Ausgabe 
21.2.1900 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Katastrophe nicht verhindern, und in der Stunde der Nieder- laqe kann der Sieg nicht organisiert werden. Mit einer Offenheit, die sonst den englischen Parteiführern nicht in besonderem Maße eigen ist, hat Lord Rosebery in der letzten Sitzung des Oberhauses erklärt, daß er, wenn England noch fünfzigtausend Mann brauche, nicht wisse, wo man sie hernehmen solle; er hat zugleich darauf hingewiesen, daß von anderen Nationen weder eine materielle noch eine moralische Unterstützung zu erwarten sei, daß dielebhaften Vorschläge", die von England aus für eine Allianz mit den Bereinigten Staaten gemacht wurden,nicht mit der Herzlichkeit ausgenommen wurden, die für die Regierung eine Ermutigung bedeutet hätte, ihre Vorschläge weiter zu verfolgen."

Die englische Hilflosigkeit, um nicht zu sagen, die eng­lische Wehrlosigkeit gegenüber den Gefahren, die doch nicht nur in Südafrika, die auch in Afghanistan, die überall drohen, wo englische Eroberungssucht hindrang, bildet den letzten und einzigen Grund für den cynischen Plan Chamber­lains und seiner Komplizen, die Zulus und Hottentotten aufzuwiegeln zum Kampfe gegen die Buren. Gelingt aber dieser Plan, wird die Welt im Morgengrauen des zwanzigsten Jahrhunderts Zeuge eines Schauspiels blutigster Nieder­tracht, so wird doch vielleicht das Stündlein schlagen, in dem das beleidigte Menschentum sich erhebt und die kühlen Erwägungen der Politik ihre Geltung verlieren vor der ehernen Stimme der Gerechtigkeit.

Kskst« mrS MomaMrs.

(Anonyme Einsendungen, gleichviel welche« Inhalte-, werden-grundsätzlich nicht ausgenommen.)

Gießen, 20. Februar 1900.

* Geschichtskalender. (Nachdruck verboten.) Vor 38 Jahr«, am 21. Februar 1862, starb zu Weinsberg Justtnus Kerner. Schon als junger Mediziner vertiefte er sich in das gebetmntsvolle Wesen der Natur, in das Romantische und Mystische. Berühmt ist sein Buch:Die Seherin von Prevorst". Zu seinen Gedichten ge­hört daS wohlbekannte:Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein". K. wurde am 18. Oktober 1786 in Ludwigsburg geboren.

** Zn Gesellschaft. Im menschlichen Wesen liegt ein Bedürfnis nach Gesellschaft. Anregende Gesellschaft bringt dem Geiste wohlthuende Zerstreuung, die dem Kulturmenschen umsomehr nötig ist, als ihn sein Beruf an eine einseitige Thätigkeit bannt. Leider muß man jedoch sagen, daß der allgemeine gesellige Verkehr, wenigstens der ungezwungene, abgenommen hat, und zwar in dem Maße, wie der Ehrgeiz, der Anspruch und der äußerliche Glanz gesteigert worden ist. Jetzt giebt es unter den Menschen weniger vertrauten Verkehr, als vielmehr Gesellschaften, in denen die äußere Erscheinung dominiert, und von denen die meisten glauben, sie seien nur dazu da, um Orden und die neuesten Gar­deroben zu zeigen, ohne dabei die Erkenntnis zu haben, daß ein großes Hervorheben des eigenen JchS kalt und befrem­dend auf andere wirkt. Man sagt, die Zeit ist materieller geworden; jedoch nicht blos das, sondern sie ist auch schema­tischer als die frühere. Ueberall zeigt sich ein übermäßiges Streben nach Noblesse. Jetzt muß jede Bürgersfrau einen Salon haben, der aber meistens im Winter kaum geheizt wird und nichts weiß von geistreich erheiterndem Gespräch, von Scherz und Laune, von Fröhlichkeit und Lachen, von herzlichem Verkehr zwischen Menschen, sondern nur dazu da ist, gelegentlich einem Besuche gezeigt zu werden. Früher galt das Familienleben für einen Vorzug der deutschen Nationalität. Jetzt verbringt der ledige und verheiratete Deutsche seine Abende meistens rauchend, spielend und trinkend mit seinesgleichen in den Bierstuben, während der Pariser nach dem Abendessen ungeniert Familienzirkel aufsucht und dort der Unterhaltung nachgeht, bei wenigem Genuß von geistigen Getränken. Wenn auch der Engländer mehr seinen Stand berücksichtigt, so verlebt er seine freien Stunden doch meist in Familien. Wir kennen Beispiele, wo sich in Deutsch­land mehrere Familien behufs Pflege der Unterhaltung enger aneinander schlossen, und doch währte dieser Umgang nur kurze Zeit. Die Sucht der Frauen, einander zu überbieten, bewirkte das Gegenteil, nämlich durch die dadurch im lieber» maß entstehenden Kosten, ein Nichtgernesehen der Gäste, und die wirkliche Geselligkeit hatte sich sehr bald unbemerkt aus diesem Umgänge davongeschlichen. Die wahre Geselligkeit kann eben alles übertrieben Kostspielige nicht vertragen. Sie sucht ihren Wert in dem gegenseitigen geistigen und gemütreichen Austausch. Darum dient sie auch der Bildung in dieser beiderseitigen Hinsicht in ganz hervorragender Weise, besonders durch den vielseitigen Verkehr von jung und alt und beiderlei Geschlechts. Der junge Mann erhält durch guten, belebenden Umgang mit gebildeten, taktvollen Frauen mehr Nahrung für Geist und Herz, als durch trockene Wissenschaft, und ist genötigt, wohlanständigen Formen eine größere Beachtung zuzuwenden, als in Gesell­schaft mit seinesgleichen.

* *

* Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der G r o ß - Herzog haben Allergnädigst geruht, am 7. Februar 1900 dem Gerichtsmann Jakob Daniel Thomas zu Erzhausen das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für lang­jährige, treue Dienste" zu verleihen.

* * Hochwasser. Infolge der in den letzten Tagen statt­gefundenen Niederschläge ist das Wasser der Wieseck und Lahn derart gestiegen, daß in der Nacht von Sonntag auf Montag die städtische Pumpstation in Betrieb gesetzt werden mußte. Die sogen. Au ist derart unter Wasser gesetzt, daß sie einem großen See gleicht.

* Turnerisches. Der am Sonntag hier abgehaltene Turntag des Gaues Hessen setzte das diesjährige Turnfest in Kirchhain auf den 8. und 9. Juli fest. Für 1901 wird Nidda das Turnfest erhalten. Die diesjährige Turnfahrt gebt nach Grünberg.

* * Hessische Landessyuode. Infolge der eingetretenen Verlängerung der Verhandlungen der Zweiten Kammer der

I Landstände wurde es, wie dieDarrnst. Ztg." erfährt, nötig, den Zusammentritt der 6. ordentlichen evangelischen Landessynode zum Zwecke der Budgetberatung, der für Mittwoch 21. Februar, vorgesehen war, auf Donnerstag, 1. März, vormittags 9i/2 Uhr, zu vertagen. Für die Ver­handlungen sind drei Tage in Aussicht genommen.

** Akademisches Konzert. Wie aus dem Inseratenteil unseres heutigen Blattes ersichtlich, wird dieSchöpfung", das unsterbliche Tonwerk Haydn's am kommenden Donners­tag der Akademische Konzertverein zu Marburg im großen Museumssaal daselbst zur Aufführung bringen. Es dürfte bei einem so volkstümlichen Werke überflüssig erscheinen, an unsere Leser ein Wort der Empfehlung dieses Konzerts zu richten, übt doch dieSchöpfung" heute noch dieselbe I Wirkung aus, wie sie vor mehr als hundert Jahren bei ihrer Erstaufführung hatte. Nur ein Wunderwerk im höchsten Sinne des Wortes kann eine solche unerschöpfliche Lebens kraft haben. Daß eine seiner Bedeutung würdige Auf­führung des Oratoriums zur Aufführung gelangt, dafür bürgen uns auch die Namen der Solisten. Die Soli haben Frau Emma Rückbeil-Hiller, Kammersängerin aus Stutt­gart, Herr Emil Pinks aus Leipzig und Herr Arthur von Eweyk aus Berlin übernommen. Arn Mittwochnachmittag 5 Uhr findet die Generalprobe statt, zu der Eintrittskarten ä 1 Mark in der N. G. Elwert'schcn Univ Buchhandlung zu Marburg ausgegeben werden. Daß die Züge zum Kon­zert sowohl wie zur Generalprobe von hier aus günstig gelegen sind, dürfte manchen Musikfreund hiesiger Stadt zu einem Besuch veranlassen.

** Landes'Lehrervercin. Im RestaurantRosenau" in Frankfurt a. M. tagte am Sonntagnachmittag die vom Vorstande des hessischen Landeslehrervereins einberufene Delegiertenversammlung hessischer Lehrer. Es waren gegen 300 Lehrer aus allen Teilen Hessens erschienen. Folgende Resolutionen wurden einstimmig angenommen: 1) Die heutige Versammlung steht auf dem Standpunkte ihrer Eingabe vom 4. Februar 1899 und fordert Gleich­stellung aller seminaristisch gebildeten Lehrer. 2) Sie er­blickt in der Gesetzesvorlage der Regierung einen Schritt zu diesem Ziele. Sie spricht den Wunsch aus, daß die Skala der Regierungsvorlage in der Weise verbessert werde, daß in Zulagen von je 200 Mk. in je 3jährigen Stufen mit 27 Dienstjahren da« Höchstgehalt von 2800 Mk. er­reicht werde. Für die Schulverwalter wurden gewünscht: 800 Mk. AnfangSgehalt, 1000 Mk. nach der 2. Prüfung und nach 3 Dienstjahren eine einmalige Erhöhung von 100 Mk. Bezüglich der Pensionsfrage der Lehrerwitwen und Waisen referierte sehr eingehend Herr Kaßlick. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: Hohe Kammer wolle den Minimalsatz von 450 Mk. als Witwenpension für alle Fälle beibehalten, sonst aber für die Lehrerwitwen und -Waisen das Zivilstaatsdiener - Witwengesetz in An­wendung bringen.

Militärisches. Durch einen am 17. dsS. Mts. in Mainz bekannt gegebenen Befehl des Kommandeurs des 18. Armeekorps, General der Infanterie v. Lindequist, ist den Offizieren sämtlicher Garnisonen des Korpsbezirks wieder holt das Tragen von Zivilkleidern verboten worden. Eine Ausnahme bilden nur Landpartien, und hierbei wird es dem Taktgefühl dor Offiziere anheim gestellt. Bei Touren nach Frankfurt ist die Zivilkleidung überhaupt ausgeschlossen und muß stets Uniform getragen werden.

** Bahnhofswirtschaft in Butzbach. Wie derButzb. Ztg." mitgeteilt wird, haben sich für die mit dem 1. Mai hier zu errichtende Bahnhofswirtschaft 18 Bewerber gemeldet. Die Angebote schwanken zwischen 500 bis 1800 Mk. Ein Zuschlag seitens der Direktion ist noch nicht erfolgt.

§ AuS dem Ohmgebiet, 10. Februar. Im Laufe dieses Winters, her so übermäßig reich an Niederschlägen ist, war daS Thal der Ohm schon wiederholt überschwemmt. Aber eine solche Ausdehnung hat das Wassergebiet noch nicht genommen, wie heute. DaS Wiesenthal gleicht jetzt in der Thal einem See oder einem Stromlauf von der Größe des Rheines. In der Gemarkung Ruppertenrod reicht das Wasser bis an die HauSgärten. Donnernd stürzen die schmutziggelben Wassermaffen über die Gefälle her Wassermühlen, deren Besitzer die Gewalt des Wassers durch Wehren abzuleiten suchen. Die Farbe des Wasiers verrät, daß es viele Ackererde weggeschwemmt und fortgefließt hat. Die kleinen Pflanzgärten im Thale stehen unter Wasser, ebenso die Stege über die Ohm. Auch die Seitenbäche der Ohm, namentlich die Jls- und die Seenbach, sind Über ihre Ufer getreten, und haben ihre Flußthäler unter Wasser gesetzt. Bei Bahnhof Mücke, wo sich Ilsbach und Seenbach vereinigen, ist die weite Fläche ein einziger schmutziggelber See. Dazu haben die Niederschläge noch nicht ihr Ende erreicht; noch fortwährend regnet es aus den von mäch­tigem Sturme pfeilschnell getragenen Wolken. Dieser Sturm tobte in der vorigen und vorletzten Nacht mit orkanartiger Stärke. Hefte wurden von den Bäumen geriffelt, Ziegel abgedeckt, und was nicht festen Standes war, umgefegt. Sind das Frühlingsstürme? Der Lerchengesang, den wir I dieser Tage zum erftenmale im Felde vernahmen, könnte es | künden.

0 Burkhards, 18. Februar. Gegenwärtig sind hier viele Bewohner unseres Dorfes an der Krätze erkrankt.

Burkhards, 17. Februar. Daß im Bogelsberge in manchen Gemeinden das Gelände, besonders Wiesen gut bezahlt werden, beweisen folgende Zahlen. Bei einer in dem benachbarten Kaulstoß abgehaltenen Güterversteigerung wurden zwei Wiesen, welche zusammen einen Flächeninhalt von 3 Ar und 500 Quadratmeter haben, mit 1012 Mk. bezahlt.

§§ Gedern, 17. Februar. Arn verflossenen Donnerstag wurde die diesige Privatschule, geleitet von den Herren Lehrer Kratz und Schaad, Lehrerin Fräulein Bentz und

Herrn Hosprediger Heinrichs, durch Großherzogl. Nreis- schulkommission Schotten einer ordentlichen Visitation unterzogen.

O Nidda, 17. Februar. Der Verein Krankenpflege z» Nidda hielt gestern abend feine diesjährige General, Versammlung ab. Der 1. Vorsitzende, Herr F. Stork, begrüßte die Erschienenen und gab eine Uebersicht der Vereinsthätigkeit im Jahre 1899. Das finanzielle Ergebnis hat sich gegen das Vorjahr, wo eine Überzahlung vorhanden war, dieses mal günstiger gestellt. Die Krankenschwester war fast unausgesetzt in Thätigkeit. 30 Krankheitsfälle in Nidda, 4 in auswärtigen Orten, außerdem zahlreiche Fälle von Wundenbehandlungen und Beihilfen bei Operationen nahmen die Schwester in Anspruch, und hat dieselbe all­gemeines Lob erworben. Die Rechnnng ergab 787,65 Mk. in Einnahme, darunter von der Sparkasse Nidda 100 Mk. von dem Kreditverein Nidda 50 Mk., Pflegegelder 100 Mk., Mitgliederbeiträge (je 1 Mk.) 225 Mk. Zahlreiche Pflegen erfolgten gratis. Die Ausgaben betrugen 758,73 Mk., mithin Ueberschnß 28,72 Mk. Das Kapitalvermögen be­trägt 2170,97 Mk., das Inventar 800 Mk. Die aus- scheidenden Vorstandsmitglieder (der 1. Vorsitzende, der 2. Vorsitzende Pfarrer Werner und Gastwirt Nullmann) wurden einstimmig wiedergewählt, außerdem noch dem Vor­stände ständig zugeordnet Herr Bürgermeister Roth. Der Bau eines Krankenhauses ist für die Folge, besonders bei Zunahme der Einwohnerzahl, wie sie eben erfolgt, unabweislich.

Meralur.

AUS dem Hause Molinari. Die von Dr. Josef Ettlinger herausgegebene Halbmonatsschrift für LitteraturfreundeDas litterarische Echo" (Verlag von F. Fontane & Co. in Berlin) schr<ibt in der neuesten Nummer: Ein Magdeburger Kaufmann, Herr Otto Pilet, hat unter dem TitelEin Rückblick auf mein Leben" (Magdeburg, Faber'sche Buch­druckerei) ein Buch veröffentlicht, das seine eigene fünfzigjährige Thätig­keit alS Kaufmann und die Sntwicklung deS deutschen Handels während dieser Zeit in anspruchsloser, aber anziehender Weise schildert. DaS spezielle litterarische Interesse dieser Aufzeichnungen beruht darin, daß Herr Pilet der Abkömmling einer brandenburgischen Rüfugiü-Familie nach bestandener Lehrzeit 1854 in dem Hause I. Molinari u Söhne in Breslau eintrat, dasselbe, deffen Leben und Treiben in Freytags berühmtestem Romane um eben diese Zeit verewigt wurde. Mit dem ältesten Chef des Hauses, Theoder Molinari, war Freytag wie aus dessen Erinnerungen bekannt ist in BreSlau eng befreundet geworden, im Verkehr mit ihm und seinem Hause hat er die Anregung zu Soll und Haben" empfangen, hier hat er alle Beobachtungen gesammelt, die er später zum künstlerischen Zeit- und Lebens­bild gestaltete. Interessant ist es daher, aus dem Munde

eines Augenzeugen, wie Pilet es war, zu erfahren, daß Freytags Schilderungen genau der damaligen Wirklichkeit entsprachen Wie weit dies auch von den Personen galt, die in Freytags Roman Vorkommen, stellt Pilet im einzelnen fest. Die äußere Erscheinung seines Handels­herrn T. O. Schröter hat er derjenigen Molinaris entlehnt, Vorbild der Sabine war ebenfalls nur dem äußeren nach dessen jüngere Schwester. Fink und Wohlfahrt find Freytags eigenste Schöpfungen, dagegen haben alle Nebenpersonen wirklich existiert.Die Gemahlin von Theodor Molinari," erzählt Pilet,war eine geborene Gelbsattel, die er sich aus Lemberg geholt hatte, daher der Name des Baron Rothsattel, und über die Benennung der köstlichen Figur Schmeie Tinkeles ist mir erzählt, daß Freytag eines Tages von Theodor Molinari einen recht jüdisch-polnischen Namen verlangte. Dieser hat ihm daS so­genannte Adreßbuch für Galizien übergeben, worin er das Gesuchte finden würde. Freytag entschied sich für den Namen eines Lemberger Kaufmannes Schmeie Mintzeles, doch dagegen protestierte Molinari energisch; er solle ihm nicht einen seiner besten Geschäftsfreunde und sehr respektablen Mann sozusagen verhunzen. Auf Freytag's Bemerk­ung, daß aber gerade der Tonfall in dem Namen so paffend fei, riet er ihm, ihn umzutaufen, und so wurde aus Schmeie Mintzeles Schmeie Tinkeles." Ganz getreu ist die Schilderung aller Räume deS Hauses, auch des Verkehrs der Auflader und Hausknechte unter der Herrschaft des den Signierpinsel als Szepter führenden Herrn Pix, der aber in Wirklichkeit Destner hieß. Das Urbild deS missionsgeneigten Herrn Baumann war ein Herr Simmchen, der als strenger Katholik seine Zimmerwände und Fensterscheiben mit Heiligenbildern geschmückt hatte. In gleicher Weise find der Buchhalter Liebold, der Agent Braun u a. mit veränderten Namen nach lebenden Modellen geschaffen. Auch eine Reihe kleinerer Szenen hat Freytag dem Leben im Hause Molinari ent­nommen, so die köstliche Episode, da der stets verliebte Herr Specht, der sich mit den Mitgliedern seines Quartetts infolge eines Ständchens verfeindet hatte, das Bersöhnungsfest mit diesen in der von chm in feinem Zimmer angelegten Kürbislaube feierte. Ein derartigesLauben- feft" hatte Freytag selbst in seiner Wohnung am Tauenzienplatz zu geben versucht, allerdings mit verunglücktem Erfolg Auf Thatsachen beruht auch der Abschnitt des 3. Buches, der die Reise des Kaufherrn in das aufständische Gebiet zur Rettung seiner Warenkarawane behandelt.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Frankfurter Börse vom 19. Februar.

Wechsel auf New-York zu 4.21-22.

Prämien auf Kredit per ult Februar 0.70%, do. per ult März 2.20%, Diskonto Kommandit per ult. Febr. 0.60%, do. per ult März 1.70%, Lombarden per ult. Februar 0,65 % do. per alt März 1.10/o, Deutsche Bank per ult. März 0.%, Dresdener Bank per ult. Febr. 0 00%, Berliner Handelsges. per ult. Febr. 0.00.

Notierungen: Kreditaktien 286 50-0, Disko nto-Kom- mandit 194 80-00, Staatsb. 140.40-00, Gotthard 142.00-00, Lom­barden 29.50-00.00-00, Ungar. Goldrente 98.85, Italiener 94 30, Sproz. Mexikaner 26.30, Oesterr. Coupons 84%, Atnerik Coupons 4.19%, Privat-Diskont 4%% Geld.

1% bis 28/, Uhr: Kredit 236.40-00, Diskonto 194.70-00-00. Staatsbahn 140.40-00, Lombarden 29 50-00.00, Berl. Handelsg. OOO, Bochumer.

Getreide.

In der abgelaufenen Berichtswoche hat sich die festere Stimmung im Getreidegeschäfte weiter verstärkt, wesentlich unterstützt durch die gute aufwärtsstrebende Geltung Amerikas und Argentiniens. Speziell Argentinien ist sehr fest, da die außerordentlich guten Qualitäten der neuen Ernte auch gute Preise bedingen müssen. Auch unsere Wühlen beginnen jetzt eher einzugreifen, was auch auf das Abnehmen der Zu­fuhren inländ. Ware zurückzuführen ist. Roggen ebenfalls fest. Hafer und Gerste unverändert. Mais sehr fest und steigend. Die heutigen Notierungen sind: Redwinter II 133135; KansaS II 127%; neuer Laplata 128129; ruff. Roggen 9io/15 108109; mixed Mais 84 per Tonne cif Rotterdam.

Ansotge seiner eigenartige« patentierten Ker- stelkungsweise Vesttzt Kathreiners WatzKaffee in hohem Hrade HeschmaL und Aroma des Aohnerr- Kaffees und ist für diesen entschieden der Veste Ersatz vezw. Ansatz! 302

Ä-lkhoh."" r<u A StodW' i pydUr*

dt

's*'

««*

f

vU *

tzckMM

iem Mrt i -ar vermögen bt

Eaü Ramftock ii infolge einet von Schuldner gemachten einem ßwanftW«^ Umn N Toi iS. Marz IM 4 Uhr, vor b: gericht hierselbft Mheraumt. Der tet Geiichtsschreik bet Wirten nie

Gießen, den 17.

Neidh Michlsschreiber btt

Hmtlgi

TM Ritfan unb 3),62 Ijb. m Lvvs zur Möge von > N dem hiesigen Frl Mmch, 28.

vorwittags J öffentlich verdungen n Kn, Srbeil-besi Bedingungen liegen tNer Nr. 6 zur ^geböte auf Dotdrr

^nannten Ttmln e Wn, 19. Mi Du M Schmc

MK

Mittwoch do, «achwittogS!i 1 M 77 die f-N« Sw. g,\ W in z m ^r««gseder» a X *8' Ä

Vechh *tog*82bu£ Zahlung.- I ^ffaschrank, i tiine, Ä*