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Dimstaq dl» 22. Mai
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Drittes Blatt.
Gießener Anzeiger
General-Unzeiger
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*• Im Jahre 1899 zählte man in der Provinz Starkenburg 375,665 tragbare ApferbSu«e, die einen Er- ttag im Wert von 426,049 Mk. lieferten; Oberhefsen 315,744 Bäume mit 1,126,895 Mk., Rheinhessen 174,015 Bäume xnb 456,543 Mk. — 154,395 Birnbäume in Starkenburg lieferten einen Ertrag von 72,631 Mk., in Oberhessen 105,587 Bäume 70,511 Mk. und in Rheinhessen 57,842 Bäume 109,417 Mk. — 304,046 Zwetschen- und PslaumenbLume in Starkenburg 17,749 Mk., 346,470 in Oberhessen 64,111 Mk. und 219,052 in Rheinhessen 140,335 Mk. — 32,187 Sirschbäume in Starkenburg 18,657 Mk., 50,649 in Oberhessen 29,055 Mk. und 30,628 in Rheinhessen 49,799 Mk. — 7871 Apri- lo f en# und Pfirsichbäume in Starkenburg 5143 Mk., 1055 in Oberhessen 450 Mk. und 23,771 in Rheinhessen 56,645 Mk. — 870 Kastanienbäume in Starkenburg 1196 Mk., 97 in Oberhesien 24 Mk., 78 in Rheinhessen 360 Mk. — 45,568 Wallnußbäume in Starkenburg 52,175 Mk., 6811 in Oberhesien 14,008 Mk., 8655 in Rheinhessen 17,453 Mk. — Insgesamt lieferten die vorgenannten 2,261,036 Obstbäume einen Ertrag von 2,729,206 Mk., wozu noch für 36,168 Mk. an Tafeltrauben kommen.
Darmstadt, 20. Mai. Der Großherzog empfing am 19. Mai den Oberst v. Rothkirch und Pauthen, Kommandeur des 2. Großh. Dragoner-Regiments (Leib-Dra- goner-Regiments) Nr. 24, den Leutnant Prinz zu Yysen- burg u. Büdingen-Wächtersbach und die Leutnants der Reserve Andreae und Hasenkamp von demselben Regiment, den Oberstleutnant Frhrn. v. Rheinbaben vom Stabe deS 1. Großh. Infanterie- (Leibgarde ) Regiments Nr. 115, den Lehrer Bender vom Realgymnasium, den Oberamis- richter Landmann, den Finanzamtmann Hofmann von Mainz, den Profesior v. Willmann von der Technischen Hochschule, den Oberlehrer Peters vom Neuen Gymnasium, den Medr- zinalrat Dr. Salzer aus Worms, den Rendanten Rettzel, DiftriktSeinnehmer i. P., den Kreisstraßenmeister Hohenadel aus Schotten, den Obersteuerrat Serp, den Oberlehrer Roller, den Profesior Dr. Scheffers, den den Landrichter Marr von Mainz, den Landgerichtsrat Holzapfel von Gießen; zum Vortrag den Staatsmiuister Rothe, den Kabinettsrat Römheld. — Ernannt wurde am 18. Mai der Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Groß-Umstadt Franz Carnier zum Gerichtsvollzieher bei dem Amtsgc. richt Darmstadt II mit dem Amtssitze in Darmstadt, mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers an.
Gerichtssaal.
Leipzig, 18. Mai. Der sich zur Erfüllung der Wehrpflicht vorsätzlich durch Selbstverstümmelung oder auf andere Weise untauglich macht, wird nach 8 "2 St. G. B. rmt GefängmS nrcht unter
einem Jahr bestraft. Auf Grund dieser Bestimmung ist der Handarbeiter August Robert Kießling eu8 Lauterbach zu einem Jahre GefängmS verurteilt worden. Der Angeklagte sollte sich am 6. Mai v. I. zu einer 14tägigen Reserveübung stellen. In der Rächt zum 1. 3tai kam er bo* einem MilitärveretnSball stark angetrunken nach Hause, verübte erst Lärm der die Hausgenoffen ermunterte, unv rief dann: „Ich soll jetzt »um Militär eintreten, will aber nicht". Dabei schlug er stch mit einer Bierflasche fortgesetzt auf den rechten Arm, bis dieser anschwoll und blutunterlaufene Stellen aufwies. Als er sich dann bei seinem Truppe^ teil meldete, wurde er vom Militärärzte als zurzeit dienstuntauglich zurückgewiesen, da die Ausheilung der Armverletzung mindestens zehn Tage in Anspruch nehmen würde. Zu Hause angekommen, renommierte Kießling: .Ja, helle muß man sein-, die anderen muffen dienen, ich aber kann zu Hause bleiben." — Gegen das Urteil hatte der Angeklagte , Revision eingelegt, die vor dem Reichsgericht zur.J^^Jüng '
Es wurde behauptet, daß nicht der $ 142 sondern höchstens der 8 "3 hier in Frage kommen könne. Der 8 143 bedroht mit Gefängnis von eine« Tage an de», der sich in der Absicht, sich der Wehrpflicht ganz oder tellweise zu entziehen, auf Täuschung berechnete Mittel anwendet. — Der Reichsanwalt war der Ansicht, daß das Landgericht die SS "2 und 143 nicht genügend auseinandergehalten habe. Es tomme darauf an, ob der DoluS des Angeklagten dahin gegangen sei, ftch der Wehrpflicht dauernd zu entziehen. Kur die Anwendung des 8 142 fei e# nötig, dies festzufiellen, während 8 "3 von einer teilweisen Entziehung spreche. Run könne man allerdings in gewtffem Sinne eine Lücke t*i Gesetze annehmen, insofern nämlich der 8 J43 auf Täuschung berechnete Nittel verlange, der 8 "2 aber nicht, mdeffen erscheine diese Annahme nicht unbedingt notwendig. Ein auf Täuschung berechnetes Mittel sei es sicherlich, wenn der Anklagte, ohne ein Wort zu sagen, seinen Arm len. Seit jur Untersuchung Malte und in ihm den E>^uh-N her°°r- rufe, daß die Verletzung ohne fern Zuthun erfolgt sei. Deshalb könne im vorliegenden Falle wohl der % 148, nicht aber der $14« Anwendung finde». — Das Reichsgericht folgte dieser dem Angeklagten günstigen Auffassung, hob das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück.
Handel Md Verkehr. Volkswirtschaft.'
Vkhl.
Der Getreidemarkt war bis zum Beginn der verichtswoche aus- aesprochen stau, die Stimmung hat stch indessen «zwischen etwas befestigt. Die Lage des Mehlmarktes ist so trostlos, wie je zuvor. Verkaufte man bisher nur auf die naheliegenden Termine zu absolut unrentablen Preisen, so werden jetzt Geschäfte unternommen per Herbst zu noch niedrigeren Preisen, bei denen von irgend welchem Nutzen keine Rede mehr sein kann. Kann man auch, infolge der großen Ankünfte der Laplataware momentan hie und da ein Pöstchen billig kaufen, so ist es doch kein Grund, zu gleichen Preisen auf 6 bis 7 Monate hinaus zu verkaufen, wo von Deckung gar keine Rede sein kann. Die gegen, wärtigen Forderungen auf spätere Abladung bedingen Mehlpreise von Mk 24 50, während die Mühlen mit Mk. 24,25 und Mk. 24 am Markte find, ja'es find sogar Abschlüffe zu Mk. 23,75 und Mk. 23,50 in den letzten Tagen zu verzeichnen gewesen. Futterartikel sind etwas ruhiger, gehen jedoch immerhin noch sehr gut ab, und Preise sind unverändert.
Hopfe«.
Die letztwöchentliche Ruhe war auch in der Berrchtswoche wieder dominierend. Nicht die geringsten Abschlüsse wurden bekannt. Von verschiedenen Bezirken lauten die Berichte über den Stand der Pflanzungen sehr günstig. Durch die lange anhaltende Kälte konnten sich die Pflanzen im Boden kräftig entwickeln und es stehen genügend kräftige Triebe zur Verfügung.
Getreide.
Trotz des für die jungen Pflanzen ungünstigen kalten Wetters konnte sich auch in der verflossenen Woche die Stimmung nicht befestigen, da Amerika mit seinen schwankenden Notierungen den Markt unter Dntck hielt. Argentinien offeriert nach wie vor ziemlich lebhaft, und ließ sich
intimsten Regungen, die feinsten Empfindungen des Mut- terherzens vollkommen nachempfinden und darstellen kann. Der Kernpunkt des Schillerschen Entwurfs ist der Zwiespalt, der in seinem Helden entsteht, als es ihm deutlich wird, daß er nicht mehr der erbberechtigte Zar, sondern daß er nichts, als ein Usurpator ist. Dies Gefühl mag ihn quälen, aber es darf ihm die stürmische Heldenseele nicht so einnehmen, daß er zum senttmentalen Schwächling wird wie es hier geschieht. Wie würde der Geist Schillers, dessen gewaltiger erster Akt die ganze Ergänzungsarbeit totdrückt, da umgegangen sein, welche Kräfte hätte er da entfaltet! Die Formen, die er ausarbeiten und verwenden wollte itnd in die er, hätte ihm nicht der Tod die Feder aus der Hand genommen, ein herrliches Erz gegossen hätte, har die Bearbeiterin hervorgesucht, mühsam nach ihrem Ermessen zusammengestellt, und Ghps hineinfließen lassen. Das Produkt hat sie mit Bronze angestrichen und meint nun, der Welt ein Erzgebilde geschenkt zu haben. Ueber diese Thatsache können uns auch manche gut ausgearbettete Szenen, wie die äußerlich so hervorragend wirkende Schwurszene Marfas und vorher die Szene mit dem falschen Zaren, können uns einige gut empfundene, prakftsch ausgestaltete Momente nicht Hinwegtäuschen. Wir haben es in der Götzeschen Bearbeitung, die vor den anderen viel Vorzüge hat und in Weimar und Mannheim schon gefallen haben soll, nur mit einem Schillersurrogat zu thun und es bleibt unbestreitbar, was der offizielle Festfpielsührer mit rühmlicher Ehrlichkeit selbst zugesteht, indem er schreibt: „Eine dem Genius des Dichterfürsten nahe kommende Ergänzung seines Torso wird wohl auch ferner ein ftommer Wunsch bleiben".
Wiesbadener Waiftstspiele.
Schluß des Berichtes aus Nr. 117.
»aÄ der glänzend vsrlanftnen Regatta ging dann libends^.Demetrins" in der Ergänzung von Auguste tLüfte in Szene Für unser Empfinden hatte an dem Torft>, den Schiller hinterließ, niemand flickendem- Hand legen dürfen Wirklich sind alle anderen Versuch« von den Maltitz, Grimm, Bodenstedt, Mhne, Laube rc. grunbliA mißglückt. Alle diese Bearbeiter mochten mit der That- jade rechnen, daß eK nur wenig Menschen gwbt, die an einem solchen Torso, an einem unvollendeten Meisterwerk, hie aleicke ästhetische Freude haben können, wie an einem intiaen Der gewöhnliche Neugierstrieb der Masse wünscht eben zu wissen, wie es wohl gewesen sein konnte und so finden sich denn, solchen Umstanden Rechnung tragend, mmer ba d Leute, die herum,lickend zu ergänzen smhen Ä Fragmente, die ein Titan hinterließ. Jedenfalls es ricktiaer auch pietätvoller gewesen, wenn man zu den FestsPiettn, vielleuht mit einem erklärenden poet,- schen Prolog, den Demetrius-Torso als solchen dargeboten und den Wend mit einem anderen deutschen oder fremden Meisterwerk in Musterdarstellung auvgefüllt hatte. Schcl- kers Demetrius ist in H-mdlnng und Charatteren durchaus Männerarbeit und nun will es eine, wenn auch leidlich beaabte ^rau wagen, eines der schwierigsten Männerwerke ^vollenden Von vorneherein ein tollkuhnerr Versuch. Ein Weib Kun dergleichen nicht vollbringen ebenso wenig mit nach unserem Empfinden ein männlicher Dichter die
Die Aufführung bot wieder große äußere Pracht und reiches Leben, besonders in der Reichstags- und Kirchenszene. Unter den Darstellern thaten sich hervor Herr Zickner aus Magdeburg, der an Stelle des erkrankten Wiecke aus Dresden den Titelhelden mit Feuer spielte, wenn er auchi etwas übertrieb, Frau Clara Ziegler, die mit ihrer pathetischen Gewalt älterer Stilrichtung die Marfa gab, Frl. Willig, unsere Heroine, ein Produkt überschäumender Leidenschaftlichkeit und sorgfältig an ihr bildender Regie, als Marina, Herr Paul Wegener, der als Zar Boris neben Herrn Leffler als Fürst Sapieba vielleicht die interessanteste Charakterleistung des Abends bot und Frl. Scholz als anmutige Axinia. Weiter feien noch genannt Frl. Santen (Olga), die nach Frau Ziegler die Rolle der Marfa übernehmen und zweifellos höchst interessant gestalten wird, und die Herren Neumann, Schreiner, Rodins, Kochy und Schwab, die zum Teil kleine Röllchen inne hatten. Wie sehr aber auch darin zu wirken, bewies Frl. Stehle, die als Kunde bringender Fischerknabe in die bedrückte Klosterszene plötzliche ftisch pulsierende» Leben brachte. Das Publikum zeigte sich für alles Gebotene dankbar, aber zu einem starken Erfolg hat es das viel zu lange dauernde Stück nicht gebracht.
Mit Oberon und Demetrius sind die „Haupt- und Staatsaktionen" der Festspielzcit vorübe^ U^er^das, was norfii folat ■ Zar und Zimmermann", „Fra Diavow un» eine Anzahl festlicher Ergötzlichsten - leider das Wetter wieder ändern zu wollen - wird in einigen Tagen ein kurzer Schlußartikel berichten.
auch zu kleinere» Preiskonzessionen herbei. Ro «gen bleibt feft; Hafer preishaltend; Gerste ruhig; Maie-ziemlich unverändert. De heutigen Notierungen sind: Redwinter 2, *29,50 Kansas 2, *22,50 bs 123 50- Laplata, f- g. g. 124 bis 126; ruff. Roggen 112 bis 114; russ Laser 99 bis 115 Mixed-Mais 88 per Tonne cif Rotterdam.
Tabak.
Die Berichtswoche brachte ebenfalls einen sehr ruhigen Geschäfts- aana mit sich; es wurden mit Ausnahme von Kleinigkeiten m Smlage- tabaken, die zu 36-40 Mk. verkauft wurden und deren Quantum nicht nennenswert, keine Abschlüsse bdannt. ®a.ferinent(lti(m nimmt ihren reaelmäßigen Fortgang und entwickeln sich die Tabake sehr kräftig. Unsere früher schon geäußeäe Ansicht, daß diese Tabake m der zwei^ Fermentation etwas von ihrer Qualität verlieren würden, scheint »uht in Erfüllung gehen zu wollen und werden die Fabrikanten denselbm ohne gelaugt zu haben, für bessere Qualitäten ihres Fa^ikates wohl nicht verwenden können. Es ist deshalb auch gar nicht^ausgeschlossen, daß nach beendigter Fermentation die Fabrikanten sich den noch vorhandenen alten Tabaken zuwenden werden. Die Schneidtabake, soweit solche ttocken ins Lager kamen, entwickeln sich dagegm bedeutend Keffer. — In losen pfälzer Rippen geschäftslos, ferne lose 9—9,50 Mk., ferne gebündelte 11—12 Mk._________ __
Aufgebots.
Mai 4. Karl Philipp EmU Martin Schmall, Weißbinder und Lackierer dahier mit Luise Nau hier selbst 12. Johannes Rock «ahn- arbeiter in Wieseck mit Anna Margarethe Schneider rn Beuern. 14. Johannes Friedrich Preiß, Zugführer dahier mit Katharine Heller hrer- ftlbst. 14. Louis Wilhelm Heinrich Schnautz, Schloffer in Schalke mit Pauline Jost daselbst. 14. Heinrich Martin Balser, Kaufmann dahier mit Wilhelmine Katharine Christine Roll Hierselbst. "-Hermann Bogel, Tagldhncr dahier mit Margarethe Zinnkorn hrerselbst. 15. Johann Georg Kühn, Eisenbahn-Stationsgehilfe dahier mit Amalie Auguste Karoline Brell in Kaffel. 15. Hermann Peter, Stadtkaffegehilfe dahier mit Anna Elise Pröscher in Schotten. 16. Reinhard Zinkarm, Fabrikant zu Herzebrock mit Karoline Christiane Henriette Hermes dahier.
«heschtte-uuge«. r t
Mai 12. Max Franz Richard Klamt, Handschuhmacher dahier mit Elisabeths Stamm Hierselbst. 17. Dr. Friedrich Karl Kaspar Josef Mues, praktischer Arzt in Eickel mit Bertha Elrsabethe Sophie Krlbmger Hierselbst.
«eboreue.
Mai 9. Dem Schloffer Heinrich Deibel ein Sohn, Wilhelm Karl. 10. Dem Eisendreher Adam Büttner eine Tochter. 10. Dem Feldwebel Johann Heinrich Dambmann eine Tochter. 10. Dem Zimmermeister Georg Schubecker ein Sohn, Georg. 11. Dem Schlosser Karl Gerlach eine Tochter, Marie Lina. 13. Dem Bremser Valentin Ruppel em Sohn. 15. Dem Kaufmann August Zoll eine Tochter.
Geftorbeue. r . . ,
Mai 14. Marie Rau, 1 Monat alt, Tochter von Wirt Hemrrch Rau Hierselbst. 15. Elise Volk geb. Kollmer, 30 Jahre alt, Ehefrau von Wagenwärter Heinrich Volk Hierselbst. 16. Ludwig Schädel, 3 Jahre alt, Sohn des Universitätsdieners Johannes Schädel hierfelbst.________
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