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Donnerstag den 17. Mm
W». 114 Zweites Blatt
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Gießener Anzeiger
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-chnkfiraße Ar. 7.
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Lonierteit'eni Mellch Konzert- Reiner(Yioliae|, Herr OrgaiK n, der Evanjl (rieten uiter len. des Hem yra Trautmaon.
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j. Hai,
Gießen, den 14. Mai 1900.
Betr.: Die geologische Landesanstalt.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grohh. Bürgermeistereien deS Kreises.
Unter Bezugnahme auf unsere Verfügung vom 24. Oktober 1882 - Amtsblatt Nr. 11 — teilen wir Ihnen mit, daß Gr. Ministerium des Innern eine LegitimationS- firte nachstehenden Inhalts erteilt hat an:
1. den Geheimen Oberbergrat Professor Dr. Richard Lepsins in Darmstadt,
S. den Großherzoglichen LandeSgeologeu Dr. Gustav Klemm daselbst,
3. den Großherzoglichen Landesgeologen Dr. Alexander Steuer daselbst,
ein 3. Preis mit 20 Mk.
Kur Stuten, im laufenden Jahre »edeckt: ein 1. Preis mit 30 Mk., ein 2. Preis mit 20 ein 3. Preis mit 15 Mk. .
Für in 1897 geborene Fohlen (dreijährige): ein 1. Preis mit 40 Mk., ein 2. Preis mit 30 zwei 3. Preise mit je 20 Mk. (— 40 Mk.).
Für in 1898 geborene Fohlen (zweijährige): ein 1. Preis mit 30 Mk., ein 2. Preis mit 20 Mei 3. Preise mit je 15 (— 30 Mk.).
Für in 1899 geborene Fohle« (Jährlinge):
3 Preise ä 10 Mk. (= 30 Mk.), 3 Preise mit
Politische Tagesschau.
Unter der Ueberschrist „An S. M. den Kaiser" veröffentlicht der agrarische Führer und Agitator Karl Freiherr v. Thüngen - Roßbach unter Bezugnahme auf das bekannte kaiserliche Telegramm , an den Vizekönig von Indien in der „N. Bayer. Landeszeitung" eine Erklärung, die in äußerst scharfem Toue die kaiserliche Kundgebung kritisiert. Besonders beschäftigt sich die Erklärung mit dem Passus des Telegramms, in dem von „warmem Gefühl von Sympathie und Liebe für Indien", das sein „Volk leitet", die Rede ist. Frhr. v. Thüngen bestreitet, daß solche Gefühle im deutschen Volke vorhanden seien, und meint:
„Wir haben weder „Sympathie" noch „Liebe", sondern höchsten» Milleid mit dem armen Volk der Indier, weil es nun schon Jahr. Hunderte lang unter der brutalen Mißwirtschaft des englischen Räubervolkes seufzt und bis jetzt nicht die Kraft in sich gefunden hat, das Joch seiner Unterdrücker abzuschütteln und sie aus dem Lande hinauszujagen, was wir ihnen von Herzen gönnen würden."
Auf die Erklärung näher einzugehen, oder auch nur sie ausführlicher zu eitleren, versagen wir uns, nicht ohne zu bedauern, daß dieser Verzicht durch die überaus schroffe Sprache des freiherrlichen Schreibens veranlaßt wird.
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung. |
Der Landes-Pferdezucht Verein veranstaltet a« | DouuerStag dem 31. Mai d I. zu Butzbach im: Dtfchluß an die dortfelbst stattsindende BezirkS-Tlerfchau eine Pferde- und Fohlenschau, verbunden mit Prämiierung.
Besitzer von Stuten im Alter von 4 bis 12 Jahren, gedeckt oder mit den im laufenden Jahre gefallenen Fohlen, und von Hengst, Stut- und Wallachfohlen aus den Jahr- gingen 1897, 1898 und 1899 werden freundlichst ersucht, ihre Pferde und Fohlen vormittags 10 Uhr auf dem Turnplätze der Prämiierungs-Kommission vorzuführen. Nur fehlerfreie Tiere können prämiiert werden. SrenzungS- prodnkte find von jeder Prämie ausgeschloffen.
Anmeldungen der auszustellenden Pferde und Fohlen haben spätestens bis zum 20. Mai d. I. bei der Geschäftsstelle des LandeS-Pferdezucht-Vereins, Darmstadt, Neckar- straße 10, zu geschehen.
Der Auftrieb beginnt morgens 8 Uhr und muß bis 9 Uhr beendigt fein.
Zu Prämien haben bewilligt: Die Stadt Butzbach 130 M.; der landwirtschaftliche Verein für die Provinz Oberheffen 100Mk.; der landwirtschaftl.BezirkSvereinGießen 50 Mk.; der landwirtschaftliche Bezirksverein Friedberg 25 Mk. und der Landes-Pferdezucht-Verein 120 Mk.; im ganzen 425 Mk.
Areiseinteiknrrg.
Für eine Kollektion, bestehend aus einer Stute mit mindestens 3 Nachkommen, ein Preis von 50 Mk.
Für Stuten mit Fohlen:
eix 1. Preis mit 40 Mk., ein 2. Preis mit 30 Mk.,
4. den Großherzoglichen Bergrat Dr. Karl Chelius in Bad-Nauheim,
5. den Reallehrer Dr. Wilhelm Schottler in Groß- Umstadt,
6. den Mufeumsasfistenten Dr. Ernst Wittich in Darmstadt,
7. den Gymnasiallehrer Professor Dr. Heinrich Schopp daselbst,
8. den Karl Rückert daselbst.
Sie wollen das Feldpolizeipersonal entsprechend bedeuten.
v. Bechtold.
Legittmationskarte.
Das Polizeipersonal wird angewiesen, kein Hindernis zu bereiten, wenn der auf der anderen Seite Genannte zum Zwecke wissenschaftlicher Forschungen abgeerntete oder solche Grundstücke, welche zur Bewirtschaftung noch betreten zu werden pstegen, oder noch nicht geschloffene Weinberge betritt, oder auf einem durch Warnungszeichen geschloffenen Wege geht.
Für etwaige Beschädigungen wird der Genannte hasten.
Darmstadt, den . . . •
Großherzogliches Ministerium des Innern.
aus einem friedlichen Sche.u,nendach eine Züngelnde Flamme, so mar es diesmal nicht etwa das verletzte Selbst- qefühl des parlamentarischen Autokraten, das ihn zu grollender Strafpredigt begeisterte, sondern der Zorn des Parteimannes, der das in der Lex Heinze aufgerichtete geistige Seuchengesetz noch immer gefährdet sieht durch den Samum der Obstruktion, durch den Ingrimm der Ge- bxIbee"’<iing sonst ganz friedlich zu, wenn der Äeühstag feine Tagesordnung feststellte, wenn es sich um die Reihenfolge der Beratungen, um die Feststellung der (yeaen und um all die äußerlickjen Momente handelte, die nun einmal der Erledigung bedürfen- Es hat zwar nie einen ^nioren- knvent mit wirklichen Funktionen gegeben, aber die Präsidenten hatten doch stets die Empfindung, daß ev nicht gut sei, in gletscherhasten Höhen einsam aus kühlem Hochsitz zu thronen, sondern daß eine Verständigung mit den Führern der einzelnen Gruppen nötig, nützlich und angenehm sein könne. Sie waren nicht verpflichtet, lich durch den Rat der Senioren als gebunden zu betrachten, aber sie gewannen doch durch die vertrauliche Aussprache einen Einblick in Vie Wünsche der Mehrheit und ersparten dem Lande gar manche langlvierige Geschäftsordnungsdebatte im Plenum. Auch ein Kaiser ist ja nicht an1 den Rat seiner Minister gebunden, aber auch der überzeugte Autokrat wird schwerlich solchen Rates gänzlich entbehren wollen Graf Ballestrem ist plötzlich anderer Meinung. Er fürchtete wohl, daß der Seniorenkonvent abmahnen würde, die Lex Heinze allen anderen Materien voran zur Beratung zu stellen, er fürchtete vielleicht auch den Hinweis darauf, daß durch solches Vorgehen das Zustandekommen des Flottengesetzes auf das Aeußerste gefährdet werden könnte, und zugle^
| wollte aus seinem Herzen der Groll gegen die Männer nicht entschwinden, die ihn bei den Verhandlungen über die teuflische Lex so aus den Sand setzten, daß er hilflos mit dem Verlassen des kurulischen Sessels drohte. So hat er denn den Seniorenkonvent mit einem Machtwort zerschmettert und auf den Trümmern die Souveränität deS Präsidenten aufgerichtet wie einen rocher de bronze. Wer in aller Welt glaubt denn wohl, daß Gras Ballestrem die Schale seines Zornes in gleicher Weise ausgegossen hätte, wenn niemals der merkwürdige Faden gesponnen worden wäre, der von dem wackeren Zuhälter Heinze und seinen Freunden Lattensritze und Pattisadenkarl hinüberleitet zu Goethe, Gottfried Keller und Böcklin? Wer glaubt es, daß er ohne id'en Groll gegen die Obstruktion, die ihn in f» empfindlicher Weise an sein Menschentum erinnerte, den Seniorenkonvent an die Wand gedrückt hätte, daß er quietschte? Nein, wir dürfen uns nicht irren: An der Lex 5)einze und ihrem Schicksal hängt heute alles, Flottengesetz und Fleischbeschau, Steuerbouquet und selbst der schöne Gottesfriede im Reichstagshaus.
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Fohlentreufen.
Tagesprogramm.
Vormittags 10 Nhr: Mustern der Pferde und Fohlen auf dem Turnplatz;
»bh 10 Nhr vormittags ab: Konzert auf dem Festplatz;
Nachmittags 2 Nhr: Vorführen der prämiierten Pferde und Fohlen, sowie Preisverteilung auf dem Turnplatz.
Nach der Preisverteilung: Gemeinschaftliches Essen im »Hessischen Hof" (Gedeck ohne Wein 2 Mk.; Anmeldungen hierzu sind bis spätestens 30. Mai d. Js. e* Herrn Gastwirt Kimm, „Zum Hessischen Hof" in Butzbach zu richten.
Bon 31/, Nhr ab: Volksbelustigungen mit Konzert auf dem Festplatz.
Alle Mitglieder und Freunde des Landes-Pferdezucht- Bereivs werden zum Besuche der gemeinsamen Veranstaltung freundlichst eingeladen.
Darmstadt, den 8. Mai 1900.
Für den Vorstand: von Westerweller.
Naegelb.
Deutscher Reichstag.
194. Sitzung vom 15. Mai. 1 Uhr.
Auf der Tagesordnung des Reichstages stand heute als erster Gegenstand die zweite Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die militärische Strafrechtspflege in Kiau tsch o u, dessen erster Paragraph von den etwa dreißig anwesenden Abgeordneten debattelos 9CT H e^m I n Trinen Antrag, für die Giltiqiett des Gesetzes eine Fristbest.mmnng aufzunehmen, '• 's » W » ™ ™ ~
Es folgt die zweite Beratung des Seeuu sali ver- s i ch e r u u g s g e s e tz e s.
Der Herr Präsident.
Wenn in Frankreich ein Ministerium gestürzt wird, so | pflegt der Präsident der Republik.vor allem den Kammervorsitzenden in das Elysee zu berufen, um mit ihm über die Lage und die Gestaltung der Zukunft zu verhandeln. Das ist ganz natürlich. Tenn Herr Brisson oder Herr Tescbanel, oder wer gerade die Leitung der parlamentarischen Geschäfte in den Händen hält, gilt naturgemäß als der Vertrauensmann der Kammermehrheit und in gewissem Sinne auch als Vertrauensmann des Volkes, und das Staatsoberhaupt wird stets gut daran thun, mit ihm eine Verständigung zu suchen und zu finden. Schon mancher Kabinettschef ist direkt von dem kurulischen Sessel her, auf Hem er eben noch die Klingel geschwungen und Gerechte wie Ungerechte zur Ordnung gerufen hatte, in das Ministerium geschlüpft.
Bei uns ist es anders. Zwar muß auch hier der i Reichstagspräsident füglich als der Vertrauensmann der ! Volks-Vertreter gelten, aber der Gedanke, daß Graf Ballestrem etwa nach einer Niederlage des Fürsten Hohen- > lohe der vierte Kanzler des deutschen Reiches werden mußte, ist wohl dem schlesischen Magnaten selbst noch nicht gekommen, und schwerlich, dürste Kaiser Wilhelm, wenn Fürst Chlodwig dereinst das Bedürfnis nach Ruhe empfindet, sich guten Rat heischend an den Grafen Ballestrem wenden. Unter dem Fürsten Bismarck wurden wohl noch hervor-, ragende Parlamentarier, wie Lucius, Achenbach, Hobrecht auf ministerielle Posten berufen, und in kritischen Etagen hat er auch wohl mit Bennigsen und Helldorf über die Situation verhandelt. Heute ist auch hierin em Wandel eingetreten, die Entschlüsse des Kaisers bleiben frei von solchen Bedenken und die Minister kommen und gehen, ohne daß der Reichstag auch nur ein Wörtlein spricht.
Nun aber hat Graf Ballestrem sich stark in Positur gefetzt, nicht nach Oben hin, nicht der monarchischen Gewalt gegenüber, sondern vor den Volksvertretern, die ihm einst vertrauend das Ordnungsszepter überreichten. „Nie poz- wolam" schrieb einst Friedrich Wilhelm der Erste auf einen Bericht der preußischen Stände, „ich stabiliere die fouve- rainete wie einen rocher de bronze". Graf Ballestrem, । der Majoratsherr von Plawniowitz, Ruda und Biskupitz, der Geheimkämmerer des Papstes di spada e cappa, hat ein wenig von der Anschauungsweise des preußischen Soldatenkönigs geerbt, auch er liebt es, nach eigenem Ermessen die Geschicke feiner Untertanen, der ReichAboten zu leiten und Widerspenstige in harten Worten anzulasfen. So hat er auch jetzt gethan. Mit tiefer Entrüstung hat er die Andeutung abgelehnt, als ob er mit anderen Präsidenten oder gar mit dem Seniorenkonvent die Herrschaft über den Reichstag teile, und wenn er, der auf dem demokratischem Wege der Stimmenmehrheit Gewählte, auch nicht vom Gottesgnadentum sprach, so hätten doch sehr wohl aus dem Gehege seiner Zähne die Worte dringen können: „Einer nur ist Herr im Reichstag und der bin Ich!" und die Mahnung an die Nörgler der Linken, den Staub des Königsplatzes von den Pantoffeln zu schütteln, hätte nicht unharmonisch zusammengeklungen mit dem Tonfall feiner an Herrn Singer gerichteten Strafpredigt. Er war sehr zornig, der Graf Ballestrem, der Majoratsherr von Plawniowitz, Ruda und Biskupitz, so zornig, wie er vorher nur zweimal war: Damals, als er dem Fürsten Bismarck fein „Pfui" entgegenfchleuderte, sowie in der merkwürdigen Stunde, als er, der Obstruktion weichend, vor Gott und der Menschheit die Schlechtigkeit der Gegner feststellte. Und I während damals der Zorn aus seinem Herzen brach wie


