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15.7.1900 Drittes Blatt
 
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M. 163 Drittes Blatt. Sonntag den 15. Juli

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Am Achtitn, des zehrerbesoldMgsrksehks.

Man schreibt uns:Die Gesetzesvorlage ist gefallen!" Wie ein Blitzstrahl aus heiterm Himmel traf die hessische Lehrerschaft diese unglückselige Nachricht, und somit sind chre bangen Hoffnungen und sehnlichsten Wünsche vereitelt. Nachdem die Staatsregierung im Frühjahr einen neuen Gesetzentwurf, die Gehalte der Volksschullehrer betreffend, den Landständen überwiesen hatte, wurde er von den Lehrern mit Freuden und Dankbarkeit als ein bedeutender Schritt Vorwärts begrüßt und ganz besonders der Höchstgehalt von 2800 Mk. als den tatsächlichen Bedürfnissen entsprechend rückhaltlos anerkannt. Leider aber zeigte diese Vorlage den Mangel, daß in den untern und mittleren Jahren die Auf- befferung sehr minimal war, und doch sind gerade in dieser Zeit, in der der Lehrer an die Ausbildung seiner Kinder denken muß, die Ausgaben am größten. Darnach hatte der Obmann des Landeslehrervereins, Landtagsabgeordneter Backes, eine Gehaltsskala ausgearbeitet, und von andern Äammermitgliedern wurden ebenfalls Vorschläge gemacht. Der Antrag Backes hatte vor allen übrigen unstreitig den Vorzug, daß er aus den Lehrerkreisen selbst hervorging, ihre Wünsche enthielt und allein die berechtigten Forderungen des hessischen Lehrerstandes voll und ganz zum Ausdruck brachte. Und wahrlich, diese Forderungen waren eher mäßig als unbescheiden zu nennen. Denn vergleicht man den An­trag Backes mit dem Beamtenbesoldungsgesetz, so werden wir manche Beamtenkategorie finden, die bei etwa gleicher Ävrbildung und Arbeit immer noch höher in ihrer Besoldung stehen als der Volksschullehrer nach dem Antrag Backes gekommen wäre.

Mit Annahme dieses Antrages wäre aus Jahrzehnte hinaus Ruhe und Zufriedenheit in die Reihen der Lehrer ringekehrt und daraus ein großer Nutzen für unser gesamtes Bolksschulwesen entstanden. Die Not des Lehrerstandes ist nicht etwa ein bloßes Schlagwort geworden, nein, es ist bittere Wahrheit, daß der Lehrer gegenwärtig nicht imstande ist, von seinem Gehalte allein seine Familie zu ernähren. Seine Besoldung reicht eben nur dazu aus, Dürftigkeit vor den Leuten zu verdecken. In Lehrerfamilien, die mit irdischen Gütern nicht gesegnet sind, herrscht thatsächlich bittere Not und Entbehrung, und es geht ihnen kümmerlich, wie der Abg. Ulrich ganz richtig sagte. Man denkt gewöhnlich,

der Lehrer bekommt 2000 Mk. Gehalt, daß er aber diesen Betrag frühestens im 50. Lebensjahr erreicht, wissen nur wenige, und daß gar der definitiv angestellte Lehrer mit 900 Mk. Mindestgehalt ansangen muß, dürste vielen kaum glaublich klingen.

Nun ist aus der neuen Gehaltsvorlage nichts geworden, und die Zeit bis zum Herbst oder noch länger wird für den Lehrerstand einHangen und Bangen in schwebender Pein" sein. Fragen wir uns aber einmal: Wer trägt die Schuld daran? Die Antwort hierauf wollen wir nicht sofort geben, sondern versuchen, einen einfachen klaren Beweis zu bringen. Der Lehrerstand ist schon von jeher sehr stiefmütterlich be­handelt worden. Eine große Genugthuung war es daher für ihn, als die zweite Kammer einstimmig den Antrag Backes annahm. Viele Ungläubige, die noch der Ansicht waren, der Lehrerstand habe wirklichkeine Freunde", stimmten laut in den Jubel ein. Aber da fiel auch schon ein Trvpfen Wermut in den Freudenbecher: die Regierung stellte diesem einstimmigen Beschluß der Volksvertretung ein kaltesNiemals" entgegen. Während sonst Die Regierungen bei ihren Vorlagen auf Gehaltserhöhung der Beamten ost schwer kämpfen müssen, um die Abgeordneten von der Not­wendigkeit derselben zu überzeugen, lag hier der seltene Fall vor, daß die Volksvertretung über deren Anträge hinausging. Die Lehrer habenFreunde gewonnen". Die Volksvertretung und das Volk sind den Lehrern Freund geworden, und sie hätten sich auch vor einerVolks­abstimmung" am wenigsten zu fürchten. Wenn Finanz­ausschuß und Zweite Kammer mit solcher Einmütigkeit eine Forderung bewilligen, so werden sie auch bereit sein, die Mittel zur Verfügung zu stellen. Im Frühjahr war heidenmäßig Geld vorhanden zu Sachen, die nicht be­sonders eilig und notwendig waren, die Besoldungsvorlage der Lehrer kam zuletzt an die Rsrhe, und siehe da:die Finanzlage des Staates gestattet nicht, daß der Antrag Backes Gesetz wird".

Leider hat die erste Kammer der Regierung zu Liebe für die Regierungsvorlage mit Antrag Molthan gestimmt und nur zwei Mitglieder traten für den Antrag Backes ein. Als nun die nationalliberale Partei der zweiten Kammer sah, daß die Regierung auf den ursprünglichen Antrag Backes keinesfalls eingehen wollte, ließ sie ihn mit schwerem Herzen fallen und brachte einen neuen Antrag Backes ein, der nur

noch 55100 Mk. über Molthan hinausging. Wahrlich, jedermann hätte denken müssen, die Regierung würde mit Freude auf dieses Entgegenkommen eingehen, abernie­mals" lautete auch jetzt wieder die Antwort. Was aber bedeutet eine Summe von 55100 Mk. für einen Staat wie Hessen! Werden doch oft größere Betrage für Gegenstände ausgegeben, deren Dringlichkeit zum mindesten bestritten werden kann.

Bei der Schlußabstimmung über die Regierungsvorlage mit Antrag Molthan wurde diese von der Volksvertretung mit 18 gegen 22 Stimmen abgelehnt; die Mehrheit hielt diese Skala für zu niedrig.

Wir können also mit gutem Gewissen sagen, die Re­gierung hat das Nichtzustandekommen des Gesetzes herbei- geführt, und, soweit uns bekannt ist, ist das auch die Neberzeugung der Mehrheit der hessischen Lehrerschaft. Eine schwere Verantwortung hat die Regierung dadurch auf sich geladen. Nicht Wohlthaten verlangt der hessische Lehrer­stand, sondern Recht und Gerechtigkeit muß ihm widerfahren nach dem Grundsätze:Gleiche Vorbildung gleiche Bezahlung". Dem Lehrerstand muß ans seiner Notlage geholfen werden, und zwar ehe ein halbes Jahr vergeht. Möge nun die Regierung darnach handeln! Wir aber bleiben der Ueberzeugung, daß die Regierung mit gutem Gewissen die Mehrforderung von 55100 Mk. hätte be« willigen können. _______________________________________

KrrmiWes.

* Potsdam, 11. Juli. Einem raffinierten Gaunerstreiche ist der Hofjuwelier Koblaffa zum Opfer gefallen. Am Dienstag abend erfchiien in dem Geschäfts- lokal des Herrn Koblaffa ein elegant gekleideter, mittel­großer, etwa 30 Jahre alter Herr mit starkem blonden Schnurrbart, welcher sich unter Ueberreichung einer Visiten­karte als Leutnant von Wedelt von der 7. Kompagnie des 1. Garde-Regiments zu Fuß vorstellte und eine goldene Remontoiruhr nebst Kette zu kaufen wünschte. Er suchte sich die beiden Gegenstände im Werte von 450 Mark ans und bat, diese in seine Wohnung zu schicken. In Potsdam wohnt, wie dem Juwelier bekannt war, seit kurzem ein Leutnant von Wedelt von der 7. Kompagnie; er nahm deshalb keinen Anstand, dem neuen Kunden, dessen persön­liche Bekanntschaft er soeben gemacht hatte, die Sachen zu senden. Ein junger Mann brachte die Gegenstände nach

Komöurg v. d. K.

Wenn man in dem Bahnhof Frankfurt a. M. den D- Zug verläßt, der einen hierhergebracht, und sich in der Riesenhalle einigermaßen an das unheimliche Echo gewöhnt hat, das die Pfiffe der Lokomotive und der den Ventilen entströmende Dampf mit peinlicher Lärmhaftigkeit wieder- giebt, wird das Auge sofort das beinahe internationale, eigentlich aber anglisierte Gepräge wahrnehmen, das sich besonders auf den Perrons entfaltet, an denen die Trains halten, die nach dem modernen Pensionopolis Wiesbaden oder nach dem Weltbade Homburg v. d. Höhe führen.

Der mehr impertinent als gentlemanlike auftretende Engländer ist hier |ber Herr der Situation, er stellt das «jröfjte Kontingent der Touristen und Badegäste und er er- Wirbt sich damit (nach seinen Begriffen) die größten An­sprüche auf alles das, was anderen bescheidenen Menschen auch zusteht, aber von diesen selten gefordert wird.

(£ouüee§ des Homburg-Cronberger Zuges, der mich m 25 Minuten nach dem fashionabten Homburg vor der Höhe bringen sollte, waren nur schwach besetzt, sie sahen beinahe melancholisch aus, als träumten sie von dem be­haglichen Winter, in dem sie so selten Insassen sehen. Kurz vor der Endstation geht das Tempo des Zuges all­mählich in ein sanftes Slentando über, der Taunus, der alte Knabe, schickt in das Terrain seine Ausläufer, die zu erklimmen das Dampfroß seine liebe Not hat. Näher und näher rückt das am Ostabhange des Taunusgebirges grup­pierte Bad Homburg, umgeben von einem dicht gewun­denen Kranz luftiger Villen leuchtet der Höhenzug her­über, anheimelnd grüßen die roten Ziegeldächer des alten Stadtteiles, stolz ragt der schlanke Turm der katholischen Kirche empor, und wie ein Riese auf all die Zwerge blickt der sogenannteweiße Turm" auf dem während des letzten Kaisermanövers eine optische Telegraphenstation eingerichtet war in die Thäler. Er ist das letzte Wahr­zeichen, das an die Burg erinnert, die vor Jahrhunderten an Stelle des jetzigen Schlosses stand, das den Landgrafen von Hessen-Homburg als Wohn- und Ruhestätte diente. Langsam fährt der Train in die etwas düstere Halle ein. Em Gang durch die Luisenftraße verrät sofort, daß wir uns "M einem Weltbade befinden. An zahlreichen Fenstern und

Häusern lachen uns Schilder entgegen, in denen man mit­teilt, daß hierAppartements a louer".

Rechter Hand fesselt uns ein eleganter Häuserkomplex, der die Form eines offenen Vierecks zeigt, das Kurhaus, ein von dem Spielpächter Blanc mit allem Raffinement der damaligen Zeit erbautes Etablissement, in dem seit Aufhebung der Spielbank fein Croupier mehr feinFaites votre jeu, Messieurs!" ertönen läßt. Die alten Homburger erinnern sich heute noch mit Wehmut, die der nur versteht, der damals die Verhältnisse kannte, dieser goldstückseligen Zeit. Damals waren Franzosen und Russen die Löwen des Bades, heute sind die Engländer vorwiegend, denen kein Feind überflüssige Geldausgaben nachsagen kann.

An die Tage der Spielbank erinnerte bis vor wenigen Jahren noch manches Original, das man auf den Straßen sehen konnte.

Jahrelang spazierte ein lebendes Ausrufezeichen in den Brunnenanlagen Homburgs umher. Tag aus, Tag ein, Sommer wie Winter konnte man den schlanken Herrn mit dem weißen Schnurrbart und dem schäbigen, grauen Cylinder auf dem Kopfe sehen ein Opfer der Spielbank. Alles hatte der reiche Baron von K., vom Spielteufel mit unheimlicher Leidenschaft gepackt, am grünen Tisch ver­loren, Jahrzehnte lebte er dann von der privaten Mild- thätigkeit:Das ist die Kehrseite von dem Blatt!" ~

Seit 1872 hört man zwar in den mit Gold und Stucka­turen überladenen Sälen das Rollen der Roulettekugel nicht mehr, dafür aber hat sich der Fremdenverkehr, Dank der heilkräftigen Quellen, umsomehr entwickelt; die regel­mäßigen Fürstenbesuche (Prinz von Wales) waren außer­dem Magnete genug für die internationale Aristokratie, und so hat sich denn, besonders in dem letzten Jahrzehnt, eine mehr und mehr gesteigerte Frequenz in dem wunder­bar schön gelegenen Taunusbad bemerkbar gemacht.

Heuer ist nun der alten Residenz des ehemaligen Duodezstaates eine ganz besondere Freude durch den Besuch des Kaiserpaares bereitet worden.

Und nun ein flüchtiger Streifzug durch die Stadt: Ich klimme von derSchönen Aussicht" langsam die steile Dorotheenstraße empor. Sie gehört, wenn ich nicht irre, zum Teil schon zu der von dem Landgrafen Friedrich II. angelegten Neustadt. Zehn Minuten marschiere ich, dann stehe ich vor dem ehemaligen landgräflichen Schlosse. Ein

hohes, eisernes Gitterthor, vor ihm Füsiliere des hiesigen Bataillons der 80er hinter ihm ein Stück Schloßgarten mit plätscherndem Springbrunnen, dann ein breites, glas­bedachtes Portal, das in den Schloßbau führt: Ein Idyll liegt vor mir! Meine Gedanken dringen hinein in den schlichten Bau, an dem die beiden landgräflichen Wappen auf ein Kapitel aus der Geschichte, aus dem Hefsen-Hom- burgischen landgräflichen Geschlecht Hinweisen; haben sie doch den deutschen Landen manch trefflichen Feldherrn ge­schenkt. Grüne Fensterläden an den fast kleinen Schloß- fenstern, dort unten der spiegelblanke Schloßteich, umgeben von hohem Schilf, Epheugerank und Tannenduft. In dieser herrlichen Natur, wo die Luft so kräftig und würzig ist, wo von des Taunus Höhen der Blick weithin schweift in die Wetterau und in den Maingau, sucht die kaiserliche Familie Erholung. Die sprudelnden Quellen sollen der Landes­mutter die ersehnte Heilung und lebende Stärkung spenden; die besten Wünsche des deutschen Volkes sind ihr nach dem Taunusbade gefolgt.

dann derPolarstern

Obenbrnff fitzt Andree mtt'n Luftballon." und derSchwan"---"

hat Lohcnjelb vff'm Rücken nie sohte mir befragen.

Sodann derDrache"--"

Na, warten Se man, bet sag' ick Ihre Schwiejel mutter! und nach diesem dieLeyer""

Männecken, wrrn 2e blos nich lyrisch!"

Es folgenJagdhunde" und derLöwe""

Fehlt blos noch Freilichjrath: nächtlich durch die Wiese klappert . . .!"

nun zurück zumHerkules"" . ..

Stad'.bahnhof, Börse, wo w«' erst mal eenen lenepmtien

wollen'" (Lach. Jahrhundert.)

Humoristisches.

Die Berliner Aroschen'Sterrrwarte.

Meine Herren, sehen Sie den großenBären", das iS Ttt Fixstern"

Natürlich, den hat eener da oben anjebunden."

--und da weiter rüber kommt dieJungfrau" mit den

beidenZwillingen""

Pst! Sie Herr Verkläre;, (affen Sie bat nichn Schuhmann Heern!"

etwas weiter berFuhrmann""

Ick verstehe:Hentschel" von Jerhart Hauptmann."