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24.11.1900 Zweites Blatt
 
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m. Z76 Zweites Blatt

Samstag den 24. November

15V. Jahrgang

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Henerat-Anzeiger

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Fchnlstratze Nr. 7.

Gratisveilagen: Gießener FamMenblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde.

Die Buren erlitten am 18. ds. eine Niederlage bei Barberspan; Kommandant Brand wurde verwundet. Die LancierS machten eine Attacke auf die fliehenden Buren, die durch Granatfeuer von den Hügeln vertrieben wurden. Ihre Verluste waren groß. (Es handelt sich um ein Gefecht, daS nach Roberts' Meldung am 19. November Oberst White beim AaSvogelkoP hatte. Barberspan und Aasvogelkop liegen 40 Kilometer nordwestlich von Bloem­fontein.) Bei Cradock wird zum Schutze von Bloem­fontein ein neues Fort gebaut.

Laut Bericht Hunters wurde ein aus 11 Mann bestehender englischer Polizeiposten in Staydonsdam am 16. angegriffen und mußte sich nach tapferer Verteidigung ergeben, wobei drei Mann der Polizeitruppe fielen. Die Ueberlebenden wurden später von den Buren wieder frei- gelaffen. Gleichzeitig griffen die Buren ein größeres Lager an, worin sich 100 Polizeimannschaften befanden und be­schossen es heftig. Die Aufforderung sich zu ergeben ließ die Polizeitruppe unbeachtet. Später zogen sich die Buren zurück. Auf englischer Seite sind 2 Manu tot, während die Buren, wie Eingeborene erzählen, 6 Tote und 10 Ver­wundete hatten. Lyttleton berichtet, daß eine Außen- ftellung südwestlich von Balmoral am 19. von den Buren überrascht wurde. Nach den bisher vorliegenden Meldungen wurden 6 Mann getötet, 5 verwundet, 1 Offi­zier und 30 Mann gefangen. Die Position wurde später von den Engländern wieder erobert, wobei 4 Buren ge­fangen und außerdem 5 schwerverwundete Buren vor­gefunden wurden.

Daily Telegraph" veröffentlicht eine von amtlicher Stelle herrührende Meldung, wonach Roberts am Sonn­tag mit dem Pferde stürzte, jedoch unverletzt blieb, obwohl er durch den Sturz etwas angegriffen ist. Er er­ledigte seine gewohnten Dieustgeschäfte. Gleich nach dem Vorfall teilte Lord Roberts dem Kriegsminister telegraphisch mit, er verspüre keinerlei Beschwerden infolge des Sturzes.

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Buren und Engländer.

Dem Krü g er-Empfange in der südfranzöfischen Hafen­stadt Marseille hat man in London mit beträchtlichem Unbehagen entgegengesehen, und man vernahm mit einer Erleichterung, die hart an Schadenfreude streifte, daß ein arges Unwetter die Feierlichkeiten gestört hat. Frickie El off, der Enkel und Sekretär des Präsidenten, der bis Dschibuti mit seinem Großvater an Bord derGelderland" gereist war, war bekanntlich 24 Stunden früher als das niederländische Kriegsschiff in Marseille eingetroffen. Er fiel einem Reporter derDaily Expreß" in die Hände und erklärte, sein Großvater komme nach Europa, um durch das Eingreifen der Mächte einen ehrenvollen Frieden zu erreichen.

Telegramm des Gießener Anzeigers.

Peking, 23. November. Als Feldmarschall Graf Waldersee am Dienstag die Besuche d-s Vizekönigs Li-Hung-Tschang und des Prinzen Tsching erwiderte, drückten beide chinesische (Staatsmänner ihre Hoffnung auf einen baldigen Friedensschluß aus. An der 5and einer Landkarte soll ihnen gezeigt worden sein, daß in Anbetracht der Größe des Distrikts, den die Verbündeten besetzt haben, die chinesischen Truppen auf keinen Erfolg mehr rechnen können. Bei ihrem Besuch rm lkaiserpalast hätten die beiden Unterhändler gebeten, daß ihre Depeschen an den Kaiser von China fter durch- gelasfen würden. Der Feldmarschall sagte dies zu unter ter Bedingung, daß die Depeschen ihm vorher unter­breitet würden, was den Chinesen wenig zu gefallen schien. Km Dienstag berührte Li-Hung-Tschang dasselbe Thema, chne aber eine andere Antwort zu erhalten.

Telegramme des Gießener Anzeigers.

London, 23. November. Krügers großartiger Em- pfang seitens der französischen Bevölkerung steht trotz aller angenommenen Gleichgiltigkeit im Vordergründe des In­teresses. Sämtliche Blätter bringen spaltenlange Berichte. »Die Erbitterung ist hier im Wachsen. Namentlich werden die Angriffe auf die englische Nation in Krügers Rede als eine Verletzung der Neutralität erklärt, welche die Regierung der Republik nicht hätte dulden dürfen.

London, 23. November.Manchester Guardi" stellt fest, daß die Nachrichten aus Südafrika täglich schlimmer lauten. Der Kriegsschauplatz gewinnt mit jedem Tag an Ausdehnung. Das Ergebnis der früheren Siege ist durch die jüngsten Ereignisse vernichtet. Die Anwerbung von Rekruten bleibt ergebnislos. Die Kolonialtruppen weigern sich, weiter Dienste in der englischen Armee zu nehmen. Die beabsichtigte Verstärkung des südafrikanischen Heeres um 10000 Manu g lt als unzureichend, das Ende des Krieges herbeizuführen.

London, 23. November. Wie von Eingeborenen ver­laut, haben Präsident Steijn und der Kommandant De Wet die englischen Linien zwischen Abia und Mar- rians an der Spitze von ca. 10,000 Buren durch­brochen.

Marseille, 23. November. Krüger empfing gestern u. a. das Komitee der Marseiller Patrioten, das ihm ein Bronze-Bildwerk überreichte, das die Verteidigung des Vaterlandes allegoriert. In seiner Dankrede sagte Krüger, die Buren hätten zu den Waffen gegriffen, um ihre Heimat zu verteidigen. Die Franzosen lieben die Buren, weil sie des Vaterlandes Freiheit und Gerechtigkeit verteidigen.

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Deutsches Reich.

fc. Berlin, 22. November. (Originalmeldung des G. A.") Aus H o m b u r g v. d. H. wird geschrieben: D e r Kaiser überraschte gestern bei seiner Ankunft die am Schloß wachhabenden Soldaten, indem er, anstatt durch die Luisenstraße, durch die Dorotheenstraße zum Schloß fuhr, durch das Schloß hindurckMng und am anderen Portale mit einem lächelndenGuten Morgen, Füsiliere!" heraustrat. Darauf fuhr er mit der elektri-

Amtlicher Heil.

Bekanntmachung.

Nachdem in Großen-Linden und Lich die Maul- vnd Klauenseuche erloschen ist, haben wir die Sperrmaßregeln »jeder aufgehoben.

Gießen, den 23. November 1900.

Großherzogliches Kreis amt Gießen.

v. Bechtold.

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Der Krieg in China.

Aus Peking wird gemeldet: Graf Waldersee er­widerte am Dienstag des Prinzen Tsch in g und Li­tz ung-Tschangs Besuche. Die Gesandten verwiesen ivch der letzten Konferenz die Jndemnitätenfrage an ihre Regierungen mit der Anfrage, welche Revenuen die Indemnitäten decken sollten, wer sie einnehmen solle, feiner ob die Finanzen unter ausschließliche Kontrolle eines internationalen Komites kommen sollen oder nicht, rind ob die Zölle in diese Kontrolle eingeschlossen werden sollen oder nicht. Lieber die Mehrheit der anderen Punkte herrschte Einigkeit.

Wie aus Shanghai gemeldet wird, versichern chine­sische Beamte, die in der Lage sind, die Verhältnisse zu icurteücn, bestimmt, daß Yuantschika telegraphische Insitruktionen erhalten habe, sein Heer sofort gegen fremde Truppen zu senden. Alle anderen rizekönige und Generale erhielten vom Hofe zu Iinganfu ähnliche Instruktionen, die ihnen be- frhl'en, sofort wirksame kriegerische Maß- lahmen gegen die Fremden zu beginnen.

Nach einer Meldung derCentral News" vom 19. No­vember ist von den Vortruppen der Kolonne Graf Kock festgestellt worden, daß die Stadt Hsüenhwa von dem General Lo mit tausend Mann und Artillerie in harter Stellung besetzt ist. Die Verbündeten hätten sich nicht stark genug gefühlt anzugreifen, und nach Peking im Verstärkung gesandt- die sogleich abgeschickt wor- dru wäre. Die letzte amtliche Meldung, die wir über fcn Marsch der Kolonne Port besitzen, ist aus Berlin vom 21. November und berichtet die Ankunft in Kim in g. G ist möglich, daß inzwischen der Feind in starker Stellung angetrosfen worden ist: dies wird aber dann schwerlich hinter dem Yanghopasse gewesen sein. Es scheint also einstweilen dieCentral News"-Meldung der Wirklichkeit nicht zu entsprechen.

In Tientsin ist die Eisenbahnangelegenheit un­verändert. Die Deutschen leisten bei der Bewachung der Eisenbahnlinie Beihilfe. Eine kleine britische Abteil­ung bewacht Tungtschou.

DieSun" sagt, der deutsche Vertreter in Pe­king verlange die Enthauptung des Prinzen Tu an md anderer Würdenträger, bevor weitere Verhandlungen mit den chinesischen Friedenskommissären erfolgen.. Reci- procitätsverhandlungen mit Rußland seien eingeleitet.

Daily Telegraph" meldet aus Washington, Präsident Mac Kinley und seine Ratgeber erwögen zurzeit die Möglichkeit, ob die Vereinigten Staaten für den Fall einer Teilung Chinas genötigt sein könnten, einen Handels­hafen in China zu erwerben. Der Präsident habe einem Herrn, der in Ostasien Geschäftsinteressen habe, die Ver­sicherung gegeben, daß dies der Fall sein werde, wenn es thatsachlich zu einer Teilung Chinas komme.

Die italienische Friedensgesellschaft be­ruft in allen größeren Städten Italiens Protestmeetings gegen die von den Russen, Engländern und Deutschen in Fhina verübten Grausamkeiten ein.

Krüger sah wohl und munter aus. Haar und Bart ist weiß. Er trägt außer dem wallenden Backenbart einen kleinen Schnurrbart. Nach der letzten Rede war er sehr bewegt. Er weinte vor Freude, daß ihm ein solch enthusiasti­scher Empfang bereitet worden sei. Nach dem Empfang des Komitees sprach der Publizist Henry de Houx im Namen der französischen Preffe. Dann folgte ein endloses Defilö von Deputationen ohne besondere Bedeutung.

Marseille, 23. November. Das von Krüger an den Präsidenten Loubet gerichtete Telegramm hat folgenden Wortlaut:Herr Präsident! Bei meiner Landung auf dem gastfreundlichen Boden Frankreichs besteht meine erste Handlung darin, das würdige Oberhaupt der französischen Republik zu begrüßen und ihm meine Erkenntlichkeit für das Jntereffe auszusprechen, daS Ihre Regierung und das Land wir bewiesen haben." Es haben gestern an mehreren Stellen Schlägereien ftattgefunden. Ein Polizist wurde durch einen Dolchstich schwer ver­wundet. Das englische Konsulat, das in einem abge­legenen Stadtviertel liegt, wird von berittenen Gendarmen bewacht. Die Engländer, die den gestrigen Zwischenfall in der Rue NoailleS verursachten, haben sich nachmittags unter dem Schutze der Polizei eingeschifft. DieGelderland" ist um 5 Uhr nachmittags in See gestochen.

Marseille, 23. November. Die Menge, welche sich gestern am Quai versammelt hatte, um den Präsidenten Krüger zu begrüßen, wird auf 150 000 Personen ge­schätzt. Krüger wird von Haag nach Berlin reisen.

Stimmungsbild aus dem Reichstage.

(Von unserem Korrespondenten.)

Berlin, 22. November 1900.

Der heutige dritte VerhandlungStag der China-Debatte zeigte ein wesentlich anderes Bild als seine beiden Vor­gänger. Die Hauptredeschlacht liegt hinter uns, und wir fanden, daß nicht nur in den Reihen der Abgeordneten, sondern auch am Bundesratstische und auf den Tribünen viele abwesend waren, die anfangs ein reges Interesse an den Tag zu legen schienen. Und doch boten auch die heutigen Verhandlungen wenigstens anfangs so manches Interessante, daS der Vergessenheit entrissen zu werden verdient. So konnte man heute diejenige Rede der Opposition hören, die wohl als die beste oppositionelle in der ganzen China - Debatte bezeichnet werden kann. Payer hat ein schönes Organ und versteht eS, seine Aeußerungen mit dem Nachdruck zu machen, der für einen Erfolg wirklich nötig ist. Ohne das Maß des Tempera­ments zu überschreiten, spricht er lebhaft und sicher. Seine Rede hat fraglos Eindruck gemacht «ab auch die Ent­gegnung des bayerischen Bundesrats - Bevollmächtigten, des Grafen von Lerchen feld, vermochte eine Abschwächung dieses Erfolges um so weniger herbeizuführen, als er in seiner Ansicht über dieIndemnität" selbst in ganz rechts stehenden Kreisen wenig Anklang fand. Wieder­holte Heiterkeit erzielte Herr Stöcker, besten Rede sich gegen die Sozialdemokratie und gegen die Angaben wendet, baß die Missionen den Anlaß zu den Wirren in China ge­boten hätten. Die Zwischenrufe der Abgg. Bebel und Ferber, die dem Abg. StöckerLügen" undbewußte Lügen" vorwarfen, wurd.n vom Präsidium mit Ordnungs­rufen bestraft. Interessant war die Erwiderung Singers auf die Stöcker'sche Rede und auch den alsdann folgenden Aeußerungen des Abg. Bachem, der seinerseits die katho­lischen Missionen in Schutz nahm, wurde volle Aufmerk­samkeit geschenkt. Im Allgemeinen schwächte sich das In tereste an den Verhandlungen immer mehr ab, je näher der Abend heranrückte, und man war gewissermaßen froh, als nach vierstündigerArbeit" ein Antrag auf Vertagung einging. Derselbe wurde auch angenommen, so steht für morgen mit der Fortsetzung wohl auch der Schluß dec China Debatten im Plenum bevor, an den sich dann die Beantwortung der Interpellation Albrecht und Genosten 12 000 Mk.-Affaire reihen dürste, auf deren AuSgang man in allen Gesellschaftsklassen äußerst gespannt ist.

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