— Wie die „Berl. N. N." von zuverlässiger Seite hören, -Haven die Beschlüsse der Reichstags-Kommission für das Fleischbeschau-Gesetz, soweit sie sich auf das Verbot Der Fleisch-Einfuhr beziehen, keine Aussicht auf Zustimmung des Bundesrats.
— l Der „Lokal-Anzeiger" schreibt: In Bestätigung unserer bisherigen Nachricht können wir mitteilen, daß der Reichskanzler Fürst Hohenlohe eine bestimmte ablehnende Haltung einnimmt gegen diejenigen Kommissionsbeschlüsse zum Fleischbeschaugesetz, die das landwirtschaftliche Interesse zu einseitig wahrnehmen, und daß es ihm gelungen ist, für diese seine Auffassung die Zustimmung des Kaisers zu gewinnen. Damit erledigen sich die umlaufenden Gerüchte von Demissionsabsichten des Reichskanzlers.
F r a n k f u r t a. M., 9. März. Die „Frkf. Ztg." meldet aus Konstantinopel: Der französische Dampfer „Pejo" wurde von einer Batterie der Dardanellen stark beschossen, weil derselbe kurz nach Sonnenuntergang die Meerenge passieren wollte. Der Dampfer mußte sich infolgedessen aus den Dardanellen zurückziehen.
— Deutsch - Südwestafrika. Nach einem von der „Deutschen Kolonial Zeitung" veröffentlichten Aussatz war die Spitze der Eisenbahn von Swakopmund nach Windhjoek im Dezember v. IS. bis etwa 150 Km. vorgeschritten, und wird sie voraussichtlich bis zum Frühjahre Karibik (180 Km.) erreichen. Es bleiben alsdann noch ungefähr 200 Km. bis Windhoek zu bauen.
— Ein!deutscher Kabelverein! Aus Kreisen der Dresdner Großkaufmannschaft wird uns geschrieben: Erst seitdem England in seinem jetzigen Kriege mit den Burenstaaten die Allmacht seines Kabelmonopols zum Schrecken aller zivilisierten Staaten in der unseren „Vettern" von jenseits des Kanals eigentümlichen rigorosen Weise ausnutzt, wird uns Deutschen so recht klar, was uns fehlt, daß wir nicht eigene Kabel besitzen. Heute durchziehen die Meere ca. 1460 Seekabel mit rund 320 000 Kilometer Gesamtlänge, von denen 240 000 von England beherrscht werden. Wenn auch die einzelnen Kabellinien meist nicht im staatlichen Besitze sind, sondern etwa 30 Aktiengesellschaften gehören, so sind davon fünf Sechstel englische, und England wagt noch immer, allen anderen europäischen Staaten die Stirne bietend, die Welt tagelang darüber im unklaren zu lassen, was denn eigentlich auf dem Kriegsschauplätze passiert, welches die Geschicke so und so vieler Tausender tapferer Männer, Buren wie Engländer, sind. Ja sogar der telegraphische Verkehr zwischen unseren bedeutendsten Kolonieen in Deutsch-Ostafrika und dem deutschen Mutterlande ist in Frage gestellt, denn wie der Staatssekretär v. Podbielski am 26. Oktober v. I. bekannt gab, werden alle Depeschen von und nach Deutsch-Ostafrika in Aden einer strengen Zensur unterworfen, und er rät ausdrücklich, alle Telegramme in englischer Sprache abzufassen. Viele Monate währt nun schon die für Deutschland schimpfliche Sperre. Längst hat man im Berliner Kolonial- Amte die Lücke erkannt, bereits am 9. November v. I. ist der erste deutsche Kabeldampfer vom Stapel gelaufen, und in vielleicht nicht allzu ferner Zeit werden unsere Kolonien eigene Kabel mit dem Mutterlande verbinden. Hierzu werden zwar Hunderte von Millionen Mark nötig sein, und die Reichsboten werden noch manche schwere Stunde haben, denn neben der Kabelfrage läuft ja die noch viel kostspieligere Flottenfrage. Aber hier kann das deutsche Volk selbst viel zur Lösung beitragen. So notwendig eine starke deutsche Flotte ist, so bleibt sie zunächst doch noch ein totes Kapital, dessen ideelle Wirkung fürs erste nur der Schutz des Deutschtums, die Achtung vor den deutschen Farben im Auslande ist. Ganz anders das in Kabeln festgelegte Kapital! Es dient dem Volke und seinen Interessen praktisch vom ersten Augenblicke an, es ist ein lebendiges, die Einnahmen des Reiches vermehrendes Kapital. Kein Opfer soll uns Deutschen zu groß sein, dem Kaiser eine starke Flotte zu bauen; denn die Früchte werden sich bald zeigen, und lieber in der Zeit Steuern bezahlt, als in der Not — Kriegskontributionen! Aber nebenher sollten wir uns der Kabelfrage aus eigener Initiative annehmen. Und zur immer weiteren Verbreitung des Verständnisses für die Bedeutung eigener deutscher <Äekabel sorge ein deutscher Kabelverein!
Karlsruhe, 9. März. Der Karlsruher Künstler- bund beschloß, eine Zustimmungskundgebung an den Professor Eberlein-Berlin für seine energische Initiative in der Berliner Protest-Versammlung gegen die lex Heinze zu senden.
Ausland.
Wien, 9. März. Das Abgeordnetenhaus wählte den Jungtschechen Dr. Czezek mit 168 gegen 56 Stimmen zum zweiten Vizepräsidenten. Der größte Teil der Linken sowie die Sozialdemokraten hatten sich der Wahl enthalten.
Wien, 9. März. Heute vormittag fand ein Ministerrat statt, in welchem angeblich sehr wichtige Beschlüffe für den Fall gefaßt worden seien, daß sich der Reichsrat nicht weiter arbeitsfähig zeigen sollte. In Jungtschechenkreisen verlautet gerüchtweise, es sei eine Militär-Diktatur geplant.
Wien, 9. März. Die Regierung hat, wie im Abgeordnetenhause verlautet, die Absicht aufgegeben, die Wahl der Delegationen noch im Monat März vorzunehmen.
Wien, 9. März. Der Wiener Gemeinderat beschloß in seiner heutigen Sitzung, eine Sympathie-Kundgebung für den Pariser Gemeinderat anläßlich der Brand-Katastrophe ^bzusenden.
Wien, 9. März. Im liberalen Klub wurde das Verhalten des Abgeordneten Ugron gegenüber dem Baron Banffy aufs schärfste verurteilt, und Ugron für politisch unmöglich erklärt.
Wien, 9. März. Der Jungtschechen-Klub beschloß, die Obstruktion auch auf die Investitions-Vorlage bezüglich des Triester Hafenbaues auszudehnen und gegen das Rekruten- gesetz nur einfache Opposition zu machen.
Graz, 9. März. Die hiesigen Fleischergehilfen fordern höhere Löhne. Falls ihre Forderungen nicht bewilligt werden, beabsichtigen die Gehilfen in den Ausstand zu treten.
Lemberg, 9. März. Gestern sanden hier Demonstrationen
seitens der Studentenschaft statt. Dieselben richteten sich gegen die Wahl des Ministers Pientak zum Landtags-Abgeordneten. Erst nachdem Militär eingeschritten war, gelang es, die Manifestanten zu zerstreuen.
Schwurgericht.
W. Gießen, 9. März 1900.
Heute wurde in die Verhandlung gegen den Gastwirt Karl Aug. Bayer von Alsfeld wegen betrügerischen Bankerotis eingetreten. Die Anklage vertritt Gerichtsaffessor Reuß. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Katz. ES find im ganzen 27 Zeugen erschienen.
Der Angeklagte ist nicht vorbestraft; er ist am 6. April 1864 zu Trier geboren und verheiratet, und erklärt, er sei nicht schuldig. Bayer erzählt, wie er im Hotel Großmann zu Frankfurt a. M. Büffelkellner gewesen und sich dort etwa 2000 Mk. gespart habe. Er wollte sich gern selbständig machen und habe in dem kleinen Hünhau eine Wirt, schäft mit Bierverlag übernommen. Das Geschäft sei aber zu klein gewesen, und so habe ihn Emil Wießler, Agent in Hünhau, veranlaßt, daS „Deutsche HauS" von Karl Malk- mus in Alsfeld käuflich zu übernehmen. Als Preis wurden 138000 Mk. festgesetzt bei 30000Mk. Anzahlung. 25000Mk. zu dieser Anzahlung gab die Riedeselsche Brauerei Lauterbach gegen Hypotheken Eintrag, 5000 Mk. gab der Weingutsbesitzer Andreas Schlereth in Neustadt a. d. Hardt gegen Wechsel. Der Cigarrenhändler Heinrich Kempel lieh ebenfalls gegen Wechsel 3000 Mk., womit das Betriebskapital beschafft war. Bayer bezahlte aus eigenen Mitteln nur den Kaufstempel. Der Angeklagte erklärt, Wießler habe ihm mitgeteilt, daß MalkmuS pro Jahr im „Deutschen Haus" 800 Hektoliter Bier und mindestens 50 Hektoliter Wein ausschänke, ohne die Cigarren und den Schnaps. Dies sei aber nicht wahr gewesen. Als er das „Deutsche Haus" übernommen, sei es schon zurückgekommen gewesen, doch habe er im ersten Jahre ein leidliches Geschäft gemacht. Bayer hat das „Deutsche Haus" im November 1897 übernommen. Das Geschäft ging dann aber immer mehr zurück, dazu kamen eheliche Zerwürfnisse, und Bayer sah bald ein, daß er die Sache auch nicht lange mehr halten könne. Er verhandelte mit Malkmus wegen Verkauf des „Deutschen Hauses", und dieser versprach, sich dafür zu interessieren und erklärte dem Bayer, es sei ihm ein leichtes, das HauS unterzubringen.
Im Juli 1899 verschwand Bayer von Alsfeld, er war ins Ausland gegangen und nahm den vorhandenen Barvorrat von 1600 Mk. mit. Es brach dann die Katastrophe herein. Der Zigarrenhändler Kempel von Frankfurt erschien, leerte daS ganze Haus aus und brachte die zum Eigentum ihm verschriebenen Möbel des Bayer so wie die vorhandenen Weinvorräte nach Frankfurt a. M. Die Alsfelder Geschäftsleute suchten sich ebenfalls an dem, was da war zu decken und schließlich kam es zum Konkurs, bei dem die unbevorzugten Passiven ca. 12000 Mk. betragen, wogegen Masse so gut wie gar nicht vorhanden ist. Der als Zeuge vernommene Hotelbesitzer Großmann gibt dem Angeklagten daS Zeugnis eines soliden, ordentlichen und sparsamen Menschen, den er ungern in seinem Geschäft vermißt habe. — Der ehemalige Buchhalter der v. Riedesel'schen Brauerei in Alsfeld, Neumeyer erklärt, daß es s. Zt. geheißen, daß Bayer 5000 Mark erspartes Geld mit zur Anzahlung anwende und daß dies bestimmend war, demselben die 25000 Mk. gegen Hypothek zu leihen. Die Hypothekenzinsen seien stets prompt bezahlt worden. Zu Anfang sei auch das gelieferte Bier bezahlt worden. Später sei dies aber nicht mehr geschehen, sodaß die Brauerei mit 3000 Mk. allein für Bier hängen geblieben ist. Im ganzen seien dem Bayer 800 Hektoliter ä 16 Mk. geliefert, wobei derselbe mindestens 8000 Mk. verdient haben müsse. Der als Zeuge vernommene Konkursverwalter Brieg von Alsfeld erklärt, daß die Maffe soweit ausgeplündert, daß noch nicht soviel vorhanden ist, um einen Prozeß zu führen. Das Deutsche Haus sei mit 138,000 Mk. viel zu teuer bezahlt, die Ortsgerichtliche Taxe bewerte dasselbe mit 80000 Mk. Die Zeugin Charlotte Albert von Frankfurt war bei Bayer im Büffet thätig, sie kann nur sagen, daß das Geschäft in der letzten Zeit sehr schlecht gegangen ist. Die Tageseinnahmen schwankten zwischen 18—40 Mk. Der Zeuge Karl Malkmus erklärt, daß er dem Bayer von dem Kaufpreis von 138000 Mk. später 12000 Mk. abgelassen habe. Er habe daS „Deutsche Haus" nach dem Zusammenbruch der Wirtschaft Bayer für 86000 Mk. zurückgekauft. Malkmus erklärt, daß er seine Gastwirtschaft wegen Krankheit in seiner Familie verkauft hat, und als Preis dafür 130000 Mk. gefordert hat, aber auch einige tausend Mark weniger genommen hätte.
Der Zeuge Rötter, Kontrolleur der Volksbank in Alsfeld, deponiert, daß man allgemein der Ansicht in Alsfeld war, daß Bayer im „Deutschen HauS" nicht zurechtkommen könne, weil er es zu teuer gekauft habe.
Der Weingutsbesitzer Schlereth, Neustadt a. d. Hdt., erklärt, er habe bei dem Geschäft im ganzen 4800 Mk. verloren.
Der Zeuge Woldemar Steuernagel von Alsfeld verweigert darüber, ob er mit der Ehefrau des Angeklagten ehebrecherischen Verkehr gepflogen, das Zeugnis.
Eine ganze Reihe Zeugen aus Alsfeld, Geschäftsleute von dort, erklären, Bayer habe ihnen immer pünktlich ihr Geld gegeben. Sie haben alle die Ansicht, Bayer habe nicht bestehen können, weil die Wirtschaft zu teuer gekauft gewesen sei. Es sei zu viel Konkurrenz in Alsfeld unter den Wirtschaften.
Der Zeuge Zigarrenhändler Kempel aus Frankfurt am Main ist der Ansicht, er sei bei dem Handel schmählich reingefallen, denn er bleibe mit 15—1600 Mk. hängen, die er aber zur Masse nicht angemeldet habe. Kempel erklärt, er sei der Ansicht, daß Bayer kein unehrlicher Mensch sei,
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dessen Geschäft sei nicht gegangen, und da sei er auf und davon gegangen.
Der Zeuge Emil Wießler von Hünhau erklärt, er sei nicht Agent, sondern Holzhändler und Gastwirt. Wießler gesteht zu, bei dem ganzen Handel 4500 Mk. Provision verdient zu haben.
Die den Geschworenen vorgelegten Fragen lauten auf betrügerischen Bankerott aus § 209 der K.-O. Sind mildernde Umstände vorhanden?
Der Vertreter der Staatsbehörde, Gerichtsassessor Reuß, plaidiert für schuldig im Sinne der Anklage, tritt aber auch für Bejahung der mildernden Umstände ein.
Rechtsanwalt Katz plaidiert mit Wärme für seinen Klienten, in dem doch niemand einen Menschen erblickt, der seine Gläubiger betrügen wollte. Bayer sei ein bemitleidenswerter Mensch, aber kein Betrüger. Es fehle an dem Nachweis, daß der Angeklagte die Absicht hatte, seine Gläubiger zu benachteiligen, und darum müsse derselbe freigesprochen werden.
Der Wahrspruch der Geschworenen lautete auf Verneinung der Schuldfrage, infolgedeffen wurde Bayer auch vom Gerichtshöfe freigesprochen und aus der Haft entlassen.
Lokales uni) Krsviiyieües.
(Rmmyme Einsendungen, gleichviel welche« Inhalte-, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)
Gießen, den 10. März 1900.
** Stadttheater. Morgen, Sonntag abend gelangt die alte bekannte Posse „Robert und Bertram" oder „Die lustigen Vagabunden" zur Aufführung. Außer „Lumpacivagabundus" ist wohl keine andere Posse so populär geworden, und seit Jahrzehnten finden die lustigen Streiche der beiden Vagabunden ausverkaufte Häuser, und ein dank- bares Publikum. Auch morgen dürfte der Andrang ein sehr starker werden, und empfiehlt es sich, bei Zeiten Billetts zu besorgen. Der Vorverkauf bei Herrn Challier dauert bis 3 Uhr nachmittags; von 4 bis 6 Uhr werden auch Billetts im Theaterbureau abgegeben; die Abendkasse wird 71/2 Uhr geöffnet. Die beiden lustigen Vagabunden werden unseren beiden trefflichen Komikern, Direktor Helm und Wilhelm Wilhelmi, Gelegenheit geben, ihrer Komik vollauf die Zügel schießen zu lassen. Die Begleitung der KoupletS und sonstigen Gesänge erfolgt durch unsere Regi- mentskapelle.
** Theater Wallenda. Das hier seit Jahren gut ein* geführte Theater Wallenda gibt auf Oswalds Garten einige Vorstellungen. Die Eröffnungsvorstellung findet bereits heute (Samstag) abend statt. Für morgen (Sonntag) sind zwei Vorstellungen (nachmittags und abends) vorgesehen. Das reiche Programm enthält manche Neuheit. (Siehe Inserat).
Bleidenrod, 7. März. Das Bezirkskriegerfest des Bezirks Homberg a. O., verbunden mit 25jährigem Stiftungsfest des Kriegervereins Bleidenrod, soll am 15. und 16. Juli d. I. in Bleidenrod abgehalten werden.
Groß-Felda, 9. März. Nachdem in unserer Gemeinde vor kurzem das Ehepaar Völzing die diamantene Hochzeit gefeiert hat, ist diese Feier nun einem zweiten hiesigen Ehepaare, dem Landwirt Heinrich Graulich und deffen Ehefrau Elisabeth, geb. Schmiermund, zu Teil geworden. Ersterer hilft, trotz seiner 87 Jahre, dem jungen Geschlechte noch tapfer bei der Arbeit, und auch seine Gattin, die im 78. Lebensjahre steht, erfreut sich einer noch verhältnismäßig guten Gesundheit. — Eine besondere Weihe erhielt der Tag dadurch, daß Se. König!. Hoheit der Großherzog dem Jubelpaare ein huldvolles Glückwunsch-Schreiben nebst seinem Bildnisse mit eigenhändiger Unterschrift übersenden ließ. — Möge den wackeren Alten, die im Kreise ihrer Kinder, Enkel und Urenkel, mit Dank gegen Gott, ihren Jubeltag begingen, noch ein langer friedlicher Lebensabend beschert sein.
A Mainz, 9. März. Laut Mitteilung der „D. Wein- Ztg.", begegnet die Absicht der Reichsregierung, durch eine abändernde Bestimmung des 1892er Weingesetzes die gewerbsmäßige Herstellung der sogenannten Halbweine z» verbieten, mancherlei Schwierigkeiten. Namentlich trugen der Geschäftsgang im Reichstage, als auch die weitergehenden Forderungen gewisser Jntereffentenkreise dazu bei. In dem Punkte des Verbotes der gewerbmäßigen Herstellung von Rosinen- Hefen- und Tresterweinen seien aber alle Fachgenossen einig, weshalb Regierung und Reichstag nicht an- stehen würden, diesem Wunsche nachzukommen. — Vor dem hiesigen Schwurgericht begann heute die Verhandlung gegen den Gerichtsschreiber Page, der beschuldigt ist, in seiner Eigenschaft als Gerichtsschreiber bei dem Amtsgerichte in Alzey in ca. 50 Fällen aus Rechtssachen herrührende Kostengelder unterschlagen zu haben. Laut der Anklage find durch die betrügerische Handlungsweise Page'S, dem noch ein ebenso unredlicher Hilfsgerichtsschreiber zur Seite ’tanb, bei der Gerichtsschreiberei Alzey die verworrensten Zustände eingerissen. Die Kostenregister waren vollständig vernachkäsfigt, die Berechnung der Kosten und deren Er- jebung wurde ganz nach dem Belieben der ungetreuen Beamten vorgenommen und überhaupt in der unverantwortlichsten, leichtsinnigsten Weise gewirtschaftet. Ganze Aktenstöße hat man verschwinden lassen und nach Einleitung der Untersuchung fand man in verborgenen Winkeln ganze Bündel Akten, die man in die Kontrollregister eingetragen und daher unvermißt beseitigen konnte. Der Angeschuldigte Page, der 57 Jahre alt ist und aus Rheindürkheim stammt, galt lange als ein vorzüglicher Beamte. Für die Verhandlungen, zu denen zahlreiche Zeugen geladen sind, sind mehrere Tage vorgesehen.
Alzey, 9. März. Wie dem „Berl. Tagebl." geschrieben wird, sprach dieser Tage der Führer der hessischen Zentrumspartei, Reichs- und Landtagsabgeordneter Dr. Sch mitt -
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