Ausgabe 
14.11.1900 Drittes Blatt
 
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Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen

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und 11 Rinder eingeführt. Die Besitzer der Tiere sind mit 32 zufrieden und sehr zufrieden, mit 5 unzufrieden, bei 7 steht das Urteil noch aus. Der Verein hat bei diesen Importen sämtliche Einfuhrkosten getragen und gewährte den Bestellern einen Nachlaß, der für Gemeinden 20 Pro, zent und für Private 10 Prozent betrug. Auch bei Be- schaffung von Bullen Vogelsberger Raffe wurden 21 Ge­meinden Zuschüsse in Höhe von 1538.60 Mk. gewahrt. Die im Laufe des Herbstes 1899 eröffnete Vermittelungs- stelle für den An- und Verkauf von Zuchtvieh ist ükl in Anspruch genommen worden, sodaß die Einrichtung sich be« währen dürste. Die vom Verein unterhaltene Jungvieh- weide in Tiergarten bei Hungen war mit 39 Tieren, die Fohlenweide mit 37 Fohlen besetzt. Neu errichtet wurde die Jungviehweide in Wernings für 70 Stück. Ein regel­mäßiges Probemelken wird bei sämtlichen Kühen auf den Zuchthöfen durchgeführt, außerdem bei solchen Herdbuch­tieren, die auf Bezirks- und Provinzialtierschauen Preise erhalten haben. Die Ergebnisse werden den betreffenden Tieren bei ihrem Signalement im Herdbuche beigefügt. Beträchtliche Aufwendungen hat der Verein noch für die Hebung der Schweinezucht gemacht. Nicht nur die Mast, sondern auch die Zucht ist stark vermehrt worden. Die Maßnahme des Provinzialvereins, die Gemeinden, die

I gute reinrassige Aorkshire-Eber beschafften, beim Ankauf mit einem Betrage von 2040 Mk. zu unterstützen, fand großen Anklang. Während nämlich im vorigen Jahre nur 15 Ge­meinden von dieser Vergünstigung Gebrauch machten, sind im Berichtsjahre 33 Gemeinden mit 989 Mk. unterstützt worden. Um die Schweinezucht weiterhin zu fördern, soll die Gründung von Schweinezuchtvereinen angestrebt werden.

Die in der Provinz bestehenden Ziegenzuchtver­eine haben im Anschluß an den Provinztalverein einen Verband gebildet. Auf Antrag dieses Verbandes wurden

I durch den Provinzialverein Saaner Ziegen eingeführt, 18 I weibliche Tiere und 22 Böcke. Der Provinzialverein über- I nahm auch hier die sämtlichen Importkosten auf seine Kasse | und bewilligte außerdem einen Zuschuß von 20 Prozent zum I Kaufpreise.

Eine recht rege Thätigkeit hat der Verband der Ge- I flügelzuchtvereine in der Provinz Oberhesien entfaltet. I Der Geflügelzuchtverein Gießen unterhält einen Geflügel- I zuchthof aus der Hardt bei Gießen und züchtet dort Jtaliener- I und Spanierhühner. Dieser Verein hielt iw der Zeit vom I 26.-28. Januar auf dem Windhof eine gut beschickte Ge- I flügel Ausstellung ab.

Der Oberhessische Obstbauverein hat auch im I laufenden Berichtsjahre seine rührige Thätigkeit fortgesetzt. I Der Verein umfaßt über 4500 Mitglieder.

Diese im Vorstehenden in großen Zügen geschilderte I vielseitige und intensive Thätigkeit des Vereins ist nur I dadurch möglich gewesen, daß alle Glieder, die mitzuwirken I hatten, und die ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellten, I dies mit Aufopferung thaten, und daß die Kenntnis über I Ziel und Zweck des Vereins in immer weitere Kreise ein- I bringt.

Erscheint täglich mit Ausnahme des

Montags.

Die Gießener -«»tkteaökätter »erden dem Anzeiger im Wechsel mitHess. Landwirt" u.Blätter für Hess. Volkskunde" »öchtt. 4mal beigelegt.

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267 Drittes Blatt

Vermischtes.

* Hannover, 10. November. Heute mittag sand die Enthüllung des Denkmals Martin Luthers auf dem hiesigen Marktplatz statt. Die Schulen mit ihren Fahnen und eine zahlreiche Menge wohnten der Feier bei. Am Fuße des Denkmals hatten sich Ehren- und geladene Gäste eingefunden. Anwesend waren der kommandierende General des 10. Armeekorps, der Rcgierungs- und der Konsiftorialpräsident sowie Excellenz v. Bennigsen. Die Festmusik spielte am Marktturm unter Glockengeläut den ChoralNun danket alle Gott". Nach dem Gesang dcr Kirchenchöre hielt Pastor Höpfner eine Ansprache, in der er des verstorbenen Schöpfers des Denkmals gedachte und Martin Luther als Glaubensheld der Reformierten feierte, sowie dem Wunsch Ausdruck gab, daß das Denkmal die Gleichgiltigen wecken und anspornen möge. Hierauf siel die Hülle. Herr v. Bennigsen übergab nun das Denkmal an den Stadtdirektor mit dem Wunsche, daß es der Bürger­schaft eine Glaubensstärke und der Stadt eine Zierde sein möge. Der Stadtdirektor dankte allen, die an dem Denk­mal mitgewirkt, insbesondere Herrn v. Bennigsen und dem Komitee. Zum Schluß bemerkte er, daß das Standbild des Reformators kommenden Geschlechtern ein Vorbild sein möge, damit sie weiter streben im Geiste der Freiheit und Wahr­heit. Mit dem GesangEin' feste Burg ist unser ®ott" schloß die Feier.

Mittwoch den 14 November 150. Jahrgan

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WM der Konzertaängf yser (Sopran) und em Wilhelm Schi\ kfurt s. M,, sowii p- üeager Kräfte 19. Nove* % 6 Uhr, \rchc za Giessen.

Meßmer Anzeiger

Heneral-Mnzeiger

Aus Stadt und Kand.

Gießen, 13. November 1900.

* Stiftungsfest. Die Feier seines zweiten Stiftungs- I festes beging am 10. November er. der Verband deut- I scher Handlungsgehilfen Kreisverein Gießen I im Saale des Hotels Einhorn. Der Verein hatte es sich I angelegen sein lassen, durch Vorführung eines recht flott I gespielten EinaktersDer Liebe-Verein", sowie durch Ge- I sangs- und humoristische Vorträge des Herrn Karl Weidig I diese- Fest recht angenehm zu gestalten, das den Teilnehmern I noch lange in Erinnerung bleibt.

-e. Das Verbandsschießen deS Badischen Landes- I Schützenvereins und des Pfälzisch - Mittel- ] rheinischen Schützenbundes, das im vorigen Jahre I in Gießen bei ungünstigem Wetter abgehalten wurde und I mit dem Brande der prachtvollen Fefthalle schloß, findet I im Juli 1901 in Heidelberg statt. In diesen Tagen hat sich dort der aus ca. 200 Personen bestehende Fest­ausschuß unter dem Ehrenpräsidium deS Dr. WilckenS I konstituiert. Das Fest, das nach dem vorläufigen Programm I groß angelegt werden soll, wird acht Tage dauern.

** Eissport. In der am 7. November, abends I halb neun Uhr im HotelGroßherzog von Hessen" abge- I baltenen Generalversammlung des Gießener I Gisvereins erstattete der Vorsitzende zunächst den I Geschäfts- und Kassenbericht. Der Mitgliederstand ist I augenblicklich 581. Die Eisbahn wurde im Winter 1899/1900 I an 22 Tagen zur Benutzung übergeben und zwar im De- I zember an 15, im Januar an 5, im Februar an 2 Tagen. I , Die Einnahmen betrugen 2871.98 Mk., denen als Aus- I gaden 2606.43 Mk. gegenüberstehen, sodaß pro 1899/1900 I ein Kassensaldo von 265.55 Mk. zu verzeichnen ist. Der, I Le rein hat sich beim hiesigen Amtsgericht eintragen lassen. I (sj wurde weiter beschlossen, für den Winter 1901/02 die I Eisbahn elektrisch zu beleuchten, um auch abends Gelegen- I beit zum Schlittschuhlaufen bieten zu können; die An- meldung bei dem städtischen Elektrizitätswerk ist bereits I erfolgt und eine Kommission mit den Ausführungen der I Vorarbeiten betraut. Die Geschäftsleitung haben folgende I Herren wieder resp. neu übernommen: Jean Kirch, | 1. Vorsitzender; Beigeordneter Wolff, Stellvertreter; I Geh. Hofrat Prof. Dr. Laspeyres', Eiswart; Professor I Dr Netto, Stellvertreter; Stadtbaurat Schmand t, I Gerätewart; Amtsrichter Wiener, Stellvertreter; Rechts­anwalt Dr. Spohr, Laufwart, Dr. B e r n b e ck, Stell­vertreter; H. Hochreut her, Kartenwart und Rechner; CrnstBalser, Stellvertreter. In den Vorstand wur­den weitergewählt Provinzialdirektor Geheimrat v. Bech­told, Direktor Bergen, Hauptmann Großmann, Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich, Stadtverordneter Theodor Haubach, Polizeiamtmann Hech ler, Kom­merzienrat Heichelheim, Prof. Dr. Lucius. Neu­anmeldungen sind, vorläufig schriftlich, an den Vorsitzen­den zu richten. _ .

* Befitzwechsel. Die Sehrt'sche Wirtschaft an der Frankfurterstrabe, die seither dem Friedrich Jung zu Klein Linden gehörte, ging für den Preis von 25 000 Mk. in den Besitz der Brauerei Bichl er über.

e" Rodheim a. d. Bieber, 12. November. Die Mit­glieder des Lehrervereins am Dünsberg waren am SamStag hier versammelt, um über ihre Besoldungsver- Mnisse zu beraten. Die preußischen Lehrergehälter zer- sallen nach dem Gesetz vom 1. März 1897 in Grundgehalt, Alterszulagen und Wohnung, wobei die örtlichen Teuerungs­verhältnisse die Grundlage bilden sollen. Die Regierung hat seinerzeit in Anlehnung an die gesetzlichen Forderungen die Kreise deS Bezirks Wiesbaden nach den Teuerungs- verhäl'nissen in drei Gruppen eingeteilt und dabei für den Kreis Biedenkopf wie für die Kreise auf dem Westerwald die niedrigste Stufe an Grundgehalt festgesetzt. Es sind dies die Sätze, die auch das ärmste Dörfchen auf dem Westerwald und das platte Land in den östlichen, billigen Provinzen zahlt. Die Lehrer beschlossen an den Bezirks- -m-schuß -in-Eingabe zu richten, worm sie um 1200 Mk. Srundaehalt und 200 Mk. Alterszulagen brtt-n.

-i- S-i-dbera, 11. November. Gestern sand hier im »Hotel Trapp» die Abschied-sei er zu Ehren des als lkreisrat nach Alzey versetz,-n seitherigen B-r-migungS- lommissärS für di- Provinz Ob-rhess-n, Herrn Süsfr t, statt. Der große Saal vermochte kaum alle Erschienenen 1il fassen. Nicht nur aus unserem KreiS, sondern auch auS andern Kreisen waren die Festteilnehmer herbeigeeilt, um noch ein letzteSmal mit dem so beliebten Beamten hier zu- fa.Dmen sein zu können. Geh. RegierungSrat Dr. Braden er öffnete die Reihe der Toaste mit einem Hoch aus den Kaiser nnb den Großherzog. In einer zweiten Rede feierte er

dann den Scheidenden, die mannigfachen Verdienste, die er I sich in seiner achtjährigen Thätigkeit hier erworben hat, gebührend beleuchtend. Kreisrat Süffert war 6 Jahre Amtmann am hiesigen Kreisamt und 2 Jahre Bereinigungs- kommissär. Es folgten noch viele Reden, die alle Zeugnis ablegten von der großen Beliebtheit, deren sich der Gefeierte hier erfreut, und von der Anerkennung seines Wirkens. In einer Erwiderung dankte Herr Süffert bewegt für die Anhänglichkeit und das Entgegenkommen sowie für die viel­seitige Unterstützung, die er hier überall gefunden und die ihm seine Arbeit so sehr erleichterten und die Schaffens- I sreudigkeit in ihm nie erlahmen ließen.

Wiesbaden, 10. November. Im hiesigen Land­gerichts-Gefängnis befinden sicst zurzeit 9 Polacken, wider die eine Untersuchung wegen Landfriedensbruchs schwebt. Was ihnen Schuld gegeben wird, ist, daß sie sich eines Tages vor etwa sechs Wochen zusammengerottet haben, um eine in der Nähe von Braubach belege ne Mühle mittels D y n a m i t s rn die Lust zu s p r e n g e n. Die Minen waren bereits gelegt und angezündet, die feuchte an dem betreffenden Tage herrschende.Witter­ung hat das Losgehen der Sämsse verhindert. Die Leute j ollen ehedem auf der betreffenden Mühle ge­arbeitet und mit dem Eigentümer Differenzen ge­habt haben. Für diesen war die Situation eine höchst bedrohliche. Lediglich das zufällige Herzukommen einiger Leute soll ^weitere Exzesse verhindert haben. Die Maschinenfabrik Philippi-Kalkb renne r bei Dotzheim steht in Flammen. Das Feuer, das ver­mutlich! am frühen Abend ausbrach und zwar in der Schreinerei oder Anstreicherei des vor zwei Jahreii er­richteten Neubaus, wurde erst nach 10 Uhr bemerkt. Gegen 11 Uhr loderten die Flammen, weithin sichtbar, empor. Die Dachpappendeckung bot reiche Nahrung. Im Nieder­stürzen des Baues wurde wertvolles Maschinenmaterial vernichtet. Die Dotzheimer und Wiesbadener Feuerwehr i waren an der Brandstelle. Der Schaden wird auf mehrere hunderttausend Mark geschätzt. Drei Gesellschaften sind daran beteiligt. Ueber 7 00 Arbeiter müssen jetzt feiern.

* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten.

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Nach dem Vernehmen desRhein. Anz." sollenganz bald" I die Trajektfahrten Rüdesheim-Bingen vermehrt! und der Verkehr nach Bahnhof Bingerbrück durch Omnibusverbindung vermittelt werden.

Landwirtschaftlicher Provinzialveretu.

Schluß.

Im Acker- und Pflanzenbau hat der Virein im Rech- nungsjahr größere Aufgaben nicht in Angriff genommen. Die Förderung der Bodenkultur durch Anwendung besseren Saatgutes, durch rationellere Düngung und zweckentsprechen­derer Bodenbearbeitung sind Maßnahmen, die in manchen Gebieten der Provinz vollständig festen Fuß gefaßt haben, sich aber auch in anderen Gegenden, die noch zurückstanden, mehr und mehr verbreiten. Die Futterproduktion auf den ! Wiesen hat infolge Verwendung künstlicher Düngemittel eine außerordentliche Steigerung erfahren.

Die Arbeiten auf dem Gebiete der Rindviehzucht sind in gleicher Richtung wie seither vom Verein fortgesetzt worden. Im Laufe des letzten Jahre« sind in die Herd, bücher 901 Simmenthaler und 486 Vogelsberger Tiere ausgenommen worden, sodaß im ganzen in die Register 3746 Simmenthaler und 1863 Vogelsberger eingetragen sind. In die Jungviehregister wurden 1486 Simmenthaler und 432 Vogelsberger ausgenommen. In vermehrtem Maße sind im verflossenen Jahre Stall- und Ortsschauen abgehalten worden. Das Institut der Bullenstationen hat sich als eine vorzügliche Einrichtung bewährt. Anträge zur Vermehrung solcher Stationen sind daher fortgesetzt an die Vereinsleitung herangetreten, konnten aber wegen Mangels an Mitteln nicht alle erfüllt werden. Fünf wurden neu I errichtet, nämlich in Melbach, Ober-Hörgern, Borsdorf, Otterbach und Angersbach, sodaß jetzt im ganzen 19 be­stehen. Tierschauen sind 5 abgehalten worden, die dem Verein 15 234.90 Mk. gekostet haben, während die Be­schickung der Ausstellung der deutschen Landwirtschastsgesell- schast 1979.15 Mk. Kosten verursachte. Die Zuchthöfe sind auch im letzten Jahre weiter erhalten worden; doch mußte der Zuchthof Engelrod infolge der Maul- und Klauenseuche und infolge eines äußerst ungünstigen Ergebnisses bei der Tuberkulinimpfung aufgegeben werden. Dafür wurde ein neuer Zuchthof in Homburg a. d. Ohm eingerichtet. Der Import von Simmenthalern ist auch im letzten Berichtsjahr fortgesetzt worden. Aus der Schweiz wurden 8 Bullen, | 17 Kalbinnen und 2 Kühe, aus Ober-Baden 10 Kalbinnen

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