Nr. 135 Drittes Blatt. Mittwoch dm 13 Juni l!M><>
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Nolitische Tagesschau.
Das in zweiter Lesung vom Reichstag angenommene Flottengefetz lautet:
I. Schiffsbestand.
S 1. Es soll bestehen: 1) die Schlachtflotte: aus 2 Flottenflagschiffen, 4 Geschwadern zu je 8 Linienschiffen, 8 großen Kreuzern und 24 kleinen Kreuzern als Aufklärungsschiffen; 2) die Auslandsflotte: aus 3 großen Kreuzern und 10 kleinen Kreuzern; 3) die Materialreserve: aus 4 Linienschiffen, 3 großen Kreuzern und 4 kleinen Kreuzern. Aus diesen Sollbestand kommen bei Erlaß dieses Gesetzes die in der Anlage A aufgeführten Schiffe in Anrechnung. (In der Anlage A sind aufgeführt 27 Linienschiffe, 12 große Kreuzer und 29 kleine Kreuzer.)
§ 2. Ausgenommen bei Schiffsverlusten sollen ersetzt werden: Linienschiffe nach 26 Jahren, Kreuzer nach 20 Jahren. Die Fristen laufen vom Jahre der Bewilligung der ersten Rate des zu ersetzenden Schiffes bis zur Bewilligung der ersten Rate des Ersatzschiffes. Für den Zeitraum von 1901 bis 1917 werden die Ersatzbauten nach der Anlage B geregelt (ES werden in Anlage B für Ersatzbauten von 1901 bis 1917 aufgeführt 17 Linienschiffe, 10 große Kreuzer und 29 kleine Kreuzer.)
II. Indien st Haltung.
8 3. Bezüglich der Jndiensthaltung der Schlachtflotte gelten folgende Grundsätze: 1) Das 1. und 2. Geschwader bilden die aktive Schlachtflotte, das 3. und 4. Geschwader die Reserve Schlachtflotte. 2) Von der aktiven Schlachtflotte sollen sämtliche, von Der Reserve- Schlachtflotte die Hälfte der Linienschiffe und Kreuzer dauernd in Dienst gehalten werden. 3) Zu Manövern sollen einzelne außer Dienst befindliche Schiffe der Reserve-Schlachtflotte vorübergehend in Dienst gestellt werden.
III. Personalbestand.
§ 4. An Deckossizieren, Unteroffizieren und Gemeinen der Matrosendivisionen, Werftdivisionen und Torpedo-Abteilungen sollen vorhanden sein: 1) volle Besatzungen für die zur aktiven Schlachtflotte ger hörigen Schiffe, für die Hälfte der Torpedoboote, die Schulschiffe und die Spezialschiffe; 2) Besatzungsstämme (Maschinenpersonal Vs, übriges Personal Va der vollen Besatzungen) für die zur Reserve-Schlachtflotte gehörigen Schiffe, sowie für die 2. Hälfte der Torpedoboote; 3) N/,- jache Besatzungen für die im Ausland befindlichen Schiffe; 4) der erforderliche Landbedarf; 5) ein Zuschlag von 5% zum Gesamtbedarf.
IV. Kosten.
8 5. Die Bereitstellung der zur Ausführung dieses Gesetzes erforderlichen Mittel unterließt der jährlichen Festsetzung durch den ReichS- hauihalts-Etat.
8 6. Insoweit vom Rechnungsjahre 1901 ab der Mehrbedarf an fortdauernden und einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats der Marineverwaltung den Mehrertrag der Reichsstempelabgaben über die Summe von 53 708 000 Mk. hinaus übersteigt, und der Fehlbetrag nicht in den sonstigen Einnahmen de- Reiches seine Deckung findet, darf der letztere nicht durch Erhöhung oder Vermehrung der indirekten, den Massenverbrauch belastenden ReichSabgaben aufgebracht werden.
V. Schlußbestimmung.
Dieses Gesetz tritt gleichzeitig mit dem noch in dieser Session deS Reichstages zu erlaffenden Gesetz betreffend Abänderung des Reichsstempelgesetzes vom 27. April 1894 und dem Gesetz betreffend die Abänderung des Zolltarifgesetzes in Kraft.
Das Gesetz, betreffend die deutsche Flotte, vom 10. April 1898 wird aufgehoben.
Aus Stadt und Land.
Q Der Geflügel- und Vogelzucht-Verein Gießen und Umgegend machte am Sonntag einen Ausflug nach Oberhessen, um die Fortschritte der Hühnerzucht in einzelnen Gemeinden an Ort und Stelle zu beobachten. Zuerst wurde bei dem berühmten Züchter der Hamburger Rasse, Ph. Södler in Nieder-Gemünden, Einkehr gehalten, dessen Jungvieh bestände überaus günstiges in diesem Jahre erwarten lassen. Von dort ging die Reise per Wagen über Elpenrod nach Ruppertenrod, wo ebenfalls besonders die Nachzucht bei den verschiedenen Züchtern in Hamburger Goldlack vor- züglicheS Material geben wird. Am Abend ging es durch die prachtvollen Waldungen des Vogelsberges nach der Station Mücke, von wo per Eisenbahn der Heimweg angetreten wurde.
Zur Gutenbergfeier. Die Schriften des Gutenberg- forschers, Professor Dr. Franz Falk: „Gutenberg, für die liebe Jugend" (Preis 10 Pfg.) und „Gutenberg, seine Person und seine Erfindung" (Preis 30 Pfg.), wurden vom Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, zur Verteilung in den hessischen Schulen empfohlen. Um eine Massenverbreitung zu ermöglichen, wird bei größerem Bezüge Preisermäßigung gewährt.
•* Besucher der Pariser Weltausstellung können auf eine sehr einfache und ganz kostenlose Weise in den Besitz eines hübschen UebersichtSplaneS der Ausstellung in Maßstab zu 1:8000, Größe 20x30 circa gelangen, wenn sie per Post, karte an die Zentralauskunftsstelle für den internationalen Verkehr in Basel (Schweiz) ein dahingehendes Verlangen stellen. Der genannten Stelle ist nämlich eine größere Anzahl dieser Pläne zur Verfügung gestellt worden mit dem Auftrage, dieselben an alle sich dafür Interessierenden, natürlich nur soweit der Vorrat ieicht, kosten- und p orto- frei abzugeben.
A. Darmstadt, 11. Juni. Die Besserung im Befinden der Großherzogin schreitet stetig vorwärts; obgleich es anfangs zu Bedenken Veranlassung gab, ist es zurzeit sehr günstig. Die hohe Frau ist jetzt den größten Teil des Tages außer Bett und benutzt das schöne Wetter schon zu kurzen Gängen ins Freie. So fuhr sie gestern mittag in einem von dem Kammerherrn Oberstallmeister Freiherrn v. Riedesel geführten Viergespann zum ersten Male wieder mit ihrer Hofdame über eine Stunde in dem Parke spazieren.
Darmstadt, 10. Juni. Der erweiterte Ausschuß zur Errichtung eines Goethe-Denkmals in Darmstadt hat sich unter dem Vorsitze des Oberstleutnants Gad konstituiert. Man beschloß, dem größeren der bis jetzt vorliegenden vorläufigen Projekte den Vorzug zu geben und geeignete Persönlichkeiten, bezw. Vereine unserer Stadt für die Sache zu interessieren und ihrer Mitwirkung zur Erlangung eines endgültigen Entwurfs sich zu versichern. — DaS Großh. Polizeiamt ersucht das Publikum, das AuS- klopfen von Möbeln, Teppichen, Bettwerk und dergleichen innerhalb des Stadtbezirks nicht vor 7 Uhr morgens und nicht nach 9 Uhr abends stattfinden zu lassen.
Mainz, 10. Juni. Die musikalischen Veranstalt- ungen beim Gutenbergfest nehmen einen verhältnismäßig großen Raum ein. Eingeleitet wird das Fest durch eine Aufführung des JudaS MaccabäuS von Händel in der Neubearbeitung Dr. ChrysanderS, ausgeführt durch die Mainzer Liedertafel, deren Ruf speziell auf dem Gebiete der Händel-Aufführungen bekannt ist. Die Leitung liegt in den Händen Dr. Fritz VolbachS; Solisten: Frau E. Herzog (Berlin), Th. Behr (Mainz), Bruns (Hamburg), Prof. Messchaert (Amsterdam), Prof. Franke (Köln) Orgel und Klempau! (Altona) Cimbalo. Bei der am 24. Juni stattfindenden Akademischen Feier gelangt die von Dr. Fritz Volbach für diesen Zweck nach Worten der heiligen Schrift (bezw. Gutenbergs Katholikon) komponierte „Fest-Kantate" zur Aufführung. Das groß angelegte Werk ist für achtstimmigen Chor, Knaben Chor, großes Orchester und zwei Nebenorchester geschrieben. Den Schluß bildet der Chor aus Haydns Schöpfung: „Die Himmel erzählen". Einen Hauptanziehungspunkt dürfte auch die der Akademischen Feier folgende Huldigungsfeier am Gutenbergdenkmal bilden, bei der ein Chor von über 600 Knaben und ebensoviel Männern unter Begleitung von Militärmusik das „Te Deum“ von Neukomm aufführen wird. Das Werk wurde im Jahre 1837 für die Enthüllungsfeier des Denkmals geschrieben und ausgeführt.
Ems, 10. Juni. Pfingsten wird den nach Tausenden zählenden Besuchern unseres Bades in freundlicher Erinnerung bleiben. Die am 1. Feiertage nach vorauS- gegangenen Militärkonzerten zum erstenmale in dieser Saison vorgeführte bengalische Beleuchtung der Bäderlai, des schroff aufsteigenden Felsenkegels, der das Kriegerdenkmal trägt, bis hinauf- zur Mooshütte, bot ein reizendes Bild. Das für den Abend des zweiten Festtages vorgesehene Ballet auf der Lahn war ein ganz neuartiges Arrangement. Auf zwei verkoppelten großen Lahnnachen war eine recht ausgedehnte Bühne errichtet worden mit gefälligen Dekorationen und beleuchtet von zahlreichen elektrischen Lichtern. Hier führte das BalletkorpS des Großh. Hoftheaters in Darmstadt unter Leitung der Hofballetmeisterin und Prima Ballerina Frl. Herrle in der 1. Abteilung „die Nationen in ihren Hymnen und Tänzen" vor, die in einer sehr wirkungsvollen Apotheose ihren Abschluß fanden. Die 2. Abteilung bildete die große Pantomime „das Leben und Treiben in einer italienischen Nacht". Mit einer bengalischn Beleuchtung der Kuranlagen schloß das Fest wirkungsvoll ab. — Die wöchentlich stattfindenden Tanzreunionen im Kursaale haben am 28. v. Mts. ihren Anfang genommen. Die Zahl unserer Badegäste war schon vor den Festtagen auf 3342 gestiegen.
Gerichtssaal.
Ems, 10. Juni. Der Wirt Alfred Heitzmann, jetzt in Ems, stand vor der Strafkammer, weil er im vorigen Sommer allerlei Gerüchte über den Erbprinzen von Wied verbreitet hatte. Er erzählte, der Prinz, der als Leutnant bei den Gardeulanen steht, habe im Klub der Harmlosen Millionen verspielt und seine Frau, die Prinzessin Pauline v. Württemberg wolle chn wegen seiner Untreue wiedex verlassen. Alle die Gerüchte erwiesen sich in der Gerichtsverhandlung als reine Erfindung ohne den geringsten thatsächlichen Untergrund. Der Wirt hatte den Prinzen wiederholt um Verzeihung gebeten und dies auch heute wieder gethan, weshalb das Gericht von einer Gefängnisstrafe absah und ihn zu einer Geldstrafe von Mk. 600 verurteilte.
aus -en Kirchenbücher»
-er StM Gießen. Evangelische Gemeinde. Getraute.
Lukasgemeinde.
Den 7. Juni. Johannes Preiß, Zugführer, ein Wittwer, und Katharine Heller, Tochter des Küfermeisters Samuel Christian Heller zu Grüningen. , u m
Denselben. Hermann Vogel, Taglöhner zu Gießen, und Margarethe Zinnkann, Tochter des Ackermanns Johannes Zinnkann zu Ober- Ofleiden.
Johannesgemeinde.
Den 4. Juni. Wilhelm Karl Marttn Orbig, Sergeant zu Butzbach, und Christina Walloth, Tochter des Monteurs Balthaser Walloth zu Gießen.
Getaufte.
Mat thäusgemeinde.
Den 8. Juni Dem Barbier Pauk Robert Hesse ein Sohn, Wilhelm, geboren den 20. März.
Denselben. Dem Werkführer Philipp Schreiner ein Sohn, Wilhelm Friedrich Ludwig, geboren den 13. April.
Denselben. Dem Viehhändler Johannes Born ein Sohn, Otto Karl Johannes Emil, geboren den 20. Februar.
Den 4. Juni. Dem Hilfsportier Adam Döring ein Sohn, Adam, geboren den 1. Mai.s
Denselben. Dem Taglöhner Ludwig Schmidt XII. ein Sohn, Heinrich, geboren den 9. April. Demselben eine Tochter, Johannette, geboren den 9. April.
Den 7. Juni. Dem Bierbrauereibesitzer Adolf Denninghoff eine Tochter, Edith Lina Wilhelmine, geboren den 24. April.
Markusgemeinde.
Den 3. Juni. Dem Vorarbeiter Friedrich Vieroth em Sohn, Friedrich Bruno Karl, geboren den 20. Mai.
Denselben. Dem Schreiner Karl Andreas Schreier eine Tochter, Martha Elise Margarethe, geboren den 1. April.
Denselben. Dem Taglöhner Ludwig Pfeifer ein Sohn, Konrad Heinrich Ludwig, geboren den 14. Mai.
Denselben. Dem Bergmann Daniel Müller eine Tochter, Katharine Marie, geboren den 26. April.
Denselben. Dem Kutscher Christoph Wetz ein Sohn, Friedrich, geboren den 15. April.
Denselben. Dem Hausdiener Jakob Rinderknecht ein Sohn, Friedrich, geboren den 22. April.
Denselben. Dem Schreiner Georg Veith ein Sohn, Hans Karl August, geboren den 29. März.
Denselben. Dem Wirt Franz Renk eine Tochter, Margarethe, geboren den 18. April.
Denselben. Dem Schloffer Karl Gerlach eine Tochter, Marie Lina, geboren den 11. Mai.
Den 4. Juni. Dem Lokomotivheizer Georg Leicht eine Tochter, Emilie Katharine, geboren den 5. Mai.
Denselben. Dem Kreisamtmann Hermann Frecherr Schenck zu Schweinsburg ein Sohn, Hermann Karl Maximilian Ferdinand Reinhold, geboren den 17. April.
Lukasgemeinde.
Den 3. Juni. Dem Bierbrauer Karl Zimmer eine Tochter, Frieda, geboren den 6. Mai.
Denselben. Ein unehelicher Sohn, Jakob Ludwig, geboren den 15. Mai.
Den 4. Juni. Dem Heizer Heinrich Schliffer ein Sohn, Wilhelm Friedrich, geboren den 31. März.
Johannesgemeinde.
Den 3. Juni Dem Schneider Karl Hofmann eine Tochter, Tilly Maria, geboren den 22. April.
Denselben. Dem Glaser Richard Müller eine Tochter, Auguste Gertrud, geboren den 16. April.
Denselben. Dem Tagiöhner Johann Georg Eimer eine Tochter, Hermine, geboren den 7. Aprll.
Denselben. Eine uneheliche Tochter, Else Margarethe, geboren den 27. Februar.
Beerdigte.
Matthäusgemeind e.
Den 2. Juni. Heinrich Engel, Büchsenmacher, ein Wittwer, 84 Jahre alt, starb den 2. Juni.
Denselben Friedrich Pausch, Lackierer, verheiratet, 83 Jahre alt, starb den 31. Mai.
Lukasgemeinde.
Den 7. Juni. Katharine Wenzel, geb. Schäfer, Wittwe des Steindruckereibesitzers Louis Wenzel, 70 Jahre alt, starb den 5. Juni.
Johannesgemei'.nde.
Den 8. Juni. Johannette Westrupp, ledige Tochter dts verstorbenen Ober Feldwebels Valentin Westrupp, 80 Jahre alt, starb den 6. Juni.
Kirchliche Nachrichten.
Katholische Gemeinde.
Mittwoch den 13. Juni.
„ um 41/« Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte.
Donnerstag den 14. Juni. ArohnletchuavrSfest.
Vormittags von 6*/e Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte.
„ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe; vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion.
, um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. Militärgottesdienst mit Predigt. .
„ um 9‘/i Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachmittags um 2», Uhr: Festandacht.
A . . aU (Hessen) zw. Darmstadt u. Heidelberg,
Hotel u. Pension „zur Krone*1, Sommerfrische. Pensionsprospekt u. Führ. grat. Bee.; G. Diefenbach.


