Ausgabe 
20.12.1900 Viertes Blatt
 
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Donnerstag den 20 Dezember

150. Jahrgang

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Amts- und Anzeigeblutt für den Alreis Giefzen

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1901 vor­

aussichtlich stellen wie folgt:

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gf.eptßs preis viertcljährl. Mk. 2,84 monatlich 75 Pfg. mit Brinacrlahn; durch die 9(b( olefleQm vierieljährl. Mk. 1FS monatlich 65 Pf,).

Bei Postbezug Mk. 2,4U Dinidjätti. mit Bestellgeld.

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ikot-HandschM > ünterzeugen.

UBe Anzrigen-BermittlungSstellen deS 3n* und Ausland«- nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeg«. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auSwärt» 20 Pfg.

Expedition und Druckerei: -4»tßratz« Nr. 7.

728b ragen arantie af rue 44.

Mmitz«« »en Anzeigen zu der nachmittag« für den feHpac» La- erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr. SlbSestellungcn spätesten- »bend- vorher.

erfreuliche Nebenwirkung haben, daß die Handelsstatistik der einzelnen Länder, die sich in der Hauptsache an die Positionen deS Zolltarifs anlehnt, in höherem Grade vergleichbar wäre als heute, wo bekanntlich alle statistischen Arbeiten auf handelspolitischem Gebiete damit zu kämpfen haben, daß Parallelen zwischen Ein- und Ausfuhr verschiedener Länder in den gleichen Artikeln und infolgedessen auch die Kon­trolle der Ausfuhrstatistik eines Landes durch die Einfuhr­statistik eines anderen, so gut wie unmöglich sind.

Vielfach werden namentlich gegen die letztere Argumen­tation Bedenken aus nationalen Gründen erhoben, die auf die Befürchtung hinauslaufen, daß auf solche Weise die Struktur der einzelnen nationalen Wirtschaft für die Kon­kurrenten noch durchsichtiger werden möchte. Demgegenüber wird man mit Recht jedoch darauf verweisen müssen, ob es nicht, je mehr die Weltwirtschaft die einzelnen Volkswirt­schaften mit einander verflicht, richtiger erscheinen muß, in sachgemäßer und weitgehender Weise über diese Zusammen­hänge sich orientieren zu können, anstatt im Dunkeln zu tappen und hierbei Fehltritte zu begehen.

de!« Sauarbeiten bei den Nebenbahnen und den EiöWzungSbauten der Hauptbahnen entsprechend n Laufe des kommenden EtatsjahreS einen, tvtfiiltren Obligationenbetrag von etwa rund vmmsfichtlich zu 31/2% zu begeben und weiter V-U Deckung von im Budget 1901/02 erst ein- geMeir Ausgaben

fclitgttt Beschaffung von Betriebsmitteln und Er- gchiMgsbauten im Betrag von 1 280 800 Mk. eins Obligationenbetrag von etwa rund . . fot:H wegen anderer außerordentlicher StaatS- belMfniffe im Betrage von 3 167 400 Mk. einen OMaSionenbetrag von etwa rund ....

Trn Ende des Jahres 1901/02 würde sich bahbrie eigentliche Staatsschuld stellen auf .

Adresse für Depeschen: Anzeiger chirsh«,.

Fernsprecher Nr. 51.

* Der Prozeß Sternberg erinnert an einen Vor­gang Anfang der neunziger Jahre, der ebenfalls großes

unver­zinslich : Mk.

Aufsehen erregte. Auch damals waren gering besoldete Beamte in großer Zahl vom Gelde verblendet worden, so daß sie von der Pflicht abwichen. Es handelte sich um den sogenannten Schaffnerprozeß, der über mehr als dreißig Unterbeamte Strafe und Schande brachte. In diesem Prozeß kam zu Tage, daß fast alle Schaffner und mehrere Zugführer, sowie andere Bahnbedienstete auf den Strecken Berlin-Hamburg und Wittenberge-Lüneburg einen ausgedehnten Handel mit bereits benutzten Fahrkarten be­trieben halten. Besonders Viehhändler hatten zu den Kunden" der Schäffner gehört. Die Strafen waren schwer, zum Teil so schwer, daß die öffentliche Meinung den armen Teufeln menschliches Empfinden und Mitleid nicht versagte. Anders stand es um die Polizei, die den Ruhm beanspruchte, dasVerbrechernest" ausgenommen zu haben. Ihr Verhalten wurde nirgends gebilligt und mit­unter scharf verurteilt. In der Verhandlung stellte es sich heraus, daß der leitende Kriminalbeamte unter der Maske eines Viehhändlers direkt die Aufforderung zum Vergehen an die Schaffner gerichtet hatte, ja noch mehr: er hatte Schaffner mit Bier und Grog bewirtet, um sie zur Herausgabe falscher Karten zu ver­leiten. Leider erreichte er sein Ziel nur zu gut, und stolz über sein kriminalistisches Talent schaute er im Sitzungs­saale um sich. Dieser Ehrenmann war der Kriminal­kommissar Thiel, der im Prozesse Sternberg an den Pranger gestellt worden ist.

* Eine moderne Delila. Vor dem Militärgericht von Clermont-Ferrand in Frankreich hatte sich dieser Tage ein Gendarmerie-Unteroffizier wegen Desertierens zu ver­antworten. Recht romantisch war der Beweggrund, der den in Ambert stationiert gewesenen Bertrand Guinte zu der schweren Pflichtverletzung veranlaßte. Der 34jährige Mann heiratete vor etwa einem Jahre ein hübsches 17jährigeS Mädchen, dessen leichtfertiges Wesen ihm aber viel Kummer bereitete. Endlich der Ueberwachung, die er seiner Gattin beständig angedeihen lassen mußte, überdrüssig, schickte der Ehemann sie zu ihren Eltern zurück. Unbesiegbare Liebe aber trieb ihn dazu, die Ungetreue zurückzuholen. Er nahm einige Tage Urlaub und begab sich nach Bagn6reS-de-Bigorre, dem Wohnorte seiner Schwiegereltern. Auf der Rückfahrt inch Ambert wußte Mme. Guinte ihren schwachen Gatten zu überreden, nicht mehr in seinen Dienst zurückzukehren, sondern mit ihr nach Spanien zu gehen, wo sie ihm eine treue Frau sein wolle. In San Sebastian, nahe der fran- zösischeu Grenze, ließ sich das Paar nieder, und da der Mann schnell eine gut bezahlte Stellung fand, ging zuerst alles gut. Nach sechs Monaten jedoch wurde das ruhige Leben der nach Abwechselung schmachtenden Schönen uner­träglich; sie bemächtigte sich der Ersparnisse ihres Ange­trauten, die während der kurzen Zeit schon eine Höhe von 400 Francs erreicht hatten, und flüchtete nach Biarritz, wo sie ein lustiges Leben begann. Der noch immer liebes­tolle Gemahl trotzte der Gefahr, als Deserteur eingefangen zu werden, und reiste der Wankelmütigen unverzüglich nach. Eine heftige Szene zwischen ihm und der Durchgängerin endete damit, daß er auf das Telegraphenamt eilte und seinen Schwiegervater per Telegramm ersuchte, sofort zn kommen und seine Tochter zurückzuholen. Währenddeffen denunzierte die moderne Delila, die sich in den Besitz des Militärpasses ihres Mannes gesetzt hatte, diesen bei der Gendarmerie, und Guinte fand bei seiner Rückkehr bereits Beamte vor, die ihn verhafteten. Nachdem nun alle näheren Umstände der eigenartigen Affaire bekannt geworden waren, verurteilte man den Deserteur zu zwei Jahren Gefängnis

"Kufstein, 18. Dezember. Gestern stieß der Schnell zu g aus Baiern auf einen leeren Personen- zug und zerstörte die letzten Wagen desselben. Vom Schnellzuge sind mehrere Personen verletzt, jedoch niemand schwer. Die Ursache soll falsche Weichenstelluna und schlechte Beleuchtung der Station sein.

m. *!98 Viertes Bl-rtt.

Komische Tagesschau.

ES ist bekannt, daß unsere Exporteure vielfach im AÄi!m:be Schwierigkeiten der Zollbehaudluug begegnen, die aunff eituer strittigen Klassifizierung der betreffenden Ware be>riheri. Erft dieser Tage wurde wieder von der Schweizer Gßrtije berichtet, daß für die deutschen Exporteure von Gsulant-eriewaren die Zollabfertigung beim Eingänge nach dSchweiz häufig dadurch eine chikanöse wird, daß der deMlsche Exporteur sich in der Position des Schweizer Zoll- taaD, unter die seiner Ansicht nach die zu verzollende LWirc ffällt, irrt. Der Grund für derartige Vorkommnisse lieigl im der schon viel beklagten Verschiedenheit der ernijennen Zolltarife, die in den verschiedenen Ländern ein« durchaus verschiedenen Aufbau und verschiedene An- orimnijßen aufweisen. ES ist deshalb schon wiederholentlich biii Änderung gestellt worden, man möge die Vertrags- veichMvngen benutzen, um auf diesem Gebiete eine gewiffe M-Hstitlichkeit herbeizuführen. Wenn natürlich auch i>eac öoottlaut for einzelner. Positionen in vielen Fällen aus fpichlllrn Bedürfnissen der nationalen Industrie heraus ent- fkfinhM ist, so liegen in mindestens eben so viel Fällen doch lc^W historische Anomalien und Zufälligkeiten vor. Eine An- n^kmig in der Anordnung der einzelnen Zolltarife und dem «mtat ihrer Positionen würde außerdem noch die sehr

begeben zu 3V2%

Mk.

täglich emü'Djnabiif de-

P2»nts<e.

Ii' Gießener jy.alttettiraHet wnwH- »«n Anzeiger M mitHess. SGMaira" n.Malier ijfc ftf?. Volkskunde" «Mi 4 mal beigelegt.

313 049 959 21520 271 107 313 006 184153 511 63 171

288 169 959 21 520 271 82 433 006 184 153 511 63 171

Universität und Hochschule.

Professor I>. DrewS in Jena hat den Ruf erhalten, al» Oberkirchenrat an Stelle des verstorbenen D. Dreyer nach aneininßen zu gehen. - In Wien ist der Literarhistoriker Pro-- fesior Carl Schröer gestorben.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

3%

Mk.

180 505 100

3 462 400

186 011

Ich komme zur XI. HauptabteilungAus­leihungen und Staatsschuld". Der Stand der eigentlichen Staatsschuld wird sich am 1. April

Kunst-Ausstellung.

ausstellung un Turmhaus am Brand ist täglich von 11 bis 1 Uhr mittags mH Ausnahme des Samstags gedffiiet, Mittwochs auch noch von 8 bis 5 Uhr nachmittags, an Bonn- und Feiertagen von 11 bis 8 Uhv ununterbrochen. Eintritt für Niohtmitglieder an Werktagen 50 Pfg au Bonn- und Feiertagen 20 Pfg.

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übrigen Haupt- und Nebenbahnen auf anderer Staatsbedürfnisse auf ...

zusammen .

ES ist sodann vorgesehen dem Fortgang

iueni int wesentlichen aus die erhöhte Frequenz der Hoch- fdk.ille z.urückzuführen ist, in deren Folge die Einnahme ahl ülzemeinem Unterrichtsgeld um 30500 Mk. höher an- gvMt Werden konnte. Bei den Gymnasien rc. sind inWae der Zunahme der Schülerzahl und der dadurch evMde»li,ch gewordenen Teilung einzelner Klassen, sowie DiX-td) Die Trennung des Mainzer Gymnasiums in zwei SHSuitalinen 11 Lehrerstellen mehr notwendig geworden, ivoobti durch Umwandlung provisorischer Lehrerstellen in dchssmti ve die Zahl der Oberlehrerstellen von 298 auf 308 erllW wurde. In» ganzen erfordern diese höheren Lehr- aTOi:ftalte n einen Aufwand von 1 889 472 Mk. bei 1089107 >M»ak Einnahmen, mithin einen Zuschuß von 800 365 Mk. F f.fir bi e Volksschulen sind 1 930 600 Mk. in-Ausgabe amWsetzt, worunter vorsorglich, für Aufbesserung der Ge- iji'iDi-: der Lehrer und Lehrerinnen nach der noch nicht zur V^ckschiedung gelangten Gesetzesvorlage betreffend: die $ fehlte der Volksschullehrer 691000 Mk. an Dienstalters- mehr als bisher.

Mer hessische Budgetentwurf für 1901/Ä* LEI.

Untier der VIII. HauptabteilungM inisterium 5»-kZnnern" sind die Ausgaben auf zusammen 15 j 699 2? 12 Mk., die Einnahmen auf 5533 256 Mk. ge­sucht. Ich beschränke mich darauf, hier nur hervor- heben», daß die Universität bei 286700 Mk. Ein- n Mhnieiri und 1119150 Mk. Ausgaben einen Zuschuß een'svrdeat von rund 832 450 Mk., d. s. 72 000 Mk. mehr, aHÄ 18SJ7/19OO veranschlagt, was hauptsächlich dadurch vomlnßt ist, daß die sachlichen Ausgaben wegen der KLIiililen erheblich gestiegen sind, während auf der anderen (Seite die Einnahmen aus den Kliniken den Ergebnissen

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Auswahl:

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Auch die Irrenanstalten verlangest erheblich höhere Zuschüsse, veranlaßt in der Hauptsache durch die Preissteigerung der Lebensmittel, der Kohlen rc. Der Etat des Landeshospitals Hosheim schließt mit einer Ein­nahme von 430000.Mk. und einer Ausgabe von 695 400 Mark, sonach einem Zuschußbedarf von 265 000 Mk. (73 700 Mk. mehr als bisher) ab und der der Landes­irrenanstalt Heppenheim mit 206 000 Mk. Einnahmen und 371320 Mk. Ausgaben, sonach einem Zuschußbedarf von 165 320 Mk. (7900 Mk. mehr als bisher). Die A u s g a b e n für die Landwirtschaft halten sich in den Grenzen der bisherigen Bewilligungen, nur für Bodenmelioration sind etwas höhere Beträge angefordert und zwar für Vermehrung des kulturtechnischen Personals zwecks rascherer Beförderung der Meliorationsarbeiten. Auch ist eine andere Tarifierung der Kulturtechniker'und eine andere Regelung der Vergütungen der Techniker, Aufseher und Zeichner geplant. Zur Förderung des kauf­männischen Fortbildungsunterrichts ist erst­mals ein Betrag gefordert von 12 000 Mk., desgleichen erstmals ein Betrag zur Deckung der Kosten der Handwerkskammer von 4750 Mk-

Bei der Hauptabteilung IXMinisterium der Justiz", deren Annahmen mit 1501875 Mk. und deren Ausgaben mit 3 975 375 Mk. abschließen, sind gegen bis­her keine wesentlichen Aenderungen zu verzeichnen; ich hebe nur hervor, daß zur Bewältigung der gestiegenen Geschäftslast 6 neue Amtsrichter- und 2 neue Staats­anwaltsstellen vorgesehen sind.

Auch bei der X. Hauptabteilung,M i n i st e r i u m der Finanzen" ist nichts Besonderes zu bemerken, es möge die Angabe genügen, daß hier die Einnahmen auf rund 324 300 Mk. und die Ausgaben auf rund 1925 300 Mk. geschäht sind.

Gratisbeilagen: Gießener FamilienbläUer, Ser hessische Sandwirt, Mtter für hessische Volkskunde.

L I 805! iw t Vorjahre entsprechend geringer als bisher angesetzt

nppl n>r?iben mußten. Die Einnahmen der Technischen i Mschule sind M 305329 Mt., die Ausgaben zu Bahnhofstr. 5(| 11242 Mk. veranschlagt, der Zuschußbedarf sonach^ zu

- tinb 255 900 Mk. oder rund 6500 Mk. weniger als bisher,

Mk.

197 611 700

69 765 720

20 792 539