Ausgabe 
14.9.1900 Zweites Blatt
 
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Der Krieg in Südafrika.

Lord Robert- meldet an- Pretoria vom I l September: Lord M e t l) u e n trieb Vie Buren bei Malope völlig a»-- einander nnd niaMe 30 zu Gefangenen nnd erbeutete Muuiliou. Buller traf gestern in Mlipgai ein, eüua ans halbem Wege zwifche» Mauchverg nnd Spitzkop, die Buren vor sich her treibend. DaoReutersche Bnreau"i Meldet an« Kapstadt: Buller erbeutete aus dem Marsch^ nach Spitzkop eine Kanone und mehrere Tonnen Rahrnng-- mittel. 5ie Buren warfen eine schwere Kanone nnd einige Tonnen Munition sowie 13 Wagen einen Bergabhang hin­unter, um deren Erbeutung durch, die Engländer zu ver- hindern.

DaoReiUerftl^' Bureau" meldet all- Lonreiizo Marqueo. Präsident artiger und mehrere Beamte Tran-vaal- halten sich gegenwärtig bei dem niederländi­schen Konsul ans.Dail») Mail" meldet nno Lonreiizo Margiie-, Präsident Stejn sei nach dem Freistaat abgereist. Die Generale Botha und De tuet hätten sich U e v einigt nnd man erwarte in den nächsten ^agen ein größere- Oiesecht an dem Caledon Flusse. Rach diesem Oiesecht wiirden sich dir"Buren wieder trennen. Rach einer Meldung an- Pretoria höbe Oieneral Botha sich dagegen bereit- nach den Bedingungen der Kapitulation erkundigt. Ein Telegramm an- Durban meldet, Oieneral Kreuch kain nach Bab ertön lind befreite dort GO gefangene englische Offiziere.

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In M aiuz tras ans der Durchreise und) Mbucheu, seiner Vaterstadt, ein Ziminermeister an- Johannesburg ^Transvaal) ein, den die Engländer gewaltsam au- Tran-oaal fortgeschafft haben. Der Bedanern-lverte lebte seit 22 Jahren in Johannesburg nnd hatte sich dort naturalisieren lassen. Inzwischen hatte er auch eine Ja mtlie gegriiudet und lebte tu guten Verhältnisse». Al­der Krieg zwischen den Buren und Engländern an-brach, zog aitdp er in den Kampf nm die Freiheit seine- neuen Vaterlande-. Durch drei Schlisse in da- Bein schwer verlebt, konnte er sich nicht weiter am Kriege beteiligen nnd kehrte zu seiner Familie nach! Iohanue-bnrg znriirk. Die Schiißwuiiden heilten, aber e- blieb eine Lähmung de- Beine- znrlick nnd er konnte sicl) nur mit Znhilse nalnue zweier Stöcke fortbewegen. Vor einigen Wochen klopfte e- nacht- an die Thür seiner Wohnung nnd al- ct um leicht bekleidet, öffnete, nahmen ibn einige eng lijche Soldaten in Empfang. Ohne daß er noch einmal in seine Wohnung hätte zurückkehren könne», schleppte man il)» fort »iid brachte ihn und) Kapstadt auf ei» Schiss. Mit goo andere» Leidensgefährte» wurde er mit dem Schiss »ach England gebracht nnd dort bedeutete mau ihn, daßi er jetzt gehen könne, wohin er wolle, nur nidjl zurück und) Trau-baal. Ium Glück hatte dieser gewaltsam seiner Familie Entrissene, ehe er den Ihn gefangen nehmen­den Engländern die Thür seiner Wohnung in Johanne-- barg öffnete, seinen Veibnihlel angezogen, in dem sich en. Hioo Mark befanden (in Transvaal ist es Sitte, dn- bare Geld im Leibgurt nufzubewnhre»), sonst wäre e- ihm so schlimm ergangen, wie den meisten seiner Leidens geführten, die hon den Engländern brutalerweise an­gewiesen und gewaltsam sortgebracht wurden, so wie sie gingen und standen. Die im Besih von Geldmitteln Be­findlichen sammelten ans dem Schiff 000 Mark, die zu Zwecken der Bekauutmaclmng ihrer elende» Lage ver iPe»he, werden sollte». Der Münchener, der setzt i» Bauer» nicht mehr heimalberechttgt ist, weist »id)l, ob noch irgend jemand von seinem Berwaudjeiikrei- lebt.

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THfflMiiittit btt Wt^tntv Klnz-igerS.

L 0 II do», 13. September. Au- Amsterdam wird ge­meldet, Dr. Lehd- habe in einem Interview erklärt, durch die A l> reis e K r ü g e r - werde in den Krieg- Opera!i- 'onen n i ch t b i e g e r i n g st e A e n d e r » n g eintreten.

-S? nag, 13. September. Die Ankunft de- Präsidenten Krüger in Holland wird hier eine allgemeine Bewegung z» Gunsten der Bure» Hervorrufen. Ma» ist der Ansicht, dast Frankreich die Initiative zu Gunsten der Bure» gegenüber England leite» wird.

Lissab o » , 13 September Gestern ist ei» E x p e di, io » - K o r p - »ach: Ost Afrika abgegangen.

Pari-, 13. September. Einem hiesige» Blatte zu­folge ist die Abreise de- Präsidenten Kruger nach Loureuzo Margue- nur der Anfang einer allgemeinen A n - w a ii d e r n n g d e r B n r e n , welche die Welt ebenso in Erstaunen setzen werde, wie der zähe Widerstand der Buren.

Deutsches Keich

Berlin, 12. September. Ans Stettin wird ge­meldet . Im M a n ö v e r g e l ä n d e verfolgte gestern das 2. Armeekorps das sich znrückzieliende Gardekorps zunächst inil voller Kraft und zog dann feine Division wieder zu­rück. Las Gardekorps wird heute verstärkt. Die Ka­valleriedivision tritt znm Gardekorps über. Der Kaiser führte gestern Rot, heute Blau. Die Prinzen und der Erzherzog begaben sich morgens znm Manöver sei de. Die Kaiserin kehrte heute vormittag ins Reue Palais zu­rück. Der Kaiser, Erzherzog Franz Ferdinand und die Prinzen kehrten heute nachmittag nach Stettin zurück. Am Abend fand beim Kaiser im Schlosse für die anwesendem Fürstlichkeiten nnd deren Gefolge Tafel statt. Aus dem Manüvergeläude wird weiter gemeldet: Das verstärkte Gardekorps ging nordwestlich vor, das zweite Armeekorps südwestlich Trotz einzelner Erfolge des 2. Armeekorps konnte da- Gardekors*- überall Vordringen. Die Vorposten desselben stehen in der Linie Hvhenbruck Kanzelberg- Schwoctiow. Eine Kanonade grösseren Umfange- und mehrere Kavallerie Attaken sande» statt, zuletzt seile»- des ganze» Kavalleriekorp- auf die abziehende 3. und t In­fanterie Division. Während des Biwaks in der Rächt traten Regensalle ein.

Durchs den reichen Ertrag des im vorige» Jahre bei Kroll veranstaltete» K ö » igi n Luis e E v i » » c r u ngSs e ft e - ist die Iertigstellnng bev von Prof. Eber lei» für Tilsit modellierte» Denkmal- der Königin er m-glicht worde». Für die dort am d stattfindende EnthüNnna-feier werde» grostartige Vorbereitungen ge tröffe». Wart) der Begrüßung des Kaisers durch die

städtische» Behörde» und Ehrenjungfraneii und einer Fahrt durch die 'geschmückten Straßen bi- zu dem im Park Jacob- ruhe befindlichen Deukmal-platz siudet daselbst der Empfang des Kaiser- durch da- Festkomitee statt. Vereinigte Gesang vereine werden unter Orchesterbegleitung einen Festgrust an die Künstler nnd da- niederländische Danlgebet singen. Regierungspräsident Hegel ans Gninbinnen wird alsdann die Festrede halten und nach der Uebevnahme des Denk- mal- durch die Stadt wird ein Gebet vvnwGeneralfuper- tnteudeuten gesprochen werden. Es findet sodann ein histo ­rischer Festzug von 300 kostümierten Personen statt in dein die Geschichte der Stabt nnd Preustens in sechs Bildern, znr Darstellung gelangen wird. Daran wird sich ein Fest zng der Vereine nnd Innungen anschliesten; insbesonbere werden auch die littauischen Volkstrachten zur Veriveudung kommen.

Gelegentlich des K a i s e r b e s u d) e S i n W upper- lhal wird der Monarch an einem noch näher festzusetzen den Tage zivischen dem to. und 13. Oktober der Enthüllung de- Siege-brnunenS in Vohwinkel beiwohnen. Der Kaiser wird gelegentlich seines deinnachstigen Iagdaufenihaltes in Eadinen einen. Abstecher nach der Marienbnrg unter­nehmen, um sich persönlich von dem Stande der Renovier- nngSarbeiten zu überzeugen. Auch die Stadt will der Monarch besuchen. Als Tag dieses Ausfluges ist vor­läufig der 21. ds. in Aussicht genommen.

Kurz vor seiner Abreise nach Vein ostasiatischen: Kriegsschauplätze ist bekauntlich Graf Wald er fee, der Höchsttommaudiereude der .vereinigten Truppe», i» Wil helmShöhe i» längerer Audienz vom Kaiser empfangern ivorden. Bei einer Privatnnlerhaltung kam die Rede n. a. auch aus die Sicherheit des Grasen, und der Kaiser sagte: Mein lieber Gras! Ihr Leben wird von dem Vater­lande nnd Mir s e h r h o ch g e s ch ä tz t. Zum Beweise da für will Ich Ihnen zur ständigen Begleitung zwei M einer L e i b g e ii bar in e n zur Verfügung stellen.!" In der Thal befinden sich in der Begleitung des Feld- marschalls die Vize Wachtmeister Müller nnd Nauer, ersterer von der Kaiserin, letzterer von des Kaisers Leib Gendarmerie. Der Monarch Hal die beiden persönlich ans dem Verbände der Leib.-Genbarmeu ausgesucht und ihnen mit geteilt, dast sie für das Leben des Grafen Walbersee perfönlkl)i haftbar feien. In Ihrer Instruktion befindet sich denn auch ein Passus, dast sie den Grafen Waldersee stet- u nd ständig zu begleiten haben, es sei, wo es ,wolle, nnd zwar mit scharf geladenem Revolver. Tie beiden Wachtmeister erhalten demznsolge ihr Quartier in unmittel barster Nähe <d!eS bejahrten Feldmarschalls, über dessen Befinden dem Kaiser fortlaufend Spezialbericht erstattet wird. i

P r i n z Eitel Friedrich soll nach einem in, L e ipziger ll niversit ä 1 - kreisen mit groster Be stimmthelt anftretenden Gerücht vourjuHsrbst nächsten Jahre-, aus ein Jahr die dortige ll»<jvtzostlät beziehen. In hiesigen Hoskreisen ist nicht- von eizzer.,solchen Absicht bekannt. Es wird vielmehr angenommen, hast der Kron­prinz. und Prinz Eitel Friedrich zu gleiclier Zeit im nächsten Sommer-Semester ihre llniversitätsstudien in B o n n beginnen werden.

Fürst Hohenlohe hatte gestern nachmittag eine kurze Unterredung mit dem Staatssekretär Grafen Posa- dowskh. Entschlüsse über den Zeitpunkt der Einbe r n s n n g d e - R e i ch S t a g e s find iiochch i ch t gefastt und dürften auch sobald nicht geso^.t werden. Staatssekretär Nieder ding hat einest., kurzen Nach­urlaub angelreleu.

Das preustische Staat Sm iu Isteri u m trat heute nachmittag unter dem Vorsitz de- Fürsten Hohenlohe zu einer Sitzung zusammen.

Die im Mai d. I. iu Berlin veröffentlichten Be­richte über die Ausweisung russischer Koni m i s s i o ii ä r e au- K önig - b e r g i. P. sind, wie wir zuverlässig erfahren, ins Russische übersetzt und dem Kaiser von Rustlaud vorgelegt morden. Die Ausivetsuugeu veranlaßten damals den hiesigen russischen Botschafter, den russischen Konsul in Königsberg zur Be richterstattuug aufzuforderu und ihm Verhaltung-mast- regeln zu erteilen.

In R c w P o r k zirkuliert daS Frücht, die deutsche Regierung beabsichtige eine Anleihe von 25 Mill. Dollar am amerikanischen Markte zu machen. (??) Dresden, 12. September. Das von uns vor ge raumer Zeit verzeichnete Gerücht, dast der Finanz in i n 1 ft e r v o n M atzdorf binnen kurzem a u s d e m Ll in t e z n f ch ekde n gedenke, wird jetzt bestätigt. Ob dieses Scheiden in einigen Monaten oder im nädiften Frühjahre erfolgen werde, steht noch dabin. Als sicher gilt, dast der Finanzminister vor dem nächsten Landtage sein Amt niederlegen wird. AIS Nachfolger werden in erster Linie der Direktor Geheimrat Dr. von Körner, der jetzt im Reichsdienste steht, und der Dresdener Ober­bürgermeister Geh Finanzrat Beutler genannt.

München, 12. September. Da- über das Befinden des Prinzen Heinrich von Hessen heute mittag an-- gegebene Bulletin lautet: Nacht ruhiger, im übrigen Zu­stand unverändert. Prinz Heinrich von Hessen ist^ der einzige noch lebende Oheim des GrostherzogS. Der Prinz lebt in München in seinem Hanse in der Königinstraste, nachdem er im Vorjahre ein früher bewohnte- Hau- an den Ministerpräsidenten Frhrn. v. Crail-Heirn verkauft hat. Sein Auftreten in München war allezeit säst bürgerlich: bei großen Hofsesten wurde er Vom bäurische» Hofe ge lade». Er ist der Soli» der Prinzessin Elisabeth von Hessen, deren Sclnvester die Mutter König Otto- Ivar. Sein Münchener Domizil hat der Prinz seit seiner zweiten morganatischen Ehe mit Emilie von Topn-ka. der Tochter eine- Obersinanzgencht-präsidenten, die heute Freifrau Von Dornburg ist und die Kunst in »iehr al- dilettanten Hafter Weise betreibt. Der ersteheliche moi'ganlttiscbe Sohu de- Prinzen kommt dann und wann zupt Besuch nach München: an- der zweiten Ebe ist ein Sohn Elimar, 7 Jahre alt. vorhanden. Der Prinz war hessisdwr Di Visionär und erreichte 1R7(V71 Hobe preußische Krieg- aii-zeichnnng. ___________________________

Politische Tagesschau.

K a n n e i n E h r i st S o z i a l d e in o Trat s e i n ? In einer in Danzig abgehaltenen Versammlung ist diese

Frage von einem Konsistorialrat a. D. Franck mit einent riinVen I a beantwortet worden. Er ging hierbei von der Voraussetzung aus, dast die von der Sozialdemokratie augestrebte Wirtsd-aftsorduung den Grundsätzen des Ehristentums mehr entsprert)e als die gegenwärtige kapi­talistische. Es sei deshalb nidst red)t verständlich, daß ttch zwischen Sozialdemokratie und Ehristentum kein Band des Einvernehmens gekiiüpst habe. Andererseits aber habe and) die Sozialdemokratie kein Verständnis für das Lebens­bild und den Wert Ehristi. Diese Ansichten geben dem Reichsboten" Veranlassung z» folgender Philippika:

Was soll man zu solrt)en Verirrungen und Ver wirrungei, sagen'? Man wundert sich nur, dast D. Franrt nicht gleich gesagt hat, Christus sei selbst Sozialdemokrat gewesen. Man meint, der Mann hätte nie die Bibel studiert. Wenn ein Sozialdemokrat die bekannten Herren Worte so mißhandelt, so wundert man firt) darüber nicht weiter, aber wenn das ein Theologe, ein Konsistorialrat, der Doktor der Theologie ist, thut, der dort; die Bibel in ihrem Zusammenhang studiert haben muß, daun fragt man sich: wie steht'S um den Mann, zumal wenn man seine Predigten kennt.... Wie kann der Mann so Die Gewissen verwirre», indem er einerseits verschweigt, was Sozialdemokratie und andererseits, was Ehristen-- tum ist! Die Sozialdemokratie will befamitlid) von der Liebe, der Selbstverleugnung, welche Christus in den angeführten Worte» verlangt, gar nichts wissen, sondern sie verlangt, dast die Liebe gegen Arme bnrd) die soziale Ordnung völlig ausgeschaltet werde, sie verwirft über­haupt das Eigentum, da- jene Worte Christi zur Vor au-setzung haben, und macht alle Menschen in ihrer ganzen Existenz abhängig vom Staat. Daß da nur die naturalistische Macht- und Herren moral, weld>e die Liebe und Barmherzigkeit als unsittlich verwirft, herrschen würde, ist zweifellos. Die Sozialdemokraten, die in allen ihren Kundgebungen in Presse, Sitteratur und Ver- sammlimgsredeii auf dem Boden der naturalistischen Weltanschauung stehen, werden lächeln über den Man», der ihnen nachweisen will, daß sie Ehriste» sei» können, und für die Christen wird es ein AergerniS fein, daß ein Mann wie D. Franck, der, wie er in seiner Rede sagt, 40 Jahre im Amte der Landeskirche gestanden hat mit) 10 Jahre Mitglied de- Kirdienregiments gewesen ist, jetzt mit soldien die (Gewissen verwirrenden Reden auftritt!"

Ausland.

Brüssel, 12. September. Die hiesigen Zeitungen sind durch den Sekretär des Herzogs Karl Theodor bedeutet worden, daß die Hochzeit der Prinzessin Elisabeth mit dem Prinzen Albert in strengster privater Form gefeiert werde. Bon Seiten des belgischen Königshauses wird niemand dazu delegiert werden.

Paris, 12. September. Die spanische Staatspolizei verständigte die französischen Behörden von der Verhaf­tung eines aus Amerika in San Sebastian eingetroffenen Schweizer Anarchisten, bei dem man einen geschriebenen Plan zu Ermordung des Präsidenten Loubet vorfand.

Nach der Zusammenstellung des Finanzministerium» übertreffen in den ersten 8 Monaten des Jahres 1900 die Einnahmen das Budget um 86,820,100 FrkS. Diese Einnahmen sind um 15,012,300 FrkS. größer als in der gleichen Periode des Vorjahres.

Nom, 12. September. Der Papst begab sich heute bei bestem Wohlsein in die PetcrSkirche, wo er 15 000 Pilgern den Segen erteilte.

Budapest, 12. September. Fürst Ferdinand ist auf der Rückfahrt nach Sofia heute nacht hier durchgereist. Bukarester Meldungen besagen, daß an der bulgarisch- rumänischen Grenze die Streitigkeiten in den letzten Tagen sehr häufig gewesen seien. Am Sonntag wurden von Silistria aus auf das rumänische Kriegsschiff Siretal" drei Kanonenschüsie abgegeben. Der Kommandant PovercScu antwortete gleicherweise und fuhr rasch tyettcr. Gleichfalls am Sonntag griffen die Bulgaren das rumänische Grcnzwachthaus bei Arab-Tabia in der Dobrutscha an. Die rumänische Regierung ist zur Verhinderung der Auf­regung bemüht, die Alarmnachricht zu verheimlichen. Der KriegSministcr General Latorarh hat sich nach der Dobrutscha begeben und aus Sulina vier Kriegsschiffe donauaufwärts beordert. Trotzdem hofft man auf eine friedliche Beilegung des KonfiikteS. Der Minister des Acußern Marghiloman soll dieser Tage in Wien auch mit dem Grafen GoluchowSki zusammcnkommen.

Bukarest, 12. Trotz der offiziösen Dementi- der Ge­rüchte über Mobilisierung und Grenzkonslikt haben diese Gerüchte durch die gestrige Publikation de- MobilisierungSreglcmentS und durch Erschießung einer ru­mänischen Schildwache an der Donaubrücke durch einen bul­garischen Schiffer neue Nahrung erhalten.

Konstantinopel, 12. September. Der Sultan ordnete die strenge Untersuchung des Zwischenfalls von Haifa und die Bestrafung der Schuldigen sowie vc)seren Schutz der dortigen deutschen Kolonie an.

Petersburg, 12. September. Ein neues GesetzeSproiekt ist in Bearbeitung, nach dem im Aufs ich" rat und der Direktion von Aktie »gesell schäften Juden und Au S- länder nur in beschränkter Zahl amtieren dürfen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 13. September 1900.

* Von der Anwalt Wammer. Wie wir hören, hat der lauaiäbriüe Borsitzcndc der oberhMchcn SlntoalUfammer, @th luftiirat Batst in Sicßcn, sein »ml als solcher seine- hohen »llcr« wegen nicdergelegt.

» Pkrsonalnachrichleu. Der Schaffner in der Hessisch. Drenbffchcn Eiscnl'ahn Gemcinschasl Johanne« Mahr »» Gicsicn wurde mit Wirkung vom l. Oktober l. I. an in den Ruhestand versetzt.