Ausgabe 
11.10.1900 Drittes Blatt
 
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Nr. 238

Drittes Blatt.

Donnerslaa den 11. October

150. Jahrgang

1900

General-Anzeiger

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weitblickenden Patrioten ersehnten, in vollendeter Weise. Pros. Schmitz hat für das deutsche Volksdenkmal eine eigenartige, klar und bestimmt wirkende, dem Beschauer leicht sich einprägende einfache Form gefunden. Von der über­wältigenden Größe des Baues kann man sich eine ungefähre Vorstellung machen, wenn man bedenkt, daß dasselbe daS Kyffhäuser-Denkmal an Rauminhalt um das Vierfache über­treffen wird.

Vom Stadtinnern aus wird eine 3 Kilometer lange, 40 Meter breite Prachtstraße nach dem Denkmale führen, vor dem sich ein Eichenhain ausbreitet.

Von unten aus umfassen das Denkmal mächtige, an der Vorderseite durch cyklopische Stützmauern abgefangene Erdschüttungen. Breite Terraffenlagerungen steigern die Massenwirkung bis zu größter Gewalt.

Die Erdanschüttung, die eine Höhe von 23 Metern erreicht, dient seitlich und hinten zur Anlage einer bis zur obersten Terrasse führenden Zufahrtsstraße. Nach vorn ergeben die Stützmauern eine Treppenentfaltung größten Stiles, deren Mittelwand ein in Stein gehauenes, 12 Meter, also haushohes, Kolossalrelief aufnimmt. Dasselbe stellt einen gewappneten Krieger dar, der das Wort versinnbild­lichen soll:DaS Volk stand auf wie ein Mann". Neber seinem Haupte steht in mächtigen Lettern die In­schrift:Gott mit uns!"

Die seitlichen Abhänge der Erdanschüttungen setzen sich nach vorn, zu beiden Seiten eines vor dem Denkmal ge­legenen Sees, als Erdwälle fort, deren breiter Rücken mit schattenspendenden Baumreihen besetzt ist; gegen den vertieft liegenden See fallen die Wälle amphitheatralisch in kleinen Terrassen ab; sie dienen bei festlichen Gelegenheiten zur paffenden Aufstellung einer großen Zahl Personen. Neber den 25 Meter hohen, mächtigen, die siegreiche Erhebung des Volkes darstellenden Unterbau des Denkmals wölbt sich die stimmungsvolle, gewaltige Befreiungshalle, die Ehrenhalle für Standbilder und sinnige Darstellungen aller Art. Sie erhebt sich bis zu 60 Meter Höhe und hat einen Durchmesser von 25 Meter. In ihr findet also eine Kirche gewöhnlicher Größe mitsammt dem Thurm bequem Platz. Die Halle wird nach vier Seiten von weitausgreifenden Bogenöffnungen durchbrochen, durch welche von außen die farbenprächtigen, goldschimmernden Mosaiken an den Innen­wänden der Freiheitshalle sichtbar werden. Die nach oben offene Kuppel der Halle wird in 30 Meter Höhe von einem Wandelgung umgeben, durch dessen Oeffnung der Beschauer in den lichtdurchfluteten Raum einer zweiten Kuppel schaut. Diese bildet einen von Säulen getragenen, zinnengekrönten, feierlichen Abschluß des Ganzen: unser Väter heißes Sehnen, Deutschlands Einheit und Reiches Herrlichkeit, versinnbildlichend. Auf Wendeltreppen und mittels Auf­zügen im Innern der zyklopisch geschichteten Quadern ge­langt der Besucher auf die in 60 und 80 Meter Höhe liegenden Außengänge, von denen sich eine bedeutende Rund- und Fernsicht weilenweit über das sich nach allen Seiten ausbreitende Schlachtfeld bietet, über welches in einer Höhe von 88 Metern über dem natürlichen Boden die goldene Zier eines gewaltigen Kreuzes dahinleuchtet.

Das gigantische Bauwerk wird in der That, das ganze Bild der Stadt machtvoll beherrschend, ein gewaltiges Mal des deutschen Volkes zur Erinnerung an das Erwachen seines nationalen Bewußtseins, an alle Diejenigen, welche dafür gekämpft, gelitten und geblutet haben, sein SiegeS- mal im Ringen nach nationaler Macht und Größe, Einheit und Freiheit des geliebten Vaterlandes, sein DankeS- zeichen gegen den Allmächtigen, der die Waffen der Väter segnete. Zu ihm werden dereinst Enkel und Urenkel wall­fahrten und in ihm sich prüfen, ob sie der Väter würdig sind!

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 10. Oktober 1900.

* Hessische Handwerkskammer. Wie wir bereits mit­teilten, hat die Regierung ihre Sympathie für das hessische Handwerk auch dadurch bewiesen, daß sie die Gesamt­kosten der Handwerkskammer auf die verschiedenen Kreise des Großherzogtums verteilt hat. Außerdem steht zu er­warten, daß ähnlich wie der Landwirtschaft, dem Handel und der Kunst auch dem Handwerk ein entsprechender Be­trag aus der Staatskasse noch überwiesen werden wird. Von besonderem Jntereffe ist sicher auch, daß aus Vorschlag des Regierungskommiffars der Kammer diese Verteilung der Kosten auf die einzelnen Kreise in einfachster und praktischster Weise nach der Seelenzahl der Bewohner vorgenommen

wurde, derart, daß auf den Kopf genau 1 Pfennig pro Jahr kommt. Jeder andere Modus der Verteilung oder gar die komplizierte Umlegung auf die einzelnen Handwerks­betriebe wäre bei der großen Ungleichheit derselben mit bedeutenden Verrechnungs- und ErhebungSkoften verbunden I gewesen, von den unzähligen Reklamationen und Scherereien^ oft wegen Pfennigbeträge, garnicht zu reden. Können die hessischen Handwerker für dieses Entgegenkommen (in Preußerr I werden die Handwerker direkt belastet) der Regierung nur dankbar sein, so wird auch andererseits die Bevölkerung des Hessenlandes gerne diese Steuer von 1 Pfennig pro Jahr auf sich nehmen, da hat sie doch ein großes Jntereffe an der Hebung des gesamten hessischen Handwerks. Nach der letzten Zählung von 1 039 020 Seelen erhält also die Kammer von den verschiedenen KreiSkassen 10 390,20 Mk. und zwar von den Stadt- und Landkreisen: Darm­stadt 1005,44 Mk., Bensheim 519,85 Mk., Dieburg 547,42 Mk., Erbach 465,19 Mk., Groß-Gerau 443,31 Mk., Heppenheim 449,12 Mk., Offenbach 1015,29 Mk., Gießen 773,86 Mk., Alsfeld 365,26 Mk., Büdingen 383,78 Mk., Friedberg 645,51 Mk., Lauterbach 282,59 Mk., Schotten 264,24 Mk., Mainz 1254,81 Mk., Alzey 394,14 Mk., Bingen 382,99 Mk., Oppenheim 455,77 Mk., Worms 741,63 Mk., zusammen 10390,20 Mk.

Darmstadt, 8. Oktober. In der jüngsten Zeit nahm die hiesige Polizei Veranlassung, verschiedentlich von der bei hiesigen Geschäftsleuten und Wirten zum Verkauf ge­langenden Himbeer-, Citronen- und Maiwein - Limonüe Proben zu erheben und dem chemischen Untersuchungsamt zur Untersuchung zu überweisen. Die desfallfigen Unter­suchungen haben ergeben, daß in den Limonaden keine Spur von Himbeer, Citronen und Maiwein vorhanden ist. Der angepriesene Stoff ist eine Zusammensetzung von Essenz, Zuckersaft, Bouquetstoff und kohlensaurem Wasser mit sog. Couleur, d. i. eine rote oder gelbe Anilinfarbe. Die dieser- halb zur Anzeige gebrachten Verkäufer wurden vom Ge­richt in Strafen bis zu 70 Mk. genommen. Die Jakob Leiser I. Ehefrau aus Erzhausen verkaufte in hiesiger Stadl sog. vorzügliche Erzhäuser Landbutter. Die hiesige Polizei erhob nun auch einmal eine Probe dieservorzüg­lichen Erzhäuser Landbutter" und überwies dieselbe dem chemischen Untersuchungsamt zur Untersuchung. DaS Re­sultat dieser Untersuchung konstatierte, daß die Butter mit zwei Drittel Margarine versetzt war. Frau Leiser wurde dieserhalb in der jüngsten Sitzung des Großh. Schöffen­gerichts Darmstadt I wegen Betrugs mit vier Wochen Ge­fängnis bestraft und in die Kosten verurteilt. (D. T. A.)

Wetzlar, 7. Oktober. Von der konservativen und nationalliberalen Partei des Kreises Wetzlar ist der Spar- kassen-Direktor Schlabach- Wetzlar als, gemeinsamer nationaler Kandidat für die kommende Landtagswahl auf­gestellt. Herr Schlabach hat den Nationalliberalen folgende Konzession gemacht: bei Wiedereinbringung der Kanal­vorlage für dieselbe zu stimmen; in der Schulgesetz­frage einem Gesetzentwurf nach Zedlitz'schem Muster nicht zuzustimmen. Das derzeitige Wahlkomitee der konservativen Partei des Kreises Wetzlar hat außerdem versichert, bei der nächsten Reichstagswahl mit seinem ganzen Einfluß für den nationalliberalen Kandidaten Herrn Krämer oder einen auf demselben Standpunkt stehenden Mann eintreten zu wollen.

Frankfurt a. M., 8. Oktober. Anläßlich der Grund­steinlegung des Reichs-Limes, Museums auf der Saalburg am 11. Oktober werden nachstehende Sonder­züge befördert: Frankfurt a. M. (H.-P.-B.) ab 8.52 Uhr vormittags, Homburg v. d. H. an 9.30 Uhr vormittags; Saalburg ab 5.14 Uhr nachmittags, Frankfurt a. M. an 6.37 Uhr.

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80 Pfg. Niederlagen durch Plakate kenntlich. 58

Die Geschicke des Völkerschlachtdenkmals, n.

An Vorschlägen, wie das Denkmal gestaltet werden sollte, fehlte es auch 1863 nicht. Die Festnummer der «Illustrierten Zeitung" veröffentlichte einen Entwurf von Prof. Schievelbein. Am Jahrestage der Gedenkfeier legte dieselbe Zeitung aus der Hand eines unbekannt ge­bliebenen Münchener Künstlers einen zweiten Entwurf vor, der neben dem Weinbrenner'schen aus dem Jahre 1813 wohl mit der bedeutendste unter den älteren Plänen ist.

Der Wunsch, daß über der Ausführung des Denkmals in dieser oder jener Gestalt ein fteundlicherer Stern walten möge als bisher, sollte sich vorläufig nicht erfüllen. Die Ereignisse von 1864, 1866, 1870/71 drängten alle der­artigen Pläne ohne weiteres in den Hintergrund.

Schlichte, bescheidene Denksteine, die der Verein zur Feier des 19. Oktober errichtete, und eine größere Anzahl Marksteine, die der Leipziger Dichter Dr. Theodor Apel in dankenswerter Weise zur Bezeichnung der Stellung der verschiedenen HeereSteile aufrichten ließ, tvaren' das ein­zige Resultat so großer und mannichfaltiger Ansätze und Vorsätze.

Am 75. Jahrestage der Völkerschlacht im Jahre 1888 erst versammelten sich in Leipzig wiederum Ver­treter deutscher Städte, um der großen Tage zu gedenken. Man gedachte auch ernstlich der Ehrenpflicht, welche die Städte und Gemeinden 1863 übernommen hatten, und es trat wieder einKomitee zur Errichtung eines Denkmals der Leipziger Völkerschlacht" ins Leben. Ein Aufruf an das deutsche Volk und ein neues Projekt aus der Hand der Leipziger Architekten Ludwig und Hülßner regten auch thatsächlich zu neuen Sammlungen an. Aber nur etwa 19,000 Mk. konnten zusammengebracht werden, und dann ruhte die Angelegenheit wieder vollständig.

Da nahm sich ihrer der am 26. April 1894 in Leipzig gegründete Deutsche Patriotenbund zur Errichtung eines Völkerschlacht - National - Denkmals bei Leipzig endgiltig mit Eifer und Erfolg an. Eine der wichtigsten Ausgaben des Bundes war, das künftige Denk­mal im Bilde erstehen zu lassen.

Im Herbste 1895 wurde zunächst ein Jdeen-Wett- bewerb ausgeschrieben, welcher berusen war, eine Klärung der Ansichten über die äußere Form des Denkmals herbei­zuführen. Sieger in diesem Wettbewerb waren die Archi­tekten Karl Doflein in Berlin, Bernhard Schaede in Char- lottenburg, Ludwig Engel und E. Wenk in Berlin.

Durch diese Vorarbeiten hatte man klar erkannt, daß Arndt's Vorschlag auch heute noch der beachtenswerteste ist, d. h. daß nur ein mächtig in die Höhe strebendes Monu­ment, ein Obelisk, eine Pyramide oder ein Turm, den Charakter eines Völkerschlacht-National-Denkmals treffen könnte. Diese Erfahrung war für das im Herbst 1896 erlassene Hauptpreisausschreiben maßgebend, für welches vom Rat der Stadt Leipzig eigens 20000 Mk. be­willigt wurden. Die Beteiligung der deutschen Künstlerschaft an diesem Wettbewerb war eine überaus erfreuliche. 72 meist künstlerisch ausgeführte Entwürfe unterstanden dem Urteilsspruch des Preisrichterkollegiums.

^..preisgekrönt wurden die Entwürfe der Architekten Wllhelm Kreis-Charlottenburg, Otto Rieth-Berlin, Ipaety u. Usbeck-Berlin, Prof. Bruno Schmitz- Charlottenburg und Arnold Hartmann-Berlin.

Trotz Herrscher Beweise echt künstlerischen Könnens und trotz der Fülle monumentaler Ideen, welche in den meisten der emgelieferten Arbeiten entwickelt waren, konnte doch keiner der Pläne zur Ausführung empfohlen werden, weil in ihnen der Gedanke eines Völkerschlacht- Nation al-Denkmals nicht in eigenartiger Wirkung ge­nügend zur Wirkung gebracht worden war. Es wurde nun mit der Bearbeitung des endgiltigen Entwurfes der geniale Schöpfer des Kyffhäuser^Denkmals, Prof. Bruno Schmitz in Charlottenburg, betraut. Am 25. Juni 1897 bereits überreichte Pros. Schmitz den von ihm neuausgearbeiteten Entwurf.

Derselbe war im Jahr 1898 aus der Internationalen Kunst-Ausstellung zu Berlin ausgestellt, wo er allgemeine Bewunderung erregte und mit der großen Goldenen Medaille ausgezeichnet wurde, die der Kaiser zu verleihen hat.

Nach dem übereinstimmenden Urteil auch der Fach- und Tagespresse ist der neue Entwurf von Prof. Schmitz als der endgiltige zu betrachten. Er trifft den Charakter des Denkmals der Befreiung und der nationalen Wiedergeburt Deutschlands, wie es Arndt und Weinbrenner und alle

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