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kfurterstrahe IS,
Mittwoch den 21» Februar
Zweites Blatt
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glaubt denn in aller Welt daran, daß die Buren, deren Haltung selbst von einsichtigen Engländern gerühmt wird, sich auf Plünderungen eingelassen und sich die Grundsätze zu eigen gemacht haben könnten, nach denen vor ElandS- laagte Wehrlose niedergeftochen, Verwundete und Tote ihrer Wertsachen beraubt wurden, nach denen man verfuhr, als Frauen und Mädchen den brutalen Gelüsten einer Bande von landstreichenden Söldlingen ausgeliefert wurden? Wo können die Männer des weiten Gewissens und der sittlichen Skrupellosigkeit, wo können die Chamberlain, Milner und Balfour den Beweis dafür liefern, daß auch die Buren ihre Reihen verstärkt hätten durch die zügellosen Scharen der Wilden? Nein, wenn in Wahrheit das Ungeheuerliche zur That wird, wenn die frommen Männer der Hochkirche die Zukunft ihres Volkes schützen wollen durch die Asiagaies der Kaffern, Hottentotten und Betschuanen, so wird keine Sophistik und keine Lüge die gottselige Regierung der Queen Viktoria von dem Fluche befreien, den die unerbittliche Geschichte ihr und ihren Thaten vorbehält.
Und schon jetzt wird der Bedacht sich nicht zerstreuen lassen, daß jener Versuch, die Wilden zu bewaffnen, daß ein Versuch, zu dem sich doch selbst die heuchlerischste und brutalste Nation nicht leichtherzig entschließen kann, zugleich ein Zugeständnis der eigenen Hilflosigkeit, eine militärische. Bankerotterklärung, bedeutet. Schon jetzt ist das Mutterland, sowie zahlreiche Kolonien entblößt von einer zu ernsk. hafter Verteidigung hinreichenden Truppenzahl, die Konskription von Söldnern und Freiwilligen bleibt dauernd in dürftigem Umfang, von dem Gedanken aber, dessen Durchführung überdies einen weiten Zeitraum erfordert, die allgemeine Wehrpflicht durchzusühren und auch die Herren Söhne der Spekulanten und Stockjobber zum Blutopfer zwingen, ist man weiter entfernt als je. Mit kleiner Flickarbeit und provisorischen Aushilfsmitteln kann man eine
Adreff« für Depeschen: Anzeiger Hieß«« Fernsprecher Nr. 51.
eingedrungen und ob Vorkehrungen getroffen seien, sich gegen einen solchen Angriff zu verteidigen. Und mit freudiger Genugthuung — er brauchte nicht einmal das Augurenlächeln auf seinem Antlitz zu verberg«^^-- hat Herr Chamberlain erzählt, daß in der That Burenscharen in das Zululand eingedrungen seien und in einem Bezirk sogar alle Läden geplündert hätten. Darob sei eine große Erregung im Zululande entstanden, die sich weithin unter den Eingeborenen von Natal fortpflanze. Solche Streifzüge müßten natürlich ernste Folgen haben. Schon jetzt weise Herr Milner jede Verantwortung für das Kommende zurück und man sei zu dem Entschlüsse gelangt, daß, wenn die Buren absichtlich in das Gebiet der Eingeborenen des Kaplandes vordringen, die ZuluS und Kaffern aufgefordert werden würden, sich selbst zu verteidigen, und daß sie hierbei von England aus unterstützt werden würden. Herr Balfour hat die Aeußerungen seines Komplizen Chamberlain durchweg gebilligt und bestätigt.
Es unterliegt nach diesen Kundgebungen, die ihre eigentliche Tendenz kaum noch hinter einem Mäntelchen von Wenn und Aber verstecken, keinem Zweifel mehr, daß in kurzem die moderne Kriegsgeschichte und zugleich die Ge- schichte eines christlichen Volkes, das sich der Höhe seiner Kultur, seiner Religiosität und seiner humanen Gesinnung gerühmt, bereichert werden wird durch ein Kapitel der unerhörtesten Greuelthaten. Denn auch in England muß man es wissen, wie man es auf dem Festlande weiß, daß der Einbruch der Buren im Zululande lediglich heraufgezwungen wurde durch die Bewegung einer fliegenden englischen Kolonne, die vom Zululande aus in das Gebiet von Transvaal einzudringen versuchte. Die Buren sind dieser Kolonne entgegengetreten, weil ihnen die Rolle jenes Einfaltspinsels unsympatisch erscheint, der seine Grenzen nicht verteidigt, nur weil die Gegner es vielleicht Übelnehmen konnten. Wer
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England — moralisch bankerott!
Gießen, 20. Februar.
„Die Geschichte der englisch-ostindischen Kompagnie ist ohne jeden Vergleich das unsauberste Blatt in den Annalen der modernen europäischen Völker, denn die namenlose Blutsaugerei dieser Kaufmannsherrschaft entsprang lediglich der Geldgier, sie kann nicht, wie etwa die Thaten Philipps II. oder Robespierres, mit dem Fanatismus einer politischen Neberzeugung entschuldigt werden". So schrieb damals, als wir an die Schwelle der deutschen Kolonialpolitik traten, Heinrich v. Treitschke. Es ist ihm nicht beschieden gewesen, noch Zeuge des Krieges zu werden, den das Briten- tum, um die Dividenden der Spekulanten zu steigern, am Ende des Jahrhunderts unternommen hat, und er hat auch nicht mehr mit flammenden Worten Protest dagegen einlegen können, daß ein europäisches Kulturvolk unter seichten und nichtigen Vorwänden wilde Völkerschaften bewaffne, um ein ruhiges und tapferes, freiheitliebendes und opfer- mutiges Volk zu bekämpfen, ein Volk, dessen Heldentum bisher jeden Angriff des gewaltigen englischen Weltreiches siegreich zurückwies. Denn es scheint in der That nach den letzten Verhandlungen des britischen Parlaments, als wolle man, da die eigene Kraft versagt, die Zulus und Kaffern aufwiegeln, um gegen die Buren vorzudringen, als wolle man die Reihen der Gegner lichten, indem man die wilde Meute der Eingeborenen losläßt gegen den Frieden des Hauses und alle jene Greuel von neuem heraufbeschwört, die wir aus den Zeiten des französisch-englischen Krieges und des amerikanischen Unabhängigkeitskampfes genugsam kennen. Herr Aerburgh hat im Unterhause an Herrn Chamberlain, vor dem das Engländertum, statt ihn zu steinigen, noch immer anbetend auf den Knieen liegt, die willkommene Frage gerichtet, ob die Buren im Zululand
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Feuilleton.
Der schwarze Wann.
Plauderei von C. Geißler.
Wenn die kleinen Kinder unartig sind, dann pflegen manche Mütter den Kleinen mit dem „schwarzen Mann" zu drohen.
So verwerflich solches Fürchtenmachen ist, so gelingt es doch häufig, den Ausbruch kindlicher Launen einzudämmen, und die Kinder vorübergehend von Unarten abzuhalten; allerdings sehr zum Nachteil der Jugend, welcher dadurch die Furcht vor ungewohnten Erscheinungen eiygeflößt wird, wenn oft nicht schlimmere Folgen die Früchte solcher Erziehungsmethode sind.
In der That übt das Erscheinen des schwarzen Mannes, wie man den Schornsteinfeger zu nennen beliebt, einen nachhaltigen Eindruck auf das Gemüt des Kindes und infolge des öfteren Rufens nach dem „schwarzem Mann", begleiten ängstliches Herzklopfen und krampfhaftes Schreien die Ankunft des Schornsteinfegers in den Häusern, in welche ihn seine schwarze Kunst führt. Doch nicht nur die Kinder sehen den Mann mit dem schwarzen Gesicht, aus dem nur das Weiß der Augen und der Zähne hervorleuchtet, lieber gehen als kommen, auch Erwachsene teilen diese Abneigung, da zum Verdruß der Hausfrau meist Ruß und Schmutz an der Stätte seiner Wirksamkeit zurückbleiben; dennoch ist der gefürchtete schwarze Mann bei vielen wieder ein gern gesehener Gast, zumal bei den weiblichen Dienstboten im Hause, die in ihm stets einen zu Späßen und lustigen Streichen aufgelegten guten Gesellschafter begrüßen, der fast immer den Vorzug vor anderen im Hause ver kehrenden dienstbaren Geistern hat.
Von allen Gewerbsleuten ist es gewiß der Schornsteinfeger, der sich der allgemeinen Beachtung in hohem Maße erfreut. Sein Anzug und seine Ausrüstung sind etwas Apartes, das aus der Einförmigkeit unseres alltäglichen Straßenlebens auffallend hervorsticht. In hirschlederner, eng anliegender Gewandung, den Kopf mit dem traditionellen Cylinderhut bedeckt, die Kratze und Leiter über den Schultern und den Besen unter'm Arm, so geht der Schornsteinfeger bei Wind und Wetter barfüßig in Schlappen einher, und, obwohl sonst in zunftmäßiger Weise am Alten hängend, hat er sich doch die Errungenschaften der Neuzeit dienstbar gemacht und zeigt sich öfters auf dem Zweirad, was nicht wenig dazu beiträgt, die Eigentümlichkeit seiner Erscheinung zu erhöhen.
Wie die verschiedenen Zweige des Handwerks, so war auch das Schornsteinfegergewerbe schon frühe in Zünfte eingeteilt, welche die gemeinsamen Interessen des Handwerks zu vertreten berufen waren. Wirtschaftliche Selbständigkeit und ein ausgeprägtes Standesbewußtsein haben sich in den Schornsteinfegerinnungen bis auf den heutigen Tag erhalten, ganz wie in früheren Zeiten erhält der Lehrling nach „ausgestandener" Lehrzeit seinen Lehrbrief aus- gefertigt, der ihn allen Meistern der schwarzen Zunft em- pfiehlt, nach den absolvierten Wanderjahren hat der Geselle vor einer Prüfungskommission der Innung seine Befähigung zum selbständigen Betrieb des Schornsteinfegerhandwerks darzuthun, was ihm im Falle des Gelingens dann in einem Meisterbrief von dem Obermeister der Innung beurkundet wird. Zwar ist es meistens ein dornenvoller Weg, den der junge Schwarzkünstler von der Lehrzeit bis zum Meisterwerden zurücklegen muß, denn selbst nach abgelegter Meisterprüfung läßt eine selbständige Stellung oft noch lange auf sich warten, ist jedoch einmal dieses Ziel erreicht, dann tauscht der Schornsteinfeger so leicht mit keinem andern Handwerksmeister.
So schwarz und schmutzig sein Handwerk ist, so hat eS dennoch einen goldenen Boden; denn der Schornsteinfeger verdient ja sein Geld am leichtesten, weil er das Geld mit dem Besen zusammenkehrt.
Alte Zunftgebräuche sind in den Innungen der Schornsteinfeger am meisten erhalten. Wo ein schwarzer Geselle nach Arbeit umfragen geht, da sind es die gleichen Fragen und Antworten, wie sie nach feststehender Regel vor alten Zeiten gestellt und gegeben wurden. Die Aufnahme in den Gesellenstand erfolgt in feierlicher Weise durch den Altgesellen, der dem Aufzunehmenden eindringliche Verhaltungsmaßregeln vorliest, deren getreue Befolgung in allen Punkten der Junggeselle gelobt, worauf der Altgeselle mit einem Psalmworte schließt.
Selbstverständlich hat eine so ehrsame Gilde, wie diejenige der Schornsteinfeger, auch ihre eigene Poesie. ES sind freilich nur wenige Lieder, die nach der Arbeit schwerer Last im Kreise der Berufsgenossen gesungen werden, aber sie behandeln alle dieselben Gegenstände: die Liebe zum Handwerk, die Opfermutigkeit bei Feuersgefahr, die Lust an fröhlichen Scherzen und nicht zuletzt die Liebe zu schönen Mädchen.
Zum Schluffe hier eine Probe aus den Schornsteinfegerliedern :
Ich bin der leibhaftige Schwarze, Doch fleischig und beinig wie Ihr,
Und geht man mir gleich aus dem Wege, So kreuzt sich doch keiner vor mir.
Auch streif ich allein nur am Tage Als Schwarzer Straß' auf und Straß' ab. Am Abend, bann wasch' ich den Teufel Mit Waffer und Seife mir ab.
Dann bin ich, o fragt nur mein Liebchen, Die längst sich dem Schwarzen verschrieb, Ein weißer, rotwangiger Engel — Wie hätte sie sonst mich so lieb.
Mir öffnet in Schlössern und Hütten Gefällig sich Pforte und Thür, Denn alle verehren, wie billig, Den Schutzgeist des Hauses in mir.
Behende, wie Gais und Gazelle Erklimm ich das öde Gestein, Da hört Ihr mich kräftig die Hände Zu tausend Gefahren zerstreu'«.
Und bin ich am Ziele, so sprech ich Den Segen auf Mauer und Herd, Und Prosit zu allem, was künftig Der Himmel im Topfe beschert.
Und krähe aus lustiger Mündung Ein Liedchen, hochherzig und kühn, Und lache der armen Insekten, Die unten sich quälen und müh'n.
Doch wieder erbarm' ich mich ihrer Zur Stunde der grausigen Not, Wenn aus dem durchlöcherten Giebel Sich wälzet das flammende Rot.
Dann seht Ihr als schützender Engel Mich fliegen von Dache zu Dach, Bald tief in den Flammen verloren Und in des Gebälkes Gekrach.
Bald schwebend auf schwankender Leiter Begrüßt von dem jauchzenden Schwarm, Den zuckenden Greis auf der Schulter, Den lächelnden Säugling im Arm.
Bald wieder in Dämpfen und Gluten Und hoch mit dem Eimer voraus. Bis endlich die Glut sich gebrochen, Dann schleich' ich befriedigt nach HauS.


