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Drittes Blatt
Heneral-Unzeiger
Amts- und AnzeZgeblKtt für den Avers Greszen
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Gießen, 17, Dezember.
" Weitere Ergebniffe der Volkszählung. Ruppertsburg 29'») männliche, 317 weibliche ----- 613 Personen, gegen 1895 imr 2 vermehrt. (Viehzählung: 72 Pferde, 448 Rindvieh, 30'11 Schafe, 362 Schweine, 127 Ziegen, 1700 Federviehs 291 kienenstöcke. Obstbaumzählung: 1788 Aepfelbäume, .r>9:li Viinbäume, 2639 Zwetschenbäume, 314 Kirschbäume, 89>Uchbäume.) Treis a. d. Lda. 1138 (4- 45), der Ort hat« in siiinf Jahren also um 45 Seelen zugenommen, aber feie: frühere Einwohnerzahl (vor 1866 ca. 1400) noch nicht wieÄn erreicht, auch soll der Ort in anderer Beziehung dcgcrn früher eingebüßt haben. Hechlsheim 2996, Lauben. H-ES74. — Königsberg 187 186 (-j- 14 390), Rixdorf wur Berlin 90 514 (+ 30 577), Augsburg 88 700 (4- 6 797), ^len (Elsaß), 88 464 (4- 5 479), Fürth 53 874 (44 -148), Eisenach 31000 (4- 6 650).
Lmibach, 14. Dezember Der Besitzer des Hotels zum ^.'^enhof, Parr, namentlich in den Kreisender
5 ^auP*utc von früher her aus Gießen, (H'essi- - Grünberg (Zum wilden Mann) weithin be
kam»!, Mt sein hiesiges Hotel für 32000 Mk. an Hotelier
Di« Nachricht, daß die Ehescheidung des Prinzen Art- hrta: do« Anhalt auf beiderseitigen Antrag der Ehegatten duunt den Herzog von Anhalt auf Grund des anhaltischen HcMgesetzes und landesherrlcher Machtv ollkommen- h S !i! geschieden sei, hat insofern Bedenken erregt, als 4 -*iM des Bürgerlichen Gesetzbuches bestimmt, daß' die Sc^ung einer Ehe nur durch richterliches Urteil erfhlzen soll. Man ist einig, daß durch diese Vorschrift landesherrschaftliche Ehescheidungsrecht beseitigt worden 't nie dies die Motive zum BGB. auch ausdrücklich be- omm. Trotzdem ist die Anwendung des Prinzips des § 1564 BGB. auf die Scheidung des Prinzen Aribert in» iof «n ausgeschlossen, als Art. 57 des Einf.-Gesetzes zum
Gratisbeilagen: Gießener Familienbtätter, Der hessische Landwirt, Ktittter für hessische Volkskunde.
Hechler aus Heidelberg (Germaniahotel) verkauft. Die Uebergabe erfolgt morgen. Parr siedelt nach Bad-Nauheim über, um dort mit Beginn der Saison das Restaurant Müller, Ecke der Bismarck- und Frankfurterstraße, zu übernehmen.
fc. Frankfurt a. M, 14. Dezember. Die Stadtverordneten Funck (fortschr.) und Sänger (Dem.) brachten bei der Stadtverordnetenversammlung den Antrag ein, zu beschließen:
„Die Stadtverordnetenversammlung erblickt in jeder Erhöhung der Lebensmittelzolle, namentlich der Getreidezölle eine wesentliche Schädigung der Konsumierenden, speziell der minderbemittelten Volksklassen unserer Stadt. Sie ersucht daher den Magistrat, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln an zuständiger Stelle dahin zu wirken, daß bei den bevor« stehenden Verhandlungen über die Erneuerungen der Handelsverträge keiner Erhöhung der Lebensmtttelzölle in Deutschland stattgegeben werde.-
Frankfurt a. M., 14. Dezember. Die hiesige Abteilung des Weltbundes zur Bekämpfung der Vivisektion hat dieser Tage einen Vortragsabend veranstaltet. In der Stadthalle sprach, wie die „Frkf. Ztg." berichtet, Oberst a. D. Spohr aus Gießen, der bekannte grimme Feind jedweder „Schulmedizin", über das Thema: „Die wissenschaftliche Tier- und Menschenfolter". Der Redner verwarf die Vivisektion, weil sie biologisch zwecklos sei, da wir ja doch nicht in die Geheimnisse der Natur eindringen können, weil sie ferner zu falschen Schlüssen führe, indem z. B. gewisse Mittel bei Mensch und Tier verschieden wirken, und führte gegen die Tierversuche noch manche andere, schon ost erwähnten Dinge ins Feld. Zugleich benutzte er die Gelegenheit, um für eine naturgemäße Lebensweise, für Vegetarianismus und Temperenz, Propaganda zu machen, und zwar mit Belegen aus seiner eigenen Erfahrung. Endlich machte er das Publikum selbst für die Grausamkeiten der Vivisektion verantwortlich, da man fälschlicher Weise der Meinung sei, es würde aus diesen Versuchen etwas Erspießliches herauskommen.
lautet:
DeS Abends, wenn ich zu Bette gehe, Sechszrhn Hispanter um mich stehen, Zwei zu Häuptern, zwei zu Füßen, Zwei zur Rechten, zwei zur Lacken, Zwei, die mich decken, zwei, die mich wecken, Zwei die mich kleiden, mit dem spanischen Herzeleide, Zwei die mich weisen nach dem spanischen Paradetse. Älsda will ich mich hinkehren, gut Spanisch wtll ich lehren, Und will nicht wiedelkommen, denn es bringt Deutschland
Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.
Fernsprecher Nr. 51.
Nr-»-- enMt, 6.
Dienstag den 18. Dezember 150. Jahrgang
keinen Frommen.
Das war zu der Zeit gedichtet, als Philipp der Groß- müthige, der Vorkämpfer der Reformation, nachdem das Heer, welches er Karl V. an der Donau ertgegengeführt hatte, durch den Verrat Moritz' von Sachsen, seines eigenen Schwiegersohnes, auseinandergesprengt war, in die Gefangenschaft des Spaniers Karl V. gekommen war.
* Unter der lleberschrift „Im Beichtstuhl ermord et" berichtet man aus Ravenna vom 3. Dezember: „Heute früh begab sich eine Beamtenwitwe, die Signora Emilia M a r g o t t i, in den Tom, angeblich um zu beichten. In einem Beichtstühle saß Monsignor Ton Pe ppi, der Vermögensverwalter des erzbischöflichen Stuhles. Tie Margotte, eine Frau von etwa fünfunddreißig Jahren, eilte dem Beichtstühle heraus und versetzte ihm drei Dolchstiche in die Brust. Einige Kirchendiener eilten dem Priester zu Hilfe. Der Dom wurde rasch abgeschlossen, und nach einigen Minuten erschien der Erzbischof Kardinal Galleati selber in der Kirche, um die Signora Margotti zu vernehmen. Sie wurde sodann der Polizei ausgeliefert. Beweggrund der That soll eine Pfändung fein, die Don Peppi bei der Signora Margotti vornehmen ließ. Andere behaupten, es handle sich um eine Liebestragödi e".
* Ein weiblicher Privatdozent. Während in Frankreich) kürzlich zum erstenmal eine Dame zur Advokatur zugelassen wurde, hat Italien in diesen Tagen den ersten weiblich)eu Privatdozenten erhalten, und zwar ist es die philosophische Fakitltät der ll n i v e r s i t ä t R o m, die den Mut hatte, einer Dame ihre Pforten zu öffnen. Diese wird mit ihrept Vater demselben Lehrkörper angehören. Fräulein Privatdozent ist nämlich die Tochter des ordentlichen Professors für Pädagogik und Philosophie der Geschichte Antonio Labriola, eines der unterrichtetsten und volkstümlichsten Männer Roms und gleichzeitig eines der besten Kenner deutschen Geisteslebens in der italienischen Gelehrtenwelt. Fräulein Teresa Labriosa hgt sich zusammen mit ihrem Bruder vor etwa sieben Jahren in Rom den juristischen Doktorhut geholt und scheint den ganzen juristischen Vorbereitungsdienst durchgemacht zu haben, da sie vor einigen Jahren die Prüfung abgelegt hat, die zur Ausübung der Advokatur berechtigt. Tie junge Tarne hat davon allerdings keinen Gebrauch gemacht, sondern an ihrer wissenschaftlichen Fortbildung unausgesetzt weiter gearbeitet, wie manche wertvolle Arbeit in den wissenschaftlichen Zeitschriften bekundet. Fräulein Toktor gelangt übrigens noch sehr jung in die wissenschaftliche Laufbahn; sie dürfte wenig über 25 Jahre alt sein. Sie ist aber nicht nur jung, sondern auch anmutig und schön und schaut mit ihren großen schwarzen Augen so lustig in die Welt, daß man ihr eher Schelmerei als Gelehrsamkeit zutrauen möchte. Tie Mutter der gelehrten Dame ist eine Deutsche, aus einem pommerschen Adelsgeschlecht, und die dottoressa beherrscht das Deutsche so gut, wie die Sprache Dantes.
* Der Feminismus genießt in Japan, namentlich seitens der Kaiserin Haroako, die wirksamste Förderung. Vor allem bewirkte sie die Abschaffung der alten Verordnung, wonach die Frauen die Bretter nicht betreten dürfen, die die Welt bedeuten. Sie berief nach den großen Städten
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Vermischtes.
• Bon dem „alten Woltersdorff", einem Prediger, der infolge seiner echt volkstümlichen Predigtweise und originellen Charaktereigenschaften vor hundert Jahren zu den beliebtesten Predigern in Berlin gehörte, erzählt der „Bär" ein paar hübsche Anekdoten, die seine oft etwas drastische Art auf die Leute zu wirken zeigen. Er war auch hochgestellten Personen gegenüber sehr freimütig. Eines Tages speiste er bei einem vornehmen aristokratischen Herrn, der ihn fragte, ob es wohl schicklich sei, bei einem großen Mahl zu beten. „Das weiß ich nicht", erwiderte der Geistliche, „aber ich erinnere mich, bei Bauern in Pommern ein Bild gesehen zu haben, auf dem Ochsen und Esel im Stall an einer Krippe stehend dargestellt waren, mit der Unterschrift: „Wer ohn' Gebet zu Tische geht, — und ohn' Gebet vom Tisch aufsteht, — Der ist den Rind und Eseln gleich — Und hat kein Teil am Himmelreich". Woltersdorff verstand es vorzüglich, die Kinder durch Beispiele aus dem täglichen Leben zu belehren. Einst fragte er die Tochter eines Apothekers im Konfirmandenunterricht: „Hat Deine Mutter eine Putzstube?" „Ja." „Hat sie auch Schweine?" „Ja." „Läßt sie die in die Putzstube?" „Bewahre, nein!" Daran knüpfte der Geistliche nun die Mahnung, die Sünde nicht in die Putzstube des Herzens zu lassen. Ein drastisches Mittel benutzte er auch einem „erweckten" Schuhmacher seiner Gemeinde gegenüber, der über andere Christen kurzweg aburteilte, wenn er erfuhr, daß sie nicht dieselben „Anfechtungen" gehabt hätten wie er, und daß sich ihr Christentum nicht in der Weise ge« staltete wie bei ihm. Diesen Schuhmacher ließ Woltersdorff zu sich kommen und gab ihm den Auftrag, für sich und seinen Sohn je ein Paar Stiefel anzufertigen, jedoch unter der Bedingung, daß er beide Paar nach einem Leisten mache. „Aber das ist ja unmöglich", sagte der Meister ^wenn die Stiefel passen sollen." „Sieht Er wohl", sagte Woltersdorff, „und doch will Er, daß Gott alle Christen nach Seinem Leisten bekehren soll." J
. 14 Engel in Humperdincks „Hänsel
unb ©retel". Das liebliche Schlaflied und Gebet, das Hansel und Gretel am Schluffe des zweiten Aktes von Humpttdincks musikalischem Märchenspiel singen: „Abends, will ich schlafen gehen. Vierzehn Engel um mich stehen" u. s. w. hat Theodor Distel schon auf dem Grabstein des Markgrafen Friedrich I. von Meißen „des Freidigen", f Pfunden, d. h. in Anklängen. Meister Berthold von Eisenach hat ihn dargestellt (zu
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Reiuhardsbrunn) im Herrschertalar, -das Schwert in der Rechten, das Haupt mit einer Kranzkrone bedeckt und auf einem Kissen, das zwei Engel halten und unter einem Ciborium, neben welchem zwei Engel Rauchfässer schwingen. Schild und Helm mit dem Meißner und Thüringer Löwen halten zwei Knaben zu seinen Füßen.
Ich will heynt schlafen gehn;
Zwölf Engel solln mit mir gehn:
Zween zu Haeupten Zween zur Seiten Zween zu Füßen, Zween, die mich decken, Zween, die mich wecken, Zween, die mich wiesen Zu den himmlischen Paradiesen.
Adelheid Wette, Humperdincks Textdichterin, hat aus den zween zur Seiten „zwei zur Rechten, zwei zur Linken" gemacht resp. übernommen. Denn die Verse liegen in verschiedenen Fassungen vor. Aber auch eine Travestie darauf hat Distel gefunden, die in Augsburg (1547 ff.) während der Gefangenschaft des Landgrafen Philipp des Großmütigen von Hessen (f 1567) entstanden ist.
Komische Tagesschau.
Nicht uninteressant dürfte es vielleicht sein zu erfahren, daiß Freiherr von Heyl seit mehreren Jahren Besitzer n,! ii Tabakpflanzungen ist und auf diesem Besitztum reHldomkbare Erfolge aufzuweisen hat, wie ihm ein hessi- schtzr Interessent in der „SUdd. Tab.-Ztg." treffend nach- wWßst. Er schreibt:
Du Aufsätze über die Tabaksteuerrede des Herrn von Heyl habe ach! gelesen, allein trotz der gewiß in diesem Punkte unantastbaren AvlMita! der „Natllib. Korresp." kann ich nicht annehmen, daß unser ^lirnRrichstagsabgeordneter gesagt haben kann: „Da seit Jahren unsere TcLchsl-.nzer mit großem Verluste arbeiten, wie ich aus eigener c;ri f«5ty ng weiß, so stehe es außer Frage, daß hier Wandel ge- fchltiiM werden muffe, soll nicht das ausländische Produkt !>as inlän« dis H.-ersticken." 'Herr Abg. von Heyl kann das schon deshalb nicht gepi at hoben, weil er seit mehreren Jahren selbst Tabakpflanzer ist und zw«»inil wachsendem Erfolge. Meines Muffens hat er auf seinen zaW-reicheiv Gütern früher nicht Tabak gebaut und erst vor wenigen 31^-™ c_uf seinem Gute Hüttenfeld bei Lampertheim eine bestimmte Zlc.ür mit Tabak bepflanzt. Damals erntete er nur ca. 80 Zentner rauöc! utb verkaufte ihn zu 24 bis 25 Mk. Die letztjährige Ernte (von 19M) erg ab auf den betreffenden Feldern ca. 130 Zentner, die seine ©üäitroerDdltung an eine badische Zigarrenfabrik zu 30 Mk. pro Zentner oeHtfiifte. Das ist ein geradezu glänzendes Ergebnis, denn die Pro- dukä.Mskl>sten bei diesem Quantum betragen kaum 15 Mk. für den Ze Nier Nachreifen Blättertabak. Was müßte dann an Glanzleder ver- bieiielwetfoen, wenn 100 Prozent Verdienst bei Tabak als Verlust an- gepekit rvird? Deshalb kann ich nicht annehmen, daß Freiherr von He ^l so zesprochen hat, wie das leitende Organ der Partei mitteilte. 'Juüeeauto'ritatioe Aufklärung wäre da wohl am Platze.
Voin anderer Sette wird diese Mitteilung noch ver- oolrEßanNigt und bemerkt:
Das Ergebnis des Tabakbaues war auf dem Heyl'schen Gute gevMi bei echnet: Aon einer Fläche von 35 541 Quadratmetern wurden geartet: 5447,5 Kgr. Obergut, das pro Zentner mit 30 Mk. verkauft wcnrümist-, 789,5 Kgr. Sandblatt, wofür 29 Mk. pro Zentner erzielt und 391 Kgr. Grumpen, die in naffem Zustande 12 Mk. für berta Jentwer brachten. Bei solchen Preisen kann man sehr gut bestehen!
! den och jeden Dien' ichncterKassebeM -----— v. •U.I,.W|V» 8um
n statt. W1' , M'N. ausdrücklich bestimmt, daß in Ansehung der Landesill beö tzermk und der Mitglieder der landesherrlichen Familien
die: karschriften des bürgerlichen Rechts nur insoweit An* mc iiiutig finden sollen, als nicht besondere Vorschriften der HaMerfaffungeu oder der Landesgesetze abweichende Vor- schichen enthalten. Das im Prinzip beseitigte Ehescheid- unMcht des Landesherrn ist also in Betreff der Familie de^ Lmdesherru auch nach Einführung des BGB. aufrecht ectjtd.iL wenn die anhaltischen Hausgesetze eine derartige EHWidung durch das Familienoberhaupt zulassen. Daß abt:rM derartiges Hausgesetz bestehen muß, erscheint nach der:: Fasiung der offiziösen Mitteilung über die Ehescheidung ^Wl^LltllO^Se
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