teil b L^öhler-,
ückwärts schreitend die konfessionelle Schule und bfi?: iiinjsluß der .stirchc im. Auge habe. Die obligatorische y«iiOrid)iiife allein sei das wahre Fundament aller Bil- du i i^. Mit dem Zwang für alle, in die Volksschule zu
qclwn, würden deren Einrichtungen selbtjh die beste Förden ung erfahren. Er bitte, dem Antrag Ulrich zuzu- Kiirnmen und der Regierung wenigstens den Beweis zu i icrtin, daß die Ideen, die er verkörpere, die Mehrheit dej^'Harses gefunden hätten.
Hier wird die Beratung abgebrochen. Schluß der Siiflung 1.10 Uhr. Nächste Sitzung: Mittwoch vormittag
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Die Staatsprüfung
;tna Deutsschen Reiche wird in sehr wichtigen Punkten geändert, foBtab, roas wohl außer Frage steht, der gestern mitgeteilte LoMurs der Bekanntmachung über die Approbation als Arilin Kraft gesetzt wird. Mit am wesentlichsten ist die Be>flmmmng, wonach „unter bestimmten Voraussetzungen", da «heiß» wohl nach der Ablegung einer Ergänzungsprüfung
Lateinischen, auch den Abiturienten der Real- ghinnasien und Oberrealschulen das Studium der vLÜlkunte freigegeben wird. Es ist vorauszusehen, daß buir^ biiefe Aenderung die Zahl der Medizinstudierenden onii dm deutschen Universitäten alsbald und nicht ganz un- le-dichtlöch steigen wird. Bei der Verwandtschaft zwischen iro-Mivilsenschaften und Medizin werden von vornherein ritt »atmwissenschaftlich besser geschulten Realgymnasiasten unr> Ob«errealschüler sich gern der Heilkunde zuwenden, ;AUtjiü! ns medizinische Studium noch immer, wenn auch zu i Eicht, zu den Brodstudien gerechnet wird. Bei dieser Scieflage ist es eine dringliche Pflicht der Unterrichtsver- wa.;hingen, bei Zeiten für die Vermehrung der vielfach letzx schm unzulänglich en medizinischen Lehr- und Lelmirinrichtungeu zu sorgen. Die weiteren Neuerungen naljrnn U8 gemeinsam, daß durch sie das Studium der HeMllnd»e verlängert und verteuert wird.
Daraufhin wirken einmal die Verlängerung der Stu- c ieimjtit von 9 auf 10 Halbjahre und sodann zugleich die Entführung des praktischen Jahres hin. Nach Hinzu- recchtmgj des praktischen Jahres hat der Medizinstudierende in lAkuulft von der ersten Einschreibung bis zur Meldung zum Staatsprüfung mindestens zwölf Halbjahre, anstatt der siüihmn neun, aufzuwenden, d. h. die Studierzeit des M-Mimr- in der Folge verhält sich zu der bisherigen MMtstzeit wie 4 zu 3. Das bedeutet eine sehr beträchtlich^ Leitteuerung des Studiums der Heilkunde. Es liegt ötei Sefcchr vor, daß in der Zukunft nur den Söhnen be- gätierttr Familien die Wahl des ärztlichen Berufes offen ’tetyei wirb. Billroth u. a. haben das freilich für wilnschens- we'utt er klärt. Andererseits aber ist dieser Anschauung wittcisprochen worden. Wir meinen, der Verlängerung des Sturms gegenüber werden die Unterrichtsbehörden auf ein im Ausgleich dadurch hinzuwirken haben, daß die Vor- lesimgS- und Uebungshonorare, die gerade bei den MiÄMrn im Verhältnis besonders hoch sind, herab- ge»sitzt werden und daß die Zahl der Stipendien für
Sotfii Ministers müsse neben dem ärmsten Mnde sitzen, davnil ks frühzeitig von hochgestochenen Einbildungen sich bcfjrw. Aber diese Konsequenz wolle man nid)t Wie dem Etaat die höheren Bildungsanstalten unterstütze, so so! .tt er and) für die Bildung der Armen des Volkes dui:as.juschüsse zu den Erziehungskosten Sorge tragen, ti'it Unentgeltlichkeit der Lehrmittel entsprech^ schon einer
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?n den Ausschuß 8 bett.
unter Stells 'Reinhart, mip, 1611 ht, bezweckt bie > Antrag D,Honber(flnp g'.unddieAbjlch oitandischenGesj >en einem Sonbiit *ent Zeiten te "«en, zum geringer*- °tung auf die TaM trage haben die ir Vorlagen, Erhöhung! i Auge.
einen Antrag, die i: Mittelschule • Er entwirft ei* - ftriellen EntwM Gebiete des $a|fc
Errichtung eine: düng von Von ' legegnen.
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M aufMw D icantiagt, bif Nuk chbeschau du Ärch/e,. ftcht beamtet», m zu übernehm e ür assen keine W '■ ■ beantragt: bemirr.: eine weitere w Haupt Folge zu/ den Antrag m> ife, die als ir zu i*”' te nur auf Wf ben ihrer PrM-
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1*jen sich in anderen Staaten längst geübten Praxis (Schnu'iz), die «W. Der hnrr t.wahrt habe. Der Redner wendet sich schließlich scharf
o °es Art. 33 Jp" - dne Stellungnahme des Zentrums in sold)en Fragen,
Mediziner vermehrt wird. Mit der Einführung des praktischen Jahres wird einem alten und sehr berechtigten Verlangen der deutschen Aerzteschaft entsprochen. Gerade diese Neuerung greift in ben ganzen Betrieb ber Heilkunbe im Deutschen Reiche ein.
Die Universitätsanstalten für Medizin reichen bei weitem nicht aus, einen nur irgendwie erheblichen Teil ber von ber Universität kommenben Kandidaten der Medizin unterzubringen. Cs werden die öffentlichen und privaten Hospi- täler und vielleicht auch die geeigneten Polikliniken in Anspruch genommen werden müssen. Das wird zur Folge haben, daß auch kleinere Stadlkrankenhäuser viel mehr als bisher den Charakter wiffenschaftlicher Anstalten annehmen werden. Wie verlautet, werden auch unter Umständen praktischen Aerzten, die lediglich Privatpraxis treiben (es kommen dabei an erster Stelle, wenn nicht ausschließlich, stark beschäftigte Kaffen- und Armenärzte in Betracht) Medizinkandidaten während des prakischen Jahres zugcwiefen werden. Auch das hat fein gutes. Der Verkehr mit dem eben von der Universität kommenden, mit dem neuesten Anschauungen und mit ber jüngsten Technik mehr ober weniger bekannten Mediziner wird für den oft in der Praxis ganz ausgehenden älteren Arzt nicht ohne Reiz fein. Sicher wird ber Kandidat dem alten Praktiker Hilfsarbeitern, wie die chemischen, bakteriologischen und mikroskopisch diagnostischen Prüfungen, abaehmen können.
Bedenken muß die Bestimmung erregen, daß beim verschuldeten Aussetzen ber Prüfung unter Umständen die ganze Prüfung oder einzelne Fächer für „nicht bestanden" erklärt werden. Es soll dadurch der Verschleppung der Prüfung vorgebeugt werden. Wahr ist, baß sich mancher medizinischer Prüfling jetzt viel Zeit läßt, ehe er von einem Prüfungsabschnitt in den andern eintritt. Hierbei wurde immer Nachsicht geübt. Und das bat sich bewährt. Unter den „verbummelten" Studierten sind im Verhältnisse die Mediziner am schwächsten vertreten. Der Mediziner macht in der Regel sein Staatsexamen, wenn auch mancher etwas langsam. Unter den wissenschaftlich bekannt gewordenen Medizinern und den bewährten Praktikern finden sich solche, die einst zur Staatsprüfung viel mehr als üblich Zeit brauchten. Neu sind die Bestimmungen, daß Studierenden wegen schwerer strafrechtlicher oder sittlicher Verfehlungen die Zulassung zu der Staatsprüfung versagt werden kann. Durch die Regierung wird eine Lücke ausgefüllt. ES kam bisher vor, wenn auch ganz vereinzelt, daß ein Mediziner, der wegen Verfehlungen gerichtlich bestraft worden war, sich zur Staatsprüfung meldete. Bisher konnte er nicht zurückgewiesen werden.
Aus Stadt und Zand.
Gießen, 19. Dezember.
♦* Postalisches. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Verzollung der steuerpflichtigen Postsendungen am 23. und 25. d. M. in der Zeit von 10—12 Uhr Vormittags bei dem Großh. Hauptsteueramt hier stattfindet.
•• Eine interessante Wette zwischen dem Besitzer der Wirtschäft „Zum Jagdschlößchen" in Dutenhofen und dem Stallmeister des hiesigen Reitinstituts fand dieser Tage ihren Austrag. Im Laufe einer Unterhaltung über Reiten erbot sich der Wirt zu einer Wette um 40 Flaschen Sekt, daß er in 12 Stunden von Gießen nach Lauterbach reite. Der Weg beträgt 16 Stunden und ist bekanntlich sehr schwierig, da er über den Vogelsberg führt. Der Stallmeister nahm die Wette an und begab sich mit einigen Herren per Bahn nach Lauterbach, während der Gasthalter und ein wegekundiger Mann abends
um 11 Uhr ablitten. Der Ritt ging über Reiskirchen, Grünberg, Mücke, Ulrichstein, Eugelrvd und Eisenbach nach Lauterbach, wo die beiden Reiter um 10>/2 Uhr vormittags eintrafen. Der Wirt hatte feine Wette gewonnen.
** Haushaltungsschule. Gestern wurde der Herbstkursus der hiesigen HauShaltungsschule mit einer theoretischen und praktischen Prüfung geschlossen. Als Vertreter der Stadt war der Beigeordnete Wolff erschienen, der sich in anerkennenden Worten über die Leistungen anSfprach. Es wurden in diesem Jahre wieder 36 Mädchen im Alter von 14 bis 21 Jahren in den Kenntniffen und Fertigkeiten unterrichtet, die zur Führung eines ordentlichen Haushaltes notwendig sind, und es ist an dieser Stelle schon oft darauf hingewiesen worden, daß ein gut geführter Haushalt ein wesentlicher Faktor des Familienglückes ist. Darum wird auch in Versammlungen, die sich mit volkswirtschaftlichen Fragen beschäftigen, häufig die Errichtung von Haushaltungsschulen gefordert. Eltern sollten es deshalb nicht versäumen, ihre Töchter an dem Unterricht teilnehmen zu lassen, ber geringe Aufwand an Zeit und Geld wird reichlich belohnte
KnsMtz BBS örn Kirchenbücher» ter Stadt Gieße».
Evangelische Gent rinde.
Getraute.
Matthäusgemeinde.
Den 12. Dezember. Johannes Käfer, Schneider zu Gießen und Johannette Karoline Vogt geb. Höpfner, Witwe des Uhrmachers Martin Vogt zu Gießen.
Lukasgemeinde.
Den 8. Dezember. Ludwig Schneider, Taglöhner zu Gießen und Karoline Zimmermann, Tochter des verstorbenen Ackermanns Andreas Zimmermann zu Kirchheimerborn.
Denselben. Heinrich Haberkorn, Sergeant zu Butzbach und Marie Volpert. Tochter des Postschaffners Heinrich Volpert zu Gießen.
Den 12. Dezember. Ludwig Leun, Gerichtsaccessist zu Gießen und Ottilie Paula Quabeck, Tochter des verstorbenen Lehrers Heinrich Quabeck zu Mühlheim.
JohanneSgemeinde.
Den 12. Dezember. Karl Martin Schäfer, Eisendreher zu Gießen und Margarethe Katharine Simon, Tochter des verstorbenen Schuhmachers Friedrich Simon II. zu Gießen.
Getuuftr.
Matthäusgemeinde.
Den 9. Dezember. Dem Bahnarbeiter Heinrich Berg ein Sohn, Heinrich Karl Ewald, geboren den 16. Oktober.
Denselben. Dem Oberlehrer zu Mainz, Dr. Wilhelm Schottler eine Tochter, Gertrud Anna Ida,, geboren den 2. November.
Denselben. Dem Friseur Heinrich Insel ein Sohn, Wilhelm, geboren den 9. November.
Markusgemeinde.
Den 8. Dezember. Dem Buchbindermeister Adolf Bourgeois ein Sohn, August Karl, geboren den 9. Oktober.
Denselben. Dem Schneider Seibert Möhl ein Sohn, Heinrich Ernst Karl, geboren den 10. November.
JohanneSgemeinde.
Den 9. Dezember. Dem Professor Dr. Pitz, Oberlehrer, eine Tochter, Gertrud Marie, geboren den 25. Oktober.
Beerdigte.
Matthäusgemeind e.
Den 13. Dezember. Louis Scheid, Cigarrenfabrikant, ein Witwer, 72 Jahre alt, starb den 11. Dezember.
Markusgemeinde.
Den 14. Dezember. Heinrich Ferdinand Becker, Sohn des Schuldieners Friedrich Becker und dessen Ehesrau Elisabeth geb. Hönig, 8 Jahre alt, starb den 7. Dezember.
Lukasgemeinde.
Den 12. Dezember. Bernhard Schwarz, stad, ehern., 24 Jahre alt, starb den 9. Dezember.
JohanneSgemeinde.
Den 8. Dezember. Margarethe Jnderthal, Dienstmädchen, Tochter des Müllers Jakob Jnderthal zu Großen-Buseck, 28 Jahre alt, starb den 6. Dezember
Den 12. Dezember. Otto Deichert, Postsekretür i. P., 46 Jahre alt, starb den IC. Dezember.
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ebenso wie den der erzählenden Dichtung, der Parabel, selbst den der Ballade. Wer seinem Nächsten dieses schlicht geschmackvoll auSge- stattete Büchlein auf den Weihnachtstisch legt, der trägt dazu bet, daß auch in der greisen Dichte'n engem Stübchm, das sie auch im Winter mit blühenden Veilchen und Maiblumen schmückt, und in dem ihres einsamen LedenS Abendrot bleich verdämmert, herzliche Weibnachtsfreude dringt. Mözcn für die Dichterin und ihr Buch, durch deffen Herausgabe sich Herr Alfred Bock verdient gemacht bat, die nachfolgenden Verse sprechen auS dem Gedicht „Mein Vöglein":
Gern möcht ich dir die Freihe't geben,
Mein kleines Tier,
Allein es kostet dir dein Lebm, Dies glaube mir.
Die Freiheit muß man auch verstehen, Sonst schadet sie, Du würdest darin untergehen, Genießen nie.
Dein LoS, mein Tierchen, ist entschieden, Das meine auch,
Die Freiheit finden wir hienieden Beim letzten Hauch.
Ein gutes Nachschlagebuch liegt jetzt in 3. Denn. Auflage vor: „Weltliche Text«^^, Aphorismenschatz der Welllitteratur, gesammelt von Fritz Hoddick (Verlag von Haude u. Spener in Berlin). Der stattliche und elegant gebundene Band ist die Frucht eines staunenswerten Sammelfleißes, einer enormen Belesenheit. Das Buch ist namentlich für den Redner, den Schriftgelehrten kaum entbehrlich. Es bringt chm eine Fülle von Anregungen und Silbern und versucht für jede Stimmung eine Grundmelodie anzuschlagen. Nichts Fertiges für den Vorttag findet sich hier; dagegen sind die meisten großen Zeitfragen auf die Tagesordnung gesetzt, die widersprechendsten Ansichten zur freien Diskussion gestellt. Der Verfaffer hat den Versuch gemacht, eine aphoristische Entwickelungsgeschichte der Philosophie zu bringen. Ein erschöpfendes alphabetisches Hauptregister der Zitate befindet sich am Schluß des BucheS. Vielleicht entschließt sich der Verfaffer bei einer wohl bald zu erwartenden 4. Auflage zur Beigabe auch eines Autoren- Registers.
Im Examen.
Wie groß ist die Entfernung zwischen der Sonn^ und dem Mond?
Student: (schweigt.)
Vierundzwanzigeinhalb Millionen Mellen ..und wie finden Sie da-?
Student: Großartig!
Feuilleton.
Dar Gießener Stadttheater führte am Dienstag dem Bo ll! einen vieraktigen „Bureaukraten" vor. Das bemalet eine Reihe drolliger Verschrobenheiten und unmögliche Situationen und trägt daher nach altem Mißbrauch oie'Bezeichnung „Lustspiel". Der alte Leffing dreht sich latpci im Grabe um. Herr v. Moser hat bessere und lnstii.zere Stücke geschrieben als diesen Schwank aus einer läirgtf überstandenen Possenzeit, dessen Dialog anspruchloS, fafil iriwial, und dessen Handlung ebenso mühsam konstruiert ist im die gewaltsame Komik, mit der der Zuschauer häufig \uam Lachen gebracht wird. In harmlos drastische Szenen ler^iht Moser die schablonenmäßig angelegten Leiden und FruM von drei Liebespaaren, die dem Ehchafen zustrebcU unk cor1 dem letzten Fallen des Vorhangs wenigstens glücklich iis zum Brautstand gelangen. Gegenüber der Dar- fteWwng stand man anfangs unter dem Gefühl, als sei da rinn ver lorene Sache zu verteidigen. Späterhin aber kam StlMllill.ng in das Spiel wenigstens einzelner Darsteller. Dm Titelrolle spielte Herr Liebscher und erzielte mit feinem ontrierten Humor kräftige Wirkungen. Er war ein gai.1« ergötzlicher kgl. sächsischer „Biamter" und packte das bgwar* Publikum so, daß ihm zuweilen recht lauter Beifall gefijwbe t wurde. Zu der Rolle der Frau Karoline Lemke, diei ihr« wandelnde Rechenmaschine von Ehegatten mit (Snsigie und List zum Menschen machen will, gehört neEiei großer Tapferkeit auch eine Portion er- m'tfcfmbotr Komik. Frau Ernst besitzt davon wenig. KoMm:!! aber hatte sie das Richtige getroffen. Moser rhMdtM erschütternd geistreichen Ausspruch: „Fettwerden gehört nicht zu den Pflichten eines deutschen Beamten", uttk juboilterne Haustöchterlein stellt man sich daher zumeist atm fliöetn Herd mit schlichter Schürze und in schlichtem vor. Die Damen Korn und Wohlbrück führten übmizM sonst ihre kleinen Rollen mit Geschick und An- mutt in rechter Tonart durch. Ihre vornehme Freundin, Frii-lsuiigler, trat in schlichter Einfachheit auf, vielleicht
gar zu schlicht, in Kostüm und Haltung zu wenig Komtesse, aber wieder mit sehr anerkennenswerter Ungezwungenheit. Vetter Eberhard war Herr Ramsey er, der ganz in seiner Rolle aufging und, mit seiner Partnerin, mit liebenswürdiger Munterkeit eine wirklich gute Lustspielfigur zu geben sich bemühte. Es fehlte auch nur sehr wenig daran: ber rechte Schliff. Als alter Graf Meng erschien Herr Reinhardt wieder zu steif und kalt. Man sieht diesen jungen Darsteller immer zu befangen, feine Sprechart ist stets gekünstelt, nie findet er den rechten, freien Ton. Und doch giebt er sich allem Anscheine nach Mühe, große Mühe, und scheint auch Streben zu haben. Es ist da jüngst eine Broschüre erschienen von dem vormaligen Dramaturgen des Hamburger Thalia-Theaters, P. A. Kleimann, „Prakt. Anleitung zum Erlernen des stummen Spiels auf der Bühne". (Verlag von Fr. Baffermann in München). Vielleicht findet Herr Reinhardt zunächst hierin einige Anregungen und schreitet dann in seinen Sprechstudien weiter fort. Die Herren Lachmann, di Balthyni und Marlitz befriebigten. Eine berbe braße Dienstmagb von ungeschminkter Realistik war Frl. Eichenwalb; sie fanb befonberen Beifall. — Klage müffen wir barüber führen, daß das Theater nicht geheizt wird. Das macht den Aufenthalt im Saale recht ungemütlich. p yy
Weiynachts Litteratur.
W. Zum bevorstehenden Weihnachtsfeste sei auf die Gedichte iUnA?TeMn ^"bürgerin Jobannette Lein (Rtcker'sche Ver- U”^) binsewiesen. Die 81jährige Dichterin wird noch ^rmer nicht nach ihrem vollen Werte gewürdigt. Unsere hessische Earn>ho überragt die im Reiche wett bekanntere Johanna AmbrosiuS W?18' durch die schlichteJnnigkttt ihres Tones, ^" lauteren Humor, während allerdings die offpreußische Dichterin reichere Töne kn;usch!agen weiß. AuS den icho^oen Versen der Gießener Poetin spricht die abgeklärte weise Milde h“ 4lne WrUanschauung, herztiefe
dorrn iyrer Gedichte ist durchweg von ursprüng« lM0Cla?Ul6<nl?ejt' einer ansprechenden, ungekünstelten Glätte, die durchaus den Eindruck der Selbstverständlichkeit hervorruft. Hier findet man echte Kunst. Den Ton des LiedeS trifft fie


