** Ordens-Berleihuugeu. Den nachbenannten Osfizieren 2C. wurden folgende OrdeuSauSzeichnungen verliehen: der Note Adlerorden 3. Klaffe mit der Schleife: von Dewitz, Oberst und Kommandeur des 2. Großh. Hess. Jnf.-RegtS. Nr. 116, der Rote Adlerorden 4. Klasse: Bachelin, Major im 3. Großh. Hess. Inf. Regt. Nr. 117, Loer- brots, Hauptmann im 2. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 116, Stubenrauch, Hauptmann im 3. Großh. Hess. Jnf.- Regt. Nr. 117, der König!. Kronenorden 2. Klasse: Kutzen, Oberst und Kommandeur des 3. Großh. Hess. Jnf.-Rgt. Nr. 117, der König!. Kronenorden 3. Klasse: Freiherr von Maltzahn, Oberstleutnant beim Stabe des 3. Großh. Hess. Jus.-RegtS. Nr. 117, Graf von Hacke, Major im Generalstabe der Großh. Hess. (25.) Division, der König!. Kronenorden 4. Klasse: Becker, Oberlt. im 2. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 116, Suermondt, Oberlt. im 2. Großh. Hess. Drag.-Regt. Nr. 24, das Allgemeine Ehrenzeichen: Pauly, Feldwebel im 3. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 117.
** Verhaftung. Ein hier in Stellung gewesener Hausbursche, der nach Entwendung einer Uhr und eines Paares Stiefel vorgestern slüchjtig wurde, ist gestern in der Gegend von Krofdorf aufgegriffen und gefänglich hier eingebracht worden.
** Turnerisches. Das Abturnen des Turnvereins (gegr. 1846) fand am Sonntag auf Textors Terrasse statt. Der Besuch seitens der Mitglieder, sowie der Freunde und Gönner der Turnerei war ein recht zahlreicher, sodaß die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten und das Gartenterrain bis auf den letzten Platz besetzt waren. Dank dem vortrefflichen Arrangement des Vorstandes machte sich bald ein buntes Treiben geltend; hier sah man junge Turner sich im ernsten Kampfe edlen Wettturnens streiten, umstanden von Eltern, Verwandten und Bekannten, dort sah man eine schwierige Uebung eines Vorgeschrittenen am Reck oder Barren, und zwischendurch ertönten die lustigen Weisen einer Musikkapelle. So herrschte denn in dem vorwiegend den Turnern überlassenen großen Saal, der seitens des Herrn Bichler besonders zu diesem Zwecke eingerichtet und ausgestattet war, eine stets zunehmende Harmonie und Feststimmung, die noch wuchs, als zum Tanz aufgespielt wurde. Unterdessen waltete der Berechnungsausschuß seines Amtes; kurz nach 8 Uhr konnte zur Preisverteilung geschritten werden. Der Vorsitzende des Turnvereins, Herr L. P i r r, ergriff dazu das Wort, um unter Aeußerung über den Verlaus des letzten Jahres, namentlich über die Erfolge in turnerischer Beziehung Worte des Dankes und des Ansporns an die zurzeit recht zahlreich vorhandenen aktiven Turner und Zöglinge zu richten, ihnen galt denn auch das dreifache „Gut Heil". Hinsichtlich des Preisturnens sei bemerkt, daß es in volkstümlichen Uebungen für solche aktive Turner bestand, die noch kein Wettturnen mitgemacht hatten, während das Geräteturnen für die Zöglinge in Ober- und Unterstufe eingerichtet war. Insgesamt waren zum Wettturnen 56 Turner angetreten. Im Turnen der Aktiven, das aus vier volkstümlichen Uebungen bestand, errang den 1. Preis Louis Adam mit 36 Punkten, den 2. Preis Ernst Jung mit 34 einhalb Punkten, den 3. Preis Emil Kinkel mit 30 einhalb Punkten, den 4. Preis Wilh. Mohr mit 30 Punkten, den 5. Preis Ehr. Savelsberg mit 29 Punkten, den 6. Preis K. Seybicke mit 26 einhalb Punkten. Im Turnen der Zöglinge errang in der O b e r st u f e den Ehrenpreis Aug. Weiß, den 1. Preis Wilh. Rot- hatnel, den 2. Preis Ad. Schmidt, den 3. Preis L Schmalz und Hch. H ü t t e n b e r g e r, den 4. Preis Hch. Huber, den 5. Preis Ehr. Hüttenberger, den 6. Preis Hch Bommersheim, den 7. Preis Frdr. Noll. In der U n 1 e r st u f e den 1. Preis L. Volpert, den 2. Preis W. Wenzel, den 3. Preis L. Hill, den 4. Preis Hch Fischer, den 5. Preis K. Lang, den 6. Preis Hch. Amend, W. Körböcher, I. Verth, den 7. Preis A. Wendel, den 8. Preis E. Krieger, den 9. Preis G u st. S ch m i d t, den 10. Preis K. S ch l i t t und W. Schwan, den 11. Preis Hch. Hoos, den 12. Preis W. Amend und K. Werner. Ohne jede Ueberhebung kann der Turnverein Gießen mit Stolz auf die Errungenschaften des letzten Jahres zurückblicken und der Vorstand sich mit dem Bewußtsein tragen, nicht nur mit den einzelnen Arrangements, sondern mit seinem vollständigen 'Jahres-Programm den edlen Bestrebungen seines Vereins in gerechter Weise gedient, seinen Mitgliedern aber auch Amüsement und frohe Stunden bereitet zu haben. So rüstet er sich bereits aufs neue zu der am 14. k. Mts. in seiner Halle stattfindenden Kreisturner stunde und hofft, daß auch die hierzu bereits im Gange befindlichen Vorbereitungen ihm ein schönes Fest bescheren.
-ff- Die technische Hochschule zu Darmstadt beginnt ihr Studienjahr 1900/1901 am 16. Oktober. Ausnahme und Immatrikulationen nehmen am 2. Oktober 1900 für das Wintersemester und am 9. April 1901 für das Sommersemester ihren Anfang. Die Vorlesungen und Uebungen fangen im Wintersemester am 16. Oktober 1900, Schluß zu Weihnachten ist am Mittwoch, den 19. Dezember, Wiederbeginn nach Neujahr am 7. Januar 1901. Zu Fastnacht 1901 am 18., 19. und 20. Februar fallen die Vorlesungen üinb Uebungen aus. Schluß des Wintersemesters ist am 15. März, Beginn des Sommersemesters am Dienstag, den 23. April. Die Pfingstferien beginnen am Freitag, den 24. Mai und endigen mit dem 3. Juni. Schluß des Sommersemesters erfolgt am Freitag, den 26. Juli. Die feierliche Rektoratsübergabe findet am 16. Oktober statt. Das uns vorliegende, im Verlage von G. Ottos Hof- Buchdruckerei in Darmstadt erschienene Programm für 1900/1901 enthält als Einleitung den Jahresbericht für das Studienjahr 1899/1900, ferner genaue Angaben über Einrichtung der Fachschule, Aufnahme, Zeugniffe, Prüfungen, Gebühren über den Personalbestand, sowie über das Großh. technische Prüfungsamt. Daran schließt sich das Verzeichnis der ordentlichen und außerordentlichen Vorlesungen und Uebungen und der Studienpläne für Architektur, für Jngenieurwesen (Bau-Ingenieure und Kultur- Ingenieure), für Maschinenbau, für Elektrotechnik, für
Chemie (Chemiker, Elektrotechniker, Pharmaeeuten), ferner Studienpläne der allgemeinen Abteilung (Studierende der Mathematik und Physik, der beschreibenden Naturwissenschaften und für Geometer 1. Klasse), und schließlich für KonsolidationS-Geometer und Kulturtechniker. Dann folgt eine Aufzählung der Lehrmittelsammlungen, der Institute und sonstigen HilfSmütel für den Unterricht, die Preisaufgaben, Stiftungen, Schenkungen und Studiengelderlasse, der Gebühren-Ordnung. Den Schluß bilden Nachrichten über Testate, Zeugniffe und Prüfungen.
+ Queckboru, 13. September. Während man in manchen benachbarten Gemarkungen noch mit dem Grummetmachen beschäftigt ist, hat man hier schon mit der Kartoffelernte begonnen. Diese fällt mittelmäßig aus; namentlich die Frühkartoffeln haben infolge des anhaltenden Regenwetters durch Fäulnis gelitten. — Das Grummet wurde zum größten Teil gut eingebracht und auch die Getreideernte kann als eine gute Mittelernte bezeichnet werden. Bis zu unserer nächsten Sonntag fiattfindenden Kirchweihe dürfte auch die Kartoffelernte in der Hauptsache beendigt sein.
O Grüuberg, 13. September. Wie wir berichteten, beabsichtigte die Eisenbahnbehörde schon mit dem 1. Januar ds. Js. ab die Aufhebung, bezw. Verlegung der Nebenbahn- Bauabteilung. Den Bemühungen des Stadtvorstandes war es zu danken, daß dieser Beschluß noch in letzter Stunde ausgehoben und das Bauamt bis auf weiteres hier belassen wurde. Leider sollte dies nur für kurze Zeit sein. Mit dem 1. Oktober wird die Bauabteilung Grünberg endgiltig aufgelöst. Ihr Vorsteher, Ingenieur Hildenbrand, wurde nach Gießen versetz!, und die übrigen Beamten sind teils schon verzogen, teils werden sie mit dem 1. Oktober unsere Stadt verlassen. Der Bau der Nebenbahnftrccke Londorf—Lollar wird künftighin von Gießen aus geleitet werden.
Darmstadt, 12. September. Der Großherzog empfing u. a. den Kreisamtmann Heinrichs von Gießen, zum Vortrag den Staatsminister Rothe, den Präsidenten des Ministeriums der Finanzen Gnauth, den Kabinettsrat Römheld, den Hoftheaterdirektor Werner.
L. R. Darmstadt, 12. September. Der Besuch des Großherzogs zur feierlichen Eröffnung der landwirtschaftlichen Landesausstellung am Freitag den 14. September, 12 Uhr mittags ist, wie uns mit- geteilt wird, zugesagt worden. Auch hat unser Landesherr einen sehr wertvollen Ehrenpreis gestiftet, der der Klasse „Provinzialwettbewerb in Simmenthaler Zucht", in der die ausgewählten, felbstgezüchteten Tiere je aus den drei Provinzen des Landes konkurrieren, zugewiesen worden ist. — Die Abreilfe des Großherzogs zu einer mehrtägigen Teilnah me^Än den Manövern des 18. Armeekorps erfolgt am 15. September nach Limburg. Nach mehrtägigem Aufenthalt in Friedberg kehrt der Großherzog am 22. hierher zurück.
Mainz, 12. September. In der heutigen Stadt- verordn et en-Versammlung führte Beigeordneter Dr. Schmitt den Vorsitz. Ein Antrag, einige technisch gebildete städtische Arbeiter auf Kosten der Stadt nach der Pariser Aus stell stütz' zu senden, wurde angenommen und dem Finanzausschüsse überwiesen. Zum Vorsitzenden des Gewerbegerichts wurde Finanzrat Amend und zu dessen Stellvertreter Oberbürgermeister Dr. Gaßner, Beigeordneter Dr. Schmitt und Sekretär Schäfer aufs Neue gewählt. — Auf Antrag des Stadtverordneten Fritz Schäfer wurde beschlossen, einen Teil des HospitalguteS in Biedesheim in Bayern zu versteigern, weil bei der letzten Verpachtung des Gutes für einen großen Teil keine Gebote erfolgten. — Für die im Jahre 1903 in Dresden abzuhaltende Städte-Ansstellung wurden für die Beteiligung der Stadt Mainz 600 Mk. bewilligt. — Gestern fuhr der 16 jährige Schiffer Escher mit zwei Freunden im alten Winterhafen Nachen. Sie schaukelten, und der Nachen schlug um. Escher ertrank, seine zwei Freunde konnten sich an das Land retten. — Das Ministerium hat dem Statut der Stadt Mainz über die Bildung einer sozialpolitischen Kommission die Genehmigung erteilt.
Bingen, 12. September. Bei der Montierung des zweiten elektrischen Portalkrahns am Rheinhafen ist heute früh durch Umstürzen eines Gerüstes der Monteurgehilfe Zacharias aus Bingerbrück verunglückt. Der junge Mann war auf der Stelle t o t.
Frankfurt, 12. September. Die am Sonntag hier einberufene Konferenz christlicher Gewerkschaften zur Gründung eines ch r i st l i ch e n Gewerk- schaftskartclls für Mitteldeutschland war von 26 meist katholischen Gewerkschaftsdelegierten und 8 Arbeitervereinsdelegierten beschickt. Von 22 geladenen katholischen und evangelischen Arbeitervereinen hatten nur sechs der Einladung Folge geleistet. Hauptsächlich wurde bedauert, daß die evangelischen Arbeitervereine so spärlich vertreten waren. Die Debatte ergab, daß verschiedene Redner die Gründung eines Kartells für verfrüht hielten. Für die prinzipielle Notwendigkeit der Gründung eines gewerkschaftlichen Kartells stimmten neunzehn anwesende Vertreter und vier Verbände, die ihre Zustimmung brieflich kundgegeben, mit Vorbehalten oder direkt dagegen sieben Delegierte. Voraussetzung ist die endgilttge Genehmigung der auftraggebenden Verbände und Vereine. Die Ziele des Kartells sollen sein: Die Gründung gewerkschaftlicher Organisationen über ganz Mitteldeutschland zu fördern, die Zentralisation derjenigen Organisationen, dWü die Möglichkeit dazu geboten ist, über ganz Deutschland anzustreben: alle dem Kartell zugehörigen Organisationen bei Lohnbewegungen, Streiks, Aussperrungen u. s. w. pekuniär zu unterstützen und namentlich die dem Kartell beigetretenen Organisationen nach den vom Kongreß beschlossenen Prinzipien zu leiten und zu überwachen; endlich die den Endzweck fördernde Anstellung eines Arbeitersekretärs zu erstreben. Das Kartell soll mit dem 1. Januar 1901 in Kraft treten. Zum Vorsitzenden wurde Schuh-Frankfurt a. M. gewählt. Der zweite Teil
der Verhandlung am Nachmittag mußte in Offenbach erledigt werden, da man versäumt hatte, diese zweite Versammlung hier polizeilich anzumelden.
Vermischter.
* Der Orkan in Texas. Tas Standrecht ist in G a l v e st o n proklamiert und die Miliz zusammenberufen worden. Die Stadt wird scharf patrouilliert. Die Vor bindung ist mangelhaft und nur per Boot möglich Viele Dampfer sind zerstört. Der Schaden wird jetzt auf 4;> Millionen geschätzt. Sammlungen werden im ganzen Land in großem Stil organisiert. Der Sturm hat jetzt Chicago erreicht; er hat alle Drähte zerstört und total abgeschnitten. Es sind 5000 Familien obdachlos. Es herrscht große Not. Tie halbe Stadt ist total zerstört; kein Gebäude ist verschont geblieben. Kein Wasser und kein Licht ist vorhanden. 8000 Tote liegen in Galveston allein. Tie städtischen Behörden lassen manche demolierte Gebäude anzünden, um die Gefahr von Epidemien durch verwesende Leichen abzuwenden. Etwa 50 Diebe wurden standrechtlich erschossen. Ter Dampfer „L a w r e n c e", mit 50 Personen an Bord, ist auf der Fahrt von Milwaukee nach St. Joseph (Michigan) wahrscheinlich während des orkanartigen Sturmes nntergegangen. — In Galveston wurden 700 Leichen in die See versenkt. Von allen Toten sind zwei Drittel Frauen und Kinder. Das Hilfswerk ist im ganzen Lande in Angriff genommen. Manche Ueberlebende wurden nach Houston gebracht.
Der deutsche Juriftevtag. i.
Bamberg, I1. September. Der Deutsche Juristentag wurde gestern eröffnet. Anwesend sind bis jetzt etwa 300 Mitglieder, darunter Brunner, Gierke, Stenglein, Pfaff u. A. Stößer-Karlsruhe wurde zum Vorsitzenden gewählt. Sodann brachte die Versammlung chrem Semor Wilke Glückwünsche zum fünfzigjährigen Jubiläum dar; dem Jubilar wurde das Ehrendoktor-Diplom der Berliner Fakultät überreicht. Darauf ging der Kongreß zu den Beratungen in den Abteilungen über.
In der ersten Abteilung behandelte mau zunächst die Frage: „Welche Stellung ist in dem zu erwartenden Versicherungsgesetz den Versicherungs-Gesellschaften auf Gegenseitigkeit zu gewähren?" Als erster Berichterstatter gab Bankdirektor Dr. Samwer aus Gotha eine im ganzen billigende Kritik des neuen Gesetzentwurfs, der dem Reichstag im nächsten Winter zugeht; die Frage, ob die Generalversammlung obligatorisch als oberstes Organ der Gesellschaft etnzu- sühren sei, verneinte er. Auch der zweite Berichterstatter. Rechtsanwalt Dr. Fuld aus Mainz, äußerte sich über den Entwurf sehr günstlg, bemängelte jedoch, daß die Generalversammlung nicht zu emem oblr- gatorischen Organ der Gesellschaft gemacht sei, das den obersten Willen derselben darstelle. Er betonte weiter, daß die Versicherungsgesellschaften auf Gegenseitigkeit keine Kaufleute seien und daher auch nicht zu der landesgesetzlichen Gewerbesteuer herangezogen werden dürften. Profeffor Ehrenberg aus Göttingen unterscheidet zwischen Lebensversicherung und Schadenverstcherung; bezüglich der ersteren sei der Auffassung Fulos zuzustimmen, bezüglich der letzteren nicht. Folgender Antrag wurde an« genommen: „Der Juristentag erkennt an, daß der Entwurf ernes Re,chS- gesetzes über die privaten Versicherungsunternehmungen die geeignete Grundlage für eine befriedigende Regelung der Stellung der Versicherungsgesellschaften auf Gegenseitigkeit enthält". lieber bve ^rage: Werden durch das Bürgerliche Gesetzbuch die Vorschriften über den Uebergang und die Führung adeliger Namen berührt? berichtet Geheimrat Profeffor Gierke aus Berlin und stellt in Gemeinschaft mit dem zweiten Berichterstatter Geh. Justizrat Wilke folgenden Antrag: „Durch das Bürgerliche Gesetzbuch werden die Vorschriften über den Uebergang und die Führung von Adelszeichen nicht berührt, die höhern Adelstitel wie Frecherr, Graf, Fürst, Herzog sind -bloße Adelszeichen, nicht Namensbestandteile. Ueberwiegende Gründe sprechen dafür, bet adeligen Familiennamen auch das einfache „von" als bloßes Adelszeichen zu betrachten". Schließlich wird der Antrag Gierke angenommen.
In der von der Stadt Bamberg herausgegebenen Festschrift führt Frhr. v. Marschall aus der nicht unbedeutenden Zahl der Bamberger Juristen, die teils auf legislatorischem Gebiete sich Namen in der Geschichte der Jurisprudenz erworben, teils als Staatsmänner einfiußreiche Stellen bekleidet haben, unter dem Titel: „Hervorragende Bamberger Juristen der neueren Zeit", ihrer zwölf vor. Uns interessieren nur die beiden ersten: 1. „Johann Michael Franz Birnbaum, großherz. heft. Geheimrat, geb. zu Bamberg als das 2 l. Kind eines fürfib. Tafeldeckers, t 1877. Birnbaum war Profeffor der Rechte an den Universitäten Löwen, Bonn, Freiburg, Utrecht und Gießen. 1844/45 in Gießen Rektor der Universität, wurde Birnbaum zum Kanzler magnificuß der Landesuniversität ernannt und hiedurch Mitglied der Ersten Kammer und des vom Großherzog ernannten dreigliederigen Staatshauses des Erfurter Parlaments. 2. Nikolaus Thaddäus v. Gönner, geb. 1764 zu Bamberg als Sohn eines fürstb. Hofkanzlei Accessisten, t als Rechtslehrer und Staatsmann 1827 zu München. Gönner war 1788 Praktikant beim Reichskammergericht in Wetzlar. Als Rechtslehrer wirkte er an den Universitäten Bamberg (aufgehoben 1803), Ingolstadt, Landshut und München. 1797 erhielt er als fürstb. Bamb. Staatskonferenzrat Mission nach Nürnberg in Begleitung des Geh. Rates Stetnlein, den 170 jährigen Streit zwischen Brandenburg und Bamberg wegen des Kreisdirektoriums und der Rechte auf Fürth durch Vergleich zu schlichten. Die Mission scheiterte indes durch die gleichzeitige Eröffnung des Reichsfriedenskongreffes in Rastatt und den Widerstand einiger für ihre Privilegien besorgten Mitglieder des Domkapitels und der Reichsritterschaft. ' Fürth blieb der preußischen Krone unterthan.
Kunst und Wissenschaft.
Trier, 11. September. Der Kongreß deS deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege wurde heute eröffnet. 200 auswärtige Besucher sind anwesend, darunter die Geheimräte Ptstor-Berlin und Gaffky-Gießen, Lend und Stübben-Köln, Ober- Ingenieur Mayer-Hamburg, Fränkel-Halle, Erißmann-Zürich, Ende- mann-Kassel. In der ersten Sitzung sprach Prof. Dr. Gaffky über Maßregeln zur Abwehr der Pest. — Der Kongreß faßte einstimmig eine Resolution, dm Reichskanzler zu ersuchen, dem Anträge des Reichstages auf obligatorische ärztliche Leichenschau Folge zu geben.
Meratur.
W-ß.Von der Hof- und Univ.-Buchhandlung Aug. Frees in Gießen liegt heute unsrer gesamten Stadtauflage ein Prospekt für ReclamS „Universum* bei, das jetzt Emtl Peschkau, früher Feuilleton-Redakteur der „Berl. Reuest. Nachrichten", redigiert. Dir Romane erster Autorm, die Kunftbeilegen, die belehrmden Aussätze, die Btlderartikel, der reiche Unterhaltungsstoff und die Weltumschau stehm jedenfalls weit über dem, was ähnliche r euere Berliner Zeit- schrtstm dem Leser bietm.
Arbeiterbewegung.
Leipzig, 13. September. Ein Teil der großen Firmen des Buchbinderei-Gewerbes, darunter das Bibliographische Jnstttul mit insgesamt 500 Arbeitern, hat gestern die Forderungen der Arbeiter bewilligt. , .
Marseille, 12. September. Die Bäckergehtlfen in einer Anzahl von 1200 haben dm Ausstand proklamiert. 200 Milckä, bäcker wurden zu Hilfeleistungen abkommanliert. Es werden un- ruhm befürchtet.


