Ausgabe 
13.12.1900 Erstes Blatt
 
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dem er die letzten Versicher- Kampfe durchgefochten habe, mit derSeeberufs-Ge-

Dte genannten Nrdner der nationalliberalen Fraktion nehmen mehrmals Gelegenheit, auf diese non der Regierung rorgetragenen sachlichen Gründe hinzuwüsen. Einzelne Bestimmungen, die auch der Ausschuß in seiner Mehrheit beseitigt wissen will, z. B. die Be­steuerung der Lumpen- und Bleisammler rc. der mit Roherzeugnissen der Land- uns Forstwirtschaft rc. Handel Treibende werden be­sonders von den Abgg. Wolf, Eul-r und Ulrich angegriffen. In den neuen Vorschriften über Drtailreisende sind nach Auffassung des Abg. Weidner unzureichende Begriffsbestimmungen über das Maß der Einzelleistungen rc. vorhanden.

Der Antrag Joutz wird schließlich abgelehnt und die Spezialberatung begonnen.

Die Art. 13 werden nach Anträgen des Ausschusses ange­nommen. Zu Art. 4 stellt

Abg. Wolf einen Antrag, der den Gemeinden das Recht mweisen soll, eine erhöhte Besteuerung der Hausierer und Wander-

rnMovellen in schärfstem 5n tteaiig auf den Vorfall : kossvnschaft liege nur ine-i Mitgliedes vor, mit

limch machen. Bei einer Debatte, die eine besondere illftegung hervorruft, empfiehlt es sich, weder Zwiscl-en- ilüft' zu machen, noch Zeichen des Mißfallens oder der -jHimmung zu geben. (Ruse links: Oho! Wir sind ifiit in der Kaserne!)

Krüger gehandelt. England ist uns immer entgegen ge­wesen und wird es auch fernerhin sein. Unser Motto sei: Los von England!

Darauf wird die Beratung vertagt. Persönlich bemerkt

Abg. Dr. Lieber (Zentr.): Ich habe in Bonn auf unserem Parteitage nicht erklärt, daß das Zentrum den Luxus einer politischen Meinung drangeben müsse, ich sprach zu Katholiken und ich habe eine Binsenwahrheit ausgesprochen, indem ich aussprach, daß eine politische Partei von ihren Mitgliedern häufig verlangen muß, in gleichgiltigen Dingen auf den Luxus einer politischen Meinung zu verzichten.

Schluß gegen halb sieben Uhr.

Nächste Sitzung: Mittwoch 1 Uhr. (Fortsetzung der Generaldebatte des E t a ts.)

die bedauerliche Aeußerung der sich die anderen Mit- i lieber nicht identifiziert hätten. Uebrigens habe das rreiüis Versicherungsamt die Akten eingefordert. In Bezug cui die Sozialpolitik sei durch die letzten Reform- o:«fetzk schon viel geleistet. Man beschäftige sich setzt mit r:er Frage des Schutzes der verheirateten Frauen. 'i>ie Differenzierung Deutschlands durch Amerika bestehe iiidjt mehr. Bei den handelspolitischen Auseinander- jpbungen solle man nicht dem Ausland Waffen liefern.

ALg. von Kardorff (Reichsp.) wirft Bebel Großen- f-Nbii, vor, gibt ihm aber zu, daß die Stimmung des ^Mlilkums über den Richtempfang Krügers allerdings der - üegievung nicht günstig ist. Indessen habe es noch mehr in, Interesse Krügers gelegen, daß er nicht nach Berlin Ibmnne, weil es dann leichter ist, für ihn ein gutes < Lort in London einzulegen. Redner vertritt dann seinen i o-ittsLiaftlichen Standpunkt und äußert sich über ver- | jtfljiebrne Einzelfragen.

Gerichtssaal.

L.L. Gießen, 11. Dezember Strafkammer. Auf der An­klagebank sitzen die Arbeiter Karl Weisel aus Altenbusek, Gg. Kolb, Karl Rudolf, Kasp. Schmidt, Wilhelm Balser und Jakob Roth aus Rödgen. Der 7. Angeklagte, Maurer Aug. Balser aus Altenbusek weilt z. Z. in Mülheim a. d. R wo er vernommen wurde, und ist deshalb vom Erscheinen entbunden. Die Leute sind verdächtig, am Abend des 13. Mai zu Rödgen andere Personen vorsätzlich körperlich mißhandelt, und an der Gesundheit geschädigt zu haben. Meisel, der vorbestraft ist, hat an jenem Abend einem Arbeiter aus Großen- Buseck mit einer Latte mehrere Schläge beigebracht, von denen der eine das rechte Auge verletzte, das 4/s seiner Sehkraft eingebüßt hat. Der Verletzte war 5 Wochen arbeitsunfähig. Drei weitere Passanten hat M. mit seiner Waffe ebenfalls verfolgt und einem 3 Schläge auf den Rücken ver­setzt. Kolb, Aug. Balser, Rudolf und Roth sind überführt, einen Taglöhner ausjAlten-Buseck mit den Fäusten bearbeitet zu haben, außerdem wird gegen Kolb und August Balser der Nachweis erbracht, daß sie sich gegenseitig mit einem Stock geprügelt haben. Daß an den Balgereien auch Wilh. Balser und Kaspar Schmidt beteiligt gewesen sind, konnte nicht fest­gestellt werden. Die Rohheiten Michels werden mit einer Gefängnis­strafe von 9 Monaten und einer Woche geahndet, die übrigen erhalten in der zu Anfang unseres Berichts angegebenen Reihenfolge eine Ge­fängnisstrafe von 6 bezw. 3, 2 und 7 Tagen. Gegen Kaspar Schmidt und Wilhelm Balser wurde auf Freisprechung erkannt. Wegen Dieb» stahls in wiederholtem Rückfalle erhält der Arbeiter Balduin Lormis aus Magdeburg 6 Monate Gefängnis. Er hat sich am 27. August aus dem Laden eines Trödlers in Friedberg eine Arbeitshose und -Jacke zu­geeignet.

Ivo hl so ähnlich aussehen wie in Berlin, wo an jeder Este bei einer Obstfrau ein Schutzmann steht. (Große Heiter- E'-ilj Kürzlich ist schon ein Weltkabelnetz gefordert worden, d'lnit wir mit dem Nachrichtendienst nicht auf das Aus- l'.üid angewiesen seien. Wir sind jetzt also schon so weit, r®11 selbst im Ausland nicht mehr vorn Auslande ab- Wnigß sein wollen. Immer kostspieliger wird auch die r>Ä»Ik!i lalpolitik und trotz der schlechten Finanzlage kommt rnanmitteuren Eisenbahnbauten in Ostafrika.

y, ,.l[ ^6'iebermann v. Sonnenberg (Antis.): Wir vH ts* Neutralität nur gegenüber den Buren be- blr&ir w.o9lä.^ber dagegen zuvorkommend behan- ' »uwenen 10U, einte YEN nicht ritterlich gegen den Präsidenten | lager herbrizuführen.

Vermischtes.

* Ein verschwindender See. Ein bekannter See I in Südafrika ist im Verschwinden begriffen. Vor kurzem wurde erst das Eintrocknen des Lobnorsees gemeldet, und jetzt erzählt der südafrikanische Pionier B. Wilson, der unter dem Namen Matabele Wilson bekannt ist, nachdem er so­eben eine fünfzehn Monate dauernde Expedition durch die große Kalabariwüste gemacht hat, daß er den Ngamisee vollständig trocken gefunden hat. Er berichtet über seine Reise:Ich verließ mit zwei weißen Gefährten, zwei Ein­geborenen und einem Wagen mit sechzehn Ochsen im April 1899 Khama's town in Palachwe. Bald kamen wir in die Wüste, und da während der ersten 130 Meilen nur drei Wassergruben sind, mußten wir mit größtmöglicher Schnellig­keit vordringen. Der erste Brunnen war so trocken, daß wir jedem Ochsen nur anderthalb Eimer Wasser geben konnten und dies nur, nachdem wir zwei Tage darauf warteten, | bis das Wasser sich in der Grube sammelte. Nach einer I Reise von 7i/2 Tagen bei fürchterlicher Hitze durch schweren Sand, fanden wir in einer zweiten Grube einen etwas größeren Wasservorrat. Dann kamen wir durch ein Land das ein Paradies für Jagdliebhaber ist, und erreichten fünf Wochen nach dem Aufbruch von Palachwe den Botletli- fluß und den Ngamisee. Bis zu diesem Punkt waren die uns begegnenden Eingeborenen vollkommen freundlich, und wir hatten sehr wenig Mühe mit ihnen. Die große Wüste wird hauptsächlich von nomadischen Stämmen von Busch- lernen bewohnt, die wie die Tiere leben. Sie haben weder Dörfer noch Häuser und durchstreifen in kleinen Banden das Land. Sie halten sich hauptsächlich in der Nähe der Wassergruben in der Wüste und erwarten dort die Tiere die sie dann mit ihren vergifteten Pfeilen töten. ES ist ein harmloses Volk, das von den die Wüste umgebenden, mächtigeren Stämmen in Abhängigkeit gehalten wird. Selten kommen sie mit den Weißen in Berührung. Am Abend sitzen sie um chre Feuer, singen Zauberlieder und klatschen dazu in die Hände. Die Frauen tragen den ganzen Haushaltbesitz und die Kinder in einem kleinen Bündel auf dem Rücken Die Buschleute sind hellfarbig, schrecklich schmutzig und sehr abgezehrt. Den Ngamisee fanden wir bei unserer Ankunft völlig trocken. Es mag einst ein See gewesen sein, aber jetzt ist es nur ein großer Sumpf. Wahrend meines Auf­enthalts überschwemmte der Okavango, der den See speist seine User, und nach acht Jahren der Dürre war der so-' genannte See, der 30:15 engt. Meilen mißt, eine seichte Wasserfläche. Die ungeheuren Giraffenheerden in der Nähe des Sees werden von den Eingeborenen ausgerottet: einmal töteten sie bei einer einzigen Jagd 105 Tiere. Vom Ngami gingen wir nördlich nnd nordwestlich den Okavango entlang, durch ein «ha-sächlich unerforschtes Land. An seinen oberen Wassern, 300 Meilen, nördlich vom See, waren die Leute auf deutschem und portugiesischem Gebiet sehr gut bewaffnet, sogar mit Martini-Henry'Gewehren. Auf Befragen sagten sie, daß sie Pulver und Gewehre von portugiesischen Händ- «Jncu'cef(ii!nen,«?)ie ganze Gegend ist voll von Nashörnern, Flußpferden, Löwen, Elefanten und anderem großen Wild. In einer Nacht griffen zwei Löwen mein Lager an, nahmen eine Geis und töteten eine große Bulldogge. In dem ganzen Gebiet traf ich keinen Europäer, und die Einge­borenen sagen, daß sie außer bei einer Gelegenheit niemals einen deutschen Beamten gesehen hätten. Da es fortgesetzt an Wasser fehlte, mußte Wilson auf demselben Weg wieder nach Palachwe zurückkehren.

Abg. Richter (frei). Volksp.) wendet sich gegen b astdowsky in der 1*2 000 Mark-Affaire. Private Gelder Liüriten nicht ohne Wissen und gegen den Willen des 'Reichstags genommen werden. Der jetzt gemachte Recht­er rligungsversuch stand im Gegensatz zu der früheren Julia rmig des Reichskanzlers. In der Stellungnahme ; ui T r a n s v a a l f r a g e billigt Redner den Standpunkt LtesM'ichskanzlers. Wir würden durch Eintreten für Kund- giebiiiisgen jetzt solche Fehler begehen, wie beim Kaiser- tMramm von 1896. Man darf nicht Politik nach Ge- fMn treiben. Wenn es. beim Empfang Krügers nur auf Sympathie ankäme, wäre er berechtigt und notwendig gMsen, da aber Krüger die Intervention der Mächte ueikingen will, habe die Sache eine politische Bedeutung micd cs müßte nach politischen Erwägungen entschieden wer- blem Der Zolltarif kann auch nach meiner Meinung nicht Hui) genug veröffentlicht werden. Nach der Theorie der Atziorier bringt der Getreidezoll dem Reiche keine Oiirii ah men; Deutschland soll seinen Kornbedars selbst pro Kjicren können, und dann fiele selbst die gegenwärtige .Minnahrne aus der Getreideeinfuhr weg. Wie können also solche Versprechungen machen? Selbst ein Ehren- < nclglied der Agrarier, §err v. Miquel (große Heiterkeit) hstt iestgestellt, daß die Steigerung des heimischen Gc- t'Mehaues zu einer Verminderung der Einfuhr und der Mnijdezölle führen muß. Der Redner bespricht dann die Ni.ua nzlage, bei der die Regierung schlechte Voraus- fi'chi jcige, und gegenüber der Sparsamkeit schlecht möglich ip, nachdem der Reichstag sich auf Juhre hinaus die gSibe gebunden hat. Die Bewährung der A w e i j ä h r i g e n Ä-iciistzeit hat fick) durch die gute Haltung unserer Driivpen in China gezeigt. Der M a r i n e e t a t zeigt im eilen Teilen, wie sehr die Marineaufweudungen ff eigen. Sdei hat sich aber die große Flottenansammlung in i als überflüssig erwiesen. Die Mehrausgaben des Mcmieetats belaufen sich auf 48 Millionen Mark. Der Time Marineetat enthält ein Plus bei den fortdauernden SMiaben von 6 Millionen, bei den einmaligen Ausgaben, d°e.ms laufenden Mitteln zu bestreiten sind, von 23 Mill' unb bei den einmaligen Ausgaben, die aus Anleihen befkitlen werden, von 19 Millionen. Beim Postetat tadelt e^Medner, daß die Posta ssi st en ten noch immer die Dienst e der Postsekretäre verrichten müßten, wodurch nutiiilich Geld gespart werde. Von Interesse ist es, daß für Die Kosten des Chinafeldzuges bereits ein weiterer NlrLiragsetat in Vorbereitung ist. Auf dem Ozean soll

Hessischer Landtag.

Zweite Kammer der Stände.

1 M.G. Darmstadt, 11. Dezember. Das Haus tritt sofort in die Beratung des den ganzen Tag in Anspruch nehmenden Gesetzentwurfs, die Besteuerung des Gewerbebetriebs im Umherziehen betr., ein. Die Regierung hat die Vorlage damit begründet, daß das seitherige Gewerbesteuergesetz vom 8. Juli 1884 an dem Mangel leide, keine Rück­sicht auf die Größe des Betriebes zu nehmen, vielmehr die Gewerbe nur nach Art der vertriebenen Waren in bestimmte Klassen des Gewerbe- steuertarifes eingereiht worden wären. Manche dieser Betriebe seien des­halb unzureichend besteuert und darauf gründeten die stehenden Gewerbe vielfach ihre Klagen über Mangel an Konkurrenzfähigkeit ihrerseits. Ohne die Frage der Nützlichkeit der Hausiergewerbe oder ihres Schadens weiter zu berühren, sei es doch gebot n, möglichste Gleichstellung der Besteuerung aller Gewerbe anzustreben. Dies solle durch den Entwurf geschehen. Für die Beibehaltung einer staatlichen Besteuerung spreche der Charakter fragl. Gewerbe. Auch sei solches bereits in einer Reihe anderer Staaten I geschehen (Preußen, Sachsen, Bayern, Elsaß-Lothringen, Baden, Württem- I berg). Sonach empfehle sich solches auch für Heffen. Der Entwurf um- I faßt vier Abteilungen von Gewerbebetrieben: I. Das Hausieren, II. De- I tailreisende, III. Musikaufführungen, IV. Das Wandergewerbe. Diese I vier Hauptabteilungen zerfallen wieder in verschiedene Unterabteilungen, I wie folgt: I. Hausiergewerbe. 1. Sammeln geringwertiger Gegenstände, I 2. Anbielen zu gewerblichen Arbeiten, 3. Handel mit Erzeugniffen der I Land- und Forstwirtschaft, 4. Handel mit geringwertigen Haushalt- und I Wirtschaftsgegenständen. II. Drtailreisende. a. wenn nur im Umkreis | von 15 Kilom. vom Sitz des Geschäfts gereist wird, b. wenn Geschäfts- | inhaber selbst reisen. III. Musikaufführungen rc. A. Lustbarkeiten I untergeordeter Art, B. Schaustellung und Lustbarkeiten größerer Art. I IV- Wanderlager. A. Gewerbe geringerer Art. B Alle anderen I Gewerbe.1 AM

Aog. Joutz beantragt Vertagung der Beratung d. y. Zu^ück- I Verweisung an den Ausschuß zwecks vorheriger Anhörung I der Handelskammern.

Ftnanzminister Gnauth weist darauf hin, daß die Vorlage I am 1. Januar Gesetz sein müsse, da von diesem Tage an die Be- I steuerung in Kraft treten solle.

I Da die Generaldebatte bereits eröffnet ist und deshalb die I Diskussion über den Antrag Joutz nicht mehr von ihr losgelöst I werden kann, ist die mehrere Stunden in Anspruch nehmende erregte I V^ENdlung bis zur kürzeren Spezialberatung ein Gemisch von I Gründen für und gegen Antrag Joutz und Gründe für und gegen I einzelne Bestimmungen der Vorlage, deren Behandlung streng- I genommen gleichfalls für die Spezialberatung hätte aufgespart werden I müssen Gegen die ganze Vorlage als solche nimmt von vornherein nur die sozialdemokratische Fraktion, die heute ihren Wortführer in Abg. Ulrich findet, Stellung.

Weidner, dem die Vorlage ein Dorn im Auge ist ihre Notwendigkeit erkennt er übrigens a:i schließt sich dem An­trag Joutz an, da er Uebereilunpen wie bei dem Stempel- und Notariatsgesetze befürchtet. Die Handelskammer Friedberg hat ihn ersucht, zunächst die Einholung von Gutachten der Handels­kammern rinzuholen.

Wie sich aus den Aeußerungen des Finanzministers Gnauth, des Ministerialrats Braun, deS Abg. Molthan rc. ergibt, hatten die Handelskammern seit Februar l. Js. Gelegenheit und das ge­setzliche Recht, sich mit der Vorlage zu befaffen. Hiervon hat nur die Handelskammer Mainz, die größte im Lande, Gebrauch gemacht I und zwar in zustimmendem Sinne. Die genannten Redner und mit ihnen die Abg. Jöckel, Schmeel und Pitthan ziehen hieraus den Schluß, daß nunmehr keine Veranlassung zu weiterer Verschiebung der Vorlage gegeben sei, zum Anderen die, daß in dem Schweigen Zustimmung zur Stellungnahme der Mainzer Handelskammer ge­funden werden müsse, endlich die weitere, daß die von einzelnen Rednern, besonders dem Abg. Weidner geäußerten Befürchtungen schwerster Schädigung des kleinen Gewerbetreibenden gewiß un­berechtigt seien, weil sich sonst die interessierten Kreise, insbesondere i die Handelskammern längst würden gemeldet haben.

Finanzminister Gnauth wünscht keine Erregung über eine solche Vorlage, lieber das System der Regelung bestehe kein Streit zwischen Regierung und Ausschuß. Einigen redaktionellen Aende- rungen stimme die Regierung zu. G wisse Meinungsverschiedenheitkn im Ausschuß über Tarifbestimmungen seien lkicht zu erledigen und gäben keinen Anlaß zur Erregung. Die vom Ausschuß oorgeschlagene Verdoppelung der vorgesehenen Brstemrung der Wandrrlager werde das Gesetz nicht zu Fall bringen.

Abg. Molthan spricht über Wanderlager, in denen er einen häßlichen Auswuchs des Geschäftsverkehrs erblickt; er hat im Aus­schuß die erhöhte Besteuerung oorgeschlagen, um ihre Erschwerung obit Beseitigung zu erzielen.

Abg. Ulrich nennt sie die Folge unserer modernen Ent­wickelung des kapitalistischen Handels und steht in der größten Be- | steuerung nickt das Mitte! ihrer Bekämpfung.

Abg. Wolf steht in der Vorlage den Charakter einessteuer- | politischen Athrensammlers" ausgedrückt.

Finanzminister Gnauth weist darauf hin, daß nach Beseitigung I der staatlichen Gewerbesteuer und ihrer gleich,eiligen Aufrechterhaltung I als Grundlage für die Gemeindesteuer es sich um Beseitigung einer I Lücke handle, die mit dem 1. April 1901 eintrrten werde. Logischer I wäre es ja, zu Gunsten der Gemeinden, auch den Wandergewerbe- I betrieb zu bestimmen; praktisch aber sei dies undurchführbar. Der I Zwang zur Besteuerung ergebe sich daraus, daß der stehende ein- I heimische Gewerbebetrieb geschützt werden müsse gegenüber Heusterern I und ihnen gleich zu achtenden Detailreisenden und ferner aus der I Notwendigkeit der gleichmäßigen Behandlung beider Arten von Ge- I werbetreibenden.

Geh. Obersteuerrat Bickel betont die vielfachen Klagen von I Gewerbetreibenden stehender Gewerbe über die ihnen durch Reisende | und Hausierer der umliegenden Bundrsstaaten zugefüglen Schädig- | ungen, denen durch die Vorlage soll begegnet werden.

Der Antrag wftd aus formellen Gründen zurückgezogm und sein späteres Wirderetnbringen Vorbehalt n

Nach Annahme sämtlicher Artikel w der Tarif in Beratung genommen. Zu I 1 (siehe oben) beantragt die Ausschußmehrheit, diese Nummer ganz ausfallen zu lassen, da diese Erwerbsart meist armseliger Natltr sei und in der Regel von arbeitsunsähigm Leuten ausgeübt werde.

Finanzminister Gnauth bittet, es bei der Regierungsvorlage zu belassen, da die Regierur g auf Grund der ihr erteilten Ermäch­tigung (nach Art. 4) keinen Anstand nehmen werde, arbeitsunfähigen Personen die Wandergewerbesteuer ganz zu erlassen.

Der Ausschußantrag wird angenommen. Auch Punkt 3 zu I wird nach Antrag des Ausschusses gestrichen.

Heber die Tragweite des Gesetzes gegenüber Detailreisenden (II) gaben Oderfiuanzrat Dr. Becker und Finanzminister Gnauth aus Anfrage der Avg. Schönberger und Wolf einige Auf­klärungen. Gegen die vom Ausschuß vorgeschlaqene Ermäßigung deS Steuersatzes der Regierungsvorlage (30200 Mk.) hat Finanzminister Gnauth nichts etnzuwenden.

Diese wie alle übrigen Positionen deS Tarifs werden hierauf nach dm Anträgen des Ausschusses erledigt.

Damit ist die Vorlage erledigt.

Stz)luß bet Sitzung l'/r Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch, 9 Uhr vormittags.

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I; £ taatssekretär Graf Posadowsky: Nun kann imn streiten über die politiscbe Opportunität des Vor- (jitljtiiS, aber im übrigen wuroe die Sache übertrieben. -Mi hätte die Summe auch aus dem Truckschriftenfonds ndjmpn können. Wenn das nicht geschehen ist, so mag lli: Ursache eine gewisse bureaukratische Aengstlichkeit ge- loefcn sein (Heiterkeit), oder es mag der Geoanke obge- wahee haben, daß der größte industrielle Ver­ls iiiid, den wir in Deutschland haben, ein so großes Interesse (Hort! hört! bei den Sozialdemokraten) daran Hotte, auf Grund des amtlichen Materials die Arbeiter : Wer den wirklichen Inhalt des Gesetzes aufzuklären, so >) m an ihm auch die Kosten hierfür aufbürden konnte Unnifje). Ich muß an das Waxt des französischen Kri- »mallsten denken, der da sagte: Geben Sie mir zwei 3fi(eic von der Hand eines Mannes und ich basiere ein owitilverbrechen darauf. Wie wenig beim Reichsamt >6 Innern der Gedanke maßgebend war, daß man durch >ieje Publikation noch das Gesetz durchdringen konnte, i >11(111" kann ich eine amtliche Thatsache anführen. Wir xiiten inzwischen noch große Mengen von Material von «Berichten und Verwaltungsbehörden zur Begründung des »Gesetzes zum Schutz der Arbeitswilligen bekommen? Wir iahen auch daraufhin eine Nachtragsdenkschrift ausge- «iricilct (Hört.' hort! bei den Soz.), die wir aber dem kKnckstag nicht mehr vorlegten, weil wir der Ansicht waren, daß es bei der Stimmung des Hauses doch ver- Lteblid) war. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) $d) kann versichern, daß ich nach den Angriffen des !^cichstags nochmals an sämtliche Regierungen geschrieben ) abc, die Material geliefert haben, daß dieses einer (»rgsöltigen Durchsicht unterzogen worden ist, daß sich cber nur in ganz unwesentlichen Punkten Irrtümer her- i^gestellt haben. (Lachen bet den Sozialdemokraten.) Der Webner bestreitet die Abhängigkeit, des Reichsamts vom Zentralverband, gegenüber

ölige Geld für bieiüto ir die Miliza.^ee n iijährige Tienra ipiiöer jt bann ben ^icgiminifKi er b/H'eu benianw eine beutle #W ' ' legeres bie NeutraH rner, ob wirklich ekzr M^eHmden M ürechk des Reichst^ ig sei auch, tvtnn ta erkanonenboolen für et" gung gestellt trenV, btr mb Ausgaben W ta lefinden wir uni in w it des Innern er Seift, lieber bir sehr wenig gestat° morden über M

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