Ausgabe 
18.4.1900 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

lohten. Plakate

tifM l

kW i mM 1 5W

rnoli^ traße 28

A

und Böcke

>e? Vorrat W

tanus Hai®1

H luheaser.

larktplatzj^

^S'U' j 279.55

staatÄ- Züdbahn irdbahv. SWlon heM -

136.2v

28.3t'1

14t* *

Ul

tecad* 9). 100;

;* Wdr»- Iber. «8.10°

r«

161.5

128-

1215; äjj ss-r ft-

22</

9&« A>«

ft

Ur. 89 Drittes Blatt. Mittwoch dm 18 April

1900

Gießener Anzeiger

Heneral -Mutiger

Bezugspreis vierteljährl. Mt. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestelleu vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld.

Alle Anzeigen.BermittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

Erscheint tägNch ntit Ausnahme deS

Montags.

D»e Gießener -amilierrvkätter itrbtn dem Anzeiger in Wechsel mitHest. ßonbroirt" u.Blätter |ir Hess. Volkskunde" ilchtl. 4 mal beigelegt.

ßnnahme von Anzeigen zu der nachmittags für den ftlgendm Lag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher.

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Kchutflrahe Ar. 7.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Ktätter für hessische Volkskunde.

Adresse für Depeschen: Anzeiger chiehe».

Fernsprecher Nr. 51.

Praktische Winke für WeltarlsstellungS- Reisende.

Von Wolf von Metzsch-Schilback.

Die vielgerühmte, geradezu sprichwörtlich gewordene französische Höflichkeit ist mehr äußerlich als herzlich. Der Franzose empfindet eS schon als Ungeschliffenheit, wenn man seinen Weisungen an den Kellner, Droschkenkutscher oder Facteur (Gepäckträger) nicht das zur abgegriffenen Phrase herabgesunkenesil vous platt, Monsieur,wenn es Ihnen gefällig ist," hinzufügt, zur Not thuts freilich auch ein noch billigeres kurzesMonsieur am Ende des zu erteilenden Auftrages. Selbst in den nicht zahlreichenfumeurs (Rauchabteilungen) pflegt man vor dem Entzünden der Zigarre zu fragen:Un cigare vous gene, Monsieur? Mit dieser Frage bewaffnet, wird man übrigens auch in den nicht ausdrücklichfumetir bezeichneten Räumen selten einem Protest begegnen.

Jedenfalls tritt dem Reisenden räumlich zuerst die französische Höflichkeit auf der Douane an der Grenze entgegen, was freilich nicht hindert, daß die dort vorge- nommene Gepäckrevision eine recht gründliche ist. An Zigarren darf man nur den bescheidenen Reisebedarf mit sich führen; der Zoll auf Tabak in jeder Form ist ein recht hoher, aber man bekommt doch auch in Frankreich freilich etwas teurer als in Deutschland recht rauchbare Zigarren. DieR6gie du tabacs haben allerorten Läden, die sich durch rote Laternen weithin kenntlich machen. Dort bekommt man dieEtrangerS" zu 10 Cent., dieLand« recitos" zu 15 Cent., sie genügen mittleren Ansprüchen, die Regalias zu 25 Cent, find direkt gut zu nennen, uud selbst die kleineBordelais" zu 5 Cent, ist bei bescheidenen An­sprüchen besser als ihr Ruf. Zigaretten werden im all- gemeinen nur in Packetchen zu 20, 50 und 100 Stück ab­gegeben.

Doch, kehren wir zur Grenze zurück, die ziemlich ein gehende Revision ist vorüber, einen Paß hat man uns nicht abverlangt, er ist in Frankreich auch thatsächlich nicht nötig, und doch ist es gut und jedermann nur zu raten, daß er sich mit einem Paß oder entsprechenden anderen Legitimationen versieht, und sei es auch nur, um gegebenenfalls etwaige Nachsenduug von Geldbeträgen auf der Post in Empfang nehmen zu können. Gerade in Paris soll eS sich oft er­eignet haben, daß Reisende mit ihrem vorher berechneten Budget nicht ausgekommen sind. Auch unter diesem Ge­sichtspunkte ist die Teilnahme an einer Gesellschaftsreise gar nicht genug zu empfehlen.

Die meisten Reisenden, die von Deutschland kommen und nach Paris gehen, dürften mit einer durchgehenden Fahrkarte versehen sein, sie haben dann bis Paris 25 Kilo­gramm Freigepäck, wer aber seine Fahrkarte auf französischem Boden löst, hat aus 30 Kilogramm Freigepäck Anspruch;

Volitische Wochenschau.

Gießen, den 17. April 1900.

DaS schöne WortFreude dieser Stadt bedeute, Friede sei ihr erst Geläute" traf dieseSmal auf den Klang der Osterglocken leider nicht allenthalben zu. Wir haben uns m den letzten Jahren daran gewöhnt, daß an den Oster­festtagen, just wie es uns Goethe in dem Osterspaziergang FaustS erzählt,ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei" an der Tagesordnung ist. Bor drei Jahren brach gerade am Osterfest der griechisch-türkische Krieg aus, der zu einer Niederlage Griechenlands führte, und vor zwei Jahren be­gann just um Ostern der spanisch-amerikanische Krieg, in dem Spanien unterlag, während Amerika die Philippinen errang, die sich nachher als Danaergeschenk erwiesen. Im »origen Jahre dagegen hatte das Osterfest etwas besonders Friedliches an sich, denn die Welt stand damals im Zeichen der Vorbereitung zu der Haager Friedenskonferenz. Diese hielt natürlich nicht, was sich einige wenige Optimisten von ihr versprachen, und sie hat es ebenso natürlich nicht ver­hindern können, daß das Osterfest diesmal im Zeichen des ftldafrikanischen Krieges, und die Welt allenthalben unter dem Eindruck der gespannten Erwartung steht, was die nilchsten Depeschen uns vom Kriegsschauplätze bringen »erden.

Die Hoffnung der Engländer, daß ihre Truppen das Osterfest in Prätoria begehen würden, hat sich als trügerisch »wiesen, und der englische Oberbefehlshaber Lord Roberts würde vielleicht etwas darum geben, wenn er es nicht in Bloemfontein zu begehen brauchte. Dieser Ort, nach dem vorher das Sehnen der Engländer stand, scheint sich jetzt zu einer Art Höhle des Löwen zu entwickeln, zu der mehr Spuren hinein als heraus führen. Die letzten schweren Schlappen, die die Engländer erlitten haben, haben ihren verfrühten Siegesübermut sichtlich gedämpft. Der bisherige Verlauf des Burenkrieges zeigt ein wechselvolles Geschick. Die ganze militärische Lage in Südafrika ist gegenwärtig ein wenig sonderbar. In Natal kommandiert Buller eme große Ärmer, aber trotzdem nun bereits mehr als sechs Wochen seit dem Entsatz von Ladysmith vergangen sind, M man von dieser Armee nichts weiter Bemerkenswertes. Im Ireistaate hat Lord Roberts das Kommando über eine andere Swße Armee die größte vielleicht, die jemals ein britischer Zentral unter sich hatte. Es ist nun nahezu ein Monat seit dn Besetzung von Bloemfontein verstrichen, und eS wurde fv gut wie nichts gethan. Die Buren wurden im Norden in irfpektvoller Entfernung gehalten, aber im Osten und im Süden toben sie erfolgreich operiert und soviele britische Soldaten ge­fangen genommen, als ihrer in einem größeren Kampfe verloren .gegangen wären. Die Erwartungen, die nach der Kapitulation «llronjeS in englischen militärischen Kreisen gehegt worden, frb nicht in Erfüllung gegangen. DaS Länd ist keineswegs ffa rasch unterworfen worden, wie man ursprünglich für möglich hielt, der Widerstand deS OranjefreiftaateS nicht so vollständig gescheitert, wie man vermutete. Ein Trost ist len Engländern für die beiden Schlappen. In welcher Lage sich Lord Roberts fühlt, kann man an dem Umstand «messen, daß er ringS um Bloemfontein starke Befestigungen ttrfteHen läßt, daß er nicht nur den General Clements mit dessen Division an sich gezogen, sondern auch die Truppen SullerS in Natal geschwächt hat, indem er von dort mehrere Regimenter über Durban und Kapstadt nach dem Oranje jmstaat berief. Diese Schwächung Bullers haben die Buren jii sofort durch erneutes Vordringen zu nutze gemacht. Der Abzug Clements aus dem Grenzgebiete des Oranje- fflasfeS hat hier den Buren ebenfalls ihre Operationen er- Oihtert, namentlich weil sie nur den General Gatacre zuw Regner hatten. Die Unfähigkeit dieses Generals hat nun Soeben seine Abberufung nach England zur Folge gehabt. Holecarew soll ihn ersetzen.

Das Schicksal der Philippinen, an die wir in Singang unseres Artikels erinnerten, sollte die Engländei iuoor warnen, die Gefahren deS Guerilla-Krieges, dem fi« jetzt in Südafrika gegenüberstehen, zu unterschätzen. Ball 3®ti Jahre kämpfen die Amerikaner auf den Philippiner mil wechselndem Glück gegen die Eingeborenen, die bod itn Buren weder an kriegerischer Tüchtigkeit noch an bei Behirrschung aller modernen Hilfsmittel des Krieges gleich tomrnen. Aber trotz aller Anstrengungen haben die Amen Inner bisher keinerlei nachhaltige Erfolge erzielt, sodaß auä fr sich gezwungen gesehen haben, einen General, und zwai jogat den bisherigen Oberbefehlshaber auf den Philippiner fltie abzuberufen. Aber mit der Abberufung leistungSuw

fähiger oder vom Pech verfolgter Heerführer ist wenig ge­than, wenn man nicht beffere dafür hinzuschicken hat.

Freudige Ostern begeht man in Paris, denn das große Ereignis ist endlich herangenaht. Am SamStag ist bekanntlich die Weltausstellung in Paris eröffnet worden, und derstille" SamStag ist dort zu einem lauten geworden. Das Kabinett Waldeck-Rousseau kann erleichtert auSrufen: ES ist erreicht! Die nationalistischen Gegner haben gethan, was in ihren Kräften stand, um das Kabinett diesen Tag nicht mehr erleben zu lassen. Aber cd hat Glück gehabt und es ist ihm gelungen, alle Angriffe der Gegner siegreich abzuschlagen, sodaß sein Bestand jetzt wenigstens bis zum Ende der Osterferien, vielleicht gar bis zum Ende der Weltausstellung gesichert fein dürfte. Damit würde das Kabinett Waldeck Rousseau aber nach den be­scheidenen französischen Begriffen in die Kategorie der Dauerministerien aufrücken.

Ob das österreichische Kabinett Körber einen solchen Rang erreichen wird, steht dahin, denn die Ausgleichs­verhandlungen sind in letzter Zeit sichtlich in einen bedenk­lichen und bedrohlichen Stillstand geraten und unter den Tschechen scheint die Neigung zum Frieden geringer zu werden. Die Deutschen Oesterreichs betrachten die Reise des Kaisers Franz Joseph nach Berlin als eine Förderung ihrer Sache, denn sie meinen, sowohl der Kaiser als auch der österreichische Minister des Aeußern würden in Berlin darüber aufgeklärt werden, welche Folgen eine deutsch feindliche Politik in Oesterreich auf die Dauer haben mußte. Wie dem auch sei, jedenfalls ist der Herrscher deS uns befreundeten und verbündeten Reiches in Deutschland deS herzlichsten Empfanges sicher.

bei Aufgabe seines Koffers aber muß er 10 Cent. Expeditions­gebühren entrichten.

Wenn man in Deutschland gelegentlich schwanken kann, ob man sich für die Benutzung der 2. oder 3. Klasse ent­scheiden soll, so ist eS in Frankreich ratsam, die 3. Klaffe ganz aus den Erwägungen auszuscheiden. Schon die 2. Klasse bietet auf französischen Bahnen, die fast durch- gehendS im Besitz von Privatgesellschaften sind, weit weniger Komfort", um ein französisches Wort hier anzuwenden, als die gleiche Klaffe in Deutschland. Die durchgehenden Schnellzügetrains rapides führen in Frankreich zumeist überhaupt nur Wagen 1. Klasse. Als Fahrpläne sind die allmonatlich neuerscheinenden Livrets Chaix in 5 Heften zu je 40 Cent, nicht zu empfehlen, man kaufe da schon beffer denIndicateur des chemins de fer, der auf allen Bahnhöfen zn 75 Cent, zu haben ist, wenn man nicht besser sich bereit« in Deutschland mit demReichSkurSbuch" oder demHentschel" versehen hat, deren Angaben für die wichtigsten Bahnverbindungen in Frankreich vollkommen genügen.

Mit der deutschen Sprache kommt man in Frank- reich durchaus nicht weit, in den großen Hotels, wieKon­tinental",Grand Hotel",Terminus" u. a., spricht man freilich überall unsere Sprache, und wenn man in die Boulevards Poissonier und Bonne Nouvelle, in die Rue d'Hauteville und die dort gelegenen CafoS kommt, trifft man wohl überraschend oft Landsleute, aber sonst auf den Straßen ist man mit seinem Deutsch doch recht verraten und verkauft. In Moskau und Budapest kann- einem passieren, daß man Leuten begegnet, die nicht deutsch ver- stehen wollen, in Frankreich kaum, der Franzose ist viel zu eitel, als daß er dem Fremden eS nicht zeigen wollte, daß er seine Sprache versteht. Sprachkenntnisse find eben in Paris etwas recht rares, dem Franzosen geht das Talent, sich ein fremdes Idiom anzueignen, völlig ab, und durch Fleiß die mangelnde Begabung zu ersetzen, ist durchaus nicht feine Sache. Zum Schluß möchten wir die Mitnahme eines guten Reisehandbuches allen nach Paris Reisenden empfehlen, leider ist der ja sehr zuverlässige Bädecker recht teuer, und seine deutsche Ausgabe beschränkt sich nur auf Paris und seine Umgebung, nicht auch auf das übrige Frankreich, doch werden ja jetzt von billigeren Reisebüchern genug angeboten, sodaß man die Wahl hat, und auf daß Bädecker'sche Buch nicht als auf das alleinseligmachende an- gewiesen ist.

Aus Sladl und Land.

** Die Titelsr age der akademisch gebil­deten Lehrer im Großherzogtum Hessen wird in einem Artikel der soeben erschienenen Nr. 8 desSchulboten für Hessen" einer längeren Erörterung unterzogen. Ter Ver­fasser des Artikels schlägt schließlich folgende Titelstufen vor: 1. Während der Probejahre: Lehramts-Aceessist, 2. während vorläufiger Verwendung: Lehramts-Assessor, 3. bei endgiltiger Anstellung: S ch u l a m t m a n n, 4. nach bestimmter kürzerer Dienstzeit: Professor, 5. nach ^jäh­riger Dienstzeit: Studienrat, 6. ältere Direktoren: Geheimer Studienrat. Ter Herr Artikelschreiber meldet:Tiefe Vor­schläge sind geeignet, dem Stanoe der akademisch gebildeten Lehrer Hessens sein so lange vorenthaltenes Recht auch in der Titelfrage zu geben. Hierdurch würde viel Miß­stimmung beseitigt, die gesellschaftliche Stellung des Stan­des würde gewinnen und die Berufsfreudigkeit, die unter; dem herrschenden Zustande leidet, wachsen. Diese That- sache käme Lehrern und Schülern zu gute."

** Die 2 2. Hauptversammlung des Vereins Hessischer Zahnärzte wird am 28. und 29. d. Mts. in Darmstadt in den Räumen der Vereinigten Gesell­schaft abgehalten. Bei dieser Gelegenheit feiert gleichzeitig der Vorsitzende, Zahnarzt G. W. Koch in Gießen, fein 40jähriges Jubiläum als approbierter Zahnarzt.

** Der K. K. österreichische Hauptmann Friedrich Heyer vonRosenseld in Wien vermachte der Stabt Gießen zur Unterstützung von Stadtarmen 4955 Gulden 75 Kr. oft. W., gleich 8400 Mk. Ferner schenkte Frau Geh-. Justizrat I d a R e a tz, geb. Stammler, dem hiesigenMl- gemeinen Verein für Armen- und Krankenpflege" 6000 Mk. zu gunften des Schwesternhauses alsPaul i ne Stammler-Stiftung". Beide Zuwendungen fanden die Bestätigung des Großherzogs.

Kunst-Ausstellung. Ä

im Turmhaus am Brand ist täglich von 11

Ausnahme des Samstags geöffnet, ^ttvroohs' aa n bis 3 Uhr 5 Uhr nachmittags, an Bonn- und Feiertege 60 pfg

ununterbrochen. Eintritt für Niohtmitglieder an Werktagen igi an Sonn- und Feiertagen 20 Pfg.