wendet und verwenden muß, wieder seiner eigentlichen Aufgabe zugeführt werden kann. Man darf hoffen, daß auch die Finanzverwultung sich dem Druck dieser Stellungnahme nicht entziehen wird; sind es doch nicht nur Lehrer, sondern auch viele unabhängige Männer aus ganz anderen Be- r^lfskreisen, die sich ohne Rücksicht auf ihre verschiedene, Auffassung in vielen sonstigen Fragen in dieser Forderung zusammengesunden haben.
Konferenzdeschlüsse, auch wenn sie noch so bedeutsam sind, sind noch keine Verwaltungsmaßnahmen! Grundsätzlich bedeuten die Abschlüsse der Schulkonferenz zwar nicht den Beschluß der Entwickelung — dazu kann und darf es ja nie kommen, — aber doch in wichtigen Beziehungen« einen sehr beachtenswerten und sehr erfreulichen Fortschritt. Was sie praktisch bedeuten werden, wird sich nur allmählich zeigen und davon abhängen, welche Maßnahmen die Unterrichtsverwaltung und — last not least — die Finanzverwaltung darauf aufbauen wird. Die Unterrichtsverwaltung hat — das ist wohl allen Mitgliedern der Konferenz deutlich zum Bewußtsein gekommen — ein volles Verständnis für die Anforderungen unserer Zeit bewiesen. Die Finanzverwaltung aber — das glauben wir hoffen zu dürfen — wird sich immer vor Augen halten, daß für die Nation kein 'Kapital sich so gut verzinste'wie das,, welches für die Ausbildung der Jugend aufgewe.ndet ist.
das Georges Duval in einer französischen Wochenschrift erzählt: Vor kurzem siedelte einer meiner Freunde von Montauban nach Paris über in der Absicht, hier ein Vierteljahr zu bleiben. Er mietet eine Wohnung und richtet sie für seine Frau und das Mädchen, das er mitgenommen hatte, ein. Das letztere war ein braves Ding, er kannte seine Familie und hatte seine Tüchtigkeit schon über ein Jahr lang schätzen gelernt. Achtundvierzig Stunden nach ihrer Ankunft wünscht Rosalie die gnädige Frau zu sprechen. „Madame, ich habe Ihnen etwas neues mitzuteilen." — „Erben Sie?" — „Nein, Madame, aber ich muß sie verlassen". — „Wie, Rosalie, plagt sie das Heimweh nach Montauban so sehr?" — „Das ist es nicht. Ich habe eine andere Stelle gefunden". — „Die besser ist, als ihre jetzige?" — „Urteilen Madame selbst. Hier putze ich die Stiefel, bürste die Kleider und mache die Betten, dort werde ich eine rote, spitzenbesetzte Seidenrobe tragen, ich werde Granatblüten in den Haaren haben und meine Beschäftigung wird darin bestehen, mir den ganzen Tag lang Luft zuzufächeln." — „Sind Sie närrisch geworden?" — „Nein, Madame, ich werde — Andalusierin. Der Direktor von „Andalusien zur Zeit Grevy's" bietet mir drei Francs pro Tag, frei Essen und Wohnung. Wenn der Himmel mir solch einen Edelmann in den Weg schickt, wird Madame doch selbst einsehen, daß ich mich nicht weigern kann." Und am anderen Tage ging Rosalie hin und wurde braune Andalusierin... Die Frau meines Freundes macht sich sofort auf die Suche nach einem anderen Mädchen. Bald stellt sich ihr auch eins vor, und es entspinnt sich folgendes Zwiegespräch: „Wieviel Lohn beanspruchen Sie?" — „150 Francs". — „Monatlich?" — „Ja, monatlich". — „So viel Pflege ich sonst nicht zu geben. Wenn Sie einen so hohen Lohn
♦ Die Dienstmädcheufrage hat in Paris durch die Weltausstellung jetzt eine eigentümliche Wendung genommen: Die Ausstellung macht den Hausfrauen Konkurrenz, sie jagt ihnen die Dienstmädchen ab. Es find jedoch merkwürdige Zwecke, zu denen in der Weltausstellung so viele Dienstmädchen gebraucht werden, wie folgendes Geschichtchen zeigt,
fordern, können Sie jedenfalls auch etwas ganz besonderes«' — „Ich kann den — Bauchtanz". — „Wie, den Bauchtanz?" — „Ja, als die Weltausstellung anfing, war ich im „Theater von Kairo" engagiert. In 24 Stunden man mir den Bauchtanz beigebracht. Ich bekam lOO Soua den Tag dafür. Dann hatte ich aber einen Krach mit Abd-rrl-Hamid, meinem Brodherrn, und mußte gehen. Ich bin bereit, den Orient zu vergessen, wenn ich auf eine, anderen Stelle ebenso viel verdiene. Dann will ich auch statt des Bauchtanzes wieder den Korbtanz aufführen Anders aber nicht. Also, 150 Francs. — wollen Sie oder wollen Sie nicht? Ich bin gar nicht in Verlegenheit. Drei mal hat mich schon der Direktor des „Optik-Palastes" seine X-Strahlen haben wollen".
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Bekanntmachung.
Die diesjährige öffentliche Impfung in der Stadt Gießen wird — beginnend mit Mittwoch den 13. Juni d. I. - im Jmpflokale (Gewerbeschule, Asterweg 25)
jeden Mittwoch, vormittags 9 bis 10 Uhr,
abgehaften werden.
Jmpfpflichtig im laufenden Kalenderjahre find die im vorigen Jahre geborenen Kinder, sowie die Rückständigen aus früheren Jahrgängen.
Wir laden die hiesigen Einwohner, welche impfpflichtige Kinder habm, zur Benutzung dieser öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denselben vorgenommenen Impfungen unentgeltlich find. Wer die Termine nicht benützen will, muß die Impfung seines pflichtigen Kindes bi« zum Jahrerschluffe auf seine Kosten bewerkstelligen lassen, widrigenfalls ihm im Januar nächsten Jahres eine vierwöchentliche Frist zur Nachholung der Impfung unter Strafandrohung gesetzt wird.
Außer den Pflichtigen werden auch Kinder, welche im laufenden Jahre geboren find, auf Wunsch ihrer Vertreter geimpft.
Alle in einem Termin geimpften Kinder müssen in dem 8 Tage später abgehaltenen Termine zur Nachschau nochmals erscheinen.
Kinder, deren Zurückstellung von der Impfung wegen Kränklichkeit be ansprucht wird, können gleichfalls dem Jmpfarzte in den öffentlichen Terminen vorgestellt werden.
Die Impflinge müssen mit reiner Wäsche und rein gewaschenem Körper zur Impfung gebracht werden. Es wird nur au einem Arme mit Lymphe aus dem Landesimpfinstitut geimpft.
Gießen, den 8. Juni 1900. 4070
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
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Vergebung von Kanarbeiten.
Die nachstehenden Arbeiten und Lieferungen werden im Wege schriftlichen Angebots am
Dienstag de» 19. Juni d. Is., vormittags 8 Uhr, im Amtszimmer de» Unterzeichneten, woselbst die Voranschläge zur Etnficht offen liegen, vergeben.
1. Kaualumbau in Lollar.
Veranschlagt zu Maurerarbeiten 210,88 JL Chaussier« und Pflaster-
arbeiten 29,60 „
Lieferung von Eement-
röhren 272,— „
2. KaualnmbaubeiDaubriugeu
Veranschlagt zu Lieferung von Cement- röhren 40,—
Schlofferarbeiten 80,— „
3. Kaualumbau au derStratze
Gießen-Rödgen.
Veranschlagt zu Lieferung von Cement-
röhren 32,— JC.
Gießen, am 14. Juni 1900.
Der Großh. Kreisbauinspektor.
Stahl. 4212
Verdingung.
Die Anlieferung von jährlich rd. 800 ebm Wasserbau- fteiuerr zur Unterhaltung der Ufer- und Fluhbauwerke an der Lahn zwischen Gießen und der Landesgrenze bei Heuchelheim soll für die Zeit vom 1. April 1900 bis 31. März 1901 tn einem Lose öffentlich vergeben werden.
Die Bedingungen find bei Grohh. Hochbauamt Gießen in den Dienststunoen zur Einsicht offen gelegt und sind Angebote mit entsprechender Aufschrift versehen bis längstens Freitag den 29. Juni I. I., vormittags IO Uhr an die unterzeichnete Behörde einzusenden.
Zuschlagsftist 3 Wochen.
Mainz, den 6. Juni 1900.
Großh. Wasserbau amt Mainz.
Schmitt. 4220
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Sengrgs-Nttsteigeruvs.
Das diesjährige HeugraS von 15 Morgen Freiherrlich von Nordeck zur Rabeuau'schen Wiese« und Gärten in der Gemarkung Alten-Bnseck soll Donnerstag den 21. Juni d. I., von vormittags IO Uhr an, in der Wirtschaft des Herrn Wilhelm Rabenau zu AltenBufeck versteigert werden.
Loudorf, 14. Juni 1900.
Der Rentmeister.
Schmidt. 4214
Wegbau- veraccordierung.
Dienstag, 19. Juni l. IS., nachmittags 3 Uhr, werden in unterfertigter Oberförsters! nachstehende Arbeiten öffentlich an den Wenigstnehmenden versteigert:
Liefern von ca. 645 cbm Steinen in 13 Losen, Chauffieren von ca. 500 lfd. m Wegen in 10 Losen, Planieren von ea. 1440 lfd. m Wegen in 12 Losen.
Die Zusammenkunft stkdet bei dem Brauhofs-Weiher statt.
Nähere Auskunft erteilt Großh. Forstwart Schlag zu Baumgarten.
Gießen, den 14. Juni 1900.
Großh. Oberförsterei Schiffenberg.
Heyer. 4231
DolMid-Erhebung.
Nächsten Donnerstag, den 21. Jnni d. IS., von nachmittags 2 biS 5 Uhr, findet die letzte diesjährige auswärtige Erhebung von Freiherrlich von Rabenau'schen Holzgeldern statt und zwar in der Wirtschaft des Herrn Karl Ranft in Benern.
Londorf, am 14. Juni 1900. Der Rentmeister.
Schmidt 4213
Heugras Nerßeigerimgkit
der
Fürstlich IMßschkll Rentei Ach.
Das Heugras von den Fürstlich« Wiesen rc. wird versteigert:
Donnerstag de« 21. Jnni, vormittags präzis 8 Uhr, von den Wiesen in der Gemarkung Lich, oberhalb der Stadt, zusammen 100 Morgen. Zusammenkunft an der Saubrücke.
An demselben Tage, nachmittags präzis 1 Uhr, von den Wiesen unterhalb der Stadt Lich, zus. 10 Morgen. Zusammenkunft im Schloßgartm an Der Eisenbayn- brücke.
Freitag de« 22. Jnni, vor- mittags präzis 8 Uhr, von den Fürstlichen Wiesen in den Gemarkungen Mühlsachsen, Ober- und Niederbesfingen, im Ganzen 180 Mrg. Zusammenkunft in Mühlsachsen.
Montag den 25. Jnni, vormittags präzis 9 Uhr, von der Fürstlichen Mönch- und Strauchwaldwiese, Gemarkung Burkhardsfelden, zus. 70 Morgen. Zusammenkunft in der Mönchwiese.
Lich, den 11. Juni 1900.
Fürstlich Solmfische Rentei.
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