Ausgabe 
24.1.1900 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

641

ter gesucht.

\t xotW wA hu» xthrn, Mm sch AUrander Mayer.

itfltrtr jtabthmöiger

isbursche

>, Wallach, ZelierMz 62. islmädten aus foforl gejuit- Tb, Vogt, gömengane. iiö|SSW HochstLttn, am graut1- . rares $itnßmäbdien gesucht, «turotoca LV.

hüben balbiaftSltOptr

slLs-G-rst-llM^

, Rtflntr,

loiirrr, lochte

Ittlii, stinl uni) Wt 1 w:7* irt ii w» mit Getona «

von itaM- . Mufi! von Conradi.

stlilbt ÄWmu

Efe";

E A°lan- Äs* s&sy «? «

- ßchnnvtt. pelm. Siadwerordn-Mh^inevel'" Fran, Axiome M- K A JfiSS ä**< m***«i#

8l«V'

1900

Drittes Blatt

Rr. 19

Mittwoch den 24. Januar

Bezugspreis

Vierteljahr!. Mk. 2,20 monatlich 75 Psg. mit Bringerlohn;

durch die Abholestellen vicrteljährl. Mk. 1,96 monatlich 65 Psg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 Vierteljahr! mit Bestellgeld.

Erscheint lägNch mit Ausnahme dek

Montags.

Die Gießener Aamtlienvrältcr werden dem Anzeiger im Wechsel mitHM- Landwirt" u.Blitter für hefs. BolkSlunde" wdchtl. 4mal beigelegt.

Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den fügenden Tag erscheinenden Nummer bis vor»«. 10 Uhr. Abbestellungen spätesten- abends vorher.

Hießmer Anzeiger

✓// . f /^l i A+ A A* /V A^ Alle Anzeigen.BermittlungSstcllen deS In- und Auslandes

s II (1 1 (l I * tvfl TTzl'lllPI nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.

IlV V Ui V Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

Amts- und Anzeigrblatt für den Areir Gieren.

-----LL ------

Rtaltün, Expedition und Druckerei:

Kchukstraße Ar. 7.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblütter, Zer hessische Landwirt, Klätter für hessische Uallisliunde.

Adrefle für Depeschen: Anzeiger Kietze«.

Fernsprecher Nr. 51.

B3

*+ Wirtschaftliche Frauenschule auf dem Lande. Vom 1. Mai 1900 an wird in Nieder-Ofleiden in Ober­hessen unter Leitung von Freifrau Dorette Schenk zu Schweinsberg eine wirtschaftliche Frauenschule, wie die bis­her dort bestehende, weitergeführt werden, ebenso verbleibt ein Teil der alten Lehrkräfte daselbst. Lehrplan und Ziele der Schule sind auch unverändert. Die wirtschaft­liche Frauenschule bietet jungen Mädchen gebildeter Stände vom 17. Lebensjahr an reiche Gelegenheit zur praktischen Ausbildung für den Beruf der Hausfrau. Hausbeamtin, Lehrerin für Haushaltungsschulen auf dem Lande, oder zur Thätigkeit in der Wohlfahrtspflege. Die Angllederungen der wirtschaftlichen Frauenschule sind eine Klein Kmderschule und eine Haushaltungsschule für Landmädchen; beide Schulen werden mit gutem Erfolge geführt. Eine Dienst- botenschule ist als weitere Angliederung vorgesehen.

+ Grimberg, 22. Januar. Wie in früheren Jahren, hat auch die letzte Hauptversammlung des Spar- und Leihkassevereins Grünberg die Mittel zur Verpflegung skrophulöser Kinder des Sparkassebezirks tn dem Elisabeth-Haus zu Bad Nauheim verwilligt. Außerdem wurde wiederum die Erteilung von Prämien im Betrage von je 10.Mk. an solche Dienstboten beschlossen, welche 10 Jahre ununterbrochen und treu bei einer und derselben Herrschaft gedient haben. Dabei sollen auch bereits Prämiierte bedacht werden, wenn seit der letzten Prämiierung fünf Dienstjahre verflossen sind.

x Grimberg, 22. Januar. Gestern abend veranstaltcte der hiesige Musikverein in der Turnhalle sein erstes Konzert für - diesen Winter. Der sehr zahlreiche Besuch desselben legte Zeugnis ab von der Sympathie, derer sich der Verein seitens der gesamten Bewohnerschaft erfreut. Die einzelnen Nummern des sehr abwechselungsreichen Programms wurden unter der bewährten Leitung des Dirigenten, Herrn Stendal, mit gewohnter Präzission zum Vortrag gebracht. Auch das Lustspiel in drei Aufzügen Der verwunschene Prinz", welches recht flott gespielt wurde, trug sehr zur Erheiterung und Unterhaltung bei, und die Darsteller ernteten lebhaften Beifall. Das dem Konzert sich anschließende Tanzvergnügen hielt die Teil­

nehmer bis zur frühen Morgenstunde in fröhlichster Stim­mung zusammen.

NiederOhmen, 22. Januar. So vielfach auch ge­warnt wird von demspiele nicht mit Schießgewehr", so vielfach wird diese Warnung unbeachtet gelassen. Gästen, die an einem Abend dieser Tage nach Hause kehrten, flogen Revolverkugeln um die Köpfe, einem dicht am Ohre vorbei. Wie leicht konnte hierbei ein Unglück sich zutragen! Dre Sache kam vor die Gendarmerie zu Ruppertenrod, welche den Revolverschützen ermittelte und zur Anzeige brachte.

Büdingen, 22. Januar. Seine Majestät der Kaiser hat dem Herrn Bezirksfeldwebel Rollenhagen hier dasAll­gemeine Ehrenzeichen" verliehen. Inder gestern statt- gchablen Generalversammlung wurde Herr Fritz Rullmann zum Kontrolleur bei der hiesigen Vorschuß- und Kreditkasse gewählt. L

Groß-Umstadt, 22. Januar. In der Nahe des hie­sigen Marktplatzes entstand heute früh nach 4 Uhr aus un- aufgekläiter Ursache ein größeres Schad enf euer, welches 3 Wohnhäuser vollständig vernichtete. Außer dem Anwesen des Schlossers Zimmer fielen dem Brande die Häuser der Bürger Frieß und Füßler zum Opfer. Der Feuerwehr gelang nach vieler Mühe die Dämpfung des erheblichen Brandes. Die Fahrnisse des Zimmer und der bet dem- selben in Miete wohnenden Frau Sturmfels sind fast gänzlich verbrannt; dagegen konnte das Mobiliar des Frieß und Füßler meistens gerettet werden. Sämtliche Abgebrannten waren versichert.

Seligenstadt, 22. Januar. Die Schüler der Offenbacher Kunstgewerbeschule statteten heute unserem Städtchen unter Leitung eines Lehrers einen Besuch ab, und besichtigten die hervorragendsten Baudenkmale der Vorzeit.

Bensheim, 21. Januar. In dem benachbarten Schön­berg brannte in verwichener Nacht die auf einer Anhöhe gegenüber dem Schloß des Grafen von Erbach-Schönberg sehr schön gelegene Kirche bis auf die Grundmauern nieder. Das Feuer, das gegen 1 Uhr ausbrach, konnte sein Zer- störungSwerk ungehindert vollenden, da auf der Höhe wegen Wassermangels eine Löschung ausgeschlossen war. Das

States «S Kromnchta.

(Anonyme Einsendungen, gleichviel welchen Inhaltes, werden grundsätzlich nicht ausgenommen«)

Gießen, den 23. Januar 1900.

* Ordens-Verleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruhtem 16. Dezember 1899 dem Bürgermeister Heinrich Joseph Mann. m Nacken­heim die Krone zum Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen.

Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Bersammlung Donnerstag den 25. Januar 1300 nachmittags 3*/2 Uhr pünktlich: 1. Gesuch des Kommerzienrats Wilhelm Gail um Erlaubnis zur Beseitigung eines Teiles des AtzelbuschwegeS. 2. Ausbau der Kirche straße; hier: Geländeabtretung an die evangelische Kirchen- qemeinbe. 3. Anlage einer Entwässerung am hinteren Hardt- weq zunächst der Brauerei Dichter. 4. Errichtung einer Hilfs- und Abschlußklasse und die Teilung der Schüler des 1 und 2. Schuljahres der Stadtknabenschule tn je drei Klassen. 5. Errichtung neuer Klassen in der Stadtrnädchen- schule für das Schuljahr 1900/1901. 6. Gesuch des Phil. Mauk um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause an den Bahnhöfen 20. 7. Gesuch des Justus Heinrich Bter- mann um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause

Bleichstraße 5.

A Vom Lande, 22. Januar. Leider war die glänzende Schneedecke nur von kurzer Dauer. Der starke Regen, welcher in verwichener Nacht herniederströmte, nahm die Schneernassen mit; Bäche und Gräben sind angeschwollen und vielfach über ihre Ufer getreten. Ganze Wiesengründe stehen heute in den Thalniederungen unter Wasser, und an den größeren Flüßchen dürste bald der Eintritt von H och- wasser zu befürchten fein. Hoffentlich haben wir für diesen Winter keine strengere Kälte mehr zu erwarten; im Hinblick auf den Mangel an Kohlen und die hierdurch bedingten hohen Preise der Brennmaterialien wäre das sehr zu wünschen. ____

Saalbau-Aiigetegenheit.

(Eingesandt.)

Wer am vergangenen Sonntage den Saal des Gesell- scbaftsvereins betrat, um den Kunstgenüssen zu laichen, die der Akademische Gesangverein unter seinem Dirigenten und unterstützt von vortrefflichen Soliden, rote Fräulein M. 5) aas und Herrn W. Backhaus, nut Orchesterbegleitung zu Gehör brachte, der vermochte sich einer gewissen Unbehaglichkeit nicht zu erwehren. Die reiche Hörerschaft sah sich qualvoll, soweit der Hauptjaal überhaupt noch reichte, in dte Enge gedrängt, und mochte sich dem in der Podiumhöhe thronenden Musikalischen Körper gegenüber etwa vorkommen, tote bie Engländer kn Ladysmith gegenüber den Buren. Weitaus die Mehr­zahl aber war überhaupt daraus angewiesen, vor dem Saal und in den bekannten Nebensälen vorlieb zu nehmen. Ab­gesehen von der da oben noch erdrückenderen ^ipc, hatten es die Hörer auf der Gallerie wohl noch am besten getroffen, wenigstens, soweit sie Vorderplätze hatten. Wahr­lich, es ist recht bedauerlich, daß so Schönes, Herrliche^ unter so ividrigen Verhältnissen geboten und genossen werden soll? Der Saal reicht rein räumlich für eine^ solche Veranstaltung nicht entfernt aus. Die etwa WO Sanger imb Sängerinnen, das ca. 30 Köpfe starke Orchester mit seinen Instrumenten und Pulten nehmen soviel Raum ein daß der Dirigent inmitten des Saales unter dem Kron­leuchter stand. Der gewaltige Blüthnerslügel mußte sogar noch weiter vorgeschoben werden. Natürlich war diese not­wendige Anordnung in akustischer Beziehung von einer

führenden Viertelt Raumes beanspruchen und

der Saal gut besucht ist, so wird jeder gernedort wirken Aber wenn der Musikalische Körper bis über die Halste vorrücken muß, dann singt oder spielt g°wüs°rm°>en eme tote Wand an; in dem kleinen Raum, der nun n,och'bleibt, müssen sich ja die Tonwellen derart begegnen, daß sie sich gegenseitig auslöschen, und statt strahlenden Glanzes sichtlich der Hörer in dumpfes Zwielicht versetzt. Es ist dies Mißgeschick um so widerwärtiger, wenn man sich sagen muß, daß vorläufig auch noch keine Aussicht auf Besserung besteht und Gießen auch sonst keine wirklich genügende

Räumlichieit hat. Man muß also immer wieder tu diese Zwangsjacke hinein. Und dafür all' bie Muhe, all der Eifer' Ein Chor von etwa 40 Männer und 60 M Frauen­stimmen ist unter guten akustischen VerlMnissen reichlich stark genug. Der a k a d e nl i s ch e G e s a n g v e r e i n wurde im Saalbau zu Frankfurt durchaus genügend Ton entfalten können aber hier ist alle Liebesmüh umsonst. Das muß ja dünn klingen, wenn eine Schallwelle von der andern aedrängt und gedrückt wird, ein ruhiger, verhältnismäßig schwacher Ton klingt voller als ein forcierter - mutatw mutandis dieselben akustischen Erscheinungem Wie kann da der Verein wagen, Sachen zu bringen Wissel. Symphonie, Messias, Bach'sche Messen und Oratorien, Missa ^olcmnu? und dergleichen; daran darf der Musikfreund gar nicht denken. Denn wir fürchten nur zu sehr, auch der Empore in der Stadtkirche ist für Chor und Orchester zu klein. Stein's Saal ist ja größer, aber verhältnismäßig sehr, sehr niedrig, die ganze Einrichtung, Busfete re. für solch weihe­volle Werke nichts weniger als stimmungsvoll.

So hat uns der letzte Sonntag wieder mal recht vor Augen geführt, wie not uns Gießener ein schöne^ großer Saalbau thut! Und der geeignetste Platz, Schlüters Garten" in bester Lage ist ja bereit. Aber rote hinge wird es noch währen? Wenn wir uns ans die im xsahrc l.Nh nahende 300 jährige Jubelfeier unserer Alma matcr ver­trösten so müssen wir uns doch mit gutem Grunde tragen: dürfen mir hoffen, bis dahin unter so widrigen Verhält­nissen eine so hervorragende musikalische Kraft an uns >u fesseln, wie wir das Glück haben sie in Herrn Musik­direktor S. Traut mann h^utc zu besitzen? Und doch sollen wir alles daran wenden, uns Herrn Trant mann zu erhalten. Aber haben wir auch nur ein schwaches Recht dazu, wenn wir es ihm nicht ermöglichen, das so gern dargebrachte Herrliche, Schönste aus dem Füllhorn seiner Kunst an geeigneter weihevoller Stätte zu spenden?

Bald s ind es 30 Jahre, seit unsere Väter auf dem Schlachtfelde Gut und Blut ließen, um uns ein Deutsches Reich zu gründen! Dreißig Jahre ruhmvollen Friedens, freudreicher, segensvoller Arbeit sind dahingeflossen, eine Zeit, wie sie der Deutsche nie erlebt hatte, je zuvor! sollte da unsere aufblühende Gemeinde, unsere Jahr um Jahr wachsende Universität nicht soviel bürgerlichen Gemeinsinn beweisen können, nm zur Friedens feier am W. Mai 1901 an weihevoller Stä11e unter den Klängen der reinen Tonwerke unserer größten Meister den Tag zu feiern, wie nie zuvor?! Die politische Gemeinde als solche, hat große Aufgaben übernommen, und nimmt die Steuerkrast der

Allgemeinheit wachsend in Anspruch. Das Volksbad geht nach und nach an bie Gemeinde über, der neue Friedhof mit Krematorium, vor allem eine treffliche Kanalisation sind Aufgaben dankenswerter, denn irgendwelche sonst. Aber Ihr, die Ihr dem Spruche unterworfen seid, Noblesse oölige, Ihr, denen der Friede die Verwertung Eurer Werte in steigendem, in immer wachsendem Maße gestattet hat, weil des Reiches Kraft den Arbeits- und Spürsinn der mittleren und kleinen Leute mit neuer Hoffnung erwachen ließ, gedenkt des Spruches: Geben ist seliger denn Nehmen! Schließt Euch zusammen zu großem Werk, wir kleineren werden Euch gewiß mit Rat und That eifrig und gern unterstützen; der Saatbauverein erhielt uns ja wach und gab dem erstrebenswerten Ziele eine Zentrale, also wir sind am Orte! Der Anfang einer Organisation ist gemacht, bereitwillige Arbeitskräfte stehen da, erwartend den Ruf, daß das Werk beginne. Aber was wollen die zwei bis drei Tausend Mark jährlich besagen? Kaum ein Be­trag, um die allerkleinsten Vorarbeiten zu ermöglichen, verpufft unbeachtet, ungehört. Also Gemeinsinn, der du in Deutschland dich noch immer bewährt hast, wo es Großes, Edles galt, erwache auch in dieser Frage zur rechten Zeit! Aber siehe, die Zeit ist da!

Braucht es noch betont zu werden, was die Stärkung der echten Kunst auch in materieller Hinsicht, in Hinsicht des Wohls und Wehes unserer ^ckadt bedeutet? Wie dürstet es auch den Geringsten, ja ihn vor allen, nach der Erhebung über die so düstere Alltäglichkeit! (Vielen Dank unserer Theaterdirektion für ihre Volksvorstellungen.) Aber kann er jetzt zu solcher wahrhafter Erhebung gelangen, wo kaum Raum für einige bleibt, wo die Preise hoch sein müssen, um bei dem verbleibenden Raum einigermaßen die Kosten zu decken. So trägt er sein Geringes ins Wirtshaus, nicht zur Erhebung über die Alltäglichkeit, nein zur Betäubung, Grau in grau! Wir wollen es einer berufeneren ö'Cber überlassen, diese Einflüsse der Kunst bei der Durchdringung weiterer Kreise in rechtem Lichte zu schildern, -sic fuhrt den Menschen zum Menschen! Wir müßten unseres großen Dichters, Schiller's ästhetische Briefe hier abdrucken oder ausziehen, um alles zu würdigen, was zu würdigen wäre.

Hoffentlich verhallt unser Ruf nicht ungehort, sondern weckt ein reiches Echo in aller Herzen, die es,wahrhaft mit mit unserer Stadt meinen! Welcher Gewinn für unsere 2labt, für unsere Universität für das, was wir weiden möchten, das geistige Haupt unseres Großheizogtum^. r.-