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10.5.1900 Erstes Blatt
 
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Donnerstag den 10 Mai

2584

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Amts- und Anzeigeblatt für den Aveis Gieren

58.

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Kchukstratze Nr. 7.

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Meßmer Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Politische Tagesschau.

Der badische Landtag hat den Freunden der I Schulreform eine unangenehme Ueberraschung bereitet. I c?n der Ersten Kammer ist die Petition akademisch gebildeter I Lehrer auf erweiterte Berechtigung der Oberreal- I schulen sehr kühl behandelt worden, obwohl sie nur be- I »weckte, die Oberrealschüler zu den Staatsprüfungen I in den technischen Fächern zuzulaffen, obwohl ferner die Kommissionsmehrheit für die Forderung emtrat, und obwohl auch Kultusminister Nokk dem Fortschritt I das Wort redete. Er sagte u. a.:

.Unsere Künstler, von denen wenige das Gymnasium besucht I hoben, werden für voll angesehen, wenn sie in der Kunst Hervor­ragendes leisten. Und dann sehen wir auf unsere S-bildetm Frauem 6s wird doch niemand geben, der sagen will, daß nur d" Frauen die gebildeten seien, die ein Mädchengymnasium besucht haben. Wir müssen darauf sehen, daß für das spätere Leben die richtige düng erworben wi-rd, gleichviel welche Vorbildung zemand erhalten hat. Es ist erne bekannte Thatsache, daß ganz bedeutende Gelehrte eine mittelmäßige I Stellung an den Gymnasien eingenommen haben. Wir wollen keinerlei Zwang ausüben, sondern jeden die Vorbildung genießen /assen, die seinen Anlagen und Bedürfnissen entspricht.

Angesichts so freier Ansichten des RessortsministerS vernimmt man, wie dieFrkf. Ztg." sehr richtig bemerkt, mit einigem Staunen, daß ein Regierungskommlssar nn Namen der übrigen drei Minister, Eisenlohr, Brauer und Buchenberger, sich gegen die Erweiterung äußerte, und daß sogar der Vertreter der technischen Hochschule sich auf den angreifbaren Standpunkt zurückzog, man könne nicht em- seitiq ein Fach den Oberrealschulen anschließen. Wenn das am grünen Holz geschieht, ist es am Ende begreiflich, daß die Erste Kammer den Antrag auf empfehlende Ver­weisung ablehnte und die Eingabe der Regierung nurzur Kenntnisnahme" überwies. Auf deutsch: Paprerkorb! Gerade in diesem Punkte hätte ein wohlwollender Beschluß dem Gefühl weiter Kreise entsprochen, weil hier die Forderung der Schulreform mit der Volksforderung üoer- einstimmt, daß die höheren Berwaltungsämter nicht eine ausschließliche Juristendomäne bleiben, sondern auch den Technikern erschloffen werden sollen.

nützlichen Zwecke gedient durch den Versuch, jedem Marsche den Anschein eines glänzenden Fortschrittes oder eines großen strategischen Triumphes zu geben. IDer Vormarsch müßte vielmehr als eine Reihe gut ausgefuhrter Beweg­ungen betrachtet werden, in denen der Glanz der Raschheit notgedrungen praktischen Zielen, die noch nicht vollständig enthüllt sind, untergeordnet seien. Alles deute auf eine starke Ansammlung der Buren in Kroonstad, aber es sei abzuwarten, ob diese zu kräftigem Widerstand entschlossen sein werden. Wird ein solcher nicht beabsichtigt, so könnte Lord Roberts vor der Mitte des Sommers vor den Thoren von Pretoria stehen. - Das bleibt nach wie vor mit Ruhe

iRt. 10« Erstes Blatt.

heim aber stieg gestern früh bereits wieder in Potsdam in den Sattel, um den praktischen Unterricht im Gelände nicht zu versäumen. Bekanntlich steht der Kronprinz un­mittelbar vor dem Osjizierexamen, das er noch m Saufe des Mai ablegt, und tritt unmittelbar nachher den Front­dienst im 1. Garde-Regiment an. . , .

Prinz und Prinzessin Heinrich sind nach! einer Meldung aus Cronberg heute vormittag mit dem Herzog von York aus Schloß Friedrichshof zum Besuch der Kaiserin^Ntiedrich^rnngetroffen, Baden machte den.

Reichskanzler Fürsten Hohenlohe heute vormittag einen langeren^Besuch ^^burg berichtet wird, soll der kom­mandierende General des 15. Armeecorps, Frhr. v. Meer s^eidt-Äüllesem, sein Abschiedsgesuch emgereicht haben Er führt dieses Kommando seit dem 24. Mai vorigen Jahres als Nachfolger des verstorbenen Generals von

Gratisbeilagen: Gießener Zamilienblatter, Der hessische Landwirt, Matter für hessische Volkskunde.____________

ahäuwrtem . Standard" schreibt: Ein Korrespondent teilt mit, daß man offiziell die Nachricht erhalten hat von I einem Komplott, Roberts zu ermorden vordem Roberts gewarnt ist. Zwischen den Behörden am Kap, I Roberts und dewBehörden iss London werden darüber Tele- I gramme gewechselt. Im Londoner ^eg§nllm^ter^utn ift von einem Komplott, Roberts zu ermorden, nichts bekannt.

Einer Meldung derCentral News aus Kapstadt zu- I folge hat man aus Pretoria die Nachricht erhalten, daß I Kommandant Prinsloo wegen Verrates zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden ist.

* * *

Telegramme deS Gießener Anzeigers.

London, 9. Mai. Lord Roberts telegraphierte aus S m a l d e e l: Die Eisenbahn zwischen Brandfort und | hier ist schwer beschädigt. Die Brücke über den Wetfluß ist | gänzlich zerstört, sodaß die Herbeischaffung von-Vorräten, erheblich erschwert und verzögert wird. -verManchester Guardian" meldet aus Smaldeel: General Hamiltons Ka­vallerie machte am Freitag auf offenem Gelände: eine Attacke auf das deutsche Corps der Buren-Armee I und brachte ihm solche Verluste bei, daß es für den rechten Flügel praktisch vernichtet ist.

London, 9. Mai. Lord Roberts berichtet aus, Smaldeel vom 8. Mai 8 Uhr vormittags: Die Infan­terie des Generals Hutton führte eine Rekognoszierung bis zum Z a n d f lus s e aus, wo er den Feind in gr o ßer Stärke vorfand. Eine Kavalleriebrigade sowie die I Truppe des Generals Hamilton führten ebenfalls eine Re- I kognoszierung aus. General Hunter hat Fourteen- I st re am besetzt, dank der Vorkehrungen, die General I Paget getroffen hat, indem dieser den Feind aus seiner I starken Stellung gänzlich vertrieb.

I London, 9. Mai.Daily Mail" meldet aus Kap- I stadt- General Buller wird sich innerhalb wer Tagen! I in Bewegung setzen. Seine Vorkehrungen zu einem all­gemeinen Vordringen sind beendet

London, 9. Mai. Oberst Baden-Powell be- I richtet in einem Telegramm aus Masekuig vom -5. April, I der Feind habe den Versuch gemacht, den südlichen Teil der Stadt anzugreifen. Die Buren seien mit großer ! Vorsicht vorgedrungen. Die Satzung habe die I Buren nahe herankommen lassen und ihr Feuer nicht er- I widert. Die Buren zogen sich indes wieder zuruck, da sie I eine Falle vermuteten.

Budapests. Mai. In Süd-Ungarn sind neuer- I dinas tausend Pferde für Süd-Afrika ange- I kauft worden, welche in den nächsten Tagen von Fiume mit dem Dampfer Sussex an ihren Bestimmungsort ttcrns- I portiert werden. .

feiS dieser Depesche ergiebt sich nur, daß die Buren thatsächlich die Linie Thabanchu-Ladybrand a u f g e g e b e n haben, sondern auch, daß Rundle^die Fühlung mit ihnen vollständig verloren hat. xeim es heißt ausdrück­lich daß alles ruhig und vom Feinde nichts zu sehen ist. Sin Lob ist das allerdings für den Feldherrn nicht; lerne erste Aufgabe muß es sein, Fühlung mit dem Femdeju kalten Geht sie verloren, so tappt er beständig im Dunkel unb muß stets auf Uebeiwaschungen gefaßt sein.

Das Reutersche Büreau meldet vom 28. April aus M a f e k i n g' Die Buren begannen am 25. April em starkes Bombardement, das dazu bestimmt ist erneu Sturm auf die Verteidigungswerke der Stadt zu decken. Die Lffi- ziere der Buren versuchten vergebens, die Mannschaften ^lt sich sortzureisen. Diese weigerten sich unserem Feuer staudzubalten. Seitdem haben die Buren ossenbar ihre Geschütze bis auf zwei Fünfpfünder fortgeschafst. -tte Typhusepidemie nimmt ass Gestern wurde zum ersten Male Wurst aus Pferdefleisch bertei t

In einem Artikel über die Ersolge d e s R o berts- schen Vorstoßes sagt dieTimes", es werde keinem

Bezugspreis vierteljährl. Mk. 2LS monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestelleu vierteljährl. Mk. 1,96 monatlich 65 Piz-

Bet Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld.

Deutsches Reich-

Berlin, 8. Mai. Das K a i s e r p a a r ist, wie man aus Kürzel telegraphiert, mit den jüngsten Kaiserlichen Kindern heute dort eingetroffen und vom kommandierenden General Grafen Häseler, sssem Bezirkspräsidenten, Frei­herrn von Hammerstein, dem Bürgermeister und der evan­gelischen und katholischen Ortsgeistlichkeit empfangen wor­den. Am Bahnhof hatten der Kriegerverein, die Feuerwehr, Schulkinder und eine große Volksmenge Ausstellung ge­nommen, welche die hohen Herrschaften durch lebhafte Zu­rufe begrüßten. Nach einer Viertelstunde erfolgte unter strömendem Regen die Weiterfahrt nach Ur Ville.

k- Zu den weiteren Jagddispositionen des Kaisers wird gemeldet, daß der Monarch im letzten Drittel dieses Monats, wie alljährlich, auf Einladung des Fürsten zu Dohna einen Jagdausflug nach Prökelwitz in Ostpreußen unternehmen wird. Ten im Anschluß hieran geplanten Besuch seiner Besitzung Cadinen hat der Kaiser jedoch aufgegeben. _

Der Kaiser erhielt zum Tage der Großjährigkeit des Kronprinzen auch Glückwunschtelegramme vom Groß­fürsten Wladimir von Rußland und von der Königin- Mutter Maria von Portugal.

Für unseren Kronprinzen und seine Bruder trat bereits am Morgen nach den Festtagen der Dienst wieder in seine Rechte. Die jüngeren Prinzen reisten noch in der Nacht nach Plön zurück. Kronprinz Friedrich Wil-

Der Krieg in Südafrika.

llpher den Rückzug der Buren von Brandsort nach Smaldeel ist auf dem Wege über Lourenzo Ätar- ques-Vigo-Emden ein Kabeltelegramm eingegangen, aus bem sich ergiebt, daß dort doch lebhaft gefochten worden iit Danach wurde Brandfort auf drei Seiten gleichzeitig von den Engländern angegriffen und schließlich genommen. Es ist jetzt in ihren Händen. Augenblicklich, heißt es m | ber Mewung, wird beiOsspruit gekämpft, wo die Buren unter General Delarey stehen.

' Eine Depesche Roberts vom Mai aus Smaldeel meldet: Die schottische Brigade halt Win bürg besetzt. Die Bahnstrecke zwischenBrandfort undSmal- deel ist stark beschädigt. Die Brücke über den Vetfluß ist unbrauchbar gemacht worden. ,

Aus Smaldeel wird vom 7. Mai berichtet: General L> u t t o n ist v o r g e r ückt und abends em Lager bei Wel- aeleqen aufgefolagen. Nach Leu -inMaufeuen Be­richten beabsichtigen die Buren, beim Zandflnsfe energische» Widerstand zu leisten. Doch halt es schwer, die Burger zu sammeln. Roberts be uchte heute Hamilton.

Weiter wird über London aus Th ab an chu berichtet, daß die Buren sich auf Ladybrand zurückgezogen haben General B r a b a n t mit der Kolonialdivision traf am Sonntag in Thabanchu em und hat sich Streitmacht verbunden. Es ist, so wird aus ^habaiichu vom 7. d. M. gemeldet, alles ruhig, vom Feinde ist nichts

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Kapitäns zur See Stnbenranch und Frei- Herr von Lynckcr wurden unter Ernennung zu Contre- Admiralen zur Disposition gestellt. Rndaet-

fom-t f3" 0 nb^e 8 Vtgen t WJ« b » £9 über die Decknngssrage derF lottenv or(«8= b£ d-m Anträge BasMrnann w Gew ?°^tges°bt, d

120 Mark mit aroßer Mehrheit angenommen, e6e i eine^om Abg Dr Paasche vorgeschlagene Resolution den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage einen .Gefttz- entwurf vorzulegen, der eine Besteuerung der lande hergestellten Schaumweine einführt, u^d ßleichzettig einen Deklaratiomszwang für die mit künstlichem Zusatz von Kohlensäure hergestellten Schaumweine schafft, -luch der weitere Teil des Antrages Bassermann, wonach die ^wllerböhung auf £ifih:e und auf alle übrigen Brannt­weine 35 n nb 60 Mark betragen soll, wurde unverändert angenjommen. Bei der Beratung dAenigen Teiles des Antraaes der den Zoll aus ausländisches Bier und Meth von 4^ auf 6 Mark erhöhen will, wird die Zollerhohung für Bier mit 13 gegen 9 Stimmen angenommen, und der beantragt Zoll für Schwefeläther nach kurzer Debatte ebenfalls genehmigt. Damit ist der ganze Antrag ss mann erledigt Morgen steht in der Kommission der Nach­ttagsetat auf der Taaesorpnung, sowie die ^sp^chung

I der Besteuerung der Kompensationsgeschäfte der Banken. Die zweite Lesung der Flottenvorlage durfte m der Kom­mission voraussichtlich am Freitag beginnen.

I _ Die heute Nachmittag zusammengetretene Sub- kommissiou macht hinsichtlich ber ®^uer^

I Kompensationsgeschäfte folgenden Vorschlag.

I Kommissionsgeschäften der Kommissionär als Selbst Kon tral^nt ein, so ist, insoweit er am gleichen Tage nut

I anderen Kommittenten ein Geschäft über ^/tte der nam- I liehen Gattnng in umgekehrter Richtung als Se^sssKon trahent abgeschlossen hat, für jedes der beiden Geschäfte

I die Abgabe int eineinhalbfachen Betrage des tarifmäßig n Satzes zu entrichten. Jeder Kommissionär hat em Borsen-

I buch zu führen, worin die ihm erteilten Kommissions-Auft trcige imb die Art ihrer Ausführung ersichtlich zu machen

I sind. Die näheren Vorschriften über die Cnnrichtung und Führung der Börsenbücher trifft der Bundesrat.

I - Die Aeltesten der Berliner K5ufma.nn- schaft haben heute dem Reichstage eine Emgabe über­reicht, in der um Ablehnung der vom Abg.^Mutter-

I Fulda beantragten Erhöhung der Dors en steuer I aebeten wird. Den Handelskammern der anderen deutschien I Börsenplätze ist die Unterstützung der Eingabeanheim- I gestellt worden, wozu sich einige schon im Bosaus bereit I erklärt haben. Der Reichskanzler, der Staatssekretär des I Reichsschatzamtes und der preußische ^anz-und Handels­minister sind um Berücksichtigimg der Eingabe bei der I Beschlußfassung der verbündeten Regierungen gebeten I worden. t «v

I _ ueber die Einbringung der neuen Kanal­vorlage berichtet heute dieKrenzztg.", daß nach Lage der Dinge in kurzer Frist eine Beschlumuisung des etaato» miniiteriurns über den Termin der Embringung n I ctj t zu erwarten ist. Da aber die Geschststslage des ^"dtages es wahrscheinlich mache, daß sarntllck^^ letzt noch vor liegendes Material bis Pilngsten oder kurz nach। W*' aufgearbeitet sein wird, so erscheine 'm höchsten Grave unwahrscheinlich, daß die neue Kanalvorlage d m preuß Landtage noch in dieser Tagung werde zugel^ ko,»

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