(!) Gründ erg, 20. Mai. Herrliches Frühlingswettec' begünstigte die diesjährige Gauturnfahrt. Aus nah und fern hatten sich, die jugendfrischen Turner aufgemacht, um im gastlichen Grünberg in edlem Wettstreite ihre Kräfte zu messen. Um halbzwei Uhr ordneten sich die Vereine zu dem stattlichen Festzuge, der sich vom neuen Schulhause durch, die reich beflaggten Hauptstraßen nach der Turnhalle und dem angrenzenden geräumigen Festplatze bewegte. Hier entbot nach dem gemeinscl>aftlichen Gesang des Turnerliedes „Turner, auf zum Streite" Herr Bürgermeister Zimmer Namens der Stadt den Turnern ein herz- lict)es Willkommen. Herr K. H. Jockel hielt eine von echt turnerischem, vaterländischem Geiste getragene Begrüßungsund Festrede, die mit einem begeistert aufgenommenen „Gut Heil" auf das deutsche Vaterland schloß. In markiger Ansprache dankte der Vorsitzende des Gauausschusses, Helm- Gießen, für den herzlichen Empfang, den die Turner in Grünberg gefunden, indem er der Feststadt ein kräftiges „Gut Heil" widmete, lieber 100 Turner beteiligten sich dann an dem Aufmarsch zu den Stabübungen, die unter der Leitung des Gauturnwarts Schneider-Marburg in exakter Weise ausgeführt wurden. Hieran reihte sich das Preis turn en in den volkstümlichen Uebungen: Frei- weithochspringen, Stabhochsprung, Steinstoßen und Klimmen. Es wurde durchweg Tüchtiges geleistet, und mit großem Interesse folgten die Zuschauer den turnerischen Uebungen. Nach sieben Uhr abends wurde durch den Gau- turnwart die Preisverteilung vorgenommen. (Die Preise brachten wir bereits gestern.) Mit einer Ansprache des Gauturnwarts an die Turner war der turnerische Teil des Festes beendigt. Auf dem Festplatze und in der Turnhalle herrschte jedoch noch lange buntbewegtes Festestreiben, bis die Abendzüge den größten Teil der auswärtigen Gäste entführten. Ein Festball in der Turnhalle bildete den Schluß der in allen ihren Teilen schön und und würdig verlaufenen Gauturnfahrt.
Bad-Salzschlirf, 21. Mai. Fürstin Radolin, die Gemahlin des deutschen Botschafters am russischen Hofe, ist mit Familie und Dienerschaft zu längerem Kurgebrauche hier eingetrossen. Der Fürst wird in einigen Tagen nachfolgen.
Darmstadt, 21. Mai. Feldmarschall Graf v. Wal- dersee traf gestern abend hier ein und bleibt bis zum 25. hier. — In der Familie des Prinzen Ludwig von Battenberg sieht man demnächst einem freudigen Ereignis entgegen. Die Prinzessin Ludwig von Battenberg weilt zurzeit in England und wird vorerst dort verbleiben.
8. Darmstadt, 21. Mai. Landes-Versammlung des Bundes der Landwirte, Abt. Hessen. Gestern nachmittag fand im „Schützenhof"-Saale hier unter Vorsitz von Herrn Karl Fritsch-Dilshofen eine von über 600 Personen besuchte Versammlung statt, zu der Landwirte und Interessenten aus ganz Hessen und den angrenzenden Staaten, besonders der Pfalz herbeigeeilt waren. Nach Mrtteuung einiger statistischer Zahlen, nach welchen der Bund 177 000 kleinere und circa 15000 mittlere Landwirte, dagegen nur circa 1500 große, d. h. Gutsbesitzer rc., zählt, bringt der Vorsitzende ein Hoch S. M. dem Kaiser sowie unserem Landesfürsten. Der Vorsitzende des Bundes der Landwirte, Reichs- und Landtagsabgeordnete Frhr. v. Wangenheim, sprach über „Die gegenwärtige politische Lage mit besonderer Berücksichtigung des Fleischbeschaugesetzes." Der gewandte Redner er- i klärte die hauptsächlichsten Gründe, die vom Standpunkt des Landwirts aus wie auch in sanitärer Hinsicht entschieden für eine scharfe Kontrolle bei der Fleischeinfuhr, besonders des Pöckelfleisches, sprechen. Ferner gab er der Hoffnung Ausdruck, daß die neuen Zollgesetze im Jahre 1903 Besserung bringen. Mit Gewalt lasse sich nichts erreichen; er hoffe aber, mit seinen Kollegen im Reichstag dahin wirken zu können, daß das Gesetz ensprechend den verschärften Bestimmungen der zweiten Lesung durchgehen werde; doch sei der ganzen Ablehnung des Gesetzes immer noch eine lässige Handhabung der Kontrolle vorzuziehen. Man könne annehmen, daß Amerika, das an dem deutschen Import hauptsächlich interessirt sei, in ähnlicher Weise wie im Mutterlande, wo der ganze Fleisch- und Viehhandel von drei I Ringen beherrscht werde, auch bei uns dieselbe Absicht verfolge. Das Ganze sei aber doch nur ein Vorspiel zu dem I Kampf um die neuen Zollgesetze. Es sei deshalb notwendig, I auf die Vertreter in den Parlamenten einzuwirken, daß sie I die Interessen der deutschen Landwirtschaft in energischer Weise I vertreten. — Der Reichstagsabgeordnete Liebermann I von Sonnenberg entwickelte in seinen längeren AuS- I führungen, auf dem Boden seines bekannten Programms I stehend, für den am Erscheinen verhinderten Herrn v. Pfister I „Die nationale Bedeutung eines kräftigen Bauern-und Mittelstandes." „Angehörige deS Mtttel- standes vereinigt Euch im Kampfe um Eure Existenz." Da I Deutschland niemals gleich England Industriestaat werden könne, sei eS notwendig, daß man den ältesten und wichtigen Stand, den deutschen Nährstand, pflege und schütze, denn I mit seinem Niedergang beginne der Niedergang Deutschlands.
Noch seien die kräftigen Bauernheere in erster Linie der Schutz Deutschlands. Würden diese erst entnervt, verweich- licht, dann werde es gehen wie in England, das trotz seines ungeheuren Reichtums mit seiner Söldnerschaar du
I unglaublichsten Schwierigkeiten habe, das kleine, aber tapfere Burenvolk, welches die heimatliche Scholle verteidige, zu besiegen. (Lebhaftes Bravo.) —
I Aus der Verschuldungsstatistik gehe heute schon hervor, daß I die Zustände bei uns keine zu günstigen seien, denn es ser festgestellt, daß, wenn man den Vorrat des deutschen Grundbesitzes auf 100 Milliarden annehme, 60 Proz. verschuldet seien. Dem müffe man eutgegenarbeiten; die Handelsverträge haben auch der Industrie bisher wemg Vorteile I gebracht, sie müffe daher Hand in Hand mit der Landwirtschaft, in der sie teilweise ihre besten Abnehmer habe, gehen. Auch eine andere Einrichtung der Innungen, die meist aus das Handwerk bisher nur nachteilig einwirkten, Jet not- [ wendig. Auf die heutigen Versprechungen dec Regierungen
Aus Stadt und Sand.
** Auszeichnung. Dem Mitglied der freiwilligen Gail'- I schen Feuerwehr, Theodor Loos, Schriftsetzer in der I Brühl'schen UniversitätS- und Steindruckerei, ist in Aner- I kennung seines fünfundzwanzigjährigen treuen Dienstes in I der Feuerwehr heute das Ehrenzeichen für Mitglieder I der freiwilligen Feuerwehren verliehen und vom Provinzial- I direktor Geheimrat v. Bechtold in feierlicher Weise über- I reicht worden.
•• Baron v. Gageru. Dem Vernehmen nach soll Pro- I vinzialdirektor v. Gagern in Mainz (bekanntlich früherer I Provinzialdirektor von Oberhessen) demnächst als hessischer I BundesratS-Bevollmächtigter in Berlin an Stelle des Herrn v. Neidhard treten. Die Bestätigung dieser Nachricht bleibt abzuwarten.
•• Personalnachrichten. Am 19. Mai wurde der Kreisrat | des Kreises Groß-Gerau, Geh. Regierungsrat Freiherr Erwin Löw von und zu Steinfurth auf sein Nach- I suchen bis zur Wiederherstellung seiner geschwächten Gesund- I heil mit Wirkung vom 1. Juni d. Js. an in den Ruhestand versetzt, der Regierungsaffeffor Wilhelm Bohn aus Alzey zum Kreisamtmann bei dem Kreisamte Schotten ernannt, und der von dem Fürsten Franz Joseph zu Ysen- bura und Büdingen in Birstein präsentierte Oberlehrer an der Augustinerschule zu Friedberg Albert Kost zum Oberlehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Offenbach bestätigt. . . m r
*♦ Uuiverfit'atsbuchhandlung. Der Rrcker schen Buchhandlung (Inh.: Alfred Töpelmann) ist das Prädikat „Um- versitätsbuchhandlung" erteilt worden.
•* In Betteff des Kirchenkonzerts zum Besten be8 | Ausbaues der Speierer Protestationskirche, daS ' am Mittwochabend 6‘/2 Uhr in hiesiger Stadtkirche statt- ; finden soll, wird uns noch mitgeteilt, daß leider infolge ungünstiger Umstände das Zirkulieren der Subskriptionsliste erst so spät beginnen konnte, daß es unmöglich sein wird, sie allen den Bielen vorzulegen, die sich für dieses Konzert, sei es um seiner künstlerischen Bedeutung, sei es um des guten Zweckes willen, interessieren. Die Veranstalter bitten uns mitzuteilen, daß diejenigen, denen die Liste deshalb nicht rechtzeitig zukommen sollte, daS entschuldigen und Billette in den Musikalienhandlungen von Ehallier oder Eyserbcck beziehen mögen. ES wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß der mittlere Eingang von der Kirchstraße aus nur für die Plätze „unter der Emporbühne" bestimmt ist.
** Konzert-Verein. Verdis Reqiem am 31. Mai 19 00. Man schreibt uns: Die verflossene Saison hat der Konzert-Verein mit besonderen Ehren bestanden, fünf hervorragende Musikabende hat er bereite absolviert und den letzten schob der Vorstand möglichst, weit außerhalb der üblichen Konzertzeit hinaus, um fein anderes Unternehmen zu stören, aber auch um selbst nicht I gestört zu werden. Wenn das nicht vollständig gelang, sondern auch von anderer, ebenfalls berufener Seite Unter- I nehrnungen vorliegen, so ist daran nichts zu ändern. I Der Konzert-Verein hat sich für sein sechstes Konzert das I Requiem von Verdi ausgewählt, an das der mitwirkende. Akademische Gesang-Verein seit Monaten mit I allem Fleiße arbeitet. Nicht oft findet man dieses vor- I nehme Chorwerk auf dem Programm deutscher Konzert- I institute, was wohl durch zwei schwerwiegende Gründe be- I dingt ist. In erster Linie ist das Aufführungsrecht nur I durch ein größeres pekuniäres Opfer zu haben, dann aber | verlangt die Aufführung selbst einen Dirigenten ersten I Ranges, einen durchaus leistungsfähigen Chor und nur I erstklassige Solisten. Gießen ist in der glücklichen Lage, I mit den beiden ersten jederzeit zu dienen, und das Dritte I ist lediglich Sache des Säckelmeisters. Daß das hiesige I musikalische Publikum dem Aufführungstage mit vollstem I Interesse entgegenblickt, daran zweifeln wir keinen Augen- I blick, denn der 31. Mai wird einen Glanzpunkt in dem | Kunstleben unserer Stadt bilden.
siatter gemeldeten Todesfälle nicht zur Folge. Die beiden Totgesagten befinden sich außer Gefahr.
Nach einem amtlichen Berichte sind in Berlin am Samtag 226 und gestern 261 Personen verhaftet worden.
In einem Artikel über den Ausstand der Berliner Straßenbahn-Angestellten sagt die „Nordd. Allg. Ztg.": Die Staatsregierung habe die Pflicht, den bewußt auf die diktatorische Beherrschung der Arbeiterschaft und des gesamten öffentlichen Lebens hinzielenden Bestrebungen der Sozialdemokratie ans das Entschiedenste entgegenzuwirken, und es könne versichert werden, daß sie dieser ihrer Pflicht nach! allen Richtungen hin entsprechen wird. Von der ihr nach dem Gesetze zustehenden weitgehenden Machtbefugnis zur Niederwerfung jeder Ausschreitung werde die Staatsregierung rücksichtslos Gebrauch machen, und für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung unter allen Umständen Sorge tragen. -.3
Im preußischen Abgeordnetenhause kam der Minister Freiherr v. Rheinbaben auf den Streik zu sprechen. Er betonte dabei, daß die Polizei in die Lohnstreitigkeiten sich nicht einmischen konnte. Sie müsse dies den Beteiligten überlassen. Die Ausständigen hätten einen sehr bedenk- lick)en Weg unter sozialistischer Führung beschritten und sich zu Forderungen hinreißen lassen, die mit der Fortführung eines derartigen Betriebes nicht vereinbar seien. Wenn die Verwaltung diese Forderungen bewilligt hätte, so würde sie damit ihre Autorität aufgegeben haben. Gestern seien schwere Ausschreitungen nur im Rosenthaler Viertel vorgekommen, wobei die Polizei mit Steinen beworfen, und auch geschossen wurde. Die beim Einschreiten der Polizei vorgekommenen'Verwundungen seien bedauerlich, aber nicht zu ändern. Nicht richtig sei, daß er, der Minister, die Einstellung des Betriebes gestern um 7 Uhr angeordnet habe. Das würde ein Zeichen der Schwäche gewesen fern. Er habe nur angekündigt, daß die Schutzleute um 7 Uhr den Dienst beendigen müßten. Er habe der Vorsicht halber veranlaßt, die Truppen zu konsignieren. Es müsse dem Janhagel gezeigt werden, daß man im stände sei, denjenigen zu Boden zu werfen, der es wagt, die Majestät des Gesetzes zu verletzen.
Torpedoflottille. Der preußische Gesandte v. Eisen- I decher in Admiralsuniform begrüßte die Offiziere, und I Oberbürgermeister Schnetzler hieß sie namens der Stadt I willkommen. Ein Extrazug führte die Offiziere, wie Mann- I schäften nach der Residenz, wo sie unter den Klängen der Grenadierkapelle durch die Stadt nach dem Stadtgarten marschierten, wo heute abend verschiedene Festlichkeiten vor I sich gehen.
Karlsruhe, 21. Mai. Dem Festbankett zu Ehren der Torpedodivision wohnten Prinz Karl, sämtliche I Minister, sowie die Spitzen aller Behörden bei. Ober- | bürgermeister Schnetzler begrüßte in humorvoller Rede die I Gäste mit einem Hoch aus den Kaiser und den Großherzog. I Eine größere Anzahl Redner feierte die! Flotte und das I Vaterland. Prinz Karl widmete sein GlaS dem Gedeihen I und Blühen der Residenz. Kapitän Funke dankte für die gastliche Aufnahme. I
Straßburg, 21. Mai. Die zurzeit über den Waffer- stand des oberen Rheinlaufs vorliegenden Nachrichten lassen I eS fraglich erscheinen, ob die Torpedoboot-Division I ihre Fahrt stromaufwärts wirklich bis hier fortsetzen kann.
Der Streik bei der Großen Berliner Straßenbahn.
Gestern nachmittag ging uns aus Berlin folgende I telegraphische Meldung zu, die wir alsbald durch Aushang I bekannt gaben:
Berlin, 21. Mai. Die unter dem Vorsitz des Ober- I bürgermeisters Kirschner ab gehaltene Konferenz zwi- I schen den Direktoren und den Abgeordneten der Streiken- I den hat zur Beilegung des Streikes geführt. Die I Kompromißvorschläge wurden einstimmig mit lebhaftem I Beifall angenommen, Md es wurde der Streik als! beendet' erklärt. Morgen früh beginnt der gesamte Be- I trieb wieder. Maßregelungen von Streikenden dürfen I nicht erfolgen.
Heute wird uns nun über den Ausgang des Streiks I folgendes geschrieben: I
Berlin, 21. Mai. Heute vormittag sand eine Be- I sprechung zwischen dem Kommissar für das öffentliche I Fuhrwesen und den Vertretern der Straßenbahn-Gesefl- I schäft statt. Diese erklärte, tausend Mann, die bereits I gefahren haben, zur Verfügung zu haben und mit diesen I im Laufe i>e§ Tages den Betrieb, der .heute früh auf I einigen Strecken iroieber aufgenommen wurde, erweitern I zu wollen. Die Polizei hat dementsprechend Sicherheits- I maßregeln ergriffen, namentlich auch für die Zeit der I Mittagspause. Die gestrigen Ruhestörungen dauer- I ten noch im kleinen bis 3 Uhr morgens. Bis dahin wur- I den auch noch! fortwährend angehaltene zur Feststellung I ihrer Persönlichkeit auf die Wache gebracht. Die bei den I gestrigen Ausschreitungen verletzten Personen sind viel- I fach Leute, b|ie sich an den Tumulten aktiv nicht beteiligt I haben, ebenso zu einem Teile die Verhafteten. Heute vor- I mittag herrschte überall Ruhe. Etwa hundert Straßaw- I bahnwagen waren im Verkehr. Das Polizeipräsidium I forderte in einem Anschläge an den öffentlichen Säulen I das Publikum angesichts der gestrigen und vorgestrigen I Ausschreitungen aus, sich von Zusammenrottungen fern zu I hallen, da es den Polizeimannschaften, die angewiesen I seien, zum Schutze des arbeitswilligen Bettiebspersonals I und zur Aufrechterhaltung der Ordnung mit unnachsichtlicher Strenge Ausschreitungen entgegenzutreten, nicht möglich sei, auf unbeteiligte Personen Rücksicht zu nehmen. Auf den Hauptverkehrsplätzen, auf denen in den letzten I Tagen Ausschreitungen vorgekommen sind, hatten die Po- I lizei-Reviere starke Posten aufgestellt. Soweit bisher be- I kannt geworden ist, kam es heute nur am Endpunkte der I Ringbahn, Ecke Acker- und Elsässerstraße, zu einem kleinen Krawall. Die Schutzmannschaft säuberte in kurzer Zett I den Platz mit der blanken Waffe. Einige Verhaftungen I wurden vorgenommen.
Heute vormittag tagten zwei Versammlungen I der Streikenden. In der Hauptversammlung tm I Feenpalaste drückte der Schafsner Ascher sein lebhaftes Bedauern über die gestrigen Exzesse aus und konstatierte unter I stürmischem Beifall der Anwesenden, daß keiner der Aus- I ständigen sich an den Tumulten der letzten Tage beteiligt habe. Eine Widerholung solcher Exzesse könne nur vermieden werden, wenn eine Einigung beider Parteien her- I beigeführt werde. Er schlug vor, daß die Ausständigen sich an den Oberbürgermeister Kirschner wendeii, damit dieser die Vermittelung übernehme. Die Versammlung wählte darauf sofort eine Deputation und vertagte sich auf eine Stunde, während die Deputation sich nach dem! Rathause begab. Oberbürgermeister Kirschner empfing div Deputation und erklärte sich bereit, die Vermittelung zu übernehmen, falls diese der Direktion der Straßenbahn- Gesellscl)aft genehm sei. Er teilte gleichzeitig der Deputation mit, daß die Direktoren den Entwurf der Pensionskasse nach dem Anträge des Magisttats annehmen wolle. Hieraus begab sich die Deputation nach der Versammlung zurück und teilte unter jubelndem Beifall und unter stürmischen Hochrufen -auf Kirschner das Resultat der halbstündigen Audienz mit. Es gelangte eine Resolution ein- j stimmig zur Annahme, in der mit aller Entschiedenheit gegen die Behauptung der Straßenbahn-Gesellschaft, daß! die Streikenden Exzesse verübt haben, protestiert wird. — Später wurde die T-eputcttion von den Direktoren der Gesellschaft empfangen, die auch die Vermittelung des Oberbürgermeisters annähm und ihr Einverständnis zu weiteren Verhandlungen erklärte, die sofort beginnen sollten.
Tie unter Vorsitz des Oberbürgermeisters abgehaltenen Beratungen zwisck)en der Direktion und den Abgesandten der Streikenden haben zur Beilegung des Stteiks geführt. Die Ausständigen traten bereits heute abend wieder in den verschiedenen Depots an. Die Arbeit wird morgen früh auf allen Linien wieder ausgenommen werden. Den Bedingungen ist zu entnehmen, daß am ersten Juli die Einrichtung der Pensionskasse aus Grund des mit dem Magistrat vereinbarten Statuts in Kraft tritt, daß die Dienstzeit für die Fahrer neun Stunden, für die Schaffner ctt Stunden beträgt, und daß die Gehälter von 85 Mark im Laufe der Dienstjahre bis aus 120 Mark steigen. Ten Angestellten werden vier freie Tage im Monat garantiert. Maßregelungen der Streikenden dürfen nicht ftatinnben.
Der gestrige Krawall hatte die von einem Bencht-Er
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