Ausgabe 
19.7.1900 Erstes Blatt
 
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Nr. 166 Erstes Blatt. Donnerstag den 19 Juli

1900

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Äbrtflt für Depeschen: Anzeiger chietz Fernsprecher Nr. 51.

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Kmilicher Teil.

Gießen, 17. Juli 1900.

Betr.: Ermittelung der landwirtschaftlichen Boden- benutzung im Deutschen Reich.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

au die Grotzh. Bürgermeistereien des KreiseS.

Diejenigen von Ihnen, welche mit der Erledigung unserer Verfügung vom 18. Juni l. IS. im Rückstände sind, wollen diese Verfügung (Gießener Anzeiger von 1900, Nr. 143) innerhalb acht Tagen erledigen.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Betr.: Die Abhaltung der Biehmärkte.

Der Biehmarkt zu Grünberg am 25. Juli kann unter den mehrfach für Lokalmärkte bekannt gemachten Be­stimmungen abgehalten werden.

Gießen, den 17. Juli 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Gießen, 17. Juli 1900.

Betr.: Die Beibringung der Kultur- und Bauverände­rungsmeßbriefe.

Das Großh. Aesttlronmissamt Giktzcu

a« die Grotzh. OrtSgerichtsvorsteher deS Bezirks.

In den Ihnen am 10. l. MtS. zugegangenen Bau- Veränderungsverzeichnissen sind diejenigen Grund-, bezw. Gebäudebefitzer verzeichnet, die mit Meßbriefen noch im Rückstände sind.

Wir ersuchen Sie, diese Besitzer zu möglichst rascher Beibringung der Meßbriefe, auch der aus früheren Jahren rückständigen, zu veranlassen. Nach Ablauf der in den Verzeichnissen bestimmten Frist (15. August) müssen wir gegen die Säumigen das Strafverfahren in Gemäßheit des § 4 der Verordnung vom 8. Dezember 1852 einleiten.

I E.:

Krug, Regierungsassessor.

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst im Herbst 1900.

Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1900 stattfindenden rubr. Prüfung zu unter­ziehen, werden hierdurch aufgesordert, ihre deSsallsigen Ge­suche um Zulassung bei Meldung des Ausschlusses von dieser Prüfung

spätestens bis zum 1. August 1900

bei der unterzeichneten Kommission einzureichen.

Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Speziellen das Folgende bemerkt:

1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Pritfungö- kornmisfion nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogtum Heffen seinen dauernden Aufenthaltsort hat.

2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen.

3. DaS Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint eS zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird.

4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizusügeu:

a) Geburiszeugnis;

b) Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung Uber dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen aktiven Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu über­nehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des BaterS oder Vormundes beglaubigt sein.

c) ein Unbescholtenheitszeugnis, welches von der Poli- zei'Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist;

d) ein selbstgeschriebener Lebenslauf.

5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, La­teinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will.

6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingcreicht worden, so bleibt dem erneute« Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugnis beizulegen.

lieber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, giebt die Prüfungs-Ordnung (Anl. 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. November 1888 Reg.-Blatt Nr. 27 von 1894) Ausschluß.

Bezüglich des PrüfungstermiuS sowie deS Lokals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt eventuell weitere Bekanntmachung; aus spezielle Ladung kann nicht gerechnet werden.

Darmstadt, den 10. Juli 1900. GroßherzoglichePrüsungS'Kommission für einjährigFreiwillige.

Der Vorsitzende:

Wick, Regierungsrat.

13. Deutsches Bundesschießen zu Dresden vom 8. bis 15. Juli.

F. GL Dresden, 16. Juli.

Einen Glanzpunkt der Festwoche bot am Donnerstag nach Eintritt der Dunkelheit die großartige Illumina­tion des F e st p l a tz e s. Rach einem sehr warmen Tage war die Kühle des schönen Abends besonders wohlthiieud, und es hatten sich gewiß weit über 50 Tausend Menschen per Straßenbahn und Schiff, per Droschken und Kremser, zu Fuß und zu Rad auf deni gewaltigen Platze eingefund'en. Besonders von den Terrassen der Festhalle aus genoß man einen nmudervollen Ausblick auf das Gewoge. Aus dem Platze vor der Haupthalle waren in geschmackvollen Arrangements 16 400 Beleuchtungskörper auf gestellt, die xinn Teil in Grün-weiß, andernteils in Rot weiß erglühten. Hohe Scheibeusäulen umrahmten den Hauptplatz, von einer jeden derselben gingen acht Guirlaudeu aus, die in an­mutigen Schwingungen viele Hunderte Lampions trugen. Die Gras-Böschungen am Haupt Eingänge waren mit mehreren Tausend beleuchteter Tulpen besetzt, und andere Tausende von Lichtern und Gelatine Lampions umsäumten die grünen Beete und die zahlreichen Festbanten. Tas Ganze gewährte einen geradezu feenhaften Anblick. Der Ehrenpreis des Prinz Regenten Luitpold von Baiern ist ein massiver silberner Humpen in Kannen- form. Er ist im Rokokostil und in der ArabeSkenzeichnung sehr wirkungsvoll. Die drei Füße, auf denen das unten ausgebauchte T'rinkgesäß steht, siud ebenfalls knnstvoll in Zeichnung und Ausführung. Henkel und Deckel sind nicht minder edel gehalten. Auf letzterem ist ein Schützenjunge angebracht, der in seiner rechten Hand die Scheibe mit dem Kernschuß hält, während seine Linke dem Sieger den Lor­beerkranz zureicht. Zu Füßen der zierlichen Figur liegen Schützenembleme. Der gediegene Preis wird von allen Schützen mit unverhohlener Sehnsucht betrachtet. Die G e s a n g s a u f f ü h r u n g am Freitag der unter Leitung des Kgl. Musikdirektors Schöne stehenden wohlgeschnlteü Sängerschaft des Elbgau-Sängerbnndes in der großen Fest- Halle war ebenfalls von durchschlagendem Erfolg. Den instrumentalen Teil des Konzerts führte die Kapelle des 2. Grenadierreginrents aus. Nach Beendigung des Kon zerts begann auf dem Festplatze vor der .Hauptballe das von dem Hofkunstfeuerwerker A. Becker ans Wiesbaden hergestellte große Feuerwerk, das viele Tausende ans Stadt und Land als Zuschauer angezogen hatte. Das sehr Inter­essante Programm wies 40 Nummern ans. Zunächst zeigte sich das Schützenwappeu, darunter die Zahl 1900, darüber eine (30 gm. große,Dekoration «aus!bunt brennendem Lichter- feuer, rechts und links je20 Bouquets von bunten Leucht kugeln. Dann erschien eine laufende Sonne, welche sich in Vulkansringe verwandelte. Hierauf folgte ein acht armiges, 25 qm. großes Rosettenstück mit 9 Ringspiel fonnen, je zur Seite eine doppelte, gegenseitig lausende Farben-Sonne aus 100 Brillautbrändern uud 150 Stück brennenden Lichtern. Sehr interessant war auch das Schützen-Duell: Zwei auf Felsen stehende überlebensgroße Sck)ützen beschossen sich gegenseitig mit bunten Leucht­kugeln. Weiter zeigten sich viele Figuren aus bunt brennendem Lichterfeuer, Bloudin ging mit Balaucirstange vor und rückwärts über ein Drahtseil, bann knatterte ein Bombardement von zahlreichen Gewehrschlägen, Grauatem Kanonenschüssen bei buntem Leuchtkugel spiel los, und zwei Riesenbouquets von je WO Raketen mit zahlreichen bnnten Leuchtkugeln und Brillantsternen, sowie große Buntfeuer­beleuchtung der Festbauten bildeten den Schluß des über­aus gelungenen, großartigen Schauspiels. - Der öfter reichische Schützeubund hatte von hier aus an Se. Maj. Kaiser Franz Josef folgendes Telegramm gerichtet:Die beim 13. Bundesschießen in Dresden versammelten Schützen aus allen Teilen Oesterreichs bringen in angestammter; Treue und Ergebenheit dem allerhöchsten Herrn und ge­liebten Kaiser ehrfurchtsvolle Huldigung dar. Zu den erhebendsten Momenten des glanzvollen Empfangs der österreichischen Schützen gehören die jubelnden Ovationen der reichsdeutschen Schützen und der Bevölkerung Dres­

dens für die allverehrte erhabene Person unseres gnädigen Monarchen. Die österreichische Volkshhmne, in Anwesen­heit von 5000 Schützen beim Festmahle vorgetragen, klang in enthusiastische Hochrufe aus Se. Majestät aus. lleberall wo Schützen sind, einigt sie der aus tiefstem Herzen dringende Ruf: Gott erhalte, Gott beschütze, Gott segne Ew. Majestät, unfern vielgeliebten Kaiser, den allerhöchsten Protektor des österreichischen Schützenbnndes!" - Daraus ging dem Vorstand des Bundes, Oberschützenmeister Prof. Ritter v. Metnitz Wien von der hiesigen I. l. Gesandtschaft folgendes Schreiben zu:Dem Unterzeichneten gereicht es zur Freude, dem Präsidium des Oesterreiichischeu Schützenbnndes für die im Namen der beim 13. Deutschen BnndeSschießeu in Dresden versammelten Schützen ans allen Teilen ©cftCjrreifrjiö Sr. L k. apostolischen Majestät telegraphisch dargebrachte Huldigung den wärmsten aller­höchsten Tank bekannt zu geben. Mit der Bitte den Text dieses Telegramms den in Dresden versammelten öfter- reichischen Schützen zur Kenntnis zu bringen, zeichnet ?c. Gras 151art) von Altringen." Auch Se. Majestät «der deutsche Kaiser Wilhelm ließ für den von den deutschen Schützen daraebrachten Gruß durch deu Geh. Kabiuettsrat I. V. von Valentiner bestens danken. Samstag vor­mittag besuchte Se. Kgl. Hoheit Prinz Friedrich August von Sachsen den Festplatz, besichtigte eingehend die ein­zelnen Scheibenstände, unternahm einen Gang durch die Schießhalle, nahm hierauf in der Königsloge der Haupthalle ans dem Königsbecher einen Ehreutruuk entgegen und 11115111 auch die Preise im Gabeutempel in Augenschein. Der Prinz sprach fteui Vorsitzenden des Festausschusses, Stadt­rat Lehmann, gegenüber feine volle Befriedigung ans.

Im Anschluß hieran, sei ausdrücklich hervorgehoben, daß sich der Vorsitzende des Schikfiausschusseü, Stadtral Raschle und dessen unermüdlich rühriger Stellvertreter, Ratsbuch - halter R. Braune, um die glatte Abwickelung der Geschüfte ganz besonders verdient gemacht, haben. - Mit den festlich geschmückten Oberdeck DampfernAuguste Viktoria" und Hohenzollern" Iber Särhs. Böhm. Dampfschiffahrtsgesell. schast unternahmen über 600 Schützen, zum Teil mit Damen, einen Ausflug nach her Bastei in ber Sächjs. Schweiz. Auf beibcu Schiffen konzertierten Musikkorps der Grenadiere, allerorten begrüßten Böllerschüsse und Jnbelrnfe von den Ufern die Ausflügler und in denkbar fröhlichster Stimmung erreichte man imSchmeiße seines Angesichts" von Rathen aus gegen einhalb! 6 stlhr die Bastei, iuo man bei ber aus­gezeichneten Bewirtung beS Hotelier Lenlroth bis gegen 8 Uhr im wohlthuenden Genüsse ber Natur sich erfrischte nnb erholte, um bann unter ben Klängen fröhlicher Marsch­weisen durch deu Zscheirra uud Uttewalder Grund den Abstieg nad) Wehlen Mlunternehmen. An-idem!Marktplätze des freundlichen Städtchens richtete dessen Bürgermeistev Schaale herzlick)en Willkommengruß an die Schützen, danul wurden die Dampfer ivieber bestiegen nnb nach herrlichster Monbschein-Fahrt, erfreut durch Uferbelenchtnug, Schatten bilder, Raketen, Böllerschüsse kamen dieSchweizreisenden" gegen 11 Uhr wieder in Dresdeil an, wo man sich noch einen frischen Trunk leistete. Auch über die vorzügliche Bewirtung auf den schmncken Salonbampsern sprachen sich bie Gäste überaus lobenb aus. Vom Festftlatze aus unternahm abenbS Luftschisser Feller anS Leipzig eine bei bem schönen ruhigen Wetter ohne jebcii Unfall verlaufende Ballonfahrt.

Das Schlnßbankett am Sonntag, zu welchem sich noch zahlreick)e Sck)ützeu aus Süb- unb Norbbeutschlaub ein* gesuubeu hatten, nahm luiebenmi einen von echt patrioti- schem Sinne getragenen, harmonischen Verlauf. Tie Tafel­musik führte abermals bie ausgezeichnete Kapelle bes K. S. 2. OKenabierregimentS unter Leitung ihres beliebten unb tüchtigen Direktors Herrn L. Schröber - eines bicbercn Bajnvaren aus nnb mehrfach würbe ber von genanntem Dirigenten eigens für bas 13. Bunbesschießeni komponierte zünoenbeSchützenmarschi" stürmisch verlangt nnb unter erneutem Beifall vorgelragen. (Der Marsch, für Streich- nnb Blasmusik, ist zu haben bei Lonis Oertel in Hannover, für Klavier in sämtlichen Mnsikalienhanb- lungen.) Die Tafelifeben zeugten von ber sich bis zur letzten Stnnbe geltenb machenben echt beutsch^patriotischen Fröhlichkeit. Das Fest ist bis Mittwoch verlängert worben, wirb jeboch nur Polksbelustignngen bieten. Mit innig- stem TankeSgrnß an bie Schützen von fern unb nah, mit einem jubelnben Hoch auf ben Protektor des 13. Deutschen Bunbesfchießens Se. Maj. ben König Albert von Sachsen würbe nachmittags 6 Uhr bas ohne jeben Unfall unb Miß ton verlaufene fcl)öne Fest burch ben Vorfitzenben bes «Fest- ausschufses Stabtrat Leymann - Dresben gefchlofsen.

Zahresderichte der Gr. -ksßscheu Geioerbe.Zllspkktorell.

Schluß.

Das eine im Bezirk zn G i e ß e ii bestehenbe G e tu e r b c- gerlcht hatte sich! mit 136 klagen zu beschäftigen (gegen 111 in 1898 unb 100 in 1897). 83 Klagen würben im > ober vor bem 2. Termine, also ohne Beisitzer zum Auötrage gebracht, macht 70 Prozent aller Klagen (gegen 51 Prozent