lichen Nuntiatur in Berlin geflogen würden, zurzeit ebensowenig etwas bekannt, wie damals, als zuerst verlautete, daß diese Frage mit der Straßburger Fakultätsfrage verquickt werden solle.
— Im preuß. Landtage stand heute die freisinnige Interpellation betreffend den Großschifffahrtsweg Berlin-Stettin auf der Tagesordnung. Nach Begründung derselben durch Abg. Brömel (freis.) erklärte Minister v. Thielen: Die mit den Interessenten gepflogenen Verhandlungen hätten sich derart hingezogen, daß es schwer gewesen sein würde, die begonnenen Arbeiten für eine Kanalvorlage zu beenden und ein Gesetz noch in der laufenden Session fertig zu stellen. Noch weniger aber würde es angehen, einzelne Teile der Kanalvorlage besonders zu erledigen. Eine Trennung des Berlin-Stettiner Großschiffahrtsweges von der Kanalvorlage sei nicht möglich. Die Regierung beabsichtige daher, die Kanalvorlage erst bei der nächsten Session, dann aber so frühzeitig einzubringen, daß die Vorlage in aller Ruhe erledigt werden könne.
— Der Bundesrat überwies in seiner heutigen Sitzung die Vorlagen betr. die Z u l a s s u n g weiblicher Personen zu ärztlichen Prüfungen dem zuständigen Ausschuß und erteilte dem Entwurf des Gesetzes betr. die Aenderungen und Ergänzungen des Strafgesetzbuches nach den Beschlüssen des Reichstages seine Zustimmung. Ferner wurde dem Ausschußantrag zu dem Entwurf eines Arzneibuches für das Deutsche Reich, vierte Ausgabe, und dem Ausschußbericht über den Entwurf eines Gesetzes wegen Aenderung des Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der deutschen Schutzgebiete Zustimmung erteilt.
— Die Eisenbahndirektion Essen hat, zugleich int Namen der Eisenbahndirektionen Elberfeld, Köln, St. Jo- Hann-Saarbrücken, Münster, Hannover, Kassel, Frankfurt a. M. und Mainz, eine Mahnung wegen zeitiger Deckung des Bedarfs an Winterkohle erlassen. In dieser heißt es: „Vor allem ist es hierzu erforderlich, daß der Kohlenbedarf für den Winter,, namentlich an Hausbrandkohle, möglichst frühzeitig gedeckt wird, und, um allen Zufälligkeiten im Winter zu begegnen, soweit irgend angängig, Vorräte, wie dies auch von feiten der Eisenbahnverwaltung zur Entlastung des Herbstverkehrs geschieht, in den Sommermonaten angesammelt werden."
Karlsruhe, 7. Juni. Der 11. evangelischsoziale Kongreß ist heute hier zusammengetreten. Esi sind mehrere hundert Teilnehmer aus allen Teilen Deutschlands anwesend.
Arrsiand.
Paris, 7. Juni. König Oskar ist abends hier eingetroffen und am Bahnhof von Präsident Loubet empfangen worden.
Bern, 7. Juni. Aus Anlaß des 25jährigen JnbiläumS des Welt-Po st-Vereins, das am 2. Juli in Bern von den Vertretern der Staaten des Welt-Post-Vereins gefeiert werden wird, soll der Beschluß gefaßt werden, zur Erinnerung an die Gründung des Wellpostvereins ein Monument zu errichten. Von englischer Seite soll vorgeschlagen werden, das Monument soll das Bild oder die Büste des verstorbenen Staatssekretärs des deutschen Reichspostamts, Dr. v. Stephan, darftellen oder tragen. Außerdem wird eine Denkschrift ausgegeben werden.
Wien, 7. Juni. In der heutigen Konferenz des Exekutivkomites der Rechten, der Ministerpräsident v. Körber beiwohnte, erklärten die Jungtschechen, die Obstruktion nicht aufgeben zu können, wenn ihre Forderungen nicht bewilligt würden. Körber antwortete: Wenn die Tschechen auf der Obstruktion beharrten, so werde das kommen, was kommen müffe, und was die Regierung verantworten wolle. Die Regierung könne nicht dulden, daß Staat und Bevölkerung länger wirtschaftlichen Schaden leide. Das schließliche Resultat wäre der Beschluß, daß die Rechte als parlamentarischer Verband zu bestehen aufgehört habe. Das Parlament dürfte in kürzester Zeit aufgelöst werden.
Die Wirren in China.
Der Londoner „Morning Post- wird aus Peking telegraphiert: Einem Gerücht zufolge sammelt sich die Hofpartei allmählich innerhalb der inneren oder Tartaren- stadt von Peking. Infolgedessen herrscht zunehmende Besorgnis. Die „Times- meldet aus Peking: Die Missionare in Kalgan telegraphierten, daß ihr Leben gefährdet sei. Die Besorgnis wegen der Mission in Partingfu wächst. Peking ist voller Flüchtigen. Ueber die gerüchtweise gemeldete Ermordung zweier russischer Ingenieure bei Autschaufu fehlt eine bestätigende Nachricht. Nach einer Privatmeldung aus Peking wird die Ankunft des amerikanischen Kanonenbootes Helena aus Manila erwartet, um die internationale Blokade zu beginnen, deren Ausdehnung noch Gegenstand der diplomatischen Beratungen ist. Der amerikanische Resident Couger ist eifrig bemüht, die zwischen Japan und Rußland bestehenden Differenzen auszugleichen, damit dem Kollektivschritt der Mächte ein größtmöglicher Effekt gewahrt bleibt.
Der Reuter'sche Korrespondent kam bis 32 Meilen von Tientsin. Dort verbot der chinesische General Nitsch, der bei Yangtsun, 18 Meilen von Tientsin, mit 60 Sol- baten den Zug bestiegen hatte, die Weiterfahrt, du die Gegend augenscheinlich von Boxers wimmle und die Fortsetzung der Reise gefahrvoll sei. Der Korrespondent sah überall die Inschrift „Tod allen Fremden-. Die Ortschaften an der Eisenbahnlinie standen in flammen. — Nach dem glaubwürdigen Berichte des chinesischen Dieners eines belgischen Ingenieurs, der Paoting vor zwei Tagen verließ, sah dieser die Leichen von fünf Fremden und zwei Chinesen im großen Kanal. Plakate sind von den Boxers angeschlagen, in denen gedroht wird, alle Fremden am Samstag zu töten. — In Soeul hat das Vorgehen des japanischen Gesandten in Betreff angeblicher Fälle von Anwendung der Tortur seitens koreanischer Beamter sehr unangenehm berührt. Die koreanische Regier
ung lehne es ab, dem Gesandten eine Audienz zu erwirken, und der König habe ein direktes Telegramm an die japanische Regierung gerichtet.
Die Erörterungen über die Konitzer Mordsache
nehmen in der Preffe einen immer breiteren Raum ein. Je nach dem Parteistandpunkte wird die Angelegenheit in sehr verschiedener Weise behandelt. Für die antisemitische Preffe steht es fest, daß in diesem wie in einer Reihe ähnlicher, leider unaufgeklärt gebliebener Fälle sogenannter jüdischer Ritualmord vorliegt, besten Aufdeckung mit allen Mitteln und namentlich durch reichliche Geldaufwendungen zu verhindern gesucht werde und voraussichtlich auch werde verhindert werden. Entgegengesetzt behandeln diejenigen Blätter den Fall, die von vornherein bemüht waren, von jeder Spur eines jüdischen Thäters abzulenken und gar, wie das Kleine Journal, durch einen eigenen „Rechercheur- die Untersuchung auf eine falsche Fährte zn bringen versuchten. Aufgabe der gewissenhaften, ihrer Verantwortlichkeit bewußten Presse kann es nur sein, die grauenhafte Angelegenheit ohne jede Voreingenommenheit, streng sachlich und lediglich in der Absicht zu behandeln, zur Aufklärung, wenn möglich, etwas beizutragen.
In hohem Maße bedauerlich ist es dabei, daß die Untersuchung bisher noch zu gar keinem Ergebnisse geführt hat. Die Aufregung, die dadurch an dem Ort der That und seiner nächsten Umgebung entstanden ist, erscheint durchaus begreiflich, wenn sie sich auch nicht immer in der richtigen Weise Luft gemacht hat und Lust macht. Auch in weiteren Kreisen macht sich eine wachsende Beunruhigung bemerkbar, weil sich die zur Entdeckung des oder der Mörder bisher angewandten Mittel so völlig unzulänglich erwiesen haben. Man fragt sich, wie das zu erklären sei. In einzelnen Blättern werden bereits nicht nur an der Fähigkeit und Findigkeit der in Könitz thätigen Beamten, soüdern auch an ihrem guten Willen Zweifel erhoben, die von einer Anfechtung ihrer Integrität nicht weit entfernt sind. So werden in einem Blatte folgende Fragen gestellt:
1. Warum ist Frau Roß noch immer nicht vereidigt? Die Frau beklagt sich über unfreundliche Behandlung seitens einiger die Untersuchung führenden Herren. Warum wird die Frau nicht so höflich be. handelt wie die Frau Lewy, der bei einer Haussuchung gute Befferung gewünscht wurde? Etwa nur, weil sie eine wichtige Belastungszeugin ist? 2. Warum will man den Arbeiter Waslow nicht vereidigen? 8. Hat die Untersuchungsbehörde sich auch schon näher mit der Uhrkette beschäftigt, die von der Aufwartefrau bei Lewy auf dem Ofen gefunden wurde? Hat die Behörde diese Kette, die angeblich dem Moritz Lewy gehört, schon den Mitschülern W.'s vorgelegt? 4. Warum wird das Dienstmädchen, das die stadtbekannte Unterhaltung zweier Juden belauscht hat, nicht vernommen? Falls sie auch schon gedächtnisschwach geworden sein sollte, muß sie der Näherin Pestka gegenüber gestellt werden. 5. Wie steht es mit dem Dienstmädchen, das nach Amerika auSwandern will? Erregt diese Absicht absolut nicht die Teilnahme der Untersuchenden?
Wir verzeichnen diese Kundgebung lediglich als Symptom des in weiteren Kreisen herrschenden Mißtrauens, ohne sie uns irgendwie aneignen zu wollen; nur der mit den Einzelheiten der Untersuchung Vertraute kann darüber urteilen, ob und inwieweit sie eine sachliche Berechtigung haben. Inzwischen gibt ein Danziger Blatt in einem Eingesandt eines Strafanstaltsgeistlichen, dessen Inhalt sich auf die Aussage eines getauften, aus strenggläubiger Familie hervorgegangenen, gefangenen Juden, also offenbar eines Sträflings, stützen soll, eine neue Lesart über den rätselhaften Mord. Darin heißt es:
Unter der Voraussetzung, daß der junge Winter ein oder mehrere Judenmädchen entehrt hat, waren die Eltern der betreffenden Mädchen verpflichtet (besonders wenn sie der strengeren Richtung angehirten), dieses Vorkommnis dem Rabbiner zur weiteren Veranlassung anzuzetgen. Derselbe war wiederum gezwungen, die Sache dem Gerichtshof zu unterbreiten. Der Gerichtshof (früher Synedrium) hat mindestens aus fünf Mitgliedern — Rabbinern und Schriftgelehrten (al. Schächtern) — zu bestehen. Bei wichtigeren Angelegenheiten wird die Anzahl erhöht. Dieser Fall muß besonders ernst gewesen fein, d. h. es muß eine mehrfache Entehrung von Judenmädchen Vorgelegen hoben und Winter als besonders gefährlich erachtet fein. Der Gerichtshof, der sich hier, weil es sich um ein nach den Staatsgesetzen schwer zu ahnendes Verbrechm handelt, aus ausländischen Juden zusammengesetzt haben wird, die sich, ins AuS- land zurückgekehrt, leichter der Strafverfolgung entziehen können, hat ein besonders grausames Todesurteil über Winter gefällt und es wahrscheinlich auch an demselben Tage vollstreckt. Er ist an dem Tage zusammengetreten, an dem wie er wußte, Winter von einem Judenmädchen an einen bestimmten Platz bestellt worden ist. Winter ist durch einen Schächtschnitl abgeschlachtet; ba6 Blut mag aufgefangen sein, um die Spuren möglichst zu verwischen, und i)er Körper mußte infolgedessen sehr bald blutleer werben. Daß bas Blut zu Opferzwecken benutzt werbe, ist so gut wie ausgeschlossen. Es würbe sich also hier nicht bloß um einen gemeinen Rachemord, andern um einen sanktionierten Sühnemord handeln. Natürlich kann baß nicht ohne weiteres bewiesen werben — unb wirb wohl auch nie nachgewiesen werben können; benn ein Jube, ber baS verrät, weiß, mag er auch noch so verkommen fein, baß er von ber Stunde an „verdammt" ist, unrettbar verloren ist, und deshalb wird schwerlich ;audj irgend ein jüdischer Mitwisser in Könitz etwas verraten. Daß ber Talmud ober anber Geheimschriften nicht in nackter Offenheit ben Morb, bte Verhängung ber Todesstrafe über einen Nichtjuden unter Umständen anbefeblen, bedarf keiner Erklärung, indeffen in dieser ober jener Geheimschrift, die es unbebingt giebt, mag es doch verblümt stehen, jedenfalls aber nach mündlicher Tradition. Daß das verführte Judenmädchen straflos ober fast straflos auSgeht (wie auch aus 1. Mos. 34 ersichtlich ist) hängt mit ber jüdischen Anschauung zusammen, wonach baS Weib als ziemlich widerstandslos, also in etlicher Hinficht in Bezug auf die sittliche Kraft als minderwertig gilt.
Wir geben die Mitteilung des Danziger Blattes wie wir sie finden. Es lag nahe, mit Rücksicht auf die mehr- fach erwähnten Beziehungen des ermordeten Gymnasiasten zu Judenmädchen an einen Racheakt zu denken; ob derselbe unter Umständen den Charakter eines „Sühnemordesannehmen kann, wie der Gewährsmann des Danziger Blattes behauptet, muß natürlich dahingestellt bleiben. Wer von jüdischen Geheimschriften spricht, die in dieser Beziehung Anhaltspunkte bieten sollen, hat deren Vorhandensein und Tragweite zweifellos nachzuweisen, und das Gleiche gilt von der behaupteten Tradition. Hätte man nur erst den Thäter bezw. die Thäter entdeckt; über das Motiv würde dann schon leichter Klarheit zu schaffen sein.
Aus Stadt und Kand.
(Anonyme Einsendungen, gleichviel welchen ÄnkaUe« Werder» grirndsätzNch nicht ausgenommen.) '
Gießen, 8. Juni 1900.
* • Perfonalnachrichteu. Am 6. Juni wurde der Kanzlei- inspektor bei dem Großherzoglichen Oberkonsistorium Karl Wahl, zum Registrator, und der Kanzlist bei dem ®rofi- herzoglichen Oberkonsistorium, Rudolf Rothermel, iura Kanzleiinspeftor bei dieser Behörde, am 30. Mai der Finanzaspirant Theodor Clo oS aus Gedern zum Revisor bei der Brandversicherungskammer ernannt. — Der Gerichtsaffeffor Keil zu Büdingen ist mit der Wahrnehmung der Dienst, Verrichtungen eines Amtsanwalts in Lauterbach beauftragt worden.
* * Mathematiker Versammlung in Gieße«. Wir hatten gestern Gelegenheit zu erwähnen, daß zurzeit in Hamburg die 9. Hauptversammlung des Vereins zur Förderung bes Unterrichts in Mathematik und Naturwiffenschaften statt« findet. Die Versammlung hat nun beschlossen, die nächst, jährige Hauptversammlung in Gießen abzuhalten.
* e Gewitter unb Rege«. Gestern nachmittag hat um ein kurzes Gewitter erfreuliche Abkühlung der Luft gebracht, und heute früh erfrischt ein ausgiebiger Regen die trockene, Felder. In der Umgegend von Mainz, wie Laubenheim, Bodenheim und HechtSheim, gingen bereits vorgestern starke Gewitter mit langandauernden Hagelschlägen nieder, die in den Weinbergen und Feldern großen Schaden anrichteten.
* • Unsere Studentenschaft hat ihre Beteiligung an dem historischen Festzuge bei der Gutenbergfeier in Mainz an- gemeldet.
Extra-Konzert. Heute abend giebt in Steins ©arten die Regimentskapelle ein Extra Konzert zum Besten de- Jnvalidendanks, auf das wir in Anbetracht des wohl« thätigen Zweckes nochmals Hinweisen.
* * Theater. In Bezug auf den Ausfall des Gastspiels des „Hof- und Stadttheater-EnsembleS" in „Stein- Garten" erhalten wir folgende Zuschrift:
Mit den Gepflogenheiten des hiesigen verehrlichen Publikums nicht vertraut, glaubten wir, aus dem minimalen Barverkauf (ca. 15 M) auf einen sehr geringen Besuch der annoncierten Vorstellung schließen zu müssen. Da unsere Kosten ziemlich bedeutend sind und wir kaum hoffen durften, nur die Hälfte derselben durch die Einnahme decken zu können, so sahen wir uns gezwungen, die Vorstellung telegraphisch abzusagen Leider zu spät erfuhren wir, daß unsere Voraussetzung zu pessimistisch und die Abendkaffe sogar sehr erträglich gewesen war. Außer dem pekuniären Schaden, den wir durch den Ausfall der Vorstellung zu tragen haben, bedauern wir aber hauptsächlich die vielfachen Unannehmlichkeiten und Verlegenheiten, die dem hochverehrten Publikum indirekt durch unsere Schuld entstanden, und bitten in aller Höflichkeit um Verzeihung. Wir werden die Scharte in Kürze auswetzen und bitten das hochverehrte Publikum, uns bei einem demnächst bestimmt stattfindenden Gastspiel mit seinem Besuch zu beehren.
Robert Friedrich, Leiter des Hof« und Stadt-Theater-Ensembles.
0. Grebenhain, 7. Juni. Vorgestern nachmittag fand auf bem Schießstande bei der FriedenSeiche ein PreiS- fchießen statt, verbunben mit ber Abschiebsfeier fär ben von hier nach Seligenstadt versetzten Oberförster Weber, als Präsidenten ber Kriegervereine des Bezirks Herbstein. Die Feier begann damit, daß der hiesige Musik» verein Herrn Weber ein Ständchen brachte, wobei Post» Verwalter Breitwieser einige herzliche Worte sprach und ihm gleichzeitig seine Ernennung zum Ehrenpräsidenten mitteilte. Darauf bewegte sich der Festzug nach dem Feft- platz. Die Festrede hielt Postverwalter Breitwieser al- stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Er beklagte den Verlust, der den Vereinen des Bezirks Herbstein durch da- Scheiden des langjährigen Präsidenten entstanden fei. Oberförster Weber dankte und verabschiedete sich mit einer kurzen Ansprache. Bei dem Preisschießen gingen folgende Personen als Sieger hervor:
August Hofmann, Grebenhain, 1. Preis, Fr. Schneider, Grebenhain, 2. Preis, Gardist Lind, Jnf.-Reg. Rr. 115, 3. Preis, Postverwalter Breitwieser, Grebenhain, 4. Preis, Forstwart Flohr, Ilbeshausen, 5. Preis, Oberförster Weber, Grebenhain, 6. Preis, Dr. Bruchhäuser, Grebenhain, 7. Preis, Postverwalter Breitwieser, Grebenhain, 8. Preis, Förster Georg, Ilbeshausen, 9. Preis, Oberförster Weber, Grebenhain, 10. Preis, Gastwirt Hofmann, Freiensteinau, 11. Preis, Apotheker Carl, Freiensteinau, 12. Preis, Dr. Bruchhäuser, Grebenhain, 13. Preis, Forfl- wart Rühl, Hartmannshain, 14. Preis, Gastwirt Hofmann, Freiensteinau, 15. Preis, H. Hofmann, Nieder-Moos, 16. Preis.
Die Preise bestanden in diversen Gebrauchs-Gegenstände», im Gesamtwert von ca. 70 Mk. Konzert und Tanz hielten die Feftteilnehmer noch bis in die späte Nacht beisammen.
Darmstadt, 8. Juni. Der Großherzog erteilte jeute vormittag im Residenzschloß Audienzen und nahm Meldungen und Vorträge entgegen. Am nächsten Sams-" tag finden keine Audienzen, Meldungen und Vorträge statt. — Vorgestern abend reiften von Jagdschloß Wolfsgarten die Herzogin und die Prinzessin Beatrice von Sachsen-Koburgund Gotha nebst dem Erbprinzen und der Erbprinzessin zu Hohenlohe- Langenburg, die im Laufe des Nachmittags daselbst eingetroffen waren, nach Paris. Im Gefolge befand sich Fräulein Gazert. — Wie die „Darmst. Ztg." erfährt, hat Förster Sauerwein, jetzt in Burkhards bei .Schotten, in einem an die Ober - Staatsanwaltschaft gerichteten Schreiben erklärt, daß die Nachricht bezüglich von ihm angeblich gemachter „Enthüllungen" in der Mord- fache Kuh michel von Anfang bis zu Ende erfunden ist. Sauerwein wird gegen die Zeitung, die die falsche Nachricht zuerst brachte, Strafantrag stellen. — Das' „Darmst. Tgbl." schreibt: Die „Wormser Zeitung" scheint mit ihrer Meldung über den „Fall Kuh michel" das Opfer einer Mystifikation geworden zu sein. Nach Erkundigung bei seiner vorgesetzten Behörde, der Oberförsterei Schotten, ist der Forstwart Sauerwein, der bis 1.Juni 1896 zu Forsthaus Mitteldick stationiert war, gesund und munter und hat keinerlei Aussage bezüglich des Falles Kuhmichel gemacht. Der Raubmord an dem Mörfelder Landwirt Arndt geschah am 23. Oktober 1891 abends gegen 6 Uhr. An demselben Tage fand Hofjagd im Distrikt Buchschlag der Oberförsterei Mitteldick statt, welcher Großherzog Ludwig IV. und Prinz Heinrich von Preußen beiwohnten, und bei der auch Sauerwein als Hofjagdbeamter'


