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16.1.1900 Drittes Blatt
 
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Dienstag den 16. Januar

1900

Rr. 12 Drittes Blatt.

Gießener Anzeiger

Heneral-^Unzeiger

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Gießen, den 15. Januar 1900.

** Geschichtskalender. (Nachdruck verboten.) Vor 109 Jahrm, em 15. Januar 1791, wurde zu Wien Franz Grillparzer, einer der hervorragendsten dramatischen Schriftsteller, geboren. B'retts sein ErstlingswerkDie Ahnfrau" batte einen ungeheuren Erfolg und begründete seinen Ruhm. Grillparzers 80. Geburtstag wurde allgemein gefeiert und bet seinem Tode trauerte ganz Oesterreich, das ihm in der Kaiserstadt an der Donau ein DenÜmal gesetzt hat. Er starb am 21. Januar 1872 in Wien.!

Vor 111 Jahren, am 16. Januar 1789, erblickte zu Göttingen der Kirchenhistoriker August Nean der das Licht der Welt. Er zeichnete sich durch seine bedeutenden kirchengeschtchtlichen Arbeiten aus, die von dem Geiste milder und wohlthuender Frömmigkeit er­füllt waren. Der berühmte Verfasser deS WerkesAllgemeine Ge­schichte der christlichen Religion und der Kirche" war auch als Mensch eine liebenswürdige Persönlichkeit. Er starb am 14. Juli 1850 in Göttingen.

* Der Finanzmiuister hat der Zweiten Kammer eine Vorlage über die Herstellung von weiteren schmal­spurigen Nebenbahnen zugestellt. ES wird der Bau folgender Linien vorgeschlagen: 1. von Heppenheim nach Lorsch, 2. von Lampertheim nach Weinheim in Baden, 3. von Stockheim bis Höchst a. d. Nidder, bezw. bis Vilbel, 4. von der Station Hetzbach-Beerfeleen der Odenwaldbahn nach Beerfelden, 5. von Darmstadt unter teilweiser Be­nutzung der bestehenden Dampfstraßenbahn Darmstadt Gries- heim-Dornheim und Geinsheim nach Kornsand (Oppenheimer Fähre) und von Geinsheim nach Gustavsburg, 6. von Geins­heim und Hahn nach Pfungstadt und von da über Eberstadt nach Mühlthal mit einer Abzweigung über Trumstadt nach Griesheim, 7. von Ingelheim einerseits nach Frei-Weinheim, anderseits nach Jugenheim in Rheinhessen und Parpenheim, 8. von Wöllstein nach Wendelsheim. Die drei ersten Linien sollen, da ihre Aufnahme in die preußisch-hessische Finanz­gemeinschaft gesichert ist, auf Rechnung des Staates erbaut, die übrigen Privatunternehmern übertragen werden. Der Staat leistet denselben Zuschüsse. Ange­fordert werden zum Bau der Eisenbahn Lorsch-Heppenheim 321,000 Mk., Lampertheim - Weinheim 1,696,000 Mk., Stockheim-Höchst a. d. Nidder 975,000 Mk. Zur Be­schaffung von Betriebsmitteln für diese Bahnen 490,000 Mk. und zu Beiträgen an Unternehmer der übrigen Bahnen im ganzen eine Summe bis zu 1,800,000 Mk., insgesamt 5,282,000 Mk. Diese Mittel sollen im Wege des Staats-

kreditS flüssig gemacht werden. Zu diesem Zwecke soll in den Nennbetrag, der zur Beschaffung des angegebenen Be­darfes erforderlich sein wird, eine zu höchstens 4 Prozent verzinsliche Anleihe in geeigneten Zeitabschnitten aus­genommen werden. Weitere Vorlagen betreffen die Ein­führung einjähriger Budgetperioden, die Regelung der Dienstbezüge der staatlich bestätigten Forstwarte und die Aufnahme der mit Rotlauf behafteten oder ge­töteten Schweine unter diejenigen Tiere, für welche Ent­schädigung zu gewähren ist.

Herchenhain, 12. Januar. Eine eigenartige Liebestragödie trug sich kürzlich hier zu. Ungünstiger Witterung halber mußten die Holzhauer an dem betr. Tage früher als wie sonst ihre Arbeit beschließen. Als nun ein Holzhauer, der 19jährige Sohn des hiesigen Schmiede- meisterS Heinrich Dietz, an dem Hause seiner früheren Ge­liebten vorüber ging, fand er dieselbe vor dem Hause mit Holzsägen beschäftigt. Das unglückliche Mädchen denn die Liebe war nicht ohne Folgen machte nun dem Treu­losen Vorwürfe durch verschiedene diesbezügliche Redens­arten. Dieser ging, darüber erzürnt, nach Hause, legte sein Arbeitszeug nieder und eilte zur hiesigen Bürgermeisterei, um sich ob des Benehmens seines Mädchens zu beschweren. Da er hier abschläglich beschicken wurde, eilte er weiter mit dem festen Entschluß, selbst Rache zu üben. Er umging das Haus und begegnete unterwegs jemand, welcher ihn fragte, wohin er wolle, worauf er erwiderte:Jetzt wirst du gleich sehen, was vorgeht." Das Mädchen fand er dann noch auf dem Platz, wo er sie vordem verlassen hatte. Mit einem schweren Stein warf er nun nach dem Mädchen und traf dasselbe so unglücklich am Kopf, nahe der Schläfe, daß es ohnmächtig zusammenstürzte und für tot ins Wohn­zimmer getragen werden mußte. Infolge des Falles erhielt das Mädchen ein Loch in den Kopf an der Stirn, und durch das Werfen mit dem Stein eine schwere Verletzung am Kopf, so daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte, wobei ein Stückchen des Ohres abgeschnitten wurde. Zum Glück hatte die Schwerverletzte ein dickes, wollenes Tuch um den Kopf geschlagen (wie hier üblich), das die Wucht des geschleuderten Steines etwas milderte, sonst wäre sicherlich sofort der Tod eingetreten. Der Thäter hat es vorgezogen, sein Heil in der Flucht zu suchen; denn als derselbe verhaftet werden sollte, war er spurlos verschwunden. Er soll ein sehr verwegener Bursche sein, und ist schon vor

I etwa vier Jahren wegen unsittlicher Handlungen an einem schulpflichtigen Kinde in Bermuthshain vorbestraft. Ferner ist derselbe noch in eine Schlägerei vom vorigen Herbst ver­wickelt, welche Sache bis jetzt vor Gericht noch nicht ihren Abschluß gefunden hat. Die Unglückliche ist die 19jährige Tochter des ehemaligen Polizeidieners Appel hier. Hoffent­lich wird den jungen Thäter diesmal eine nicht zu leichte Strafe ereilen, und wird sich später hüten, derartige Geschäfte weiter zu betreiben.

Wiesbaden, 12. Januar. Der Pächter des hiesigen Taunusbahnrestaurants und Eigentümer des Eisenbahnhotels P. Block ist soeben an einem Schlaganfall gestorben.

m. Fritzlar, 11. Januar. Als gestern abend eine hie­sige Dame aus einer Gesellschaft nach Hause zurückkehrte, gewahrte sie auf der Treppe einen merkwürdigen Brand­geruch und vernahm ein Knistern in den Wänden. Sie schlug Lärm und die erschreckten Hausbewohner, welche schon zu Bett gegangen waren, entdeckten nun, daß im obersten Stockwerk bei' der elektrischen Licht-Anlage Kurzschluß eingetreten und infolgedessen an den Wänden Brand ent­standen war. Das Gehäuse der elektrischen Uhr hatte be­reits Feuer gefangen und soll zum Teil verkohlt gewesen sein. Das Leben eines in den oberen Räumen schlafenden Dienstmädchens wäre, wenn das Glück die heimkehrende Dame nicht hätte rechtzeitig den Brandgeruch wahrnehmen lassen, wahrscheinlich gefährdet gewesen und auch die übrigen Hausbewohner würden wohl nicht mit dem bloßen Schrecken davongekommen sein.

ZahlungseinsteUnngen.

Konkurseröffnungen: Zimmermeister August Jacobe, Braun­schweig; Kaufmann Karl Eduard Loli (Heitmann & Loli), Bremen; Aktien-Bierbrauerei Bremervörde (vormals Sohloesbergbrauerei), Bremervörde: offene Handelsgesellschaft Gebr. Krumpolt, Kipsdorf (Dippoldiswalde); Kaufmann Paul Ostrowsky (Eduard Wolfram & Co.), Dresden; offene Handelsgesellschaft Wetters & Beilin, Düssel­dorf; Schuhmacher Franz Schulz, Eberswalde; Sattler Hob. Amos, Frankfurt a. M.; Kaufmann Karl Swoboda, Gleiwitz; Schuhmacher Heinrich Friedr Frieling, Hamburg; Handelsmann Friedrich Gustav Fladen, Oberoderwitz (Herrnhut); Schieferdecker Wilh. KSchling, Lippstadt; Weber Andreas Ruckstuhl, Eschbach (Münster i. Els.); Schuhfabrikant Friedr Otto Germer, Grosspriesligk (Pegau); Schuh­macher Job. Hinrich Rehders Wandsbek; Buchbinder Diedr. Harms, Zwischenahn (Westerstede); Schneider Julius Krosohel, Züllichau.

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Sammle von Elten & Keussen und Velvets

Feuilleton.

Was das höchste bleibt hienieden. Des G'wgen nur geahnte Spur, Was Schönheit, Poesie und Frieden: Das lehren Dich die Frauen nur!

Julius Rodenberg.

Zwei Ehrenämter. Eine drollige, durch einen Zufall entstandene Nebeneinanderstellung hat den Münche­ner Magistrat in große Heiterkeit versetzt. Der Verwaltung des neugewählten Magistratsrates Böhm wird nämlich die Gänseschwämme und die höhere Töchterschule über­tragen. Jetzt wissen diehöheren Töchter" doch, wohin sie sich zu wenden haben, wenn sie eine gründliche Waschung vornehmen wollen.

** Bayrische Postkarten und die Reichs­post. Die Ausgabe der Jahrhundert-Postkarten ruft die Erinnerung an ein ähnliches Unternehmen der bayrischen Postverwaltung wach. Gelegentlich der bayrischen Landes­ausstellung in Nürnberg gab die bayrische Postverwaltung eine Ausstellungspostkarte heraus, die in schwach hellblauem Aufdruck das Hauptausstellungsgebäude zeigte. Diese Post­karte wurde von der Reichspost beanstandet, weil esre­glementwidrig" sei, wenn Postkarten auf der Adreßseite mit anderem Aufdruck als lediglich mit den aus die Adressie­rung bezüglichen Vermerken versehen würden. Auf Grund dieser Entscheidung wurden die Nürnberger Ausstellungs- Postkarten vielfach von der Beförderung oder Zustellung im Reichspostgebiet ausgeschlossen und die zweite Serie trug deshalb das Ausstellungsgebäude nicht mehr. auf der Adreß­seite. Was würde wohl Preußen sagen, wenn Bayern in gleicher Weise die Jahrhundertpostkarten von der Be­förderung in seinem Postgebiet ausschlösse?

Der Erbprinz von Meiningen ein Freund der B u r e n. Ein deutsch-englischerZwischenfall" hat sich dieser Tage, demBerl. Tgbl." zufolge, in der Bres­lauerZwinger-Ressource", dem Klubhaus desVereins christlicher Kaufleute", zugetragen. In einem der Klub­zimmer diskutierte eine Gesellschaft älterer Herren die Tagesbegebenheiten. Einer der in Amt und Würden be- finolichen Herren, in hoher militär-medizinischer Stellung, gab seiner Sympathie für das tapfere Burenvolk gerade etwas impulsiven Ausdruck, als sich aus der Corona der dortige diplomatisch-kommerzielle Vertreter der meistbc- teiligten Macht erhob und mit einer steifen Verbeugung gegen die ganze Tischgesellschaft dem ziemlich erstaunten Transvaalfreund den Abbruch der Beziehungen ankündigte. Dem allgemeinen Befremden folgte nach dem Weggang desDiplomaten" natürlich einige Heiterkeit. Am andern Tage wollte der Generalarzt seine Entschuldigungen vor­bringen, wurde aber von dem Konsul abgewiesen, da die Affaire" bereits auf dem Weg diplomatischer Intervention und der englischen Botschaft unterbreitet sei worauf dem Burenfreund nichts anderes übrig blieb, als dem Korpskommandeur, dem Erbprinzen von Meiningen, von dem Vorfall Meldung zu machen Ein Gang, von dem er sichtlich gestärkt zurückgekehrt sein soll. Man darf auf die Entwickelung dieses neuesten deutsch-englischen Zwischen­falles einigermaßen gespannt sein.

Unfreiwillige Komik. ImApoldaer Tagebl." wird über eine Gerichtsverhandlung gegen Louis Seide und Lina Darnstedt berichtet. Von diesen heißt es:Sie sollen den Schutzmann Sander aus Jena, welcher im Gast- hof zur Tanne bei einem Tanzvergnügen mit Keilerei dienst­lich thätig war, beleidigt und gestoßen haben." Fol­gende Anzeige findet sich in derFranks. Ztg." (Nr. 353): Reisender, 274 Jahre alt, welcher die Schweiz, Frankreich und Italien gründlich kennt, sucht passendes Engagement." (Das ist ja beinahe schon der ewige Jude!) DieBremer- Nachrichten" (Nr. 358) teilen mit:Der Schlosser Heinrich Wilhelm Konrad Düring ist öfter bestraft, ohne daß man

ihm das Stehlen hat ablernen können." (Ablernen ist nicht ganz richtig, klingt aber nett und ansprechend.) In dem RomanDer Börsenkönig" von Karl Ed. Klopfer (s. Nr. 303 derBadischen Presse") heißt es:Mittlerweile gab die Baronesse noch immer ihrer undefinierbaren Stimmung in Tönen Ausdruck; Snoward stand hinter ihrem Stuhl und neigte sich leicht über ihr reiches Haar, das wie eine aus Gold gesponnene Krone die umwölkte Mädchenstimme schmückte." (Die dichterische Phantasie schweift hier zu sehr aus; auf der Stimme haben auch Baronessen keine Haare.) DieMeraner Zeitung" (Nr. 300) meldet:Der flüch­tige Mahmud-Pascha, Schwager des Sultans und Backfisch- Liebhaber, ist mit seinem Gelde in Paris angekommen." Der Kritiker derPilsener Zeitung (Nr. 103) bespricht eine Aufführung des SchauspielsDie Wildente" von Henrik Ibsen und sagt dabei:Röntgenstrahlen vergleiH- bar ist allerdings Ibsens Richtung, doch übertrieben die Scheu vor dieser neuen Art vonSachsenspiegel", weil deren anerkennendes Durchdringen lediglich vor dem Forum des Selbsterkennens das Urteil vernimmt."

(Kladderadatsch.")

Humoristisches.

Dem letzten Grand General!

Sr. Lordschaft Roberts zugeeignet.

Auf allen Wegen,

O Graun, bind die Kollegen Verhau'n

Nach bestem Brauch I

Die Buren lauern im Felde.

Warte in Bälde

Han sie Dich auch! . .

* Scherzfrage. Frage: Was ist der Unterschied -wischen Nord­afrika und Südafrika? Antwort: In Nordafrika werden die Ka- meele von Menschen geführt, in Südafrika die Menschen von Kameelen.

(Münchener Jugend.")