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Aus Stadt und Land.
Gießen, 14. August 1900.
** Das Regierungsblatt Nr. 60 vom 11. August enthält: 1) Einen Nachtrag zu den Statuten des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. — 2) Die Verordnung, die Erweiterung des Exerzierplatzes auf dem großen Sand bei Mainz betreffend. — 3) Die Bekanntmachung, die Errichtung der Kulturinspektionen betreffend. — Das Ehrenkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ist an Größe dem Komturkreuz 2. Klasse gleich und nur auf der Vorderseite emailliert. Der Kranz des Mittelschildes, worauf sich die Inschrift befindet, ist in Gold gehalten, die Rückseite der Dekoration ganz in Silber. Dieselbe wird ohne Band auf der linken Seite der Brust unter der Ordensschnalle getragen. Das Ehrenkreuz steht im Range zwischen dem Komturkreuz 2. Klasse und dem Ritterkreuz I. Klasse. Demnach ist die Reihenfolge der Klassen des Verdienstordens Philipps des Großmütigen wie folgt:
Grobkreuz
Komturkreuz 1. Klasse
Komturkreuz 2. Klasse Ehrenkreuz
Ritterkreuz 1. Klasse
Rttterkreu« 2. Klasse
Silberne« Kreuz
V. P 1.
V. P. 2a.
V. P. 2b.
V. P. 3
V. P. 3a.
G. H. V. P. 3b.
G. H. V. P. 4.
Die Kulturinspektion Gießen mit dem Amtssitze Gießen umfaßt die Kreise Gießen, Alsfeld, Lauterbach und Schotten. Die Kulturinspektion Friedberg mit dem Amtssitze in Friedberg umfaßt die Kreise Friedberg und Büdingen.
** Personaluachrichten. Der Regierungsrat Dr. Wüst zu Darmstadt wurde zum Vorsitzenden des Schiedsgerichts für Invalidenversicherung im Großherzogtum Hessen mit Wirkung vom 15. September l. I. und der Kretsamtmann Dr. Reinhart zu Darmstadt zum Stellvertreter des Vor- sitzenden dieses Schiedsgerichts mit Wirkung vom 13. d. M., der Hauptsteueramtskontrolleur bei dem Hauptsteueramt Darmstadt Karl Weiß mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts an zum Hauptsteueramtsrendanten bei dem Hauptsteueramt Gießen ernannt.
** Auszeichnung. Dem Oberstleutnant Cullmann, Distrikts-Kommandeur imGroßh.GenSdarmerie-KorpS, wurde das Ehrenkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
•• Nach Paris! Die Großh. Zentralstelle für die Gewerbe zu Darmstadt wird eine besondere Gesell- schastSreise für Mitglieder der Gewerbevereine zur Pariser Weltausstellung veranstalten, sobald 60 Mitglieder ihre Beteiligung zusagen.
** Eröffnung der Hühnerjagd. Das Ministenum des Innern des Innern veröffentlicht folgende Bekanntmachung: In Gemäßheit des § 3 der Verordnung üoni 2. September 1893 haben wir mit Rücksicht auf den Standper Ernte und der Weinberge das Ende der Hegezeit per Feldhühner und der Wachteln für die Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und O b e r h e s s e n mit Ausnahme der Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten auf den 19. A u g u st l. Js. festgesetzt. Für die Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten behalt es bei der allgemeinen Bestimmung, wonach die Hegezeit der genannten Wildarten am 31. August endigt, sein Bewenden.
L. B. Großen-Buseck, 13. August. Gestern fand hier im Größer'schen Saale eine Versammlung des l a n d w. B e z i r k s v e r e i n s Gießen statt, die sehr gut besucht war. Auf Veranlassung von Landwirten aus Großen-Buseck und Trohe war Oekonom L e i t h i g e r - Alsfeld ersucht worden, einen Vortrag über die Gründung von Mo l kerei-Gen o ss en schäft cn und über die Verwertung der Milch im allgemeinen zu halten. Den Vorsitz führte Provinzialdirektor Geheimrat v. Bechtold, der sich für das Projekt lebhaft interessierte. Der Referent wies zunächst auf die hohe Bedeutung hin, die alle Bestrebungen haben, eine bessere Verwertung der Milch zu erzielen. Reben Erhöhung der Einnahmen bedingte aber eine bessere Milchverwertung eine Anzahl indirekter Vorteile, wie z. B. bessere Fütterung, Haltung und Pflege des Viehes, Ausdehnung der Schweinehaltung und Mast, vermehrte Anwendung von Kraftfuter und Kunstdünger usw. Redner wünschte, daß die Landwirte an die Errich,- tung einer Molkereigenossenschaft herantreten sollten, wenn eine direkte Verwertung der Milch zu guten Preisen nicht möglich sei. Er schilderte sodann das Vorgehen in dieser Richtung und die Einrichtung derartiger Anstalten. Bedingung sei, daß genügend Milch, womöglich 2500 bis 3000 Liter, zusammen gebracht würde. Ein großer Vorteil be- siehe für die hiesige Gegend darin, daß Vollmilch unb Molkereiprodukte nach Gießen verkauft werden könn- ten. Von Gerichts'-Accessist Geißler- Lollar wurde mitgeteilt, daß in der Mittelmühle bei Trohe von einem Konsortium eine Molkerei eingerichtet sei, die bald in Betrieb gesetzt werden könne. Man habe versucht, eine Molkerei- Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht zu errichten.
c rrcV1 mißlungen sei, werde man jetzt eine
Gesellschaft nut beschränkter Haftpflicht gründen. Die Haftsumme solle 500 Mark betragen, wovon 250 Mark einzubezahlen seien. Er hoffe, daß sich die Landwirte lebhaft daran beteiligten. Beschlüsse wurden nicht gefaßt, die Au- W nLmcin dahin, daß die Bestrebungen,
zu erzielen, schon als ein Fortschritt freudig zu begrüßen seien, und daß das geplante Vorgehen von Erfolg begleitet sein möge
nn. Friedberg, 13. August. Der dicsiübriae G^cschiistsbertcht her Aktien . Zuck-rfabrik W-N-rau fttt die l-tzte Campagne ist «schienen Das finanzielle Ergebnis ist kein gutes, weil anhaltendes Reaen- Wetter von Mitte September ab, ein erneutes Wachsen der Rüben zur Folge hatte, wodurch sich der Zuckergehalt natürlich vermindern mußte. Außergewöhnlich kühle Nächte im Oktober verhinderten, daß dieser Ausfall durch Zunahme des WurzelgcwichteS ausgeglichen werden konnte. Der Zuckergehalt betrug im Durchschnitt nur 13 Prozent (vor. Jahr 14 Prozent). Der Durchschnittsertrag vom Morgen beträgt 160 Ztr. Wir hatten also eine leidliche Mittel- crnte. Im ganzen wurden von 4650 Morgen 750 070 Ztr.
Rüben geerntet. Diese wurden in 73 T-.-gen verarbeitet, und daraus gewonnen: 77 053 Ztr. erstes, 7160 zweites Produkt und 18 200 Ztr. Melasse. Der Preis für den Zentner des ersten Produkts belief sich auf 11 Mk. (vor. JH Mk. 38 Pfg.), für das Nachprodukt auf 9 Mk. 20 Pfg. (vor. J.8Mk. 81 Pfg.) und für die Melasse 2 Mk. 35 Pfg. (vor. I. 1 Mk. 95 Pfg.). Da die Fabrikationsunkosten hoch, Zuckergehalt und Preise aber gering waren, konnten für den Zentner Aktienrüben 77’/2 Pfg- und nach dem 15. November 871/, Pfg. bezahlt werden. Von dem im Frühjahr zustande gekommenen Zuckerkartell erhofft man die Möglichkeit einer, besseren Bewertung der Rüben. (Der Ausschlag des Zuckers ist schon erfolgt. Der Einsender). Der Bruttogewinn beziffert sich auf 52 419 Mk. 62 Pfg. Hiervon sollen 33 045 Mk. 30 Pfg. zu Abschreibungen, 2400 Mk. zu Gratifikationen und 270 Mk. 32 Pfg. als Vortrag aus neue Rechnung verwendet werden. Der Rest von 16 704 Mk. wird als Dividende verteilt. Diese beträgt also wie in 1897 nur 2 Prozent (1898 — 4 Prozent). Für Rüben, Frachten und Samen wurden 695415 Mk ausgegeben; die Fabrikationsunkosten betrugen 238565 Mk. 62 Pfg., die Betriebssteuer 4531 Mk. 75 Pfg. Die Einnahmen für Zucker beliefen sich auf 846 255 Mk. 96 Pfg. Der Zuckervorrat hat einen Wert von 123 566 Mk. 41 Pfg. Das Aktienkapital beträgt 835 200 Mk., der Neservefond 100 000 Mk., die außerordentliche Rücklage 30 000 Mk. und der Unterstützungsfond 12 321 Mk. 87 Pfg.
-v. Vilbel, 14. August. Wie schon mitgeteilt, hat der Kaiser unserm Kriegerverein zu seinem 25. Stiftungsfeste im Juli eine Fahnenschleife und einen Fahnennagel in der Form eines Adlers nachträglich verliehen. Es soll nun am 2. September (Sedantage) eine kleine Ein- weihungsseier in Anwesenheit des Herrn Dr. Braden und Grafen Oriola stattfinden. Hierzu werden sämtliche 13 Vereine des Bezirks Vilbel Deputationen entsenden.
§§ lHartmarmshain, 13. August. Ein eigentümliches Mahheur hatte ein hier durchfahrender Fuhrmann aus Gedern. Er wollte einen Wagen Ziegel nach dem nahen Bermutshain fahren, hatte jedoch bei seinem Auftraggeber den Empfänger nicht genannt bekommen. Als er im Ort ankam, konnte er trotz aller Mühe den Besteller nicht aus- j findig machen. Es blieb ihm nichts anders übrig, als durch die Schelle ortsüblich bekannt machen zu lassen. So erhielt dann endlich der Besteller seine Ziegel.
RinderbLgen, 12. August. Bei der gestern stattgehabten Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister Konrad Wagner von 86 Wählern einstimmig wieder- gewählt.
bm. Mainz, 13. August. In dem Gebetsaal der Heilsarmee kam es gestern abend während der „Erbauungsstunde" zu sehr tumultösen Austritten, die damit endigten, daß die Thüren und Fenster zerschlagen wurden, und die Polizei das Lokal räumen mußte. Da sich derartige Szenen häufig wiederholen, ist man allgemein erstaunt, daß die Behörden nicht energisch gegen das ganze Treiben einschreiten. — Dürch den Generalinspekteur der Festungen, General der Infanterie Frhr. von der Goltz, fand letzter Tage eine Besichtigung der hiesigen Festungswerke statt. Zweck der Besichtigung war, zu prüfen, ob durch die eben begonnene Niederlegung des nordwestlichen Teiles de- Festungswalles die Anlage anderweitiger Festungswerke geboten erscheint. — Der Gouverneur der hiesigen Festung, Baron von Collas, hat einen längern Urlaub angetreten. Baron von Collas wird während der Dauer seines Urlaubes von dem Stadtkomman- mnten vertreten.
Wetzlar, 14. August. Am Sonntag starb in Wiesbaden )cr ehemalige Bürgermeister Hermann Schneider. Schneider war längere Zeit Kreisdeputierter und Mitglied des Kreisausschusses.
Kassel, 13. August. Die 30jährige Sedanseier, welche in diesem Jahre überall besonders glänzend gefeiert werden wird, soll auch in unserer Stadt von der früherer Jahre sich wesentlich unterscheiden. Bekanntlich fanden sonst nur zwei größere Veranstaltungen zu diesem Zweck statt: >ie städtische Feier und die Festlichkeiten der Krieger- vereiuigungen. Da erstere jedoch naturgemäß ein rein offizieller Akt ist und auch die letzteren nur einem Teil der Bevölkerung eine Beteiligung ermöglichten, so soll diesmal dem in weiten Volksschichten vorhandenen Bedürfnis nach einer allgemeinen volkstümlichen Feier dadurch entsprochen werden, daß am 1. September abends im Stadtpark eine ;roße Sedanseier sür alle Kreise der nationalen Bürger- chast in Aussicht genommen worden ist; dieselbe fällt aus >en SamStag, einen schon an sich sür.Festlichkeiten von ast allen bürgerlichen Berufsständen bevorzugten Tag, und »ürfte daher selbst von vielen, die auch an einer der Sonn- tagSseiern beteiligt sind, gern besucht werden.
Ein Eisenbahnunglück bei Rom.
Zwischen CastelGiubileo und Ponte Salasio, 10 Kilometer von Rom, fand, wie wir gestern telegra- chisch meldeten, Sonntagabend ein Zusammenstoß zweier Eisenbahnzüge statt. Wegen des großen Andranges der Reisenden mußten abends 11 Uhr für die Linie Rom-Florenz zwei Züge gebildet werden. Der zweite ging 10 Minuten nach dem ersten ab. In Castcl Giubileo muhte der erste Zug wegen Maschinenschadens halten. Der zweite Zug fuhr mit voller Geschwindigkeit auf ihn auf. Bisher sind 12 Tote und 40 Verletzte, darunter 15 schwer, festgestellt worden. Die Trümmer zweier Wagen sind noch unidurchsucht, darunter werden weitere Tote und Verwundete befürchtet. Um 3 Uhr 20 9)?in. traf das Königspaar an der Unglücksstelle ein. Die Königin nnd die Großfürstin Peter kehrten um 4 Uhr nach dem Quirinal zurück. Der König und der Großfürst blieben bis 6 Uhr. Der König leitete die Rettungsarbeiten. In dem einen Zuge befanb sich auch die für die Beisetzung des Königs Humbert hierhergekommene türkische Mission, deren Mitglieder unverletzt sind. — Eine spä
tere Meldung besagt, daß das Eisenbahnunglück durch den übertriebenen Verkehr entstand, der schwer bewältigt wer- den konnte. Alle Schnellzüge gingen doppelt. Der zweite Rachtschnellzug nach, Florenz wurde vom zweiten Zugss- nach 12 Uhr bei Castet Giubilea, 12 Kilometer von Rom, getroffen, da ersterer wegen eines kleinen Schadens auf freieni Felde hielt. Bei dem Zusammenstoß wurden die vier letzten Wagen zertrümmert. Im ersten Augenblicke dachten die Passagiere an ein Attentat. Im Zuge befand sich auch Großfürst Peter Rikolajewits-ch mit seiner Gemahlin, einer Schwester der Königin Helene, sowie die türkische und belgische Mission. Alle blieben unverletzt, nur dem General Buffin von der belgischen Abordnung wuden beide Beine gebrochen. Der König suchte zunächst den belgischen General auf, tröstete ihn und half dann selbst den in den Trümmern eingeklemmten Abgeord- neten Massimini befreien, der den rechten Arm gebrochen. Der Korrespondent der „Voss. Ztg." blieb wie durch ein Wunder, obschjvn er im drittletzten Wagen saß, unverletzt. Großfürst Peter, der sich um die Verwundeten bemühte, rief einen Leutnant, der nur an der Uniform Schaden g elitten, heran und diktierte ihm einen Brief an den König. Der Leutnant fuhr mit einer Lokomotive naaji Rom zurück und meldete dem König das Unglück. Dieser eilte mit der Königin zur Station, wo er keine höheren Beamten antraf. Er befahl einen Hilfszug, und als das zu lange dauerte, fuhr er mit dem Hofwagen gegen zwei Uhr nach der Unglücksstätte. Gleich darauf gingen zwei Hilfszüge ab. Um drei Uhr kam der König in Castel Giubileo an, wo schon ein Trupp Königskürassiere erschienen war. Rührend war das Zusammentreffen der Königin Helene mit ihrer Schwester, der Großfürstin Militza. Nachdem die Königin Verwundete besucht und getröstet hatte, kehrte sie um vier Uhr mit ihrer Schwester nach Rom zurück.
Erst nach Sonnenaufgang kehrte der König nach Rom zurück. Die Extraausgaben der römischen Blätter beklagen die allgemeine Kopflosigkeit. Der erste Hilfszug ging ohne Licht ab. Die ersten Aerzte kamen ohne Verbandszeug. Um vier Uhr erst kamen die ersten Verwundeten nach Rom.
Die letzte Meldung besagt, daß Augenzeugen bericht ten, daß bis jetzt 16 Tote gesunden worden sind. Die Zahl der Verwundeten beträgt 50. Die Verwundeten im Hospital Sant Antonio sprechen sich sehr lobend über den König und den Großfürsten Peter aus. Letzterer ließ seine Koffer öffnen und alle seine Wäsche als Verbandszeug benutzen. Er selbst trug in seinem kostbaren Pelze einen Verwundeten in einen Wagen auf der Landstraße. Bis jetzt wurden 22 Verwundete nach Rom in die Krankenhäuser übergeführt. Der Ministerpräsident Saracco besuchte heute vormittag die Verwundeten. Die Schwiegertochter des belgischen Generals Buffin, dem das Bein- gebrochen ist, erlitt eine Verletzung am Kopfe. Von den beiden Söhnen des Generals blieb einer unverletzt, der zweite wurde leicht verwundet. Auch, der Adjutant Buffins erlitt eine leichte Verletzung.
Vermischtes.
* Eisenach, 12. August. Unter dem Vorsitz des Grafen Pückler-Berlin tagt gegenwärtig in Eisenach die 10. deutsche ch r i st l i ch e St u d e n.t e n k o n f er e nz. Anwesend sind gegen 130 Komilitonen aller Fakultäten. Vertreten sind die Universitäten: Basel, Berlin, Bonn, Dorpat, Erlangen, Gießen, Göttingen, Greifswald, Halle, Heidelberg, Kiel, Marburg; München, Straßburg, Tübingen, Rostock und Leipzig, sowie die technischen Hochschulen: Braunschweig, Dresden, Charlottenburg, Chemnitz, Mittweida, Karlsruhe, Stuttgart, Darmstadt und München. Das Ziel der christlichen Studentenvereinigung ist, Vertiefung christliche Lebens und Anregung christlichen Werkes unter der akademischen Jugend zu erzeugen. Die Ver einigung will nicht ein unter christlichem Namen oder christlichen Formen sich! bewegendes studentisches Verbindungswesen pflegen, und die Mitglieder derselben wollen nicht zp denen gehören, die dem Alter, in dem sie stehen, einen geringem Grad von Christentum zuerkennen zu müssen glauben, um die Jugendkraft sich austoben und studentische Ausschreitungen entschuldbarer erscheinen zu lassen. Sie empfinden das als eine Herabwürdigung ihres Alters und Standes, als eine unwürdige Auffassung des Christentums und betonen im Gegenteil, daß die Studenten fast mehr als jeder andere für die Jugendjahre Gott verantwortlich ist. Die Mitglieder der deutschen christlichen Stu dentenvereinigung gehören dem christlichen Studenten - Weltbund an, Hessen letzter Abgeordnetentag zu Eisenach mehr als 45 000 Studenten an etwa 900 Universitäten unb anderen Hochschulen der Welt vertrat. Aus der Vereinigung haben sich auch' viele Mitglieder zum Dienst für die äußere Mission bereit erklärt und sich zum Zweck der Vorbereitung für diesen Beruf in dem Studentenbund für M,ssion zusammengeschlossen. Die gegenwärtige Konferenz verhandelt u. a. über die Themen: 1. Wie werden wir neue M enschen? Ref. Dr. Lehsius-Großlichterfelde. 2. Welche besonderen Anforderungen stellt der Dienst in der äußeren Mission an die Theologen, die sich ihr widmen? Ref. D. Buchner-Brüdergemeine.
* Gleiw itz, 13. August. Heute mittag halb ein Uhr erfolgte in der Benzol-Fabrik Julienhütte bei Bobrecht eine furchtbare Explosion, die das ganze Gebäude ofort in Flammen setzte. Da kurz zuvor die Mittagspause üngetrcten war, hofft man, daß keine Personen verunglückt int). Die Feuerwehren vom Orte und der Umgegend sind nit dem Löschen beschäftigt. Die Nachbargebäude dürften chwerlich gerettet werden. — Heute kam der Mittags- Personenzug von Myslowitz nach Gleiwitz bei der Kleophas-Grube zwischen Kattowitz und Myslowitz an einer Weiche zur Entgleisung. Die Maschine fuhr in zwei Arbeiterwagen und zertrümmerte dieselben. Ebenso wurde auch der der Maschine folgende Gepäckwagen umgeworfen und zertrümmert. Die folgenden Personenwagen entgleisten, blieben aber glücklicherweise stehen, sodaß die In- assen und das Fahr-Personal nur leichte Verletzungen erlitten. Der Materialschaden war bedeutend, die Geleise waren längere Zeit gesperrt.
* P a r i s, 14. August. Heute abend 8 Uhr entgleiste auf der Station Bastille der Pariser Untergrundbahn ein Zug, wobei sieben Personen schwer verletzt wurden.


