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Erstes Blatt.
Sonntag den 16 September 15V. Jahrgang woo
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
Amts- und Anzeigeblutt für den "Kreis Gieren
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Die stetig wachsende Abonnentenzahl des
Gießener Anzeigers
darf wohl als bester Beweis dafür gelten, daß derselbe den Anforderungen der Jetztzeit Rechnung zu tragen versteht.
Er wird auch weiter weder Kosten noch Mühe scheuen, seinen Beruf als größte Tageszeitung Oberhessens zu erfüllen und gern jede Gelegenheit ergreifen, die Interessen der gesamten Bevölkerung der Provinz wahrzunehmen.
Durch die volkstümlich gehaltenen Beilagen:
Gießener Familienblätter, Hessischer Landwirt und Blätter sür hessische Volkskunde kommt die Zeitung den verschiedenartigsten Wünschen und Interessen ihres Leserkreises entgegen.
Wir ersuchen namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post bezw. den Zweigstellen baldgefl. aufgeben zu wollen. NkllhmMeteude hiesige Adlmueuten erhalten vom Soge der Kesieillmg bis 30. September den Anzeiger Kostenfrei MesirUt. Auch schicken wir jederzeit Probe-Nummern postfrei nach auswärts und ersuchen alle Freunde des Gießener Anzeigers, ihre Bekannten daraus aufmerksam zu machen. Unseren hiesigen Lesern werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.
Hochachtungsvoll
Verlag des „Gießener Anzeiger"
Brühl'sche Univ.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erben).
Amtlicher Feil.
Bekanntmachung.
Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Daubringen.
Montag den 24. September d. Js. findet die Ueberweisung der neuen Grundstücke und die Versteigerung der Massegrundstücke vom 1. Felde statt.
Zusammenkunft vormittags 9 Uhr am Bureau der Grotzherzogl. Bürgermeisterei Daubringen, woselbst auch die Verfteigerungsbedingungen bekannt gegeben werden.
Die Ueberweisung erfolgt unter folgenden Bedingungen: 1. Meliorationsarbeiten können auf den überwiesenen Grundstücken auch fernerhin vorgenommen werden;
2. Eigentumsveränderungen, die infolge der Ausführung von Meliorationsarbeiten, der Anlage von Wegen und Gräben und dergleichen, sowie des Baues der Nebenbahn Lollar—Londorf innerhalb bet Ausführung dieser Arbeiten notwendig werden, müssen die neuen Eigentümer dulden. Ein hier durch bedingter Ab- und Zugang von Gelände wird dem neuen Eigentümer nach dem Bonitätswert vergütet, bezw. zugeschrieben.
Friedberg, 14. September 1900.
Der Großherzogliche Bereinigungskommissär: Süsfert, Regierungsrat.
Bekanntmachung.
Betr.: Den Beginn des Unterrichts an der landwirtschaft- lichen Winterschule zu Alsfeld.
Die landwirtschaftliche Winterschule zu Alsfeld beginnt ihren 29. Winterkursus Montag, den 5. November d. Js., vormittags 11 Uhr.
Indem wir zum Besuche der Schule emladen, bemerken wir, daß die Schule das Ziel verfolgt, jungen Landwirten diejenigen Fachkenntnisse, welche heute zur rationellen Bewirtschaftung bäuerlicher Güter notwendig find, in zwei
fünfmonatlichen Winterkursen zu vermitteln. Zur Erreichung dieses Zieles lehren an der Schule 3 Landwirtschaftslehrer und 4 Hilfslehrer. Die Schule ist mit einer reichen Lehrmittelsammlung zweckentsprechend ausgerüstet.
Ausgenommen werden junge Leute im Alter von 14 bis 20 Jahren, welche das Unterrichtsziel an der Volksschule erreicht haben; in den oberen Kursus nur solche, welche schon den unteren Kursus mit Erfolg besucht haben, oder welche nachweisen, daß sie die Kenntnisse, welche der untere Kursus vermitteln soll, bereits besitzen. Aeltere Landwirte können als Hospitanten ausgenommen werden.
Die jungen Leute stehen während ihres Hierseins unter Aufsicht der Lehrer und müssen sich der Schulordnung unbedingt unterwerfen. Sie nehmen Wohnung in bürgerlichen Familien, und können Wohnungen von 30 bis 40 Mk. per Monat von dem Vorsteher der Schule, Herrn Oekonomierat Leithiger, nachgewiesen werden. Das Schulgeld beträgt für das Wintersemester 25 Mk.
Anmeldungen sind an den Aussichtsrat oder an Herrn Oekonomierat Leithiger zu richten, welcher auch bereit ist, speziellere Anfragen zu beantworten.
Alsfeld, den 1. September 1900.
Der Auffichtsrat der landw. Winterschule Alsfeld.
Gefunden: 1 Taschenmesser, 1 Kinderfilzhut, 1 Pferdezügel und 1 Peitsche.
Zugeflogeu: 1 weißes Huhn.
Verloren: 3 Portemonnaie mit Inhalt.
Gießen, den 15. September 1900.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Die landwirtschaftliche Landesausstellung.
-nn. Darmstadt, 14. September.
Heute vormittag kurz nach 11 Uhr wurde, wie gestern telephonisch gemeldet, im Beisein des Großherzogs, der Groß Herzogin, sowie der Prinzessin Eli s a - bett) die Hessisch^ Landwirtschaftliche Landesausstellung eröffnet. Es hatten sich auch die General- und Flügeladjutanten, das Gesamtministerium, die Vertreter der Provinzialbehörden, eine Anzahl Landtagsabgeordneter aus allen drei Provinzen, der Stadtkommandant, sowie mehrere Stadtverordnete und sonst geladene Gäste eingefunden. Wir bemerkten u. a. den Staatsminister Tr. Rothe, Justizminister Tittmar, Finanzminister G n a u t h, die Ministerialräte Braun, Deißler u. a., die Vorsitzenden der Landwirtschaftlichen Provinzialvereine, den Generalsekretär Dr. Müller re. Gleich nach 11 Uhr fuhr die Großherzogliche Familie an dem Pavillon vor und wurde zunächst durch den Vorsitzenden des Hessischen Landwirtschaftsrats, Geh. Regierungsrat Haas aus Offenbach mit folgender Ansprache begrüßt:
Ew. Königl. Hoheiten! Hochgeehrte Festversammlung!
Nach 18jähriger Unterbrechung findet heute wieder eine Hessische Landwirtschaftliche Ausstellung statt, wie 7 sie nunmehr in einem fünfjährigen Turnus abwechselnd in den drei Provinzen stattfinden soll. Diese Ausstellungen haben den Zweck, im Anschluß an die Generalversammlungen durch Darlegung des gegenwärtigen Zustandes den Nachweis über die Leistungen zu bieten und den Fortschritt zu kennzeichnen, den die Landwirtschaft im Laufe der jeweiligen fünf Jahre gemacht hat. Es soll dem Einzelnen Gelegenheit gegeben werden, an den Leistungen des Andern zu lernen, das eigene Können zu prüfen und zum Weiterstrebeu aneifern. 'Nur durch allgemeine Umschau kann man den gewünschten Zweck erreichen. Wie der Blick in die Ausstellung zeigt, wird vortreffliches aus allen drei Provinzen geboten. Ganz Hessen hat sich beteiligt und die besten Produkte dem Auge des Beschauers geboten. Es ist so vorzügliches in Ackerbau, Obst- und Weinbau geboten, daß den Sachverständigen, die berufen sind, ihr Urteil abzugeben, eine schwere Aufgabe zufallen wird. Wenn das schöne Werk in so großartiger Weise gelungen, so verdanke man dies in allererster Linie dem Wohlwollen und Entgegenkommen Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs, der sein lebhaftes Interesse auch durch sein Erscheinen gezeigt hat. In zweiter Linie verdienen Dank die Aussteller, die in praktisch ein Verständnis die richtige Auswahl getroffen haben. Sehr verdient haben sich ferner gemacht die Sachverständigen, die mit lebhaftem Interesse und mit Aufopferung von Zeit und Mühe sich in den Dienst der guten Sache stellten; auch die Männer, die durch ihre organisatorische Arbeit, die nicht gering war, zum Gelingen des Ganzen beitrugen. Nicht weniger Dank gebührt auch den Militär- und städtischen Behörden, deren ganz besondere Unterstützung es möglich machte, das schöne Werk in diesem Umfange so rasch und hübsch zu gestalten. Mögen diese Mühen und Arbeiten alle Anerkennung und Beachtung finden, möge der gute Verlauf und der ersprießliche Erfolg der beste Ähn und
die Anerkennung zu weiterem Vorwärtsstreben sein! — Durch Mitwirkung vieler Faktoren ist so im großen Rahmen gezeigt, was man leisten kann; weiter zu schaffen ist Aufgabe der vorwärts strebenden Landwirte durch Selbsthilfe. Daneben wird hoffentlich auch die Staatshilfe durch entsprechende Unterstützung weiter für sie eintreten. Wir danken alle dem Erlauchten Großherzoglichen Paare für die Liebenswürdigkeit und Aufmerksamkeit, die es durch sein Erscheinen bethätigt, indem wir in Liebe, Verehrung und alter Hessentreue ausrufen: Se. Königl. Hoheit der Großherzog und Ihre Königl. Hoheit die Großherzogin: Sie leben hoch! hoch! hoch!
Hierauf spielte die Kapelle „Heil Dir im Siegerkranz!"
Der Großherzog sprach dann Herrn Haas seinen Dank aus. Nun begann die Vorführung von Arbeits- und Wagenpferden, sowie Simmenthaler, 'Vogelsberger, Glau- Donnersberger und Odenwälder Zuchttieren. Hieran schloß sich ein Rundgang der großherzoglichen Familie nebst Gefolge durch sämtliche Räume der Ausstellung. Tie Herrschaften sprachen ihre Anerkennung für das hübsche Arrangement und die Reichhaltigkeit der Ausstellung mehrfach aus. Um 12 einhalb Uhr wurden die Landgestütshengste ita großen Ring vorgefahren. — Von 12—2 Uhr konzertierte die Kapelle des Großh. Hess. Jns.-Regts. (Leibregiments) Nr. 115. — Die Kgl. Hoheiten nahmen einen von dem Präsidenten des landwirtschaftlichen Provinzial- Vereins Rheinhessen, Gutsbesitzer Lichtenstein, dargebrachten Ehrentrunk in der Weinkosthalle entgegen. Um eineinviertel Uhr verließ die Großherzogliche Familie, vom Gesamteindruck der Ausstellung sichtlich befriedigt, unter Hochrufen der zahlreichen Ausstellungsbesucher den Fest- Platz.
Die Ausstellung ist heute, am Eröffnungstage, bereits sehr stark besucht worden, und stellt sich als ein durch seine Vielseitigkeit und Großartigkeit jeden Besucher überraschendes und wirklich hervorragendes Unternehmen dar. Das herrliche Wetter dürste das seinige dazu beitragen, der Ausstellung in den nächsten Tagen den wünschenswerten Massenbesuch zuzuführen.
Ein Blick auf den Ausstellungsplatz verspricht dem Besucher sehr viel Interessantes auf dem Gebiet des Ackerbaues, der Viehzucht und des Maschinenwesens. Landwirtschaftliche Maschinen sind, wie bei allen derartigen Ausstellungen am stärksten vertreten, hervorgerufen durch das große Interesse, welches der Landwirt heute der Maschine entgegenbringt. Gleich beim Eintritt in die Ausstellung fällt dem Besucher eine reichhaltige Kollektion landwirtschaftlicher Maschinen der Firma Ph. May- f a r t h L E o. aus Frankfurt a. M. aus. In der Hauptsache sind es Ackergeräte, wie: Pflüge, Walzen, Eggen; Erntemaschinen wie: Mähmaschinen, Heuwender, Heurechen usw. Als Glanzpunkt des von der Firma zur Schau Gestellten sind die in einer eigens hierfür erbauten Halle befindlichen Geräte zur Obstverwertung zu betrachten: Pressen, von der größten Kelter und Mühle für den Großbetrieb bis zur kleinsten Haushaltungs-Presse, Dörrapparate für Obst und Gemüse in verschiedenen Größen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 15. September 1900.
•• Personaluachrichten. Dem Major Müller, aggregiert dem Infanterieregiment Nr. 170, seither Hauptmann und Kompagniechef im Infanterie Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hessisches) Nr. 116, wurde die Krone zum Ritterkreuz 2. Klasse mit Schwertern des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem Rittmeister Casimir Grafen zu Castell-Rüdenhausen im ostasiatischen Reiter-Regiment (seither Eskadronsches im 1. Grotzherzogl. Dragoner-Regiment (Garde-Dragoner-Regiment) Nr. 23, das Ritterkreuz 1. Klasse des vorgenannten Ordens verliehen. Der Oberlehrer an der Realschule zu Alsfeld Georg Schilling wurde aus sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Oktober an bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in den Ruhestand versetzt. Dem Amtsrichter bei dem Amtsgericht Grünberg Georg Hörle wurde der Charakter als Amtsgerichtsrat erteilt.
** Ernennungen. Der Groß Herzog hat Aller- gnädigst geruht, zu ernennen: den Hauptstaatskassier, Geheimen Finanzrat Karl Weil, zum zweiten Hauptstaats- kassedirektor, den Obereinnehmer der Obereinnehmerei Mainz, Johannes Dexheimer, zum Hauptstaatskassier, die Distriktseinnehmer der Distriktseinnehmeretenj Treis a. L. und Babenhausen, Philipp Dieter und Reinhard Magel, zu Hauptstaatskassebuchhaltern, den Rentamtmann des Rentamts Groß-Gerau, A d o l f Sch l ä - g e r, zum Kassier bei der Staatsschuldenkasse, die Buck;- Halter bei der Hauptstaatskasse, Ludwig Götz, Ludwig Heil und Georg Kaßlick, sowie die Distriktseinnehmer der Tistriktseinnehmereien Höchst i. O. und Wörrstadt, Heinrich Rühl und Heinrich Koch, zu Buchhaltern


