsicht aus. 491 Garnisonverwaltung in Gießen.

WWWWk,

Hotzversteigerung

im Gießener Ztadtnrntd.

Montag den 29. Januar, vormittags 9/2 Uhr beginnend, sollen in den Waldungen der Stadt Gießen, Distrikt Feruewald, versteigert werden:

254 Kiefern und Fichtenstämme mit 127,76 fm,

8685 Kiefern- und Fichtenstangen mit 261,37 fm (für Sparren, Weißbinder«, Spalier- und Bohnenstangen geeignet),

1 rm Eichen Scheitholz,

9 Nadel-Scheitholz,

6 Eichen Knüppelholz,

60 Nadel-Stockholz, 5620 Wellen Nadel-Reisig.

Die Zusammenkunft ist auf der alten Laubacherstraße on der Haupt, schneise.

Gießen, 22. Januar 1900.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

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Carl Puth, Malburgerstr. 24.