ihrer ganzen Art nach der freundlichsten Teilnahme überall wert. Sie haben aber bereits Schule für andere gemacht zum Losreißen aus den heimischen Verhältnissen und zum Losreisen auf Gastspiele. Die Tegernseer, die vor kurzem im Berliner Bellealliancetheater auf den weltbedeutenden Brettern agierten, sind vor einem Jahre bereits unter die Bauern- theater-Rundreisegesellschasten gegangen. Im nächsten Jahre kommen vielleicht die Kochelseer an die Reihe, wenigstens hat man im vorigen Sommer in Kochel bereits recht fleißig Komödie „gespüllt". Wenn dann erst die Walchenseer und die Staffelseer und die Chiemseer rc. pp. diesseits und jenseits des Ozeans sich erfreuen an den Kränzen, die man ihnen als Mimen flicht, dann werden bald auch die Ukleiseer aus Holstein und die Spirdingseer aus Masuren kommen. Die Anwohner des einen Sees wird der Ruhm der Anwohner des benachbarten SeeS nicht ruhig schlafen lassen, und wir werden dann schließlich vier Hände nötig haben, um alle diese Binnensee-Theatergesellschaften an den Fingern herzähleu zu können. Am erwünschtesten wären noch fürs nächste die Ngamiseer, aus begreiflichen Gründen. (Vergl. Vermischtes in der heutigen Nummer. D. Red.)
Das war ja ein ganz origineller Gedanke, Bauernspiele einmal durch richtige Bauern darstellen zu lassen. Aber es muß doch alles seine Grenzen haben, dieser Ultra» Naturalismus führt denn doch zu weit. Dann käme man ja schließlich zu der Forderung, daß der Kommerzienrat, der Graf, der Barbier, der Pantoffelheld, der Wechselfälscher, der Mörder rc. durch einen echten Kommerzienrat, Grafen, Barbier, Pantoffelhelden, Wechselfälscher, Mörder rc. dargestellt werde. DaS sind ungeheuerliche, aber ganz logische Konsequenzen.
Wenn man in daS Landl der Schlierseer kommt, dann ist einem gleich die stille und innige Gegend mit den harmlosen, frohen, den ganzen Tag singenden Menschen lieb, daß man jedes Jahr dorthin möchte: nirgends wird einem
so froh ums Herz, nirgends kann man den Verdruß der Stadt so schön vergeffen. Dort möchte man leben dürfen! Alles ist heiter, jeder Rede wachsen kleine Flügel an, gleich flattert ein Lied heraus; das Leben wiegt sich lustig und ist zum Tanz bereit. Leise wird der See gekräuselt, Wasserrosen schaukeln sich, eß weht linö. Die Gräser sind so schmal und zart, wie zum Scherz für artige Kinder liegen die blanken Häuser da am Fuße der Berge. Hier kann man nicht traurig sein, die Gegend erlaubt eß nicht, — wenn's gutes Wetter ist!
Die Leute, die dort wohnen, sind eins mit ihrer Heimat. Zu Hause haben sie die tiefe Poesie der Berge bei sich; das fehlt aber doch auf der Reise. Hier wirken sie bloß als Schauspieler. Ist das rein Schauspielerische an ihnen, vom Menschlichen abgetrennt, stark genug? Die Leute find doch keine Virtuosen, mit Ausnahme Terofals. Alles in allem genommen findet man ihre Hauptfiärke allein in der vorzüglichen Schulung des Ensembles, und die läßt sich überall erreichen, auch unter den Bewohnern von Gleiberg und Staufenberg.
Ein Bedenkliches auch ist die mundartliche Sprache auf der Bühne. Eß ist nicht unrichtig, wenn der Direktor des neuen Hamburger Schauspielhauses, Adolf Frhr. v. Berger, in seiner (soeben bei Eduard Avenariuß in Leipzig erschienenen) sehr lesenswerten kleinen Schrift „Ueber Drama und Theater" sagt: „Für den Dichter und seine engeren Landsleute mag über solchen mundartlich gefärbten Werken eben deshalb der Zauber der Heimatpoefie liegen, aber für Angehörige eines anderen Stammes ist diese provinzielle Poesie doch dichterisches Ausland." Durchaus recht eher hat Herr v. Berger mit der Behauptung: „Anderseits tt« leiht die Mundart gar manchem geringen Geist, wie eine chargierte Rolle einem mittelmäßigen Schauspieler, die Möglichkeit, den Anschein viel größeren Genieß zu erwecken alß er besitzt....." P. W.
Familie sucht 8- big
• Offenen unter LOH- |bition dieses Blattes.
Er----
L ® Pferde mit bart' E * Boden, per T n (auch als K ' r
EAlfnet pn sofort, p diSvlar-ltrakt 32,:
fleeiflit., fln&ettoettiuy.
ittrt I» vemieia
' Plockstrasse
Ul
W Rahmeö.
men. 1;,
1 SP‘W«,
bnender 6e» ।
erzielen dird Mm*
-In auf ein in« MM' Hohe Pfflfa M
'n unter S. N Mit1
nt 7, postlagernd. l
Atpti tüchü-r
t GInftM
will Sccorb) für dauern!.
Kch«, M°l
•dineD>
Ibt 1
rh*)"
1 geilen hohen Lotz.M.
B. Amtvd,
item*
SfftiS*
1<,‘
ä in 6«
ArbE
^Kihnachtendk>' gW
Mr. 2S2 Erstes Blatt. Donnerstag den 13. Dezember 15V. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
Amts- unb Anzeigeblatt für den Areis Giefzen
Mezngspreis vierteljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Psg. mit Bringerlohn' durch die Abholestellea vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Psg.
Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld.
Alle Anzeigen.Vermittlungsstellen des In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen, Zeilenpreis: lokal 12 Psg., auswärts 20 Psg.
lineljtne von Anzeigen zu der nachmittags für den ffßlßmdm Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher.
Rebohion, Expedition und Druckerei:
Kchntgraße Nr. 7.
-rschetut täglich ui, Ausnahme des
Montags.
Die Gießener Iimllienvtätter Btrbttt dem Anzeiger i» Wechsel mit „Hest. Lmdwirt" u. „Blätter ffilt heff. Volkskunde- »ichtl. 4 mal beigelegt.
Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Zandwirt, Ktätter für hessische Dolkskunde.
Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hie^e».
Fernsprecher Nr. 51.
Amtlicher Heil.
Bekanntmachung,
den Urkundenstempel betreffend.
Indem wir die nachstehenden Gesetzesstellen hiermit zur »sfentltchen Kenntnis bringen, fordern wir alle Jn- Lvesscuten auf, im Monat Dezember d. I. die be- tirffenden Stempelbeträge auf dem Zimmer unseres Mrseauvorstehers, Brandplatz Nr. 9, eine Treppe hoch, in beit Vormittagsstunden von 10—12 Uhr zu entrichten Mr den stempelpflichtigen Gegenstand (bei Fahrrädern unter Abgabe der Nummerplatten) abzumelden, andern- fflllls die Stempelgebühr event. zwangsweise beigetrieben n>irb. — Nach Artikel 33 des Gesetzes über den Urkundenstempel verfällt derjenige, der es unterläßt, den erforder- Cidjm Erlaubnisschein zu lösen, unbeschadet seiner Haft- pslicht für den Stempelbetrag, in eine Geldstrafe, welche dem vierfachen Betrag des hinterzogenen Stempels gleich kommt. ’
Gießen, den 10. Dezember 1900.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
L. Wer in Bahnhöfen, öffentlichen Wirtschaften oder an «nderen öffentlichen Orten ober Plätzen einen Ver - kauffs- oder Waag-Automat oder automati- jdie n Kraftmesser, sowie wer in einem öffentlichen Mrtftchaftslokal einKlavierodersonstigesMusik- tnjer i aufstellen will, hat zuvor bei. dem Kreisamt seines SSchviortes oder Aufenthaltes eine Erlaubniskarte zu erwirken und für Lösung dieser Karte die in Nr. 10 des Tarifs vorgeschriebene Stempelabgabe fru entrichten.
Diese Abgabe beträgt jährlich:
■a) für jeden Automat je nach der Größe, dem Ankaufspreise und der Leistungs fähigkeit desselben .... 10—40 Mk.
b) für jedes Klavier oder sonstige Musikwerk, je nach d^er Größe, dem Ankaufspreise und der Leistungsfähigkeit desselben ...... 10—40 Mk.
Für besonders leistungsfähige Instrumente kann die Stcmpelabgabe bis auf den zweifachen Betrag erhöht werden. Unter Leistungsfähigkeit ist die finanzielle Leist- mgsfähigkeit oder Ergiebigkeit zu verstehen.
Musikwerke, welche nur verschlossen und unbenuht trit einem öffentlichen Orte stehen, sind nicht abgabe- pslichtig.
Die Aufstellung von Automaten für Bahnsteigkarten ist stempelfrei.
2. Die Abgabe ist von einer und derselben Person, auch bei einem Wechsel des Automaten oder des Instrumentes oder des Aufstellungsortes, innerhalb des Kalenderjahres stets nur einmal für das ganze Kalenderjahr und zwar erstmalig vor der Aufstellung des Automaten oder des Instrumentes und sodann alljährlich im Monat Dezember für das darauffolgende Kalenderjahr bei dem Kreisamte zu entrichten.
3. Das Kreisamt trägt die Anmeldungen unter fortlaufenden Nummern in ein Verzeichnis ein, erhebt die vorgeschriebene Abgabe und erteilt dem Anmeldenden eine mit .amtlichem Stempel versehene Karte, welche die Nummer des Verzeichnisses, Vor- und Zuname, Stand oder Gewerbe und die Wohnung des Anmeldenden, den angemeldeten Gegenstand, den Tag der Anmeldung und Stempelmarken im Betrage der entrichteten Abgabe enthält. Das Kreisamt hat die Stempelmarken der Karten aufzukleben und vorschriftsmäßig zu entwerten. Die Karte ist nur für das Kalenderjahr gütig, für welches sie ausgestellt ist.
4. Wer einen Automaten, ober ein Klavier oder ein sonstiges MnfikJnstrnment, welches an einem der unter Ziffer 1 erwähnten Plätze ans« gestellt ist, von diesem Platze entfernt, ohne den« selben oder dasselbe ans einen anderen der nnter Ziffer 1 erwähnten Plätze ansznstellen, hat dies bis znm nächsten 1. Januar dem Kreisamte an znzeigen, widrigenfalls er zur Entrichtung der Abgabe weiter verpflichtet bleibt. Diefe Anzeige (Abmeldnng) ist in daS nach 3 zu führende Verzeichnis einzutragen und dem Anmeldenden anf Verlangen zu bescheinigen.
1. Wer sich am 1. Januar 1901 im Besitz von Luxuswagen oder Luxusreitpferden / welche zum persönliet>en Gebrauch des Besitzers oder seiner Angehörigen gestimmt sind, befindet, sowie wer! vorn 1. Januar 1901 ab in den Besitz solcher Wagen oder Reitpferdes gelangt, ist verpflichtet, bei dem Kreisamt seines Wohnortes oder Aufenthaltsortes
a) diesen Besitz binnen 4 Wochen mündlich oder schriftlich anzumelden und
b) die für Lösung einer Jahreskarte in Nr. 50 des Stempeltarifs vom 12. August 1899 vorgeschriebene Stempelabgabe zu entrichten.
Diese Abgabe beträgt jährlich für
jeden Luxuswagen 20 Mk., jedes Reitpferd 20 Mk.
Als Luxuswagen und Luxusreitpferde gelten solche- Wagen und Reitpferde, welche nicht zu einer beruflichen oder gewerblichen Thätigkeit benötigt werden. Für Wagen, welche nicht auf Federn ruhen, ist keine Abgabe zu entrichten.
2. Die Vorschriften des § 1 finden keine Anwendung auf Personen, welche sich zum Kurgebrauche oder welche sich weniger als 30 Tage lang im Großherzogtum aufhalten. (Außerdem vergleiche Artikel 7 des Gesetzes.)
3. Die Abgabe ist von ein und derselben Person auch bei einem Wechsel der Wagen oder Pferde innerhalb des Kalenderjahres stets nur einmal für das ganze Kalenderjahr und zwar erstmalig bei Erwerbung des Besitzes des Wagens oder Pferdes und sodann alljährlich im Monat Dezember für das darauffolgende Kalenderjahr zu entrichten.
4. Das Krersamt trägt die Anmeldungen unter fortlaufenden Nummern in ein Verzeichnis ein, aus welchem die Nummer, der Vor- und Zuname, Stand oder Gewerbe und die Wohnung des Anmeldenden, der angemelsdete Gegenstand, sowie der Tag der Anmeldung und der Tag der Abmeldung ersichtlich sind, erhebt die in 1 erwähnte Abgabe und erteilt den Anmeldenden eine mit amtlichem Stempel versehene Karte, roe^dje die Nummer des Verzeichnisses, Vor- und Zuname, Stand oder Gewerbe und die Wohnung des Anmeldenden, den angemeldeten Gegenstand, den Tag der Anmeldung und Stempelmarken im Betrage der entrichteten Abgabe enthält.
Das Kreisamt hat die Stempelmarken der Karte aufzukleben und vorschriftsmäßig zu entwerten. Die Karte ist nur für das Kalenderjahr gütig, für welches sie aus'- gestellt ist.
5. Wer den Besitz eines abgabepflichtigen Wagens oder Pferdes im Lanfe eines Kalender- jahres anfgiebt, oder verliert, hat dieS de« Kreisamt längstens Xbis znm 1. Januar anzn» zeigen, nnd, wenn nötig, glanbhaft darzuthnn, widrigenfalls er znr Entrichtung der Abgabe weiter verpflichtet bleibt.
Diefe Anzeige (Abmeldnng) ist in das nach 4 zn führende Verzeichnis einzntragen nnd dem Abmeldenden anf Verlangen zn bescheinigen.
§ 1. Jeder Besitzer eines Fahrrads oder Automobils, welcher dasselbe zum Fahren auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen benutzen will, ist verpflichtet.
Hießener Sladltsieater.
D' Schatzgräber.
Volksstück von Benno Rauchenegger.
Mit dem Volksstück ,,D' Schatzgräber" beendeten die Schlierseer am Dienstag ihr erfolgreiches Gastspiel, daß leit alß ein hoch willkommenes Weihnachtsvorgeschenk mit Freuden ausgenommen haben. Noch zum letzten Male tiefen sie den Beifall eines größeren Publikums hervor. Liese „plebejischen" Dörfler lernten wir aufs neue alß ein kühn aufstrebendeß Geschlecht schätzen, das durch eigene Tatkraft verheißungsvoll emporblüht.
„D' Schatzgräber" ist, soviel ich weiß, Novität. Viel ist an diesem Stücke auch nicht dran, dessen Fabel kaum einem längst überwundenen Dorfromanfabrikanten naivster Serie Ehre machen könnte. Die wackeren Schlierseer sind ja aber nicht verantwortlich dafür, daß ihr Leibdichter öiauchenegger von dem göttlichen Funken eines Anzengruber keinen Schimmer hat, und schließlich geht man ja zu den trefflichen oberbayerischen Naturspielern nicht der Stücke, sondern der Darstellung wegen. Xaver Terofal, der Treffliche, rief wiederum mehrfach stürmische Heiterkeit hervor,, diesmal als arg karikerter Meßner, Gemeinde- sihreiber und Ehehanswurst, der vor dem Besen seiner bösen befferen Hälfte Reißaus nimmt und ein tolles Schnada- Wfl singt von „Leberwurst und Plunzn". Und ihm nach Ntn’ß recht tüchtig die anderen alle, die resolute Regina -btt Therese Dirnberger, die fuchsige Lisei der lieblichen Anna Dengg, Beri Niedermeier als Unter- stchiungsrichter u. s. w.
Heute haben uns die Schlierseer verlassen. Die Frage, loaS die Kunst durch sie gewinnt, darf man schlechterdings Vicht aufwerfen. Sie verliert — denn in unserer Zeit, 60 alles nach Neuem hascht, sind wir schon gar weit ge- ^mmen, bis zu argen Bizarrerien. Die Schlierseer find ja


