Forderung nötig machen und dabei doch die Wünsche der Bewohner der dortigen Gegend nicht voll befriedigen würde. Daher ist eine Umarbeitung dieses Projekts veranlaßt worden, die jetzt im Gange ist. Das Ergebnis dieser Umarbeitung und der alsdann erforderlichen Ver- handlungen muß zunächst abgewartet werden. Aus diesen Gründen konnte die Aufnahme der beiden Bahnen in den vorliegenden Gesetzentwurf nicht erfolgen. Die Regierung ist bestrebt, die Erledigung der noch schwebenden Fragen soviel als möglich zu beschleunigen. Jedenfalls wird die erste Vorlage über den Bau weiterer Bahnen, die nach Annahme der vorliegenden den Ständen zugehen wird, sich auf diese beiden, aus dem 90er Gesetz noch rückständigen Bahnen beziehen.
Die Aufnahme der Bahn Stockheim —Vilbel steht nicht im Gegensätze zu der oben ausgesprochenen Absicht, zunächst die früher bewilligten Bahnen zu bauen. Denn es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Bahn Stockheim—Frankfurt bezw. Stockheim—Vilbel in das Gesetz von 1890 ausgenommen worden wäre, wenn damals die Zustimmung der Königlich Preußischen Regierung hätte erlangt werden können. Regierung und Landstände waren seit lange über die Notwendigkeit' des Baues dieser, für den ganzen südlichen Teil der Provinz Oberhessen hochwichtigen Bahn einig, und in der Zweiten Kammer sind wiederholt die lebhaftesten Klagen und Vorwürfe über seine Verzögerung erhoben worden. Die Regierung würde daher mit den früher erteilten bestimmten Erklärungen sich in Widerspruch gesetzt haben, wenn sie nicht, sobald die Verständigung mit Preußen erzielt war, den sofortigen Bau dieser Bahn in Aussicht genommen hätte.
Damit ist aber auch alles gethan, was für jetzt, im Hinblicke auf die zahlreichen, noch nicht fertigen Bahnen aus dem Gesetz von 1890, bei der Finanzlage des Landes und der nicht unbegrenzten Leistungsfähigkeit des zur Verfügung stehenden Personals vom Staate geschehen kann.
Nach längeren Ausführungen über eine Anzahl von Bahnprojekten in den südmainischen Provinzen heißt es dann weiter, daß der Finanzminister dem ersten Ausschuß der Zweiten Kammer der Stände gegenüber konstatieren mußte, daß nicht mehr mit der Möglichkeit gerechnet wer- I den kann, die Vorlage in einer Sommertagung von beiden I Kammern der Stände zur Verabschiedung zu bringen. Die I Verantwortung für die Schädigung der beteiligten Landes- I teile, wie derjenigen Teile des Odenwaldes und des Vogels- I bergs, deren Wünsche auf Erbauung weiterer Linien in I gleichem Maße zurückgestellt werden müssen, als sich die I Erbauung der von der Regierung unbedingt festgehaltenen I Linien verzögert, kann die Regierung nicht belasten, nach- I sie alles versucht hat, um eine Verständigung herbeizu- I führen, insoweit pflichtmäßige Schonung der Finanz- und I Steuerkraft des Landes ihr dies möglich erscheinen ließ. I
I dieser Beziehung zu seinen beiden Kollegen sagen: Ich sei, gewährt mir die Bitte, in Eurem Bunde der dritte! Auch das Kabinett Waldeck-Rousseau führt nur ein politisches Dasein von der Hand in den Mund, denn zu den vielen kleinen Siegen über die nationalistische Opposition will sich doch kein großer entscheidender Sieg gesellen. Wenn die I Angriffe der Nationalisten in der letzten Zeit zahmer ge- I worden sind, so liegt das weniger an einer Verstärkung I der Regierungsstellung als an der Besorgnis, die auch von I der Opposition empfunden wird, den Erfolg der Weltausstellung zu beeinträchtigen, und an den Problemen auf dem
I Gebiet der auswärtigen Politik, die gerade jetzt in ver- I stärktem Maße auch den Franzosen aufgegeben werden.
Als das schwierigste und gefährlichste dieser Probleme I wuß zweifellos die chinesische Frage anerkannt werden, I deren Aufrollung außerordentlich plötzlich geschah. Eine geradezu ungeheuerliche Nachricht von den dortigen furcht- I baren Wirren ging uns am Samstagabend aus Paris zu. Die „Agence nationale" meldete aus Peking, alle Gesandtschaften feien zerstört und der deutsche Gesandte, Frhr. v. Ketteler, ermordet worden. Die Nachricht sei allerdings noch un-
I bestätigt. Wir können vorläufig unmöglich glauben, daß die Boxer, von denen es doch heißt, daß zahlreiche Gelehrte
I und hochgebildete Personen zu ihnen gehören, eine solche I allem Völkerrechte Hohn sprechende That begangen haben, und halten dieses Telegramm für eine ganz böse Tartaren-
I Nachricht. Es ist für uns geradezu undenkbar, daß Leute I die frevelhafte Verwegenheit sollten besessen haben, die nach dem internationalen Gesandtschaftsrecht, dem sich die großen । ostasiatischen Reiche angeschlossen haben, unverletzliche Person i eines Gesandten, und noch dazu des Gesandten eines Reiches von der Weltmacht Deutschlands auch nur anzutasten. Die Nachricht von dem Mord des japanischen Gesandten ist bisher auch unbestätigt geblieben. Die Newyorker Blätter halten allerdings die Nachricht für begründet, während die Pariser „Agence HavaS", die weit zuverlässiger ist, als jene Pariser Agentur, von der die grause Botschaft kommt, erklärt, daß im französischen Ministerium des Auswärtigen
! keinerlei Bestätigung der abenteuerlichen Meldung vorliegt. I Sie hebt hervor, daß, da die telegraphische Verbindung mit I Peking unterbrochen ist, man mit äußerster Vorsicht ! alle Depesche« aufnehmen muß, die von Vorgängen in Peking I aus den letzten Tagen berichten. Jedenfalls aber steht es I außer Zweifel, daß die Boxerbewegung eine höchst gefähr- I liche Form angenommen hat und daß der ganzen Größe I der Gefahr nur durch geschlossenes Vorgehen aller Mächte I begegnet werden kann. Leider aber haben wir bereits von I sehr bedauerlichen Eifersüchteleien unter einzelnen der Mächte I berichten müssen. Da ist es immerhin intereffant, zu er- I fahren, welche philosophischen Gedanken der Chefredakteur I des Pariser „Matin", Harduin, anstellt. Anknüpfend an I eine Meldung, daß eine Expedition aus englischen, deutschen, I russischen, französischen, italienischen und österreichischen I Soldaten auf Peking marschiere, fragt Harduin: „Ist dies I nicht die Armee der Vereinigten Staaten von! Europa? Sie ist konstituirt, diese Union, die so lange I schon von Träumern gepredigt wurde, deren Uhr vorging. I Man wird einwenden, daß sich die Szene in Ostasien ab- I spielt, aber es ist immerhin schon etwas, Soldaten Seite I an Seite und in demselben Schritt demselben Ziele entgegen I marschieren zu sehen, Soldaten, die in Europa gedrillt werden, I um sich einander aufzufreffen. ES existiert also die Mög- I lichkeit, daß Franzosen, Deutsche, Russen, Engländer und I Italiener im Einvernehmen sein können? Warum sollte I man nicht versuchen, aus einer derartigen Thatsache Nutzen I zu ziehen? ES ist doch wirklich schrecklich demütigend, daß I nur die Chinesen die Gabe besitzen, uns Europäer vernünftig I zu machen!"
Die chinesische Frage hat das Interesse gn dem süd- I afrikanischen Kriegsdrama erheblich zurückgedrängt. I Die Nachrichten über die Geschehnisse in diesem Drama I leiden wieder an einer starken Unzuverlässigkeit. Zwar I haben die Engländer einige Erfolge errungen, so die Neber- I schreitung des LaingS Nek-Paffes, aber die wiederholten I Schlappen, die sie im Rücken des Lord Roberts auf dem I Gebiete des Oranje-FreistaateS erlitten haben, zeigen doch, I daß der Widerstand der Buren noch immer keineswegs ge- I brochen ist, und daß der jetzt eingeleitete Guerillakrieg den I Engländern noch mehr zu schaffen machen wird, als sie sich I träumen ließen. Und zu dieser Sorge tritt die weitere, I wie eS nach dem Kriege gelingen soll, den Gegensatz der I beiden weißen Raffen in Südafrika aus der Welt zu schaffen, I dessen Schärfe gerade jetzt angesichts des Rücktritts des | Premierministers Schreiner den Engländern mit aufdring. I licher Deutlichkeit vor die Augen getreten ist.
I Einnahme von Kapitalzinsen durch Vermehrung der in Wert. I papieren rc. angelegten Vermögensbestände um 951,61 Mk I erhöht hat. Bei den Gesamtbeiträgen ist ersichtlich,'daß fit I sich gegen das Vorjahr um 17 342,39 Mk. vermehrt haben' I dies erklärt sich einerseits daraus, daß die Meldepflicht I streng gehandhabt worden ist, — denn die Mitgliederzabl I hat sich im Durchschnitt gegen 1898 nur um 209 erhöht — andererseits daraus, daß die Richtigstellung der Lohn-
I sätze ihres bei der Kaffe versicherten Personals erfolgt ist. I Bei 2) Ausgaben, ergiebt sich die Erhöhung für ärztliche I Behandlung aus dem Neuabschluß verschiedener Aerzte. I Verträge, sowie daraus, daß der Vorstand für Spezialärzte I erhebliche Beträge bewilligte. Die bedeutende Steigerung I der Ausgaben für Arznei und Heilmittel ist auf den un. I günstigen Gesundheitszustand im Jahre 1899 zurückzuführeu. I Aus ebendemselben Grunde ist die ungewöhnliche Steigerung I des Krankengeldes von 19 324,96 Mk. auf 29 879,84 Mk. herzuleiten, vielleicht auch daraus, daß die Geschäftsleitung auf ganz pünktliche Einhaltung der Angaben über die Lohn.
I Verhältnisse sah, und so die Klaffen sich ganz bedeutend nach I oben hin verschoben. Beim Poften „Kur- und Verpflegungs- I kosten" heißt es, daß die Inanspruchnahme der hiesigen I Kliniken nicht nachgelassen hat, trotzdem der hierfür Der» I auSgabte Betrag für dieses Jahr etwas niedriger geworden I ist. Leider sind jedoch die Kliniken von auswärts so stark I besetzt, daß sehr viele von der Krankenkaffe eingewiesene I Kranke daselbst abgewiesen worden sind. Es sei dies ein I Zustand, der auf die Dauer nicht haltbar ist, da sich unter den Zurückgewiescnen schwer kranke und einer besonderen
I Pflege sehr bedürftige Mitglieder befanden. Auf den Kopf I des Mitgliedes entfallen 1,02 Mk. gegen 1,16«/, Mk. iw I Vorjahre. Die persönlichen BerwaltungSkosten haben sich I uach Abzug des Betrages für Besorgung des Geschäfts des I Jnvaliditäts- und Alterversicherungs Gesetzes pro Kopf von I 1,60 Mk. auf 1,45 Mk. erniedrigt, während sich die sach- I lichen Ausgaben infolge von Neuanschaffung von In« I ventar von 0,207, Mk. auf 0,257, Mk. erhöht haben. I Die Ergebnisse sind nach allen Richtungen hin be- I friedigend. Der finanzielle Erfolg überragt I sämtliche Vorjahre. In dieser Voraussicht nahm dir I Kaffe in diesem Rechnungsjahr Veranlassung, getreu den I von ihr vertretenen Grundsätzen, der Generalversammlung eine Erweiterung der Kassenleistungen in Form einer Herabsetzung der Karreuzzeit auf 2 Tage sowie Erhöhung des Krankengeldes um 5 Proz. vorzuschlagen. Weiter wurde vorgeschlageu, die Bestimmung im Statut zu streichen, daß bei einer Krankheit, die durch Vorsatz oder durch schuldhafte Beteiligung an Schlägereien herbeigeführt worden ist rc., das Krankengeld wegfällt. Die Generalversammlung beschloß demgemäß eine diesbezügliche Statutenänderung, die vom Kreisausschuß nach einigen redaktionellen Aender« ! ungen genehmigt wurde. Im Anschluß an die Vergünstig« ungen im Vorjahre — Wegfall der Karrenzzeit bei 14tägiger Krankheitsdauer, Erhöhung des Krankengeldbezugs auf 25 Proz. für 26 Wochen — werden diese erneuten Vergünstigungen bei den Mitgliedern erfreuliche Aufnahme finden, Anhänglichkeit zur Ortskrankenkaffe erwecken und auch solche Bersicherungspflichtige zum Beitritt veranlaffen, die ihr bis jetzt fern geblieben sind. Zu den bis jetzt eingeführten Kaffenleistungen werden voraussichtlich am 1. Januar 1901 je nach der finanziellen Kraft der Kaffe, jedoch ohne Belastung der Beitragspflichtigen, weitere Vergünstigungen für die Kaffenmitglieder treten. Zu diesen Vergünstigungen darf wohl der Vorstandsbeschluß gerechnet werden, wonach denjenigen Mitgliedern, die mit ihrem Verdienste Angehörige zu ernähren haben, bei Gewährung einer Badekur seitens der JnvaliditätSanstalt, neben dem an die letztere in diesem Falle zu zahlenden vollen Krankengeld, auch die Hälfte des Krankengeldes ausbezahlt wird.
Bei der Generalversammlung der freien Bereinigung der Krankenkaffen im Großherzogtum Hessen zu Nierstein am 18. Juni 1899 war die Kasse durch den Vorsitzenden Dahmer und die Vorstandsmitglieder Hanau und Fourier und bei dem Tuberkulosen Kongreß zu Berlin durch den Krankenkontroleur Beckmann vertreten. Die Geschäftsführung wurde mit Wirkung vom 1. April 1899 einer vollständigen Reorganisation unterzogen und die Kasseu- lokalitäten in das Haus Asterweg 16 verlegt. Die hierdurch erfolgten Neueinführungen haben sich bewährt und werden im Laufe der Jahre noch besser ausgebaut werden. Die Erfüllung der Vorschriften des KrankenverficherungS- gesetzes bezüglich rechtzeitiger An- und Abmeldung, sowie Meldung von Lohnveränderungen und nicht am wenigsten pünktliche Abführung der Beiträge wird den säumigen Arbeitgebern gegenüber den strengen Strafvorschriften, die dieserhalb in dem Krankenversicherungsgesetz vorgesehen sind, zur Vermeidung von Unannehmlichkeiten dringend empfohlen. Auch die Erkrankten werden in dem Rechenschaftsbericht ermahnt, bei dem Bezug von Krankengeld die für ihr Verhalten gegebenen Vorschriften einzuhalteu. — In diesem Geschäftsjahr gehörten dem Vorstände an: a) von feiten der Kaffenmitglieder: Friedrich Binz, Georg Dahmer, Heinrich Fourier, Theodor Judt, Albert Lenz, Wilhelm Nau, Heinrich Schön, Wilhelm Schmidt, Wilhelm Sickert, Hermann Strobel, Emil Ulrich, Heinrich Wiegandt; b) von feiten der Arbeitgeber: Ed. Hanau, Z. Kann, Wilhelm Löber, Karl Schäfer, Heinrich Winn und Bernhard Wolf. Die Kasse wurde durch den Vorsitzenden unter Assistenz zweier Vorstandsmitglieder zweimal, darunter einmal unverhofft revidiert. Eine zweite unverhoffte Revision der Kasse nahm ferner die Aufsichtsbehörde vor. Besondere Anstände haben sich bei denselben nicht ergeben. Zum Schluß der Ausführungen seines Geschäftsberichts gibt der Vorstand der Ueberzeugung Ausdruck, daß die günstige Gestaltung der Ortskrankenkasse Gießen von allen beteiligten Kreisen freudig empfunden und begrüßt wird, und hofft, daß die hervorragende soziale Aufgabe, die der Kaffe zugeteilt ist, auch fernerhin zum Wohle der Versicherten
Politische Wochenschau.
Der Reichstag hat endlich diese ungewöhnlich lange Doppelsession zu Ende gebracht und die ungeheure Fülle des Arbeitsstoffes, deffen Erledigung ihm zugedacht war, bis auf einen unbedeutenden Rest glücklich bewältigt. Das letzte große Werk, dessen Zustandebringen dem Reichstage oblag, war die Flott en Vorlage, die der Reichstag in seiner letzten Sitzung mit Zweidrittelmehrheit zum Gesetz erhoben hat, nachdem er sie um die von der Regierung geforderten Auslandsschiffe gekürzt hatte. Die beiden konservativen Abgeordneten, die gegen das Flottengesetz in dritter Lesung gestimmt haben, waren der wegen seiner Kanalabstimmung gemaßregelte Landrat v. Bonin-Bahren- busch, Vertreter für Neustettin, sowie der Hospitant der konservativen Partei, mecklenburgischer Gutsbesitzer v. Treuenfels, Vertreter für Güstrow-Ribnitz. Von der freisinnigen Volkspartei fehlten bei der Abstimmung die Abgeordneten Eugen Richter, Vertreter für Hagen, Lenzmann, Vertreter für Altena-Iserlohn, und der zweite Vizepräsident Reinhard Schmidt, Vertreter für Bingen-Alzey.
Mit einem schrillen Mißklang hat der österreichische Reichsrat geschloffen, deffen Thätigkeit durch die rohe Gewaltpolitik der Tschechen jäh unterbrochen worden ist. Wenn die Deutschen Oesterreichs seinerzeit gegenüber der Gewaltpolitik der Regierung und der Reichsratsmehrheit zu dem Mittel der Obstruktion griffen, so konnten sie sich zur Entschuldigung darauf berufen, daß in dem Streit um die Spracheuverordnungen nicht nur das formale, sondern auch das moralische Recht auf ihrer Seite war. Je weniger bei der jetzigen Obstruktion der Tschechen das Recht auf deren Seite war, desto mehr suchten sie es durch die Gewalt zu ersetzen und sie thaten dies mit dem Erfolge, daß das Kabinett Körber in unbegreiflicher Zaghaftigkeit vor dem tschechischen Rowdytum zurückwich. Der vom Kabinett Körber verfügte Schluß der Reichsratssession ist ein Akt der Verlegenheit, der für die prekäre Situation des Kabinetts charakteristisch ist. Mit diesem Akt ist das Kabinett Körber richtig zu der bewährten Methode des „Fortwurstelns" zurückgekehrt, auf Grund dessen schon die früheren österreichischen Kabinette von der Hand in den Mund lebten. Aber mit dem Entschluß, keinen Entschluß zu fassen, wird die Krisis in Oesterreich nicht gelöst werden, und so wird Herr v. Körber notwendig irgend etwas machen müssen, sei es auch nur — Platz für den kommenden Mann!
Nicht ohne Sorgen sieht auch das italienische Kabinett Pelloux in die parlamentarische Zukunft, denn die begeisterten Ergüsse der italienischen Regicrungspreffe über die geschlossene und starke Regierungsmehrheit werden bei dem Ministerpräsidenten selbst nicht mehr Glauben finden, als außerhalb der Grenzen Italiens. Auch ist angesichts des öden und fruchtlosen Parteihaders im italienischen Parlament kaum eine Aussicht vorhanden, mit ernsthaften und umfaffenden Maßregeln dem chronischen Nebel zu begegnen, an dem Italien seit Jahrzehnten leidet, dem immer stärker anwachsendcn Defizit des Staatssäckels.
So sieht sich das Kabinett Pelloux in getreuer Nachahmung des österreichischen Kabinetts zu einer recht unfruchtbaren Politik des Fortwurstelns gezwungen, und der französische Ministerpräsident Waldeck-Rousseau kann in
Aus Stadt und Land.
<««o«yme Einsendunge«, gleichviel welche« Inhalte», werde« grundsätzlich nicht ausgenommen.)
Gießen, 18. Juni 1900.
•• Ortskrankenkasse Gießen. Dem uns vorliegenden Rechenschaftsbericht der Ortskrankenkasse Gießen, der morgen abend der Generalversammlung unterbreitet wird, entnehmen wir, daß sich die Erwartungen, die der Vorstand an das Geschäftsjahr 1899 gestellt hatte, durchaus erfüllt haben. Die durchschnittliche Mitgliederzahl betrug 3875 (gegen 3666 des Vorjahres)- die Krankheitsfälle beliefen sich auf 1816 (1253), die Sterbefälle auf 29 (28), die Krankheitstage auf 26 236 (19 005). Von den Krank- heitStagen entfallen auf den Kopf der durchschnittlichen Mitgliederzahl 6«/10 (52/ie) Tage. Die Summe der Einnahmen stellte sich auf 118 395,38 Mk. (75 102,95 Mk), die Summe der Ausgaben auf 107 524,76 Mk. (67 402,95 Mk.); somit blieb Kaffenbeftand 10 870,62 Mk. (7700,00 Mk.) Der Bestand des Reservefonds betrug 87 085,21 Mk. (71 980,31 Mk.) Aus der Erläuterung zu den einzelnen RcchnungSposten, 1) Einnahmen, geht hervor, daß sich die
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