Nr. 249 Drittes Blatt. Mittwoch den 24 Oktober 159. Jahrgang 1»OC
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis «Siefzen.
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Schutstraße Nr. 7.
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Fernsprecher Nr. 51.
Vermischtes.
• Amerikanische Wahlscherze. AuS New-Iork wird geschrieben: „Gesucht: Junge Künstlerinnen für eine Tournee in Vaudevilles und junge Leute für das holländische Lustspiel und Negerlieder. Erstklassige Gehälter für eine Fahrt nach dem Westen und Bürgschaft für längere Zeit Diese sonderbare Annonce in den New-Dorker Blättern zog
Ans Stadt und Land.
Gießen, 23. Oktober 1900.
** Personalnachrichten. Der Geh. Oberbaurat Jrn- roth wurde zum Vorstand des hydrographischen Bureaus zu Darmstadt und der Privatdozent an der Technischen Hochschule und Oberlehrer am Realgymnasium zu Darmstadt Dr. Greim zum wissenschaftlichen Hilfsarbeiter bei diesem Bureau bestellt.
** !D e r V e r e i n e h e m.> K a m e r a d e n d e r G r o ß h. Hess. Division zu Berlin hielt am 17. Oktober eine Gedächtnisfeier ab für sein verstorbenes Ehren-Mit- glied den Prinzen Heinrich von Hessen und bei Rhein, General der Kavallerie, die sehr zahlreich besucht war und in durchaus würdiger Weise verlief. Anwesend waren u. a. der hessische Gesandte, Wirkt. Geh. Rat von N e i d h a r t, die Ehrenmitglieder des Vereins, eine Anzahl hessischer Offiziere, sowie Deputationen der süddeutschen militärischen Vereine und des Vereins ehem. 2. Garde-Ulanen, dessen Protektor der Verstorbene war. Der erste Vorsitzende Kamerad Dr. Schaefer eröffnete die Feier mit einem Hoch auf den Kaiser und den Groß,- herzog. Der Sieger-Sängerbund „Fürst Bismarck", der in dankenswerter Weise den gesanglichen Teil der Feier übernommen hatte, sang hieraus das „Gebet" von Bodecke. Hieran schloß sich die von dem Redakteur der „Feldpost" Herrn Zimmer gehaltene Gedächtnisrede für den hohen Verblichenen. Der Redner schilderte in ansprechender Weise den Charakter und die Person des Verstorbenen, seinen Lebensgang als Kind, Jüngling und Mann, seine hervorragende Thätigkeit als Soldat und als Heerführer. Er gab in kurzen Zügen einen Abriß von den hervorragenden persönlichen Eigenschaften des Prinzen und von seinem tief eingewurzelten Pflichtbewußtsein als Soldat und als Heerführer. Er bat die alten anwesenden Kameraden, treu zu bleiben dem Vorbilde, das ihnen der Prinz als Soldat und Mensch in großer Zeit gegeben habe, und ermahnte die jungen Kameraden, sich die Person des Verstorbenen stets als leuchtendes Beispiel und als Vorbild eines braven Soldaten dienen zu lassen. Die Versammlung hatte sich bei den letzten Ausführungen des Redners von ihren Sitzen erhoben, um so das Andenken an den hohen Verstorbenen zu ehren; stehend wurde auch der darauf folgende Gesangsvortrag „Das treue deutsche Herz" angehört. Der Vorsitzende dankte sodann den anwesenden Gästen, dem Vortragenden und den mitwirkenden Sängern in warmen Worten für ihre Teilnahme bezw. Mitwirkung zur Verschönerung der Feier und schloß damit den offiziellen Teil. Ein kameradschaftlich<es Zusammensein hielt die Anwesenden noch längere Zeit in gemütlichem Meinungsaustausch zusammen. An den Groß Herzog von Heu en wurde im Laufe des Abends folgendes Tele- g r a m m abgesandt:
„Der Verein ehem. Kameraden der Großh. Hess. (25.) Division Berlin, zur Gedächtnisfeier seines verstorbenen hohen Ehrenmitgliedes Prinz Heinrich von Hessen versammelt, sendet Euer tgl. Hoheit den Ausdruck ehrfurchtsvoller Ergebenheit".
Der Großherzog ließ dem Verein hierauf folgendes Antwort-Telegramm zugehen:
„Se. Kgl. Hoheit der Groß Herzog lassen dem Verein ehem. Kameraden der 25. Division herzlichst danken für die zum Gedächtnis des hochseligen Prinzen Heinrich in treuem Andenken veranstaltete Feier".
** Sonntagsruhe der Postbeamten. Während im Ge- schastSverkchr die Sonntagsruhe mehr und mehr an Ausdehnung gewinnt, hat es noch nicht gelingen wollen, auch den Post- und Eisenbahnbeamten überall eine ausreichende Ruhezeit zu verschaff n. Die hiesigen Poftunter- beamten sind, wie wir hören, ebenfalls noch nicht in den von der Behörde angestrebten Umfange in den Genuß der Sonntagsruhe gelangt, weil es an geeigneten Personen zu ihrer Vertretung fehlt. Vielleicht geben diese Zeilen Veranlassung, daß sich solche Personen beim Postamt I melden.
§ Nidda, 22. Oktober. Montag, den 29. d. M., findet in „Krasts Saalbau" die Generalkonferenz der Lehrer des Kreises Büdingen statt. Lehrer Lentz-Aulen-Diebach referiert über das Thema: „Wie pflegt und erhält der Lehrer die Frische und Berussfreudigkeit?" — ein für die gegenwärtige Lage sehr paffendes Referat.
vor kurzem viele „Schmieren"-Künstler an, die auf ein Winterengagement hofften. Sie fanden Mr. Skinner, einen großen Mann mit kräftigem Schnurrbart, einem „rough riderK-jpüt, einer wildledernen Uhrkette, schweren Kalbs ledernen Stiefeln und einer Stimme, die alle Cowboys in einem Umkreise von fünf Meilen kommandieren könnte. „Es handelt sich nicht um eine eigentliche dramatische Thätigkeit, sondern um — Politik", erklärte er, „und zwar um die Wahl W. A. Clarks in den Senat von Montana und Bryans zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Wir bereifen den Staat Montana vom 1. Oktober bis zum Wahltag im November, und jedes Lied, jeder Tanz, jeder Witz, der da zum besten gegeben werden soll, ist für Clark und Bryan." Die von Skinncr in New 9)ort zusammengestellte Gesellschaft macht jetzt thatsächlich eine politische Wahlreife durch Montana. Der Text und die Musik der Lieder sowie die im Dialog vorkomwenden Scherze sind von Autoren von anerkanntem Ruf zu dem Zweck ge schrieben, Begeisterung für Bryan und Clark zu wecken. Da die Vorstellungen frei sind, müssen in jeder Stadt, in der die Gesellschaft spielt, Hunderte wegen Raummangels von den Thüren des „Opernhauses" abgewiesen werden. Clarks „Show" wird ihn 100000 Dollars kosten, denn er braucht 30 Leute mit einem wöchentlichen Gehalt von durchschnittlich 600 Mk. einen Monat lang, bezahlt sämtliche Reisespesen und bewirtet sie reichlich. Nach jeder Vorstellung wird „gestimmt"; natürlich ist das Publikum einstimmig für Clark und Bryan, und zweifellos wird durch solche Manöver ein Teil der Stimmen wirklich gewonnen werden. Dann hat Bryan selbst Mitte September die Mode eingeführt, die Landbezirke in einem Automobil zu bereifen. Dieser Gedanke ist natürlich sofort allgemein auf genommen worden. Tausende solcher Gefährte sind bis zum Ende des Wahlkampfes gemietet, und die Redner befahren in ihnen die zweifelhaften Staaten. Auch die Frauen, die diesmal mehrAnteil an denWahlen nehmen,kommen auf die sonderbarsten Emfälle. Alice Wilson, die für die Republikaner Indiana bereift, reitet aus einem milchweißen Pferde und singt und spricht vom Sattel aus. In Kansas behauptet Jane Brown, eine zweite „Jungfrau von Orleans" zu sein; sie beschreibt ihre Visionen vor begeisterten Populisten. Eine Frau aus Colorado hat einen Bären gelehrt, aus einem ganzen Alphabet mit einem Stab die Buchstaben von B'YanS Namen zu bezeichnen, sie bezieht dafür von dem demokratischen Komitte ein anständiges Gehalt. In Greeley, Colorado, überreichte MrS. Downeh als Vertreterin aller republikanischen Haussrauen Roosevelt einen selbstgebackenen Kuchen, zu dem jede etwas gegeben halte, ein Siück Zucker, einen Löffel Melasse, etwas Mehl, Speck, Butter oder Gewürz. Fast tausend Frauen hatten dazu beigesteuert, der Kuchen wog fÜnfzehr^Psund. Dabei passierte jedoch der Dame, die im mittleren Alter steht und sich eines ansehnlichen Körpergewichts erfreut, das Mißgeschick, beim Betreten der Plattform des Waggons — Roosevelt hielt sich nur auf der Durchreise auf — zu fallen und sich ein ganzes Stück im Sande zu wälzen, so daß der Gouverneur trotz feiner Ritterlichkeit über den Anblick lachen mußte. Mrs. Downey aber richtete sich auf und wehte mit dem Taschentuch, bis der Zug außer Sicht war. Auch die Temperenzler tragen ihrerseits ihr Scherflein zu den Ueberspaunlheiten des Wahlkampfes bei. Mrs. Sprague, eine Beamtin der Indiana „Womans Christian Temperance Union" regte vor kurzem eine „Gebetskette" gegen Mac Kinley an, und zwar in der Form, daß jede Person, die betete, daß er unterliegen möchte, zwei weitere dazu bringen sollte, dies auch ihrerseits zu thun. Darauf regte MrS. Short, die dem selben Verein in Illinois angehört, eine andere Gebetskette für Mac Kinley an! I. G. Wolley reift im Lande in einem sogenannten „Kaltwasfer"-Zuge umher. Er bezahlt den Zug uud hat Leute für ihn gemietet, von denen nicht einer, vom Zugführer bis zum Bremser, je in feinem Leben Alkohol in irgend einer Form getrunken hat oder — haben soll.
Universität und Hochschule.
m , -- Der zweite Bürgermeister von Heidelberg, Dr. Ernst Walz, Verfasser eines Werkes über Gemerndestraßenrecht, wird sich, wie be- SS!? roitb' am 24- ds. Mts. mit einer Probevorlesung über „Die Ent- schädigungspflicht bei rechtmäßiger Ausübung der Staatsgewalt" als Prtoatdozent, hauptsächlich für Verwaltungsrecht, in der juristischen Fakultät der Universität Heidelberg habilitieren. — Weiter wird aus Heidelberg geschrieben: Die Pläne für den auf 1400000 Mk. ver- Ä Neubau der hiesigen Universitätsbibliothek, der gegenüber
PEtersklrche bis zur Centenarferer der Erneuerung der Heidelberger Hochschule durch Karl Friedrich im Jahre 1903 fertiggestellt sein soll,
hat Geh -Oberbaurat Prof. Dr. Josef Durm in Karlsruhe im Stil der französischen Frührenaissance entworfen. Sie sind gegenwärtig in einem Raum der Umversitätsbibliothek zur Ansicht ausgestellt. — Zum Nachfolger des als Direktor der Handelsakademie in Köln und als a.-o. Professor nach Bonn berufenen Nationalökonomen Prof. Dr. Schumacher ist der bisherige Lehrer der Nationalökonomie am orientalischen Seminar tu Berlin Pros. Dr. Georg Adler zum a.-o. Professor nach Kiel berufen worden. Zu seinem Nachfolger am orientalischen Seminar ist der Privatdozent Dr. Helfferich in Berlin ernannt worden. — Aus Göttingen wird gesch.ieben: Prof. Dr. Georg Meißner, der Direktor des hiesigen physiologischen Instituts, tritt am Schluß dieses Semesters aus Gemndheilsrücksichten von seinem Amt zurück. Meißner gehörte dem Lehrkörper der Georgia Augusta seit dem Jahre 1860 an.
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Kunst und Wissenschaft.
Berlin, 20. Oktober. Professor Robert Koch ist von seiner Reise zur Erforschung derTropenkrankhetten hierher zu- rückgekrhrt.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde.
Getraute.
MarkuSgemeinde.
Den 13. Oktober. Johann H-inrich Hermann Silbernagel, Kulfcher zu Gießen, und Anna E.tfadethe Slohr, Tochter des Land- drtefirägerS Johann Stohr II. zu Engelrod.
Denselben. Adolf Rörtg, Lokomotivheizer zu Au a. d. S., und Eltsabethe Wilhelmine KlaeS, Witwe deS Rentners Peter Joseph K^aes.
Denselben. Theodor Friedrich Karl Otto Dupont, Gerichtsassessor zu Alz.y, und Wtlh.lmtne Johanna Antonie Emma Wetdia, Tochter deS Bierbrauers Karl Wädtg zu Gießen.
Den 18. Oktober. Gustav Adolf Tetchmann, Kaufmann zu Koblenz, und Johanna Marte Christine Salziger, ged. Müller, Witwe deS Schuhmachers Philipp Salziger.
Lukasgemetnde.
Den 13. Oktober. Christian Karl Emil Bork, Reifender zu Frankfurt a. M., mit Charlotte Johanna Wilhelmine Schultz, Tochter des verstorbenen Maschinisten Karl Schultz zu Güßen.
. Den 14 Oft ober. Heinrich Wilhelm «vllmann, Postbote zu Gießen, und Marte Frank, Tochter des ForstaufstherS a. D. Friedrich Frank zu Betüihausen.
JobanneSgemeinde.
..Den 13-Oktober. Heinrich Keil, Waktenmeister zu Gießen, und Bertha Mai Hilde Jacobi, Tochter des Großh. Försters Johannes Jacobi zu Windhausen.
„ n Denselben. Karl Konrad Christian Philipp Friedrich Gottfried Belloff, Installateur zu Gießen, und Echaoethe Kern, Tochter des Bahnwärters t. P. Heinrich Kern zu Wallenrod.
Getaufte.
Matthüusgemeinbe.
Den 14. Oktober. Dem Wetßbindermeifier Albert Lehr eine Tochter, Elsa Wilhelmine Juliane, geboren den 1. August.
Demelben. Dem G-rder H-mrich Kraft eine Tochter. Anna Marte, Wtlhclmine, geboren den 3. Jul».
™ c Dalben. Dem Ausläufer August Kersten ein Sohn, Ludwig Albert Gustav, geboren den 31. August. 0
Dtnselben. Dem Bürstenmacher Friedrich Rill Zwillinge
Johannes August und Johann Heinrich, geboren den 14. August. ' iMartu «gemcinoc
Den 14. Oklober. Dem H lfSschaffner Ludwig Biedenkopf ein Sohn, Hermann Heinrich Ludwig, geboren den 7. S.piemder.
LutaSgemeinde
Den 14. Oktober. Eine uneheliche Tochter, Eäa Malbtlde geboren den 3. Juni. ' B
JobanneSgemeinde.
Den 14. Oktober Dem Schneider Heinrich Stein ein Sohn, Karl, geboren den 4. Sepiem^er. v
Beerdigte.
_ , Man-äusyclvelvde.
,, Dm 16. Oktober Konrad Will, Arbeiter, verheiratet, 37 Jahre alt, starb den 14. Oktober.
^klooer. Emitte Steurrwald, Tochter de« versto, denen ^OttoÄr M toteue,roalb' 20 Jahre alt, starb dm
LuksSgemetnde.
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m®fn.17; Düober. Amalie Rieß. geb. Kloch, Witwe de« G-h. Medtztnalrats Dr Theodor Rieß, 83 Jahre all, sta.b den 15 Oktober . alt, st«b"d°n I« Ott°d.r $"8me,fier' 43 3”’te
- , JobanneSgemeinde.
iJ ?auI Nassauer, StudtosuS, Sohn deS Kauf
mann Fr. H. Nassauer, 24 Jahre alt, starb den 14. Oktober zu Bonn.
Markus Bauer Spezial-Geschäft in feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach Maß in eigener werkstätte.
Gießen, Airchenplatz \\.
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